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Erster Beitrag:
vor 8 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 8 Jahren, 6 Monaten
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GAMS, Dreiklangseligkeit, JJBB, tadlwantsche.tudl

akademische oder authentische Volksmusik

Startbeitrag von JJBB am 31.05.2009 17:44

Wie sollte Volksmusik richtigerweise interpretiert werden?

1. "akademisch":
Möglicherweise mit dem höchsten künstlerischen Anspruch, aber möglichweise mit dem Problem behaftet, nicht authentisch zu sein.

2. "authentisch":
Schwierig zu definieren, wie das hier gemeint sein könnte, aber doch irgendwie in der möglichst in der Nähe einer "originalgetreuen" Überlieferung.

Johannes

Antworten:

Guten Abend, Johannes,

zwar beschäftige ich mich erst knappe 5 Jahre mit der Alpenländischen Musik, bin also noch ein absoluter "Frischling" auf diesem Gebiet, möchte aber doch aus meiner Sicht kurze Worte dazu sagen: Wenn ein Jodler so "geschrien" sein sollte, wie man ihn als Verständigungsmöglichkeit in den Bergen auf der Alm hört, dann gefällt er mir nicht wirklich! - Die Akkorde sind zwar da, sie mögen auch ihrem Klang nach stimmig sein. Sie kommen aber eher plump und behäbig beim Hörer an. - Darum gefällt mir ein Jodler fast immer nur dann, wenn er mit einer gewissen Dynamik gesungen wird.
Man sollte nicht vergessen, dass ein Ton, ob gesungen oder gespielt, in der Natur niemals statisch, sondern immer nur dynamisch vorkommt! - Warum sollte man dann ein Lied, einen Jodler, eine Musik nicht auch - naturgemäß - dynamisch vortragen? - Der dynamische Ton lässt in jedem Moment für den Zuhörer neue Überraschungen offen! - Der statische Ton indes ist langweilig, wie glatt gebügelt, platt....eben statisch!

Die (akademische) Klassische Musik kennt die Statik in der Regel nicht. - Sie macht die Dynamik wunderbar vor, geht ins Crescendo, dann wieder ins Decrescendo, sodann ins Sforzato usw. - Besonders deutlich ist die Dynamik in der Musik der Romantik zu erkennen!

Kurzum, wenn auch die "authentische" Musik eher in die statische Richtung tendiert, so bin ich, auch bei der stromlosen und stadlfreien Volksmusik FÜR die Dynamik! Keine Frage!

Mit sangesakrobatischen Jodelgrüßen, Hoillari,

die Dreiklangseligkeit :)

von Dreiklangseligkeit - am 01.06.2009 21:33
Wohl jeder Musikant benötigt – jedoch in unterschiedlichem Umfang – die "akademische" (akademisch = wissenschaftlich – oft auch als trocken, oder theoretisch bezeichnet) Herangehensweise, sowohl an sein Instrument, als auch an ein Musikstück.

Von einem an einer Universität, einer Hochschule, oder einem Konservatorium ausgebildeten Musiker erwartet man sicherlich ein anderes Ergebnis, als von einem Freizeit-, bzw. Hobbymusiker.

Vervollkommnend, finden sich dann im individuellen Vortrag z.B. Interpretation, Betonung, Rhythmus, Phrasierung, regionale Eigenart der Spielweise bzw. "abgeschautes" oder "abgehörtes", bis hin zum „künstlerischen Anspruch“ usw., was dann das Hörerlebnis ausmacht.

Nichts von dem schließt sich aus – es ergänzt sich, erhält die, und macht die musikalische Vielfalt aus.

Da Volkes Musik, wie Volkes Sprache, "lebt", gibt es weder den – von den „Ewig-Gestrigen“ so oft geforderten – „originalgetreuen“, noch "authentischen" Vortrag, was dem Vortragenden z. B. freistellt, Volksweisen mit neuen, eigenen Melodien weiterzuentwickeln.

Solch ein Musikus gilt jedoch meist, wie der „Prophet im eigenen Land“ wenig.





von tadlwantsche.tudl - am 02.06.2009 10:20
Griaß Eich!

Entschuldigt bitte, aber bei den letzten beiden Beiträgen verkrampft sich bei mir alles!!!

Zur Dreiklangseligkeit:

Zitat:
"Wenn ein Jodler so "geschrien" sein sollte, wie man ihn als Verständigungsmöglichkeit in den Bergen auf der Alm hört, dann gefällt er mir nicht wirklich! - Die Akkorde sind zwar da, sie mögen auch ihrem Klang nach stimmig sein. Sie kommen aber eher plump und behäbig beim Hörer an."

Ich weiß ja nicht, wo du deine authentischen Jodler "geschrien" bekommst, aber bei uns ist ein Jodler von Alm zu Alm etwas Wunderschönes, Harmonisches, etwas, wo man Gänsehaut bekommt!

Zitat:
"Man sollte nicht vergessen, dass ein Ton, ob gesungen oder gespielt, in der Natur niemals statisch, sondern immer nur dynamisch vorkommt! - Warum sollte man dann ein Lied, einen Jodler, eine Musik nicht auch - naturgemäß - dynamisch vortragen? - Der dynamische Ton lässt in jedem Moment für den Zuhörer neue Überraschungen offen!"

Zu diesem Beitrag gebe ich dir recht, bis auf die kleine Einschränkung:

"Genau das, was du hier anführst ist die Beschreibung des von der Musikschule in Volksmusik unterwiesenen "Volksmusikanten" --> z.B. Alpenländische Volksmusik von der Waterkant bis zum Neusiedlersee - überall hört man die gleichen Stückl und am Vortrag erkennt man den Musiklehrer.

