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Erster Beitrag:
vor 12 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
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Jörg, Martin Albert, volXmusik, Mario Herger, Andi, Franz Fuchs, Regina, Peter, Dieter K

Zum Thema GEMA

Startbeitrag von Jörg am 17.02.2005 23:45

Hallo liebe VolXmusik-Kollegen,

schon lange ist ja die GEMA ein "großer Feind" aller VolXmusikanten. Das wird durch Berichte in Zeitschriften, Forumsthemen und persönlichen Gesprächen deutlich.
Ich spiele Volksmusik und bin GEMA-Mitglied und melde meine eigenen Stücke ganz bewußt bei der GEMA. So schlecht ist diese Institution nämlich gar nicht. Ein kleines Beispiel:

Das Instrument Hackbrett erfreut sich ja immer größerer Beliebtheit. Das ist super, auch für die Volksmusik. Für das Saiteninstrument ist es aber wichtig, dass es auch in anderen Musikgattungen etabliert wird, um sich in der musikalischen Gesellschaft von Klischees zu befreien. Dazu benötigen wir Hackbrettspieler Verlage, die originale Kompositionen für Hackbrett veröffentlichen, sei es Neue, Alte oder auch Volksmusik.
Ein Verlag lebt mitunter auch von den GEMA-Einnahmen, die ihm durch öffentliche Aufführung seiner Werke zustehen. Der Preissler Verlag zum Beispiel, der die ersten Hackbrett-Sonaten gedruckt hat, hat auch Volksmusiknoten im Programm. Ich denke da an die Sammlung von Franz Holzfurtner, die ja auch für den Unterricht sehr geeignet ist.
Durch die gezielte und auch noch staatlich geförderte Verbreitung von Heften, die GEMA-frei sind (Volksmusikarchiv und Landesverband) greifen natürlich immer mehr Musikanten auf diese Stücke zurück, um sich die Paar Euro für die GEMA zu sparen, ohne anscheinend zu wissen, dass sie etablierten Verlagen wie Preissler dadurch schaden. Folge: der Traditionsverlag aus München musste schliessen. (Zum Glück wurde er von Ancora übernommen, aber wie lange das gut geht ...)
Mein Appell an alle Hackbrettspieler: unterstützt die Verlage und spielt wieder Stücke aus deren Programmen! Die bekommen keine staatlichen Gelder und wir Spieler brauchen sie, damit auch in Zukunft Hackbrettmusik ausserhalb der Volksmusik veröffentlicht wird.

Ausserdem bin ich immer noch der Meinung, dass auch die "Komponisten" unserer Volksmusik, die wir doch so GEMA-frei halten möchten, ihre Werke gemeldet hätten, wenn sie gewußt hätten, dass es die GEMA gibt oder wie sie ihre Werke melden müssen. Schliesslich wohnen wir doch alle in einem kapitalistischen Land, oder?

Antworten:

Servus Jörg,

Uii, seit wann müssen wir jetzt die armen Verlage unterstützen? Das sind Wirtschaftsunternehmen! Und wenn ein Unternehmer was produziert, was keiner kaufen will, dann hat er eben Pech gehabt,...vor allem im Kapitalismus!
Ich glaub, da hast Du ein paar Denkfehler drin.

Aber fangen wir vorne an: Wie Du und und ich sind die meisten Leute juristische Laien. Gerade weil so wenig Leute Ahnung vom Urheberrecht haben, ist es notwendig und gut, daß es die GEMA gibt. Somit können sich die Künstler mehr auf ihre Kunst konzentrieren und übertragen die Wahrung der Aufführungsrechte an ihrer Kunst einem kompetenten und starken Partner.
Die GEMA ist nicht schlecht an sich, und wenn jemand GEMA-Mitglied ist, dann ist das seine Entscheidung und auch so in Ordnung. Es soll schließlich Leute geben, die von der Verwertung ihrer musikalischen Werke leben müssen oder wollen. Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden
Es ist auch richtig, daß die Musikanten früher meistens astreine Berufsmusiker waren, wenn auch schlecht bezahlte. Die GEMA hätten sie eventuell auch gerne genutzt, wenn es sie gegeben hätte. Der Begriff Volksmusik wird ihnen wenig gesagt haben, aber ein Teil ihrer Musik ist der Grundstock für unsere heutige "Volksmusik".

Jedenfalls ist die GEMA kein "Feind" der Volksmusikanten. Was ich allerdings eine Frechheit finde ist die Tatsache, daß ich als Veranstalter verpflichtet bin,
a) die Veranstaltung der GEMA zu melden, obwohl ich keine GEMA-pflichtige Musik spielen lassen möchte, und
b) darüber hinaus dann auch noch der GEMA beweisen muß, daß auf meiner Veranstaltung nur GEMA-freie Musik gespielt wurde (mach das mal bei einem Hoagartn, wo wild durcheinander improvisiert wird...).
Wenn die GEMA von mir Geld verlangen will, dann sollte sie mir ihren berechtigten Anspruch nachweisen müssen und sich nicht auf die sogenannte "GEMA-Vermutung" berufen dürfen, die ungefähr besagt, daß die GEMA davon ausgehen darf, daß bei jeder Musikaufführung grundsätzlich auch GEMA-pflichtige Stücke dabei sind. Das mag ja im Bereich der Unterhaltungsmusik durchaus berechtigt sein. Bei Klassik oder Volksmusik ist es aber eher so, daß die meisten Werke nicht GEMA-pflichtig sind, weil entweder Volksgut oder von längst verstorbenen Komponisten stammend (ich glaube, 70 Jahre nach dem Tod des Autors haben auch die Erben keine Rechte mehr, das weiß ich aber nicht exakt.)

Warum ich keine GEMA-pflichtige Musik spielen lasse? Weil ich ohnehin schon froh sein kann, wenn ich bei einer Veranstaltung mit 200 Zuhörern á 6€ Eintritt und ca 18-20 Mitwirkenden (die nur je 50€ Gage und Essen + Getränke bekommen, also nicht gerade üppig bezahlt werden) nicht noch gewaltig draufzahle. Die GEMA-Rechnung für so eine Veranstaltung betrüge dann noch einmal ca. 250 - 300 €. Erhöhe ich den Eintrittspreis, kommen erstens nicht so viele Leute, zweitens erhöht sich dann auch wieder die GEMA-Gebühr.
Ich kann mir also schlicht und ergreifend keine GEMA-pflichtige Musik leisten. Jaja , so ist das im Kapitalismus...

Nun zu Deinen Denkfehlern:

Nicht die Hefte von Volksmusikarchiv und Landesverein sind GEMA-frei, sondern die darin enthaltene Musik darf GEMA-frei aufgeführt werden.
Übrigens waren und sind die viele Musikstücke, die im Preissler Verlag erschienen sind, GEMA-frei.

Die GEMA-Gebühr sparen sich auch nicht die Musikanten, sondern die Veranstalter, für deren Veranstaltungen die GEMA-Gebühren ggf. nicht anfallen.
Die GEMA-Rechnung bekommt nämlich der Veranstalter (Wirt, Verein, veranstaltende Musikgruppe etc) und nicht die Mitwirkenden bzw. Aufführenden.
Beim Kauf von Noten fallen jedenfalls keine GEMA-Gebühren an.

Natürlich suchen sich viele Gruppen lieber GEMA-freie Musik für ihr Repertoire aus. Erstens weil man die überall unbesorgt spielen darf (ohne das Damoklesschwert einer drohenden nachträglichen GEMA-Rechnung im Nacken)
Zweitens weil sie aufgrund ihres GEMA-freien Repertoires dann bei bezahlten Veranstaltungen willkommener sind. Der Veranstalter spart die GEMA-Gebühr und kann den Musikanten mehr bezahlen. Die Gruppe "verdient" also mit GEMA-freier Musik mehr. Das ist halt so mit den Gesetzen des Marktes in unserem kapitalistischen Land...;-)

Die GEMA-Gebühren, bzw. den entsprechenden Anteil daran gemäß Verteilungsschlüssel, erhält bei einer Aufführung nicht der Verlag, sondern der Inhaber der Rechte, d.h. grundsätzlich der Autor eines Werkes, sofern er GEMA-Mitglied ist. Es gibt natürlich auch die Fälle, in denen der Autor in einem Autorenvertrag den Verlag mit der Wahrung seiner Rechte gegenüber der GEMA beauftragt. Je nach Vertragsgestaltung profitiert dann auch der Verlag teilweise oder ganz von den GEMA-Tantiemen.
Ich hoffe, Du hast Deine Rechte nicht einem Verlag übertragen? Wenn Du den Gelackmeierten einer solchen Vereinbarung sehen möchtest, dann schau bitte kurz in den Spiegel... Ach so nein, Du wolltest ja die notleidenden Verlage unterstützen. Schließlich veröffentlichen die armen Hungerleider ja aus purem Idealismus klassische Hackbrettmusik, können sich das aber nur leisten, wenn sie entsprechend viel GEMA-pflichtige Volksmusik verkaufen. Schon was grandioses, der Kapitalismus, wenn man ihn endlich richtig verstanden hat...;-)

Der Verlag lebt natürlich nicht zuletzt vom Verkauf der Noten. Die Rechte des Verlages werden dann verletzt, wenn jemand z.B. die Noten kopiert und weitergibt oder bei der Aufführung aus kopierten Noten spielt, ohne im Besitz der Originale zu sein. Der GEMA wiederum ist es völlig wurscht, ob Du aus Kopien oder Originalen spielst. Die interessiert nur ob die Musik GEMA-pflichtig ist oder nicht.

Wenn man also den Verlagen helfen will, dann muß man die grassierende "Kopieritis" einschränken und dafür sorgen , daß mehr Leute die Originalnoten kaufen. Nur so am Rande: wieviele Kopien aus Notenheften besitzt DU so in etwa? ;-)

Zum erwähnten Preissler-Verlag kann ich aus direkter Quelle gesichert behaupten, daß er hauptsächlich wegen kaufmännisch äußerst stümperhafter Geschäftsführung, magerer und relativ einseitiger und vor allem unrentabler Produktpalette und z.T. schlampig gemachter Hefte (haufenweise Fehler in den Noten) unter die Räder gekommen ist. Einer der letzten Besitzer war das "renommierte" Münchner Musikhaus Hieber, das irgendwann nur noch Ware gegen Vorkasse geliefert bekam, weil es zahlungsunfähig war. Das war die Zeit, in der man vom Preissler-Verlag nur kopierte Hefte geliefert bekam. Der jetzige Besitzer Ancora hat hoffentlich mehr Fortune. Ancora tauscht übrigens die damals von Preissler ausgelieferten unansehnlichen Kopie-Exemplare gegen anständige Hefte um.

Was hinsichtlich Volksmusik und GEMA auch noch erwähnt werden sollte: Das Urheberrecht besteht nur für "Werke" im Sinne des Urheberrechtsgesetzes. Und "Werke" sind nur eigene geistige Schöpfungen der Autoren. Gerade im Bereich Volksmusik war und ist es leider immer noch oft der Fall, daß überlieferte Musik plötzlich GEMA-pflichtig wird, weil sie von einem GEMA-Mitglied bzw. deren Verlagen angemeldet wurden. Z.B. Tobi Reiser, der in seinen Heften so gar darauf hinweist, daß die Musik größtenteils nicht von ihm stammt. Gut , man kann zu seinen Gunsten anführen, daß die Sachen recht aufwendig arrangiert sind, was ja auch eine geistige Leistung ist. Bei den Notenheften der Schönauer Musikanten z.B. ist es aber so, daß meistens nur überlieferte Teile von Musikstücken neu kombiniert wurden.
Ich halte es nicht für eine ausreichend schützenswerte geistige Leistung wenn ich drei Landlerteile zu einem Walzer zusammenbastle, mir eventuell noch einen mehr oder weniger originellen Ttiel einfallen lasse und wenn ich ganz fleißig bin sogar noch die Begleitakkorde unter die Noten schreibe.

Natürlich gibt es auch echte Neukompositionen.
Auch viele vermeintlichen Neukompositionen im Bereich der Volksmusik lassen sich auf z.T. uralte Melodien zurückführen, oder auch auf neuere aus der Schlagerwelt. Das geschieht meistens nicht in böser Absicht, sondern unbewußt.
Und genau das ist ja das was Volksmusik ausmacht, warum sie so lebendig und immer jung ist, wenn man sie leben läßt. Sie lebt aus der Tradition, und integriert neue Einflüsse.
Mir selber geht es oft so, daß bei meinen selbtgemachten Stücken Anklänge an Schlager oder klassische Melodien oder Volksmusik etc. enthalten sind.
Ich schöpfe als zu einem nicht geringen Teil aus einem musikalischen Schatz der quasi ein allgemeines Kulturgut geworden ist. Wenn ich mich aber am Allgemeingut bediene, möchte ich der Allgemeinheit auch wieder etwas zurückgeben. Dies ist meiner Meinung nach zwingend notwendig, sonst versiegt irgendwann die Quelle aus der wir Volksmusikanten schöpfen. Deshalb werde ich, wenn ich GEMA-Mitglied werden sollte, die Rechte für die öffentliche Aufführung meiner Stücke von der Wahrnehmung durch die GEMA ausklammern. Lediglich die kommerzielle Verwertung, d.h. auf Tonträgern oder in Rundfunksendungen, die möchte ich mir natürlich schon bezahlen lassen. Einfach gesagt: spielen darf meine Musik jeder und zu jedem Anlass tantiemenfrei, wenn er sie aber auf CD aufnimmt und verkauft, fordere ich meinen Anteil daran.
Das ist nicht neu. Viele namhafte Volksmusikanten haben eine entsprechende Vereinbarung mit der GEMA bzw. AKM (Österreich) getroffen. Der Vorreiter war Klaus Karl, aber auch Hans Auer, Harti Pilsner, Wolfgang Neumüller und zahlreiche andere haben es so gemacht.
Und hinter dieser Einstellung steckt neben dem Idealismus, die Volksmusik auch dem Volk zu "schenken", eine ganz rationelle Rechnung.
Zunächst muß man sagen, daß die volksmusikalischen GEMA-Mitglieder für die Aufführungen nur wenig Tantiemen kassieren. Die eingenommen Gebühren werden nämlich nach einem komplizierten Schlüssel (richtet sich u.a. nach Zahl und Aufführungshäufigkeit der vom jeweiligen Autor gemeldeten Werke) an ALLE! GEMA-Mitglieder verteilt. D.h. von den Aufführungen profitieren hauptsäächlich die Größen der Unterhaltungsmusik und die armen Verlage. Wesentlich lukrativer sind die Einnahmen bei Tonträgern oder Rundfunksendungen.
Nun zur Rechnung: wenn die bloße Aufführung meiner Musik GEMA-pflichtig ist, dann nehmen viele Gruppen sie nicht ins Reprtoire auf (Grund: s. o.); wenn sie nur von wenigen Gruppen gespielt wird, wird sie nicht so bekannt, wird vor allem seltener auf CDs aufgenommen und wird kaum im Radiio gespielt, und damit gehen mir der Hauptanteil der möglicherweise zu erzielendenTantiemen verloren. Also rentiert es sich in unserer "Szene" eher, wenn man die Aufführungsrechte frei läßt. Das sollte auch den Kapitalisten einleuchten...

So, genug jetzt. Ich wünsch Dir viel Freude und Erfolg mit Volksmusik und Klassik, und hoffe, Du findest genügend Notenmaterial.

Gruß

Martin

von Martin Albert - am 18.02.2005 15:48
Nur mal so meine Meinung am Rande: Ich persönlich lehne die GEMA komplett ab, nicht nur für Volksmusik, sondern für jede Art von Musik. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass ich vom Kapitalismus nichts halte, sondern auch damit, dass ich einfach der Meinung bin, dass es genug GEMA-freie Musik gibt (von Black Metal über Volksmusik bis zu Hip Hop), die von der musikalischen Qualität der GEMA-Musik in nichts nachstehen. Wenn es die GEMA nicht gäbe, wären wir von Daniel Küblböck genauso verschont worden wie vor der Musikantenstadl oder was auch immer das deutsche Fernsehprogramm versaut. (Deshalb, weil man dann die CDs nach Belieben brennen/herunterladen könnte und das ganze für die Musikindustrie, die es dann ohnehin nicht mehr gäbe, nicht mehr lukrativ wäre)

Ob Berufsmusiker ohne GEMA leben können, weiß ich nicht. Einige gute auf jeden Fall, wenn auch mehr im klassischen Bereich und überall, wo man halt was draufhaben muss und nicht nur einen guten Produzenten und Voice-Pitcher braucht. Aber warum muss es überhaupt Berufsmusiker geben? Wie gesagt, ich finde, es gibt genug GEMA-freie Künstler, und Musik, die nicht um jeden Preis verkauft werden muss, ist fantasievoller und abwechslungsreicher.

Zu meinen persönlichen GEMA-Erfahrungen: In unserer Volksmusikgruppe und in einer Blaskapelle, wo ich dabei bin, schert sich niemand um die GEMA. Allein, wenn ich das Thema anspreche, sorge ich gleich für Ärger. Tatsache ist, dass sich von den kleinen Gruppen einfach kaum jemand damit auskennt und dass man sich auch gar nicht an die Regeln halten kann, wenn es nicht auf einfachste Weise möglich ist, herauszufinden, ob ein Stück nun geschützt ist oder nicht. Das ist ein Riesengfrett. Da hilft mir auch keine Auskunft vom Landesverein oder Volksmusikarchiv oder sonst von wem weiter, ich hab andere Sorgen als dauernd der GEMA nachzurennen.

Bei Software gibt es seit einiger Zeit eine spezielle Lizenz namens "GNU General Public License". Stichwort: Freie Software. Das heißt (Quelle: wikipedia.de):

Zitat

1. Die Freiheit, das Programm zu jedem Zwecke auszuführen.
2. Die Freiheit, Kopien des Programms anzufertigen und zu verbreiten, sowohl für einen Preis als auch kostenlos.
3. Die Freiheit, die Funktionsweise des Programms zu studieren. Voraussetzung dafür ist der Zugang zum Quellcode
4. Die Freiheit, das Programm an eigene Bedürfnisse anzupassen oder zu verbessern
5. Die Freiheit, das veränderte Programm zu verbreiten. Schutz der Freiheit durch ein Copyleft ist hierbei erlaubt.


Das ganze funktioniert besser, als man glauben möchte. Als Beispiel seien verschiedene kostenlose Linux-Distributionen genannt, die Windows Konkurrenz machen. Diese konnten überhaupt erst dadurch entstehen, weil sie großteils aus freier Software bestehen.
Auf die Musik übertragen würde die Lizenz wohl in etwa so aussehen:

1. Die Freiheit, das Stück bei jeder Gelegenheit aufzuführen
2. Die Freiheit, Aufnahmen und Noten des Stücks anzufertigen und zu verbreiten, sowohl für einen Preis als auch kostenlos
3. Die Freiheit, das Stück nach Belieben zu verändern

So eine "Lizenz", verpflichtend für jegliche Art von Musik, und Verbot der GEMA, das würde mir gefallen! Jeder darf machen was er will, auch Stücke von anderen Leuten verkaufen, solange er immer den originalen Urheber mit angibt.
Das wäre eine freie (Musik-)welt. So, das wollt ich nur mal loswerden, egal was Ihr jetzt von mir denkt....


