ACD-Adventskalender 2013 - Türchen 3

Startbeitrag von Rüdiger Schäfer am 03.12.2013 07:29

ACD-Adventskalender 2013 - Türchen 3

Ein Tag hat 24 Stunden, richtig? Na ja, die Antwort auf diese Frage müsste eigentlich lauten „Im Prinzip schon, aber …“
Zunächst einmal ist der Tag keine exakte Zeitangabe wie zum Beispiel die Sekunde. Eine Sekunde ist eindeutig definiert als das 9.192.631.770-fache der Periodendauer der dem Übergang zwischen den beiden Hyperfeinstrukturniveaus des Grundzustandes von Atomen des Nuklids 133Cs entsprechenden Strahlung. Oder einfacher: Die Sekunde ist das Vielfache der Periode einer Mikrowelle, die mit einem ausgewählten Niveauübergang im Caesiumatom in Resonanz ist. Alles klar?
Okay, das muss man nicht verstehen. Fakt ist, dass sich die Dauer einer Sekunde nie ändert, die eines Tages dagegen schon. Jedes Jahr wird unser Tag um 17 Mikrosekunden (sprich 0,000017 Sekunden) länger. Vor knapp 400 Millionen Jahren dauerte der Tag gerade einmal 22 Stunden. Das weiß man, weil Paläontologen bei fossilen Korallen aus dieser Zeit die Ringe gezählt haben, die diese im Tagesrhythmus, also bezogen auf den Hell-Dunkel-Zyklus ausbilden. Man kam auf 400, während man bei den heute lebenden Korallen nur 365 fand. Mathematische Modelle für die frühe, gerade im Entstehen befindliche Erde, also vor rund vier Milliarden Jahren, legen eine ursprüngliche Tageslänge von lediglich 14 Stunden nahe. Andere Wissenschaftler nehmen für diese Phase der Erdgeschichte eine Rotationsdauer von sechs bis sieben Stunden an.
Fakt ist: In 200 Millionen Jahren werden die Menschen – sofern es dann überhaupt noch welche gibt – 25-Stunden-Tage haben. Mehr Zeit gewinnen sie dadurch aber nicht, denn das Jahr wird sich parallel auf 350 Tage reduzieren. Warum? Nun, Schuld hat der Mond, oder besser die von ihm ausgelösten Gezeitenkräfte. Diese lassen banal formuliert zwei gewaltige Wasserberge im Rhythmus von Ebbe und Flut um unseren Planeten laufen. Dadurch entstehen wie bei der Backenbremse eines Zuges Bremskräfte, die die Erdrotation verlangsamen und die Tage somit länger werden lassen.
Um diese schleichende Abbremsung zeittechnisch auszugleichen gibt es die sogenannte Schaltsekunde, die vom Internationalen Dienst für Erdrotation und Referenzsysteme (IERS) eingeführt wurde und verwaltet wird. Alle paar Jahre wird die sogenannte UTC, die Koordinierte Weltzeit, um eine Sekunde aufgestockt, sprich die Zeiterfassung wird für eine Sekunde angehalten. Dies ist im Schnitt alle 18 Monate notwendig. Die letzten beiden Schaltsekunden wurden am 31. Dezember 2008 und am 30. Juni 2012 zugefügt.

Antworten:

Sehr schön erklärt. Uns Nerds ist diese Tatsache der Dauerabbremsung der Erde natürlich bewusst. Lustigerweise kan mir grad der Gedanke, was passieren würde, wenn die Erde - wie viel andere Planeten unseres Systems auch - ihre Roationsenergie aufgebraucht haben.... hoffe wir sind dann alle weg....

von GeroG - am 03.12.2013 08:32
0,000017 Sekunden pro Jahr mehr :crazy: - und da reichte es unseren Urvorderen schon das Jahr in Winter, Aussähzeit, Sommer und Erntezeit zu unterteilen :D

von KDL - am 03.12.2013 17:49
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