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Radioforum Schweiz
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vor 4 Jahren, 11 Monaten
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vor 4 Jahren, 9 Monaten
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früherer "Stör"sender am unteren Ende der UKW-Skala

Startbeitrag von radiotom am 19.02.2013 13:08

Liebe Hörer innen und aussen

Sicher ist das Thema schon irgendwo behandelt, aber ich weiss eben nicht, wonach zu suchen ist:

Früher (bis vor 10 oder 20 Jahren? Lang ist's her) gabs überall zumindest in halb Europa am untersten Ende der UKW-Skala einen Sender mit einem monotonen, irren Sound:
Meist zwei abwechselnde "hinkende" Halbtöne etwa im Sekundentakt, dazwischen in völlig loser Folge (alle 2 bis 30 Sekunden) eine nach unten und wieder nach oben laufende, ziemlich wirre Tonfolge.

Kann mir jemand sagen, was das war?
Und ob die Tonfolge eine Bedeutung hatte usw.?
(Nein, der UVB-76 Buzzer ist es nicht)

Antworten:

Such mal nach dem Begriff "Eurosignal".

von Habakukk - am 19.02.2013 13:14
wikipedia.org/wiki/Funkrufnetz#Eurosignal

von Stefan Heimers - am 19.02.2013 13:29
So hat sich's angehört: https://www.youtube.com/watch?v=wmNrOwFeXsA :cool:

von CBS - am 19.02.2013 16:19
Wo waren die Senderstandorte für die Abdeckung der Schweiz?

von Maxtech - am 19.02.2013 16:36
Einfach erstaunlich, sogar Gigahertz hatte sich dem Thema Eurosignal angenommen. (! nicht erschrecken )

Zitat

Geradezu apokalyptisch muten die Missbildungen in Vallershausen an, das langjährig dem hochfrequenten "Eurosignal" ausgesetzt war. Dort kam es zur Geburt von zwei Kindern mit drei Daumen und verkrüppelten Nieren sowie eines Kalbes mit zwei Köpfen und fünf Beinen!


von drahtlos - am 19.02.2013 19:17
Wow, da werden Erinnerungen an die Kindheit wach...

von MagicMax - am 19.02.2013 22:26
dxbruelhart hatte mal diese Liste hier im Forum veröffentlicht:

In der Schweiz waren folgende Sender in Betrieb:

87,407
St. Chrischona
Geissholz
Davos-Jakobshorn
Ruschein

87,411
La Dôle
Gebidem
Hospental
Piz Scalottas
Celerina

87,415
Chasseral
Bella-Lui
Tarasp
Monte Tamaro

87,419
Säntis
Pizzo Matro

Das waren wirklich alle schweizer Eurosignal-Sender. Also auch hier relativ wenige Senderstandorte, nur in der Bergtälern vermehrt Sender. Für das Mittelland nur Säntis, Chasseral, La Dôle und St. Chrischona

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von drahtlos - am 20.02.2013 01:35
Das ist ja der Wahn, nur 4kHz auseinander. Deshalb diese galaktischen Interferenzsounds bei Empfang mit normalen UKW-Radios.
Vielen Dank für eure Antworten.

von radiotom - am 21.02.2013 22:03
Das Eurosignal war (auch) in AM moduliert, daher tönte dies auch speziell in den FM-modulierten UKW-Radioempfängern; IMHO war es aber auch so, dass das Eurosignal in gewissen Ländern in AM, in anderen in FM ausgestrahlt wurde. In der Schweiz war es IMHO AM, in Deutschland FM.

von dxbruelhart - am 22.02.2013 05:28
Die 4-kHz-Abstände dienen vermutlich nur der Reduktion der durch die SFN-Struktur des Netzes (ähnlich wie das bei Flugfunk im Offset-Carrier-Betrieb gemacht wird) bedingten Interferenzen.

Eurosignal wurde anfangs in AM, später wegen der AM-bedingten Störanfälligkeit in FM, ausgestrahlt.
Alle genannten Frequenzen entsprechen Kanal D 87,415 MHz - dem einzigen in CH für Eurosignal genutzten Kanal.

