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tazdiss
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Erster Beitrag:
vor 13 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 13 Jahren, 6 Monaten
Beteiligte Autoren:
HeinoRipinski, Frank S, Funambule, ex nihilo, patric k

Die Furcht vor dem freien Fall

Startbeitrag von HeinoRipinski am 06.02.2005 15:23

Deutschland hat schlechte Laune. Das ist nichts neues und man kann es jeden Tag beobachten, wenn man sich unter Menschen begibt.

Die miese Laune geht nach Ansicht der meisten Experten auf einen Grund zurück. Nichts ist mehr sicher, weder der Job, noch die Gesundheitsversorgung, erst recht nicht die Rente. "Das ist weit mehr als ein kurzfristiger Konjunkturpessimismus", befürchtet die Chefin des Meinungsforschungsinstituts Allensbach, Renate Köcher. Die Umfragen belegen diese These. so zu lesen in der WAZ vom Samstag,
[www.waz.de], ein Blättchen, das von eher gering begabten Journalisten und Redaktueren gemacht wird, die aber in Sachen Jammerkultur immer gern dabei sind.

Nichts ist mehr sicher, aber wer sagt denn, dass irgendetwas sicher sein muß oder es je war? Sicherheit ist und war eine Illusion.
Jobs mögen mal "sicherer" gewesen sein. Sicherer aber auch in dem Sinn, ein Garant für Langeweile und stupide Lebensführung zu sein.
Die Gesundheitsversorgung war noch nie sicher. Wer krank wird, ist auf ein bürokratisches und technokratisches System angewiesen, in dem er auf unmotivierte und unengagierte Ärzte, überfordertes und genervtes Pflegepersonal trifft. Wer gesund bleiben oder werden will, ist oft auf Methoden angewiesen, die von den Kassen nicht finanziert werden.
Und die Rente? Na, schaun wir mal. Vielleicht kippt dieses Lebensmodell, bis 60 oder 65 arbeiten zu "müssen" und dann den "Lebensabend" genießen zu können. Ist eh ein ziemlich schwachsinniges Modell. Besser wäre es, sein Leben damit zu verbringen, indem man etwas macht, dass einem liegt und Spaß macht. Und dann will man mit 65 sicher nicht damit aufhören.

Die langfristige Erwartung ist jedoch düster. "73 Prozent ahnen ernstere und härtere Zeiten", berichtet Köcher, "die Mehrheit glaubt an eine spürbare Verschlechterung ihres Lebensstandards."
Tja, so kommt es, wenn Politiker und Journalisten sich mit Glaubensfragen beschäftigen. Aber was bedeutet eigentlich eine "Verschlechterung des Lebensstandards"? Nicht mehr massenhaft Dinge kaufen können, die eh kein Mensch wirklich benötigt? Keine Audioanlagen für 50 € mehr? Kein Aldi-Kaffee für 2,39 mehr? Keine Flüge in den Süden für 29 € mehr? Ein wenig mehr Bewußtheit im Umgang mit den immer billiger werdenden Alltagsgütern wäre gar nicht mal so verkehrt. Das Privileg, auf Kosten von 80% der Menscheit zu leben, ist sicherlich endlich.

Vier von fünf Befragten erwarten sinkende Sozialleistungen,...
So ist das, wenn man sein Leben in trügerischer Sicherheit daran orientiert, Sozialleistungen konsumieren zu können.

