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Volxmusik und Akkordeon?

Startbeitrag von Alpstar am 24.10.2004 19:47

Liebe Musikanten,

Ich bin Akkordeonspieler aus Rosenheim und nach längerer Pause wieder verstärkt am üben. Dabei sind Volksmusikstücke meine neue Leidenschaft geworden. Ich spiele nur als Hobby und zusammen mit einem Gitarrenspieler. Noten haben wir z.B. vom Volksmusikarchiv.

Dieses Forum ist sehr aufschlussreich bezgl. vieler Aspekte der aktuellen "Lage" in der Szene Volxmusik.

Ich hätte aber bitte gerne eure Meinungen bezüglich Akkordeon in der Volxmusik gehört. Die Diatonische Harmonika scheint mir verbreiteter und irgendwie "akzeptierter" zu sein als das Akkordeon. Seht Ihr das auch so oder nicht? Woran liegt das? Ist es nicht eher ein Nachteil wenn ein Instrument nur ein paar Tonarten spielen kann?

Auch wenn ich mir bekannte Akkordeonisten der Volksmusik betrachte (z.B. Sepp Winkler, Georg Schwenk, Rudi Zapf, Peter Koller etc.) dann spielen sie fast immer Knopfakkordeon aber ganz selten das Pianoakkordeon. Es ist fast schon etwas frustrierend als ob das Tastenakkordeon ein schlechtes Image hat. Bilde ich mir das ein oder nicht? Der Klang ist doch derselbe?

Ach ja:
wir suchen noch einen Zitherspieler (m) für Trio: Zither, Akkordeon und Kontragitarre. Ideal wäre männlich 40- bis 60 Jahre. Als Basis wollen wir Stücke im Stil der "Rupertiwinkler Musikanten" machen. Zither spielte dort Franz Schwab, der hat in den 60er Jahren schon echt improvisiert zu den überlieferten Melodien.

mfG Willi

Antworten:

Wieso sollte das Piano-Akkordeon ein schlechtes Image haben?
Redest Du Dir das nicht nur ein?
Ich kenn genug Volxmusiker die Piano-Akkordeon spielen.
Der Klang zwischen Piano-Akkordeon und Knopf-Akkordeon gleicher Bauart ist auf schon gleich, der Unterschied ist hauptsächlich, daß man mit Knöpfen schneller spielen kann, bzw. mehr Töne gleichzeitig, weil die Töne eben näher zusammenliegen.
Die diatonische Harmonika ist deshalb in der alpenländischen Region mehr verbreitet, weil da Ihr Ursprung ist und die Stücke auch dazu passen. Wenns (fast) keine Chromatik gibt brauch ich ja auch kein Instrument das das kann.
Abgesehen davon ist natürlich der Klang der diatonischen Harmonika (ich nehme an Du meinst eine steirische mit Helikon-Bässen usw.) ganz anders wie der eines Akkordeons.
Dafür gibts aber auch schon Kompromisse, Piano Akkordeons, die ähnlich klingen wie ne Steyrische.
Also laß Dich nicht entmutigen, ich denke Dich schaut keiner blöd an, weil Du Piano-Akkordeon spielst, die Hauptsache ist doch, es macht Dir Spaß.
Grüßle,
Jonny

von Jonny - am 25.10.2004 10:36
Ich glaube die Ursache für die geringe Verbreitung des Klavierakkordeons in der Volksmusik ist im Spielsystem zu suchen. Beim Knopfakkordeon ist der Spieler an kein Griffsystem gebunden, egal welche Tonart gerade verlangt ist. Je nach Stimmung der Mitspielinstrumente können wir durch wechseln der Knopfreihen mit immer dem gleichen Fingersatzmuster in allen Tonarten spielen. Das geht ja mit dem Klavierakkordeon nicht so einfach. Wir spielen in unserem Duo die verschiedensten Harmonikas.(Chromatisch C-griff, Klubdiatonisch C-F, B-Es, Schwyzerorgel B-Es und Ziach B-Es-As-Des) Dabei sieht man wie schnell bei Diatonischen Instrumenten die Grenzen der vorbestimmten Tonarten erreicht sind wenn man sich von den einfachen Harmonien entfernt. Es ist auch auffallend dass das Klavierakkordeon ausser in der Oberkrainermusik hauptsächlich in der Akkordeonorchestermusik verbreitet ist, wo ausschliesslich nach Noten und angeblich auf höherem Niveau gespielt wird. Da machen sich Klaviertasten auch besser als Harmonikaknöpfe.Genug der Ironie, das wichtigste am Handzuginstrument (Harmonilas jeder Art) ist, dass das Tremolo egal ob zwei- oder dreichörig durchgehend sauber und nicht zu aufdringlich gestimmt ist, also eher leicht minus dann wird auch ein "Klassiker" das Instrument nicht als stöhrend oder schrill empfinden.
In der Ländlermusikszene der Schweiz hat es auch immer wieder gute Klavierakkordeonspieler gegeben, die den Knopfspielern nichts nachstanden und so denk ich wird es überall sein. Die Ewiggestrigen sterben halt auch nicht aus, so wird es immer wieder vorkommen das einer meint gerade dieses Instrument passt jetzt gerade bei dieser Musik nicht.

