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Radioforum Schweiz
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vor 8 Jahren, 1 Monat
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dxbruelhart, Wrzlbrnft, audion, Sepomuk, Stefan Heimers, Peter Schwarz, Martyn136, Maxtech, radiohead

Alles Einheitsbrei, oder was? Eure Meinung ist gefragt!

Startbeitrag von Sepomuk am 20.03.2010 13:55

Liebe Forumsteilnehmer und Radioliebhaber

Ich plane eine Arbeit über Formatradios auf dem Markt Zürich und deren musikalische Ausrichtung zu schreiben. Wie empfindet ihr die Musik der gängigen Mainstreamsender? Wo liegen eure musikalischen Präferenzen bei der Senderwahl?

Warum denkt ihr, dass Radios wie Energy, Radio 24 oder auch Radio 1 alle in etwa die gleichen Songs programmieren? Hoffen die Sender damit auf eine möglichst gute Quote, oder könnten die Musikchefs mit speziellen Perlen nicht auch hohe Hörerzahlen und sogar eine glücklichere Zuhörerschaft erreichen. Haben die Sender zu wenig Mut, weil man relevante Werbekunden verlieren könnte?

Ich danke euch für eine Rückmeldung.

Antworten:

Jau, viel Spaß bei der Analyse. Diese wird Dir ja einfach gemacht über diese Seite, die die Playliststatistiken der meisten Schweizer Privatradios ermöglicht. brühli hat sicher den Link dazu, der mit grad nicht einfallen will.
Und was die Musikprogrammierung angeht: Naja, ganz deckungsgleich sind die drei nicht. Kannst ja mal den Schawy fragen, warum er doch wieder so auf die Mainstreamwelle eingeknickt ist. Am Anfang kam er ja mit grossem Getöse in den Markt und es liefen wirklich auch ganz andere Sachen.

von Peter Schwarz - am 20.03.2010 15:42
Zitat
Sepomuk
Warum denkt ihr, dass Radios wie Energy, Radio 24 oder auch Radio 1 alle in etwa die gleichen Songs programmieren? Hoffen die Sender damit auf eine möglichst gute Quote, oder könnten die Musikchefs mit speziellen Perlen nicht auch hohe Hörerzahlen und sogar eine glücklichere Zuhörerschaft erreichen. Haben die Sender zu wenig Mut, weil man relevante Werbekunden verlieren könnte?


Meine Meinung zur Musik, die bei Energy, Radio 24, Radio Pilatus, und leider auch bei Radio 1 zu 95% läuft, ist zum Kotzen! Mit dem ewiggleichen, was man schon tausende male gehört hat, kann niemand mehr was anfangen. Ich verstehe nicht wirklich, weshalb diese Sender immer noch an diesem Mainstreamgedudel festhalten. Radio 1 ist leider im Mai 2009 auch auf diese Mainstream-Strasse eingebogen.

Die Sender haben wirklich viel zu wenig Mut, den Grossteil der Hörer, die diesen Mainstream nicht mehr hören können, anzusprechen. Wenn die Sender komplett vom Mainstream abkehren würden, würde sich deren Hörerzahl vermehrfachen. Aber sie haben wohl eben Angst, man könnte dabei relevante Werbekunden verlieren.

von dxbruelhart - am 20.03.2010 15:51
Zitat

Diese wird Dir ja einfach gemacht über diese Seite, die die Playliststatistiken der meisten Schweizer Privatradios ermöglicht
http://www.airplay.ch/

von radiohead - am 20.03.2010 15:59
Was mir auch auffällt, dass diese Programme, die jetzt den AC-Einheitsbrei ausstrahlen, eine Beratung von externen deutschen "Experten" hinter sich haben, jedenfalls gilt dies für Radio 24 und Radio 1, die haben diese Programme wohl auf diese Dudelei getrimmt; warum aber setzt ein wahrer Experte wie Roger Schawinski auf solche verschlimmbesernde Berater?

von dxbruelhart - am 21.03.2010 06:33
Liebe Leute

Vielen Dank für eure Unterstützung und eure Rückmeldungen. Ich werde auf alle Fälle die Musikchefs der Sender mit den kritischen Forumseinträgen konfrontieren.