"Argwohn bremst Aufschwung", titelt das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Deutschland stecke in einer tiefen Vertrauenskrise mit Folgen für die Wirtschaft.
Argwohn war noch nie ein Motivator für aktives Handeln. Worin besteht eigentlich die "Vertrauenskrise?" Anders gefragt: Wem würde man "vertrauen", wenn es diese Vertrauenskrise nicht gäbe? Ich vermute, das IW meint Vertrauen in "Wirtschaft und Politik". Was natürlich Unfug wäre. Das Problem liegt woanders: Es mangelt den Menschen massenhaft an Selbstvertrauen. Das ist die eigentliche "Vertrauens"-Krise.
Hier aber beißt sich die Katze in den Schwanz. Jene, die die "Vertrauenskrise" beklagen, haben sie zum Teil selbst geschaffen. Politiker, Wirtschaftsfunktionäre und Journalisten erlangen dadurch Aufmerksamkeit, dass sie den Menschen Angst machen. Jede Machtstruktur basiert auf Angst, sonst würde sie nicht funktionieren. Wenn die Menschen keine Angst hätten, würden sie dem ganzen Gesindel überhaupt nicht zuhören.
Außerdem ist Angst tief in der christlichen abendländischen Kultur verwurzelt. Das Geschäft der Pfaffen funktionierte nämlich auch nur dadurch, dass sie den Menschen Angst machen. Halten wir fest:
Priester und Politiker - die Mafia der Seele.

"Wir werden es nicht erreichen, dass es einfach wieder bergauf geht", sagt Katrin Göring-Eckhard, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag. Für Deutschland müsse Sinn stiftendes neu gefunden werden, für die "Nachwohlstandswachstumswelt".
Oh, oh, das hört sich gar nicht gut an. Ich weiß nicht, irgendwie erweckt der Anblick dieser grünen Furie niedrigste Gewaltinstinkte in mir.
Richtig ist allerdings, dass die Menschen Lebenssinn und -inhalt außerhalb des Konsums von Gütern entwickeln sollten. Es macht in meinen Augen keinerlei Sinn, einen frustrierenden Arbeitsalltag auf sich zu nehmen und sein Geld dann in ein teures Auto oder einen Riesenfernseher oder sonstigen Unfug zu stecken.
Allerdings sollte die Sinnstiftung nicht Katrin Göre-Eckhard erfolgen, das könnte übel enden.

"Wir haben ein Angstklima, dass sich das Wohlstandsniveau nicht langfristig halten lässt", stellt der Konsumforscher Michael Jäckel von der Uni Trier fest.
Jaja, die Angst um den Wohlstand.

Es wird ein langwieriger Prozess, aus dem Stimmungstief wieder herauszufinden.
Aber sicher doch. Es stellt sich nur die Frage, ob jemand wirklich Interesse daran hat, dass die Menschen gute Laune und keine Angst mehr haben. Dann wären sie nämlich nicht mehr so leicht manipulierbar und würden dieses ganze Gesocks von Politikern, Pfaffen, Journalisten und Wirtschaftsfunktionären in die Wüste jagen und anfangen, ihr eigenes Leben zu LEBEN.

@M.M. und Karl: Ihr könnt meine Aussagen nun gerne aus dem ursprünglichen Zusammenhang reißen und mir meine Niedertracht oder was auch immer nachweisen. Die anderen Forumsteilnehmer werden ihren Spaß daran haben.

Antworten:

Zitat

Jobs mögen mal "sicherer" gewesen sein. Sicherer aber auch in dem Sinn, ein Garant für Langeweile und stupide Lebensführung zu sein.

Ob Jobs stupide sind, bestimmt sich ganz gewiss nicht danach, ob sie "sicher" sind oder nicht (Callcenterjobs sind sicherlich nicht anspruchsvoller als Sachbearbeitung im Liegenschaftsamt ...). Dagegen mag es stimmen, dass ein Job, den man jederzeit verlieren kann, mehr Aufregung bietet - freilich eine, auf die man gut verzichten kann ...
Zitat

Besser wäre es, sein Leben damit zu verbringen, indem man etwas macht, dass einem liegt und Spaß macht.