Aber das kann uns "Handorgeler" nicht erschüttern,
in diesem Sinn grüsst
Erwin

von Erwin Brülisauer - am 26.10.2004 14:36
Servus Willi,

ich glaub nicht, daß das Tastenakkord bei den Volksmusikanten in einem schlechten Ruf steht. Es gibt auch sehr gute und bekannte Piano-Akkordeon-Spieler, z.B. Wolfi Neumüller (hat lange am Ignaz-Günther Gymnasium unterrichtet,und etliche Volksmusik-Akkordeonnoten herausgegeben), Karl Schreier von der Rosenheimer Tanzlmusi, Brigitte Buckl aus Prien, Hans Wiesholzer aus Pfraundorf, etc, um nur einige aus Deiner näheren Umgebung aufzuzählen.
Die Diatonische ist wohl deswegen so verbreitet, weil sie einen sehr prägnanten Ton hat und sich auch sehr gut für die meistens im I-IV-V-Umfang harmonisierten Volksmusikstücke eignet. Außerdem schaut sie etwas "volkstümlicher" aus als die "schwarz-weiß-Ziach". Die heutigen Harmonikas haben zwar theoretisch auch alle Töne irgendwie drauf, aber auch für gute Durchschnittsmusikanten ist sie doch auf max. 6 Tonarten beschränkt (als 5-Reiher).
Beim Knopfgriff-Akkordeon liegt der Vorteil meines Wissens darin, daß das Transponieren ziemlich einfach ist.
Mir persönlich gefallen Akkordeons für Volksmusik dann am besten, wenn sie ziemlich flach gestimmt sind, egal ob Knopf- oder Piano.

Ansonsten würde ich stark dafür plädieren, eine Einteilung in Volksmusik- und Nicht-Volksmusikinstrumente zu unterlassen. Es gibt zum Beispiel viele, die Volksmusik auf dem Saxophon nicht akzeptieren. Dabei ist es doch relativ unwichtig, WOMIT jemand musiziert, sondern vielmehr WAS und vor allem WIE er spielt. Mir jedenfalls ist ein Saxophon-, Xylophon-, Pianoakkordeon-, Oboen- oder Was-auch-immer-Spieler, der musikantisch und richtig spielt, allemal lieber als jemand der auf einem "echten" Volksmusikinstrument seine Stückl mehr schlecht als recht runterleiert (von der zweiten Sorte gibt es leider mehr als genug...).
Vor zwei Wochen hab ich mit der Vilsleitnmusi in Neuötting gespielt, und da waren auch die Salzburger Holzbläser mit dabei. Sie spielen in der Besetzung 2 Klarinetten + Fagott(!), aber nicht nur das typische Trio-Repertoire wie Menuette, Deutsche Tänze und ähnliches "höfisches", sondern auch Tanzmusik, Landler, Walzer, Boarische. Und das mit einer Raß und einem Schmiß, die viele Tanzlmusiken leider vermissen lassen. Es war für uns alle auf der Bühne, allesamt lauter bekannte und erfahrene Gruppen aus der "Szene", ein Hochgenuss, den Salzburgern zuzuhören. Absolut empfehlenswert, aber halt mit Fagott, mit dem "man" ja nicht Volksmusik spielt...

Für die Suche nach dem Zitherer wünsche ich Dir viel Glück. Dürfte aber im Raum Rosenheim nicht allzu schwierig sein, jemanden aufzutreiben.
Ich bin im Raum Erding auf der Suche nach einem Zitherer, aber hier ist, volksmusikalisch und vor allem Zither-mäßig gesehen, tiefste Diaspora :-(
Wenn Du mal einen (Kontra)Gitarristen zur Aushilfe brauchst, kannst Du Dich gerne bei mir melden.

Gruß

Martin

von Martin Albert - am 27.10.2004 09:28
Servus,

Ich bereue es im Nachhinein nicht, Piano-Akkordeonist und kein Ziach-Spieler zu sein. Mir würde es nämlich irgendwann auf die Nerven gehen, immer nur Stücke in B-Es-As-Des spielen zu können (wer kann sich schon zwei Ziachs leisten?). Mit dem Akkordeon bist Du in dieser Richtung viel freier. Und versuch mal, einen verminderten Akkord oder einen schlichten Septakkord auf dem Ziach-Bass zu spielen.
Was jetzt nicht heißen soll, dass die Ziach allgemein musikalisch beschränkt ist. Ich hab erst neulich eine Wette um ein Fassl Bier verloren, weil ich es nie und nimmer für möglich gehalten hatte, dass man die "Tritsch-Tratsch-Polka" auf der Ziach ohne Weglassen von Tönen spielen kann (man beachte die vielen Halbtonschritte). Und wenn man ehrlich ist, machen sich Soli aufm Ziach-Bass noch viel besser als Akkordeon-Bass-Solos, weil die Ziach einfach viel tiefer runterkommt.
Allgemein ist der Vergleich Akkordeon und Ziach eigentlich komisch. Das sind zwei völlig unterschiedliche Instrumente, die beide ihre Berechtigung haben. In unserer Volksmusikgruppe benutzen wir beides, und grad die Abwechslung ist eine feine Sache!

Ciao,

Andi

von Andi - am 30.10.2004 14:57
Die Ablehnung des Pianoakkordeons habe ich auch bei uns in der Schweiz vereinzelt festgestellt. Es sind dies aber die gleichen Leute, welche auch das Klavier in der Volksmusik nicht mögen. Deshalb kann man hier eher von einem optischen Problem (die Tasten) beim Pianoakkordeon sprechen. Denn wie schon oben geschrieben wurde: Klingen tut ein Pianoakkordeon ja gleich wie ein chromatisches Knopfakkordeon (Stimmen, Stimmstöcke, evtl. Cassotto sind gleich). Klangliche Unterschiede bestehen dann schon zu der Steirischen und dem Schwyzerörgeli. Dies ist aber nebst der Art der Stimmung auch konstruktions bedingt.

