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Würdige Pädagogen

Startbeitrag von derwahretoto am 24.09.2004 07:37

liebe tazdissidentInnen,
diesen Kommentar aus der heutigen taz finde ich so ausgezeichnet, dass ich ihn komplett hier reinstelle.

in genau die selbe richtung geht meine kritik (hervorhebungen vin toto)

Würdige Pädagogen
[www.taz.de]
Die deutschen Lehrer sollten nicht bloß Fachwissen verehren, sondern endlich die Kinder wertschätzen lernen. Nur so können sie wirksam und nachhaltig Wissen vermitteln

Vielen Ärzten graut es vor Lehrern. Die wüssten alles und vor allem wüssten sie alles besser. "Lehrer", sagen die Mediziner, "ist ein Symptom." Gut, das sind Vorurteile. Es gibt viele Lehrer, die es widerlegen. Aber gerade von denen hört man die schärfste Kritik an diesem Habitus einer falschen Souveränität, denn er macht deutsche Lehrer so auffällig und inzwischen so unzeitgemäß: Sie pochen aufs Wissen statt aufs Lernen. Zu den skandalösen Ergebnissen der OECD-Lehrerstudie gehört, dass die meisten Lehrer in Deutschland ein Vorurteil gegen das Lernen haben, zumindest wenn es um sie selbst geht. Ihre Bereitschaft zur Fortbildung ist ganz niedrig.

Betrachten wir den deutschen Lehrkörper wie eine Beuyssche soziale Skulptur. Lehrer orientieren sich hierzulande noch am alten Bild vom Wissensbesitzer. Nach einem langen Studium, darin sind unsere Pädagogen Weltspitze, wird von ihnen dann bis zum Vorruhestand im Unterricht der Stoff vermittelt - nur 7 Prozent halten überhaupt bis zum Pensionsalter durch.

Das Selbstverständnis des Wissensbesitzers stammt aus zwei Konzepten des 19. Jahrhunderts. Das eine ist das des Bildungsbürgers. Mit viel angelesenem Wissen hat er sich über eine Welt erhoben, die zu verändern ihm in einer bürgerlichen Revolution nie gelang. (Hallo, Achtundsechziger!)

Das andere Konzept ist das des Fachmanns. Ausgestattet mit einem prallen Rucksack voller Wissen, liefert er Wertarbeit am Werkstoff oder am Schülermaterial. Damit konnte dieses Land im Industriezeitalter Weltmeister werden.

Blicken wir noch etwas genauer auf den Bildungsbürger. Er überspielte seine politische Resignation mit inneren Werten. Er trieb seine Ideale hoch und höher. Im wirklichen Leben wurde er dabei misanthropisch. Als Misanthrop galt in der Antike ja ein Mensch, der andere nicht für würdig findet, mit ihm zusammenzuleben.

Wenn aber im Jahr 2004 an einem renommierten Gymnasium, das so stolz ist auf Latein und Griechisch, die stehende Rede eines Deutschlehrers vor seinen Schülern heißt, "ihr seid der Rotz an meinem Ärmel", dann spricht hier der Verächter, der seit Generationen mit wechselnden Argumenten weiß, dass mit den heutigen Schülern nichts mehr los ist.

Das kann er mit seinem schöngeistigen Alter Ego oder mit progressiven Aufklebern auf dem Golf durchaus vereinbaren. Natürlich reden nicht alle Lehrer so. Nicht mal die meisten. Aber dieser Unterstrom von Verachtung und Beschämung ist in unseren Schulen noch immer stark. Herabsetzung und Selektion sind die stärksten Spuren des deutschen Sonderweges in der Bildung. In ihnen bewegen sich Lehrer als Experten ihrer Fächer und als Stundengeber.

In der Grundschule, wo bekanntlich Kinder und nicht Fächer unterrichtet werden, findet man deshalb auch einen ganz anderen Lehrertyp. Zumeist sind es Lehrerinnen. Aber sobald in unseren Schulen das disziplinäre System der Fächer seine Herrschaft übernimmt, wird es für Lehrer, die es anders machen wollen, übermächtig. Es gibt zu denken, dass sich das Gymnasium, wo sich Lehrer als Historiker, Germanisten oder Chemiker verstehen und höchstens nebenher Spezialisten fürs Lernen sind, als die am wenigsten wirksame Schule herausgestellt hat.

Bei der Hamburger LAU-Studie (Lernausgangslagen Untersuchung), für die sämtliche Schüler getestet wurden, konnten im Gymnasium zwischen der siebten und neunten Klasse, zumal bei den Jungen, keine nennenswerte Kompetenzzuwächse gemessen werden. Was passiert da eigentlich? "Da unterrichten Lehrer", sagt Wolfgang Edelstein, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, "mit einem Rezeptwissen, das sie von den Feldwebeln Friedrichs des Großen kaum unterscheidet."

Die Bodensee-Schule in Friedrichshafen hingegen ist leitungsmäßig Spitze, obwohl sie den herkömmlichen Fachunterricht weitgehend aufgegeben hat. Obwohl? Nein, weil sei ihn aufgegeben hat. Aber die meisten von uns neigen im Zweifelsfall häufig noch dazu "obwohl" zu sagen. Wenn wir unsere Innenbeleuchtung einschalten, erkennen wir uns als Verwandte der kritisierten Lehrer und als potenzielle Verbündete beim Umbau eines Systems, in dem das Belehren dem Lernen im Weg steht.

Dass die Ergebnisse der OECD Lehrerstudie die Öffentlichkeit so erregen und dass inzwischen jede Bildungsdiagnose dieses Land fiebrig macht, zeigt auch eine andere Seite. Die geistigen Modelle des 19. Jahrhunderts überzeugen nicht mehr. Aber können sich die Deutschen Alternativen vorstellen?

In Kanada zum Beispiel spricht man vom Teacher as a Learner und sieht darin den entscheidenden Impuls, damit Schüler mit selbst reguliertem Lernen ihr Leben in die eigenen Hände nehmen. Seit mehr als zehn Jahren verbringen in Schweden Lehrer 35 volle 60-Minuten-Stunden in der Schule. Das war die wichtigste Schulreform am Wendekreis der Pädagogik. Sie hat dazu geführt, dass Lehrer die Schule für sich selbst zu einem Lebensmittelpunkt machen und damit auch für ihre Schüler.

Die Gewerkschaften haben diese Reform gegen manchen Widerstand bei ihren Mitgliedern durchgesetzt. Das Ziel, den Beruf zeitgemäßer zu machen und damit die Würde der Pädagogen zu erhöhen, war stärker als die Liebe zum verfügbaren Nachmittag. Statt vereinzelt Stunden geben, mehr Zusammenarbeit, heißt die Maxime.

Zugleich wurden Schulen selbstständig. Jede schwedische Schule hat ihren Etat, der sich nach der Zahl der Schüler bemisst. Die Schule entscheidet, ob sie demnächst in Fortbildung oder ins Gebäude investiert. Natürlich stellt der Schulleiter in Absprache mit dem Kollegium neue Lehrer ein und handelt auch Gehälter aus.

Seitdem werden in Schweden Lehrer mehr und mehr als Lotsen in die Zukunft angesehen und weniger als Echo aus der Vergangenheit. Und immer häufiger proklamieren Vordenker der schwedischen Schule wie Eskil Frank von der pädagogischen Hochschule Stockholm: Die besten Lehrer sollten in der Vorschule unterrichten. Das ist der Kern: Wertschätzung der Kinder und Jugendlichen statt Verehrung des Fachwissens. Die List der Sache ist: So entsteht ein viel wirksameres und nachhaltigeres Wissen als beim deutschen Bulimielernen.

Nun sagen alle: Wir müssen die Lehrerbildung ändern. Ja, auch das. Aber so viel Zeit haben wir nicht mehr. Man stelle sich vor, Siemens erklärt, das neue Handy kommt erst nach einer Reform des Ingenieurstudiums. Absurd. Die Lehrer müssen jetzt neben ihrer Arbeit die Bildung ihrer Professionalität betreiben. Dafür verdienen sie jede materielle Unterstützung und alle Anerkennung.

Die beste Lehrerbildung wird der Umbau der deutschen Schule sein. Der steht am 7. Dezember wieder ganz oben auf der Tagesordnung. Dann werden die Ergebnisse der zweiten internationalen Pisa-Studie veröffentlicht.

REINHARD KAHL

Antworten:

Lieber toto,

vom Ganze-Artikel-Kopieren halte ich nicht viel. Wozu soll das gut sein?

In Kahls Artikel steht ein Sammelsurium interessanter und weniger interessanter Sachen. So meine ich doch, dass der Bildungsbürger nun so übel auch nicht ist. Ein Dozent an der Uni klagte, keiner kenne mehr Habermas' Strukturwandel der Öffentlichkeit oder Marx' Kommunistisches Manifest. Ein Bildungsbürger von links, okay; aber hat es nicht was für sich, diese Texte (gut) zu kennen? Klar, es gibt auch ein Moment an Dünkel im Bildungsbürger (auch im linken). Damit sind aber seine Vorzüge nicht verschwunden.

Zum Lernen. Es stimmt, dass an der Schule (und mehr noch an der Uni) die "Fächer" und Einzelwissenschaften meist in ihrer Abgrenzung voneinander gelehrt werden. Es stimmt sicher auch, dass es ein Problem ist, wenn sich ein Geschichtslehrer in erster Linie als Historiker und nicht als Lehrer versteht, und das hat auch seine Gründe in der Ausbildung.

