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offenes Diskussionsforum
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
Christian, Mario Herger, Dieter Kuttenberger, Odin, Anita

Darf Volksmusik was kosten?

Startbeitrag von Mario Herger am 10.11.2003 21:48

Zeit fuer ein neues Thema und weil gerade bei mir eine Mail wegen zu geringer Auswahl an Gratis-MP3s zu Tänzen auf meiner Website hereinkam:

Warum ist gerade im volkskulturellen Umfeld die Meinung so weit verbreitet, dass Volksmusik und Volkstanz nichts kosten darf ? Für jeden Kinofilm blaettert man bereitwillig 8 Euro, fuer jedes Bier 2-3 Euro, fuer jedes Clubbing 10 Euro hin, nur beim Volkstanz und bei der Volksmusik wird an den 2-3 Euros pro Abend geknausert und argumentiert, dass es sich um Volkskunst und damit per definitionem um was Kostenloses zu handeln habe.
- Macht Ihr auch diese Erfahrung?
- Was sind die Ursachen dafuer?

Mario

[www.volkstanz.at]
[www.dancilla.com]

Antworten:

Ich hab eigentlich verschiedenen Erfahrungen gemacht.
Findet ein Musikantentreffen im lockeren Rahmen statt, dann sind es ja meistens "Liebhaber", die in einen herumgehenden Hut gerne einen Obulus abgeben. Oft kommt so ein wesentlich höherer Betrag zusammen, als über ein festes Eintrittsgeld. Außerdem hat man dabei das Gefühl, die Musikanten spielen hauptsächlich zur eigenen Freud, und damit echt echt.
Werden allerdings Veranstaltungen mit fest eingeladenen Gruppen durchgeführt, dann werden bei uns durchaus Beträge über 8€ kassiert....
Aber das ist dann für die gebotene Vielfalt für meinen Geschmack eher zu wenig.
Allerdings freut sich mein Geldbeutel drüber.
Volkstänze werden meiner Erfahrung nach auch immer über ein Eintrittsgeld finanziert, wobei die Veranstalter sich oft bemühen, mit einem netten Eintrittsmaskottchen das Gnze zu versüssen.
Unser Trachtenverein hatte in diesem Sommer einen "Vrsuchs-Heimatabend", mit freiem Eintritt: Fazit: Es waren weniger Zuschauer als sonst.
Man muss den Leuten schon was abverlangen, damit die Darbietung auch geschätzt wird, anscheinend meinen viele, was umsonst ist, ist auch weniger wert.
Bin auf eure Erfahrungen gespannt.
Anita

von Anita - am 13.11.2003 13:15
Hallo

Sehen wir uns das mal historisch an:

Früher, als die Volksmusik noch in lebender Tradition gemacht wurde,
hat sie meistens was gekostet. Die Musikanten spielten entweder nur
auf "Bestellung" oder liessen den berühmten Hut rumgehen.

Hier in Schweden gab es sogar spezielle "Hutrumgehstücke", mit denen
der Musikant (meistens war er allein) sein Ansinnen nach einer Aufwands-
entschädigung untermalte.

Auch die Texte waren klar. In den Texten wurde meist darauf hingewiesen,
dass der Musikant - der "spelman" - seine Saiten abnutzte:

Munsör löser på sin pung,
här finns raska drängar.
Ge vår raska speleman
som nöter sina strängar ....

Grosse Bauernhochzeiten waren für einen tüchtigen "spelman" eine
wichtige Nebeneinnahmequelle. Die Musikanten waren nämlich in
der Regel Kleinbauern oder Landarbeiter, manchmal auch Mesner.

Volksmusik, die man mit Gesang oder Instrumenten für sich selber machte,
kostete natürlich nichts. Vor allem gab es kein Urheberrecht und keine
"GEMA", die das musikalische Volksgut für sich vereinnahmen wollte.

Gruss

Odin

von Odin - am 13.11.2003 14:56
Hallo Leute,
Ich bin zum ersten mal im Forum und hab gleich mein Lieblingsthema zu Diskussionen gefunden.

