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The German-Reds Forum
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Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
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Uwe, Graham aus Liverpool, SpionKop, Ronald, Lothar, Jan

Reisebericht: L.F.C. - Chelsea

Startbeitrag von Jan am 28.01.2007 16:36

Guten Tag zusammen,

(Leider weiß ich nicht, ob ich diesen Reisebericht an die richtige Stelle platziere. Wenn es nicht so ist, bitte ich den Admin, diesen Bericht an die richtige Stelle auf der Homepage zu verschieben.)

Wenn auch etwas verspätet, so möchte ich dennoch von meinem großartigen Kurztrip nach Liverpool erzählen, wo ich Zeuge der Begegnung zwischen unserem geliebten L.F.C und dem amtierenden Meister Chelsea am 24. Spieltag der Premiership wurde.

Als ich in der Woche vor dem Spiel von der Möglichkeit erfuhr, kurz entschlossen am Samstag dieses Spiel anzusehen, war ich direkt Feuer und Flamme. Ich war länger nicht mehr in Anfield, und was könnte einem mehr Anreiz geben, als ein solcher Leckerbissen. Umgehend informierte ich Graham aus Liverpool, dass ich Intresse an der Karte hätte. ( Graham, meinen ganz speziellen Dank an dich ). Man verabredete sich und ich buchte direkt am nächsten Tag meinen Flug mit EasyJet von Köln/Bonn nach Liverpool, John Lennon Airport. Die nächsten 3 Arbeitstag bis zu diesem Wochenende zogen sich lange hin, denn ich konnte es kaum erwarten wieder "zu Hause" zu sein. Schließlich war es dann soweit. Wir schreiben Samstag, 20. Januar 2007. Um 9:35 Ortszeit sollte mein Flug in Köln/Bonn abgehen. Ich war zwar noch etwas müde, aber ich freute mich innerlich schon wie ein Kind auf mein bevorstehendes Erlebnis.
Der Flug ging pünktlich, was ein Glück war, denn es war das erste Spiel an diesem Tag und hatte den 12:45 kick off-Termin. Aber alles lief relativ glatt und ich kam planmäßig 1.5 Stunden später in Liverpool an. Vom John-Lennon-Airport nahm ich sofort den Bus 500 ins Stadtzentrum zur Lime Street Station, dem Hauptbahnhof von Liverpool. Der Verkehr vom Flughafen bis ins Stadtzentrum hatte sich etwas schwierig gestaltet und so kam ich erst gegen 11:10 an der Lime Street Station an. Dort konnte ich meinen Rucksack beim "leave luggage" im Bahnhof lassen und mir ein Taxi Richtung Anfield nehmen, da die Zeit nun doch langsam drängte. Das Taxi brachte mich auf direktem Wege in die Nähe des Stadions, als der Verkehr zum Stadion hin immer dichter wurde. Ich entschied mich, auszusteigen, und den Rest des Weges zu Fuß zurückzulegen. Die Menschenmassen strömten Richtung Football ground, und ich war stolz, an diesem Tag einer von denen zu sein, die mit Ihren eigenen Augen das Spiel verfolgen konnten. Es ist immer wieder aufregend die Atmosphäre zu spüren, die rund um diesen magischen Ort herrscht. Kurz bevor ich Graham vor dem "Albert"-Pub traf mußte ich noch eine Ehrensache für mich erledigen. Ich ging auf direktem Wege in den HJC-Shop.
(Zur Info für die nicht ganz so Ortskundigen: Das ist ein kleiner Laden gegenüber dem "Albert" und dem Stadion in dem die "Hillsborough Justice Campaign" Informationsmaterial und Merchandise anbietet, und über das Hillsborough Disaster und die 96 aufklärt.)
Dort holte ich mir noch Aufkleber zu "Don´t buy the Sun" und "Hillsborough Justice Campaign", denn ich finde man darf nie vergessen, was dort passiert ist.
Also, vom HJC-Shop gings direkt rüber zum "Albert", einem Pub direkt neben dem Stadion, um Graham zu treffen. Schließlich hatten wir beide uns erkannt und gingen erst mal rein ins Pub, um dort ein Pint zu trinken. Ich war erneut wie elektrisiert von der Atmosphäre im "Albert". Es ging zwar etwas eng zu, aber Platz für einen Red scheint es dort immer zu geben. Es wurde gesungen und an die 96 erinnert und alle waren freundlich und voller Erwartung auf das große Spiel.