Da werd ich Dir nicht widersprechen, besser is das. Nur arbeiten wir ja gewöhnlich, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen - dh es muss normalerweise ein Unternehmen oder eine Behörde aus ihren ganz egoistischen Erwägungen heraus unsere Arbeit "haben" wollen. Da gehts nicht nach dem, was uns Spaß macht und liegt ...
Zitat

Es macht in meinen Augen keinerlei Sinn, einen frustrierenden Arbeitsalltag auf sich zu nehmen und sein Geld dann in ein teures Auto oder einen Riesenfernseher oder sonstigen Unfug zu stecken.

Ist Dir natürlich unbenommen, ich lebe auch nicht so. Dh frustrierender Arbeitsalltag kommt schon vor, teures Auto und Riesenfernseher dagegen nicht. Aber was qualifiziert Dich dazu, solcher Lebensweise den Sinn abzusprechen? Und: Die Alternative kann oft sein: Ich nehme keinen frustrierenden Arbeitsalltag auf mich und "konsumiere" dafür Sozialleistungen, die freilich für ein "teures Auto" nicht taugen.
Zitat

Dann wären sie nämlich nicht mehr so leicht manipulierbar und würden dieses ganze Gesocks von Politikern, Pfaffen, Journalisten und Wirtschaftsfunktionären in die Wüste jagen und anfangen, ihr eigenes Leben zu LEBEN.

Wieso glaubst Du, dass es sich um Manipulation handelt?

von Frank S - am 07.02.2005 08:25
Frank S schrieb:

Zitat

Jobs mögen mal "sicherer" gewesen sein. Sicherer aber auch
in dem Sinn, ein Garant für Langeweile und stupide
Lebensführung zu sein.
Ob Jobs stupide sind, bestimmt sich ganz gewiss nicht danach,
ob sie "sicher" sind oder nicht (Callcenterjobs sind
sicherlich nicht anspruchsvoller als Sachbearbeitung im
Liegenschaftsamt ...). Dagegen mag es stimmen, dass ein Job,
den man jederzeit verlieren kann, mehr Aufregung bietet -
freilich eine, auf die man gut verzichten kann ...
Besser wäre es, sein Leben damit zu verbringen, indem man
etwas macht, dass einem liegt und Spaß macht.
Da werd ich Dir nicht widersprechen, besser is das. Nur
arbeiten wir ja gewöhnlich, um unseren Lebensunterhalt zu
verdienen - dh es muss normalerweise ein Unternehmen oder
eine Behörde aus ihren ganz egoistischen Erwägungen heraus
unsere Arbeit "haben" wollen. Da gehts nicht nach dem, was
uns Spaß macht und liegt ...
Es macht in meinen Augen keinerlei Sinn, einen frustrierenden
Arbeitsalltag auf sich zu nehmen und sein Geld dann in ein
teures Auto oder einen Riesenfernseher oder sonstigen Unfug
zu stecken.
Ist Dir natürlich unbenommen, ich lebe auch nicht so. Dh
frustrierender Arbeitsalltag kommt schon vor, teures Auto und
Riesenfernseher dagegen nicht. Aber was qualifiziert Dich
dazu, solcher Lebensweise den Sinn abzusprechen? Und: Die
Alternative kann oft sein: Ich nehme keinen frustrierenden
Arbeitsalltag auf mich und "konsumiere" dafür
Sozialleistungen, die freilich für ein "teures Auto" nicht
taugen.
Dann wären sie nämlich nicht mehr so leicht manipulierbar und
würden dieses ganze Gesocks von Politikern, Pfaffen,
Journalisten und Wirtschaftsfunktionären in die Wüste jagen
und anfangen, ihr eigenes Leben zu LEBEN.
Wieso glaubst Du, dass es sich um Manipulation handelt?


ja glaubst du etwa, die grosse masse lebt aus einer eigenen, bewußten entscheidung unter abwägung der alternativen so, wie sie lebt? wenn ja, warum sind die leute dann so miesepetrig, so übelgelaunt, so frustriert und so wenig glücklich? sie leben doch nicht wirklich, sie vegetieren an der oberfläche dahin.

