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Radioforum Schweiz
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vor 5 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 9 Monaten
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Rete_Svizzera, dxbruelhart

Radio Riesbach

Startbeitrag von dxbruelhart am 20.05.2012 08:30

Radio Riesbach war ein Quartierradio in Zürich im Quartier Riesbach, welches von 1984 bis 1991 sendete. Heinz hat nun einen interssanten Link ausgegragben (Diskussion auf Facebook) von lokalinfo.ch - ein Interview mit den Machern von Radio Riesbach, das will ich Euch nicht vorenthalten:

Zum Empfang von Radio Riesbach noch soviel: In Uster konnte ich Radio Riesbach nie empfangen (in Netstal erst recht nicht, auch wegen dem Biberlikopf), da DRS2 Ziegelbrücke-Biberlikopf ebenfalls auf 93,0 funkt und immer stärker war als R. Riesbach und so das schwache Signal aus Zürich nicht durchkommen liess.

http://www.lokalinfo.ch/archiv/22357-Das-erste-Schweizer-Quartierradio-sendete-aus-Riesbach.html

Das erste Schweizer Quartierradio sendete aus Riesbach

Vor 25 Jahren hatte das Seefeld einen eigenen Radiosender. Der Radio Riesbach stand allen offen und sendete bis 1991. Dann war Schluss.

Interview: Sergej Rickenbacher

Der 1. April ist jener Tag, an dem sich die Menschen gegenseitig Streiche spielen und Witzen reissen. Als am 1. April 1984 das «Radio Riesbach» auf Sendung ging, handelte es sich aber nicht um einen originellen Aprilscherz einiger Spassvögel, sondern um ein bierernstes Projekt einer Handvoll Radiopioniere: An diesem Tag nahm das erste Quartierradio der Schweiz seinen Betrieb auf und dies in Riesbach. Liz Mennel, Peter Detsch, Beni Fehr, Jacques von Moos, Stefan Schmid und einige weitere Mitstreiter versorgten von diesem Datum an für sieben Jahre an drei Wochentagen das Quartier mit lokalen Nachrichten und Informationen.Dass das «Radio Riesbach» überhaupt eine Konzession erhielt, grenzt an einer Sensation. Nachdem sich 1983 der Bund entschied die Monopolstellung der SRG preiszugeben und eine neue Rundfunkverordnung zu erlassen, traf eine Flut von Gesuchen für eine Frequenz ein. 36 wurden bewilligt. Darunter das «Radio Riesbach»!Die Gründe für den Erfolg lagen in der unkommerziellen, unabhängigen und lokalen Ausrichtung. Die Seefelder Radiomacherinnen und -macher arbeiteten nach dem Prinzip «ein Radio aus dem Quartier für das Quartier». Die Redaktoren stammten mehrheitlich aus Riesbach oder benachbarten Quartieren und ebenso waren die Themen strikt lokaler Natur. Mitmachen konnte jeder. Nach sieben Jahren Quartierradio wurde aber das «Radio Riesbach» am 24. September 1991 wegen fehlendem Nachwuchs wieder vom Netz genommen. 25 Jahre nach der Gründung des ersten Quartierradios der Schweiz, führten wir ein Interview mit den Pionieren aus der Radioszene. Sie erzählen über ihre Beweggründe, die Schwierigkeiten des Radiomachens und ihre persönlichen Erfolgserlebnisse.


Peter Detsch, Beni Fehr, Sie beide waren Radiomacher der ersten Stunde. Wie entstand die Idee, in Riesbach ein Lokalradio zu gründen?


Peter Detsch: Eigentlich resultierte «Radio Riesbach» aus einer Bierlaune an einem GZ-Fest. Wir sahen unser Quartier in den damaligen Lokalzeitungen zu wenig vertreten und in der Radio-Szene geriet einiges in Bewegung. Das war unsere Chance! Der Bund erklärte sich auf Druck von Radiopionieren wie Roger Schawinski bereit, eine Versuchsphase zu starten, in der Private eine Radiostation betreiben konnten. Als der Bund die Konzessionen tatsächlich ausschrieb, entschieden wir uns, ein Gesuch einzureichen und das lokalste Radio der Schweiz zu gründen! Wir, das waren unter anderem Benjamin Fehr, der ehemalige Jugendarbeiter im GZ Christian Hubatka, Filippo Leutenegger oder der damalige Präsident des Quartiervereins Toni Schaller.