Siehe hierzu auch Wikipedia.de

von DH0GHU - am 22.02.2013 10:22
Zitat
drahtlos
dxbruelhart hatte mal diese Liste hier im Forum veröffentlicht:

In der Schweiz waren folgende Sender in Betrieb:
Das waren wirklich alle schweizer Eurosignal-Sender. Also auch hier relativ wenige Senderstandorte, nur in der Bergtälern vermehrt Sender. Für das Mittelland nur Säntis, Chasseral, La Dôle und St. Chrischona

Gibt es so eine Liste eigenltich auch für Deutschland?

von Martyn136 - am 22.02.2013 21:07
http://radioforum.foren.mysnip.de/read.php?8773,164803,page=3

Schleswig-Holstein (B):
Westerland 8E18/54N55 87.3575 0,1 kW ND
Flensburg (Freienwill) 9E30/54N44 87.3650 2,0 kW ND
Burg 11E12/54N30 87.3575 8,0 kW D 220°

Niedersachsen (B):
Hambergen 8E52/53N19 87.3690 2,0 kW D 240°
Leer 7E26/53N16 4,0 kW D 000°
Lingen 7E20/52N29 2,4 kW D 000°
Osnabrück (Bad Iburg) 8E02/52N11 87.3610 0,2 kW ND
Barsinghausen 9E25/52N17 87.3650 15,85kW ND

Berlin (B):
Berlin (Schäferberg) 13E08/52N25 87.3690 0,87kW ND

Nordrhein-Westfalen (A):
Wesel-Büderich 6E35/51N39 87.3400 0,32kW D 300°
Hagen 7E28/51N21 87.3440 0,2 kW D 310°
Bödefeld 8E23/51N12 87.3400 2,0 kW ND
Siegen 8E02/50N51 87.3325 0,1 kW ND
Burscheid 7E06/51N07 87.3360 15,85kW D 245°

Hessen (A):
Zierenberg 9E21/51N19 87.3360 2,0 kW D 180°
Königstein (Gr.Feldberg) 8E28/50N14 87.3440 8,0 kW ND

Rheinland-Pfalz (A):
Prüm 6E22/50N15 87.3400 2,0 kW D 082°
Trier 6E40/49N49 87.3440 0,01kW ND
Koblenz 7E34/50N19 87.3440 0,01kW D 340°
Kell (Teufelskopf) 6E50/49N36 87.3360 31,6 kW D 160°
Idar-Oberstein 7E20/49N41 87.3325 0,3 kW ND

Baden-Württemberg (B):
Bühl 8E12/48N37 87.3650 0,2 kW ND
Waldenbuch 9E09/48N37 87.3610 2,0 kW D 000°
Oberrotweil 7E40/48N05 87.3610 0,2 kW D 180°
Gosheim 8E48/48N10 87.3690 2,0 kW D 120°
Donaueschingen 8E35/47N53 87.3575 0,3 kW ND

Bayern (B):
Wiggensbach 10E13/47N44 87.3650 2,0 kW D 035°
Augsburg (Hotelturm) 10E53/48N22 87.3575 0,2 kW ND
Wittelshofen 10E32/49N04 87.3690 2,0 kW ND
Nürnberg 11E02/49N26 87.3575 0,3 kW ND
Bischofsheim/Rhön 10E01/50N28 87.3400 2,0 kW D 180°
Bayreuth (Betzenstein) 11E25/49N38 87.3610 32,36kW ND
Garmisch (Wank) 11E09/47N31 87.3690 0,01kW ND
München (Olympiaturm) 11E33/48N11 87.3690 0,12kW D 170°
Schnaitsee 12E22/48N05 87.3610 15,85kW ND