Mir ist nur nicht ganz wohl bei diesen Konzepten des lebenslangen Lernens und wie sie alle heißen. Kennst Du die Kulturkritik von Ivan Illich? Dem wurde es immer ganz anders zumute, wenn er von der "Aufgabe des lebenslangen Lernens" auch nur zu hören bekam; wie die "Medizinisierung" empfand er auch die Pädagogisierung der Gesellschaft als eine Bedrohung. Wahrscheinlich hat Illich übertrieben, aber seinen Punkt kann man schon festhalten: Es geht ihm um die Autonomie der Individuen (Lehrer wie Schüler). Die kann im Kontrast stehen zur klassischen "Bildungsvermittlung", aber auch zu den neuen Leitbildern der Lehrer als Motivierer und Animateure allüberall. Ich habe den Eindruck, dass Kahl diesen (wichtigen) Punkt glatt verstolpert.

von Frank S - am 24.09.2004 08:31

autonomie und freiheitsbegriff

hallo frank,

das kopieren dese ganzen artikels war eine ausnahme, grundsätzlich halte ich auch nicht viel davon.

Frank S schrieb:

Zitat

In Kahls Artikel steht ein Sammelsurium interessanter und weniger interessanter Sachen.


ich sehe kein sammelsurium, sondern ein schlüssiges bild. dazu mehr an anderer stelle, ich werde dort mal die m.e. wichtigsten aspekte kommentieren.

Frank S schrieb:

Zitat

So meine ich doch, dass der Bildungsbürger nun so übel auch nicht ist.
...

Klar, es gibt auch ein Moment an Dünkel im Bildungsbürger (auch im linken). Damit sind aber seine Vorzüge nicht verschwunden.


es geht m.e. darum, dass das bild des "bildungsbürgers" heute nicht mehr als vorherrschende leitbild für schüler und schule gelten kann. die visionen und haltungen der lehrer müssen sich verändern.

Frank S schrieb:

Zitat

Zum Lernen. Es stimmt, dass an der Schule (und mehr noch an der Uni) die "Fächer" und Einzelwissenschaften meist in ihrer Abgrenzung voneinander gelehrt werden. Es stimmt sicher auch, dass es ein Problem ist, wenn sich ein Geschichtslehrer in erster Linie als Historiker und nicht als Lehrer versteht, und das hat auch seine Gründe in der Ausbildung.


das sehe ich auch so.

Frank S schrieb:

Zitat

Mir ist nur nicht ganz wohl bei diesen Konzepten des lebenslangen Lernens und wie sie alle heißen.


es geht doch darum, das freudvolle lernen zu lernen. im sportunterricht sollte es z.b. darum gehen, alle schüler zum lebenslangen sporttreiben, bessser zu lebenslangen leibesübungen (siehe auch leibesübungen statt sport in der taz) zu motivieren. gelingt der schule das?

Frank S schrieb:

Zitat

Kennst Du die Kulturkritik von Ivan Illich?


leider nicht.

ich erhoffe und erwarte - durch die umstrukturierung der schule - eine ent-pädagogisierung der gesellschaft.

Frank S schrieb:

Zitat

Es geht ihm um die Autonomie der Individuen (Lehrer wie Schüler). Die kann im Kontrast stehen zur klassischen "Bildungsvermittlung", aber auch zu den neuen Leitbildern der Lehrer als Motivierer und Animateure allüberall. Ich habe den Eindruck, dass Kahl diesen (wichtigen) Punkt glatt verstolpert.


was hältst du von dem spruch: bildung will gut organisiert sein?

die autonomie der individuen muss sich an den autonomiewünschen der anderen reiben und an den gesellschaftlichen bedingungen und notwendigkeiten.

mir drängt sich die frage auf: welchen freiheitsbegriff legst du zugrunde?

schöne grüße

toto

von derwahretoto - am 24.09.2004 09:01
Zitat

in genau die selbe richtung geht meine kritik (hervorhebungen vin toto)
...
Die deutschen Lehrer sollten nicht bloß Fachwissen verehren, sondern endlich
die Kinder wertschätzen lernen. Nur so können sie wirksam und nachhaltig
Wissen vermitteln.
"Verehren"? "Wertschätzen"? Geht's nicht ne Nummer kleiner?
Wie wäre es schlicht und ergreifend mit mehr Pädagogik in den Lehrer-
Studiengängen?
Und einfach mit mehr Pädagogen - in kleineren Klassen?
Zitat

...dass die meisten Lehrer in Deutschland ein Vorurteil gegen das Lernen haben,
zumindest wenn es um sie selbst geht. Ihre Bereitschaft zur Fortbildung
ist ganz niedrig.
Dafür müßtest du doch eine Menge Verständnis aufbringen, toto.

Oder warst du in den letzten Jahren etwa mal bereit, irgendwas dazu
zu lernen oder in irgendeinem Punkt deine Klischees und Vorurteile in
Frage zu stellen - oder gar zu revidieren? Warum auch, gelle?
Zitat

Aber dieser Unterstrom von Verachtung und Beschämung ist in unseren Schulen
noch immer stark. Herabsetzung und Selektion sind die stärksten Spuren
des deutschen Sonderweges in der Bildung.
Offenbar haben Herr Kahl (der Name kommt mir bekannt vor, hihi) und du
ähnlich schlechte Erfahrungen mit Lehrkräften gemacht - nur daß es bei ihm
ein Gymnasiums-Deutschlehrer ist und bei dir die Grundschullehrerin...

Wo wir grad bei dem Thema sind: mir fällt auf, mit welcher schönen Selbst-
verständlichkeit du vom "Schulleiter" sprichst. Ist ja auch so, Schulleitungen
in D. sind immer noch überwiegend männlich besetzt. Aber wäre hier nicht
mal wieder ein Lamento über die Dominanz von Frauen im (Grund-)Schulbereich
fällig, über die furchtbaren seelischen Schäden, die das bei unseren "kleinen
Helden" anrichtet ?!?
(Nu aber ran... bevor den Beitrag ein Faker schreibt!)

Jedenfalls machen Herr Kahl und du m.E. den gleichen Fehler - kein Wunder,
daß dich der Artikel so entzückt. Ihr stilisiert eure persönlichen schlechten
Erfahrungen, deren repräsentativer Wert mehr als zweifelhaft ist, zu Grund-
problemen des deutschen Bildungssystems hoch.

Und lenkt damit nur ab von den eigentlichen...

Nämlich davon,
- daß Bildung in der deutschen Gesellschaft zur "Nebensache" verkommen ist
(und als skuriles "Spezialgebiet" von "Experten" betrachtet wird... "Wer wird
Millionär?"...),
- daß die Bildungspolitik auf Landes- wie auf Bundesebene als Sparschwein
der Regierungen herhalten muß, ohne daß es von irgendeiner Seite (außer
von der GEW) nennenswerten Protest dagegen gibt,
- daß die größten politischen Gurken in die Ämter der KultusministerInnen
entsorgt werden (wenn wir mal den Bundesverkehrsminister außen vor lassen)
- und daß zwar alle davon reden, wie wichtig Investitionen in die Bildung für
die Zukunft unserer Republik sind, gerade nach Pisa und Bla Bla, ... aber
- daß gleichzeitig an den Schulen fleißig und immer mehr gespart wird!
(Bei der Neueinstellung junger, motivierter Lehrer - oder einfach nur der
Einstellung von genügend Lehrern! -, bei den Unterrichtsmaterialien,
bei notwendigen baulichen Maßnahmen, beim Mobiliar usw. usf. ...)

LehrerInnen, die heutzutage noch interessanten und abwechslungsreichen
Unterricht machen wollen und die sich bemühen, auf ihre SchülerInnen
und deren Talente und Möglichkeiten individuell einzugehen, müssen praktisch
Wein aus Wasser machen.
Sie müssen mit mehr Einfallsreichtum, als die meisten anderen Jobs erfordern
- auch die sog. "kreativen" - , nach Wegen suchen, allein, in viel zu großen
Klassen (in denen in der Regel viel zu viele "Problemkinder" sitzen), ohne Geld
und mit überalteten Lehrmitteln auf spannende und unterhaltsame Weise
Wissen zu vermitteln! (Denn anders kriegen sie die reizüberfluteten Kids
des Medienzeitalters gar nicht mehr dazu, dem Unterricht Aufmerksamkeit
zu schenken...)
Zitat

Es gibt zu denken, dass sich das Gymnasium, wo sich Lehrer als Historiker,
Germanisten oder Chemiker verstehen und höchstens nebenher Spezialisten
fürs Lernen sind, als die am wenigsten wirksame Schule herausgestellt hat.
Na sowas. Das gibt also "zu denken".

Himmel - als ich vor über zwanzig Jahren auf "Höheres Lehramt" studiert
habe (nach jedem Elternabend danke ich den Göttern, daß ich das Studium
später abgebrochen habe...), war es auch schon ein thematischer Dauerbrenner,
daß die Ausbildung von Gymnasiallehrern zu stark auf Fachwissen ausgerichtet
ist und die Pädagogik viel zu kurz kommt.
Hätte es in der Zeit seitdem irgendetwas gegeben, was auch nur ansatzweise
den Namen "Bildungsreform" wirklich verdient gehabt hätte, könnte Herr Kahl
diesen kalten Kaffee nicht als eine "zu bedenkende" neue Erkenntnis verkaufen...
Zitat

Wenn wir unsere Innenbeleuchtung einschalten, erkennen wir uns als Verwandte
der kritisierten Lehrer und als potenzielle Verbündete beim Umbau eines
Systems, in dem das Belehren dem Lernen im Weg steht.
Endlich mal ein Satz, dem auch ich zustimmen kann...

