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UKW / TV-DX-Forum
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Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
Mathias Volta, MHM, UKW-Fan Sachsen-Anhalt, Grenzwall DX, Habakukk, Bolivar diGriz, iro

Warum i.d.R. südliche Richtungen bei sporadic-e?

Startbeitrag von Mathias Volta am 18.02.2007 04:02

Wende mich mal mit einer grundsätzlichen Verständnisfrage an euch:
In der Zeit seit ungefähr 1998, wo ich angefangen habe mich mit FM-DX zu beschäftigen, ist sicherlich nicht nur mir aufgefallen, daß bei sporadischen Bandöffnungen im Band I und insbesondere auf UKW weitestgehend Sender aus dem südwestlichen / südöstlichen Europa bzw. dem mediteranen Raum zu empfangen sind.
Obwohl ich seit dieser Zeit zahlreiche UKW - Bandöffnungen mit entsprechend schönen Logs oft mit RDS - weitestgehend aus dem Süden - hatte, kann ich gerade mal eine Handvoll Tage mit Logs aus dem skandinavischen Raum vorweisen: Juli 2003 Finnland und Norwegen und 2006 zwei Tage jeweils Schweden vorweisen. Lediglich im Band I waren die Skandinavier bei mir häufiger zu Gast - nicht zuletzt, da ja hier die Chance auf sporadic-e bekanntlich höher ist als auf UKW.
Ähnliches hatte ich in den frühen 90ern schon auf 27 MHz im CB-Band beobachtet: Die Skandinavier waren seltener zugegen als die südeuropäischen Hobbyfreunde [allerdings haben die OMs aus dem südeuropäischen Raum teilweise entsprechend den Brenner an].

Meine Frage:
Woran liegt das bzw. welche physikalischen Faktoren spielen eventuell eine Rolle, daß bei sporadic-e weitestgehend eher der Süden geloggt werden kann?

Habe vorhin mal im Netz gegooglt und eine anschauliche Karte [s.u.] auf der Seite http://pages.cthome.net/fmdx/ zu meiner Frage gefunden.
Auch wenn es sich hier um einen US-amerikanischen Hobbyfreund handelt, wird dieses Phänomen auch hier sofort deutlich. Obwohl durch den Atlantik keine östliche Empfänge möglich sind und ähnlich wie bei uns in Nordeuropa die Bevölkerungs- / Senderdichte nördlich der großen kanadischen Metropolen unweit der US-Grenze abnimmt, bzw. generell in Amerika die Bevölkerungs- / Senderdichte geringer ist als bei uns, dürfte diese Karte weitestgehend dennoch die Situation in unseren Breiten widerspiegeln:

Würde mich über hilfreiche Antworten freuen !

Grüße,
Matze

Antworten:

Im Band I kann ich das nicht unbedingt bestätigen, da liegt das Verhältnis wohl bei nur 60 % Süden, was aber auch daran liegen, dass da mehr Leute wohnen, und mehr Sender über eine breitere Fläche verteilt sind. Ansonsten liegt das wohl einfach daran, dass im Süden aufgrund des allgemein besseren Wetters auch andere Bedingungen für DX häufiger anzutreffen sind, die sich dann addieren. Ich sehe immer gerne den Wetterbericht im belgischen Fernsehen vrt (auch über SAT zu empfangen über den Sender BVN), in der ausführlichen Wettervorhersage ist immer der Jet-Stream eingeblendet. Sobald dieser nicht allzu weit von meinem Wohnort entfernt ist, und die Sporadic-E Bedingungen vorliegen, kann ich mit 100% -iger Sicherheit davon ausgehen, dass ich Sender empfangen kann, die +- 150 km vom Jetstream entfernt liegen. Das ist im Band I dann nicht nur sehr häufig Spanien und Portugal (oft in Ortssender-Qualität) danach Italien, sondern auch Nrowegen und Schweden, und auch Finnland und der Norden Russlands, häufig vor allem der Sender in St. Petersburg.

Bei UKW gilt das so nicht, da sind es wirklich überwiegend Spanien und Italien, die hier hochkommen.

Übrigens hat man ja auch aus Skandinavien spektakuläre DX-Erfolge, auch aus den Niederlanden und Belgien, während wenig von dort runterkommt bis hier.

von Bolivar diGriz - am 18.02.2007 06:48
Kann ich auch so bestätigen, die Empfänge aus z.B. Finnland oder der Ukraine im 88-108 MHz Band kann ich an zwei Händen abzählen für die vergangenen Jahre, GRC, I, E, TUN und ALG sind dagegen jedes Jahr sehr häufig vertreten. Evtl. hat das aber auch damit zu tun, daß im Großteil des ehemaligen "roten Reichs" das 88-108 MHz Band erst so langsam belegt wird.
Zu früheren "TV-DX auf Kanal 2-Zeiten" war z.B. der Norden (RN, FIN) durchaus häufiger vertreten...
Auffällig ist aber auch, daß bestimmte Sender aus südlicher Richtung sehr viel häufiger hörbar sind als andere (ich denke da z.B. an 88.0 Thessaloniki, 87.5 Evo Madrid, 89.1 Martina Franca-Italien und 89.0 TRT-FM), wobei ich vermute, daß das evtl. damit zusammenhängen könnte, daß die Antennen an diesen Standorten vielleicht etwas mehr Signalanteile in Richtung Weltraum abstrahlen?!?