von Japhi - am 22.02.2013 21:18
In Deutschland gab es auch Sender, die das Eurosignal in AM gesendet haben, Wiggensbach auf jeden Fall. Im Allgäu konnte ich noch in den 80ern sehr schwer auf 88.1 den Lokalfunk in Kempten empfangen, weil das Eurosignal so weit nach oben durchschlug. Und aus der Rhön anno 1989 ist er mir auch so in Erinnerung, auch der Empfang des Senders Sackpfeife 87.6 war sehr problematisch. Dagegen sendete bei uns Waldenbuch brav in FM, das konnte man je nach verwendetem Empfänger noch auf 87.5 gut hören, auf 87.6 aber bereits nicht mehr. Dass dieses Signal aus Waldenbuch kam, was mir schon damals klar, bevor ich eine Liste dazu sah. Auch der Standort Wiggensbach/Blender war mir klar, weitere kannte ich damals nicht. Es gab Tage, da klang das Eurosignal leicht verzerrt oder angesäuselt, da müssen dann wohl Überreichweiten schuld gewesen sein.

von Peter Schwarz - am 22.02.2013 23:03
Auch auf NDR 2 Hamburg 87,6 störte das Eurosignal bei vielen Empfängern herein.

Und ganz schlimm war es, als Hochrhein Radio Antenne 3 die 87,6 (Rheinfelden/Rührberg) in Betrieb nahm. Die war wegen des lauten Eurosignals in St. Chrischona auf 87,407 kaum hörbar. Deshalb wurde anfangs in Rheinfelden (Baden) zunächst über die für Laufenburg AG koordinierte 102,4 gesendet.

Damals hat man den gleichen Fehler an der Bandgrenze begangen wie 2011 beim Start des DAB-Bundesmuxes in NRW (5A Polizeifunk).

von Manager. - am 23.02.2013 07:40
Oft war in der Nähe zu einen Eurosignalsender auf dem Gesamten UKW Band fast gar kein Empfang mehr möglich.
Überall war dieses Gedüdel zu hören gewesen.

Hier In Leer Ostfriesland war das auch ziemlich extrem.
Zitat
Leer 7E26/53N16 4,0 kW D 000°


Hier hatten die Feuerwehr und auch die Polizei teilweise Probleme mit dem Eurosignal.
Oft war das Lautstark aus den Funkgeräten zu hören, laut aussagen.

von _Yoshi_ - am 23.02.2013 10:23
Am 1. Dezember 1978 wurde am Hohen Bogen (Ostbayern) der erste Funkrufsender von Rohde & Schwarz in Betrieb genommen. Abgestrahlt wurde das Eurosignal auf der 87,365 MHz amplitudenmoduliert mit 2 kW ERP.
Aus Erzählungen weiß ich, daß sich einmal ein Siebenschläfer in den Sender einnistete und so für ein Durchbrennen des Trafos sorgte.
Der Sendebetrieb dieses Eurosignal-Senders hatte beim BR-Grundnetzsender Störungen verursacht, trotz der von der Bundespost zur Verfügung gestellten Sperrfilter.

Hier drei Bilder vom Sendemast mit den vier vertikal-montieren UKW-Antennenfeldern, über die das Eurosignal gesendet wurde.
Über diese vier VHF-Strahler wurde das Eurosignal gesendet.

Oktober 1978:


Januar 1981:





Am 14. Februar 1985 wurde es hier (am BR-Grundnetzsender) wieder abgeschaltet.

Später kam es dann frequenzmoduliert vom Poststandort in Cham-Janahof (Fernmeldedienstgebäude, Vermittlungsstelle und Kabelkopfmast).

von Daniel28-55-59 - am 24.02.2013 18:29
Wie immer tolle Bilder, Daniel! :spos:

Das Eurosignal kenne ich natürlich auch noch aus meiner Jugend. Die Signale vom Säntis und aus Donaueschingen (die o.g. Koordinaten entsprechen dem Fernsehturm beim Dörfchen Schächer --> heutiger DVB-T-Standort) waren im ganzen Bodenseeraum sehr gut hörbar. Zum Glück war am unteren Ende des UKW-Bands damals "nichts wichtiges". Die 87.7 am Wannenberg (SWR4) ging meines Wissens erst nach dem Ende der Eurosignal-Ära in Betrieb. Ebenso die 87.6 in Lindau.