Andi

von Andi - am 18.02.2005 21:28
Hallo Martin, Hallo Andi,

wollte einfach mal kurz ein Paar Sätze zu euren Ausführungen ergänzen:


GNU Lizenz für Software.
Das ist schon richtig, aber man sollte auch bedenken, dass diese Vereinbarung nur gilt, solange man die Software für nicht kommerzielle Zwecke einsetzt. So nun ist aber auch das kleinste Musikantentreffen eine kommerzielle Veranstaltung, da der Wirt sein Bier ja auch nicht umsonst ausschenkt. Er verdient sein Geld, und auch die Musiker, mit den Leistungen anderer, die z.B. die Musik komponiert haben, die an diesem Abend gespielt wird. Es ist nur gerecht, dass diese Arbeit honoriert wird.
Wenn du mit deiner Software Geld verdienst, dann musst du auch für die GNU lizensierte Software zahlen.

Musikantenstadl und Volksmusik.
Wo ist denn bitte GEMA-technisch ein Unterschied zwischen unserer Volksmusik und der Volksmusik von Herrn Moik. Musik ist Musik, dem einen gefällt halt die Spatzelruther Katzen besser und dem anderen die XY Stubenmusi. (Da sollten wir übrigens auch immer ein wenig vorsichtig sein mit einigen Formulierungen.) Das ist aber vor der GEMA irrelevant. Ich spiele auch in einer Rockband, die Songs sind bei der GEMA gemeldet und wenn wir in einer Kneippe spielen, bekomme ich das Geld für diesen Abend. Die meisten Wirte haben sowieso einen GEMA-Pauschal-Vertrag und müssen gar nicht erst extra zahlen. So komme ich an Geld, dass ich ohne GEMA-Mitgliedschaft nicht erhalten würde.
Herr Kübelböck bekommt übrigens keinen Cent von der GEMA, da ich nicht davon ausgehe, dass er seine Titel selbst schreibt.

Verlage.
Es ist schon richtig, dass Verlage nichts an den verkauften Noten über die GEMA erhalten. Aber sie bekommen Tantiemen, wenn die Stücke gespielt werden. Wenn nun das Volksmusikarchiv und der Landesverein mit staatlicher Unterstützung Noten verbreitet die GEMA-frei sind, greift natürlich jeder auf dieses Material zurück. Die Folge: keiner kauft mehr Noten bei den Verlagen und die haben dann einfach ein Problem. Mit freier Marktwirtschaft hat das nichts zu tun. Und die Verlage, die die Nischen bedienen, wie Preissler, Edition tympanon oder Verlag 4'33" mit klassischer Hackbrettmusik sind auch auf die Einnahmen von Volksmusiknoten angewiesen, da sie damit mehr Geld verdienen, als mit Ausgaben von Neuer Musik. Jetzt sagt bestimmt wieder jeder, was geht mich die Neue Musik an: jeder Musiker sollte Interesse an einer Weiterentwicklung haben, auch die Volksmusikanten. ;)

Volksmusik Extrawurst
Ich frage mich, warum das Problem bei der GEMA nur in der Volksmusik für so einen Wirbel sorgt. Es gibt andere Musikgattungen, da lebt man einfach mit der GEMA und akzeptiert sie. Es gibt auch kleine Rockbands, die für ihr Konzert zahlen müssen, die nicht die riesigen Einnahmen haben. Nur da läuft's halt. Nur die Volksmusiker zeigen sich sehr geizig und haben da ein Problem damit.

Kopieren
Als Musiklehrer besitze ich kaum Kopien und gebe an meine Schüler selbst arrangierte Stücke weiter. Gerade aus dem Grund, weil wir ja auf die Verlage angewiesen sind und ich deren Arbeit genauso unterstützen mag, wie ich auf die Unterstützung meiner Konzertbesucher hoffe. Und genauso wie jeder von euch auf die Unterstützung der Kunden eurer Arbeitgeber hofft.
Ich stelle Noten unter [www.noten-kostenlos.de] bereit, die sogar ausdrücklich kopiert werden sollen. Das Internet bietet mir die Möglichkeit, dies zu tun, da keine Kosten für den Druck entstehen. Das einzige, was ich gerne habe, ist, dass wenn jemand was mit meinen Noten verdient (z.B. der Wirt beim gemütlichen musizieren), dann soll er mir einfach ein bisschen davon abgeben, da er diesen Umsatz mit meiner Arbeit macht. Das ist doch eigentlich nur fair, oder?

Lösungsvorschlag
Warum meldet der Landesverband und das Volksmusikarchiv nicht ihre Stücke auch bei der GEMA und geben die Tantiemen einfach dann an die Musiker und Wirtsleute zurück. So könnte sich auch die Volksmusik an die allgemein übliche Verfahrensweise anhängen und auch die finanzielle "Belastung" wäre für die armen Gruppen nicht so hoch. Und die Wirte würden auch ein wenig mehr verdienen. So wären Landesverband und Volksmusikarchiv auch jedenfall mit den Verlagen gleichgestellt und es gäbe keine staatlich unterstützte Benachteiligung.

Nun wollte ich eigentlich nicht schon wieder so viel schreiben, aber dieses Thema gibt einfach viel her. Sorry, wenn ihr soviel lesen müsst.

Viele Grüße
Jörg

von Jörg - am 19.02.2005 11:59

Zum Thema GEMA - Weit verbreiteter Irrtum

Servus Martin,

gleich vorab: ich denke, dass die GEMA sehr wohl ihre Berechtigung hat., wenngleich ich weder ihr ausgesprochener Freund noch Unterstützer bin, weil ich mich auch komplette auf die GEMA-freie Musik verlegt habe. Schlicht und einfach, weil mir der Schreibkram rund um die GEMA auf den Zeiger geht. Musik ist für mich nicht Beruf, sondern Hobby. Und in meiner Freizeit brauch ich keine Bürpkratie. Von der haben wir eh schon viel zu viel. :mad:

In deinem Statement schreibst du allerdings:
Zitat

... Was ich allerdings eine Frechheit finde ist die Tatsache, daß ich als Veranstalter verpflichtet bin,
a) die Veranstaltung der GEMA zu melden, obwohl ich keine GEMA-pflichtige Musik spielen lassen möchte, ...


Genau hier unterliegst du einem sehr weit verbreiteten Irrtum! Wie du unter "Paragraphen" nachlesen kannst , musst du eine Veranstaltung eben überhaupt nur dann vorher an die GEMA melden, wenn urheberrechtlich geschützte Werke aufgeführt werden. Ist das nicht der Fall, muss weder vorher, noch nachher etwas gemeldet, geschweige denn bezahlt werden. :cool:

Allerdings passiert meist folgendes: Ein Veranstalter meldet seine Veranstaltung bei der GEMA an. Diese muss dann ja folgerichtig zwingend annehmen, dass urheberrechtlich geschützte Werke aufgeführt werden (sollen), weil ansonsten die Meldepflicht ja gar nicht vorläge. Ergo ist es nur konsequent und wiederum folgerichtig, dass die GEMA anschließend die Liste der aufgeführten GEMA-pflichtigen Stücke beim Veranstalter einfordert. Dieser hat nun meist das Problem der GEMA klarzumachen, dass die Liste eigentlich leer bleiben müsste. :angry:

Aus Sicht der GEMA eigentlich alles in Ordnung. Weil aber Veranstalter ihre Rechte und Pflichten nicht oder nicht genau kennen, werfen Sie in dieser Situation der GEMA Unverschämtheit, Abzocke oder andere bösen Absichten vor. :confused:

Ich hoffe also sehr, dass dir dieser Ärger in Zukunft erspart bleibt.
Liebe Grüße
Walter

von volXmusik - am 19.02.2005 12:58
Hallo Jörg,

Zitat

GNU Lizenz für Software.
Das ist schon richtig, aber man sollte auch bedenken, dass
diese Vereinbarung nur gilt, solange man die Software für
nicht kommerzielle Zwecke einsetzt. [...]
Wenn du mit deiner Software Geld verdienst, dann musst du
auch für die GNU lizensierte Software zahlen.


Das stimmt halt leider nicht. Was heißt "leider", "zum Glück" sollte ich sagen. Du darfst GNU Software natürlich auch für kommerzielle Zwecke benutzen (ohne irgendwelche Gebühren oder Lizenzzahlungen oder sonstwas), und außerdem darfst Du deine Programme auch verkaufen. Du darfst sogar irgendeine GPL Software auf CD brennen und dann verkaufen (ohne Genehmigung des Urhebers), Du musst halt lediglich deutlich drauf hinweisen, dass das ganze nicht von Dir programmiert wurde, sondern musst den Autor stets mir angeben.


Zitat

.
Wo ist denn bitte GEMA-technisch ein Unterschied zwischen
unserer Volksmusik und der Volksmusik von Herrn Moik. Musik
ist Musik, dem einen gefällt halt die Spatzelruther Katzen
besser und dem anderen die XY Stubenmusi. (Da sollten wir
übrigens auch immer ein wenig vorsichtig sein mit einigen
Formulierungen.)


GEMA-technisch besteht wohl in der Tat überhaupt kein Unterschied. Und das ist ja gerade das Problem. Ich sehe da nämlich einen gewaltigen Unterschied.
Volkstümliche Musik ist doch in erster Linie gewinnorientiert, wie alles, was irgendwie professionell betrieben wird, so ist nun mal unser Wirtschaftssystem.
Die XY Stubenmusi macht dagegen Musik, weils Spaß macht. Niemand spielt einen Volkstanz auf, um sich seinen nächsten Urlaub zu finanzieren. Im Gegenteil, Hobbymusikanten zahlen doch eh drauf, mit den spärlichen Einnahmen kann man doch auch nur einen Bruchteil der Investitionen für seine Instrumente etc zahlen.
Meiner Meinung nach gehört die GEMA komplett abgeschafft. Deutlich zu begrüßen wärs doch aber schon, wenn es z.B. eine "maximale Einnahmengrenze" für Musikgruppen gibt, die einen als Hobbymusikanten auszeichnet und die einem dann komplett von GEMA-Gebühren und -Meldepflichten usw befreit. Dann spart man sich als Hobbymusikant das Gfrett mir der GEMA, mit der sich doch heute so und so kaum jemand auseinandersetzt (ich wage einfach mal zu behaupten, Du bist in dieser Richtung eine Ausnahmeerscheinung).

Zitat

Das ist aber vor der GEMA irrelevant. Ich
spiele auch in einer Rockband, die Songs sind bei der GEMA
gemeldet und wenn wir in einer Kneippe spielen, bekomme ich
das Geld für diesen Abend. Die meisten Wirte haben sowieso
einen GEMA-Pauschal-Vertrag und müssen gar nicht erst extra
zahlen. So komme ich an Geld, dass ich ohne
GEMA-Mitgliedschaft nicht erhalten würde.
Herr Kübelböck bekommt übrigens keinen Cent von der GEMA, da
ich nicht davon ausgehe, dass er seine Titel selbst schreibt.


Dass Du nur über den Umweg GEMA Geld kriegst, das hast Du Dir doch selber so ausgesucht? Wenn Du nicht bei der GEMA bist kannst Du genauso Eintritt verlangen und das Geld behalten, oder hab ich jetz da was falsch verstanden? Ich denke es macht nur Sinn, sein Zeug bei der GEMA zu registrieren, wenn man Angst hat, dass jemand anders mit Deinem "geistigen Eigentum" Geld machen will. Hast Du Angst, dass jemand Eure Songs covert?
Ich denk auch dass Küblböck wenig Geld kriegt, ich meine damit natürlich die Prozudenten usw. Küblböck ist doch eh nur eine Marionette und wird weggeworfen wie alte Socken wenn er sich nicht mehr verkauft.

Zitat

Es ist schon richtig, dass Verlage nichts an den verkauften
Noten über die GEMA erhalten. Aber sie bekommen Tantiemen,
wenn die Stücke gespielt werden. Wenn nun das
Volksmusikarchiv und der Landesverein mit staatlicher
Unterstützung Noten verbreitet die GEMA-frei sind, greift
natürlich jeder auf dieses Material zurück. Die Folge: keiner
kauft mehr Noten bei den Verlagen und die haben dann einfach
ein Problem. Mit freier Marktwirtschaft hat das nichts zu
tun. [...]


Ich hab wenig Ahnung von Wirtschaft, und das ist mir ganz recht so, drum kann ich die letzte Aussage jetz nicht kommentieren. Die Frage is doch: Macht das was? Bin ich Volksmusikant, um die freie Marktwirtschaft zu unterstützen? Ich denke nein. Wer das möchte, soll das tun, aber die politische Einstellung ist eine private Sache ganz unabhängig von der Musik.
Ich persönlich finde es gerade im Bereich der Volksmusik so gut, dass es so viele Sachen gibt, die nicht durch irgendwen geschützt sind und wo jeder damit machen kann, was er möchte. Es ist doch schön, dass in der Volksmusik so wenig Geld fließt und dass man sich voll und ganz auf die Kunst konzentrieren kann.


Zitat

Ich frage mich, warum das Problem bei der GEMA nur in der
Volksmusik für so einen Wirbel sorgt. Es gibt andere
Musikgattungen, da lebt man einfach mit der GEMA und
akzeptiert sie. Es gibt auch kleine Rockbands, die für ihr
Konzert zahlen müssen, die nicht die riesigen Einnahmen
haben. Nur da läuft's halt. Nur die Volksmusiker zeigen sich
sehr geizig und haben da ein Problem damit.


Das ist eine interessante Fragestellung. Ich weiß keine Antwort darauf. Da würde sich eine nähere Untersuchung lohnen.
Normalerweise sind doch gerade die Rockmusiker diejenigen, die die Gesellschaft kritisch unter die Lupe nehmen, während die Volksmusiker, treu zur CSU-Krone, stets das Haupt vor König Edmund geneigt, die Konservativen verkörpern. So zumindest die gängige Meinung. Andscheinend stimmt das nicht so ganz. Ist doch gut so, oder?

Jetz muss ich leider mitm Schreiben aufhören, habn Termin.

Ciao,


Andi

von Andi - am 19.02.2005 13:00

Re: Zum Thema GEMA - Weit verbreiteter Irrtum

Servus Walter,

den Ball möchte ich zurückspielen: nach meinen Erfahrungen und Rücksprachen mit Ernst Schusser bin nicht ich, sondern Du im Irrtum.

In den von Dir zitierten Artikeln steht nicht, daß man die Veranstaltung nicht melden muß, sondern nur, daß man keine Genehmigung der GEMA einholen muß, und daß die Pflicht eine Titelliste abzugeben entfällt, wenn nur GEMA-freies gespielt wird.

Ernst Schusser und die GEMA sagen einmütig, daß ausnahmslos JEDE Veranstaltung gemeldet werden muß.

Allerdings habe ich, durch zitieren des § 13a, Abs. 2 des Urheberwahrnemungsrechtsgesetzes (DER ist allerdings schon hilfreich), die GEMA mittlerweile dazu gebracht, daß sie von der Einreichung einer Titelliste absieht, wenn ich die Veranstaltung ordnungsgenmäß melde und erkläre, daß ausschließlich solche Musik gespielt wird, deren öffentliche Wiedergabe nicht dem Schutz durch die GEMA unterliegt.

War aber ein harter Kampf, das kannst Du mir glauben...:rolleyes:

Unverschämt finde ich nur, daß die GEMA von Haus aus vermuten darf, daß bei jeder Veranstaltung GEMA-pflichtige Musik gespielt wird, und der Veranstalter die Beweislast hat.

Ansonsten finde ich die GEMA - wie in meiner Antwort an Jörg bereits erwähnt -eine sehr sinnvolle Einrichtung.

von Martin Albert - am 19.02.2005 16:16

Re: Zum Thema GEMA - Weit verbreiteter Irrtum

Servus Martin,

nicht dass ich jetzt einen Hick-Hack vom Zaun brechen wollte. Aber auf welche gesetzliche Grundlage beruft sich denn die GEMA, wenn Sie das Anmelden einer Veranstaltung verlangt? Und worauf stützt du deine Aussage mit der "GEMA-Vermutung". Macht die GEMA jetzt schon ihre eigenen Gesetze? :confused:

Mein Rechtsverständnis:
§13a (2) UrhWG lautet ganz klar: "Veranstalter von öffentlichen Wiedergaben urheberrechtlich geschützter Werke haben vor der Veranstaltung die Einwilligung der Verwertungsgesellschaft einzuholen..."

Es müssen also zwei Bedingungen erfüllt sein. Nachdem nur "öffentlich" zutrifft, nicht jedoch "urheberrechtlich geschützte Werke", werde ich auch in Zukunft keine öffentlichen Volksmusik-Veranstaltungen der GEMA melden. :p Warum sollte ich diese auch melden, wenn ich gar keine Einwilligung brauche. Und wenn die GEMA der Meinung ist, dass doch urheberrechtlich geschützte Werke aufgeführt wurden, dann soll sie das doch mal beweisen. Ich bin schon ganz gespannt, wie sie das machen will. :D

In meinen Augen pokert die GEMA verdammt hoch und baut darauf, dass sich die Veranstalter nach Erhalt eines juristisch undurchsichtig und bedrohlich formulierten Schreibens in die Hosen machen und brav klein bei geben. An den geltenden Gesetzen ändert das aber gar nichts. Die von dir zitierte :cool:

So, und jetzt kommst du. ;-) Vielleicht kannst du mich ja doch noch vom Gegenteil überzeugen!?

von volXmusik - am 19.02.2005 17:31

Re: Zum Thema GEMA - Weit verbreiteter Irrtum

Hallo Walter,

wie soll man denn bei einem Musikantentreffen im voraus wissen, dass alle Titel, die gespielt werden, auch GEMA-frei sind.
Ich hatte ein "Aufspiel'n beim Wirt" da kam einer mit der Quetschen und hat fleissig Musikantenstadl-Mucke gespielt. Den Leuten hat das auch gefallen. Soll ich jetzt dem seinen Auftritt verbieten, nur weil er GEMA-pflichtige Stücke spielt. In den Augen der Leute wäre ich dann der Buhmann, da das Publikum das GEMA-Hickhack eh nicht versteht.
Im übrigen wäre ja eine Vorgabe, eine Einschränkung oder gar ein Verbot überhaupt nicht im Sinne einer Veranstaltung wie "Aufspiel'n beim Wirt".

Viele Grüße
Jörg

von Jörg - am 19.02.2005 21:33

Re: Zum Thema GEMA - Weit verbreiteter Irrtum

Servus Jörg,

für ein Aufspiel'n beim Wirt gibt es im engeren Sinne gar keinen Veranstalter. Der Wirt hat in aller Regel eh einen 0815-Vertrag mit der GEMA, der ihm ja auch das Abspielen von CDs in seinen Gasträumen (selbstverständlich gegen Bezahlung) erlaubt.

Anders verhält es sich, wenn es sich um eine Veranstaltung mit Eintrittsgeldern handelt (und dazu zähle ich ein Aufspiel'n beim Wirt nicht). In einem solchen Fall habe ich es mit engagierten Musikgruppen zu tun, von denen ich im Voraus weiß bzw. mit denen ich im Voraus abspreche, welches Repertoire diese spielen.