Allerdings mit der Einschränkung, daß ich "die Lehrer" nicht kritisiere.
Ich pflege einzelne PadagogInnen zu kritisieren, die ich für unfähig, unmotiviert
oder stinkenfaul halte (und habe mit meiner direkten Art, solches zur Sprache
zu bringen, schon in einigen Lehrerzimmern und Konferenzen für Trubel gesorgt),
aber ich würde nie über den ganzen Berufsstand herziehen.
Dafür habe ich einfach schon zuviele LehrerInnen kennengelernt, die sich
aufrichtig bemüht abrackern (z.T. auch in ihrer Freizeit), trotz oft miserabler
Rahmenbedingungen einen tollen Unterricht auf die Beine zu stellen.
Zitat

Seit mehr als zehn Jahren verbringen in Schweden Lehrer 35 volle 60-Minuten-
Stunden in der Schule.
Das war die wichtigste Schulreform am Wendekreis der Pädagogik.
Sie hat
dazu geführt, dass Lehrer die Schule für sich selbst zu einem Lebensmittelpunkt
machen und damit auch für ihre Schüler.


Die Gewerkschaften haben diese Reform gegen manchen Widerstand bei ihren
Mitgliedern durchgesetzt. Das Ziel, den Beruf zeitgemäßer zu machen und
damit die Würde der Pädagogen zu erhöhen, war stärker als die Liebe zum
verfügbaren Nachmittag.
Statt vereinzelt Stunden geben, mehr Zusammenarbeit,
heißt die Maxime.

Zugleich wurden Schulen selbstständig. Jede schwedische Schule hat ihren
Etat, der sich nach der Zahl der Schüler bemisst. Die Schule entscheidet,
ob sie demnächst in Fortbildung oder ins Gebäude investiert.
Natürlich stellt der
Schulleiter in Absprache mit dem Kollegium neue Lehrer ein und handelt auch
Gehälter aus.

Seitdem werden in Schweden Lehrer mehr und mehr als Lotsen in die Zukunft
angesehen und weniger als Echo aus der Vergangenheit. Und immer häufiger
proklamieren Vordenker der schwedischen Schule wie Eskil Frank von der
pädagogischen Hochschule Stockholm: Die besten Lehrer sollten in der
Vorschule unterrichten.
Das ist der Kern: Wertschätzung der Kinder und
Jugendlichen statt Verehrung des Fachwissens.
Aber, toto, das wissen wir doch alles schon, spätesten seit PISA.

Und deine Hervorhebungen zeigen mir nur eines: wo sich die Schwerpunkte
deiner Ressentiments gegen die deutsche Lehrerschaft befinden.

Ich bin ganz sicher, daß man an sehr vielen deutschen Schulen dem
schwedischen Vorbild gern nacheifern würde, wenn die gesetzlichen
Rahmenbedingungen existieren - und wenn die nötigen Mittel dafür
verfügbar wären!
Denn diese Punkte erwähnt der Artikel nicht: daß Bildung und Schule in der
schwedischen Gesellschaft (und Politik) einen ganz anderen, weit höheren
Stellenwert haben. Daß Eltern dort ihre Kinder nicht in die Schule "entsorgen",
sondern über (Aus-)Bildungskonzepte mitdiskutieren und mit entscheiden
wollen. Daß die Bereitschaft, in die Bildung und damit in die Zukunft zu
investieren, nicht nur in Sonntagsreden, sondern auch bei Etatvergaben
zum Ausdruck kommt...
Zitat

Nun sagen alle: Wir müssen die Lehrerbildung ändern. Ja, auch das. Aber
so viel Zeit haben wir nicht mehr. Man stelle sich vor, Siemens erklärt, das
neue Handy kommt erst nach einer Reform des Ingenieurstudiums. Absurd.

Die Lehrer müssen jetzt neben ihrer Arbeit die Bildung ihrer Professionalität
betreiben. Dafür verdienen sie jede materielle Unterstützung und alle Anerkennung.

Anhand dieses Absatzes - bzw. deiner Hervorhebung darin - läßt sich
der Dissens zwischen uns wunderbar demonstrieren.

Hätte ich ihn zitiert, hätte ich nämlich einen anderen Satz hervorgehoben:
Zitat

Nun sagen alle: Wir müssen die Lehrerbildung ändern. Ja, auch das. Aber
so viel Zeit haben wir nicht mehr. Man stelle sich vor, Siemens erklärt, das
neue Handy kommt erst nach einer Reform des Ingenieurstudiums. Absurd.
Die Lehrer müssen jetzt neben ihrer Arbeit die Bildung ihrer Professionalität
betreiben. Dafür verdienen sie jede materielle Unterstützung und
alle Anerkennung.


!

von thyra - am 24.09.2004 11:05

Re: autonomie und freiheitsbegriff

Hallo toto,

Zitat

es geht doch darum, das freudvolle lernen zu lernen. im sportunterricht sollte es z.b. darum gehen, alle schüler zum lebenslangen sporttreiben, bessser zu lebenslangen leibesübungen (siehe auch leibesübungen statt sport in der taz) zu motivieren. gelingt der schule das?

Hoffentlich nicht! Warum sollte es die Aufgabe der Schule sein, "alle Schüler" zu "lebenslangen Leibesübungen" zu motivieren? Das ist übrigens natürlich eine Beschränkung von deren Autonomie. Genau das ist Pädagogisierung.

Was die Schule z.B. könnte: Es darauf anlegen, dass alle Schüler zumindest gelernt haben können, wie man einen Bierkasten richtig trägt, ohne sich einen kaputten Rücken zu holen. Dass die sich dann daran halten, kann nicht mehr in der Verantwortung der Schule liegen. Aber dass sie wissen, wie es geht, wäre keine schlechte Idee.

Gruß Frank

von Frank S - am 24.09.2004 12:33

Re: autonomie und freiheitsbegriff. Parallele Lehrer - Ärzte

Hallo Frank und toto,

ich finde - mal unabhängig von der Arbeitsmarktsituation -, dass in Berufen, wo es um die Arbeit am und mit dem Menschen geht, wie eben bei Pädagogen, Ärzten, Pflegern, etc., ganz besonders die fachliche und persönliche Eignung im Vordergrund stehen sollte.

Ein schlechter Arzt ohne Draht zu seinen PatientInnen bleibt auch mit guten Noten ein schlechter Arzt und sollte einen anderen Beruf ausüben. Genau so ist es mit ungeeigneten Forumswarten.

Das Beamtentum wäre im übrigen gar nicht nötig, es ist geschaffen worden, um eine breite Schicht staatstragender Bürger zu besitzen. Es ist aber keine Alternative zur Arbeitsplatzsicherung per Vollbeschäftigung.

Also, jeder nach seinen Fähigkeiten, sonst leiden die SchülerInnen, PatientInnen und Pfleglinge darunter.

Das zweite ist das lebenslange Lernen. Dieses sollte für Lehrer und Ärzte verpflichtend sein (ebenso für unqualifizierte ForumsmasterInnen). Schliesslich geht es ja nicht um sie, sondern um die Menschen, mit denen sie arbeiten und kommunizieren!

Keiner dieser Dienstleister ist (nur) für sich selber da.

Im übrigen finde ich es nicht verkehrt, auch Vorschläge und Kritiken der Eltern und SchülerInnen mit ein zu beziehen. Nur so kann die Lehrerschaft eine Rückmeldung ihrer Arbeit bekommen. Die Trennung zwischen "Experten" und "Nichtexperten" halte ich sowohl im pädagogischen wie auch im ärztlichen Sektor für fatal und rückständig. Denn es gibt viele pädagogisch progressive und beschlagene Eltern, wie es auch viele sehr gut informierte und aufgeklärte PatientInnen gibt, die dem Arzt neue Impulse geben können und seine Motiviation erhöhen.

Frank S schrieb:

Zitat

Hallo toto,

es geht doch darum, das freudvolle lernen zu lernen. im
sportunterricht sollte es z.b. darum gehen, alle schüler zum
lebenslangen sporttreiben, bessser zu lebenslangen
leibesübungen (siehe auch leibesübungen statt sport in der
taz) zu motivieren. gelingt der schule das?
Hoffentlich nicht! Warum sollte es die Aufgabe der Schule
sein, "alle Schüler" zu "lebenslangen Leibesübungen" zu
motivieren? Das ist übrigens natürlich eine Beschränkung von
deren Autonomie. Genau das ist Pädagogisierung.

Was die Schule z.B. könnte: Es darauf anlegen, dass alle
Schüler zumindest gelernt haben können, wie man einen
Bierkasten richtig trägt, ohne sich einen kaputten Rücken zu
holen. Dass die sich dann daran halten, kann nicht mehr in
der Verantwortung der Schule liegen. Aber dass sie wissen,
wie es geht, wäre keine schlechte Idee.

Gruß Frank

Frank, Du hattest oben Ivan Illich erwähnt und seine Ablehnung des lebenslangen Lernens, wobei ich wieder an die Sache mit Bakunin denke, Du erinnerst Dich.

Ich finde, wer ab einem gewissen Lebenszeitpunkt sagt: "Ich will nichts mehr lernen!", der schadet nicht nur sich und seiner eigenen Weltoffenheit, sondern in bestimmten gesellschaftlichen Positionen auch vielen anderen Menschen.

Ich bin der Meinung, dass lebenslanges Lernen die persönliche Autonomie erhöht und nicht gefährdet, weil es stets Erkenntnisse und neue Zusammenhänge erfahrbar macht.

Was die Sache mit der Marktwirtschaft in der Schule betrifft, so denke ich, dass sie dort eben so wenig zu suchen hat, wie im Gesundheitswesen. "Mehr Markt" bedeutet hier nur eine kostenmässige Selektion, welche die übrigen Selektionsmechanismen nur noch ergänzt ...-

Gruss - Karl

von Karl. - am 24.09.2004 14:04

Re: autonomie und freiheitsbegriff. Parallele Lehrer - Ärzte

Karl. schrieb:

Zitat


Ich finde, wer ab einem gewissen Lebenszeitpunkt sagt:
"Ich will nichts mehr lernen!", der schadet nicht nur
sich und seiner eigenen Weltoffenheit, sondern in bestimmten
gesellschaftlichen Positionen auch vielen anderen Menschen.

