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Radioforum Schweiz
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8
Erster Beitrag:
vor 2 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 1 Monat
Beteiligte Autoren:
Chris_BLN, 2-0-8, ulionken, MagicMax, wolfgangF

Antennenmast Axalp / Berner Oberland

Startbeitrag von Chris_BLN am 02.01.2016 15:06

Hallo in die Runde,

beim Wandern auf die Axalp ist mir vor wenigen Tagen ein kleiner Antennenmast aufgefallen. Blickrichtung dieser Antennen: schräg über den Brienzer See ca. Richtung Interlaken. Der See liegt im Foto versteckt im Tal vor den hohen Bergen (Brienzer Rothorn und Umgebung)

Hat jemand eine Ahnung, wofür das ist? Es gibt allerdings auf der Axalp offenbar ein Fernsehkabelnetz, einen entsprechenden grauen Kasten sah ich vor 3 Jahren da mal an einer Strasse. Ich hatte so etwas bei so einer kleinen Siedlung nicht erwartet, in Deutschland hätte da jeder seine eigene Staellitenantenne.

Kann das dafür eine Zuführung sein?

[attachment 6648 mast_axalp_1.jpg]

[attachment 6649 mast_axalp_2.jpg]

[attachment 6650 mast_axalp_3.jpg]

Antworten:

Das sieht für mich wie eine Kabelkopfstation aus. Oben zwei UHF-Antennen, unten links eine UKW-Antenne, rechts eine VHF-Antenne.

von wolfgangF - am 02.01.2016 18:14
Die Axalp verfügt in der Tat über ein Kabelnetz.
Anbieter ist Kabelfernsehen Bödeli AG www.kabelfernsehen.ch
Doch ob diese Antenne noch gebraucht wird? Vielleicht war dieses Gebiet vorher eine "isolierte Zelle", bevor man dorthin eine Glasfaserleitung gelegt hat.
Siehe Artikel aus der Jungfrauzeitung

Übrigens: Das etwas darunter am See gelegene Iseltwalt wurde 2010 ebenfalls mit Kabelfernsehen erschlossen. Hierzu wurde ein Kabel durch den See gelegt:
Moderne Konkurrenz für die Fernsehschüsseln
Die digitale Welt kommt durch den See

von MagicMax - am 02.01.2016 20:33
Es hat früher in der Schweiz viele gemeindeeigene Kabelnetze gegeben. Sie wurden unterdessen wohl alle von Cablecom & Co übernommen, aber die Masten sieht man hier und dort noch. In der Nähe von Basel wurde der Mast der GGA Nenzlingen als Träger für die Sendeantenne von Radio X (Uf Egg, 88.30 MHz) wiederverwendet.

Die Antennen auf der Axalp dürften aufs Niederhorn zeigen, das früher die TV-Versorgung bis hinauf zum Sustenpass übernommen hat. Heute gibt's von dort kein Fernsehen mehr, aber Antennen für UKW und DAB. Ich habe die Niederhorn-Bilder am Montag bei einer Wanderung aufgenommen. Der Südhang war übrigens schneefrei, am Ostgrat gab's im Abstieg ein paar vereiste Stellen. Inzwischen dürfte dort wieder Neuschnee sein.

Mast Niederhorn aus Süden
[attachment 6654 2015-12-28Niederhorn.JPG]

UKW-Antennen Niederhorn
[attachment 6655 2015-12-28Niederhorn-UKW.JPG]

DAB-Antennen Niederhorn
[attachment 6656 2015-12-28Niederhorn-DAB.JPG]
73 de Uli

von ulionken - am 02.01.2016 21:23
Herzlichen Dank für die Informationen! Ein Glasfaserkabel durch den Brienzersee... der ist teils über 200 Meter tief. Völlig irre, aber es rechnet sich aufgrund der Geographie offenbar. Die Tatsache, dass so viele kleine Gemeinden in der Schweiz verkabelt sind, ist für mich weiterhin nicht verständlich - so lange man ausser acht lässt, dass ein Hauptzweck die Versorgung mit Internet sein dürfte. Für TV alleine würde in Deutschland niemand einen Kabelanschluss mieten, wenn er eine Satellitenantenne verwenden könnte. Seitdem das alte TV-Kabel Internet besser kann als die Kupferleitung, sieht das natürlich anders aus.

von Chris_BLN - am 03.01.2016 00:21
Zitat
Chris_BLN
Herzlichen Dank für die Informationen! Ein Glasfaserkabel durch den Brienzersee... der ist teils über 200 Meter tief. Völlig irre, aber es rechnet sich aufgrund der Geographie offenbar. Die Tatsache, dass so viele kleine Gemeinden in der Schweiz verkabelt sind, ist für mich weiterhin nicht verständlich - so lange man ausser acht lässt, dass ein Hauptzweck die Versorgung mit Internet sein dürfte. Für TV alleine würde in Deutschland niemand einen Kabelanschluss mieten, wenn er eine Satellitenantenne verwenden könnte. Seitdem das alte TV-Kabel Internet besser kann als die Kupferleitung, sieht das natürlich anders aus.