Gruß
Walter :-)

von volXmusik - am 20.02.2005 00:15

Re: Zum Thema GEMA - Weit verbreiteter Irrtum

Nochmals Hallo,

also ist es dann ja auch okay, wenn GEMA-pflichtig Stücke gespielt werden, da der Wirt ja sowieso bezahlt. Wenn die Musikanten dann auch noch die Programmfolge ausfüllen würden, dann käme das Geld wenigstens auch anderen Volksmusikanten zu Gute, die die Stücke geschrieben haben.
Und selbst der Landesverein und das Volksmusikarchiv würden für die angemeldeten Bearbeitungen dann noch etwas von den Tantiemen abbekommen.

Übrigens für die Veranstaltungen, für die du Eintritt verlangst, hat der Wirt auch schon bezahlt. Der Chef meiner Stammkneipe hat über den Pauschalvertrag mit der GEMA für die CD-Abspielung zwei oder mehrere Veranstaltungen frei. Also bei GEMA-pflichtiger Musik würde dieses Geld dann auch uns wieder zu Gute kommen. In dem du nichts meldest geht das Geld dieser Veranstaltung an die GEMA-Großen. Schade eigentlich.

Viele Grüße
Jörg

von Jörg - am 20.02.2005 20:36
Hallo Andi,

okay, das mit der GNU Lizenz habe ich wohl nicht richtig verstanden. Benutze selbst ein GNU-lizenziertes Programm, dass ich aber nur für nichtkommerzielle Zwecke einsetzten darf (PHP-Fusion). Daher kommt vielleicht der Irrtum.

Im übrigen arbeite ich ja auch nach GNU-Manier. Ich stelle meine Noten und meine MP3-Files kostenlos zur Verfügung. Jeder kann sie kostenlos runter laden und nutzen. Nur wenn er sie halt öffentlich aufführt und auch Geld damit verdient, dann möchte ich auch was ab haben. Und genau dafür ist die GEMA ja da.

Viele Volksmusikgruppen spielen zum Spass. Ich denke die Spatzelruther Katzen spielen auch zum Spass. Die haben das Glück, damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wer würde das denn auch nicht wollen?
Dann gibt es da aber auch ganz viele Volksmusikgruppen, die sehr wohl Geld für ihren Auftritt verlangen. Ich behaupte sogar, dass das die Mehrheit ist. Ich denke da an meine Gruppe, wenn ich sage, komm wir spielen im Wirtshaus (meistens ja ohne Geld), dann wird gleich die Nase gerümpft.
Es wäre ja auch okay, wenn die Volksmusik komplett von der GEMA-Pflicht befreit würde, wenn dann auch alle Gruppen immer kostenlos spielen würden, zu ihrem Spass halt. Aber welche Volksmusikgruppe würde das machen?

Im Gegenteil, die ganze Diskussion um die GEMA lässt ja vermuten, dass Volksmusikgruppen sehr auf das Geld aus sind. Mit allen Mitteln wird versucht, so viel wie möglich aus einem Auftritt raus zu holen.

Naja, ich möchte hier nicht als Revoluzer auftreten. Ich habe einfach eine für Volksmusikanten atypische Einstellung zur GEMA, die mir hoffentlich keiner übel nimmt. ;)

Viele Grüße
Jörg

von Jörg - am 20.02.2005 20:49
Zitat

Ich frage mich, warum das Problem bei der GEMA nur in der Volksmusik für so einen Wirbel sorgt. Es gibt andere Musikgattungen, da lebt man einfach mit der GEMA und akzeptiert sie. Es gibt auch kleine Rockbands, die für ihr Konzert zahlen müssen, die nicht die riesigen Einnahmen haben. Nur da läuft's halt. Nur die Volksmusiker zeigen sich sehr geizig und haben da ein Problem damit.


Ganz einfach: es gibt eben keine Rockmusik, wo der Interpret schon mehr als 70 Jahre verstorben ist. Manche Stückln der Volksmusik sind eventuell hunderte Jahre alt. Das Problem hier ist, dass manche versuchen sich das anzueignen und GEMA-pflichtig machen wollen.

Aber ich denke auch, dass es da in der Volksmusik/Volkskultur generell eine ausgeprägte "das darf nichts kosten" Einstellung gibt, die auch falsch ist. Gute Musik kostet eben was, auch in der Volksmusik.

Mario

von Mario Herger - am 20.02.2005 21:32
Eine von mir interviewte Volksmusikantin hat zum Thema Geld mal folgendes gesagt:

Zitat

Auch sollte man nicht mit der Einstellung Tanzmusikant werden, dass man damit Geld verdienen will. Es sollte möglich sein, dass das Instrument und manche Unkosten wie Anreise, Noten über die Zeit ersetzt werden können, aber Übungszeiten etc. abgegolten zu bekommen, sei unrealistisch. Es soll der Spass das Wesentliche daran sein. Wenn sie gefragt werde, wieviel sie denn koste, dann schaue sie zuerst mal, was denn das für eine Gruppe oder Veranstaltung ist. Und wenn es eine junge Gruppe oder eine erstmalige Veranstaltung ist, dann sage sie meistens: 'Schau zuerst mal, wieviele Leute denn kommen und was Dir überbleibt'. Sie erwartet, dass ein Veranstalter so fair ist und einen entsprechenden Betrag an die Musikanten entrichtet. Und wenn einmal nichts überbleibt, dann sehen die Musikanten es als netten Übungsabend an, wo auch sie ihren Spass hatten.
Wenn aber offensichtlich ist, dass hinter einer Veranstaltung genug Geld vorhanden ist, dann verlange sie natürlich auch eine entsprechende Entschädigung.
Ebenso sollte ein Tänzer für die Musik zahlen müssen, denn was nichts kostet ist auch nichts wert.


(Das ganze Interview kann unter "Schweden Essen keinen Liptauer oder Wir sind immer aufgefallen" [www.dancilla.com] nachgelesen werden)

Mario

von Mario Herger - am 20.02.2005 21:48

Re: Zum Thema GEMA - Weit verbreiteter Irrtum

Servus Jörg,

Zitat

... Wenn die Musikanten dann auch noch die Programmfolge ausfüllen würden, ...


ich frage mich gerade, wie ein Aufspiel'n beim Wirt abläuft, bei dem jeder Musikant, das was er gerade gespielt hat, sofort anschließend in ein kleines Notizbüchlein schreibt, damit er am Ende des Abends, bevor er mit einer Brotzeit und zwei Halben Bier im Bauch nach hause geht, dem Wirt noch schnell die GEMA-Liste ausfüllen kann. Der Wirt, der dank der Animation durch die Musikanten an diesem Abend mit den Heerscharen von Gästen, die exzessiv bei ihm gezecht haben, ein kleines Vermögen gemacht hat, soll schließlich den armen Verlagen, Komponisten und Arrangeuren auch etwas von seinen unendlichen Reichtümern abgeben. ;-)

Ich will jetzt nicht behaupten, dass alle Wirte am Hungertuch nagen. Gleichzeitig finde ich aber, dass man, was die GEMA betrifft, die Kirche beim Dorf lassen sollte. In meinen Augen wäre eine Regelung am sinnvollsten, die einen vernünftigen "Freibetrag" festlegt. Mal ehrlich: an einem Aufspiel'n beim Wirt verdient die GEMA wahrscheinlich nicht mal den Verwaltungsaufwand, den sie produziert. Gleichzeitig ist es auch nicht einzusehen, dass Veranstalter, die gut an oder mit der Musik verdienen, ihren Teil an die abgeben, die ihren Verdienst erst ermöglicht haben - keine Frage.

So kleinkariert, wie wir in Deutschland aber mit solchen Themen umgehen (und dies beziehe ich nicht nur auf das Thema Musik und GEMA), brauchen wir uns nicht wundern, dass es kulturell immer weiter bergab geht. Ich warte schon auf den Tag, an dem irgendeiner einen Furz auf CD "presst" :D und hinterher weltweit Tantiemen kassiert, wenn einer einen fahren lässt. ;-) Da lob ich mir halt Nationen, die Musik im Wirtshaus noch als "Hausmusik" und Förderung der eigenen Kultur sehen und würdigen. Wir lassen lieber die GEMA abkassieren und fördern dann mit Steuergeldern hinterher wieder die örtliche Kleinkultur, die wir vorher wie die Nashörner im Gemüsebeet niedergetrampelt haben.

So, des habi jetz losweara miaßa! Nix für unguat! :-)
Walter

von volXmusik - am 20.02.2005 21:50
Zitat

a) die Veranstaltung der GEMA zu melden, obwohl ich keine GEMA-pflichtige Musik spielen lassen möchte, und
b) darüber hinaus dann auch noch der GEMA beweisen muß, daß auf meiner Veranstaltung nur GEMA-freie Musik gespielt wurde (mach das mal bei einem Hoagartn, wo wild durcheinander improvisiert wird...).


Soferne ich die Gesetzestexte interpretieren kann, die GEMA darf das gesetzlich eigentlich nicht, aber sie geht vor wie die GEZ: im Zweifelsfall GEGEN den "Angeklagten". Die GEZ unterstellt auch zuerst einmal, dass man ein Fernsehgerät oder Radio besitzt. Die GEMA unterstellt auch zuerst einmal, dass man urheberrechtlich geschützte Werke aufführt und schickt einmal eine Rechnung. Erst wenn die auf dem Mahnwege nicht gezahlt werden, wird eine Klage erhoben, die für Otto-Normalmusikant wie ein Damoklesschwert über einem hängen. Das heisst aber nicht, dass das Gericht der Meinung des Klägers (GEMA) folgen muss. Die Beweislast liegt hier dann bei der GEMA, weil sie, genau wie die GEZ so etwas wie staatshoheitliche Aufgaben übernimmt. Und da gilt doch schon seit einigen Jahrzehnten, dass die Beweislast beim staatlichen Organ oder als staatliches Organ fungierende Organisation liegt, weil ebenbesagtes Organ über die Mittel verfügt und das Gericht zu Recht sagt, dass dieser Aufwand von einer Einzelperson nicht erbracht werden kann.
Die Kripo muss schliesslich auch beweisen, dass ich der Mörder war, nicht ich, dass ich es nicht war.

Handhabe haben sie aber keine, sie dürfen aber klagen, wenn sie der Meinung sind, es entgehen ihnen gerechtfertigte Gebühren. Als Privater tendiert man dazu, da eher wegzustecken und lieber zu zahlen, weil man sich mit dem Recht nicht so auskennt.
Ich betrachte die Auskünfte der GEMA als Meinung der GEMA und als nicht mehr, jedenfalls nicht als rechtsverbindlich.

Mario

von Mario Herger - am 20.02.2005 21:59
Bravo! "Mehr sog i ned!"
(frei nach Otti - ich hoff', der bekommt für die Verwendung dieses Ausspruchs jetzt keine Tantiemen von mir!? ;-))

von volXmusik - am 20.02.2005 22:06

GEMA-pflichtiger Rülpser

Zitat

Ich warte schon auf den Tag, an dem irgendeiner einen Furz auf CD "presst" und hinterher weltweit Tantiemen kassiert, wenn einer einen fahren lässt.


Aber Walter: sowas ähnliches gibt's doch schon. Vor mir liegt eine Aufnahme des finnischen enfant terrible M.A. Numminen, der auf seiner CD "DÄGÄ DÄGÄ - Finnwelten" eine 1:56 lange Aufnahme namens "Gebärde für drei Rülpser" draufhat, die ebenso lange ein kleines gerülpstes musikalisches "Gusto"stückchen vorbringt ;-).
Die CD und der äusserst vielseitige Künstler M.A. Numminen sind übrigens seh zu empfehlen (wer auf die von ihm dargebrachte Art von Humor steht).

Mario

von Mario Herger - am 20.02.2005 22:09

Re: GEMA-pflichtiger Rülpser

Ich hab's geahnt! :rolleyes: ;-)

von volXmusik - am 20.02.2005 22:13
Servus Jörg,

Zitat

Die meisten Wirte haben sowieso einen GEMA-Pauschal-Vertrag


Die Wirte, die ich kenne - und ich kenne viele, das kannst Du mir glauben ;-) - haben so einen Vertrag nicht, schlicht und ergreifend, weil sie keine Hintergrundmusik dudeln lassen.
Und was meinst Du denn, welche Reichtümer in der Gastronomie verdient werden? Vor allem dann, wenn ein paar Musikanten aus Spaß an der Freud ohne Einladung, Plakat usw. aufspielen? Wenn da der Verdienst so gut wäre, solltest Du eher Wirt als Musiker werden. Dann brauchst Du auch nicht von den paar Nutscherln leben, die Du von der GEMA für öffentliche Aufführungen Deiner Stücke bekommst (Du wirst Dich wundern, wie wenig das ist, und vor allem, wer da tatsächlich daran verdient)

Zum "Verdienst" der Musikanten: Auch im Kapitalismus ist eine Gage nicht gleichzeitig der Verdienst einer Gruppe, sondern nur die Einnahme. Dem stehen aber so klitzekleine Ausgaben wie Instrumente, Unterricht, Noten, Autofahrten, usw. Von der aufgewendeten Zeit für Auftritte und Proben gar nicht zu reden...
Ich spiele bei einer relativ bekannten Gruppe mit (Vilsleitnmusi) und wir können für volksmusikalische Verhältnisse hohe Gagen verlangen (natürlich spielen wir auch manchmal für weniger bis garnix). Das hat dann sogar das Finanzamt interessiert, weil da auch ein paar so kapitalismussachverständige Fachleute sitzen. Also wurde ich aufgefordert, diese Einnahmen zu versteuern. Ich war dann so frei und habe auch meine Werbungskosten in diesem Zusammenhang geltend gemacht (ohne Tricks, nur nachweisbar angefallen Kosten!) mit dem Ergebnis, daß mir das Finanzamt aufgrund meiner ach so lukrativen Nebentätigkeit noch ca. 180€ auszahlen hätte müssen. (Aufgrund dieser Erfahrung verzichtet der deutsche Staat wieder auf die Besteuerung meines Nebenverdienstes...) Wie schaut das jetzt erst bei den Musikanten aus, die nur selten auf den "großen Bühnen" spielen, sondern bei Vereinsfesteln usw., dort, wo - wenn überhaupt -kaum mehr als 50€ Gage zu erzielen sind?

Verlage
Meiner Meinung nach machen Volksmusikarchiv und Landesverein - vereinfacht gesagt - lediglich ein der Allgemeinheit gehörendes Material (=Volksgut) dieser Allgemeinheit in einem gebrauchsfähigen Zustand zugänglich. Also ist es auch in Ordnung, wenn diese Aktivitäten von der Allgemeinheit finanziert werden. Sowas widerspricht gottseidank nicht dem Kapitalismus! Soweit ich weiß, finanzieren sich die Veröffentlichungen dieser Organisationen weitgehend durch den Verkauf derselben. bzw. tragen sogar zur Finanzierung der Organisationen bei.
Absolut widersinnig wäre es aber, wenn diese Materialien GEMA-pflichtig würden
(was laut Urheberrecht gar nicht sein darf), wenn also dann auf einmal die GEMA und ihre Mitglieder an staatlich subventioniertem Volksgut verdienten. DAS widerspräche allerdings dem Kapitalismus und ich als Steuerzahler würde mich gewaltig darüber beschweren.

Neue Musik ist gut und wertvoll, ganz bestimmt. Aber Du glaubst doch nicht wirklich, daß die erwähnten Verlage neue Musik auflegen, wenn sie sich nicht rentiert und das Defizit dann mit z.B. GEMA-Gebühren ausgleichen?? Jedes einzelne Produkt muß sich per se renteiren sonst fliegt es raus, oder der Verlag geht den Bach runter (eindrucksvoll von Preissler bewiesen, dessen Volksmusikausgaben wurden nämlich fleißig gekauft). Die Leute wollen berechtigterweise Geld verdienen! Weil sie aber keine Künstler sondern Kaufleute sind, geben sie sich nicht mit etwas ab, das ihren Verdienst schmälert, nur weil sie es schön finden.
Die Verlage könnten ja auch Musik verkaufen, die GEMA-frei aufgeführt werden darf, und damit ihr Geld verdienen.

Bei uns im Kapitalismus kaufen die Kunden meines Arbeitgebers dessen Produkte übrigens nicht, um unsere Firma oder deren Mitarbeiter zu unterstützen, sondern ausschließlich, weil sie die Anlage brauchen und weil sie glauben, daß der Preis angemessen ist. Keinesfalls zahlen sie aber überhöhte Preise oder Lizenzgebühren um damit unsere Ladenhüter quer zu subventionieren.

Zitat

Ich frage mich, warum das Problem bei der GEMA nur in der Volksmusik für so einen Wirbel sorgt.


Ja denk mal nach, vielleicht kommst Du ja selber drauf?
Weil in der Volksmusik einiges anders ist als in anderen Musikrichtungen:
- Die erzielten Erlöse der Musikaufführungen stehen in keiner nachvollziebaren Relation zu den GEMA-Gebühren
- Der Großteil der Musik ist Allgemeingut
- in keiner anderen Musikgattung ist die Sachkenntnis der GEMA derart lausig, was zusammen mit der Tatsache daß nur wenig Geld im Spiel ist und deshalb kaum Verlage mit eigenen Rechtsabteilungen dafür sorgen daß nicht
- Urheberrechte verletzt werden (nämlich die des "Volkes" um es allgemein zu sagen)
Prominente Beispiele sind der "Zillertaler Hochzeitsmarsch" oder der "Holzmichl", das "Hiatamadl" etc.
Aber auch ein gewisser Jörg Lanzinger bedient sich großzügig aus dem Volksgut ;-). Z.B. Deine "Geisterstundenpolka": Den ersten Teil habe ich mit Sicherheit vor 2004 schon einmal gehört, ohne daß ich ihn aber konkret zuordnen könnte, der zweite Teil mag von Dir sein, der dritte aber ist schlicht und ergreifend nicht von Dir! Der war schon alt, da haben wahrscheinlich noch nicht einmal Deine Eltern gewußt, wie das mit der menschlichen Fortpflanzung funktioniert!
Auch die Schönauer Musikanten haben ihn in einem Ihrer Stückl (ich glaube "der Verdrahte") GEMA-pflichtig gemacht. Dann gibts noch eine Polka von Georg von Kaufmann, in der er auch vorkommt, allerdings GEMA-frei. Wolfi Neumüller hat ihn in einem seiner Akkordeon-Stücke ebenfalls verwendet. Vielleicht hat er sich von dort aus in Deinen Melodienschatz eingeschlichen?
Jetzt sollen aber alle, die zukünftig diesen Teil spielen oder in ein Stückl einbauen wollen, dafür zahlen? Das sehe ich nicht ein!
Damit möchte ich nicht behaupten, daß Du absichtlich Plagiat begehst oder schlechte Kopien ablieferst.
Die Volksmusik- Stücke die Du auf Deiner Homepage veröffentlichst sind gut, keine Frage. Aber sei mal ehrlich, ist Deine kompositorische Leistung daran so groß, daß ab sofort jeder, der diese Musik spielt oder spielen läßt, dafür zahlen muß? (Ich rede nicht von gewinnbringender Vermarktung auf CD und im Rundfunk)
Das was Du als Deine Kompositionen bezeichnest, sind handwerklich einwandfreie und gelungene Variationen aus altbekanntem. So was spielen wir wenn wir "nur für uns" musizieren oft einen ganzen Abend lang, ein Stück nach dem anderen, ohne daß einer auf die Idee käme, das gleich zur GEMA anzumelden (mein Musikkollege ist übrigens GEMA-Mitglied).
Du hast zweifelsohne Leistungen beim Schreiben Deiner Stückl vollbracht: Das Aufschreiben an sich, der Satz, die dritte Stimme, die Begleitakkorde. Aber sind das eigenständige geistige Leistungen im Sinne des Urheberrechtes? Ja? Dann schreibe ich jetzt die Baßgänge dazu, melde es als eigene Bearbeitung bei der GEMA an und nehme diese Bearbeitung dann auf unsere nächste CD auf, einverstanden? Nein?
Es sind schon Urheberrechtsprozesse wegen einiger weniger abgekupferter Takte geführt und gewonnen worden; bloß aus dem Volksgut darf man sich nehmen, was man gerade braucht!
Wir schöpfen doch alle aus der gleichen Quelle! Und diese Quelle muß weiterhin für jeden frei zugänglich sein, sie ist nämlich eine unserer kulturellen Lebensadern. Das wunderbare daran ist, daß sich diese Quelle immer wieder selbst erneuert, wenn man sie frei fliessen läßt. Wenn aber immer mehr Teile dieser Quelle von einzelnen als für sich gepachtet reklamiert werden, dann besteht die Gefahr, daß sie über kurz oder lang versiegt. Wie beim Wasserkreislauf: das gebrauchte Wasser kehrt in den Kreislauf zurück, nur das gebundene Wasser geht auf Dauer verloren.