Ich bin der Meinung, dass lebenslanges Lernen die persönliche
Autonomie erhöht und nicht gefährdet, weil es stets
Erkenntnisse und neue Zusammenhänge erfahrbar macht.


Jeder Mensch lernt automatisch lebenslang. Den meisten Menschen ist jedoch gar nicht bewußt, welche Wissensschätze in ihnen schlummern, Wissensschätze aus Lebenserfahrungen. Ich finde, das auch dieses Wissen einen enormen Wert hat, sowohl für die eigene Person wie auch für die Gesellschaft.

Ich halte es für falsch, lebenslanges Lernen nur unter dem Aspekt der oft ziellosen Aneignung von Fachwissen zu betrachten.

von HeinoRipinski - am 24.09.2004 14:37

Re: autonomie und freiheitsbegriff. Parallele Lehrer - Ärzte

Karl. schrieb:

Zitat


Ich bin der Meinung, dass lebenslanges Lernen die persönliche
Autonomie erhöht und nicht gefährdet, weil es stets
Erkenntnisse und neue Zusammenhänge erfahrbar macht.


Du redest wie ein Blinder von der Farbe.

von MMA - am 24.09.2004 14:39

Re: autonomie und freiheitsbegriff. Parallele Lehrer - Ärzte

Zitat

karl:

Ich bin der Meinung, dass lebenslanges Lernen die persönliche
Autonomie erhöht und nicht gefährdet, weil es stets
Erkenntnisse und neue Zusammenhänge erfahrbar macht.

mma:
Du redest wie ein Blinder von der Farbe.

heino:
Jeder Mensch lernt automatisch lebenslang.


meinst du heino hat damit unrecht?



von Asamizu Julianus - am 24.09.2004 14:47

Pädagogisierungskritik

Liebe Freunde,

ein bisschen Material über Illichs Pädagogisierungskritik, damit ihr nicht im Dunkeln tappen müsst:

Johannes Beck, Bremer Professor (und Freund von Illich):
Zitat

Was mich betrifft, so habe ich versucht, die Privilegien einer Universitätsprofessur zur Pflege widerständigen Denkens zu benutzen. ...
In den letzten Jahren habe ich mich immer wieder gefragt, was eigentlich moderne Menschen charakteristiert, die auf der Höhe der Zeit akzeptabel erscheinen? Deren Zurichtung geschieht ja durch Lernen im Leben. ...
In der neumodischen auch pädagogischen Literatur wird so getan, als seien die Leute jetzt total flexibel, jederzeit zu allem brauchbar, risikofreudig bis zum geht nicht mehr, ständig lebenslänglich lernend bis ins Grab, mit allen biographischen Brüchen lässig fertigwerdend, immer funktionierend, geil auf alles was neu ist, selbstgesteuert lernend handelnd und - jederzeit ersetzbar. Weltweit wird in Wissenschafts-, Partei- und Regierungserklärungen in einer brutalen ökonomistischen Sprache über die Menschen so geredet, als seien sie in sich selbst investierende Rohstoffe und Ressourcen für eine angebliche Wissens-, Informations-, Risko-, Lern- oder Innovationsgesellschaft, in der sie als Humankapital zu verwerten sind. Herzlichen Glückwunsch.

In Wirklichkeit ist es selbstverständlich noch nicht ganz so weit. Die Leute sehnen sich nach unterhaltsamer Aufregung, Randale und sicherer Ruhe zugleich. Sie wollen endlich einmal ausgelernt haben, erwachsen sein und nicht auch noch dieses lebenslängliche Lernen absolvieren müssen. Sie wollen ein Häuschen mit Garten und Blumen am Fenster, eine brauchbare Zukunft für ihre Kinder, eine Rente für den Lebensabend und eigentlich keine Experimente. Auch das ist traurig; aber damit wird man rechnen dürfen. Denn das Beharrungsvermögen der Normalität ist der Realität näher als das Flexibilitätsgeschrei der aufgeregten Innovierer einer kapitaleigenen Gesellschaft mit den politischökonomischen Leitbildern von vorgestern. Deren Innovationsagenten haben den Leuten ja nur
weiszumachen, dass sie wollen sollen, was sie müssen. Und diese Botschaft ist so neu nicht.

[www.lhs.se]
Illich himself:
Zitat

Die propagierte Verpflichtung zur kompetitiven, selbstgesteuerten Wissensbereicherung eines jeden in jedem Moment seines Lebens zementiert die pädagogische Ideologie. Sie verfestigt den Glauben daran, daß alles und jedes Wissen und Können erworben werden muß. Und ferner den Glauben, daß die Qualität der Selbstkapitalisierung von der pädagogischen Qualität des Prozesses
abhängt, des Lernvorganges, in dem dieses Wissen oder Können erworben worden ist. Das unerschöpfliche Angebot von kompetitiven Lern-Paketen zementiert auch das Gefühl der Hilflosigkeit, der totalen Abhängigkeit von kompetenzvermittelnder Expertise. Beides, Abhängigkeit und Hilflosigkeit, vermittelte auch das Pflichtschulwesen, aber nur auf Zeit. Aber kein Schulwesen
versprach das lebenslange update der individuellen compatibility mit der als operating system verstandenen technogenen Gesellschaft.

[www.pudel.uni-bremen.de]

Ich will hier keinen neuen Kult begründen, Illich übertreibt wenigstens. Aber sein Plädoyer für die "Entschulung" der Gesellschaft und noch mehr gegen das "lifelong learning" hat gewiss bedenkenswerte Momente, und die liegen vor allem darin, dass (und insoweit) diese Instrumente abhängig machen statt emanzipiert. Und das ist ja wohl keine nebensächliche Frage.

Als PS nochmal eine Kleinigkeit aus der taz: Illich, sein Krebs und Opium (G. Goettle). Vielleicht wirft das ein Licht auf die Art, wie der Mann dachte - und warum dieses zugleich konservative wie radikale Denken neue Bahnen öffnen könnte.
[www.pudel.uni-bremen.de]
Zitat

"Zum Opium noch Folgendes: Seit dreißig Jahren schon plädiere ich für die Tilgung aller Paragraphen die Drogenkonsum, Abtreibung und unzünftiges Heilen reglementieren. Ich bin für die Entkriminalisierung der Selbstbeschädigung. Bin Mitbegründer von zwei Institutionen gewesen. Die eine trat für das Recht des Puertoricaners ein, seine eigenen Toten selbst begraben zu dürfen. Die zweite, die Drug-research Association diente zum Umgang mit den so genannten Gewöhnung erzeugenden Drogen. Es gibt nicht nur das Definitionsmonopol der
Medizin für Gesundheit respektive Krankheit, es wurden auch die Mittel monopolisiert, die es jedem erlauben, selbst mit dem Schmerz zurechtzukommen. Das zu verhindern ist auch Teil der Drogenpolitik."

Was meint Ihr?

von Frank S - am 24.09.2004 14:54

Re: autonomie und freiheitsbegriff. Parallele Lehrer - Ärzte

Dimitri L'Hibou schrieb:

Zitat

karl:

Ich bin der Meinung, dass lebenslanges Lernen die persönliche
Autonomie erhöht und nicht gefährdet, weil es stets
Erkenntnisse und neue Zusammenhänge erfahrbar macht.

mma:
Du redest wie ein Blinder von der Farbe.

heino:
Jeder Mensch lernt automatisch lebenslang.

meinst du heino hat damit unrecht?


Es kommt wohl darauf an, was man unter lebenslangem Lernen versteht: Der eine lernt automatisch, wie die Euro-Münzen aussehen, der andere hat neue Einsichten.

von MMA - am 24.09.2004 15:26

Re: Pädagogisierungskritik

Hallo Frank,
ich möchte hier auf die Pädagogik-Lehrer-Diskussion der letzten Tage eingehen.
Natürlich bietet das Bild von den über-behütenden Müttern, welche ihre Kinder nach dem Montessori-Kindergarten vom Reit- zum Sprachunterricht schleifen eine gute Vorlage für Satire.
Es entspricht nur so gar nicht meiner Erfahrung.
Es war mit ziemlich viel Mühen verbunden, den richtigen Kindergarten, oder überhaupt eine Krippe für unsere Kinder zu finden. Tage der offenen Türen besuchen, Gespräche mit den Erziehern und den Leitern. Anschauen, wie das Essen gemacht wird, ob es die Möglichkeit gibt draussen zu spielen usw usf. Warum sollte ich mich nicht im Vorfeld um solche Dinge kümmern? Warum sollte ich nicht das Recht haben, mich gegen eine Einrichtung zu entscheiden, in der es zum Nachtisch Gummibärchen, Fruchtzwerge oder ähnliches gibt. Aber nur. Warum sollte es fragwürdig sein, wenn man sich nach einem erzieherischen Konzept erkundigt? In Bayern soll demnächst die Gruppenstärke von bisher 25 auf 29 Kinder pro Betreuer angehoben werden. Warum sollte das nicht einen Einfluss auf meine Entscheidung haben, wohin die Kleinen kommen?
Bei dem, was wir so gesehen haben, fand ich überkandidelte Angebote und Ansprüche eher bei denen, die sich eben nicht so sehr damit auseinandersetzen wie ihre Kinder erzogen werden.
Ich kenne aber die nicht allzu seltenen Reaktionen, wenn ich erzähle, daß unser älterer Sohn in einen Montessori-Kindergarten (auch noch einen integrativen!) geht:
"Achso, Waldorf. Mit Behinderten?!"
Was mich nervt, das ist diese pädagogische Haltung zum Kind. Die pädagogische, womöglich psychologische Sicht zu der sich ja auch jede/r befähigt hält ist kein Ersatz für eine liebevolle Bindung. Vielleicht ist es altmodisch, aber an erster Stelle stehen Zuneigung und Wärme. Auch wenn die alleine natürlich nicht ausreichen.
Ferner meine ich, daß unbeobachtete, keinem Ziel und keiner Erziehung unterworfene Freiräume dem Kind nur gut tun können und vermutlich viel zu kurz kommen. Neil schrieb glaub ich sowas ähnliches.

