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Radioforum Schweiz
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Erster Beitrag:
vor 2 Monaten, 3 Wochen
Letzter Beitrag:
vor 2 Monaten, 2 Wochen
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Wrzlbrnft, Tatzelwurm, drahtlos, tommy_radiofan, RadioZombieCH, Jassy, dxbruelhart

SwissMediaCast wird neu von Energy/Ringier dominiert

Startbeitrag von dxbruelhart am 02.06.2017 05:31

Am Mittwoch 31.5. ging die Generalversammlung der Swissmediacast über die Bühne; da wurde Dani Büchi zum neuen Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsidenten gewählt - ab 2018 steht er also der SMC vor, in diesem Jahr bleibt noch Rolf Schurter Geschäftsführer und der Sitz wird zum Jahreswechsel 17/18 von Wangen zu Ringier in Zürich wechseln.
Die absehbare Konzentration der SMC bei Ringier/Energy ab 2018 sorgt bei manchen Privatradiobetreibern für Unruhe:

Persönlich.com schreibt:
Es herrscht dicke Luft im Radioäther
Im Vorfeld der Generalversammlung von SwissMediaCast, dem Betreiber eines DAB+-Netzes, wird Kritik laut. So soll der Firmensitz zu Ringier verlegt und Radio-Energy-Chef Dani Büchi zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt werden. Einige Branchenexponenten befürchten eine Machtkonzentration.

Weiteres: http://www.persoenlich.com/medien/es-herrscht-dicke-luft-im-radioather

Roger Schawsinski stört sich massiv an dieser Machtverschiebung:
Nur Doris Leuthard kann das verhindern
Diesmal soll es offenbar ganz, ganz anders laufen. Denn noch immer sitzt dem Bakom das Debakel bei der letztmaligen Vergabe der Radiokonzessionen in den Knochen. Nach einem äusserst aufwändigen und undurchsichtigen Verfahren führte dies vor zehn Jahren zu langwieriger Unsicherheit aufgrund von mehreren Gerichtsverfahren. Dies will man diesmal verhindern – und ist deshalb auf bestem Weg, gleich das totale Desaster zu produzieren.

Weiterlesen: http://www.persoenlich.com/blog/nur-doris-leuthard-kann-das-verhindern

Stefan Grünig hat sich auch ausführlich mit diesen Vorgängen befasst http://www.dab-swiss.ch/html/news.html :
Viele offene Fragen vor der Generalversammlung von SwissMediaCast

Eine Situationsanalyse von Stefan Grünig.