Lieber Willi, lass dich nicht beirren. Mach nur weiter. Ich spiele seit 25 Jahren Schwyzerörgeli und bin vor 3 Jahren auf das Pianoakkordeon umgestiegen.

Urs

PS: Weitere Infos zum Schwyzerörgeli findet man bei www.folkmusic.ch / Schwyzerörgeli

von Urs Nydegger - am 30.10.2004 21:23
Servus Martin und alle anderen die geantwortet haben,

Danke! Eure Meinungen und Hinweise haben mich wieder ermutigt und bestätigt.
Von Wolfgang Neumüller habe ich mir die Notenhefte besorgt, sehr ansprechend und eben "aufs Instrument passend". Ich übe jetzt auch verstärkt Stücke auswendig das macht enorm viel aus beim Zuhörer (oder besser: beim Zuseher).

Wo ich mir noch unschlüssig bin ist die Stärke der gestimmten Schwebung. Bei der Ziach sind ziemlich starke Schwebungen üblich und das mit 3 Stimmzungen. Bei Akkordeon (Knopf wie Tasten ) hört oder liest man aber oft Empfehlungen für schwache Schwebungen und auch eher nur 2-chörig. Auch ein interessanter Gegensatz zu dem stehen und danach spielen muss, finde ich.

Servus,

Willibald

von Alpstar - am 01.11.2004 11:29
Servus Willi,

schön, daß Dich mein/unsere Beiträge ermutigen.

Was das Tremolo von Ziach oder Akkordeon angeht, kommt man eindeutig in die Zone "Geschmackssache". Ich selbst bin ja kein Ziacherer, aber nach MEINEM Zuhörer- bzw. Mitmusikantengehör klingt eine flache Stimmung grundsätzlich schöner. Viele Diatonische-Spieler lassen sich Ihre Instrumente mittlerweile extrem flach stimmen, egal ob 2- oder 3-chörig. Meiner Meinung nach verträgt eine zweichöriges Instrument ein stärkeres Tremolo als ein 3-chöriges.
Soweit ich es beurteilen kann, hat eine flache Stimmung auch keine Auswirkung auf die Lautstärke, sondern nur auf die Farbe des Tones. Und auf die Reinheit: bei den "schreiadn" (sehr starkes Tremolo) Ziachn, klingt es halt manchmal schon etwas, naja "gewöhnungsbedürftig", vor allem wenn sie mit einem anderen mehrchörigen Instrument zusammen gespeilt werden; z.B. mit einem Hackbrett, noch dazu, wenn es nicht mehr ganz sauber stimmt, oder mit einer anderen Ziach mit etwas anderem Tremolo (ich liebe es....wenn das Stückl dann endlich aus ist :-( )

Hier bist Du aber mit dem Akkordeon (ich nehme an, Deines hat auch mehrere Register) gegenüber den Steirischen ganz klar im Vorteil. Eine Ziach hat immer die selbe Stimmung, die aber nicht für alle Einsatzzwecke gleich gut geeignet sein muß.
Du kannst von 1 - 3 chörig mehrere Register auswählen, noch dazu kannst Du Dir jedes einzelne nach Deinen Vorstellungen stimmen und tremolieren lassen. Das erfordert zwar einiges Ausprobieren (und auch Geld, da das Stimmen lassen nicht gerade billig sein soll), aber es ist den Aufwand wert. Horch einfach bei Dir und bei anderen Akkordeonisten hin, was Dir gefällt und was nicht. Aus meiner Erfahrung weiß ich, daß die meisten Akkordeonspieler gerne Tips geben (z.B. Diskantverdeck mit Zeitungspapier dämpfen, etc.), bzw. Erfahrungen austauschen, oft stundenlang...;-).
Die Firma Rumberger in Prien wird übrigens von vielen als sehr guter Akkordeon-Stimmer empfohlen.

Am besten verläßt Du Dich auf Dein Gefühl, schließlich bist Du derjenige der musiziert und es ist Deine Musik die Du machst, auch wenn es keine selbstgemachten Stückl sind oder wenn jemand anders meint, das was Du machst wäre falsch. Wenn Du mit dieser Einstellung noch offen für andere Eindrücke und gutgemeinte Hinweise von anderen Musikanten bist, dann findest Du bestimmt zu einem Dir entsprechenden Musizierstil.

Gruß

Martin

von Martin Albert - am 02.11.2004 09:43

Klang ist Geschmacksache

Wenn Du ein Instrument willst, daß dem Steirischen Klang nahe kommt, kann ich Dir Zupan empfehlen.

Die Schwebung ist die eine Sache, Casotto die andere. Das hat auch eine sehr starke Auswirkungen auf die Klangfarbe.
Ich hab 2 Akkordeone:
Eins mit Musette-Stimmung (3-chöriges Tremolo) und eins mit 2-chörigem Tremolo. Mir gefällt da die 2. besser.