Weitere Feedbacks oder auch Vorschläge für weitere Fragen an die Musikchefs sind erwünscht.

von Sepomuk - am 21.03.2010 09:41
Ich höre schon einen deutlichen Unterschied zwischen Radio1 und Energy. Ersteres spielt hauptsächlich alte Klassiker und zwischendurch etwas aktuelles. Bei Energy ist es genau umgekehrt.

Zudem spielt Radio1 zwischendurch immer wieder etwas, das man schon lange nicht mehr im Radio gehört hat. Vor ein paar Wochen gab's auf Radio 1 zum Beispiel in der Morgenshow Take Five von Dave Brubeck in voller Länge, auf Energy wäre das undenkbar!

Radio 24 scheint einen Kompromiss zu machen und aktuelles mit altem etwa ausgewogen zu mischen.

Warum die das so machen? Es ist eben die einzige Möglichkeit dauerhaft eine grössere Hörerzahl zu erreichen, und das ist nötig für einen Sender der von Werbung lebt und Löhne zahlt. Abwechslung vertreibt 90% der Hörer, das geht nur gegen Gebühren (öffentlich-rechtliche) oder mit ehrenamtlichen Mitarbeitern (Lora, Stadtfilter, Radio X).

Zudem gibt es noch das Problem der Gewöhnung: Auch die beste Musik wird zum Einheitsbrei, wenn sie Tag für Tag gespielt wird.



von Stefan Heimers - am 21.03.2010 10:42
Zitat
Stefan Heimers
Zudem spielt Radio1 zwischendurch immer wieder etwas, das man schon lange nicht mehr im Radio gehört hat. Vor ein paar Wochen gab's auf Radio 1 zum Beispiel in der Morgenshow Take Five von Dave Brubeck in voller Länge, auf Energy wäre das undenkbar!

Warum die das so machen? Es ist eben die einzige Möglichkeit dauerhaft eine grössere Hörerzahl zu erreichen, und das ist nötig für einen Sender der von Werbung lebt und Löhne zahlt. Abwechslung vertreibt 90% der Hörer, das geht nur gegen Gebühren (öffentlich-rechtliche) oder mit ehrenamtlichen Mitarbeitern (Lora, Stadtfilter, Radio X).

Zudem gibt es noch das Problem der Gewöhnung: Auch die beste Musik wird zum Einheitsbrei, wenn sie Tag für Tag gespielt wird.


Ja, Radio 1 spielt zwischendurch schon noch Perlen, das hebt das ganze ein bisschen heraus aus dem Einheitsbrei.
Stefan, ich bin aber überzeugt, dass man die meisten Hörer mit dem Einheitsbrei vertreibt, also gerade umgekehrt, als Du das schreibst. Schau mal in den Zügen, wieviele da UKW hören (Antenne sichtbar!) und wieviele Ipod und andere MP3-Spieler. Da hört kaum jemand UKW, höchstens 5%.
Heute hören wohl mehr Menschen in der Schweiz Musikkonserven (CDs und MP3s) als echtes Radio, dies dank des Radio-Einheitsbreis (dem Einheitsbrei huldigt leider auch DRS3 seit den 90er Jahren, ausser abends ab 20h).

von dxbruelhart - am 22.03.2010 06:26
Zitat
dxbruelhart
Schau mal in den Zügen, wieviele da UKW hören (Antenne sichtbar!) und wieviele Ipod und andere MP3-Spieler. Da hört kaum jemand UKW, höchstens 5%.
Heute hören wohl mehr Menschen in der Schweiz Musikkonserven (CDs und MP3s) als echtes Radio, dies dank des Radio-Einheitsbreis (dem Einheitsbrei huldigt leider auch DRS3 seit den 90er Jahren, ausser abends ab 20h).


Ja, das stimmt. Der Grund für die iPods ist doch den Einheitsbrei noch einheitlicher zu machen. Auf den meisten iPods ist wohl nur gerade eine Musikstilrichtung, und eine kleine Anzahl Bands.

Ich höre im Zug übrigens meist Radio. Das weniger wegen der Musik, als vielmehr wegen den Informationssendungen. Das ist nämlich etwas das der mp3-Player nicht bieten kann. Nur Musik wird mir schnell mal langweilig.