Zitat

Lösungsvorschlag
Warum meldet der Landesverband und das Volksmusikarchiv nicht ihre Stücke auch bei der GEMA


Weil die meisten Stücke eben keine schützenswerten eigenständigen geistigen Leistungen im Sinne des Urheberschutzgesetzes sind, sondern Volksgut. Außerdem stellt zumindest das VMA seinen Autoren frei, ihre eigenen Stücke bei der GEMA zu melden, solange sie die Rechte für öffentliche Aufführung ausdrücklich frei lassen.

Zitat

Lösungsvorschlag
und geben die Tantiemen einfach dann an die Musiker und Wirtsleute zurück.


Träum weiter! Weil eben nur ein verschwindend kleiner Bruchteil der bei Volksmusikveranstaltungen anfallenden GEMA-Gebühren auch wieder in Richtung Volksmusik zurückfließt. Ein Teil behält die GEMA selbst ein, um Ihren Apparat zu finanzieren (ca 14% der Gesamteinnahmen). Der große Batzen geht aber an die Verlage und Komponisten der Unterhaltungsmusik. Der Verteilschlüssel für die Tantiemen funktioniert laut GEMA vereinfacht etwa so: Je öfter die Werke eines Urhebers gespielt werden desto höher ist sein Anteil am Kuchen. Jetzt überleg mal kurz, wie oft wohl Volksmusik im Vergleich zu den anderen Gattungen gespielt wird (selbst wenn jede Veranstaltung GEMA-pflichtig gemacht wird).
Außerdem richtet es sich noch danach, in vielen Bezirken die Musik gespielt wird, und da hat die Volksmusik wieder Pech gehabt, weil sie fast nur in Bayern gespielt wird.

Du hast recht, das Thema gibt viel her, drum sind meine Ausführungen auch recht lang geworden....

Gruß

Martin

von Martin Albert - am 21.02.2005 17:14
Hallo Andi,

hier mal meine Gedanken, warum ich das mit der GEMA so abwickle.

Das Internet bietet die Möglichkeit, Noten kostenlos bereit zu stellen, da ich so gut wie keine Produktionskosten habe. Das "Komponieren" oder "Klauen" von Melodien oder Stücke, mache ich hauptsächlich zu meinem Spass. So, nun ist das eben da und ich möchte es auch bereitstellen. Für jeden kostenlos!!! Das macht kein Verlag, das macht auch nicht das VMA. Ich denke, viele würden mir dafür sogar Geld geben. Das ist aber doch auch viel zu aufwendig.
Wenn nun Musikanten die Noten einfach downloaden, spielen und einfach die Programmfolge ausfüllen und der GEMA schicken, so wie es bei jeder Veranstaltung eigentlich laufen sollte, dann wäre es doch ein super Weg, wie ich dann doch noch eine kleine Aufwandsentschädigung erhalte. Meistens müssen die Gruppen ja die GEMA-Gebühr gar nicht zahlen, da das der Veranstalter übernimmt, der meistens sowieso schon eine Pauschale zahlt. Und dieses Geld geht dann auch an die Großen, da keine Programmfolge, das Geld richtig zuweisst. Klar gehen bei der GEMA 14% oder mehr drauf. Entschuldige, die machen aber auch nur ihre Arbeit und wollen ihr Geld verdienen.

Es ist doch eigentlich ein Vorteil für die Gruppe: die Noten müssen nicht bezahlt werden, sie sollen sogar kopiert und weiter gegeben werden. Ich möchte nicht wissen, wieviele illegale Kopien durch das Repertoire so mancher Stubenmusik geistert. Und die GEMA-Rechnung muss auch selten von der Gruppe bezahlt werden. Und wenn doch, dann denke ich dass auch Einnahmen im Spiel sind, von denen ich doch was für die kostenlose Bereitstellung der Noten abbekommen kann. Oder sind da dann alle zu geizig? Ich möchte mich ja nicht berreichern, das geht mit der GEMA ja auch nicht so leicht.

Im Endeffekt ist es mir auch egal, ob die Gruppen meine Noten nutzen oder nicht. Das muss jeder selbst entscheiden. Aber wenn jede Gruppe brav ihre Noten kaufen würde - für jede Stimme dann auch ein eigenes Heft - dann käme da auch ein großer Betrag zusammen, mit dem sich die ein oder andere GEMA-Rechnung begleichen ließe.

Und noch eins: jeder darf die Stücke verwenden, wie er möchte. In ein Notenheft drucken, auf CD aufnehmen, und und und. Spätetens bei der CD-Produktion ist dann ja auch viel Geld im Spiel und dann was ab zu bekommen ist nur fair.

Das VMA bekommt halt das Geld beim Kauf der Noten, ich bestimmt viel weniger über die GEMA und auch nur dann, wann die Stücke in der Öffentlichkeit gespielt werden.

Bin trotzdem im Zweifel, ob ich richtig handle, da ich mit meiner Meinung in Volksmusikkreisen auf verlorenem Posten stehe. Bin mal gespannt, was noch für Beiträge kommen.

Viele Grüße
Jörg

von Jörg - am 21.02.2005 20:19

Re: GEMA-pflichtiger Rülpser

Ich hab gelesen, dass der Hugo Egon Balder (TV Genial daneben) bei der GEMA die C-Dur-Tonleiter anmelden und schützen lassen wollte. Dies jedoch haben die Herren von der GEMA dann doch nicht gemacht. :D

Gruß, Dieter

von Dieter K - am 21.02.2005 20:50

Bearbeitung von Volksmusik

Hallo liebe Volksmusik-Freunde,

jetzt möchte ich noch einige Sätze zum Thema Bearbeitung von Volksmusik los werden, nachdem Martin gemeint hat, es sei nicht okay, mit traditionelle Melodien so zu verfahren.

Unsere bayerische (und auch schwäbische ;) ) Volksmusik gehört zur europäischen Folklore. Jedes Land verfügt über eine eigene Musiktradition. Ich weiss nicht, wieviel Bearbeitungen es z.B. von irischer Folklore gibt, die bei großen Verlagen wie Schott oder Ricordi verlegt sind und deren Bearbeiter ihr Tun bei der GEMA gemeldet haben und dafür sicher auch Geld bekommen.

Da regen sich jetzt doch die Iren auch nicht auf und kämpfen gegen das Verwertungssystem. Und auch die Folkloregruppen, die diese Musik spielen passen sich ganz brav unserem System an.

Wieso also wieder die Extra-Wurst für die Volxmusik?

Wünsche allen noch einen schönen Tag!
Jörg

von Jörg - am 22.02.2005 08:22

Re: Bearbeitung von Volksmusik

Lieber Jörg,

einen Versuch unternehme ich noch, Dir klar zu machen, worum es mir geht!

Natürlich darf jeder eine traditionelle Melodie bearbeiten und diese Bearbeitung schützen lassen. Aber nur als Bearbeitung, nicht als Komposition!
Wenn Du darauf hingewiesen hättest, daß bei dem besagten Stückl nur der 2. Teil von Dir ist und die 3. Stimme zu allen Teilen, der Rest aber Volksgut, dann wäre es wenigstens korrekt. So aber hast Du das Gesamtwerk GEMA-pflichtig gemacht. Mithin sind die Melodien, die bislang jeder frei spielen durfte, ab sofort nur noch gegen Gebühr zu spielen. Du hast sie also überspitzt gesagt der Allgemeinheit weggenommen und verlangst jetzt auch noch Geld dafür.
Unser Volksgut gehört uns zwar allen gemeinsam, aber deswegen ist es noch lange kein Selbstbedienungsladen!

Vor allem schröpfst Du auf diesem Weg hauptsächlich die, die Deine Musik auf ihren Veranstaltungen spielen lassen (die Wirte und Vereine mit Generalvertrag einmal ausgenommen) und hast noch nicht einmal selber was davon!
Die meisten Veranstaltungen, die ich so kenne, werden von Nicht-GEMA-Generalisten aufgezogen und zwar aus Spaß an der Freud! Wer macht denn ein Sänger- und Musikantentreffen, um daran Geld zu verdienen?
Nochmal das Beispiel von meinem Hoagartn: Ich verdiene keinen Cent, wenn ich die Kosten für Plakate usw. rechne, zahle ich bestimmt 50 -100 € drauf. Die GEMA-Rechnung für meine Veranstaltung wäre aber deutlich über 200 €. Die Zahle ich zusätzlich drauf!
Und wieviel bekämst Du von den 200 €? Geteilt durch mindestens 60000 GEMA-Mitglieder, dann bist Du schon nur noch bei 33 CENT! Wenn Du jetzt noch berücksichtigst, dass manche GEMA-Krösusse das zigtausend-fache bekommen wie Du, dann kannst Du froh sein, wenn überhaupt 1,0 CENT an Dich geht! Von 200 € die jemand anderes dafür blechen mußte!
Ja dann gibts noch die Mißverhältnisklausel, nachdem bei geringen Einnahmen und niedrigem GEMA-Musik-Anteil, die Gebühren auf ein angemessenes Maß reduziert werden sollen. Dann verdienst Du entsprechend noch viel weniger, ich hab dann zwar auch weniger Kosten, dafür aber einen mords Papierkrieg mit der GEMA.
Fragst Du immer noch,warum so viele Veranstalter nur GEMA-freies spielen lassen?

Wenn ich "die Iren" wäre, würde ich mich grundsätzlich auch beschweren, daß die Verlage und Bearbeiter auf einmal Geld für etwas kassieren, das wir bislang jederzeit kostenlos spielen durften. Ich bin aber überzeugt, daß die das Problem dort auf ihre eigene Weise lösen. Die entziehen sich der GEMA-Thematik ganz einfach durch vorsätzlichen Vollrausch... oder meinst Du, daß ausgerechnet bei einem irischen Pub-Abend eine Liste mit gespielten Titeln erstellt wird? Allein der Verrsuch wir kläglich enden, in etwa so:
spätestens zwei Stunden nach Beginn ist die Liste in einem, na ja, "nicht mehr präsentablen" Zustand, und am nächsten Tag findet sie sowieso niemand mehr ;-)

Gruß

Martin

von Martin Albert - am 22.02.2005 16:56

Re: Bearbeitung von Volksmusik

Hallo Martin,

auf deinen letzten Versuch, meine Meinung zu ändern werde ich schon aus dem Grund antworten, damit ich das letzte Wort habe. ;)

In dem Fall der Bearbeitung und Meldung von "Volksgut" stehe ich in der Tradition großer Volksmusikanten, wie Tobi Reiser u.a. Wer sagt dir denn eigentlich, dass das Volksgut, das du für dich und uns alle in Anspruch nimmst, vom Urheber der Melodie freigegeben werden sollte. Vielleicht wollte der Komponist gar nicht, das sein Werk nun von jedem einfach so gespielt wird. Wenn er die Möglichkeit gesehen hätte, etwas dafür zu bekommen, hätte er sie in dieser Zeit bestimmt wahr genommen, da das Geld eh oft fehlte. Ich meine auch eine ähnliche Meinung mal bei Franz Fuchs gelesen zu haben. Da stehe ich dann mal nicht allein auf weiter Flur.

Zu meiner Arbeitsweise: auch wenn mir das niemand glaubt, wenn ich Stückl "komponiere" dann fällt mir einfach etwas ein, wie beim Improvisieren. Ich denke da dann nicht an ein bestimmtes Motiv, das ich kopiere. Irgendwann gibt es auch keine neuen Möglichkeiten mehr, da unser Tonsystem einfach begrenzt ist. Aber wenn man immer etwas neues erfinden muss, um Musik zu schaffen, dann würde keine Band, kein Songwriter und kein Kabarettist mehr Musik schaffen können, weil ja alles schon irgendwie einmal da war.

Nach meiner Meinung ist die höchste Art zu musizieren, die, bei der man eigene Stücke spielt. Man bringt seine eigene Persönlichkeit in die Musik ein. Und dann kommen da halt mal Melodien raus, die so vielleicht schon mal da waren. Würde man das unterbinden, dann wäre das das Ende von musikalischer Kreativität, die du nicht im Ernst verlangen kannst.

Und ich finde es auch in der traditionsbewußten Volxmusik schade, dass so wenig Gruppen ihre Stückl selber stricken. Unsere Vorfahren, deren Kultur wir erhalten wollen, waren da viel unkomplizierter. Die haben ja fleissig komponiert, sonst hätten wir ja jetzt nichts zu pflegen.

Pflege ist gut, aber nur dann, wenn Platz für eigene Kreativität vorhanden ist. Improvisieren geht ja auch in die Richtung, leider machen das ja auch zu wenig. Ich gehe halt noch einen Schritt weiter und schreib die Improvisationen auf, setzte sie in Notenschrift, lade sie ins Internet und melde sie der GEMA, damit mein Urheberrecht für diese Leistung geschützt ist.

Ist aber trotzdem nett, dass wir so ausgiebig diskutieren. Das Thema GEMA gibt wohl auch einiges her.

Viele Grüße
Jörg

von Jörg - am 22.02.2005 21:14

Re: Bearbeitung von Volksmusik

Hallo Jörg,

für mich hat der Disput zwischen Martin und dir folgende Quintessenz:

Du glaubst scheinbar tatsächlich, mit deinen Kompositionen über die GEMA in nennenswertem Umfang Geld verdienen zu können. Während Martin vergeblich versucht, dir klar zu machen, dass deinen rudimentären Einnahmen eine mitunter erhebliche Belastung der überwiegend ehrenamtlich für unsere Volkskultur arbeitenden Veranstalter gegenübersteht.

Ich bin sicher, du wachst spätestens dann auf, wenn du nach einem Abend, an dem du deine eigenen, GEMA-pflichtigen Stücke gespielt hast, - für die du dann ja ebenfalls blechen darfst - mehr Gebühren an die GEMA abdrückst, als du gleichzeitig am Monatsende an Tantiemen verbuchen kannst.

Die Schlagerbranche "sag(t) Danke schön mit roten Rosen..."

... wer rechnen kann, ist klar im Vorteil ...

von volXmusik - am 22.02.2005 22:36

Re: Bearbeitung von Volksmusik

Servus Walter,

sehr schön gesagt!

Wobei man fairerweise sagen muß, daß die GEMA-Zwerge natürlich umgekehrt auch von den Einnahmen der Unterhaltungsmusik profitieren. Und zwar wegen des Verteilungsschlüssels immerhin im Umfang von messbaren CENT-Beträgen...;-) Also am Jahresende kann sich der Jörg wahrscheinlich schon eine Brotzeit dafür kaufen. Für die GEMA-Gebühren eines einzigen von ihm selbst veranstalteten Abends dürften aber selbst seine gesamten Jahreseinnahmen (nur aus den Aufführungsrechten wohlgemerkt!) nicht einmal annähernd reichen.

Trotzdem sollte sich eigentlich jeder, der Stückl schreibt, überlegen, ob er sie nicht bei der GEMA anmelden soll - natürlich unter Freilassung des Rechtes auf öffentliche Aufführung. Wenn nämlich ein anderer anfängt, daran wirklich zu verdienen (durch CD-Aufnahme oder Rundfunksendung), oder wenn ein Stückl gar von den Mutantenstadl-Akteuren "entdeckt" und vermarktet werden sollte, dann steht dem eigentlichen Autor auch sein Anteil daran zu.
Da zahlen aber dann tatsächlich nur diejenigen, die auch daran verdienen! Und diese Gelder werden nicht nach Verteilungsschlüssel, sondern direkt - unter Abzug der diversen GEMA-Kosten - an den Autor ausbezahlt. Davon hat er also wirklich was.

von Martin Albert - am 23.02.2005 08:39

Re: Bearbeitung von Volksmusik

Servus Jörg,

war noch nix mit dem letzten Wort :D
Mich freut diese Diskussion übrigens auch. Dein Verdienst ist es, das Thema wieder einmal aufs Tapet gebracht zu haben.

Aber weiter im Text: Der Tobi Reiser war ein großer, unbestritten! Aber das was er urheberrechtlich verbrochen hat, halte ich nicht für richtig. Da bin ich auch nicht allein. Das merkt man besonders daran, daß die Stückl auf öffentlichen Veranstaltungen kaum mehr zu hören sind, obwohl sie nach wie vor zum besten gehören, was es in der Stubenmusik so gibt (meine bescheidene Meinung).

Zitat

Wer sagt dir denn eigentlich, dass das Volksgut, das du für dich und uns alle in Anspruch nimmst, vom Urheber der Melodie freigegeben werden sollte. Vielleicht wollte der Komponist gar nicht, das sein Werk nun von jedem einfach so gespielt wird.

Ach so! Aber daß Du jetzt hergehst und es bei der GEMA als Deine Melodie anmeldest, das wollte er schon?:confused:

Die Autoren dieser Melodien haben sie jedenfalls - bewußt oder aus Mangel an Gelegenheit - nicht unter den Schutz einer GEMA etc. gestellt. Die gemeinfreien Melodien haben sich meist erst durch jahrzehntelangen Gebrauch und durch die oft nur mündliche Überlieferung mit ihren "Fehler"- und Variationsquellen herausgebildet. Oder aber die Autoren lassen sich ganz einfach nicht mehr feststellen, oder sie sind schon länger als 70 Jahre tot. Das alles zählt zur Definition der gemeinfreien Musik. Auch für Deine Stücke gilt, daß sie spätestens 70 Jahre nach Deinem Tod von jedem frei gespielt werden dürfen.

Zu Deiner Arbeitsweise: die ist völlig in Ordnung! So geht es mir und den meisten anderen auch beim Stücklschreiben. Das ist ja genau das was ich meine!
Uns als musikalisch Interessierten und praktizierenden Musikanten bleiben unzählige Melodien oder Teile davon im Unterbewußtsein hängen, die dann in unseren Improvisationen und Kompositionen in abgeänderter oder auch in Reinform wieder auftauchen. Manchmal passiert das absichtlich, oft aber eben "unbewußt".
Zumindest wenn das aber "aufkommt" sollte man auch so viel sein und nur die Bearbeitung der Melodie schützen lassen und nicht gleich die ganze Melodie vereinnahmen, oder?