Gemäss Informationen des Branchenportals persoenlich.com, stehen beim Netzbetreiber SwissMediaCast (SMC) grössere Änderungen bevor. Nicht nur, dass Ende Jahr die Geschäftsführung wechselt und Rolf Schurter damit seine Arbeit abgibt; auch die diversen Neubesetzungen im Verwaltungsrat, geben zu reden. Fünf von sieben Verwaltungsräten aus der Branche werfen das Handtuch, weil sie offensichtlich teilweise mit der Weiterentwicklung von SMC und DAB+ nicht mehr einverstanden sind. Nun soll möglicherweise an der morgigen Generalversammlung Energy-Chef Dani Büchi den Vorsitz des Verwaltungsrates übernehmen und der Firmensitz vom Kanton Schwyz an den Hauptsitz der Energy-Gruppe (Ringier) in Zürich verlegt werden. Gegen diese «Machtkonzentration» wehrt sich jetzt, unter anderen, ausgerechnet DAB-Verweigerer Roger Schawinski (Radio 1 und Planet 105), welcher sich noch vor nicht allzu langer Zeit mit seinem Radio 1 lautstark vom Digitalradio zurückgezogen hat und nichts mehr von dieser Technologie wissen wollte. Zwar ist er danach wieder auf das Nordschweiz-Ensemble von SMC zurückgekehrt, aber als DAB-Förderer darf man ihn mitnichten bezeichnen und schon gar nicht als Freund des mächtigen Netzbetreibers. Dani Büchi seinerseits, wiegelt die Sache ab und erklärt keine bösen Absichten: “Wir müssen gemeinsam DAB+ vorwärtsbringen. Politische Störfeuer bringen uns nicht wirklich weiter”, sagt er in seiner Funktion als SMC-Verwaltungsrat auf Anfrage von persoenlich.com.
Kommt dazu, dass es künftig vom BAKOM geschaffene Probleme mit der Konzessionierung der Schweizer Privatradios geben könnte. Persoenlich.com schreibt dazu wie folgt: «Ab 2020 sollen regionale Radioveranstalter in den städtischen Agglomerationen mehr Autonomie erhalten. Dann unterliegen sie keiner Konzessionspflicht mit Leistungsauftrag mehr. Dieser Vorschlag ist Teil des Revisionsentwurfs der Radio- und Fernsehverordnung RTVV. Gleichzeitig wird ab 2020 das Digitalradio DAB+ die analoge UKW-Verbreitung in der Schweiz schrittweise ablösen. Die Radiosender müssen sich dabei selber um einen Platz auf einem DAB+-Netz bemühen. In der Schweiz gibt es derzeit drei grosse Netzanbieter: SRG, digris und SMC. Die SRG benötigt ihr Netz für die eigenen Sender und digris ist nicht flächendeckend, womit faktisch für kommerzielle Radiosender nur das Netz von SMC infrage kommt. Das alles führt bei den Privatradios zu Sorge oder sogar zu Existenzängsten.»

All diese Entwicklungen bergen durchaus Konfliktpotenzial und verursachen vielschichtige Probleme:

- Zwar hat sich die Energy-Gruppe immer für DAB+ stark gemacht, aber die momentane Machtkonzentration und die Belegung von zahlreichen DAB-Sendeplätzen mit ziemlich lieblos zusammengestellten Nonstop-Musikprogrammen, kann für andere private Anbieter tatsächlich problematisch werden. Bereits belegt Ringier acht Programmplätze mit seinen Angeboten (3x Energy / 5x Musikprogramm).

- Netzbetreiber SMC (Konsortium aus SRG und Privaten) kann sich auch künftig beinahe alles erlauben, denn ihm fehlt es eindeutig an Konkurrenz. Damit werden die Verbreitungskosten künstlich hochgehalten.

- Das BAKOM stiehlt sich seinerseits aus der Konzessionsverantwortung und überlässt die Schweizer Radiolandschaft einfach dem freien Wirtschaftsmarkt, ganz nach dem Prinzip: jeder kann dann programmlich machen was er will und ist an kein fixes Konzessionsgebiet mehr gebunden. Da ist ein weiterer Qualitätszerfall der Programminhalte bereits vorprogrammiert. Oder löschen sich die vielen gleichklingenden Programme in denselben Sendegebieten am Ende sogar gegenseitig aus? Wenigstens bleiben die ländlichen Anbieter, welche schon heute von Gebührengeldern profitieren, noch einigermassen geschützt.

- Gestärkt werden künftig die Anbieter, welche sowieso schon einen grossen, finanzstarken Partner im Rücken haben (siehe Bericht vom 20.03.17). Sie werden wohl auch ohne die Subventionen des Bundes existieren können. Für die anderen Anbieter kommt ab 2020 das böse Erwachen, wenn die Verbreitungskosten wieder selbstständig getragen werden müssen.

- Kleinere, innovative Anbieter, wie beispielsweise James FM, Iischers Radio oder Radio Kaiseregg, bleiben auf den räumlich sehr begrenzten DAB-Inseln von digris sitzen, welche teilweise wesentliche Versorgungsdefizite aufweisen. Der Zugang zu den teuren Netzen von SRG und SMC wird ihnen aus finanziellen Gründen wohl immer verwehrt bleiben.