von iro - am 18.02.2007 13:26
Na ich würde mal ganz pauschal sagen: Sporadic E hängt ja mit Reflexionen an einer sporadisch auftretenden E-Schicht in der Ionosphäre zusammen. Das Phänomen hängt dabei ja von Sonneinstrahlung und Sonnenstand ab. Und so wie es in den Wintermonaten quasi kein Sporadic E gibt, so tippe ich auch mal, dass einfach Richtung Norden die Wahrscheinlichkeit einer E-Schicht immer mehr abnimmt, bedingt vielleicht durch flacheren Sonnenstand usw... Das ist jetzt aber nur mal laienhaft ins Blaue rein getippt...

von Habakukk - am 18.02.2007 16:14
Das alles insbesondere Anderl's Theorie klingt einleuchtend. Besten Dank für eure Antworten !

Grüße,
Matze

von Mathias Volta - am 19.02.2007 01:07
Falls die Theorie stimmt, daß Sporadic E auch im Zusammenhang mit der Gewittertätigkeit steht, so könnte sich auch hier der Empfang Richtung Süden am ehesten ergeben. Soweit ich das überblicken kann spielt sich im Mittelmeerraum unterm Strich mehr ab in Sachen Gewitter als nördlich der Alpen, oder?

von Grenzwall DX - am 19.02.2007 13:19
@Ingo:

Bin zwar kein Wetterexperte, aber höhere Gewitteraktivität in einigen Mittelmehrregionen dürfte hinhauen.
Irgendjemand hatte mal vor geraumer Zeit geschrieben, daß in Äquator-Nähe gewitterbedingt ganzjährig sporadic-e möglich ist und berief sich auf Print-Fachliteratur.

Grüße,
Matze

von Mathias Volta - am 19.02.2007 19:26
Sporadic-E ist natürlich eine Sache des Sonnenstandes, und der ist im Süden naturgemäß höher als im Norden. Die Gewitteraktivität kann zwar eine Rolle spielen, aber das Geschehen sollte sich dann ungefähr auf halber Strecke zwischen Sender und Empfänger abspielen. Ansonsten hat das Wettergeschehen mit der Es-Aktivität nichts zu tun. Bei ganzjährig hohem Sonnenstand wie in Äquatornähe kann man auch ganzjährig mit Sporadic-E-DX rechnen.

von MHM - am 22.02.2007 09:31
...kann da meinem "Vorredner" voll und ganz zustimmen...."Sporadic-E ist natürlich eine Sache des Sonnenstandes"
D.h. statistisches Maximum aller auftretenden Ereignisse so um die Sonnenwende herum (20./21.Juni). Die "heiße Phase" für Es im 3-m-Band dauert so ca. 70 Tage...also ab ca. 15. Mai bis entsprechend 35 Tage nach Sommersonnenwende.....kurz vor Ende Juli.........
Die Entstehung von Sporadic-E scheint u.a. auch mit dem Auftreten von diversen Meteorströmen zu korrelieren, Veränderungen der Sonnenaktivität.... Erdmagnetfeld...........
An einen Zusammenhang mit Gewittern glaube ich eher weniger....denn...gewittert es wirklich oberhalb von 100 km ???? Gibt es da Wolken....aus Wasserdampf??? ....eher weniger....
=====>".....E-Schicht = Kenelly-Heavyside-Schicht
Höhe ca. 100 bis 125 km
Die Elektronenkonzentration liegt bei 10 hoch 5 / cm³. Dabei sind dann ca. 0,1 % der vohandenen Atome ionisiert. Nach Sonnenaufgang steigt die Ionisation sehr schnell an, erreicht um die Mittagszeit ihr Maximum und fällt dann langsam wieder ab bis zum Sonnenuntergang.
Manchmal besteht auch noch während der Nachtstunden eine E-Schicht, welche jedoch sehr schwach ionisiert ist. Die kritische Frequenz f c - das ist die höchste Frequenz bei der senkrecht einfallenden Strahlung von der Ionosphäre noch reflektiert wird - liegt bei der Tages-E-Schicht zwischen 2 und 4 MHz. Sie ist im Sonnenflecken-Maximum höher als beim Sonnenfleckenmimnimum.
Sporadic E
In der gleichen Höhe von 100 bis 125 km bildet sich auch die sporadische E-Schicht ( Es-Schicht), eine häufige aber unregelmäßige Erscheinung in der Ionosphäre. Die Struktur der Es-Schicht ist wolkenartig und nicht zusammenhängend............"


Fazit: Trotz globaler Erwärmung wird es nicht mehr Sporadic-E geben...... ;-)


von UKW-Fan Sachsen-Anhalt - am 23.02.2007 16:17
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