Die Zeit ging schnell vorbei, das Bier war ausgetrunken, und wir begaben uns zur "Shankly-Statue" direkt vor dem Fan-Shop am KOP-End von Anfield. Es ist eine Bronze-Skulptur vom großen Bill Shankly, gestiftet von unserem langjährigen Sponsor, der "Carlsberg"-Brauerei. - Kurz vorher kaufte ich noch schnell einen Liverpool-Schal (meinen 4 ten). - An der "Shankly-Statue" bekam ich dann schließlich von einem Freund von Graham meine Karte ausgehändigt. Wir begaben uns zu unseren Sitzplätzen, die im oberen Tribünen-Bereich der Centenary-Stand waren. Man schlängelt sich durch das Drehkreuz und geht die Treppen hinauf bis zu einem Flur, von dem aus man die Sitzplätze erreicht. An der Seite dieses Flures befinden sich Verkaufsstände für Getränke und kleine Speisen. Wir bezogen sofort unsere Sitzplätze und da saß ich nun im geliebten Stadion an der Anfield Road. Der Platz war erstklassig. Volle Sicht auf das KOP-End und eine super Übersicht über das gesamte Spielfeld. Die Sonne hatte sich nun endgültig gegen die wenigen Wolken am Himmel durchgesetzt und tauchte den Rasen und die darauf trainierenden Spieler in goldenes Licht. Da waren sie also alle versammlet - live und in Farbe - Xabi Alonso, Steven Gerrard, Pepe Reina und wie sie alle heißen. In diesem Moment fragt man sich, warum man leider nicht jedes Heimspiel hier ist. Die Atmospäre war aufregend. Natürlich trainierten auch die Gegner schon auf dem Platz. Spieler mit Namen, wie Drogba, Lampard, Robben und ... auch ein gewisser "Michael Ballack". Live und im wahren Leben sieht Drogba noch imposanter aus als im TV, das muß man neidlos anerkennen. Dann began das hinreichend bekannte Prozedere, was bei jedem Heimspiel zelebriert wird. Das große Tuch mit den Symbolen für unser gesammeltes "Silverware" wurde über den KOP ausgebreitet, die Mannschaften wurden vorgestellt und "You`ll never walk alone" wurde mit voller Stimme und Hoffnung gesungen. Das Haus war mittlerweile gut gefüllt und die ersten Fan-Gesänge wurde geschmettert "Chelsea... you ain´t got no history". Die Mannschaften liefen auf den Platz und begrüßten die Fans. Dann begann der Anstoss für Chelsea und das Spiel begann. Wir begannen mit Reina, Finnan, Carra, Agger, Riise. Pennant, Gerrard, Alonso, Aurelio, und im Sturm Crouch und Kuyt. Das Spiel begann lebendig: Sofort setzten wir Chelsea unter Druck und Crouch und Kuyt in der Offensive machten der Verteidigungs-"Notlösung" von Mourinho das Leben sofort schwer. Ricardo Carvalho hatte über Nacht noch ein Virus ereilt, so dass dieser ebenso wie John Terry und Claude Makelele fehlte. Im Tor bei Chelsea war der wieder genesene Petr Cech mit einem Helm als Kopf-Schutz. Die ersten Minuten hatten es sofort in sich. Es wurde klar, dass sich Carra heute im wesentlichen um Drogba kümmern würde. Die Defensive hielt ruhig und routiniert das Geschehen unter Kontrolle. Ein spezielles Lob sei hier wieder an Jamie Carragher ausgesprochen, der Drogba zu 99.9 % immer im Griff hatte und verhinderte, dass dieser aus den wenigen Zuspielen auf ihn etwas machen konnte. Es kam schnell zu kampfbetonten Szenen und der erste Chelsea - Spieler der länger am Boden lag war.... Arjen Robben. Er bat später um seine Auswechslung und wurde in der 21. Minute durch Shaun Wright-Phillips ersetzt.
Dann kam die 4. Minute: Carragher schlägt einen langen Ball auf Crouch, dieser lenkt den Ball zu Kuyt, der fantastisch an Ferreira vorbei geht und an Cech vorbei den Ball ins Tor schoß. - Grenzenloser Jubel, Anfield bebte. - Das hatte niemand erwartet. Wir hatten das erste, frühe Tor in diesem Spiel, das so wichtig war. Auf der Tribüne sprangen die Fans auf und fielen sich in die Arme. Was für ein Start in dieses Spiel. Nur wenige Minuten später die nächste gefährlich Szene Riise überwindet die Abwehr und steht alleine vor Cech. Schuß - aber der Schlußmann vom Chelsea FC hatte gehalten, was das schnelle 2:0 hätte sein müssen. Ich ertappte mich dabei, dass ich dachte, ob uns diese vergebene Chance vielleicht noch teuer zu stehen kommen könnte. Aber,... die 21. Minute: Liverpool drückte und war das bessere Team. Der Ball fiel zu Pennant, der sich einige Meter vor dem Chelsea - Strafraum befand. Pennant nimmt den Ball direkt, schießt über Cech drüber; der Ball schien die Latte zu berühren und geht ins Tor - grenzenloser Jubel -. Liverpool war oben auf. Genau wie wir Fans. Gesänge gingen durchs Stadion. "Fields of Anfield Road" und vieles mehr. Es folgte die angesprochene Auswechslung von Robben gegen SWP. Dieser sollte sich im Verlauf des Spieles als der einzige Gefahrenherd erweisen. Für den Rest der 1. Halbzeit dominierten wir das Geschehen. Die Defensive stand fest, die Offensive war bis auf kleinere Ballverluste durch Crouch auch sehr gut. Im zentralen Mittelfeld kontrollierten Alonso und Gerrard das Geschehen. In der Pause nahm ich mir einen kleinen Snack und war rechtzeitig zu Beginn der zweiten Hälfte wieder auf meinem Platz. Jetzt war es interessant, wie Chelsea aus der Kabine kommen würde.
Würden sie aufgeweckt werden ? Würden wir unser Tempo und die Kontrolle beibehalten können ? - Oder würden wir einbrechen, und den Gegner kommen lassen ? - Aber die Sorgen waren zum Glück unnötig. Wir begannen in der 2. Hälfte so, wie wir die 1. aufgehört hatten. Wir waren das bessere Team an diesem Tag. Symptomatisch für das Chelsea - Spiel war folgende Anekdote, von der ich nicht gedacht hätte, dass sie im Top-flight-Fußball jemals passieren könnte. Eigentlich war es eine gefährlich Situation: Foul an einem Chelsea-Spieler am rechten Strafraum-Eck von Liverpool - Freistoß; Zum Ball stellten sich Drogba, der ausführen sollte und Ballack, der ihm gegenüber mit dem Rücken zum Tor stand und für Drogba auflegen sollte; Ballack nickt Drogba zu, der Ball ist freigegeben; Ballack sieht sich allerdings genau in diesem Moment zum Schiedsrichter um; Drogba spielt den Ball genau in diesem Moment zu Ballack, der das nicht mitbekommen hat und der Ball geht durch die Beine von Ballack zu einem Liverpool-Spieler, der sofort abgeht und den Konter einleitet. Aus dieser Szene entstand leider kein Tor - Glück für Ballack. Allerdings hört es sich gut an, wenn ca. 40,000 Fans lachen.
Es folgte eine kurze Phase, wo Chelsea stärker wurde, dies war vor allem der Verdienst von Shaun Wright-Phillips. Dann kam wieder eine starke Szene von Riise. Liverpool kontert, Riise läuft von der linke Seite her aufs Chelsea - Tor zu; kräftiger Schuß des Norwegers, aber leider an die Latte von Cech's Tor. Dieser hätte eigentlich keiner Chance mehr gehabt, diesen Gewalt-Schuß abzuwehren, aber es sollte nicht sein.
Dann wechselte Mourinho Shevchenko für Mikel ein. Das war der letzte Versuch, etwas in diesem Spiel zu bewegen. Die Fans fingen an zu singen: "Rafa's the Special One" und "Bye bye Mourinho". Als Kuyt ausgewechselt wurde gab es für Ihn stehende Ovationen. Kurz vor Schluß wurde traditionsgemäß YNWA angestimmt und Liverpool triumphiert in einer unglaublich tollen Partie, in der wir bequem hätten höher gewinnen können.
Nach dem Spiel traf ich Graham wieder. Wir diskutierten angeregt über das Spiel und darüber, was wir jetzt wohl noch erreichen könnten. Natürlich war uns beiden klar, dass es auch auf das Arsenal-ManU - Spiel am nächsten Tag ankommen würde. Man kann sich über dieses Ergebnis freuen, aber die nächsten Spiele werden erst zeigen, wohin die Reise wirklich geht.