Nur ganz nebenbei: Es gibt auch diatonische mit D-DIS Stimmung. Soviel zur Chromatik.
Gruß,
Jonny

von Jonny - am 04.11.2004 11:58
Warum spielt in der Volksmusik fast niemand Akkordeon mit Klaviertastatur? Die Antwort ist relativ einfach.
Die Ur-Form der Harmonika hatte bereits Knöpfe. Aus dieser Ur-Form entstanden verschiedenste Systeme von Harmonikas. In Österreich und Bayern die Steirische oder Ziach, in der Schweiz das Schwyzerörgeli, in Ostdeutschland die Concertina und das Bandoneon, in Wien das Wiener-Modell. Alle diese Instrumente haben Knöpfe und viele sind auch diatonisch, können also nicht in allen Tonarten spielen.
Einige Jahrzehnte später entwickelte irgend jemand ein Akkordeon und eben auch mit Knöpfen, da alle Handzuginstrumente bis anhin Knöpfe besassen. Das Akkordeon mit Klaviertastatur wurde erst entwickelt, als Pianisten nach einem tragbaren Instrument suchten und da war es einfacher eine Klaviertastatur an ein Akkodeon zu bauen, als ein neues System zu lernen.
In der Ländlermusikszene der Schweiz gibt es sehr wenige Klavierakkordoen-Spieler und viele von denen haben zuerst Klavier gelernt und dann zusätzlich noch Akkordeon. Ich selbst spiele Knopf-Akkordoen C-Griff, Schwyzerörgeli und Ziach, daneben auch noch Klavier, was ich allerdings erst viel später erlernte. Ich bin der Meinung, dass es keine Rolle spielt, was für ein Instrument nun eingesetzt wird in der Volksmusik. Die Hauptsache ist, dass die Musik dem Spieler und dem Zuhörer gefällt und dass das Instrument einen schönen Klang erzeugt.
Und nebenbei noch etwas zu den vorherigen Beiträgen bezüglich Klang:
Prinzipiell kann jedes Instrument mit durchschlagenden Zungen im Tremolo wie z.B. eine Ziach oder ein Schwyzerörgeli oder eine Musette-Orgel gestimmt werden. Ein Instrument mit dreifach Tremolo hat einfach einen stärkeren Klang als ein 2-chöriges Instrument. Was den Klang weicher ertönen lässt, ist ein Casotto, oder eine Diskantchalousie zur Dämpfung des Tones. Und der fast wichtigste Punkt ist, wie die Stimmzungen hergestellt wurden. Eine ausgestanzte Stimmzunge *klirrt* viel mehr als eine aus dem Endlosstahl von Hand gefeilte Zunge.
Mit all diesen Details, lässt sich der Klang für das Ohr verschönern oder verschlimmern.
So das wärs von meiner Seite. Viel Spass mit eurer Musik.

Markus

von Markus Brülisauer - am 11.11.2004 19:05
Hallo zusammen, ich spiele selbst seit einem Jahr die Steirische aber auf der Bühne Rhythmusgitarre und mein Kollege die Steirische. Zu deiner Frage: Es ist natürlich ein beim Pianoakkordeon der Vorteil der Tonmöglichkeiten. Allerdings bietet die Steirische einen einmaligen Klang der mit dem Akkordeon nicht im entferntesten vergleichbar ist.
Ich selbst würde, wenn ich Akkordeon spielen könnte zumindestens auf ein Pianoakkordeon, welches die Stimmen der Diatonischen besitzt zurückgreifen, wenn die Tonarten der Steirischen nicht ausreichen.
Diese Akkordeons sind zwar etwas kostspielig aber von der Leistung her äußerst wertvoll. Hersteller sind z. B. Beltuna oder Lanzinger!

Gruß Daniel

von Daniel Kostritza - am 01.01.2005 14:32
Servus,

Daniel hat unbedingt recht, habe inzwischen ein beltuna - Akkordeon mit dem ich ein- zwei- oder dreichörig spielen kann und dessen Klang bei dreichörig einer diatonischen schon sehr nahe kommt. Bin happy damit. Danke an alle für die vielen Hinweise.



mfG Willibald

von Alpstar - am 06.01.2005 19:42
Servus Alpstar,

ich habe im Mai 03 als totaler Anfänger begonnen, Akkordeon zu lernen und bin auch vor der Entscheidung gestanden ; Ziach, steirische oder Akkordeon und habe mich bewußt für das Akkordeon entschieden. Ich spiele zwar sehr gerne boarische und ähnliches, will aber musikalisch trotzdem nicht eingeengt sein und da bietet das Akkordeon einfach mehr als die o. g. Meine Frage an Dich. Ich hab in letzter Zeit einige Akk. ausprobiert, bin aber immer noch unschlüssig welches es sein soll. Mein derzeitiges "Instrument" ein Hohner Student mit 28 Tasten reicht nicht mehr, nur das Teil klingt echt gut und vor allem der Bass ist so voll das selbst ein Concerto III nicht mithalten kann. Ich habe nun rumprobiert aber kein Akk gefunden das vor allem auf der Basseite schön voll und tief klingt. Von Helikonbässen im Akk halte ich nichts, da die mir zu sehr dominieren. Ein Alpstar von Beltuna konnte ich noch nicht probieren , die Preise sind ja ganz schön sagenhaft.Wie sind deine Erfahrungen damit ?

Gruß Al

von Al - am 17.02.2005 20:44
Hallo Al

Schau doch auch mal bei Bugari 'rein: [www.bugariarmando.com]

Ich spiele seit 4 Jahren eine Bugari 'Artist Cassotto' und mit damit sehr zufrieden. Vorallem weil die Bässe so richtig dröhnen können :-)