Benjamin Fehr: Die Geschichte des «Radio Riesbach» muss allerdings in zwei Episoden getrennt werden: die Konzessionsphase und der tatsächliche Radiobetrieb. Bereits von Anfang an stand fest, dass sich ein grosser Teil der Initianten nach dem Erhalten der Konzession zurückzieht. Sie wollten nur die Bühne bauen, auf der dann die Quartierbewohner spielen sollten. Peter Detsch und ich waren als einzige bei beiden Phasen dabei.


«Radio Riesbach» sollte ein Radio von Quartierbewohnern für Quartierbewohner sein. Wie haben Sie die Offenheit garantiert?


Liz Mennel: «Radio Riesbach» stand allen offen. Rechtlich waren wir ein Verein mit Mitgliedern und Gönnern, allerdings ohne Präsident. Die operative Grundlage bildeten die verschiedenen Arbeitsgruppen wie Technik, Werbung oder Themenfindung. Aus diesen verschiedenen Arbeitsgruppen wurden teilweise Personen in den Vorstand abkommandiert. Dem Vorstand oblag es dann, sowohl die Finanzierung zu sichern als auch die Kontakte zu den Vereinen zu pflegen.


Beni Fehr: Während der Gründungsphase bestanden auch Ängste, das Projekt könnte eine einseitige politische Ausrichtung einnehmen. Die «80-er Bewegung» war ja gerade aktuell. In den Vereinsstatuten wurde Radio Riesbach schliesslich als «politisch und konfessionell neutral» definiert und für jede Sendung hatte ein «verantwortlicher Redaktor» zu gewährleisten, dass mit dem Sendeinhalt die Konzession nicht verletzt wird.


Liz Mennel: Und die Offenheit und flachen Hierarchien hatten manchmal den Nachteil, dass uns Entscheidungen Stunden um Stunden Diskussion kosteten. Da wäre manchmal ein Präsident als Entscheidungsträger sicher einfacher gewesen. Aber das waren halt die 80er-Jahre (Gelächter).


«Radio Riesbach» beruhte auf freiwilliger Mitarbeit. Niemand erhielt Lohn, das Prestige gering. Fanden sie immer genügend Leute für die Sendungen?


Stefan Schmid: Das war wirklich die grosse Aufgabe: Überhaupt motivierte Leute zu finden und diese dann so vorzubereiten, dass sie nicht drei Stunden vor Sendebeginn absagen.


Liz Mennel: Erstaunlich ist, dass wir über 700 Sendungen keine Ausfälle hatten - bis auf eine Ausnahme, als wir eine Notsendung improvisieren mussten. Diese Zuverlässigkeit lag auch an der Leidenschaft der einzelnen Redaktoren. Manche haben durch «Radio Riesbach» auch ihre Berufung gefunden, wie auch Beni und Peter. Einige Moderatoren starteten auch ihre Karriere bei uns...


Andere: ...wie Pio Marzolini...


Liz Mennel: ...ja, zum Beispiel Pio Marzolini, der heute Sprecher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartement der Stadt Zürich ist, davor beim «Radio Z» moderierte und Medienbeauftragter der SBB war.


Um aber zum Journalismus zurück zu kommen. Als Schreiberling kenne ich auch die Schwierigkeit, immer neue Themen zu bearbeiten. Hatten Sie mit Ihrer lokalen Ausrichtung keine Mühe, Inhalte für Ihre Sendungen zu finden?


Beni Fehr: Wir waren alle in Riesbach aufgewachsen oder lebten schon längere Zeit dort. Wir alle hatten Fragen an das Quartier. Mich beispielsweise interessierten immer die kleinen Läden und Geschäfte, an denen ich jahrelang vorbei ging, ohne dass ich jemals drin war. Da gab es diese Maskenbildnerin. Der Laden faszinierte mich schon als kleiner Knirps, aber erst als ich für «Radio Riesbach» arbeitete, konnte ich hinter die Kulissen sehen.


Stefan Schmid: Zu dieser Zeit war im Seefeld sehr viel im Umbruch. Zwar reichte unser Sendegebiet nur vom Bellevue bis ins Tiefenbrunnen, aber es gab den Drogenstrich an der Dufourstrasse, ganze Häuserblocks wurden abgerissen, der Bahnhof Stadelhofen wurde ausgebaut. Die Themen flogen uns richtiggehend zu. Schwieriger war es, das Musikprogramm zu konzipieren.