Graham nahm mich mit ins Stadtzentrum und zeigte mir die massiver Bautätigkeit überall in der Stadt. Liverpool bereitet sich Gewissenhaft auf die "Capital of Culture - 2008" vor. Viel wird gebaut und investiert über die ganze Stadt. Ich denke, dass Liverpool eine Stadt im Wandel ist. Viele neue Investitionen werden getätigt, die Stadt macht sich bereit für alles, was die Zukunft bringen wird. Graham fuhr mit mir zum Ufer des River Mersey, wo eine neue 10,000 Sitzplatz-Arena für Konzerte gebaut wird und er zeigte mir, wo neue Gebäude und Hotels entstehen. Schließlich begaben wir uns in ein kleines Pub, wo wir Freunde von Graham trafen. Wir tranken gemeinsam noch ein oder zwei Bier und alle Leute waren sehr freundlich zu mir. Es war echt super! Gegen abend verabschiedete ich mich von Graham und seinen Freunden. Ich wollte noch durch die Innenstadt bummeln und ein oder zwei Geschenke kaufen. Nachdem ich das erledigt hatte, zog ich noch alleine durch das eine oder andere Pub, trank das eine oder andere Bier und traf am Abend einen Freund in Liverpool, in dessen Haus ich übernachten konnte.

