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JMB, dxbruelhart

Peter Wanner fordert 100 Millionen Gebührengelder und will nationalen TV-Sender starten

Startbeitrag von dxbruelhart am 11.09.2016 20:37

Neuer Plan für nationalen Fernsehsender

Der Aargauer Verleger Peter Wanner fordert 100 Millionen aus dem Gebührentopf, damit er die SRG konkurrenzieren kann
Ihm gehört schon Tele Züri. Nun will der Präsident der AZ Medien einen TV-Sender für die ganze Deutschschweiz.

Mehrere sogenannte sprachregionale Sender sind in der Deutschschweiz gescheitert. Roger Schawinski versuchte es mit Tele 24, das Medienunternehmen Tamedia mit TV 3. Beide erzielten im Werbemarkt nicht genug Einnahmen; sie erhielten auch keine Gebühren. Die Fernsehsender der SRG unterliegen keinen Werbebeschränkungen – ihre Konkurrenten haben es darum sehr schwer.

Weniger Geld für Tessiner

Wanner will nun das Gebührensplitting stark ausweiten. Regionale Fernsehstationen erhalten bereits einen Anteil aus dem Gebührentopf. Dieser Betrag wird erhöht; ab 2017 bekommen Tele M1 und Tele Bärn, beide im Besitz des Aargauer Verlegers, rund 3 Millionen pro Jahr. Kein Geld erhält hingegen Wanners Tele Züri, weil der Bund in der Region Zürich-Nordost dem Sender Tele Top den Vorzug gegeben hat.

Wanners Plan sieht nun vor, aus Tele Züri einen Sender für die ganze Deutschschweiz zu machen. Vielleicht integriert würde TV24. Der kleine Kanal, der ihm ebenfalls gehört, zeigt Filme und Serien und hat Sportrechte erworben, zum Beispiel für Qualifikationsspiele der Fussball-WM ohne Schweizer Beteiligung.

In der Kommission des Nationalrats regte Wanner an, die SRG solle in der Unterhaltung sparen, bei ihren Radios – und in der italienischen Schweiz. Gemäss dem Verteilschlüssel der SRG sind für das Tessin und die italienischsprachigen Bündner Täler, wo 4,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung leben, 21,8 Prozent der Mittel vorgesehen. Das öffentliche Radio und Fernsehen verfügt im Südkanton über ein Budget von 250 Millionen – Wanner findet den Betrag «unglaublich hoch».

Wie reagieren Politiker auf den Vorschlag? SVP-Nationalrat Gregor Rutz sagt, mehr Konkurrenz in der Medienbranche wäre gut – sie sollte aber nicht mit staatlichen Subventionen erreicht werden. «Mehr Wettbewerb gibt es, wenn die SRG dazu gezwungen wird, sich auf das zu beschränken, was für den Service public absolut nötig ist», meint Rutz.

Auch FDP-Nationalrat Thierry Burkart spricht vom «falschen Ansatz». Damit private Medienunternehmen sich besser entfalten könnten, müsse man eine Einschränkung der Fernsehwerbung bei der SRG prüfen. CVP-Nationalrat Martin Candinas hält nichts von Wanners Vorschlag. Es brauche eine starke SRG und regionale private Veranstalter; diese Aufgabenteilung habe sich bewährt. Nationalrätin Edith Graf-Litscher (sp.) und Ständerat Filippo Lombardi (cvp.) kritisieren, dass Wanner dem Tessin SRG-Geld entziehen will. «Den Ausgleich zwischen den Sprachregionen sollte man nicht infrage stellen», erklärt Lombardi, der mit Tele Ticino einen privaten Fernsehsender betreibt.

Guter Kontakt zu Leuthard

Wanner verteidigt sich: Es brauche in der Schweiz mehr Wettbewerb und mehr Vielfalt im Medienbereich. Das lasse sich auf drei Arten erreichen: mit Werbeeinschränkungen für die SRG-Sender. Oder mit einer Gebührenreduktion, welche die SRG dazu zwänge, ein weniger ausuferndes Programm zu machen. «Die dritte Variante besteht darin, die Gebühren anders zu verteilen», sagt Wanner. Der Bund könnte Leistungsaufträge erteilen und dafür Geld sprechen – beispielsweise an die NZZ für Wirtschaftssendungen, an Tele Züri für Nachrichten und Talk oder an einen Sender, der ein Jugendprogramm zeige.