Was für ein Horror, wenn man sich eine Gesellschaft vorstellt, in der jede/r dem vollständigen, lebenslangen Zugriff gemäß wirtschaftlicher Erfordernisse unterworfen ist.

von Byr Genar Hofoen - am 26.09.2004 12:16

Re: Pädagogisierungskritik

Hallo l.n.,

Du stellst eine Reihe von Fragen, die etwas unterstellen, was ich nicht beabsichtigt habe.
Zitat

Es war mit ziemlich viel Mühen verbunden, den richtigen Kindergarten, oder überhaupt eine Krippe für unsere Kinder zu finden. Tage der offenen Türen besuchen, Gespräche mit den Erziehern und den Leitern. Anschauen, wie das Essen gemacht wird, ob es die Möglichkeit gibt draussen zu spielen usw usf. Warum sollte ich mich nicht im Vorfeld um solche Dinge kümmern? Warum sollte ich nicht das Recht haben, mich gegen eine Einrichtung zu entscheiden, in der es zum Nachtisch Gummibärchen, Fruchtzwerge oder ähnliches gibt. Warum sollte es fragwürdig sein, wenn man sich nach einem erzieherischen Konzept erkundigt? In Bayern soll demnächst die Gruppenstärke von bisher 25 auf 29 Kinder pro Betreuer angehoben werden. Warum sollte das nicht einen Einfluss auf meine Entscheidung haben, wohin die Kleinen kommen?

Ja, warum solltest Du das nicht tun? Ich wüsste nicht, was daran verkehrt wäre.

Es ist trotzdem so, dass das Bild der "überbehütenden" (? weiß nicht, ob das Wort wirklich passt) Mütter ebenfalls der Erfahrung entspringt und etwas anderes meint, nämlich so eine Art Optimierung, getragen oft von einem zutiefst schlechten Gewissen. Ein Beispiel: Das Kind braucht ein bisschen Zeit, um mit den Zischlauten und rs zurechtzukommen, also schicken wirs zum Logopäden. Obwohl selbst der meint, das wäre nicht unbedingt nötig - aber lieber nichts versäumen. Man traut sich nicht, irgendwas abzuwarten und laufen zu lassen, lässt sich terrorisieren von den Normen, die man in den Ratgebern findet und von Experten zu hören bekommt. Es gäbe natürlich andere Kinder, die den Logopäden tatsächlich dringend nötig hätten (und es gibt leider viel zu wenige Kindergärten, die die Sprachentwicklung sorgfältig beobachten und evtl. auch etwas zu den Eltern sagen). Aber diese oben beschriebene Art von "nur das Beste für mein Kind" (im Sinne von "nichts versäumen") ist nicht ... wie soll ichs sagen, nicht gesund? Sie muss zunächst mal nicht schlimm sein (vor allem weil sie sehr wohl mit Liebe und Wärme verbunden sein kann), aber aus dieser Richtung kommt bestimmt nichts Gutes und Sinnvolles für die Entwicklung von Schule und Kindergarten.

Schlimmer kann es sein, wenn die Sache eben darauf rausläuft, möglichst gute Leistungen des Kindes mittels Schulwahl zu erreichen (wie mir das deutlich aus den Zitaten des taz-Artikels zu klingen scheint).

Insofern stimme ich Dir zu, wenn Du meinst:
Zitat

Ferner meine ich, daß unbeobachtete, keinem Ziel und keiner Erziehung unterworfene Freiräume dem Kind nur gut tun können und vermutlich viel zu kurz kommen. Neil schrieb glaub ich sowas ähnliches.
Was für ein Horror, wenn man sich eine Gesellschaft vorstellt, in der jede/r dem vollständigen, lebenslangen Zugriff gemäß wirtschaftlicher Erfordernisse unterworfen ist.

Wir verteilen vermutlich die Gewichte verschieden, aber ich habe eigentlich nicht den Eindruck, dass wir im Kern des Thema, so wie ich ihn verstehe, Dissens hätten.

Gruß Frank

von Frank S - am 26.09.2004 13:05

Re: Pädagogisierungskritik

Zitat

Wir verteilen vermutlich die Gewichte verschieden, aber ich habe eigentlich nicht den Eindruck, dass wir im Kern des Thema, so wie ich ihn verstehe, Dissens hätten.


Nein, ich auch nicht.
Widersprechen möchte ich nur dem Bild, von den Eltern, die nicht einfach die erstbeste Einrichtung ihres Sprengels wählen.
Zitat

Was mich an diesem Bericht am meisten stört, ist die Selbstverständlichkeit, mit der die Ansprüche der Eltern für richtig befunden werden.

Zitat

Wo gibts die richtige Schule für meinen kostbaren Sohn, dass er nicht versauert? "Die" normalen Lehrer können das logisch nicht, Mama weiß, wies sein muss.

Zitat

Grässlich ist aber das elitäre Getue.

Denn,
Zitat

Dass vielleicht auf dem Schulweg beim Kastaniensammeln interessantere Sachen passieren als in der (jeder) Schule

ist etwas, was gerade im Montessori-Kindergarten ganz gut vermittelt wird. :-)


schönen Nachmittag noch,
l.n.

von Byr Genar Hofoen - am 26.09.2004 13:56

"Diese Schule wird videoüberwacht"

steht auf einem Schild an einer Schule in der Mannheimer Innenstadt.
Es wäre dies die Schule gewesen, in die mein damals noch kleiner Sohn einzuschulen gewesen wäre. Wir haben es nicht getan. Mit den üblichen Schwindelein, die dazu notwendig sind, einen "Schulbezirk zu wechseln. Nicht wegen des Videos sondern wegen des Zustandes, der solche Maßnahmen den Verantwortlichen sinnvoll erscheinen ließ.

Am Zustand aller Schulen aber haben unserer Lehrer also einen Riesenmaß an Verantwortung auf sich zu nehmen.
Sie sind zu alt, zu faul und zu demotiviert.
Zunächst wäre ja an das kollektive Bewußtsein der Schuldigen - welches irgendwie vorausgesetzt und beschrieben wird - zu appellieren.
Wenn sie schon faul und unmotiviert sind, könnten sie ja wenigstens was gegen ihr Alter machen. Dann sehen sie ja auch besser aus......

Hier meint einer sich aus der Verantwortung stehlen zu können.
Aber so geht das nicht. Es gilt als beschlossen, daß die "faulen Säcke" (Schröder) irgendwie anders sein müßten, als sie sind und dann würde alles besser.
Halt, sie sollten dieses "anders" auch für weniger Geld sein.

Eingeschult hatte wir unseren Sohn dann in einer Klasse mit 23 Schülern in einem "bürgerlichen Wohngebiet".
Die Klassenstärke in der für ihn vorgesehenen Schule wäre 34 gewesen. Wir sollten uns aber keine Gedanken machen. Mehr als 32 Kinder wären nicht zulässig (1994) und bis zum Tag der Einschulung ergäben sich da mit Sicherheit noch Veränderungen.
Dies allerdings stimmte ja dann auch....

von uwe - am 27.09.2004 05:28

Re: Pädagogisierungskritik

Hallo l.n.,

bei aller Freundschaft und allem Konsens: Dabei bleib ich:
Zitat

Was mich an diesem Bericht am meisten stört, ist die Selbstverständlichkeit, mit der die Ansprüche der Eltern für richtig befunden werden. ... Wo gibts die richtige Schule für meinen kostbaren Sohn, dass er nicht versauert? "Die" normalen Lehrer können das logisch nicht, Mama weiß, wies sein muss. ... Grässlich ist aber das elitäre Getue.

Bloß muss die Konsequenz daraus nicht sein, dass man
Zitat

einfach die erstbeste Einrichtung ihres Sprengels (wählt).

Gruß Frank

von Frank S - am 27.09.2004 08:37

35 volle 60-Minuten-Stunden in der Schule

liebe tazdissidentInnen, hallo uwe,

ich klinke mich mal wieder ein.

uwe schrieb:

Zitat

Am Zustand aller Schulen aber haben unserer Lehrer also einen Riesenmaß an Verantwortung auf sich zu nehmen. Sie sind zu alt, zu faul und zu demotiviert.


für den altersdurchschnitt und die allgemeine motivation der mitarbeiter sind die chefs verantwortlich. doch wer sind die verantwortlichen chefs?
kultusminister,schulbehörden,rektorInnen?

meine wahrnehmung ist, das schulsystem ist eine "system der organisierten unverantwortlichkeit" und solche systeme fördern -ja erzeugen sogar- frustriertes und demotiviertes personal.

auch deshalb gefällt mir dieser ansatz, ziat aus dem artikel:

Seit mehr als zehn Jahren verbringen in Schweden Lehrer 35 volle 60-Minuten-Stunden in der Schule. Das war die wichtigste Schulreform am Wendekreis der Pädagogik. Sie hat dazu geführt, dass Lehrer die Schule für sich selbst zu einem Lebensmittelpunkt machen und damit auch für ihre Schüler.

uwe schrieb:

Zitat

Eingeschult hatte wir unseren Sohn dann in einer Klasse mit 23 Schülern in einem "bürgerlichen Wohngebiet".


ein nachvollziehbarer und für bildungsnahe bürger folgerichtiger entschluss, der dazu führt, dass die schulen mit "bildungsfernen" eltern immer mehr verwahrlosen und die anderen immer schöner werden.

das kann man übrigens auch gut bei der entwicklung der "offenen ganztagsschule" beobachten, wo viel elternengagement abgefragt wird. die tendenz dort: tütensuppe und ball in die mitte für die gettoschulen und golfkurse und biodynamisches essen für die schulen in besseren wohnvierteln.

die 880.000 lehrer stehlen sich m.e. als kollektiv aus der verantwortung, die grundlegenden strukturreformen selbst zu initiieren, denn schließlich sind es ihre arbeitsstellen an denen es zu altes, zu frustriertes und demotiviertes personal gibt.

viele eltern würden den lehrern sich gerne helfen, die schulen instandzusetzen und zwar aus ganz egoistischen gründen, nämlich, zum wohle "ihrer" kinder.

toto

von derwahretoto - am 27.09.2004 09:37

kritik der fehlenden konkreten utopie

lieber frank,

vielen dank für´s material.