manipulation ist tief in unserer kultur verwurzelt. sie funktioniert, indem man die leute klein macht (ihr seid sünder), ihnen angst macht (ihr kommt in die hölle) und ihnen gleichzeitig versprechungen macht (ihr könnt in den himmel kommen). so gewinnt man macht über menschen. das war jahrhundertelang das geschäft der pfaffen. heute hört ihnen bei uns kaum noch jemand zu, aber diese manipulation funktioniert trotzdem noch, denn sie ist tief in unserer kultur, oder meinetwegen im kollektiven unbewußten verankert.
die kommunisten gingen nach dem gleichen muster vor, nur dass sie das paradies bereits auf erden versprachen. bloß wenn es dann soweit war, steckten sie die leute in arbeitlager (nun gut, das ist jetzt stark vereinfacht).
politiker, wirtschaftfunktionäre und auch journalisten nutzen ebenfalls den angst-effekt. sie machen den leuten angst vor arbeitsplatzverlust, sozialabbau und was auch immer. immer in der hoffnung, das die menschen ihnen dann zuhören und ihren ideen folgen, sie wählen, ihre produkte kaufen etc.

angst ist ein interessantes phänomen. frage dich einfach: gibt es JETZT, in diesem augenblick, irgendein problem? gibt es JETZT und in diesem moment irgendetwas, womit du nicht klar kommst? ängste beziehen sich immer auf etwas, das in zukunft passieren könnte. aber du kannst nie wissen, was wirklich passiert, ängste sind eine projektion des verstandes auf die zukunft. was kann dir alles passieren: du kannst krank werden, arbeitlos werden, einen unfall haben, deine partnerin läuft weg, du kannst im dunklen überfallen werden...bloß wießt du nicht, was wirklich passieren wird. aber vielleicht bietet die jemand lösungen an: ein pfaffe, ein politiker, ein versicherungsvertreter, die welt ist voll von solchen seelen-mafiosis.
die medien sind voll von negativmeldungen und all das schürt deine angst, was dir alles passieren könnte und raubt dir die kraft, dein leben jetzt und im moment total zu leben und zu genießen.
leute, die dies tun sind nicht mehr manipulierbar, nicht mehr berechenbar und nicht mehr beherrschbar. und sie machen den scheiß um sie herum nicht mehr mit, sagen "fuck it all!" und verpissen sich.
und nun kannst sagen "ja, wenn das alle so machen würden..."
ja, was wäre denn dann?

von HeinoRipinski - am 07.02.2005 10:35
Zitat

manipulation ist tief in unserer kultur verwurzelt. sie funktioniert, indem man die leute klein macht (ihr seid sünder), ihnen angst macht (ihr kommt in die hölle) und ihnen gleichzeitig versprechungen macht (ihr könnt in den himmel kommen). so gewinnt man macht über menschen. das war jahrhundertelang das geschäft der pfaffen. heute hört ihnen bei uns kaum noch jemand zu, aber diese manipulation funktioniert trotzdem noch, denn sie ist tief in unserer kultur, oder meinetwegen im kollektiven unbewußten verankert.
die kommunisten gingen nach dem gleichen muster vor, nur dass sie das paradies bereits auf erden versprachen. bloß wenn es dann soweit war, steckten sie die leute in arbeitlager (nun gut, das ist jetzt stark vereinfacht).
politiker, wirtschaftfunktionäre und auch journalisten nutzen ebenfalls den angst-effekt. sie machen den leuten angst vor arbeitsplatzverlust, sozialabbau und was auch immer. immer in der hoffnung, das die menschen ihnen dann zuhören und ihren ideen folgen, sie wählen, ihre produkte kaufen etc.


Hallo Heino,

da ist viel wahres dran. Trotzdem glaube ich nicht an bewußte Manipulation; schon allein deswegen nicht, weil ich eine konzertierte Aktion der sog. herrschenden Klasse für nicht abstimmbar halte. Das ganze ist schlicht eine Wechselwirkung - bad news verkaufen sich besser. Und mit dem Erwerb von Luxusartikeln verschaffen sich Leute Linderung, die Illussion der heilen Welt.