Als die Kabelnetze aufgebaut wurden, war der Hauptzweck die Verbreitung von TV- und Radioprogrammen. Telefon kam von der Schweizer Post und Satellitenempfang war was für Enthusiasten. Bei ein bis zwei empfangbaren Fernsehsendern ist es kein Wunder, dass sich die Leute zusammengeschlossen haben, um die Situation zu verbessern (hier im Tal kamen 2006, als ich hergezogen bin, 2 TV und 4 UKW-Programme seh- und hörtauglich an.)

Das ist übrigens ein eklatanter Unterschied zu der Situation in Deutschland, wo die Leute drauf warten, dass eine Firma das Gewünschte installiert und man die Dienste fast für lau nutzen will. Hier schliessen sich die Leute zusammen, legen ihr Geld zusammen und leisten selbst Dienste, wenn sie etwas haben wollen. Jedenfalls, solange sie nicht in grossen Städten wohnen denn dort ist die Situation wie in DE.
Allerdings bezweifle ich, dass man heutzutage noch so ein Kabelnetz hinbekommen würde.

von 2-0-8 - am 03.01.2016 10:32
Zitat
2-0-8
Als die Kabelnetze aufgebaut wurden, war der Hauptzweck die Verbreitung von TV- und Radioprogrammen. Telefon kam von der Schweizer Post und Satellitenempfang war was für Enthusiasten. Bei ein bis zwei empfangbaren Fernsehsendern ist es kein Wunder, dass sich die Leute zusammengeschlossen haben, um die Situation zu verbessern (hier im Tal kamen 2006, als ich hergezogen bin, 2 TV und 4 UKW-Programme seh- und hörtauglich an.)


Das ist in weiten Teilen Deutschlands nicht viel anders oder zumindest bis Anfang der 90er Jahre nicht anders gewesen. Natürlich ist die Situation damals nicht mit der heutigen zu vergleichen. Heute gibt sich niemand mit 2 TV-Programmen zufrieden.

Zitat
2-0-8
Das ist übrigens ein eklatanter Unterschied zu der Situation in Deutschland, wo die Leute drauf warten, dass eine Firma das Gewünschte installiert und man die Dienste fast für lau nutzen will. Hier schliessen sich die Leute zusammen, legen ihr Geld zusammen und leisten selbst Dienste, wenn sie etwas haben wollen. Jedenfalls, solange sie nicht in grossen Städten wohnen denn dort ist die Situation wie in DE.


In Ostdeutschland (DDR) war es genau so: man bekam DDR 1 im TV oft brauchbar, DDR 2 aber wegen des schlechter ausgebauten Sendernetzes (die DDR kam mit solchen Investitionen nicht schnell genug hinterher) oft nicht oder nur verrauscht. Dazu kam vor allem der Wunsch nach "Westfernsehen", das in weiten Teilen der DDR mit "endlichem Aufwand" irgendwie zu empfangen war.

Ab ungefähr Anfang der 1980er Jahre hat die DDR nicht mehr allzu streng darauf geachtet, dass Westempfang unterblieb. Man dachte sich vermutlich "besser sie schauen Westfernsehen und bleiben in der DDR als sie verlassen das Land". Und so konnten dann auch Gemeinschaftanlagen genehmigt und errichtet werden. Da hat die Bevölkerung auch selbst Kabelgräben im Wald ausgehoben und mit dem Kran des "volkseigenen Betriebes", in dem man arbeitete, den irgendwo beschafften Antennenmast aufgestellt.

Diese Anlagen gab es massenhaft in Thüringen, Sachsen und anderswo. Teils gab es in grösseren Städten mehrere solche Anlagen, die durchaus in den Kritierien Bildqualität und Programmanzahl konkurrierten (obwohl natürlich in einem Haus normalerweise nur jeweils einer der Anbieter verfügbar war).

Nach der Wiedervereinigung starben die Anlagen meist ab, weil Sat-Direktempfang aller Fernsehprogramme (auch ein Unterschied zur Schweiz) recht schnell möglich wurde und UKW-Kabelradio die meisten Menschen nicht interessierte. Eine recht grosse Anlage in der thüringer Universitätsstadt Jena wurde von einem der grossen Anbieter (TeleColumbus) übernommen und leidet heute noch unter Investitionsstau.