Gelebte Volksmusik ist authentisch, Volksmusik, die mein Herz singt, weil sie dort verankert ist, weil ich sie schon mit der Muttermilch aufgesogen habe, weil ich sie spüre und aus diesem Grunde Gefühle im Spiel sind...
...diese ist automatisch dynamisch, aus eben den o.g. Gründen.

Ich musiziere hin und wieder mit einem Gspan aus Kärnten - ich komme aus der Heimat von Landler und Steirer - und es ist, obwohl er genauso Österreicher ist wie ich, sehr unbefriedigend von ihm einen Steirer dargeboten zu bekommen.
Ebenso unbefriedigend ist es, wenn ich ein Kärntnerlied singe, weil meine Volksseele eine andere ist, als die des Kärntners.

Authentizität der Musik beginnt an den gemeinsamen Wurzeln von Musik und Musiker - auch wenn sie sich vielleicht nicht mehr genauso anhört wie vor 100 Jahren.




zu Tadlwantsches Beitrag:

Zitat:
"Da Volkes Musik, wie Volkes Sprache, "lebt", gibt es weder den – von den „Ewig-Gestrigen“ so oft geforderten – „originalgetreuen“, noch "authentischen" Vortrag, was dem Vortragenden z. B. freistellt, Volksweisen mit neuen, eigenen Melodien weiterzuentwickeln."


erlaube ich mir zu sagen:

Es gibt ihn sehr wohl, den authentischen Vortrag!!!

Natürlich kann ein jeder "Volksmusikant" spielen was er will und wie er es will!!!

Natürlich kann ein jeder - um beim o.g. Beispiel des Steirers zu bleiben - einen Steirer spielen, aber ist es dann ein Steirer, ein Landler, ein Walzer...???

Ich hatte die Ehre eine Harmonikaspielerin aus Wien im Spiel des Steirers zu unterweisen und schickte ihr vorerst die Noten per Post.
Meine Unterweisung kam einige Wochen später.
Natürlich hatte sie in der Zwischenzeit eifrig geprobt und was ich zu hören bekam, veranlasste mich keineswegs zur Freude.
Wie ich ihn interpretierte, das wiederum veranlasste sie ebenso nicht zum Jauchzen, weil sie ihn so nicht spürte.

Natürlich spielt auch bei uns nicht jeder den Steirer ganz genau gleich, aber dennoch wird er genauso von der gleichen Wurzel weggespielt und berührt er alle, die ihn mit der Muttermilch aufgesogen haben an der gleichen Basis, ist ihre Essenz.

Natürlich kann jeder alles so spielen wie er will...

Ist es Authentizität, ein Stückl, das ich gar nicht so spüre, auf meine Art zurechtzubiegen?

Einen Musiker persönlich betreffend muss ich klar sagen: JA, es ist authentisch!

Die Volksmusik betreffend muss ich klar sagen: NEIN, es ist INSZENIERUNG!


Liabe Griaß

GAMS



von GAMS - am 02.06.2009 15:50
Guten Abend, GAMS,

möchte dir gerne einen Jodler von einem Fachmann vorstellen. - Am Ende des Videos singt er einen Jodler mit seinem Bruder zusammen. Klingt dann schon ganz anders!

[www.youtube.com]

Zu Beginn jodelt er sogar mit einem schönen Vibrato! -

Und nun im Wettersteingebirge ? - Ist das nicht alles in einer einzigen Lautstärke? - Auch seine Frau "jodelt" nur in einer Lautstärke. - Ja, es ist schon kein "Jodeln" mehr, es ist - in meinen Ohren - nur noch ein "Schreien"! - Ich empfinde es zumindest so! - Und dieses "Schreien" ist für mich nicht unbedingtr imitationswürdig. -
Das meinte ich in meinem ersten Beitrag!
Aber damals, vor mehr als 100 Jahren war das "Jodeln" in dieser Lautstärke notwendig, ist mir klar. -
Aber ist allein deshalb das echte Jodeln nur so authentisch?? - Ich weiß nicht! - Dann singe ich lieber den Jodler 2-3-stimmig!

Mit sangesfreudigen Jodelgrüßen,

die Dreiklangseligkeit ;)



von Dreiklangseligkeit - am 02.06.2009 19:16
Griaß di Dreiklangseligkeit!

Ich denke, wir beide reden so sehr an einander vorbei, wie nur irgendmöglich!

Auch der Ausdruck "Fachmann" die Volksmusik betreffend stimmt mich sehr nachdenklich!
Ab wann ist man dieser?
Ab welchem akademischen oder sonstigen Grad kann sich jemand so betiteln?
Sind es die, die Volksmusik aus einer anderen Zeit herübergetragen haben oder die, die dieses Fach studiert haben, um es zum Broterwerb "zu nutzen"...???


Natürlich hatte der "Verständigungsjodler" einen total anderen Anspruch als unsere Jodler heute.
Diese miteinander zu vergleichen ist ein Vergleich in verschiedenen Ligen, ja, Sphären.

Unserer beider Wurzeln und folglich das Holz, aus dem wir gewachsen sind, der Boden, ja, der Busen, der uns seine Nahrung und Geborgenheit gab und gibt, vermutlich unser soziales kindliches Umfeld in dem wir heranwuchsen, unsere musikalische Genesis usw. sind so grundverschieden, dass wir beide in diesem Leben keinen Konsens finden werden können.

Dieses sollten wir so annehmen und akzeptieren und von einem weiteren Austausch Abstand nehmen.

In ehrlicher Hochachtung vor deiner Meinung


GAMS

von GAMS - am 03.06.2009 14:29
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