Gruss Urs

von Urs Nydegger - am 21.02.2005 12:36
Guten Morgen,

Wir spielen die verschiedensten Instrumente (siehe Beitrag vom 26.10.2004) und können deshalb direkt vergleichen wie das mit den verschiedenen Tremolo klingt.
Unsere Öllerer Solist (5chörig) Jahrgang 98 und 99 wurden genau passend gestimmtzu unserer Gola (5chörig) Jahrgang 66 gebaut. Im 3fach Temolo ist kein Unterschied hörbar. Somit ist es möglich Öllerer-Gola Duett zu spielen ohne dass die Tremolos störend klingen.Bei den Öllerer Akkordeons gibt es nebst dreifach Tremolo ein enges zweifach und ein weites zweifach Tremolo serienmässig. Bei alten original Gola nur nach abänderungen an der Registermechanik. Ebenfalls passend zu den Chromatischen ist unsere Ziach Öllerer 346/16 mit dreifach Tremolo gestimmt. Auch unsere Clubdiatonischen und die Schwyzerorgel sind im Tremolo passend zu den Akkordeons gestimmt.
Übrigens Öllerer baut jedes Akkordeon oder jede Ziach genau nach den Stimmungswünschen des Kunden, somit entfallen nachträgliche Stimmungsanpassungen bei Neuinstrumenten.[www.oellerer.de]

Gruss Erwin

von Erwin Brülisauer - am 22.02.2005 10:41
Servus Erwin!
Wir haben uns kennengelernt als du Deine 346/16 beim Öllerer abgeholt hast. Ich bin Stimmer beim Öllerer. Daneben helfe ich auch ein bisserl im Verkauf aus.

Vielen Dank für die freundlichen Worte, die du über unsere Akkordeons und Harmonikas im Forum gepostet hast. Grenzt ja fast schon an Schleichwerbung.

Ich verfolge diesen Thread schon seit seinen Anfängen, habe mich aber bisher zurückgehalten, weil es ist so verflixt schwierig ist, den Unterschied zwischen einem "rosarotem-Fertigschmeck-Akkordeon" und einem handwerklich hergestellten Instrument mit trockenen Worten zu verdeutlichen. Man muss es selber hören und fühlen können.

Keine Frage, der Preisunterschied ist wegen des Mehraufwandes gewaltig. Dafür ist dann aber auch der Unterschied im Klang gewaltig.

Die Frage "Volxmusik und Akkordeon" möchte ich beantworten mit: "Ei freilich! Und: Je mehr X umso mehr Akkordeon".
Als Tonbeispiel wär' etwa die CD "In neuen Zeiten" vom Bernhard-Kohlhauf-Quartett interessant.

Natürlich wisst ihr alle, dass man auf der Steirischen schneller Erfolge erzielen kann, da die Dreiklang-Zerlegungen schon fertig eingebaut sind. Dafür stößt man halt auch schneller an die Grenzen des Systems.
(Um die Entscheidung noch schwieriger zu machen, bauen wir auch Steirische mit allerhand Zusatzknöpfen und bis zu 22 Bass-Tasten. Darauf kann man sich auch ganz nett austoben)

Am Akkordeon geht dafür schlichtweg "Alles" ohne besondere Tricks und Fingerverrenkungen. Allerdings ist "normale Volksmusik" wie sie in unseren Jahrzenten üblich ist, am Akk. etwas mühsamer zu spielen.
Ich würde nicht empfehlen, mit einem Akkordeon krampfhaft den Charakter einer Steirischen nachahmen zu wollen. Es gelingt nicht.
Es geht viel mehr darum, am Akk. einen eigenen Klang/Stil zu entwickeln.

Verzeiht meinen langen Sermon. Ich hoffe ich habe mich halbwegs klar ausgedrückt.
Sollte wer Lust haben uns in der Firma zu besuchen: Unsere Werkstatt in Freilassing steht für jeden offen.

Eine hervorragende Gelegenheit, vornehmlich Steirische aller relevanten Hersteller, vergleichen zu können, ist die Handwerksmesse in München (10. bis 16. März 2005). Gastkarten für Interessenten können unter [oellerer.de ] zum Nulltarif bestellt werden.

Mit harmonischen Grüßen
Christian

von Christian Amon - am 26.02.2005 10:43
Servus Christian,

wird ja langsam richtig interessant dieser Beitrag.

wieviel Tremolo hat das Akkordeon vom Erwin eingestimmt bekommen damit es zur GOLA passt? Hat er wirklich unsymetrisches Tremmolo dreichörig?
Wie liegen die beiden Schwebungen dabei dann zur Grundreihe?

mfG Willibald

von Alpstar - am 26.02.2005 16:11
Servus Willibald
Geschätzes Forum!

Wenn man ein vorhandenens Tremolo "nachbauen" will, dann stoppt man 10 Sekunden und zählt die Schwebungen in der Zeit. Das macht man bei einem tiefen Ton, beim a' und bei einem hohen Ton. Natürlich muss man aufpassen, dass man nicht gerade einen "Ausreißer" erwischt.
Die drei Zahlen schreibt man sich auf. Ein Allerwelts-Tremolo ist z.B. 24 Schwingungen pro 10 Sekunden beim Ton a'.

Die tiefen Töne schweben üblicherweise langsam, nach oben hin lässt man die Schwebung schneller werden. Die Zunahme kann einer Geraden folgen, öfter ist's eine Kurfe, die sanft beginnt und oben steiler wird.

Wir haben auch schon dreichöriges "Nulltremolo" gestimmt, der normale Bereich für a' geht aber von 10 (also Schwebung im Sekundentakt) bis 45. Letzteres macht ein verantwortungsvoller Stimmer aber nur noch unter Protest.

Wir beim Öllerer machen's so, dass ich beim Vorstimmen ein Stimmgerät zu Hilfe nehme, das per PC ferngesteuert wird. Ich persönlich bin ziemlich mathematisch/technisch unterwegs und mords stolz auf mein selbergebasteltes Steuerungsproggi. Darin verarbeitet sind eine große Menge an Erfahrungswerten, die mir so genau wie möglich sagen um wieviel ich "falsch" stimmen muss damit's im eingebauten Zustand dann voraussichtlich richtig klingt. So schaut's aus wenn ich am Stimmtisch klemme:

.