Eine weitere recht grosse Anlage steht in Gera in Ostthüringen. Dort bekam man 1983 sechs (!!!) TV-Programme: DDR 1, DDR 2, ARD , ZDF, BR, NDR. In der DDR! Das war mehr Programmangebot also in weiten Teilen Westdeutschlands. Die Anlage ist noch heute in Betrieb (ca. 1200 Haushalte hängen noch dran), voll ausgebaut mit DVB-C (ca. 50 Pakete, viel internationales, einfach 1:1 ungefiltert von Astra und Hotbird übernommen) und UKW (43 Programme, davon 13 terrestrisch geholt und 30 von DVB-S umgesetzt). Die Monatsgebühr betrug bis Ende Dezember 10 EUR und das ganze war nicht kostendeckend. Es ist eher das "Kind" des damaligen (1983) Errichters, das er am Leben erhält, weil sein Herz dran hängt. Er hofft, mit Internet/Telefon mehr Einnahmen zu erzielen. Die Preise dafür sind an "deutschen Verhältnissen" gemessen beinahe doppelt so hoch wie bei den Grossanbietern, er hat halt massiv Investitionen gehabt (alle Verstärker gegen rückkanaltaugliche ersetzen, alle Verteilbauelemente gegen Class A ersetzen, ...). Andere Netzbetreiber haben dort gar nicht investiert und bieten kein Internet an. Er ist der einzige mit schnellem Internet in diesem Stadtteil.

Hier der Mast auf der Anhöhe etwa 80-100 Meter über dem Stadtteil:



Die beiden grossen UKW-Antennen habe ich Mitte Dezember neu ausrichten lassen - weg von den "Westsendern", die 1983 interessant waren hin zu den stark empfangbaren Regionalsendern. Die überregionalen Programme holt man heute ja viel besser von DVB-S und setzt sie auf UKW um.

Das UKW-Angebot ist technisch nahezu perfekt (rauschfrei) und bietet grosse Auswahl. Im TV ist alles deutsche dabei, was in HD geht, kommt auch in HD. Dazu eine Menge Auslandsprogramme - bis zum Umzug der BBC auf den Spotbeam war sogar BBC in HD drin. Dennoch kündigen vor allem Eigenheimbesitzer und installieren lieber eine eigene Satantenne. In Deutschland ist das halt völlig normal und wer kann, tut es, um die Kabelgebühr zu sparen. In Mietwohnungen funkioniert das aber oft natürlich nicht.

Andere DDR-Gemeinschaftanlagen haben ihre abenteuerliche Geschichte (schon die Beschaffung von Mast, Antennen und Kabel war eine Herausforderungen) aufgeschrieben. Durchaus lesenswert:

http://www.gag-burgstaedt.de/history.htm

http://www.antenne-steinborn.de/files/antenne-steinborn/templates/Chronik%20Antennengemeinschaft.pdf


Oder diese kleine und dennoch radikale Anlage auf einem Hausdach in Leipzig:



Man empfing damit von Westberlin und aus Bayern sowie Niedersachsen und Hessen. Diese Anlage fiel vor einem Jahr bei der Sanierung des Hauses. Mehr dazu ab hier im Thread: http://radioforum.foren.mysnip.de/read.php?8773,189568,1055949#msg-1055949

von Chris_BLN - am 03.01.2016 20:35
Mir sind die Antennengemeinschaften sehr wohl bekannt, komme ich doch aus der Mitteldeutschen Tiefebene. Mir sind auch noch andere Gemeinschaftsprojekte aus der DDR bekannt, aber ich betrachte das als den Umständen geschuldete Ausnahmen: In einem Staat, der bestimmte Dinge aus ideologischen Gründen nicht will und dessen Wirtschaft viele Dinge nicht bereitstellen kann, muß man selbst 'ran. Diese Zeiten sind aber lange vorbei.
In unserem Gemeindeverband wurde auch einmal eine Anlage durchgerechnet. Wegen realtiv wenigen Anschlüssen, meist in Einfamilienhäusern, die zudem über vier Ortsteile verstreut liegen, war der Preis pro Anschluss für viele zu hoch. Zudem war die ARD sowieso unser täglicher Gast und im Radio lief problemlos NDR und BR. Zu wenig Druck, um sich eine Gemeinschaftsanlage anzutun.

Es ist alles auch kein Vergleich zu dem, was ich hier sehe; was alles privat vorfinanziert und aufgebaut wurde. Insofern wundert mich die Anlage auf der Axalp überhaupt nicht.

von 2-0-8 - am 04.01.2016 19:59
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