Zitat

ängste beziehen sich immer auf etwas, das in zukunft passieren könnte. aber du kannst nie wissen, was wirklich passiert, ängste sind eine projektion des verstandes auf die zukunft. was kann dir alles passieren: du kannst krank werden, arbeitlos werden, einen unfall haben, deine partnerin läuft weg, du kannst im dunklen überfallen werden...bloß wießt du nicht, was wirklich passieren wird. aber vielleicht bietet die jemand lösungen an: ein pfaffe, ein politiker, ein versicherungsvertreter, die welt ist voll von solchen seelen-mafiosis.
die medien sind voll von negativmeldungen und all das schürt deine angst, was dir alles passieren könnte und raubt dir die kraft, dein leben jetzt und im moment total zu leben und zu genießen.
leute, die dies tun sind nicht mehr manipulierbar, nicht mehr berechenbar und nicht mehr beherrschbar. und sie machen den scheiß um sie herum nicht mehr mit, sagen "fuck it all!" und verpissen sich.
Tja, wenn es so einfach wäre. Nur: Ängste lassen sich nicht einfach abschalten, leider. Und gewisse wirtschaftliche Zwänge gibts eben auch. Natürlich kann man sich durch Konsumverzicht Freiräume verschaffen - aber völlige Autarkie? Da hab ich so meine Zweifel.

Trotzdem: der Denkansatz ist gut.

Gruß,
patric

von patric k - am 07.02.2005 11:00
Hallo Heino,

so kommen wir nicht weiter.
Zitat

sie leben doch nicht wirklich, sie vegetieren an der oberfläche dahin.

Nein, da stimme ich Dir nicht zu. Die leben genau so wirklich, wie Du es tust.
Dazu ist es nicht notwendig, dass
Zitat

die grosse masse ... aus einer eigenen, bewußten entscheidung unter abwägung der alternativen so lebt, wie sie lebt.

So lebt eh keiner, dass er sich erst mal bewusst entscheidet, die Alternativen abwägt und hinterher zu leben anfängt.

Du kannst Deinen Lebenswentwurf gegen den anderer stellen, aber dazu wäre es notwendig, erst mal die Lebensentwürfe der anderen als solche anzuerkennen. Du tust das nicht und so sind die anderen für Dich dann halt "vegetables" (wie es Bernward Vesper in der "Reise" schreibt). Das finde ich unproduktiv und unerfreulich und es trifft auch keineswegs zu.
Zitat

manipulation ist tief in unserer kultur verwurzelt.

Mag sein. Aber mit so einer umfassenden Manipulationstheorie unterstellst Du, dass die Leute alle m.o.w. als Roboter funktionieren, Du entziehst ihnen den Subjektstatus. Damit hast Du mit Sicherheit Unrecht. Es ist bezeichnend, dass Du auf vages Zeug wie das kollektive Unbewusste ausweichen musst, weil sich die angeblichen Manipulationsmechanismen nicht aufweisen lassen.

Wenn Du Dich mit Subjekten auseinander setzt, statt überall Herden Bewusstloser zu unterstellen, können wir eher auf einen grünen Zweig kommen.