Es gibt ja durchaus abwechslungsreiche Sender. Die haben gute Sendungen, und auch eine stattliche Anzahl Zuhörer. Allerdings hören die nur ihre Lieblingssendung und schalten nachher wieder weg, das killt die Einschaltquoten. Um ganz ehrlich zu sein, ich könnte nicht einen ganzen Tag lang LORA hören, während das auf DRS1 oder Radio1 schon geht, auch wenn es wenig prickelnd ist.

Stefan


von Stefan Heimers - am 22.03.2010 09:55
Ich habe im Zug früher oft Liveradio gehört und würde es wohl heute noch, wenn es nicht die hochgelobten Podcasts gäbe. Habe ich anno 2005 den Zug teilweise gar mit einem Weltempfänger bestiegen, um unterwegs beispielsweise das Funkjournal der Deutschen Welle hören zu können, genügt mir heute das Hören entsprechender Audio-on-demand-files (z.B. "Echo des Tages" von WDR 5/NDR Info). Lediglich wenn es zeitlich und empfangstechnisch grade reinpasst, höre ich heute noch live bei diesen Sendungen rein. Gerade beim Zugfahren wird aber der Radiokonsum in den klimatisierten und abgeschirmten Wagen aber immer unattraktiver...

Musikalisch ist die Senderauswahl bei mir in der Region Basel seit einiger Zeit deutlich besser als auch schon, dennoch ziehe ich meist Konservenklang vor (welcher aber ebenfalls meist aus aufgenommenen Musiksendungen im Radio besteht - immerhin). Dies nach dem Motto: ich will meine Zeit zum bewussten Radiohören auch bewusst nutzen und nicht die Hälfte mit für mich uninteressantem Akkustikmüll verschwenden.

von Wrzlbrnft - am 22.03.2010 10:46
Etwas Gutes haben alle Radios. Man stellt öfters mal um und kann so die Programme vergleichen. Mit der grösseren Auswahl fällt das weniger ins Gewicht.

von Maxtech - am 22.03.2010 12:11
Der Schritt von Radio 1, sich dem Mainstream anzupassen, so kurz nach Sendestart, nachdem die Hörerzahlen unter den Erwartungen blieben, war IMHO ein grosser Fehler. Man hätte erst mal die Frequenzneuverteilung abwarten sollen. Das Format war nach Sendestart schon richtig, ein guter Mix aus alten und neuen, bekannten und unbekannten Titeln. Jetzt spielt man leider zu 80% ausgelutschte Standardtitel und nur noch etwa 2-3 Titel pro Stunde heben sich wirklich ab. Den Wortanteil kann ich nicht näher beurteilen, da ich noch nicht lange genug reingehört habe. Aber da sind die meisten Schweizer Programme noch etwas mehr "oldschool" als die Deutschen und haben einen vergleichsweise hohen Anteil an Lokalinformation im Programm.
Der Fehler ist generell, dass alle zur Mitte hin drängen. Würden sich die Programme, jetzt da es deckungsgleiche Konzessionen gibt, ihre Nischen suchen, wären alle besser bedient.
NRJ könnte also noch etwas progressiver werden mit seinem CHR-Format, Radio 24 in etwa so bleiben wie jetzt, Radio 1 könnte zu seinem urpsürnglichen Format zurückkehren und Zürisee ganz was anderes machen.


von Peter Schwarz - am 22.03.2010 15:59
Hier nun doch auch mal die positiven Eindrücke, was neben der Dudelei hier doch auch angenehmes musikmässiges zu hören ist:

- Radio Zürisee hat zwar auch nicht wenig Mainstream im Programm, aber hier entdeckt man doch schon deutlich mehr nicht totgedudetle Musik; vor allem Abends findet man bei Zürisee auch echte Perlen, nicht nur 2 pro Stunde.
- Radio Central spielt Musik grossmehrheitlich jenseits des Mainstreams; hier läuft hauptsächlich ältere Musik z.B. aus den 60er und 70ern, man hört hier aber eben nicht die auf allen anderen Sendern präsenten Stücke, sondern die besonderen, selten gehörten Lieder.
- DRS1 hat einen riesigen Fundus an Musik, hier gibts wirklich nicht alle 2 Tage das gleiche Stück zu hören, hier hört man frühestens nach einer Woche wieder dieselbe Musik; DRS1 spielt auch viele Stile, schwerpunktmässig wohl Oldies und Chansons, jazzige Klänge gibts auch zuweilen, aber auch echten Rock und Metal hört man zu gewisen Stunden; mit diesem weiten Spektrum an Musik und der wahren Abwechslung ist DRS1 mit grossem Vorsprung Marktführer in der Publikumsgunst.

von dxbruelhart - am 23.03.2010 05:37
Zitat

mit diesem weiten Spektrum an Musik und der wahren Abwechslung ist DRS1 mit grossem Vorsprung Marktführer in der Publikumsgunst.