Ich finde es sollte genausoviel kosten wie alles andere, denn bezogen auf die Autoindustrie kann man auch sagen, der VW (Wolkswagen) sollte ursprünglich für jeden, also auch die Ärmeren erschwinglich sein, Hahaha. Schaut euch jetzt die Preise an. Und warum sollte wir dann bei der Musik nicht verlangen?

Ich hab öfters Verhandlungen bei denen man versucht uns Musiker im Preis zu drücken, aber da bin ich hart. Denn meinen neuen Kontrabass (ca 5000€) hat mir auch keiner geschenkt und den muss ich durch das Musikspielen wieder "reinspielen". Aber soll ich das können, wenn kaum einer dafür zahlen will?
Jeder Musiker oder jede Gruppe hat ihren "Fanclub", der gern für die Leistung des Einzelnen zahlen will, weil sie die Arbeit und den Vortrag schätzen.
Wir z.B. schreiben die mehrheit unserer Lieder selber, bzw vertonen Gedichte. Was das an Arbeit ist, weiß kaum einer.
Ich hoffe die Gesellschaft, die es zu schätzen weiß setzt sich für uns etwas ein.

Was sagt ihr zu meiner Stellungnahme?

MfG Christian

www.musischindta.de
www.christian-schrenk.de

von Christian - am 20.11.2003 09:49
Gebe Dir Recht und bin voellig Deiner Meinung. Ich wuerde aber wirklich gerne wissen, warum scheinbar die Meinung vorherrscht, Volksmusikanten duerfen nichts oder nur wenig kosten und deshalb ist alles was in die preisliche Gegend von anderen Musikern kommt, fast schon unverschämt.
Wird da gedacht, dass Volksmusik, weil ja scheinbar sooooo einfach, keinen Wert hat und da ja auch nicht wirklich geuebt werden muss, die Instrumente ja "billig" sind etc. ?

Mario

von Mario Herger - am 20.11.2003 16:41
Du ich weiß nicht. Ich will mich da gar nicht mehr aufregen. Ich hab mich gestern mit meinem Kontrabassbauer unterhalten (ich will ja keine Werbung machen www.dobmeier-geigenbau.de) und der ist der gleichen Meinung wie ich. Aber er kennt eben auch die Leute, die eingefleischte Volksmusiker sind und die eben unsere Ausgaben an Noten Instrumente.. zu schätzen wissen.
Ich weiß nicht was man da machen kann, aber ich würde einfach einen Preis ansetzten und nicht davon abweichen, egal wie überteuert das der Einzelne findet. Wenn er es will, dann bezahlt er es auch (siehe Volksfeste, wo sich die Preise der Bands bei einigen tausend Euro aufhält).
Ich zahl gerne, denn ich weiß ja aus eigener Erfahrung was Musik an arbeit ist.
Schau doch mal auf unserer Homepage vorbei, vielleicht kannst uns ja mal zuhören und dann sprechen persönlich darüber.

MfG Christian

von Christian - am 21.11.2003 11:22
Servus,

ich bin auch der Auffassung, dass gutgespielte Volksmusik etwas kosten muss!
Der verbreitete Glaube, dass Volksmusik nichts kosten darf kommt m. E. aus der Geschichte der Volksmusik. Früher hat man unterschieden zwischen Salonmusik (für die obere Schicht) und eben die Volksmusik für die Bauersleute.
Ich kann mir vorstellen, dass diese "Volksmusik" Musik von armen Leuten für arme Leute war.
Viele Leute dürften auch Volksmusik mit Hausmusik verwechseln. Klassisches Beispiel sind hier sicherlich musikalische Darbietungen an Weihnachten in der Familie, wo die Mama einmal im Jahr die Flöte spielt, die Kinder dazu Klavier und Gitarre und der Papa das verstaubte Akkordeon rausholt.
Das ist dann Volksmusik vom Volk und nicht Volksmusik fürs Volk.

Servus,
Dieter

von Dieter Kuttenberger - am 07.01.2004 22:58
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