Gruß Frank

von Frank S - am 07.02.2005 11:03
patric k schrieb:

Zitat

manipulation ist tief in unserer kultur verwurzelt. sie
funktioniert, indem man die leute klein macht (ihr seid
sünder), ihnen angst macht (ihr kommt in die hölle) und ihnen
gleichzeitig versprechungen macht (ihr könnt in den himmel
kommen). so gewinnt man macht über menschen. das war
jahrhundertelang das geschäft der pfaffen. heute hört ihnen
bei uns kaum noch jemand zu, aber diese manipulation
funktioniert trotzdem noch, denn sie ist tief in unserer
kultur, oder meinetwegen im kollektiven unbewußten verankert.
die kommunisten gingen nach dem gleichen muster vor, nur dass
sie das paradies bereits auf erden versprachen. bloß wenn es
dann soweit war, steckten sie die leute in arbeitlager (nun
gut, das ist jetzt stark vereinfacht).
politiker, wirtschaftfunktionäre und auch journalisten nutzen
ebenfalls den angst-effekt. sie machen den leuten angst vor
arbeitsplatzverlust, sozialabbau und was auch immer. immer in
der hoffnung, das die menschen ihnen dann zuhören und ihren
ideen folgen, sie wählen, ihre produkte kaufen etc.


Hallo Heino,

da ist viel wahres dran. Trotzdem glaube ich nicht an
bewußte Manipulation; schon allein deswegen nicht,
weil ich eine konzertierte Aktion der sog. herrschenden
Klasse für nicht abstimmbar halte. Das ganze ist schlicht
eine Wechselwirkung - bad news verkaufen sich besser. Und mit
dem Erwerb von Luxusartikeln verschaffen sich Leute
Linderung, die Illussion der heilen Welt.

ängste beziehen sich immer auf etwas, das in zukunft
passieren könnte. aber du kannst nie wissen, was wirklich
passiert, ängste sind eine projektion des verstandes auf die
zukunft. was kann dir alles passieren: du kannst krank
werden, arbeitlos werden, einen unfall haben, deine partnerin
läuft weg, du kannst im dunklen überfallen werden...bloß
wießt du nicht, was wirklich passieren wird. aber vielleicht
bietet die jemand lösungen an: ein pfaffe, ein politiker, ein
versicherungsvertreter, die welt ist voll von solchen
seelen-mafiosis.
die medien sind voll von negativmeldungen und all das schürt
deine angst, was dir alles passieren könnte und raubt dir die
kraft, dein leben jetzt und im moment total zu leben und zu
genießen.
leute, die dies tun sind nicht mehr manipulierbar, nicht mehr
berechenbar und nicht mehr beherrschbar. und sie machen den
scheiß um sie herum nicht mehr mit, sagen "fuck it all!" und
verpissen sich.
Tja, wenn es so einfach wäre. Nur: Ängste lassen sich nicht
einfach abschalten, leider. Und gewisse wirtschaftliche
Zwänge gibts eben auch. Natürlich kann man sich durch
Konsumverzicht Freiräume verschaffen - aber völlige Autarkie?
Da hab ich so meine Zweifel.

Trotzdem: der Denkansatz ist gut.

Gruß,
patric


hallo patric,
nein, wirklich bewußte manipulation ist dies i.d.r. nicht. allerdings gibt es auch diese, insbesondere in politischen think-tanks.
das ganze funktioniert duch unbewußtheit, indem nämlich nicht hinterfragt wird, was tue ich, warum tue ich dies, warum bin ich auf dieser welt. es ist halt ein system, dass sich immer wieder wie von selbst erneuert.

ängste lassen sich zwar nicht so einfach abschalten, aber durch bewußtmachung derselben raubt man ihnen die kraft über die eigenen person. ein weg dorthin ist meditation.
und die wirtschaftlichen zwänge sind oft geringer, als man denkt. ich kenn einige leute, die krankmachende jobs und familienstrukturen verlassen haben und ein völlig neues leben angefangen haben.
es geht!

von HeinoRipinski - am 07.02.2005 11:14
Zitat

Frank S schrieb:


Hallo Heino,

so kommen wir nicht weiter.

sie leben doch nicht wirklich, sie vegetieren an der
oberfläche dahin.