In der neumodischen auch pädagogischen Literatur wird so getan, als seien die Leute jetzt total flexibel, jederzeit zu allem brauchbar, risikofreudig bis zum geht nicht mehr, ständig lebenslänglich lernend bis ins Grab, mit allen biographischen Brüchen lässig fertigwerdend, immer funktionierend, geil auf alles was neu ist, selbstgesteuert lernend handelnd und - jederzeit ersetzbar.

wer die große mehrheit der menschen so sieht, der liegt sicher voll daneben. es will auch nicht jeder absolut frei sein, viele fühlen sich der freiheit gar nicht gewachsen, das sollte man auch nicht vergessen.

In Wirklichkeit ist es selbstverständlich noch nicht ganz soweit. Die Leute sehnen sich nach unterhaltsamer Aufregung, Randale und sicherer Ruhe zugleich. Sie wollen endlich einmal ausgelernt haben, erwachsen sein und nicht auch noch dieses lebenslängliche Lernen absolvieren müssen. Sie wollen ein Häuschen mit Garten und Blumen am Fenster, eine brauchbare Zukunft für ihre Kinder, eine Rente für den Lebensabend und eigentlich keine Experimente. Auch das ist traurig; aber damit wird man rechnen dürfen. Denn das Beharrungsvermögen der Normalität ist der Realität näher als das Flexibilitätsgeschrei der aufgeregten Innovierer einer kapitaleigenen Gesellschaft mit den politischökonomischen Leitbildern von vorgestern.

auch diese beschreibung finde ich zutreffend.



Frank S schrieb:

Zitat

Ich will hier keinen neuen Kult begründen, Illich übertreibt wenigstens. Aber sein Plädoyer für die "Entschulung" der Gesellschaft und noch mehr gegen das "lifelong learning" hat gewiss bedenkenswerte Momente, und die liegen vor allem darin, dass (und insoweit) diese Instrumente abhängig machen statt emanzipiert. Und das ist ja wohl keine nebensächliche Frage.


du weißt, dass ich übertreibungen total toll finde, sie können dinge verdeutlichen.

in deutschland ist der kurzzeitige optimismus, man könnte die überwiegende mehrheit der menschen zu lebenslangem lernen motivieren, doch schon längst einem unglaubliche pessimus gewichen. etwa so: kann man vielen schüler überhaupt irgendetwas beibringen? darin sehe ich das hauptproblem, es fehlt den verantwortlichen jede konkrete und realistische utopie.

erste fragen könnten lauten:
wie könnten unsere schulen in 10, 20 und 30 jahren aussehen?
wie können wir es schaffen, dass die mehrheit der schüler gerne zur schule geht?


schöne grüße

toto

von derwahretoto - am 27.09.2004 10:28

Re: 35 volle 60-Minuten-Stunden in der Schule

Hallo Toto

Zitat

uwe schrieb:


Am Zustand aller Schulen aber haben unserer Lehrer also einen
Riesenmaß an Verantwortung auf sich zu nehmen. Sie sind zu
alt, zu faul und zu demotiviert.

Äh nun, das ist schon eher ironisch gemeint.....

ich:
Zitat

Eingeschult hatte wir unseren Sohn dann in einer Klasse mit
23 Schülern in einem "bürgerlichen Wohngebiet".



Und Du:

Zitat

ein nachvollziehbarer und für bildungsnahe bürger
folgerichtiger entschluss, der dazu führt, dass die schulen
mit "bildungsfernen" eltern immer mehr verwahrlosen und die
anderen immer schöner werden.


Auch das sehe ich anders.
Wenn man Schulen verrotten läßt und beispielsweise hinnimmt, daß Klassenstärken von 32 in denen der Anteil der Kinder, die nicht ausreichend deutsch sprechen können, mehr ( und ich meine damit SEHR VIEL MEHR) als die Hälfte beträgt, so daß Unterricht oftmals garnicht mehr stattfindet, dann ändert an dieser Situation meine persönliche Entscheidung garnichts. Und auch nichts die persönliche Einstellung der Lehrer.
Die stehen schlichtweg vor einer Aufgabe, die nicht zu lösen ist. Ob mit oder ohne guten Willen
Klassenstärken von 10/12 Schülern und viele Probleme wie Vandalismus, Rowdytum usw. würden sich reduzieren lassen. Und dazu bedarf es keiner hochtechnisierten Ausrüstung der Schulen

Allerdings bestünde die Gefahr, den MoonRa (paradigmatisch) am Hals zu haben, da man mal wieder SEIN Geld für das Gezücht der "Faulen", "Derangierten" und "Anpassungsunfähigen" ausgäbe.

Zitat

die 880.000 lehrer stehlen sich m.e. als kollektiv aus der
verantwortung
, die grundlegenden strukturreformen selbst
zu initiieren, denn schließlich sind es ihre arbeitsstellen
an denen es zu altes, zu frustriertes und demotiviertes
personal gibt.


Abgesehen davon, daß ich mir nicht sicher bin, ob die Beurteilung "der" Lehrerschaft gerecht ist, hätte ich nicht die Spur einer Vorstellung, wie die das von Dir geforderte leisten sollen.
Was sollen die Grundschullehrer in solchen Klassen den der interessierten Gesellschaft vorschlagen? Kostenneutral, versteht sich.

Zitat

viele eltern würden den lehrern sich gerne helfen, die
schulen instandzusetzen und zwar aus ganz egoistischen
gründen, nämlich, zum wohle "ihrer" kinder.


Keine Ahnung.
Wie lange wird der frisch gestrichene Klassenraum bei 32 irrsinnig gestressten Grundschülern, die vom Unterricht nichts verstehen, einen Mißerfolg nach dem anderen erleben und mit einiger Berechtigung - auch wenn sie sich dessen kaum bewußt sein werden - von der Schule nichts erwarten können, vorhalten?


Gruß


uwe

von uwe - am 27.09.2004 12:03

alle schulen stehen still, wenn unser gebildeter kopf es will!

hallo uwe,

ich glaube, wir reden teilweise aneinander vorbei.

uwe schrieb:
Am Zustand aller Schulen aber haben unserer Lehrer also einen Riesenmaß an Verantwortung auf sich zu nehmen. Sie sind zu alt, zu faul und zu demotiviert.

die ironie habe ich schon verstanden. ich sehe aber dennoch die verantwortung in dem sinne, dass sich 880.000 lehrer letztlich in unglaublich schlechten verhältnissen einrichten oder einzurichten versuchen. das system schule ist m.e. kinder-, eltern- und lehrerfeindlich.

uwe schrieb:

Zitat

Auch das sehe ich anders.
Wenn man Schulen verrotten läßt und beispielsweise hinnimmt, daß Klassenstärken von 32 in denen der Anteil der Kinder, die nicht ausreichend deutsch sprechen können, mehr ( und ich meine damit SEHR VIEL MEHR) als die Hälfte beträgt, so daß Unterricht oftmals garnicht mehr stattfindet, dann ändert an dieser Situation meine persönliche Entscheidung garnichts.


ich verstehe und akzeptiere die entscheidung, sei kind in der besten schule anzumelden und würde es genauso machen. allerdings wollte ich die entwicklung beschreiben, die sich aus diesen vielen nachvollziehbaren entscheidungen der bildungsnahen menschen ergibt. diese entwicklung ist seit jahren in vollem gang, es entstehen langsam aber sicher immer mehr getto-grundschulen.

nicht deine und meine persönliche entscheidung ändert etwas, sondern ein kompletter systemwechsel und da müssen wir eltern unseren beitrag leisten, sobald erkennbar ist, dass die verantwortlichen politiker, bürokraten und die 880.000 beschäftigten in den schulen alternativen aufzeigen.

in diesem sinne sind die lehrer in der verantwortung, sie sollten z.b. streiken, wenn ihre schüler kein deutsch sprechen und der lehrer nicht die sprache seiner schüler spricht.

uwe schrieb:

Zitat

Und auch nichts die persönliche Einstellung der Lehrer.
Die stehen schlichtweg vor einer Aufgabe, die nicht zu lösen ist. Ob mit oder ohne guten Willen Klassenstärken von 10/12 Schülern und viele Probleme wie
Vandalismus, Rowdytum usw. würden sich reduzieren lassen. Und dazu bedarf es keiner hochtechnisierten Ausrüstung der Schulen


wenn mir eine berufliche aufgabe gestellt wird, die weder von mir noch von irgendjemand leistbar ist, dann teile ich meinem chef mit, dass ich nicht bereit bin, unlösbarer aufgaben zu übernehmen.
warum macht die lehrerschaft das nicht?

alle schulen stehen still, wenn unser gebildeter kopf es will!

uwe schrieb:

Zitat

Abgesehen davon, daß ich mir nicht sicher bin, ob die Beurteilung "der" Lehrerschaft gerecht ist, hätte ich nicht die Spur einer Vorstellung, wie die das von Dir geforderte leisten sollen.
Was sollen die Grundschullehrer in solchen Klassen den der interessierten Gesellschaft vorschlagen? Kostenneutral, versteht sich.


ein paar bausteine:
- 35 stunden pro woche anwesenheit aller lehrer in der schule und das 46 wochen im jahr.
- die 440.000 lehrer, die in den nächsten jahren ausscheiden nicht durch beamte ersetzen.
- verschiedene berufsgruppen in die schule holen u.a. erzieher, freizeitpädagogen, manager, clowns, pädagogische talentierte väter und mütter (auf honorarbasis) usw.
- lehrer als teilzeitberuf, wegen der möglichkeit, noch was anderes als schule und kinder zusehen.

uwe schrieb:

Zitat

Keine Ahnung.
Wie lange wird der frisch gestrichene Klassenraum bei 32 irrsinnig gestressten Grundschülern, die vom Unterricht nichts verstehen, einen Mißerfolg nach dem anderen erleben und mit einiger Berechtigung - auch wenn sie sich dessen
kaum bewußt sein werden - von der Schule nichts erwarten können, vorhalten?


diese treffend beschriebene gruppendynamik darf und wird es nicht mehr geben, wenn die überfällige strukturreform konsequent durchgeführt wird.


toto

von derwahretoto - am 27.09.2004 16:03

Re: 35 volle 60-Minuten-Stunden in der Schule

uwe schrieb:

Zitat

Wenn man Schulen verrotten läßt und beispielsweise hinnimmt,
daß Klassenstärken von 32 in denen der Anteil der Kinder,
die nicht ausreichend deutsch sprechen können, mehr ( und ich
meine damit SEHR VIEL MEHR) als die Hälfte beträgt, so daß
Unterricht oftmals garnicht mehr stattfindet, dann ändert an
dieser Situation meine persönliche Entscheidung garnichts.

Neuauflage der konservativen Assimilationsforderungen

Als ein Beispiel für die Zählebigkeit der in den 80er Jahren erstmals aufgetauchten Diskursmuster kann hier die von Jörg Schönbohm im Berliner Senat durch ein provokatives Zeitungsinterview ausgelöste Debatte 1998 angeführt werden.Es ginge nicht an, dass die Berliner sich in Kreuzberg auf einem exterritorialem Gebiet fühlten. Deutschland gehöre schliesslich den Deutschen. Die Ausländer sollten sich gefälligst entweder an die “deutsche Leitkultur anpassen oder nachhause gehen ( vgl. Hentges 1999, S. 36 f). In einem Aufsatz der ein Jahr früher datiert, schreibt Schönbohm etwas verhaltener:

“Ausländische Bevölkerungsgruppen dürfen sich nicht dauerhaft als Fremd­körper etablieren und ein isoliertes Eigenleben führen. ... Sie müssen bereit sein, sich auf die hiesigen Verhältnisse positiv einzulassen. So darf der Wille zur Bewahrung der eigenen kulturellen Identität nicht Vorwand sein für selbstisolierende Abschottung gegenüber der deutschen Kultur, den Sitten und Gebräuchen” (Schönbohm 1997, S. 3).

In dieselbe Kerbe schlug auch der Spiegel im April 1997, als er dem Projekt der multikulturellen Gesellschaft das Sterbeglöcklein läutete mit der Titelgeschichte “Ausländer und Deutsche: gefährlich fremd – Das Scheitern der multikulturellen Gesellschaft” (Der Spiegel 14.4.97). In reisserischer Aufmachung wird hier ein Bedrohungsszenario entfaltet - von ethnischen Parallelgesellschaften, in denen sich durch Frustration aufgestaute Aggressivität gegen Deutsche entlade und sich Elend und Kriminalität ausbreiteten.

Fernsehjournale berichten fast täglich über den Verfall der Schulkultur, die Gewaltneigung der Jugendlichen in den Migrantengettos und die Rekrutierungserfolge der “fundamentalistischen” Rattenfänger.

Unschwer lassen sich die oben genannten Argumentationsmuster auch in der populistischen Begleitmusik zur Unterschriftenkampagne der CDU/CSU “für Integration und gegen die doppelte Staatsbürgerschaft” Anfang des Jahres wiederfinden .

Die Hinnahme der staatsbürgerlichen Doppelbindung fördere die Abschottungstendenzen in der Migrantenbevölkerung, führe bei aussenpolitischen Interessenkollisionen zu Loyalitätskonflikten und dazu, dass Deutschland zum Schauplatz militanter interner politischer Auseinandersetzung werde, gemessen an denen die RAF-Aktivitäten noch harmlos waren (Stoiber).

“Keiner kann auf die Dauer in zwei Heimaten leben. Jeder muß sich entscheiden – für ein Vaterland”.
“Die doppelte Staatsbürgerschaft dient nicht der Integration, sondern verhindert sie”.
“Die Einbürgerung kann erst am Ende einer gelungenen Integration stehen”.
(Flugblatt der CDU Hessen/Frankfurt)
(http://www.initiativgruppe.de/publikationen/fachartikel/artikel/integration.htm)

Der Text, den ich dir in Karlscher Manier vorsetze, ist von 1999. Würde man den heute noch in demselben vorwurfsvollen Ton schreiben, weil Sprachkenntnisse bei Migranten gefordert werden? Hat man es am Ende damals nur getan, weil ein Schöhnbohm so redete oder ein Koch oder Stoiber, ein Rechter halt? Die Zeitungen und die Nachbarschaft berichten jedenfalls auch heute noch vom Verfall der Schulkultur, der Gewaltneigung der Jugendlichen (nicht nur) in den Migrantengettos, und manchmal sogar von Rekrutierungserfolgen fundamentalistischer "Rattenfänger".

Selbstkritisch, wie Salon-, Foren- und andere Linke nun mal sind, wird man den Einfluß der Zwangsgermanisierungs-Propaganda auf die Schulsituation und den im laissez-fair gescheiterten multikulturellen Ansatz der Vergangenheit vermutlich nicht hinreichend zu würdigen wissen.

Zitat

Ob mit oder ohne guten Willen
Klassenstärken von 10/12 Schülern und viele Probleme wie
Vandalismus, Rowdytum usw. würden sich reduzieren lassen. Und
dazu bedarf es keiner hochtechnisierten Ausrüstung der Schulen

Ein wenig mehr davon wär nicht verkehrt; für reduzierte Klassenstärken bedarf es aber vor allem mehr Lehrer, und die kosten Geld. Nicht nur, dass sie immer noch gerne Beamte sind, das Geld scheint irgendwie nicht da. Dabei müssten es ja nicht gleich 1500 Milliarden sein.

Zitat

Allerdings bestünde die Gefahr, den MoonRa (paradigmatisch)
am Hals zu haben, da man mal wieder SEIN Geld für das Gezücht
der "Faulen", "Derangierten" und "Anpassungsunfähigen" ausgäbe.

Selber doof.

von MoonRa - am 27.09.2004 19:43

Rassismus

Zitat

Würde man den (Text) heute noch in demselben vorwurfsvollen Ton schreiben, weil Sprachkenntnisse bei Migranten gefordert werden?

Ja, und zu Recht. Weil in den Zitaten keineswegs "Sprachkenntnisse gefordert werden".

Da wird vielmehr analysiert: Die Ausländer sind schuld, weil sie a) anders sind und b) unter sich bleiben wollen (zum Beispiel in den Vierteln mit den miesen, aber eben noch bezahlbaren Wohnungen; die ziehen einfach nicht in die Villenviertel oder gar Luxuswohnanlagen). Und daraus wird gefolgert: Ausländer gehören nicht dazu und eigentlich eher wieder raus. Außer evtl. sie haben sich dafür entschieden, ohne Abstriche hundertprozentig deutsch zu sein.

Sprachunterricht hilft gegen Deutschmängel, kostenloser Sprachunterricht hilft gegen Deutschmängel bei Leuten, die kein Geld haben. So kann man Sprachkenntnisse vermitteln. Ich kann mir noch einiges andere vorstellen, was hilft. "Fordern" ist bloß eine Ausrede dafür.

Dass (auch) AusländerInnen oft ihre Lebenslügen haben (z.B. dass sie "nur vorübergehend" hier sind und deswegen eigentlich kein Deutsch brauchen), bleibt davon unberührt. (Speziell diese Lebenslüge wird allerdings von der deutschen Ausländerpolitik seit Jahrzehnten massiv gefördert.)

Und welchen Erwägungen die indviduelle Entscheidung: Wohin schicke ich mein Kind? folgt, ist ebenfalls nochmal eine andere Frage, die damit nur sehr begrenzt zu tun hat.

von Frank S - am 28.09.2004 07:06

leserInnenbriefe von lehrern taz 27.09.04

dieser und andere interessante leserInnenbriefe standen in der montagstaz.

natürlich dokumentiere ich zunächst meinen lieblingsbrief.


leserInnenbriefe

Schul-Kleinstaaterei

Ruhe, um nachzudenken
betr.: "OECD-Lehrerstudie. Ein Beruf wie jeder andere", Kommentar von Ralph Bollmann, taz vom 22. 9. 04
[www.taz.de]

Mit Ihrer Schlussfolgerung, dass sich Lehrer/innen acht Stunden im Schulgebäude aufhalten sollen, bin ich einverstanden. Dann möchte ich aber auch die Bedingungen, wie sie zum Beispiel eine Sekretärin (ein Beruf wie jeder andere) hat: einen eigenen Schreibtisch mit den dazugehörenden Ablageflächen. Um den Unterricht vorzubereiten, braucht man eine Menge Unterrichtsmaterial, Nachschlagewerke und andere Literatur. Dazu kommt - je nach Fach - auch eine Menge Freiarbeitsmaterial, Hefte von Schülern (pro Klasse 30 Stück!) und und und. Und nicht zuletzt Ruhe, um nachzudenken. An unserer Schule sitzen vier Kolleg/innen an einem einen Quadratmeter großen Tisch und nicht jede/r hat ein Aufbewahrungsfach.