Trotzdem gibt es innerhalb unserer 12 westlichen Töne auch immer wieder etwas Neues, und sogar im Bereich unser formal stark eingeschränkten Volksmusik entsteht z.T. noch nie dagewesenes (z.B. durch längere Melodiebögen, neue Harmoniewendungen etc.)

Diese Kombination aus dem individuell im Unterwußtsein vorhandenen Erfahrungsschatz und der persönlichen Kreativität jedes einzelnen hält die Volksmusik lebendig und führt andererseits dazu, daß man bei einzelnen Stücklschreibern durchaus einen individuellen und z.T. prägenden Stil heraushört. Klaus Karl, Wolfi Neumüller, Martin Kiesenhofer, Marinus Zimmerer um nur einige "traditionelle" zu nennen, oder auch Klaus Hofmann, Matthias Klimmer, Christoph Well von der neueren Volksmusik, da hört man als Kenner recht deutlich, von wem was stammt.

Deshalb ist es auch wichtig, daß sich die Volksmusik nicht in ihren Elfenbeinturm einschließt, sondern neue Entwicklungen zuläßt. Wenn wir immer wieder nur die gleichen Bauklötze neu aufeinandersetzen, erreichen wir früher oder später die Grenze wo alles schon einmal da war. Neue Bauklötze beleben das Spiel. Die, die passen werden auf Dauer mit eingebaut, und die die nicht passen, werden von alleine wieder verschwinden. Auch ohne die Lamentiererei der Puristen!

Ich kann auch nur alle Musikanten dazu ermuntern, "eigene" Musik zu spielen, zu improvisieren und das Volksgut zu ge"brauchen". Dazu braucht man aber einen großen Vorrat an frei zugänglicher und verwendbarer Musik und nicht solche die schon gebührenpflichtig ist, bei der bloßen Verwendung derselben an den Orten und Gelegenheiten wo sie wirklich "leben" könnte, z.B. beim Wirt.

Zitat

Pflege ist gut, aber nur dann, wenn Platz für eigene Kreativität vorhanden ist. Improvisieren geht ja auch in die Richtung, leider machen das ja auch zu wenig. Ich gehe halt noch einen Schritt weiter und schreib die Improvisationen auf, setzte sie in Notenschrift, lade sie ins Internet und melde sie der GEMA, damit mein Urheberrecht für diese Leistung geschützt ist.

:rolleyes: Dein Urheberrecht ist doch auch ohne die GEMA geschützt! Das hat auch jedes Nicht-GEMA-Mitglied. Es heißt "Urheberrechtsgesetz" und nicht "GEMA-Gesetz"! Die GEMA hilft Dir lediglich beim Kassieren (vereinfacht gesagt).
Erkundige Dich mal bei Ernst Schusser oder beim Landesverein, welche Möglichkeiten es gibt, Deine Musik zu schützen.
Ich würde Dir folgende Variante empfehlen: Laß die Musikanten Deine Musik frei spielen, und verlang lieber was für die Noten. Ich glaube, daran verdienst Du nämlich deutlich mehr als an den Aufführungstantiemen. Ich hab da schon Ideen, wie man Notenverkauf übers Internet und Postversand so gestalten kann, daß Raubkopien kein großes Problem sein sollten. Die möchte ich aber verständlicherweise jetzt noch nicht öffentlich ausplaudern :p
Selbstverständlich solltest Du weiter GEMA-Mitglied bleiben, aber Deinen Vertrag so abändern, daß erst dann GEMA-Gebühren anfallen, wenn jemand Deine Musik durch Gebrauch als für gut empfunden hat und auf CD herausbringt oder der Rundfunk sie sendet.

So, jetzt laß ich Dir nochmal die Gelegenheit zum letzten Wort (ohne Garantie ;-))

Gruß

Martin

von Martin Albert - am 23.02.2005 10:34

Re: Bearbeitung von Volksmusik

Hallo Martin,

schön, dass es noch ein wenig weiter geht. Also deine Ausführung sind ja eigentlich alle richtig und ich werde mich jetzt auf jedenfall mal erkundigen, was es an Möglichkeiten gibt, Stücke bei der GEMA zu melden. Das war mir auch noch nicht bewußt, dass Werke unterschiedlich angemeldet werden können. Also da danke ich dir schoneinmal für die Auskunft.

Das mit Tobi Reiser ist ein Mitgrund, warum ich hier dieses Thema angerissen habe. Ich "liebe" Tobi Reiser und finde die Stücke unerreicht. Da kommt die GEMA-freie Musik einfach nicht hin. Das ist aber Geschmackssache.
Ich möchte auf einem Musikantentreffen einfach nicht auf Tobi Reiser verzichten müssen, nur weil der seine Werke bei der GEMA gemeldet hat. Ich möchte das spielen, was gut ist. Und darunter ist vieles, dass nun mal die Damen und Herren in München und Berlin in ihrer Datenbank haben. Darüber hinaus wünscht sich ja dann auch das Publikum das ein oder andere Stück und das spiele ich einfach, egal ob es frei und nicht frei ist. Ich spiel das ja für die Leute aus dem Publikum.
Es ist schade, das Tobi Reiser so boykottiert wird (andere auch), er hat es eigentlich nicht verdient.

Und warum streubt ihr euch so davor, die GEMA-Rechnung einfach zu bezahlen. Alle anderen rechnen so, dass sie auch nicht unbedingt drauf zahlen müssen. Kassiert doch einfach 50 Cent mehr Eintritt, der Wirt soll sein Bier auch um 20 Cent aufschlagen und wenn das alles nicht geht, dann lasst doch einfach einen Hut rum gehen. Das ist dann schon wieder Traditionspflege ;)
Wenn ihr gut seid und ihr den Abend gut meistert, dann seid ihr auch jeden Cent wert, mehr als Stadl-Kasperln. Ein vernünftiger Besucher eurer Veranstaltung wird sich da nicht geizig zeigen. Oder etwa doch? Ist das das Problem? Der Geiz des Volxmusikpublikums?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn der Abend gut war, keiner zögert und die Leistung entsprechend honoriert. Und ich gebe zu bedenken, dass ich meistens in Schwaben spiele, die sollen ja sowieso die Geizigsten sein.
Aber vielleicht ist ein GEMA-freier Abend gar nicht so gut, weil ja viele gute Titel, wie z.B. von Tobi Reiser fehlen und wenn ich dann zu einem Gast, der sich den Dritten Mann wünscht, sagen muss, ich kann das Stück nicht spielen, da es nicht GEMA-frei ist, dann kommt der vielleicht das nächste mal auch nicht.
Ich möchte mir mein Programm auf jedenfall nicht durch solche Gedanken diktieren lassen. Ich spiele das was gut ist und was auch den Leuten gefällt und zahle halt dann auch brav meine GEMA.

So wie ich es auf meinen anderen Veranstaltungen auch mache, auf denen ich nicht Volksmusik spiele und bei denen es gar keine Diskussion über dieses Thema gibt.

So nun schnell noch was zu den Bearbeitungen, dann muss ich weiter unterrichten:

Nach 70 Jahren erlischt die GEMA-Pflicht. Deshalb darf man ja auch Stücke, die schon so alt sind bearbeiten und bei der GEMA melden. Das machen ja ganz viele Arrangeure und Bearbeiter so. Und bekommen dann natürlich auch ihre Tantiemen. Oder liege ich da auch wieder falsch?
Das würde ja eigentlich bedeuten, dass wenn die Melodie des ersten Teiles der Geisterstunden Polka schon 70 Jahre auf dem Buckel hat, ich sie einfach nehmen, bearbeiten, verlegen und GEMA-Tantiemen kassieren darf. Richtig?
Also so läuft es denke ich mal bei z.B. den alten Hackbrett-Sonaten, die Herr Schickhaus herausgibt und bei denen er bei Aufführung was bekommen wird. Und es steht ihm auch zu, da sehr viel Arbeit dahinter steckt,

Übrigens, bei meinen klassischen Konzerten wird viel weniger Geld umgesetzt und ich verdiene auch weniger. Da sollte man die GEMA dann auch abschaffen, oder?

Ich freue mich auf deine Antwort.

Jörg

von Jörg - am 23.02.2005 16:30

Re: Bearbeitung von Volksmusik

Hallo Jörg!

Nun muss ich mich doch in die Diskussion einschalten, obwohl meine Provider samt ADSL derzeit spinnen. Leider gibt es zur Telekom bei uns keine Alternative.

Du meinst, "auch eine ähnliche Meinung mal bei Franz Fuchs gelesen zu haben"? Gibt es noch einen Franz Fuchs? Es würde mich interessieren, wo du das gelesen hast, ich hab es so sicher nie geschrieben. Vor allem nicht auf [www.volksmusik.cc] . Das einzige zum Sinn passende, das ich weiß, ist: manchmal haben früher Volksmusikanten absichtlich äußerst schwierige Zwischenstücke, auch in Moll, in ihre Stücke eingebaut und diese Teile dann pro Abend nur einmal gespielt. Zweck: Niemand solle ihre Stücke vom Hören nachspielen können; wenn jemand dieses Stück hören wollte, musste er diese Musikantenpartie engagieren. Das hat aber nichts, schon gar nichts mit Urheberrecht und Tantiemen zu tun, eher mit Konkurrenzneid.

AKM/GEMA und Konsorten sind gut, wo sie hingehören. Die wenigen Stücke, die ich geschrieben hab und die vielen, die mein Sohn Gerhard geschrieben hat, sind dort nicht gemeldet. Warum, haben dir schon Einige geantwortet, ich brauch dem nichts hinzuzufügen.

Wir haben derzeit vor, zu "25 Jahre Familienmusik Fuchs" eine CD aufzunehmen. Inhalt überwiegend Stücke von Gerhard Fuchs. Wären die Stücke gemeldet, würden wir an die AKM bezahlen, bekämen das allerdings als Tantiemen wieder zurück, abzüglich einer "geringen Bearbeitungsgebühr". Als Gewerbetreibender bin ich Kapitalist, kann daher rechnen und rate Gerhard nicht zu einem Beitritt zur AKM.

Allerdings haben etliche Freunde, auch der bei uns viel gespielte Volker Schöbitz, sich beim Beitritt die Rechte für die öffentliche Aufführung vorbehalten. Und das halte ich für sehr in Ordnung, obwohl es im Sonderfall "eigene CD" eher nichts bringt.

Mir hat vor einiger Zeit ein Verlag angeboten, meine Stücke zu verlegen und dies der AKM zu melden, ich würde da "sehr viel" an Tantiemen bekommen. Ich habe dies abgelehnt, das haben die Herren so gar nicht verstanden - und der Verlag hat von mir nichts mehr gehört. Möglicherweise ist auch Tobi Reiser einem derartigen Verlag aufgesessen?

Liebe Grüße
Franz Fuchs

von Franz Fuchs - am 23.02.2005 17:03

Re: Bearbeitung von Volksmusik

Hallo Jörg!

?"Ich "liebe" Tobi Reiser und finde die Stücke unerreicht. Da kommt die GEMA-freie Musik einfach nicht hin"?

Tobi Reisers Stücke sind genauso gute Volksmusik wie alle oder zumindest viele anderen, das hat doch nichts mit GEMA zu tun.

Und wenn du ihn spielen willst, dann tu es, der Wirt zahlt dann zwar Tantiemen, aber was solls. Nur eines, um 50 Cent höherer Eintritt wird nicht reichen. Frag einmal, was die GEMA verlangt, pro Person Fassungsraum des Saales.

Nur, wenn du spielst, was das Publikum verlangt, ist das zwar schwer in Ordnung, aber wer notiert es? Und wer schreibt die Liste an das Publikum? Bei einem Konzert kann man das vorher festlegen, und die zwei Stückln Draufgabe merkt man sich, aber bei Wunschkonzert?

Und zu den Bearbeitungen: Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist, aber in Österreich schaut das Volksliedwerk darauf, dass Volksmusikstücke nicht der AKM als eigene Bearbeitungen gemeldet werden, besonders, wenn es nur handwerkliche Bearbeitungen im Volkssatz sind. Und bei echten Bearbeitungen ist dann nicht das Stück an sich, sondern nur der Satz, die Bearbeitung geschützt. Das gilt auch für deine Geisterstundenpolka.

Ich meine dazu, das gilt auch für Tobi Reiser, der überall dazuschreibt, die Stücke irgendwo gehört zu haben. Seine Bearbeitungen sind etwas aufwändig und daher möglicherweise rechtmäßig geschützt, aber die Stücke an sich müssten eigentlich noch frei sein, da er sie ja nur notiert und bearbeitet hat und nicht komponiert. Das müsste man einmal juristisch durchleuchten.

von Franz Fuchs - am 23.02.2005 17:15

Ein Szenario

Hallo alle miteinander,

@ Franz: Kann gut sein, dass ich da etwas verwechselt habe. Ist aber schon mindestens drei Jahre her, wo ich das im Rahmen meiner Diplomarbeit bei dir gelesen habe, oder auch wo anderst.

So nun zum Szenario:

Also gut, ihr seid alle im Recht: Volksmusik soll GEMA-frei sein.

So, nun werden andere Musiker natürlich auch denken, ja wenn die von der Volksmusik von der GEMA ausgenommen werden, dann können wir das auch. Ein Klassikmusik-Archiv (KMA) wird mit staatlichen Geldern eröffnet. Das KMA kümmert sich um die alte klassische Musik, deren Erhaltung ja auch wichtig ist und wo es sicher noch Musik gibt, die noch gar nicht veröffentlicht ist. Die Nahtstelle zur Volksmusik ist ja auch sehr klein.
Also, das KMA veröffentlicht jetzt fleissig Mozart, Haydn und all die anderen in GEMA-freien Bearbeitungen, schliesslich werden die KMA-Mitarbeiter ja vom Staat bezahlt. Alle Orchester können dann diese Werke spielen, damit ihre Konzerte nicht bei der GEMA gemeldet werden muss. Die haben ja auch das Recht, Geld ein zu sparen, wie die Volksmusikanten.
Die Verlage gehen natürlich leer aus. Sie müssen ihre Werke auch GEMA-frei verlegen, damit ihre Werke überhaupt gespielt werden. Der Lohn der Verlagsangestellten wird aber nicht vom Staat gezahlt, weshalb die Notenausgaben weit aus höher im Preis liegen, als bei den Noten des KMA, die ja nur die Herstellungskosten wieder erwirtschaften müssen.
Okay, wir brauchen keine Verlage mehr, das übernehmen jetzt ja die staatlichen Einrichtungen und Vereine. Prima!
Dann bräuchten wir nur noch ein Rockmusik-Archiv (RMA) und ein Neue Musik-Archiv (NMA) und dann können wir die GEMA schliessen.
Halt Stopp! Natürlich für die Konsum-Volksmusiker brauchen wir sie ja noch, damit die Spatzelruther Katzen bzw. deren Komponisten ihre Tantiemen bekommen.

Ich hoffe, ich habe nicht schon wieder einen Denkfehler in diesem Szenario. Wenn doch, dann gebe ich mich geschlagen ;)

Viele Grüße
Jörg

von Jörg - am 24.02.2005 11:07

Re: Bearbeitung von Volksmusik

Servus Jörg,

da Du um eine Antwort bittest wirds wieder nix mit dem letzten Wort!

Zitat

Ich "liebe" Tobi Reiser und finde die Stücke unerreicht. Da kommt die GEMA-freie Musik einfach nicht hin.

Ich kenne, schätze und spiele Tobi Reisers Musik. Wenn ich sie - in Absprache mit dem der dann die GEMA-Rechnung bekommt - auf öffentlichen Veranstaltungen spiele, fülle ich selbstverständlich auch die GEMA-Liste entsprechend aus.
Aber daß GEMA-freie Musik weniger schön ist, kann ich nicht bestätigen! Es gibt auch viele Sachen, die im Stil von Tobi Reiser arrangiert sind, und mindestens genau so schön sind, aber nix kosten.

Anmerkung: GEMA-frei in dieser Diskussion heißt für mich nur, daß die öffentliche Wiedergabe GEMA-frei ist. Ob das Werk generell bei der GEMA angemeldet ist, interessiert mich weniger.

Zitat

Und warum streubt ihr euch so davor, die GEMA-Rechnung einfach zu bezahlen.

Weil
- ich es mir nicht leisten kann und will. Und ich will das Geld auch meinen Gästen und dem Wirt nicht abknöpfen. Das hat nichts mit Geiz zu tun, sondern eher mit der Tatsache daß
- ich - entgegen Deiner Vermutung - eine Veranstaltung auch ohne GEMA-pflichtige Musik in der gleichen Qualität durchführen kann. Zumindest hat sich bei mir noch keiner beschwert, daß bestimmte Autoren nicht gespielt werden. Im Gegenteil, wenn tatsächlich einmal einer einen Wunsch in diese Richtung äußert ("Spuits halt amoi an Dorfmusi-Marsch!"), dann stoße ich auf größtes Verständnis, wenn ich diesen Wunsch unter Hinweis auf die GEMA ablehne. Die Leute fallen schier aus den Wolken, wenn sie hören, daß dafür Gebühren anfallen würden
- ich durch den Verzicht auf GEMA-Musik, dem Papierkrieg mit der GEMA a priore schon mal aus dem Weg gehe. Ich melde meine Veranstaltung, erkläre, daß nur GEMA-freie Musik aufgeführt wird, und erhalte von der GEMA eine Bestätigung, daß das so in Ordnung ist. Andernfalls muß ich eine Liste einreichen, und dann evtl. noch mit der GEMA streiten, wie hoch der Anteil an GEMA-Stücken tatsächlich war. Die kassieren nämlich, wenn man keinen Widerspruch einlegt, ganz gern auch für Stücke die ihnen gar nicht zustehen, nicht aus böser Absicht, sondern aus Schlamperei.
- ich nach wie vor nicht einsehe, daß ich zwar wegen aufgeführter Volksmusikstücke zahlen soll, das Geld aber damit der Schlagerindustrie in den Rachen schmeiße (Verteilungsschlüssel!)

Zitat

Nach 70 Jahren erlischt die GEMA-Pflicht. Deshalb darf man ja auch Stücke, die schon so alt sind bearbeiten und bei der GEMA melden. Das machen ja ganz viele Arrangeure und Bearbeiter so. Und bekommen dann natürlich auch ihre Tantiemen. Oder liege ich da auch wieder falsch?

Berabeiten darf man schon, aber man darf sich eigentlich auch nur die Bearbeitungsleistung schützen lassen, und nicht das gesamte Stück inklusive der Melodien. Außer man hat auch die Melodien "in wesentlichem Umfang" (oder so ähnlich) verändert. Das heißt also, das Stück wäre korrekterweise ausschließlich dann GEMA-pflichtig, wenn es exakt in dieser Bearbeitung / Arrangement aufgeführt wird. Gerade in diesem Bereich wird aber viel Schindluder getrieben. Es gibt sogar solche Helden, die rein handwerkliche Bearbeitungen, wie das Ausnotieren der Begleitstimme als künstlerisch so hochwertig ansehen, daß sie gleich das ganze Stück schützen lassen. Damit meine ich nicht Dich!