Liz Mennel: Musik war aber auch nicht unser Schwerpunkt. Wir benutzten sie meistens nur um zwei Sendeblöcke zu teilen. Die Redaktorinnen kamen dann jeweils mit den eigenen Schallplatten unter dem Arm und spielten ihre Musik. «Radio Riesbach» hatte kein Archiv wie «Radio 24» oder «Radio Z». In die Sparte Musik gehört aber auch die Geschichte mit den Suisa-Gebühren. Die Suisa erhebt für jeden gespielten Song einen gewissen Betrag, die Gesamtsumme wurde dann zu gleichen Teilen auf die einzelnen Radiostationen verteilt. So mussten wir, die fast keine Musik sendeten, denselben Betrag wie «Radio 24» oder «Radio Lora» bezahlen. Darauf hin gingen Stefan Schmid und ich nach Bern und erwirkten, dass wir nur die Hälfte bezahlen mussten. Das war eine riesige Erleichterung für unser Budget und ein Sieg für die kleinen Radiostationen!


Sie propagierten ja die grosse Nähe zum Quartier, weil Leute aus dem Quartier Radio für das Quartier machten. War aber die Unmittelbarkeit nicht auch ein Hindernis, um provokante Themen wie den Drogenstrich anzufassen?


Nein, Angst vor schwierigen Themen hatten wir nicht. Allerdings musste man je nach Gesprächspartner mehr oder weniger Fingerspitzengefühl zeigen und auch die eigene Sprache anpassen.


Liz Mennel: Allerdings hatten wir schon einige heisse Sendungen. Die Reportage zum «Lila-Bus», der Zufluchtsort der Prostituierten von der Dufourstrasse, oder die Beiträge zum Thermalbad in der Nähe des Bahnhofs Tiefenbrunnen, das einmal gebaut werden sollte, enthielt einigen politischen Zündstoff.


Erstaunlich ist jedoch, dass viel mehr Männer als Frauen beim «Radio Riesbach» mitmachten. War hier der Respekt vor der Technik zu gross?
Liz Mennel: Also einige Frauen waren schon dabei! Es gab auch ein Gruppe Studentinnen, die die Sendung «Bücherbox» initiierten, bei der verschiedene Bücher vorgestellt wurden.


Stefan Schmid: Vielleicht war es aber tatsächlich so, dass einige Frauen doch mehr Angst vor der Technik hatten. Doch wenn sie sich für eine Teilnahme entschieden, legte sich der Respekt bald.


Ihre Begeisterung für das Radioprojekt ist heute noch spürbar. Wie kam es dazu, dass «Radio Riesbach» am 24. März 1991 wieder vom Netz genommen wurde?


Jacques von Moos: Von Anfang an wollten wir höchstens 10 Jahre «Radio Riesbach» machen, danach sollten Junge das Projekt übernehmen, doch wir fanden sie nicht.


Liz Mennel: Zudem wurde auch die Radiolandschaft immer komplizierter. 1992 sollte das neue Radiogesetz in Kraft treten. Um weiter auf Sendung zu bleiben, hätten wir oder unsere Nachfolger ein neues Konzessionsgesuch stellen müssen.


Gab es noch andere Gründe für diese Zurückhaltung?


Stefan Schmid: Mitte der 80er-Jahren stieg auch die Belastung am Arbeitsplatz massiv an. Viele Leute hatten schlicht keine Zeit mehr, ein so aufwendiges Hobby wie ein Radio zu betreiben. Das Radio war auch ein undankbares Medium: Ich wusste nicht, wie viele Leute mir wirklich zuhörten! Manchmal gab es aber persönliche Erfolgserlebnisse: Als ich für «Radio Riesbach» an einem Flohmarkt war, kam eine ältere Frau zu mir, sagte: «Sie sind doch der Herr Schmid! Ich höre sie immer am Sonntag in der Badewanne» (lacht).


Liz Mennel: Zwei Umfragen führten wir aber durch und es zeigte sich: «Radio Riesbach» wurde gehört! An den Sonntagen konnten wir auf eine Stammhörerschaft von 2000 Leuten zählen. Eine Krux waren allerdings die Sendezeiten. Wir gingen nur drei Mal pro Woche auf Sendung.


Offenbar besass «Radio Riesbach» im Quartier einen grossen Rückhalt. Trotzdem musste stetig für das Überleben des Projekts gekämpft werden. Stand es nie zur Debatte, den Sendebetrieb zu professionalisieren und Löhne auszuzahlen, damit euer Radio gerettet werden kann?