Am nächsten Morgen musste ich früh raus. Um halb 9 nahm ich ein Taxi zum Flughafen zurück. Nun hieß es wieder Abschied nehmen aus meinem "spiritual home". Der EasyJet Flug hatte erstmal 1.5 Stunden Verspätung, aber endlich ging auch dieser Flug. Die Heimreise verlief bis auf kleinere Turbulenzen in der Luft ohne Probleme. Am Sonntag nachmittag landete ich wieder in Köln/Bonn.

Was bleibt, ist der tolle super Eindruck, den diese kurze Reise auf mich gemacht hat. Es war super Graham und deine Freunde endlich mal persönlich kennen zu lernen. Es war schön Liverpool wiederzusehen und ... Es war hoffentlich nicht das letzte Mal , dass ich in dieser tollen Stadt Fußball schauen durfte.

Ich kann jedem empfehlen, mal so einen Kurz-tripp zu machen. Die Leute sind fantastisch und die Stadt ist mein Traum.

Bis zum nächsten Mal.

Cheers
Jan

P.S.: Graham, bitte grüße deine Freunde von mir !

Antworten:

guter Bericht, so muß es sein, spontane Aktion-mein größten :respekt:

von Lothar - am 28.01.2007 17:48
Kann mich dem nur anschließen, beim lesen wird man heiß auf den nächsten eigenen Trip!!!

von Ronald - am 28.01.2007 18:35
Toller Bericht..........da krieg ich gleich wieder Fernweh!

aber sind ja zum Glück nur mehr 3 Wochen bis Barcelona :hot:

von SpionKop - am 29.01.2007 08:33
Der Bericht steht jetzt auch bei [www.german-reds.de] online. Danke, Jan!

von Uwe - am 29.01.2007 19:42
Hier koennen Sie die reisebericht Liverpool gegen Chelsea (20/01/07) von Jan aus Koeln lesen.

[www.german-reds.de]



von Graham aus Liverpool - am 29.01.2007 19:58
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