Mit einer Mittelzuteilung von 100 Millionen liesse sich allerdings ein Vollprogramm machen, und einige Mitglieder der zuständigen Ratskommissionen haben keine Zweifel, dass Wanner dies am liebsten wäre. Seine Beziehung zu Medienministerin Leuthard gilt als so gut, dass er in der anstehenden Revision des Radio- und Fernsehgesetzes vielleicht etwas herausholen kann.


Mehr dazu: https://epaper.nzz.ch/#article/8/NZZ%2520am%2520Sonntag/2016-09-11/8/52329071

Antworten:

Kein nationaler TV-Sender: Peter Wanner dementiert alles

Ärger im Aargau: Peter Wanner, Verleger der AZ Medien, dementiert «einen Plan für ein sprachregionales TV-Projekt», wie er nach dem Aufmacher in der «NZZ am Sonntag» in einer Stellungnahme bekannt gab.

Unter dem Titel «Neuer Plan für nationalen Fernsehsender» heisst es im Lead: «Der Aargauer Verleger Peter Wanner fordert 100 Millionen aus dem Gebührentopf, damit er die SRG konkurrenzieren kann.»

«Die Geschichte sei in manchen Teilen frei erfunden», heisst es in der indirekt formulierten Stellungnahme. «Er hätte vor Erscheinen des Artikels zweimal telefonisch und zweimal per Mail Kontakt gehabt mit dem 'NZZ-am-Sonntag'-Journalisten.» O-Ton in der Mitteilung: «Doch dieser habe wider besseres Wissen an seiner Version festgehalten.»

Gemäss der «NZZ am Sonntag» hat sich Wanner in der Anhörung der Fernmeldekommissionen von Ständerat und Nationalrat für eine Umverteilung der Gebührengelder eingebracht. «Mit 100 Millionen kann man tolles Fernsehen machen», fasst die Zeitung Wanners Aussagen zusammen.

Wer den Klein Report liest, weiss, dass in der siebenstündigen nationalrätlichen Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen am 29. August viel über den Service public in der Medienlandschaft geredet worden ist.

Wanner sieht sich auch genötigt, zu dementieren, dass es Pläne für einen nationalen TV-Sender oder die Integration von Tele Züri in TV 24 gebe.

Der Klein Report hat mit den beteiligten Protagonisten am Montagmorgen Kontakt aufgenommen. Der Autor der Geschichte, Francesco Benini, wollte sich nicht offiziell zu den Vorwürfen Wanners äussern, und seine Arbeitgeberin, die «NZZ am Sonntag», hat in ihrer Stellungnahme am Montagnachmittag gegenüber dem Klein Report an der Darstellung festgehalten.


Wanners TV-Pläne: Die «NZZ am Sonntag» bleibt bei ihrer Version

Hat der Aargauer Verleger Peter Wanner (AZ Medien) tatsächlich Pläne für ein nationales TV, wie die «NZZ am Sonntag» geschrieben hat? Der Klein Report hat die beteiligten Protagonisten um eine Stellungnahme gebeten.

Am Montagnachmittag äusserte sich die «NZZ am Sonntag» auf Anfrage des Klein Reports wie folgt: «Die 'NZZ am Sonntag' hält an ihrer Darstellung fest. Die von Wanner in den Fernmeldekommissionen von National- und Ständerat erhobene Forderung ist unbestritten. Die im Text enthaltenen Zitate Wanners sind von ihm autorisiert worden.» Weiter schreibt Myriam Käser, Leiterin Unternehmenskommunikation der NZZ Mediengruppe:
«Über den Grad der Konkretisierung von Wanners Projekt hat die 'NZZ am Sonntag' keine Aussage gemacht.»

Auch Peter Wanner reagierte auf die Anfrage des Klein Reports:
«Ordnungspolitisch ist mit dem Dementi alles gesagt. Mit TV24 und
TV25 betreiben wir bereits zwei nationale Sender», lässt sich Peter Wanner durch Monica Stephani, Leiterin Unternehmenskommunikaton bei den AZ Medien, zitieren.

Und wer hat nun Recht? Die «NZZ am Sonntag» oder Peter Wanner?
Eins ist klar, das letzte Wort ist bei dieser Geschichte noch nicht gefallen.

von JMB - am 13.09.2016 06:01
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