Anschließend werden die Stimmen auf den Stimmstock aufgewaxelt. Nachdem sie etwas geruht haben, stimmt mein Chef, der Kirchhofer Hansi, alle Stimmen noch einmal im eingebauten Zustand nach. Er arbeitet dabei komplett ohne Seil und ohne Netz, nickt höchstens einmal im Takt der Schwebung mit dem Kopf. Hansi beim Reinstimmen:




Das sagenumrankte unsymmetrische Tremolo ist die hohe Schule der Stimmkunst. Das Besondere dabei ist, dass die Summe der drei Frequenzen dann am allerklarsten pulsiert, wenn man die Oberschebung um eine Winzigkeit langsamer gehen lässt als die Unterschwebung.

Konkrete Schwebungswerte von Erwins Instrumenten kann ich leider nicht angeben. Aber vielleicht kann er's nachzählen und uns die Werte mitteilen.

Auf der Seite von der die Bilder stammen gibt 's übrigens auch ein Bild das perfekt zu diesem Thread passt. [www.ziach.de]
Karin Salchegger spielt Akkordeon und Andreas Salchegger begleitet sie dabei auf der Cassotto-Steirischen.

Nach dem Tipp zur Münchner Messe in meinem letzten Posting noch ein Reisetipp: [www.steirisches-volksliedwerk.at]
Das Steirische Volksliedwerk bzw. das Harmonikazentrum Graz veranstaltet eine Exkursion zu uns (Firma Öllerer) und zum Harmonikamuseum nach Trossingen. Es ist viel Zeit zum Fachsimpeln und selber spielen eingeplant.

Aber jetzt Schluss. Am Wochenende will ich endlich selber spielen statt immer nur stimmen.
Christian

von Christian Amon - am 26.02.2005 20:24
Servus allerseits!

Ich habe mit Interesse alle Beiträge zu diesem Thema gelesen, und im wesentlichen würde ich allen Kommentaren beipflichten.
Einige kurze Auszüge aus den bereits gesagten und dann wage ich ein paar Worte:

Zitat

Autor: Alpstar
Datum: 24.10.2004 21:47
Ist es nicht eher ein Nachteil wenn ein Instrument nur ein paar Tonarten spielen kann?
Der Klang ist doch derselbe?

Autor: Jonny
Datum: 25.10.2004 12:36
Der Klang zwischen Piano-Akkordeon und Knopf-Akkordeon gleicher Bauart ist auf schon gleich, der Unterschied ist hauptsächlich, daß man mit Knöpfen schneller spielen kann, bzw. mehr Töne gleichzeitig, weil die Töne eben näher zusammenliegen.

Autor: Urs Nydegger
Datum: 30.10.2004 23:23
Klangliche Unterschiede bestehen dann schon zu der Steirischen und dem Schwyzerörgeli. Dies ist aber nebst der Art der Stimmung auch konstruktions bedingt.


Autor: Daniel Kostritza
Datum: 01.01.2005 15:32

Allerdings bietet die Steirische einen einmaligen Klang der mit dem Akkordeon nicht im entferntesten vergleichbar ist.

Mein Beitrag:

Nun zu meiner Person ich bin selbst leider ein relativ schlechter Musikant, jedoch fasziniert mich das Akkordeon und alle seine Varianten seit längerer Zeit.
Im besonderen aber alle Spielarten der diatonischen Harmonika.

Ich habe mich vor einigen Jahren daran gewagt eine diatonische Harmonika zu bauen und eine zweite folgt letztes Jahr.

Natürlich kann ich nicht mit professionellen Harmonikabauern mithalten, aber die eine oder andere Erfahrung kann ich, wenn Interesse besteht schon zu der ein oder anderen Frage beisteuern.

Klanglich unterscheidet sich die Steirische Harmonika von einem Akkordeon sehr wesentlich.
Abgesehen, dass natürlich sehr viele Faktoren bei der klanglichen Ausprägung mitspielen, gibt es einen Hauptgrund der zu einer klanglichen Unterscheidung führt.

Eigentlich kann man jede Veränderung am Instrument als eine klangliche Beeinflussung ansehen Selbst Instrumente die von der gleichen Produktion stammen können sich klanglich im Resultat unterscheiden.

Nachdem die beiden Instrumente die ich gebaut habe sich in vielen Dingen unterscheiden, ist auch der Klangcharakter sehr unterschiedlich.

Nun aber zu den wesentlichen Kriterium warum ein Akkordeon nie einer Diatonischen Harmonika gleichkommen kann. Das ist natürlich kein Urteil über gut oder schlecht.
Jedes Instrument hat seine Berechtigung und vieles bleibt Geschmacksache.
Bei der diatonischen Harmonika macht es die Beschränkung der Tonarten auf die dazugehörige Reihe möglich die Stimmung so zu gestalten, dass der Klang weicher und ansprechender wird.

Beim Akkordeon müssen alle Tonarten gleich gut klingen, somit hat sich auch die gleichstufig temperiert gestimmte Tonleiter (Stimmung) durchgesetzt.

Unter umständen findet man noch eine Variante mit leicht gestreckter Okatve wie dies auch beim Klavier üblich ist.
Ansonsten werden keine andern Skalen oder Stimmungen verwendet.
Stimmung ist leider ein sehr weiter Begriff und wird häufig auf die Tonart angewandt.
Ich beziehe mich hier auf die Art der Tonskala wie dies auch bei Kirchenorgeln üblich ist.
Zum Beispiel um einige zu nennen Pytagoreisch, Mittletönig, Temperiert,..