Ich sehe hier allerdings triftigere Gründe:

1. Die Macht der Gewohnheit (man betrachte das Durchschnittsalter der DRS 1-Hörer !)

2. DRS 1 wird infomässig als der umfassendste Sender betrachtet [hat ja auch als einziger die Steuergelder dazu]. Die Nachrichten kommen dort seit "Uropas Zeiten" um 12:30 und 18:00 Uhr und um 12:30 noch mit Urgossmutters "ta...ta...ta...tü". Vor allem Letzteres bindet, sonst wäre dieses nostalgische Zeitzeichen im Zeitalter der Funkuhr von DRS längst entsorgt worden, aber der grosse psychologische Wert dieses Zeichens ist den DRS-Leuten natürlich auch klar. Es schafft - wie Kirchenglocken am Samstagabend - Assoziationen an die (meist unbeschwerte) Kinderzeit und derlei wirkt das ganze Leben nach.

3. Die Musik spielt dagegen eine kleine Rolle und wird von vielen Leuten [siehe Punkt 1. (!)] einfach zwangsläufig geduldet, bzw. in Kauf genommen und es wird gar nicht bewusst hingehört [man will ja das Radio nicht "verstellen", damit man das "Echo" um 18:30 nicht verpasst]. Man "forsche" mal diesbezüglich bei Repräsentanten dieser Hörergruppe. Die Frusttoleranz ist bei den "Alten" wesentlich grösser als bei der "Generation Gameboy".

4. DRS 1 kann überall - auch im Bergwerk oder in der 3. Unteretage einer Tiefgarage noch auf mindestens 3 Kanälen mit abgebrochenem Teleskopstab einwandfrei gehört werden, ob in Zürich, Romanshorn, Bern oder in der Monte-Rosa-Hütte.

Vorschlag für ein - leider unmögliches - virtuelles Experiment:
Man sende auf gleich vielen Kanälen wie DRS 1 , mit gleicher Leistung und von den selben Standorten aus die Musikwelle mit den genau gleichen Infosendungen nach Inhalt und Zeit . Die Musikwelle würde DRS 1 bald überholen, da DRS 1 stark einbüssen würde auf Kosten der MW.

Und: Im öffentlichen Raum (Restaurants, Hallenbäder, Einkaufszentren,...) höre ich jedenfalls nie DRS 1. :cool:

von audion - am 23.03.2010 10:08
Im öffentlichen Raum würdest du aber auch ebenso wenig die Musikwelle hören. ;)

von Wrzlbrnft - am 23.03.2010 10:24
Zitat

Im öffentlichen Raum würdest du aber auch ebenso wenig die Musikwelle hören. ;)


Ja, ja, das ist schon so ;)

Ich dachte es mehr als "Dämpfer" für die Begründung mit der abwechslungsreichen Musikauswahl für:
Zitat

ist DRS1 mit grossem Vorsprung Marktführer



Realistisch schätze ich, dass DRS 1 etwa die Hälfte der Hörer unter den oben angegebenen Bedingungen an die MW verlieren würde. Bei uns "auf dem Land" lief in vielen Gaststätten Münchens Radio Melodie, bevor es zum Geschwafel-Sender verkam, jetzt läuft oft FM 1 Melody, da zum ersten Mal ein melodiöser Sender aus der Region im Angebot steht.

von audion - am 23.03.2010 20:08
Ich find das in Zürich ein Young-CHR Format fehlt. Energy ist irgendwo zwischen Young-CHR und Adult-CHR und von der Rotation her schon etwas arg eng. Radio 105 ist hingegen schon sehr eigenartig.

Ideal würde ich einen Sender nach Vorbild von Evropa2 oder Kiss Radio finden.

von Martyn136 - am 24.03.2010 20:44
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