So bleibt die Krux, wie man die Vielfalt und Qualität der Schweizer Privatradiolandschaft künftig, nach dem Umstieg auf DAB+, hochhalten kann. Ein Problem, welches nur das UVEK zusammen mit dem BAKOM lösen kann. Wobei angezweifelt werden darf, ob sich diese Behörden dem Ernst der Lage wirklich bewusst sind. Wenn sich der Markt alleine reguliert, wird der Einheitsbrei künftig noch krasser und werden kleine Nischenprogramme wohl über die Klinge springen, oder ein Schattendasein auf den digris DAB-Inseln fristen müssen. Sollte sich die Machtkonzentration bei SMC und Ringier noch weiter zuspitzen, dann stehen uns einmal mehr monopolistische Zustände ins Haus.

Eine kleine Hoffnung bleibt: vielleicht wird nach all den Wechseln an der Spitze von SMC die Kommunikationspolitik des Unternehmens etwas innovativer und professioneller weitergeführt. Bei diesem Thema liegt nämlich aktuell so Einiges im Argen und kann man sich nicht gerade mit Lorbeeren schmücken! Momentan gleicht SMC eher einem schwerfälligen Koloss, als einem innovativen Unternehmen, welches Transparenz schafft und Möglichkeiten für alle Interessierten anbietet.


Was haltet Ihr von diesen neuen Umständen bei der Swissmediacast?

Antworten:

Sehr wahrscheinlich packen sie alle Ensembles mit Energy-Programmen voll. :-(

von RadioZombieCH - am 02.06.2017 10:26
Wenn das wirklich so kommt kann man davon ausgehen dass die andere Privaten die Digris Inseln stark Fördern werden...

von Jassy - am 02.06.2017 13:29
Für die flächendeckende, umfassende Versorung ist Digris leider keine Alternative. Ausserdem ist Digris nicht in erster Priorität für die kommerziellen Radios vorgesehen.

von tommy_radiofan - am 02.06.2017 13:40
Ich erwarte weder eine völlige "Ringierisierung" der SMC-Ensembles, noch dass irgendwie auch nur ein Veranstalter auf Digris ausweicht (die ja selber kein großes Interesse an kommerziellen Veranstaltern haben). Jedoch besteht durchaus die Gefahr, dass Ringier auf die eine oder andere Art weiteren Einfluss auf die SMC nehmen könnte.

In diesem Zusammenhang interessanter könnten hingegen regionale DAB+-Projekte wie jenes von Radio BeO werden (was ist überhaupt daraus geworden?).

von Wrzlbrnft - am 02.06.2017 19:03
Zitat
RadioZombieCH
Sehr wahrscheinlich packen sie alle Ensembles mit Energy-Programmen voll. :-(


Haben sie ja bereits getan.

von Tatzelwurm - am 03.06.2017 21:56
Zitat
Tatzelwurm
Haben sie ja bereits getan.


*SMC-Ensemble durchguck*
Nein.

von Wrzlbrnft - am 03.06.2017 22:12
Bin mal gespannt, ob bei SMC nun noch mehr zurückgefahren wird. Die neuen SMC Programme haben immer noch Mühe die angesagten Standards bei DLS auch zur Anzeige zu bringen. Betrifft z.B. genau jene aus dem Büchi-Lager. Ich ahne Schlimmes wenn die SMC Techniker auch wegrationalisiert werden.

Die Schweizer DAB Szene ist immer mehr auf dem Rückmarsch, zumindest technisch gesehen. Herr Matter wird nächstens von mir Post bekommen. Ich bin immer noch nicht damit einverstanden, 7x SRF1 auf dem gleichen Ensemble hören zu müssen, ferner die Audioqualität unnötig eingeschränkt wird und praktisch alle Slideshows entfernt wurden (Danke DIGRIS - bei euch wenigstens noch nicht) und die Tunnelversorgung immer noch nur zu einem Bruchteil auf die Reihe gebracht zu haben. SRG-Standardprogramme in die Regional-Ensembles "versorgt" zu haben und TPEG ist in der Schweiz immer noch inexistent. Mir schauderts wenn ich an die Zukunft denke!

von drahtlos - am 05.06.2017 22:33
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