Bei der diatonischen Harmonika ist es jedoch bis heute ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Stimmung nicht „zu genau“ sein darf, wenn am sie mit einem Stimmgerät nachprüft.
In Wirklichkeit hat jeder Stimmer seine „Geheimnisse“ die er nicht ausplaudert.

Nun es sind eigentlich keine Geheimnisse, und die sind auch aus der Stimmerpraxis aus der vor elektronischen Zeit überliefert.

Im wesentlichen geht es darum, dass es nur auf einer diatonischen Harmonika möglich ist die Dreiklänge sanfter zu stimmen als dies auf einem Akkordeon üblich ist.

Etwas vereinfacht, auf Druck ist auf jeder Reihe nur immer der Dreiklang der jeweiligen Tonart.

Also, bei einer GCFB Harmonika auf der G Reihe: g,h,d auf der C Reihe c,e,g auf der F Reihe f,a,c und auf der B reihe b,d,f. und die wiederholen sich nur über einige Oktaven.

Damit die Dreiklänge weicher und schöner klingen werden sie rein oder fast rein gestimmt.
Wird somit ein Dreiklang Einchörig angestimmt sind die erklingenden Terzen ohne Schwebung oder mit einer leichten Schwebung eingestimmt. Einchörig geht natürlich nur wenn man Register hat und die restlichen Chöre abschaltet, oder dass man beim Stimmen durch das Abdecken der restlichen Chöre nur einen Chor erklingen lässt.

Dies führt nun dazu, dass in jeder Reihe ein Ton tiefer ist im Vergleich mit dem Akkordeon, in der G Reihe ist das h tiefer, in der C Reihe ist das e tiefer, in der f Reihe ist das a und in der B Reihe das d tiefer.

Genauer betrachte führt das jetzt zu einer Erhöhung des Tonumfanges im mikrotonalen Bereich.
Über die Reihen hinweg gibt es nämlich zwei d, das d in der 1. Reihe und das d in der 4. Reihe. Die unterscheiden sich um das sogenannte Syntomatische Komma.

Bein Melodiespiel fallen die geringen Abweichungen nicht auf, da ein durchschnittlicher Zuhörer diese geringen Abweichungen von der heute weitgehend gebräuchlichen temperierten Stimmung nicht hört. Jedoch ist unser Gehör sehr sensibel was nun diese klanglichen Veränderungen im Zusammenklang mit weiteren Tönen angeht. Und diese Wahrnehmungen gehen aber an der bewussten Wahrnehmung vorbei, dafür werden sie gefühlsmäßig umso stärker wahrgenommen.

Neuere Studien über psychosoziale Aspekte des Hörens, schein mir dies ebenfalls zu belegen.
Technisch ist dies jedoch heute relativ schwierig zu dokumentieren.
Weitere Möglichkeiten der klanglichen Beeinflussung durch die angewendete Stimmung sind natürlich möglich.
Ein Instrument habe ich mit absolut (soweit dies über längere Zeit möglich ist) reinen Quinten gestimmt, was zwangsläufig zu leicht gestreckten Oktaven auf manchen Tasten führt.

Nicht nur auf Druck, sondern auch auf Zug.

Auf Zug wird üblicher weise jedoch temperiert eingestimmt, da auf Zug ja in erster Linie die fünfte Stufe, die Septimakkorde oder Teile daraus gesielt werden.

Mit zwei zusätzlichen Halbtönen die jetzt sehr häufig eingebaut sind ist das Spiel von Musikstücken die über den üblichen Tonumfang hinausgehen auf der 3 Reihe möglich.

Auf meiner ersten Harmonika habe ich den Tonumfang auf der Bassseite sehr wesentlich erweitert, aber wirklich nutzen habe ich diesen Komfort leider bis jetzt nicht gekonnt, da meine Spielerischen Fähigkeiten bei weiten den Möglichkeiten nachhinken.

Auf der Bassseite sind 11 doppelter und eine halber Helikonbass, somit sind alle 12 Halbtöne mit Helikonbässen sowohl auf Zug wie auch auf Druck möglich.
Auch die Begleitakkorde sind um einige Moll Akkorde erweitert.
Bei der neueren Harmonika sind 8 doppelte und ein halber Helikonbass eingebaut, rechnet man alle möglichen Töne [manche nur auf Zug oder Druck] so kommt man auch bei dieser Harmonika auf 10 Helikon Grundbässe.

Sollte Interesse bestehen können sie auch auf meiner Webseite einiges darüber nachlesen.
[/url]
[elektor.htl-leonding.ac.at]

Zur letzten Harmonika sind nur Bilder verfügbar.
[/url]
[elektor.htl-leonding.ac.at]
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freundliche Grüße, Johann Pascher