Bezüglich der Geisterstundenpolka wäre es korrekt wenn Du die urheberrechtlichen Angaben ungefähr so machen würdest: 1. und 3. Teil Melodie Volksgut (oder falls der Auto bekannt ist, natürlich der), Satz (oder Arrangement, oder Bearbeitung) Jörg Lanzinger, 2. Teil Melodie und Satz Jörg Lanzinger. So mache ich zumindest immer meine Angaben nach bestem Wissen und Gewissen. Manchmal kommt es - s. gestriger Kommentar - natürlich auch vor, daß ich irrtümlich der Meinung bin, eine Melodie stamme von mir, und ich dann eines besseren belehrt werde. Ja mei, dann ändere ich die Angaben halt entsprechend ab. So werde ich es auch halten, wenn ich zur GEMA gehe.
Das Volksmusikarchiv oder der Landesverein, können Dir übrigens ziemlich kompetent Auskunft geben, ob eine Melodie alt ist oder nicht. Die GEMA überprüft das nämlich nicht, oder nur kaum, weil es ihr wahrscheinlich an Zeit, Geld, entsprechendem Archivmaterial und vor allem Sachkenntnis fehlt. Vielleicht ist es auch gar nicht die Aufgabe der GEMA, die angemeldeten Urheberrechtsansprüche ihrer Mitglieder auf Richtigkeit zu überprüfen.

Zu den Schickhaus-Bearbeitungen: Interessant wäre die Frage zum Beispiel bei der Hackbrett-Ausgabe von Bachs Invention Nr. 8 in F-Dur. Da ist es glaub ich nur so, daß ein Hackbrett die rechte und eins die linke Hand des Klavierspielers übernimmt. Dann wäre es nur abgeschrieben. Ich kann aber momentan nicht beurteilen, inwieweit sie mit der Originalausgabe identisch ist und weiß auch nicht, ob er oder der Verlag sie bei der GEMA schützen hat lassen.
Ich kann dem Karl-Heinz aber glaube ich getrost unterstellen, daß er bei seinen geschützten Ausgaben einiges an geistiger schöpferischer Arbeit investiert hat, und damit auch zu Recht Tantiemen kassiert - wenn jemand aus seinen Ausgaben spielt wohlgemerkt! Wenn sich aber jemand jetzt die Mühe macht, und sich z.B. die Originalnoten der Sonate C Dur von Monza beschafft und dann seinerseits für Hackbrett bearbeitet, dann müßte er diese seine Bearbeitung auch tantiemenfrei aufführen dürfen bzw. auch bei der GEMA schützen lassen.

Zitat

Übrigens, bei meinen klassischen Konzerten wird viel weniger Geld umgesetzt und ich verdiene auch weniger. Da sollte man die GEMA dann auch abschaffen, oder?

Nein, es geht doch überhaupt nicht darum, die GEMA abzuschaffen!:rolleyes:
Wenn Du aber wegen anfallender GEMA-Gebühren bei Deinen klassischen Konzerten wenig verdienst oder gar draufzahlst, dann würde ich Dir empfehlen entweder GEMA-freie Klassik zu spielen (gibts bestimmt auch, notfalls durch eigene Bearbeitung) oder zu versuchen über die
Mißverhältnisklausel eine Ermäßigung der GEMA-Gebühren zu erreichen.
Andererseits verstehe ich nicht ganz, warum Du dort so wenig verdienst? Du hast doch das Patentrezept:
Zitat

Alle anderen rechnen so, dass sie auch nicht unbedingt drauf zahlen müssen. Kassiert doch einfach 50 Cent mehr Eintritt, der Wirt soll sein Bier auch um 20 Cent aufschlagen und wenn das alles nicht geht, dann lasst doch einfach einen Hut rum gehen.
:joke:

Zufrieden mit der Antwort?

Gruß

Martin

von Martin Albert - am 24.02.2005 12:41

Re: Ein Szenario

Servus Jörg,

ich schon wieder, ja! Aber die Chance, daß Du Dich geschlagen gibst, die möchte ich mir nicht entgehen lassen! ;)

Außerdem knüpft das ganze mehr oder weniger an meine gerade abgeschickte Antwort an.

"Denkfehler" ist vielleicht ein hartes Wort, aber in gewisser Weise würde ich es doch wieder so bezeichnen.

Das was Du als Szenario darstellst, existiert bis zu einem gewissen Grad bereits!
Es gibt zwar kein ausgesprochenes "Klassikmusikarchiv, aber z.B. - neben weitereren öffentlich finanzierten Archiven und Sammlungen - eine Staatsbibliothek, die unter anderem auch unzählige Noten beherbergt (auch klassische) . Diese Noten oder deren Kopien kann man zu Öffnungszeiten kostenlos einsehen, erforschen, kopieren, und z.B. - wenn das Urheberrecht erloschen ist - ohne Hindernisse bearbeiten und die BEARBEITUNGEN!! schützen lassen und veröffentlichen.
Zumindest die Staatsbibliothek gibt auch "Klassik"-Noten heraus (GEMA-frei) bzw. wirkt bei der Herausgabe von Noten mit. Der Hintergrund ist ein ähnlicher wie beim Volksmusikarchiv: Forschungsergebnisse sichtbar machen, Archivmaterial nicht verstauben lassen, sondern der (finanzierenden) Öffentlichkeit zum Gebrauch aufzubereiten usw. Dafür bezahlen wir ja unter anderem unsere Steuern.

An den urheberrechtlich nicht geschützten "Urtexten" aus verschiedensten, zum Großteil staatlich geförderten Quellen bedienen sich auch die Verlage bzw. deren Autoren (z.B. Karl-Heinz Schickhaus) und bearbeiten diese und bringen die Bearbeitungen als geschützte Werke heraus. Was meinst Du warum es die Mozart-Klaviersonaten bei mehreren Verlagen in mehr oder weniger geringfügig unterschiedlichen Ausgaben gibt? Weil jeder Verlag "seine" Bearbeitung verlegt, um an den Tantiemen zu verdienen. Die Forschung, das Archivieren, Konservieren und Aufbereiten, überlassen die Verlage aber auch ganz gern den staatlichen Einrichtungen. Sie profotieren also auch zu einem Teil von den Steuergeldern.
Immer unterstellt, daß diese Bearbeitungen mehr als Abschriften sind, haben die Verlage und Autoren ja tatsächlich ein Urheberrecht daran, und können auch Tantiemen dafür verlangen, wenn jemand diese Ausgaben aufführt. Völlig zu Recht achten die Verlage auch darauf, daß nicht aus kopierten Noten musiziert wird. Es gibt verschiedenste Rechte an einem Werk, unter denen das der öffentlichen Aufführung nur eines ist.
Um aufs Beispiel zurückzukommen: Die Mozart-Klaviersonaten an sich, die sind weiterhin nicht geschützt. Meistens ist halt der Aufwand für eigene Bearbeitungen so groß, daß man lieber eine gekaufte Ausgabe nimmt, aus der spielt und dann Tantiemen zahlt.
Es gibt aber durchaus Konzerte mit GEMA-freier Klassik, z.B. aus den von der Staatsbiblithek veröffentlichten Noten (Irgendwas lief einmal unter dem Titel "musica classica baiuvaris" oder so ähnlich).
Das kann jeder Konzertveranstalter für sich entscheiden, wie in der Volksmusik auch.
Die Verlage haben halt den Vorteil, daß sie die gefragten "Schlager" der Klassik im Angebot haben und dafür Tantiemen kassieren können. Etwas das sich schlecht verkauft, nehmen sie gar nicht ins Programm auf, schon gar nicht um Kultur zu fördern oder zu erhalten. Verständlicherweise, denn sie sind ja gewinnorientiert. Die Verlage sind keine Armen!

Das mit der Kulturförderung ist ja auch eher Aufgabe des Staates. Du findest es bestimmt in Ordnung, wenn im Auftrag des Auswärtigen Amtes in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut uswusf. eine Konzertveranstaltung mit zeitgenössischer deutscher Musik in Peking oder sonstwo stattfindet, oder? Ich jedenfalls schon. Hier nimmt der Staat seine kulturfördernde Aufgabe wahr und er bezahlt die Künstler, die Spesen, die Noten, evtl. anfallende Tantiemen usw. mit Steuergeldern.
Da werden sich die Verlage aber bestimmt nicht beschweren, oder?

Abgesehen davon daß es auch zahlreiche Aktionen, Kulturintiativen usw. gibt, die mit Hilfe von staatlichen Zuschüssen Komponistenwettbewerbe für Neue Musik oder Talentwettbewerbe für Rockbands fördern, ist es in diesen Musikzweigen nicht nötig und möglich, alte gemeinfreie Musik zu dokumentieren oder zu veröffentlichen, weils die einfach nicht gibt. NMA und RMA wirds also so schnell nicht geben.
Da ist alles dokumentiert und GEMA-geschützt. Das ist ja der große Unterschied zu Klassik und vor allem Volksmusik.

Ausgenommen die "Neue Musik" ist dort auch das wirklich große Geld an der Musik verdient. Doch selbst "die Klassik" kreiert bestimmt ein zigtausendfaches des Umsatzes mit "echter" Volksmusik, auch bei "den Verlagen".
Es gibt z.B. staatliche und kommunale Orchester, Bühnen und Konzertsäle, allesamt reine Zuschußbetriebe, die am Steuertropf hängen. Die führen fast ausschließlich GEMA-pfichtiges auf, bezahlen u.a. mit Steuergeldern Künstler und Verlage und GEMA-Mitglieder, auch die der neuen Musik.

Allein mit dem Defizit einer einzigen Staatsoper könnte man etliche Volksmusikarchive aufs luxuriöseste finanzieren. Dieses Defizit geht aber zu einem nicht geringen Teil als Einnahme an die Verlage über Notenverkauf und GEMA-Tantiemen.
Ich bin schon gespannt welche Protestschreie Du und die Verlage ob dieser einseitigen Bevorzugung durch den Staat loslassen werden. :D

Hast Du schon mal was von einer städtischen Volksmusikgruppe gehört oder von staatlichen Zuschüssen für ein Sänger- und Musikantentreffen? Ich nicht, ich bin auch gar nicht scharf drauf. Ich hab auch nichts gegen die Staatszuschüsse für Oper etc.
Ich möchte nur der Behauptung entgegentreten, die Volksmusiker seien parasitäre Hauptnutzniesser von staatlichen Subventionen. Da bleibt u. a. bei den Verlagen schon auch was hängen, wahrscheinlich sogar deutlich mehr.

Rock- und Unterhaltungsmusik wird bestimmt auch nicht stark gefördert, speziell der Laienbereich ist eher schlechter dran als die Volksmusik. Wenn Du aber über mangelnden Verdienst klagst, und dies unter anderem mit GEMA-Gebühren begründest, die hier ja zwangsläufig anfallen, empfehle ich Dir entweder nochmals Dein eigenes Patentrezept aus dem letzten Beitrag (das war ja goldig!), oder rate Dir, GEMA-freie Rockmusik aufzuführen. Wenns noch keine gibt, dann schreib Dir halt welche und lasse die Aufführungsrechte nicht wieder von der GEMA schützen. Oder bearbeite Volksgut und andere Musik aus staatlich finanzierten Quellen zu Rockmusik. Natürlich unter korrekter Einhaltung von Quellenangaben und urheberrechtlichen Bestimmungen. Vielleicht wird ja auch ein Hit draus?

Oder schreibe Neue-Musik-Chorsätze zu vom Volksmusikarchiv mit staatlichen Zuschüssen veröffenlichten geistlichen Volksliedern. Das ist alles legal und legitim, auch für Verlage. So profitiert ihr auch von den staatlichen Subventionen.
Und vom künstlerischen Standpunkt aus ist das nur zu begrüßen. Ein gewisser Johann Sebastian Bach hat es auch so ähnlich gemacht (es gab halt noch kein Volksmusikarchiv;)), und was für schöne Musik ist daraus geworden!

Na was is? Gibst jetzt wirklich scho auf?

Gruß

Martin

von Martin Albert - am 24.02.2005 17:11

Re: Ein Szenario

Hallo Martin,

naja, langsam geht mir die Luft aus. Habe mir mit dir einen ganz hartnäckigen Gegenpart eingehandelt. ;)

Also, ich geb's ja zu. Für meine letzte CD mit der Band haben wir über 300 Euro GEMA gezahlt. Da sind hauptsächlich meine Songs drauf und da bekomme ich die Kohle sicher nicht komplett wieder. Aber irgendwo schwebt halt der Traum eines jeden Rockmusikers, doch mal gross raus zu kommen. So, nun melde ich meine Songs wieder bei der GEMA ab und nächstes Jahr kommt wider erwarten doch der große Durchbruch. Würdest du dich dann nicht auch in den Arsch beissen?

Dann bin ich ja auch noch auf anderen Feldern tätig. Ich mach mal ein Jazz-Stück, dann mal wieder Easy Listening und dann wieder Neue Musik (wahrscheinlich mehr schlecht als recht). Aus Spass halt auch. Aber immer in der Hoffnung, dann doch mal vielleicht das ein oder andere Stücke auch über Verlage zu veröffentlichen. Das würde ich übrigens auch gerne mit der Volksmusik machen, doch wird kein Verlag in der momentanen Situation noch Hefte verlegen, ausser aus Idealismus heraus. Und dann melde ich halt brav meine Stücke bei der GEMA, wie es die Kollegen halt auch tun. Die GEMA ist ja ein Verein von und für Komponisten bzw. Texter.

Ich möchte für mich persönlich keinen Unterschied zwischen den Musikgattungen machen. Es gibt für mich keinen. Ich spiele genauso gerne Neue Musik, wie Jazz und Rock und auch Volksmusik. Deshalb tu ich mich halt einfach schwer, das so zu sehen wie du. Aber bald ist es soweit. Noch drei vier Antworten und dann ... :D

Die Defizite der staatlichen Kulturbetriebe entstehen durch die hohen Lohnkosten für die Musiker. Es ist ja von der GEMA so gedacht, dass der Eintritt für diese Ausgabe herhalten muss. Jetzt muss halt so ein Ensemble auch viel proben und es sind Berufsmusiker engagiert, die auch entsprechend Kohle wollen. Deshalb muss der Staat draufzahlen. Nicht wegen den Verlagen und der GEMA.

So nun zu den Bearbeitungen:
Auf die Gefahr hin eines weiteren Denkfehlers, ist für mich ja dann folgende Vorgehensweise denkbar.
Ich gehe in das Volksmusikarchiv, hole mir die Noten und bearbeite sie. Melde meine Bearbeitung bei der GEMA und bekomme dann Tantiemen. Also so arbeiten ja laut deiner Ausführung die Verlag, z.B. mit den Mozart-Sonaten. Richtig?

Im übrigen, ich möchte nicht, dass hier der Eindruck entsteht, dass ich die Arbeit des VMA oder des Landesvereins in Frage stelle. Ich finde es äusserst wichtig, dass die Volksmusik auch staatlich unterstützt und gefördert wird und finde die Arbeit von Ernst Schusser und Erich Sepp sehr lobenswert. Andere Musikgattungen könnten sich solch engagierte Leute nur wünschen.
Ich bin einfach nicht mit der Verfahrensweise gegenüber der GEMA einverstanden. Aber das schreibe ich jetzt glaub schon zum x-tenmal und vielleicht hast du noch einen Trumpf in der Hand, der mich dann endgültig überzeugt ;)

Vielen Dank auf jedenfall für deine ausführlichen Ausführungen, die sehr interessant sind. Wenn ich meine Meinung schon nicht ändere (bin schon ein großer Dickschädel), so lerne ich wenigstens viel dazu.

Bis dann
Jörg

von Jörg - am 24.02.2005 18:02

Re: Ein Szenario

Servus Jörg,

ach, wenn Du mir noch eine Chance gibst, mach ich noch etwas weiter...

Zitat

Da sind hauptsächlich meine Songs drauf und da bekomme ich die Kohle sicher nicht komplett wieder

In diesem Fall gehts ja noch, abzüglich der GEMA-Kosten, Verwaltungsgebühr oder wie immer die das bezeichnen, solltest Du schon so schätzomativ 200 - 250 € wieder rausbekommen, Vielleicht bekommt Dein CD-Verlag noch einen Teil, das hängt von Deinem Vertrag ab, vielleicht bist Du auch Dein eigener Verlag. Tantiemen aus Tonträgervervielfältigung werden jedenfalls nicht in den allgemeinen Topf geschmissen, sondern "direkt" ausbezahlt. Hättest Du aber die Stücke einen Abend lang öffentlich gespielt, und dafür 300 € GEMA gezahlt, dann bräuchtest Du Dir um Dein Geld auch keine Sorgen mehr machen. Das wäre ja dann nicht hin, das wäre nur bei anderen Leuten;-)... bei wem, das hab ich Dir ja schon vorgerechnet.


Zitat

So, nun melde ich meine Songs wieder bei der GEMA ab und nächstes Jahr kommt wider erwarten doch der große Durchbruch. Würdest du dich dann nicht auch in den Arsch beissen?

Zweimal nein:
1. sollst Du Deine Songs ja nicht komplett abmelden oder aus der GEMA austreten, sondern nur die öffentliche Aufführung tantiemenfrei machen
2. kannst Du Deinen Vertrag mit der GEMA jederzeit wieder dergestalt ändern, daß für Deine dann viel gespielten Hits (die ich Dir wünsche) auch bei öffentlicher Aufführung Tantiemen fällig werden. Sobald Du aus der öffentlichen Wiedergabe Deiner Songs (durch Dich und andere) mehr Tantiemen erlöst, als Du bei Deinen Konzerten für Deine eigene Musik selbst an GEMA-Gebühren bezahlen mußt, rentiert es sich ja wenigstens für Dich.
Die GEMA wird sich dieser Vertragsänderung kaum widersetzen. Schließlich erhöhen sich dadurch auch ihre Einnahmen.
Bevor Du aber nicht mindestens einen Bierzelthit landest oder Deine CDs nicht landsweit verkauft und täglich im Radio gesendet werden (damit überhaupt erst der Bedarf entsteht, daß viele ANDERE Deine Musik GEMA-pflichtig in ihren Auftritten spielen), fürchte ich wird der o.a. Zustand nicht eintreten. Aus eigenen Konzerten kannst Du ja niemals mehr GEMA-Tantiemen kassieren, als Du selbst bezahlst - außer die GEMA firmiert zum Wohlfahrtsverband um.
Die andere Möglichkeit wäre noch, daß Du viele Auftritte spielst, auf denen andere Veranstalter Dich engagieren und Du die GEMA-Gebühr für Deine Songs nicht selbst bezahlen mußt. So ca. 1000 solcher Auftritte pro Jahr solltest Du dann aber schon hinlegen, damit nennenswerte Beträge entstehen die nicht im Bart des Verteilungsschlüssels hängenbleiben. Diese letze Aussage ist meine persönliche Schätzung, ich kann mich auch täuschen; hängt unter anderem von der Veranstaltungsgröße (Saalgröße und Eintrittsgeld) ab.

Zitat

in der Hoffnung, dann doch mal vielleicht das ein oder andere Stücke auch über Verlage zu veröffentlichen

Warum? Grundsätzlich ist doch Dein direct mechandising über Internet (und evtl. andere Vertriebswege) bei Deinem bisherigen Stückeaufkommen genau das richtige. Wie gesagt:. ich würde an Deiner Stelle lieber auf die Aufführungstantiemen verzichten und stattdessen für die Noten was verlangen, zumindest solange, bis Du an den Tantiemen mehr verdienen kannst als am Notenverkauf.