Peter Detsch: In der Planungsphase wurde diese Idee ausgiebig diskutiert. Doch noch bevor wir das Konzessionsgesuch eingesandt hatten, entschieden wir uns für den Amateurbetrieb. Ein professioneller Betrieb machte auch finanziell keinen Sinn. Die maximal erreichbare Hörerzahl war für Werbekunden schlicht zu wenig attraktiv.

Jacques von Moos: Wir waren immer ein Amateurradio mit professionellen Sendungen! Wir, die hier heute an diesem Tisch sitzen, hatten auch nie vor «Radio Riesbach» als Sprungbrett für eine Moderationskarriere bei «Radio 24» zu benutzen.
Eine Interessengruppe vom Zürichberg wollte ein grösseres Radioprojekt verwirklichen und einen 24-Stunden- Betrieb aufbauen. Sie erhielten das Angebot, ihre Frequenz gegen Sendezeit zu tauschen. Wäre dies nicht die Rettung des «Radio Riesbach» gewesen?


Liz Mennel: Wir erfuhren von diesem Projekt aus der Zeitung und waren erst einmal geschockt: Unter den Initianten waren ehemalige Mitstreiter von uns zu finden! Der «Radio Zürichberg» war als Werbeprojekt geplant, was unserer Philosophie widersprochen hätte. Trotzdem besprachen wir das Angebot ernsthaft, aber wir kamen zum Schluss, dass ein solcher Sendebetrieb den Rahmen unserer Konzession gesprengt hätte. Mit einer Zustimmung hätten wir uns aufs Glatteis begeben!


Peter Detsch: Ganz vorsichtig wurde sogar in Bern sondiert. Die waren aber ganz und gar nicht begeistert!


Zum Schluss: Was machte die Seele des «Radio Riesbach» für Sie aus?


Liz Mennel: Sicherlich die offenen Strukturen: Jeder konnte mitmachen!


Beni Fehr: Auch begegneten sich im «Radio Riesbach» verschiedene Kulturen. Und das es schuf Freundschaften.


Stefan Schmid: Die unvergleichliche Nähe zum Quartier.



PS: Hier kommt die Sprache auch kurz auf Radio Zürichberg, das sendete Anfangs der 90er Jahre mal als Veranstaltungsradio, die wollten aber eben regulär auf Sendung gehen (bekamen dann aber auch keine Konzession); Radio Zürichberg sendete damals Jazz, und Wirtschafts- und Finanzinformationen.

Was blieb Euch in Erinnerung von Radio Riesbach?

Antworten:

Ich kann mich erinnern an Radio Riesbach, nur weil er damals gelistet war
in den prospekten von PRO Radio Television aus Wabern und damals
an der FERA.

von Rete_Svizzera - am 20.05.2012 17:59
Radio Riesbach wird nochmals sichtbar:
Vom 7. Mai (Vernissage) bis am 25. Juni stellt Radio Riesbach seine ehemaligen Sendungsmacher und einiges vom ehemaligen Sender aus und vor im GZ Riesbach; in einer Hörbox kann man Sendungen des schon vor 24 Jahren eingestellten Radios hören.
Der Hauptaussteller an dieser Ausstellung ist das LoRa Zürich; Radio Riesbach stellt aber seine Sachen in einem separaten Bereich aus.
Das Programm aus der Sicht von Radio Lora gibts hier http://www.lora.ch/ueberuns/projekte/460-radio-lora-wird-sichtbar
Da dies doch recht interessant ist, gehe ich sicher hin. Haben andere hier in der Runde auch Interesse an dieser Ausstellung?

von dxbruelhart - am 29.04.2015 18:06
Ich war damals mit meine alte mitsubishi in diese quartier gegangen
bei eine autohandler und hatte mir occasione autos angesehen,
der empfang war an der grenze zu quartier nicht gut.

Hier sind noch die technischen daten des Senders:

Radio Riesbach
Seefeldstrasse 93
8008 Zurich

coordinate est nord: 8 33 47 22
standorthohe: 417m
antennenhohe: 30m
frequenza OUC: 93.0 MHz verticale
Sendeleistung: 5W ERP
Rundstrahlung
sterefonia
Einschaltdatum: 1 aprile 1984

von Rete_Svizzera - am 30.04.2015 17:52
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