von Johann Pascher - am 27.02.2005 20:56
Hallo,
nachdem ich die diversen und in der Mehrzahl sachlich falschen Stellungnahmen zu dem Thema Unterschied zwischen der Diatonischen und der Chromatischen (Akkordeon) gelesen habe möchte ich auch meine Meinung zu diesem Thema loswerden. Vielleicht ist's eine Hilfestellung für den einen oder andern Neueinsteiger.
Richtig ist das die Tonerzeugung beim chromatischen Instrument, in diesem Fall Akkordeon und der diatonischen Knopfharmonika von der Stimmplatte mit Zunge gleichermaßen erzeugt wird. Dies ist aber schon die einzige Gemeinsamkeit, wenn man davon absieht das es sich um ein sog. Handzuginstrument handelt. Der Klang der Diatonischen (Steirischen) unterscheidet sich im wesentlichen durch das Tremolo und deshalb ist auch die Diatonische häufiger als die Chromatische/Akkordeon in der echten Volksmusik zu finden, da dort ein eher mittleres bis schärferes Tremolo gewünscht wird. Die meisten handelsüblichen Akkordeons sind flach bis mittel gestimmt um eine größere Bandbreite von Musik darauf spielen zu können als auf der Diatonischen. Dies ist nicht nur zufällig so, auf der Chromatischen sind alle Halbtöne über die Oktaven vorhanden, auf der Diatonischen jedoch nur eine sehr begrenzte Anzahl der Halbtöne. Dies hat zur Folge das mit der Chromatischen/Akkordeon von der Klassik, über Jazz, Swing, Schlager bis hin zur Volksmusik alles ohne Einschränkung gespielt werden kann. Die Diatonische ist somit alleine durch das Fehlen der vollen Halbtonpalette eingschränkt. Die echte Volksmusik ist entstanden aus den Ständen, d.h. das z.B. die Handwerker ihre beruflichen Belange in Worte und Musik gefasst haben und diese dann als Musikstücke vorgetragen haben. Bestes Beispiel sind die zahllosen Jäger- und Wildschützlieder. Diese Musik wurde dann auch zu Hochzeiten und anderen Festivitäten gespielt, da brauchte man ein durchdringendes/scharfes Tremolo und einen voluminösen Bass. Ein weiteres auffälliges Merkmal der Diatonischen gegenüber der Chromatischen sind die voluminöse Helikonbässe. Diese haben sich gleichfalls aus der Tanzmusik bei Hochzeiten etc. entwickelt, man hat sich einfach den Rhytmusgeber/Schlagzeuger gespart.
Schaut man sich die Basseite einer Diatonischen an so fällt auf das viel weniger Bässe in nahezu dem gleichen Platzangebote wie bei der Chromatischen vorhanden sind. D.h. die Helikonbasszungen sind mehr als dreifach so breit gebaut wie bei der Chromatischen. Durch den größeren Resonanzkasten im Bass und die voluminösen Helikonbässe kommt der wesentlich stärkere Bass bei der Diatonischen zustande.
Fazit: Die Diatonische ist ein reines Volksmusikinstrument, wogegen die Chromatische/ Akkordeon ein Allrounder ist. Von gleicher Anwendung und gleichem Klang kann somit keinesfalls die Rede sein.

Anmerken möchte ich noch das wir seit 35 Jahren Diatonische Harmonikas in echter Handfarbeit fertigen und eine Musikschule für Chromatische und Diatonische betreiben.

Mit musikalischen Grüßen aus Nürnberg

Günter Klemm















von Günter Klemm - am 19.01.2006 19:46
Hallo Willi!

Dadurch, daß dieser Forumsbeitrag ergänzt wurde, bin ich erst auf ihn aufmerksam geworden. Sachlich möchte ich dazu nicht viel beitragen. Ich weiß nur, daß es heute auch Akkordeone gibt, die über Helikonbässe verfügen. Ob die mit denen der Steirischen vergleichbar sind, kann ich jedoch nicht sagen und alle Beiträge habe ich hier auch nicht gelesen.

Ich wollte aber was ganz anderes, nämlich Dir ein "Trostpflaster" schicken, daß vielleicht ein wenig positiv nachdenklich stimmt: ich komme aus dem Rheinland und hatte mal mit einem Akkordeonbauer (Handzungeninstrumentenmacher) zu tun, mit dem ich wegen einer Arbeit nicht ganz zufrieden war. Also suchte ich im Internet und fand nur einige wenige Kilometer von mir entfernt jemanden. Ich sprach mit ihm so über dies und das und war hinterher doch eher sauer. Hier ist das Akkordeon scheinbar das "Ein- und Alles". Die Steirische wird als "nur eine Randerscheingung" betrachtet und an der Stimmlage konnte ich merken, was der Mann von meinem Hobby hielt. Also glücklich war der über meinen Anruf und meine harmlosen Fragen sicherlich nicht. Dabei war ich absolut korrekt und saumäßig freundlich. Du siehst, mir erging es ähnlich, nur halt umgekehrt.

Widerum umgekehrt möchte ich an dieser Stelle aber nix zum Akkordeon sagen, sonst waren meine Bemühungen wohl eher für die Katz. Grundsätzlich denke ich, daß es auch hier einfach eine reine Geschmacksache ist. Ich mache regelmäßig Urlaub in Österreich und wohne dort bei einer Familie, dessen Sohn auch Musik macht. Der wohnt - glaube ich sagen zu dürfen - mitten im "Steirer-Land" und spielt ein Zupan-Akkordeon. Und die Truppe ist sehr gefragt und anerkannt.

Gruß und hoffentlich hat's getröstet
Guido

von Guido - am 19.01.2006 22:40
Jössas Maria,

des sind doch zwei unterschiedliche Instrumente.

A Hackbrett und a Geign ham a nix miteinander ztoan nur weils Saitn hamd!

mfg
Kurt

von Kurt - am 19.01.2006 23:27
Hallo Kurt!

Natürlich sind's zwei verschiedene Instrumente, die aber sehr wohl etwas miteinander zu tun haben: beide gehören zur Familie der Akkordeone. Ich kenne mich zwar da nicht aus, aber ich glaube nicht, daß das Hackbrett zur Familie der Geigen gehört (kleiner Scherz).

Doch grundsätzlich habe ich mich da ja auch nicht eingemischt, ich wollte nur ein wenig "trösten".

Gruß: Guido

von Guido - am 19.01.2006 23:52
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