Zitat

Ich möchte für mich persönlich keinen Unterschied zwischen den Musikgattungen machen. Es gibt für mich keinen. Ich spiele genauso gerne Neue Musik, wie Jazz und Rock und auch Volksmusik.

Einen wertenden Unterschied im Sinn von besser / schlechter möchte ich auch nicht machen, sofern die Musik nicht gewaltverherrlichend ist, oder die Menschenwürde Einzelner oder von Gruppen verletzt. Aber jeder als solcher erkennbare individuelle Musikstil hat ganz eigene Funktionen in der Gesellschaft, eine eigene "Szene", eigene Aufführungs- und Gebrauchsgebenheiten, individuell verschiedene Klientel usw. Nicht zuletzt deswegen bilden sich ja die einzelnen Musikstile heraus und sind sind von den jeweileigen "Szene-Insidern" relativ sicher zuzuordnen. Es gibt m. E. nach also duchaus signifikante Unterschiede zwischen den Musikstilen und auch hinsichtlich der kommerziellen Verwertbarkeit und deren Legitimation.

Zitat

Die Defizite der staatlichen Kulturbetriebe entstehen durch die hohen Lohnkosten für die Musiker. Es ist ja von der GEMA so gedacht, dass der Eintritt für diese Ausgabe herhalten muss. Jetzt muss halt so ein Ensemble auch viel proben und es sind Berufsmusiker engagiert, die auch entsprechend Kohle wollen. Deshalb muss der Staat draufzahlen. Nicht wegen den Verlagen und der GEMA.

Das meinst Du jetzt aber nicht ernst, oder? Ich weiß nicht, was ein Orchestergeiger so verdient, meinetwegen mehr als ich, ich gönne es ihm! Aber Fakt ist, daß, wenn keine Kosten für Noten und GEMA anfallen würden, das Defizit geringer oder gar Null wäre. Die Verlage und GEMA-Mitglieder profitieren also von Steuergeldern. Punkt! Ich hab ja auch nichts dagegen, meinetwegen darf es sogar noch mehr sein. Wenn ich daran denke, wohin unsere Steuern sonst so wandern, dann erscheint mir jeder Cent, der in Richtung Kultur geht, mehr als gut angelegt. Ich möchte nur die im Raum stehende Behauptung, die Volksmusik profitiere wegen der staatlich finanzierten GEMA-freien Musikveröffentlichungen seitens VMA und Landesverein zu Lasten privatwirtschaftlicher Verlage und anderer Musikrichtungen von öffentlichen Geldern, widerlegen. Was falsch ist, wird auch durch nachdrückliches Behaupten nicht richtiger!
Zitat

Auf die Gefahr hin eines weiteren Denkfehlers, ist für mich ja dann folgende Vorgehensweise denkbar.
Ich gehe in das Volksmusikarchiv, hole mir die Noten und bearbeite sie. Melde meine Bearbeitung bei der GEMA und bekomme dann Tantiemen. Also so arbeiten ja laut deiner Ausführung die Verlag, z.B. mit den Mozart-Sonaten. Richtig?

Nein dieses mal kein Denkfehler, außer dem daß Du befürchtest hast, eben das könnte auch wieder einer sein..;) Die beschriebene Praxís halte ich für völlig in Ordnung, solange einwandfrei klargestellt ist, was tatsächlich von wem kommt (z.B. Melodie "vom Volk", d.h. gemeinfrei, Arrangement vom Bearbeiter, eben genau so wie es sich tatsächlich verhält). Deine Leistung, nicht weniger, aber auch nicht mehr, inklusive aller Rechte gehört Dir. Nichtsdestotrotz möchte ich Dir aus diversen bereits dargelegten Gründen in unser aller ideeller und finanzieller und auch Deinem individuellen kapitalistischem Interesse empfehlen, dass Du die Rechte für öffentliche Wiedergabe an Deinen volkmusikalischen (bei gründlichem Nachrechnen eventuell auch ausdehnbar auf andere Musikstile) Werken VORERST nicht dem Schutz durch die GEMA unterstellst. Lies diesbezüglich bitte unsere vorherige Korrespondenz noch einmal durch; für eine ausführliche Zusammenfasung der Argumente bin ich heute zu müde!

Zitat

Deine letzten beiden Absätze

Deine Worte über VMA und Landesverein, bzw. deren "Protagonisten" freuen mich sehr. Das zeugt von einer sachlichen Diskussion.
Die gibt auch mir viel Gelegenheit, dazuzulernen und "ad parnassum" zu finden...

Gruß

Martin

von Martin Albert - am 25.02.2005 01:27

Re: Zum Thema GEMA - Weit verbreiteter Irrtum

Servus Walter,

die Antwort hat etwas gedauert, weil ich mich ja dauernd mit Jörg auseinandergesetzt habe; war bis jetzt übrigens recht interessant!

Meine folgenden Ausführungen sind nur meine vorsichtige Meinung, es kann auch sein, daß ich völlig falsch liege, weil ich die Gesetzestexte nicht richtig verstanden habe.

Zitat

Und worauf stützt du deine Aussage mit der "GEMA-Vermutung". Macht die GEMA jetzt schon ihre eigenen Gesetze?


Ich vermute;) daß damit folgender Paragraph aus dem Urheberechtsgesetz gemeint ist
Zitat

§ 10. Vermutung der Urheberschaft. (1) Wer auf den Vervielfältigungsstücken
eines erschienenen Werkes oder auf dem Original eines Werkes der bildenden
Künste in der üblichen Weise als Urheber bezeichnet ist, wird bis zum
Beweis des Gegenteils als Urheber des Werkes angesehen; dies gilt auch für eine
Bezeichnung, die als Deckname oder Künstlerzeichen des Urhebers bekannt ist.
(2) Ist der Urheber nicht nach Absatz 1 bezeichnet, so wird vermutet, daß derjenige
ermächtigt ist, die Rechte des Urhebers geltend zu machen, der auf den
Vervielfältigungsstücken des Werkes als Herausgeber bezeichnet ist. Ist kein Herausgeber
angegeben, so wird vermutet, daß der Verleger ermächtigt ist

Den könnte man schon so auslegen, daß die GEMA vermuten darf, daß bei jedem Werk ein Berechtigter existiert, und da sie nun mal diejenige ist, die die Rechte der Berechtigten wahrnimmt....

Bemerkenswert erscheint mir hier außerdem, daß jeder bis zum Beweis des Gegenteilsbehaupten kann, er sei der Urheber eines Werkes. Es kontrolliert scheinbar keiner die Rechtmäßigkeit des Urheberrechtsanspruches. Da ist den Pseudo-Bearbeitern und vorsätzlichen Volksgut-Dieben ja Tür und Tor geöffnet, weil der Beweis des Gegenteils erst mal aufwendig und kostspielig erfolgen muß. Um so besser ist es, daß es VMA und Landesverein gibt, die durch ihre Dokumentationen belegen können, daß vieles schon vorher da war.
Obiges spielt übrigens nicht auf Jörg und seine Geisterstundenpolka an. Er hat ja eine echte Bearbeitungsleistung erbracht, und nur die Quellen (ohne böse Absicht) nicht korrekt angegeben.

Wegen der Meldepflicht an die GEMA:
Ich hab auch keinen Paragraphen gefunden, der ausdrücklich eine Meldepflicht vorschreibt. Der von Dir zitierte schließt die Meldepflicht aber nicht aus, er sagt nur, daß Du keine Einwilligung brauchst. Die Einwilligung der GEMA ist die Erlaubnis, die gemeldete Veranstaltung zu den gemeldeten Bedingungen und gegen Bezahlung der dafür anfallenden Gebühr durchzuführen.
Wenn man aber das Urheberrechtsgesetz und das UrhWG so durchliest, so kann man zwischen den Zeilen schon irgendwie rauslesen, daß eine Veranstaltung in jedem Fall gemeldet werden muß. Ich glaube nämlich verstanden zu haben, daß man grundsätzlich verpflichtet ist, JEDEM Autor was für die Aufführung seiner Werke zu bezahlen, ungeachtet dessen ob er GEMA-Mitglied ist oder nicht. Und hier könnte wieder die GEMA-Vermutung greifen. Und dann muß man die GEMA auch informieren, damit sie die Ansprüche überprüfen kann.
Vielleicht ist ja alles auch ganz anders? Sch... Gesetzestexte!

Jedenfalls habe ich die Aussage, daß eine Meldung in jedem Fall erfolgen muß nicht nur von der GEMA, sondern auch von Ernst Schusser. Seine Begründung habe ich leider vergessen.
Ist mir auch wurscht. Um Problemen aus dem Weg zu gehen, melde ich die Veranstaltung ordnungsgemäß an, erkläre, daß nur GEMA-freies gespielt wird, und dann hab ich meine Ruhe. Hier gilt ja dann wieder der §13a(2) UrhWG, nach dem ich keine weitere Erlaubnis brauche und auch keine Titelliste abliefern muß.

Laut Ernst Schusser bin ich aber der erste ihm bekannte Fall, in dem die GEMA das so akzeptiert hat (allerdings auch erst nach fleißigem Schriftwechsel; meinerseits argumentativ und GEMA-seits stur drohend :-( )
Seit dem klappts jedenfalls einwandfrei.

Gruß

Martin

von Martin Albert - am 25.02.2005 13:51

Re: Zum Thema GEMA - Weit verbreiteter Irrtum

Servus Martin,

welche Sanktionen sind dir denn seitens GEMA angedroht worden für den Fall, dass du deiner Meldepflicht nicht nachkommen würdest?
Und auf welchem Wege würden diese Sanktionen vollstreckt werden? :confused:
Überspitzt gefragt: Schickt die GEMA ihre eigenen Schergen aus, um dich in den Kerker zu werfen? :joke:
Aus meiner Sicht bliebe der GEMA bei hartnäckiger Weigerung deinerseits doch letztlich nur ein ziviler Rechtsstreit, oder?

von volXmusik - am 25.02.2005 15:08

Re: Zum Thema GEMA - Weit verbreiteter Irrtum

Hallo!
Endlich geht mein Internet wieder, endlich darf ich wieder, wie ich will.
Zur Meldepflicht: Ich bin Österreicher, kenn mich mit GEMA nicht so aus, habe aber das Gefühl, dass unsere AKM noch grauslicher ist.
Auf der in jedem Gemeindeamt in Österreich erhältlichen AKM-Anmeldekarte steht wörtlich:
"Der Unterfertigte ersucht die AKM um Erteilung der Aufführungsbewilligung für die von ihr verwalteten musikalischen oder literarischen Werke für die nachstehend genannte Veranstaltung ..."
Das tarifliche Aufführungsentgelt ist vom Veranstalter binnen 14 Tagen nach Bekanntgabe zu zahlen, unabhängig davon, ob und in welchem Ausmaß geschützte Werke tatsächlich aufgeführt wurden.
Diesen Passus lege (nicht nur) ich so aus, dass man auf jeden Fall zahlen muss, wenn man meldet, dass aber der Veranstalter nur melden muss, wenn tatsächlich mindestens ein "verwaltetes Werk" gespielt wird. Ich melde daher nie, wenn ich das nicht beabsichtige, was die Regel ist. Allerdings verlangt die AKM häufig eine nachträgliche Meldung. Die Antwort: "es wurden keine geschützten Werke gespielt, sondern ausschließlich überlieferte und daher ungeschützte Volksmusik in eigenen Bearbeitungen" wird manchmal kommentarlos zur Kenntnis genommen, manchmal wird aber trotzdem eine Liste der gespielten Werke verlangt. Dann schreib ich ihnen halt irgendeinen Schmus von "kann mich nicht erinnern, aber in der Beilage ist meine Repertoireliste". Bisher kam dann keine Antwort mehr. Manchmal kam auch ein Kontrollor der AKM zu uns, anfangs unerkannt, ging nach kurzer Zeit wieder mit dem verärgerten Ausruf "die spielen lauter Blödsinn". Tut mir zwar leid, dass Volksmusik in den Augen der AKM Blödsinn ist, aber wenn ich dann als Veranstalter nichts bezahlen muss, ist mir auch das recht, verstehe ich seinen Ärger sogar.
Mich würde interessieren, ob in Deutschland auch so GEMA-Anmeldekarten aufliegen, und was da für Text draufsteht.
Liebe Grüße und vielen Dank für die angeregte, interessante Diskussion.
Franz Fuchs

von Franz Fuchs - am 25.02.2005 18:42
Hallo Jörg,

Zitat

Volksmusik Extrawurst
Ich frage mich, warum das Problem bei der GEMA nur in der
Volksmusik für so einen Wirbel sorgt. Es gibt andere
Musikgattungen, da lebt man einfach mit der GEMA und
akzeptiert sie. Es gibt auch kleine Rockbands, die für ihr
Konzert zahlen müssen, die nicht die riesigen Einnahmen
haben. Nur da läuft's halt. Nur die Volksmusiker zeigen sich
sehr geizig und haben da ein Problem damit.


Ich hab mich mal umgehört / umgeschaut und hab bemerkt, dass auch viele Rockmusiker ohne die GEMA auskommen (legal oder nicht, dazu kann ich nix sagen). In der Stadt, wo ich wohne, gibt es einige Rockbands, und von denen, die ich kenne, meldet keine einzige ihre Stücke an die GEMA.
Eine Recherche auf der GEMA-Website (sofern man sich drauf verlassen kann, die GEMA sagt ja selber, die Webrecherche sei unverbindlich... zumindest stand das mal wo) hat außerdem ergeben, dass von den Metal-CDs, die wir zu Hause haben, kaum jemand (zumindest die von mir untersuchten, alle 100 hab ich jetz auch net ausprobieren wollen, zumal ich bei den nicht-deutschen erst gar nicht schauen brauch) an die GEMA meldet - die Profi-Bands jetz mal ausgenommen - ich mein jetz die Gruppen die vielleicht ne Auflage bis 1000 Stück oder so haben.
Seid Ihr da auch ne Ausnahme oder höre ich die falsche Musik? :-)

Andi

von Andi - am 25.02.2005 22:30

GEMA Hilfe

Hallo Martin,

ich muss schon sagen, dass ich froh bin, auf einen so sachlichen, fairen und kompetenten Diskussionspartner gestossen zu sein, was in Vergangenheit nicht immer der Fall war. Vielleicht habe ich mich auch deswegen so gegen dieses Thema gestellt.

Ich werde meine Werke für die öffenliche Aufführung freigeben. Das scheint mir einfach alles sehr schlüssig und vielleicht habe ich mich einfach nie richtig informiert und einfach brav das GEMA-Mitglied gespielt.

Könntest du mir vielleicht noch ein Paar Tipps zu der Prozedere geben. Wie muss ich dann die Stücke melden? Auf dem Meldebogen gibt es keine Angaben zu der Aufsplittung der Rechte, die an die GEMA abgetreten werden. Kann ich die rechte so splitten, das kommerzielle Volxmusikveranstaltungen, die es ja doch auch gibt, dann doch verrechnet werden?

Ich möchte dich jetzt nicht für deine umfangreiche Aufklärungsarbeit auch noch mit diesen Fragen nerven, aber irgendwie kennst du dich auf diesem Gebiet doch sehr gut aus. Warum eigentlich? ;)

Viele Grüße
Jörg

von Jörg - am 25.02.2005 22:47

Re: Zum Thema GEMA - Weit verbreiteter Irrtum

Servus Walter,

konkrete Sanktionen sind nicht angedroht worden. Der Tenor war ungefähr so:
Nach der aktuellen Gesetzeslage und Rechtsprechung ist die GEMA berechtigt.... und darf davon ausgehen daß..., und das hat schon öfter jemand versucht, ohne Zahlung von Tantiemen davonzukommen usw....
Über die Tatsache, daß ich generell Meldung machen muß, hab ich mit der GEMA nicht gestritten, sondern sie einfach so akzeptiert, nachdem ich das zuvor schon von Ernst Schusser gehört habe. Wenn es Dich aber beruhigt frage ich noch mal nach, welche Begründung es dafür gibt.
Vielleicht hat sich da ja auch schon was geändert seit damals (Dez. 02)

Gruß

Martin

von Martin Albert - am 25.02.2005 23:03
Hallo Andi,

danke für deine Recherche. Bin da wohl wirklich auf dem Holzweg. Aber dann ist es schön, wenn einem in diesem Forum geholfen wird.

Viele Grüße
Jörg

von Jörg - am 25.02.2005 23:09

Re: GEMA Hilfe

Servus Jörg,

da bist Du ja wieder! Gottseidank, ich wollte schon eine Vermisstenanzeige aufgeben...;-)

Dein Lob macht mich erröten! Kompliment zurück, auch deswegen, weil Du offen zu Deiner GEMA-Mitgliedschaft stehst und Dich der Diskussion stellst.
Dein Vermarktungskonzept mit kostenlosen Noten zeigt auch, daß Du nicht in erster Linie profitgierig bist, sondern nur Deinen gerechten Anteil haben wolltest, wenn andere von Deiner Arbeit profitieren.
Auch Dein Kind [www.Hackbrett.de] ist ja wohl eher uneigennützig, zumindest in finanzieller Hinsicht.

Zu Deiner Entscheidung, die Aufführungsrechte frei zu lassen beglückwünsche ich Dich und bin mir sicher, daß Du momentan finanziell besser fährst damit. Wenn sich in Zukunft an der Situation was ändert, dann kannst Du Deinen Vertrag ja wieder entsprechend anpassen.

Als kompetent in Sachen GEMA möchte ich mich nicht bezeichnen. Das was ich weiß stammt aus Gesprächen mit einigen meiner Musikfreunde, die GEMA-Mitglieder sind, die sogar teilweise auch zunächst die Aufführungsrechte der GEMA übertragen hatten, dann aber z. B. von ihrem CD-Verleger!! nachdrücklich gebeten wurden, sie doch frei zu stellen, weil auch der die Kausalkette (keiner spielt die Stücke => keiner kennt sie => keiner kauft die CDs) erkannt hat, und um seinen Gewinn fürchtete.

Auch Ernst Schusser war mir ein kompetenter Ratgeber. Er oder auch Erich Sepp können Dir vielleicht ebenfalls weiterhelfen bei Deinen Fragen zur Vertragsgestaltung.

Eigentlich sollte Dir ja die GEMA selbst am besten Auskunft geben können und müssen. Vertrauen wir mal darauf, daß sie Dir ein kompetenter und fairer Ratgeber ist!
Vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit, daß Du manche Stücke frei aufführbar machst, andere z.B. die Rock -Songs oder Neue Musik aber komplett GEMA-pflichtig, weil das für Dich sinnvoller ist. Ich weiß es leider nicht.

Wir hatten heute Probe, aber vor lauter Proben hab ich vergessen, den Harti Pilsner zu seinem GEMA-Vertrag zu befragen. Er ist GEMA-Mitglied und hat die Aufführungsrechte von Anfang an frei gelassen. Er kann Dir also sicher besser weiter helfen als ich, wenn es um Vertragsgestaltung geht. Auf Wunsch stelle ich gerne den Kontakt her.

Zitat

Ich möchte dich jetzt nicht für deine umfangreiche Aufklärungsarbeit auch noch mit diesen Fragen nerven, aber irgendwie kennst du dich auf diesem Gebiet doch sehr gut aus. Warum eigentlich?


