Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
ACD-Forum
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
redaxa, KDL, Rüdiger Schäfer

ACD-Adventskalender 2013 - Türchen 14

Startbeitrag von Rüdiger Schäfer am 14.12.2013 06:03

ACD-Adventskalender 2013 - Türchen 14

Wir halten uns alle gern für frei, rational und selbstbestimmt, wenn es zu den vielen Entscheidungen kommt, die wir alltäglich zu treffen haben. Forschungen von Verhaltenspsychologen, Sozialwissenschaftlern und Vertretern anderer Disziplinen zeigen allerdings schon seit Jahrzehnten, dass das nicht so ist. Unter dem Oberbegriff »Priming« werden immer wieder Studienergebnisse veröffentlicht, die beweisen, wie einfach und von uns unbemerkt sich unser Bewusstsein lenken und beeinflussen lässt.
Ein Beispiel von vielen: Die Psychologen Robert Cialdini und John Finch legten ihren Studenten in einem Versuch aus dem Jahr 1989 die Biographie des russischen Mönchs und Wanderpredigers Grigori Rasputin vor und baten sie, dessen Charaktereigenschaften zu bewerten. Es mag zunächst keinen verwundern, dass die Antworten negativ ausfielen. Mit einer Ausnahme: Immer dann, wenn die Forscher die biografischen Daten so manipulierten, dass der Geburtstag des Mönchs auf den gleichen Tag fiel wie der des Studenten, stiegen die Sympathiewerte im Vergleich mit dem Gruppendurchschnitt um 25 Prozent!
Offenbar, so die Wissenschaftler in ihrer Analyse, erzeugt die Übereinstimmung eines so zentralen Datums ein unbewusstes Gefühl der Verbundenheit. Ähnliches haben andere Psychologen vor einigen Jahren auch für Namen nachgewiesen. Studenten, die sich in einem Versuch für einen Schokoriegel entscheiden sollten, wählten bevorzugt die Marke, deren Namen mit dem ersten Buchstaben des eigenen Vornamens begann. So wählte Markus eher Mars, während sich Susanne lieber für Snickers entschied.
Priming funktioniert mit Worten (siehe dazu auch meine »Deutschstunde« 22 in INTRA 215), Bildern und Geräuschen. Das menschliche Gehirn kann zwar nur eine sehr begrenzte Anzahl von Reizen direkt, also bewusst verarbeiten, nimmt alle anderen Reize aber dennoch wahr und speichert sie größtenteils auch (zumindest kurz- bis mittelfristig). Auf diese Weise wirken sie an den Vergleichs- und Bewertungsprozessen mit, die permanent in unserem Denken ablaufen und auf denen unsere Entscheidungen letztlich basieren.
Auf dieser bedauernswerten Limitation unseres Denkapparats basiert übrigens auch der berühmte Gorilla-Versuch zweier US-Forscher. Diese filmten das Basketballspiel zweier Mannschaften und baten ihre Versuchspersonen, sich auf eines der beiden Teams zu konzentrieren und die Anzahl der Ballberührungen zu zählen. Nach 40 Sekunden ließen sie eine Frau im Gorilla-Kostüm durch die Szene laufen. Sie blieb stehen, trommelte sich auf die Brust, und verschwand wieder. In den nachfolgenden Interviews hatte die Hälfte der Studenten den Gorilla nicht bemerkt! Man nennt das »Unaufmerksamkeitsblindheit«. Wenn unser Gehirn die (sehr geringe) Kapazitätsgrenze bewusster Wahrnehmungen erreicht, werden alle zusätzlichen Reize schlicht ausgeblendet.

Antworten:

Erklär' nicht zuviel. Sonst checken die Mitglieder wie das mit dem Intra funktioniert.

von redaxa - am 14.12.2013 08:20
..ab jetzt also im Intra nach versteckten Manipulationsversuchen Ausschau halten :p denn was man erkennt, kann einen nicht manipulieren - oder doch? :D

von KDL - am 14.12.2013 23:32
Keine Chance! Immer fleißig ...

von redaxa - am 15.12.2013 05:43
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.