Ich wäre froh, könnte ich meine Stundenzahl in der Schule verbringen und wäre dann, wenn ich nach Hause komme, auch fertig und müsste nicht noch abends und über das Wochenende korrigieren (zum Beispiel). Zum Urlaubsanspruch: Wenn ich mir dann meinen Urlaub auch zu günstigeren Zeiten nehmen kann nichts dagegen!


BRIGITTE GÜNZLER


einen schönen dienstag wünscht

toto

von derwahretoto - am 28.09.2004 08:29

Re: Rassismus

Frank S schrieb:

Zitat

Da wird vielmehr analysiert: Die Ausländer sind schuld, weil
sie a) anders sind und b) unter sich bleiben wollen

Es gibt solche und solche, hast du das noch nicht mitbekommen? Dass sie anders sind ist üblich, entschuldige diese Wahrnehmung, die dir
rassistisch vorkommen muß, doch mit dem Glauben, alle Menschen seien wie Deutsche, muß ich dich alleine lassen. Manche dieser Menschen wollen unter
sich bleiben, mit anderen will niemand etwas zu tun haben. Und einige Russen ziehen dem Albaner mal ganz gerne einen über.

Du kannst sie sehen, aus den Fenstern deines Seminars. Du schreibst lieber über etwas anderes.

Zitat

(zum Beispiel in den Vierteln mit den miesen, aber eben noch
bezahlbaren Wohnungen; die ziehen einfach nicht in die
Villenviertel oder gar Luxuswohnanlagen).

Soll das Kapitalismuskritik darstellen?

Zitat

Und daraus wird gefolgert:

Folgern und analysieren scheint auch deine Stärke zu sein.

Zitat

Ausländer gehören nicht dazu und eigentlich eher wieder raus.

Isse die Möglichkeit? So muß ich das also verstehen: "Ausländische Bevölkerungsgruppen dürfen sich nicht dauerhaft als Fremd­körper etablieren und
ein isoliertes Eigenleben führen. ... Sie müssen bereit sein, sich auf die hiesigen Verhältnisse positiv einzulassen. So darf der Wille zur Bewahrung der eigenen
kulturellen Identität nicht Vorwand sein für selbstisolierende Abschottung gegenüber der deutschen Kultur, den Sitten und Gebräuchen” (Schönbohm 1997, S. 3)."

Na klar, Rassismus. Und so einseitig. Schönbohm redet bald wie ein xenophober Mallorquiner.

Zitat

Außer evtl. sie haben sich dafür entschieden,
ohne Abstriche hundertprozentig deutsch zu sein.

Das wär ja Höchsttrafe. Besonders für Einwanderer. Wer hätte je gehört, dass sich Einwanderer für das Land, in das sie einwandern, und für die dort
entwickelte Art von Kultur, aus Neigung entschieden hätten.

Zitat

Sprachunterricht hilft gegen Deutschmängel, kostenloser
Sprachunterricht hilft gegen Deutschmängel bei Leuten, die
kein Geld haben.

Da hast du recht. Kostenloser Unterricht, erteilt von kostenlos arbeitenden Lehrern, in kostenlos zur Verfügung gestellten Räumen,
mit kostenlos vom Himmel gefallenen Materialien.

Und wer nicht will, der braucht halt nicht. Wir sind doch keine Faschisten. Die Leute können stolz darauf sein,
sich auf einem deutschen Beamtenarschamt nicht verständlich machen zu können.

Zitat

So kann man Sprachkenntnisse vermitteln.

Und wie erst in gemeinsamen Ausflügen oder im Schwimmunt... aber wir wollen ja keine Faschisten sein, nicht?
Ein wenig Isolation von den gleichaltrigen hat noch keinem Mädel geschadet.

Zitat

Dass (auch) AusländerInnen oft ihre Lebenslügen haben (z.B.
dass sie "nur vorübergehend" hier sind und deswegen
eigentlich kein Deutsch brauchen), bleibt davon unberührt.
(Speziell diese Lebenslüge wird allerdings von der deutschen
Ausländerpolitik seit Jahrzehnten massiv gefördert.)

Tja. Diese Regierung hielt es für weise, ebenfalls kein Einwanderungsgesetz zu beschliessen, wie es ein Einwanderungsland wie Deutschland benötigt. Sind ja
keine Faschisten da oben.

Usw. blabla. Mir wird das etwas blöde. Deine Überschrift unterbot noch meine tristesten Erwartungen.

von MoonRa - am 28.09.2004 19:40

Re: Rassismus

Mit tristen Erwartungen durch schäbige Foren streichen...
Ach je, bald ist November....

von Henker - am 28.09.2004 22:50

Re: Rassismus

Tja, hilft nichts. Vielleicht nützt es was, meine Argumentation nochmal darzustellen, in der Hoffnung, dass Du Dich überhaupt drauf einlässt. Vielleicht auch nicht.

1. "Anders" sind natürlich alle möglichen Leute. Man kann nicht sinnvoll bestreiten, dass Muslims "anders" sind als Christen, Männer als Frauen. und auch Ausländer anders als Deutsche. (Wobei Österreicher und Bayern im Vergleich zu Sachsen und Ostfriesen ... na egal.)

Wenn aber das Anderssein als Schuldzuweisung funktioniert (und hier ist Ausländer meist nur eine Maske für "Türken" oder "Russen" oder "Albaner", also bestimmte Ausländer): die sind halt so (und passen darum nicht hierher, es sei denn ...), dann ist das wieder was anderes. Nämlich die Grundfigur von Rassismus.

2. Ob "Ausländer" unter sich bleiben wollen? Manche sicher, manche vielleicht. Der Grund für die beklagte Gettobildung ist jedoch ein anderer. Ausländer sind überproportional vertreten in "Glasscherbenvierteln". Und das ganz gewiss nicht, weil sie da so gerne wohnen, sondern weil sie es sich seltener als andere leisten können, Geld für eine teurere Wohnung auszugeben. Natürlich gilt das nicht für alle Ausländer, aber es ist der Grund für die "sozialen Brennpunkte". Die "Unterklasse", die dort lebt, das sind die Leute, die (etwa) am Arbeitsmarkt schlechtere Karten haben als andere oder überhaupt keine Hoffnungen mehr darauf haben: nicht nur Ausländer, aber überproportional viele.

Das deren Willen zur Abgrenzung zuzuschreiben ist wenigstens zum Teil schlicht Projektion. Ob das Kapitalismuskritik ist, weiß ich nicht; es ist aber eine Kritik rassistischer Projektionen (womit ich Schönbohm meine).

3. Wieso sich Ausländer "für die deutsche Kultur entscheiden sollen", auch noch "aus Neigung", ist mir ein Rätsel. Was ist überhaupt "deutsche Kultur"?

4. Wenn die Sprache zu lernen ein Problem ist, soll man daran was tun. Da schaut es zappenduster aus. Wenn der Staat dafür Geld ausgibt, kann ich das nur begrüßen. Dir passt das anscheinend nicht - dann jammer nicht rum über mangelnde Sprachkenntnisse.

5. Ganz allgemein mache ich nicht Werbung für Ausländer, sondern kritisiere Rassismus. Natürlich sind Ausländer nicht per se erfreuliche Gestalten und manche sogar entschieden unerfreulich. Natürlich gibt es islamische Terroristen häufiger unter Ausländern als unter Deutschen. Natürlich gibt es Abgrenzungswünsche und -bestrebungen von Ausländern - manche, so meine ich, gehen mich nichts an und sind deren Sache, andere, u.U. selbst rassistische, sind zu kritisieren. Das ist jedoch kein Grund, die Ausländereigenschaft in was Substanzielles umzudeuten (so sind sie, und solange sie so sind ...). Auch unerfreuliche Personen sollen ihre politischen und sozialen Rechte besitzen (was bei Deutschen ja nicht wirklich angezweifelt wird).

von Frank S - am 29.09.2004 07:52

Rassismus benennen und entlarven

hallo frank,

vielen dank, dass du den job übernimmst, den rassismus zu benennen und zu entlarven.

toto

von derwahretoto - am 29.09.2004 08:17

Re: Pädagogisierungskritik

Hallo Frank,

mein Älterer ist gerade in einer unglaublichen Trotz-Phase. Was soll ich machen? Die Anfälle ignorieren? Schreien und toben lassen, bis es vorbei ist? Es wird wohl nicht viel Anderes übrigbleiben. Ich weiss es geht vorbei. Aber anstrengend ist es trotzdem.

Gruß aus Maxvorstadt
l.n.



von Byr Genar Hofoen - am 29.09.2004 12:11

Re: Pädagogisierungskritik

Maxvorstadt? ehrlich?

von Frank S - am 29.09.2004 12:48

Re: Pädagogisierungskritik

Gleich an der Pinakothek.

von Byr Genar Hofoen - am 29.09.2004 13:26

Re: Pädagogisierungskritik

Boah ey. Schreib mir doch mal ne Mail ...

von Frank S - am 29.09.2004 13:40

Das ist doch ganz einfach!

Behandele ihn, als wäre er das Kind eines Nachbarn.

Denn wie Nachbars Kinder richtig zu erziehen wären, weiß doch schließlich jeder ;-)

von uwe - am 29.09.2004 16:29

oder versuchs mal damit... ;-)


.

von derfalschedodo - am 29.09.2004 16:36
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