:cheers: Du nervst nicht, auch wenn ich Dir zu Deinen Detailfragen leider keine Auskunft geben konnte. Mich interessiert die Thematik GEMA halt einfach aus meiner Praxis als Musikant und Gelegenheitsveranstalter heraus schon seit längerem. Genauer gesagt eigentlich, seit ich auf meinem ersten Volksmusikseminar vor fast 22 Jahren ein Vortrag von Robert Popp (Trio Popp/Lägel) über den Umgang mit der GEMA hören durfte.

Ich wünsch Dir weiterhin viel künstlerischen und kommerziellen Erfolg als Musiker und Lehrer! Schreib weiterhin fleißig Volksmusikstückl, Rocksongs, Neue Musik, was Dir halt so einfällt. Wir brauchen in allen Bereichen Leute, die etwas "schaffen" und die Visonen haben für die sie leben...

Gruß

Martin

von Martin Albert - am 26.02.2005 00:27

Re: GEMA Hilfe

Ich hab all diese Beiträge mit großem Interesse gelesen, und dabei wurden mir schon mal viele Fragen beantwortet. Aber eines ist mir immer noch unklar. Ich veranstalte jedes Jahr (über unseren örtlichen Kulturkreis) einen Hoigarta. Und der Eintritt kostet nichts. Es wird am Ende nur auch ein Hut rumgereicht. Wenn ich dann meine eigenen Ausgaben abziehe, und den Musikern ein Verzehrgeld gebe, bleibt für die Gema eigentlich wenig, oder nichts übrig. Wie sieht es jetzt eigentlich bei Veranstaltungen aus, bei denen kein Eintritt verlangt wird? Gibt es da eine "ermäßigte" Gemagebühr? Eine Kollegin vom Kulturkreis hat bei unserer Gema angerufen und es wurde ihr mitgeteilt, dass es mit einer Pauschale nicht getan ist. Das gäbe es angeblich nicht. Vor Jahren aber war das anders - laut Aussage unseres ehemaligen Vorstandes. Weiß da jemand Bescheid?

von Regina - am 02.07.2005 11:32

Re: GEMA Hilfe

Hallo Regina

Zitat

... Und der Eintritt kostet nichts.

Das befreit grundsätzlich erst mal nicht von der Zahlung einer GEMA-Gebühr! :-( Entscheidende Frage: Spielen deine Musiker urheberrechtlich geschützte ("GEMA-pflichtige") Werke. Falls nein, ist die GEMA eh kein Thema. Die sieht dann keinen Cent von dir. :D

Falls doch, bist du erst mal grundsätzlich zu einer Zahlung verpflichtet. :mad: In deinem speziellen Fall, in dem deine "Einnahmen im groben Missverhältnis zu der Höhe der Tarifgebühren der GEMA stehen", kannst du dich auf die "Missverhältnisklausel für die Musikwiedergabe bei Veranstaltungen" berufen. :xcool:
Für nähere Details links unter "Informationen" auf "Paragraphen" klicken!

Gruß
Walter

von volXmusik - am 02.07.2005 16:11

Re: GEMA Hilfe

Hallo Walter, danke, das hilft mir jetzt doch ein großes Stück weiter! Wir werden wohl um die Gema Gebühr nicht rumkommen, da auch wir gerne Stücke von Tobi Reiser spielen, und eigentlich nicht darauf verzichten wollen.
Na dann!
Jedenfalls bin ich froh, dass mich ein Volksmusik Bekannter auf diese Seite aufmerksam gemacht hat.
Gruß Regina

von Regina - am 03.07.2005 07:03

Zum Thema GEMA - Ende

Hallo liebe Volxmusik-Freunde,

ich möchte selbst hier diesen Thread schliessen mit der Nachricht, dass ich soeben meine Kündigung bei der GEMA eingereicht habe.
Es war nicht möglich, die Volksmusikstücke aus meinem Vertrag raus zu nehmen, damit sie frei gespielt werden können. Da habe ich mir einfach gedacht, dann kündige ich doch mal ganz und wenn dann doch widererwarten der große Durchbruch als Songwriter kommt, dann kann man ja wieder Mitglied werden.

Jetzt können also meine Stück, die unter [www.lasido.de] herunter geladen werden können, auch frei gespielt werden. Die Anpassungen der Dateien muss ich nur noch vornehmen.

Es würde mich freuen, wenn die Stücke fleissig gespielt werden und wenn ich dann irgendwo auf einem Musikantentreffen eines hören darf.

Bis dann
Jörg

von Jörg - am 09.08.2005 15:42

Re: Zum Thema GEMA - Ende

Servus Jörg,

Gratuliere! Naja, wenigstens teilweise, denn eigentlich hätte ich Dir eine andere Lösung gewünscht, die einen Verbleib in der GEMA ermöglicht, und trotzdem die Aufführungsrechte, zumindest die der Volksmusikstückl frei läßt. Nach meinen Informationen ist das auch möglich, verständlicherweise ist die GEMA da aber nicht sehr kooperativ. Für genauere und äußerst kompetente Auskünfte hierüber möchte ich Dich aber lieber an Ernst Schusser (08062 / 5164) verweisen. der Dir bestimmt gerne weiterhilft.

Jedenfalls freut mich Deine Einstellung, die Volksmusikaufführungen GEMA-frei zu lassen.

Gruß

Martin

von Martin Albert - am 10.08.2005 08:57

Re: Zum Thema GEMA - Ende

Hallo Martin,

danke für die Glückwünsche! ;)
Mein endgültiger Entschluss auszutreten, war jetzt nicht nur durch diese Diskussion. Da kam jetzt einfach zum Schluss einiges zusammen.
Zum Beispiel auch folgendes:
Ich betreibe ja auch mehrere Website, z.B. www.hackbrett.de und wenn ich dort selbst nur meine eigene Werke zum downloaden bereitstelle, dann muss ich für mich selbst GEMA-Tantiemen abführen. Das ist ja eigentlich schon Blödsinn.
Mit meiner Band haben wir Songs bei der Antenne Soundgarage eingestellt. Eine tolle Website, wo sich kleine Bands vorstellen können und die User sich die Songs kostenlos runter laden können. Eine prima Idee! Ich habe von der Antenne einen schrieb bekommen, dass sie nur noch GEMA-freie Werke einstellen können, da es sonst Probleme mit den Herrn aus München und Berlin gibt. Da werde ich also gestraft dafür, dass ich GEMA-Mitglied bin.
Von der letzten CD-Produktion meiner Band kamen leider auch wieder mal höchstens 80% zurück. Und dann gibt es ja auch noch den Mitgliedsbeitrag. Und wenn man dann auch noch keine Chance mehr sieht, mit Verbreitung von Noten über das Internet ein wenig Kohle zu erhalten, um vielleicht wenigstens den Mitgliedsbeitrag zu decken, dann ist es mehr als logisch, aus zu treten.
Und wenn ich dann mal doch berühmt werde ;) dann kann ich ja immer noch beitreten.

Viele Grüße an alle Volxmusik-Fan!
Jörg

von Jörg - am 30.08.2005 13:38

Re: Zum Thema GEMA - Ende

Hallo.
Sehr aufsclussreich eure beiträge über AKM und GEMA. Hier in Südtirol heisst sie SIAE, ist der gleiche Übel wie bei euch. Aber wir haben noch etwas mehr zu leiden, wegen ENPALS: liest bitte diese zeilen, wenn ihr zeit und lust habt.

Nach den ersten Finanzprüfungen von Musikgruppen im Jahre 2002 ging ein Aufschrei durch die Künstlerszene im Land. Die E.N.P.A.L.S.- Steuer, hatte alle kalt erwischt. Fast niemand in Südtirol war über die italienweit gesetzlich vorgeschriebene Rentenversicherung für Künstler und Sportler informiert. Dabei gibt es sie schon seit dem fernen Jahre 1947. Seit die E.N.P.A.L.S. 2002 eine Konvention mit der S.I.A.E. abgeschlossen hat, greift die Gesetzgebung.
Bei vielen Musikgruppen, Musikkapellen, Chören, Böhmischen und Theatergruppen ist die Verunsicherung groß. Der Ruf nach einer autonomie-politischen Lösung wird laut.

Jahrzehntelang spielten Musikgruppen und Einzelunterhalter unbehelligt auf Gartenfesten, Bällen, in Gasthöfen und Hotels. Ihr Honorar kassierten sie schwarz. Beachtliche Summen. Und sie bezahlten keine Steuern. Das E.N.P.A.L.S. -Gesetz kümmerte weder die Arbeitgeber noch die Musiker. Kontrollen gab es so gut wie keine. Einzig Theaterleute, die gelegentlich mit der RAI zu tun hatten, kamen im Laufe der Jahre mit der E.N.P.A.L.S. in Berührung. Die Sendeanstalt RAI arbeitete seit jeher gesetzeskonform. In Südtirol bestand für die einzelnen Unterhalter kein Bedarf, sich im Hinblick auf eine Rente anmelden zu lassen. Fast alle waren und sind Freizeitmusiker und gehen einer geregelten Beschäftigung nach, in der sie sozial abgesichert sind

Ab dem Jahre 2002 erreichte die S.I.A.E., als verlängerter Arm der E.N.P.A.S. (siehe Kasten), die Unterhalter und deren Auftraggeber. Die ersten Kontrollen setzten ein und erwischten viele unvorbereitet. Die Strafen fielen teils saftig aus. Das brachte die gesamte Musikbranche in Aufruhr. Musikgruppen und Bands mit regelmäßigen Auftritten beziehungsweise ihre Arbeitgeber kamen nicht mehr umhin, die Vorgaben der E.N.P.A.L.S. zu erfüllen, den bürokratischen Aufwand auf sich zu nehmen. Die Musiker schufen die Voraussetzungen für eine Anmeldung, die Arbeitgeber zahlten ein. Um letztere zu entlasten wurden von der S.I.A.E. Möglichkeiten gefunden, dass es die Künstler selbst erledigen können (siehe Kasten). Veranstalter ziehen heute jene Gruppen vor, die die E.N.P.A.L.S.- Sache selbst im Griff haben.

Mit über 32 Prozent, ist die Steuer hoch angesetzt, bei kleinen Honoraren bleibt nicht mehr viel übrig - ein Umstand, der zum Schwindeln verleitet. Das wird selbst von Seiten der S.I.A.E so gesehen. Agenturen machen heute meist zwei Verträge, eine offiziellen und einen inoffiziellen.

Bürokratie

Laut S.I.A.E. haben fast alle kommerziell tätigen Musikgruppen mittlerweile die E.N.P.A.L.S.–Voraussetzungen geschaffen (siehe Kasten) und erledigen Anmeldung und Einzahlung für ihre Arbeitgeber, sprich Veranstalter. Einige (Einzelunterhalter) haben das Ganze entsprechenden Vereinigungen übergeben. Andere (Gruppen) beißen sich selbst durch den Bürokratie- Dschungel. In der Praxis ist es meistens ein Gruppenmitglied, das die Verantwortung übernimmt, Formulare ausfüllt, sich zum Büro der S.I.A.E begibt, Termine überwacht. Wie ein Rattenschwanz hängt die Steuergesetzgebung hinten dran. Wer sich der Sache nicht ganz sicher ist, nimmt die Dienstleistung eines Steuerberaters in Anspruch, verbunden mit den entsprechenden Kosten. Einige hielten dem Druck nicht mehr stand und gaben auf. Gruppen klagen ihnen bliebe abzüglich der vielen Spesen fast nichts mehr übrig. Zum Beispiel die Big Band Mals kann von den Veranstaltern hierzulande nicht das Honorar verlangen, das sie aufgrund ihrer Bestückung (14 Mann) eigentlich müsste.

Grauzone

Dass gut verdienende Unterhalter auch Abgaben zu bezahlen haben, ist nachvollziehbar. Was ist aber mit den zahlreichen ehrenamtlich tätigen Musikkapellen, Chören, Theater- und Volksmusikgruppen in Südtirol, kurzum mit jenen Gruppen, die aus Spaß an der Freude gelegentlich miteinander musizieren und spielen? Sind auch sie verpflichtet, dem Gesetze Genüge zu tun, weil sie gelegentlich ein Entgelt kassieren?
Bislang kamen sie noch nicht in den Sog der E.N.P.A.L.S., weil die S.I.A.E. anerkennt, dass eventuelle Entschädigungen nicht auf die einzelnen Mitglieder aufgeteilt werden. Im Volksmusikkreisen wähnen sich viele im Schutze der Ehrenamtlichkeit und des Volontariats. Kritisch wurde es aber bereits bei Böhmischen, Tanzlmusi, Gesangsduos und Quaretts. "Bei genauer Auslegung der Gesetzgebung ist jeder, der irgendwo auftritt, und jeder der im kulturellen Bereich einen Knopf verdient, verpflichtet, die E.N.P.A.L.S. Gesetze zu befolgen", betont Klaus Runer, Präsident des Südtiroler Theaterverbandes. Er spricht von einer Grauzone, in der sich der traditionelle kulturelle Bereich derzeit befindet. "Wenn beispielsweise einem Kapellmeister,
einem Chorleiter einem Theaterregisseur eine Entschädigung zuerkannt wird, sind Musikkapellen, Chöre und Theatergruppen schon nicht mehr in Ordnung". Er sieht Südtirols Volkskultur in Gefahr. Es sei dringend Handlungsbedarf. Vieles hängt in der Luft. Für Vereine und Verbände wird es deshalb nicht zuletzt immer schwieriger, Leute zu finden, die Verantwortung übernehmen


Wenig Durchblick

Nicht nur die Unterhaltungsszenen und der kulturelle Bereich Südtirols wurde von der E.N.P.A.L.S. kalt erwischt, sondern auch die Politiker. Die Autonomie greift hier nicht. Viele Entscheidungsträger haben bislang noch keinen richtigen Durchblick. In diesem Zusammenhang spielt einerseits die komplexe Materie eine Rolle, andererseits die mächtige S.I.A.E – mit ihrer Lobby in Rom, der man zurückhaltend entgegentritt. Die Senatorin Helga Thaler Außerhofer, nahm sich des Themas an und wagte zaghafte Vorstöße. Im Wahlkampf 2003 hatte auch die Volksmusiklady Anneliese Breitenberger ihren Einsatz in Sachen E.N.P.A.L.S auf politischer Ebene versprochen. Ihre Nicht-Wahl ließ das Ganze versanden. Bei einem Treffen zwischen S.I.A.E.-Direktor Massimo Antichi und Landeshauptmann Luis Durnwalder, wurde laut Medienberichte über eine Befreiung bis zu 5.000 Euro gesprochen. Das wirft die Frage auf: Lässt sich die Grenze zwischen einem Profi und einem Amateur überhaupt ziehen?
Nun will sich auch der neuen SVP- Obmann Elmar Pichler Rolle einarbeiten. Auch Südtirols kulturelle Verbände sind aktiv geworden und leisten den Politikern Hilfestellungen in Form von Vorschlägen.

Autonomie muss greifen

In Absprache mit dem Südtiroler Sängerbund, dem Verband Südtiroler Musikkapellen, dem Verband der Kirchenchöre und in Absprache mit dem deutschen und italienischen Kulturamt geht der Theaterverband mit Klaus Runer in die Offensive: Er hakt zivilrechtlich ein und will anhand eines Beispieles einen Musterprozess führen, der das Gesetz aus den Angeln heben soll. Südtirols Unterhalter mit Amateurstatus zahlen durch die E.N.P.A.L.S.

ein, haben aber (sie schaffen keine 140 Auftritte im Jahr) nicht die Möglichkeit je etwas heraus zu bekommen. "Das ist nicht EU-konform", sagt Runer. "Wir verlangen ein Feststellungsurteil, das heißt: Der Richter verlangt vom nächst höchsten Richter eine Klärung ohne den konkreten Fall zu entscheiden. Die Schlussentscheidung obliegt dem Europäischen Gerichtshof."
Damit sei das Problem aber noch nicht gelöst, so Runer. Südtirols Autonomie müsse greifen. Man konne sich zum Beispiel eine autonome S.I.A.E. vorstellen. Man brauche ein eigenes Gesetz, mit Lösungen für die kommerziell tätigen Gruppen einerseits und anderseits für jene im traditionellen volkstümlichen Bereich.




E.N.P.A.L.S.-Gesetze aus dem Schlaf geweckt

E.N.P.A.L.S. Rentenversicherung für Unterhaltung und Sport

Die E.N.P.A.L:S (Ente Nazionale di Previdenza e di Assistenza per i lavoratori dello Spettacolo) gibt es seit dem Jahre 1947. Es handelt sich um eine reine Rentenversicherung für Künstler und Sportler. Das Einkommen scheint auf und muss regulär versteuert werden. Im Sportbereich gibt es eine staatlich geregelte Befreiung (7.000 Euro) die jährlich angepasst wird, im Unterhaltungsbereich nicht. Laut Gesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Beiträge an die E.N.P.A.L.S. einzuzahlen. Die Unterhalter müssen die Voraussetzungen schaffen und eine Matrikelnummer haben. Der derzeit einzuzahlende Prozentsatz beträgt 32,70 vom jeweiligen Honorar. (Jeder einzelne Spieler muss mindestens 39,16 Euro pro Auftritt angeben. Für Arbeitgeber, sprich Veranstalter, bedeuten Anmeldung und Einzahlung einen riesigen Aufwand. Um ihnen das Ganze abzunehmen, wurden Wege gefunden, dass es die Künstler selbst erledigen können. Die Mitglieder einer Band können sich zu einer "Associazione tra professionisti, (Vereinigung von Freiberuflern) zusammen schließen. Alleinunterhalter haben die Möglichkeit, sich in einer "Cooperativa a responsbilita´ limitata" (Genossenschaft mit beschränkter Haftung) einzuschreiben. In Südtirol gibt es bereits mehrere solcher Vereinigungen.
Die E.N.P.A.L.S. wird von Vollprofis, die in der Musik- und Sportbranche ihren Lebensunterhalt verdienen als Altersversorgung in Anspruch genommen

140 Tage müssen jährlich aufscheinen, damit das Anrecht auf eine Auszahlung gegeben ist.

Konvention E.N.P.A.L.S. - S.I.A.E. (Societa Italiana autori e editori)

Musikgruppen, Bands, Alleinunterhalter und deren Auftraggeber blieben in Italien und Südtirol jahrzehntelang unbehelligt. Das Eintreiben und die Kontrollen seitens der E.N.P.A.L.S wurde nur dürftig gehandhabt. Mit einem Büro in Venedig und einem in Mailand waren die Möglichkeiten zu einer umfassenden Überwachung nicht gegeben. Das änderte sich im Jahre 2002. Die E.N.P.A.L.S. schloss eine Konvention mit S.I.A.E. Diese verfügt Italienweit über ein flächendeckendes Bürosystem.
Nach der ersten Regierung Berlusconis verlor die S.I.A.E Arbeitsbereiche, zum Beispiel im Bereich der Mehrwertsteuer und war auf der Suche nach neuen Aufgaben. Diese konnten durch die Konvention mit der E.N.P.A.L.S. gefunden werden. Die Konvetion rettete nicht zuletzt die Arbeitsplätze der zahlreichen Beschäftigten.
Die S.I.A.E übernahm die Überwachung der E.N.P.A.L.S.- Gesetzgebung und brachte die Kontrollen bis in die entlegenen Regionen, auch nach Südtirol.

von Peter - am 11.01.2006 23:02
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