von Rolf, der Frequenzenfänger - am 24.02.2013 18:54
Zitat

Niedersachsen (B):
Hambergen 8E52/53N19 87.3690 2,0 kW D 240°
Leer 7E26/53N16 4,0 kW D 000°
Lingen 7E20/52N29 2,4 kW D 000°
Osnabrück (Bad Iburg) 8E02/52N11 87.3610 0,2 kW ND
Barsinghausen 9E25/52N17 87.3650 15,85kW ND


In der Liste vermisse ich den Torfhaus noch. Dort war die Frequenz 87.3575 in FM und es waren 1 oder 2 kW Senderoutput. Bei einem Besuch in den frühen 2000ern (ohje, ich weiss gar nicht mehr wann das genau war) stand die Kiste noch dort, sogar noch mit Reservegestell. Ist dann aber irgendwann alles auf den Müll gegangen.

von Olli / Widen - am 26.02.2013 22:49
Ein frage gibt es noch von mir: Waren die eingesetzte Antennen die normale Kathrein UKW Antennen oder waren dieses noch speziell gemacht für das Eurosignal das ja etwas ausserhalb vom UKW Band lag?

von Jassy - am 27.02.2013 14:52
Aus Erzählungen: Ganz normale UKW-Strahler, die einfach vertikal montiert und darüber dann das Eurosignal ausgestrahlt wurde.

von Daniel28-55-59 - am 27.02.2013 20:14
Danke für die Bilder, die sind auf jeden Fall sehr intressant. Hab ja garnicht gewusst das der Hohe Bogen auch beim diesem Eurosignal dabei war.

von Martyn136 - am 27.02.2013 21:31
Bei mir wars dann damals wohl Donaueschingen, der France Culture in meinem Grundig so ankratzte.

von DX-Matze - am 11.03.2013 15:05
Hmm, hier in Netstal konnte ich zu Eurosignal-Zeiten problemlos das relativ schwache Signal von OE1 Bludenz-Dünserberg auf 87,6 auf meinem Grundig störungsfrei hören; die Eurosignal-Sender Säntis und Donaueschingen-Schächer kamen wohl hier auch sehr stark an, aber dank einer guten Trennschärfe der Empfänger (hier Grundig Satellit 3000) gelang das auch damals schon gut.

von dxbruelhart - am 11.03.2013 16:45
Gab es das Eurosignal auch in Österreich ?
Wie sah das generell in den Nachbarländer aus ?

von _Yoshi_ - am 11.03.2013 17:08
Zitat
_Yoshi_
Gab es das Eurosignal auch in Österreich ?
Wie sah das generell in den Nachbarländer aus ?


Eurosignal gab es nur in Deutschland, Frankreich und in der Schweiz, also in keinen weiteren Ländern.

von dxbruelhart - am 11.03.2013 17:15
Hier in der Marburger Gegend konnte ich damals regelmäßig einen Sender aus Holland empfangen.
Die Frequenz lag etwas niedriger als oben erwähnt und das melodiöse Gepipse
unterschied sich deutlich von dem der deutschen Eurosignalsender.
Wer kann etwas zu diesem Sender sagen?

Nachtrag: Trotz der nahen Sachpfeife auf 87,6!

von R.Oberlahn - am 31.03.2013 16:54
Stimmt da war hin und wieder noch ein weiteres Signal zu hören.
Da waren auch verschiedene Tone zu hören und der Träger wurde dabei unterschiedlich stark getastet.

Das es aus NL kommt wusste ich bisher nicht.
Aber was für ein Funkdienst hatte man in NL am unteren Rad des Rundfunkbereiches ?

von _Yoshi_ - am 31.03.2013 18:11
Zitat
_Yoshi_
.....
Aber was für ein Funkdienst hatte man in NL am unteren Rad des Rundfunkbereiches ?


Das war ein Pager System namens "Semafoon" die Frequenzen zwischen 87,100 und 87,200 Mhz. belegte. Senderstandorte waren: Lopek, Smilde und sehr wahrscheinlich auch Roermond.

von dxbern - am 01.04.2013 20:57
Laut der niederländischen wikipedia waren es Lopik, Smilde und zwei weitere belgische Standorte.

von Japhi - am 03.04.2013 21:10
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