Nein, da stimme ich Dir nicht zu. Die leben genau so
wirklich, wie Du es tust.
Dazu ist es nicht notwendig, dass
die grosse masse ... aus einer eigenen, bewußten entscheidung
unter abwägung der alternativen so lebt, wie sie lebt.
So lebt eh keiner, dass er sich erst mal bewusst entscheidet,
die Alternativen abwägt und hinterher zu leben anfängt.


nein, das geht wirklich nicht, er müßte schon in früher kindheit damit anfangen. was aber geht ist, innezuhalten, sich zu reflektieren und seine wahlmöglichkeiten zu erkennen. und dann seinem leben eine andere richtung zu geben.



Zitat

Du kannst Deinen Lebenswentwurf gegen den anderer stellen,
aber dazu wäre es notwendig, erst mal die Lebensentwürfe der
anderen als solche anzuerkennen. Du tust das nicht und so
sind die anderen für Dich dann halt "vegetables" (wie es
Bernward Vesper in der "Reise" schreibt). Das finde ich
unproduktiv und unerfreulich ...


ich verbinde damit ja keine abwertung und erkenne im real life jeden so an, wie er ist (sogar karl). allerdings bin ich mir sicher, dass sich die meisten menschen nicht mit verschiedenen lebensalternativen auseinandergesetzt haben, sondern innerhalb einer gewissen bandbreite ein vorgefertigtes leben leben.



Zitat

manipulation ist tief in unserer kultur verwurzelt.
Mag sein. Aber mit so einer umfassenden Manipulationstheorie
unterstellst Du, dass die Leute alle m.o.w. als Roboter
funktionieren, Du entziehst ihnen den Subjektstatus. Damit
hast Du mit Sicherheit Unrecht.


Aber so kommen wir auch nicht weiter. woher willst du wissen, ob ich mit sicherheit unrecht habe?
allerdings glaube ich schon, dass die meisten menschen "roboterähnlich" leben, mit einer geringen bandbreite von entscheidungsmöglichkeiten und geprägt von allerlei ängsten und gesellschaftlichen konditionierungen.

Zitat

Es ist bezeichnend, dass Du
auf vages Zeug wie das kollektive Unbewusste ausweichen
musst, weil sich die angeblichen Manipulationsmechanismen
nicht aufweisen lassen.


nun, hier unterscheiden wir uns. das kollektive unbewußte oder auch morphogenetische felder sind für mich kein vages zeug, sondern durchaus real. mittlerweile beschäftigen sich auch wissenschaftler damit und kommen zu erstaunlichen erkenntnissen.

Zitat

Wenn Du Dich mit Subjekten auseinander setzt, statt überall
Herden Bewusstloser zu unterstellen, können wir eher auf
einen grünen Zweig kommen.

Gruß Frank


gut, was kennzeichnet denn für dich ein subjekt? jemand, der frei entscheidet, ob er lieber einen golf oder einen astra kauft?

von HeinoRipinski - am 07.02.2005 11:35
Zitat

ich verbinde damit ja keine abwertung und erkenne im real life jeden so an, wie er ist

Schön. Aber kaum realisierbar.
Zitat

das kollektive unbewußte oder auch morphogenetische felder sind für mich kein vages zeug, sondern durchaus real. mittlerweile beschäftigen sich auch wissenschaftler damit und kommen zu erstaunlichen erkenntnissen.

Ich finde es immer wieder amüsant, dass gerade die Kritiker der "offiziellen" Wissenschaft so wissenschaftsgläubig sind. Wenn sich "auch Wissenschaftler" damit befassen, muss es ja was Seriöses sein.

Ich will nebenher gar nicht behaupten, dass bspw. an den "morphogenetischen Feldern" oder dem "kollektiven Unbewussten" nichts dran wäre. Nur bleiben die Aussagen tatsächlich verdammt nebelhaft. Und dass es da neblig wird, wo man nichts Klares aufzuweisen hat, ist doch nahe liegend.
Zitat

gut, was kennzeichnet denn für dich ein subjekt? jemand, der frei entscheidet, ob er lieber einen golf oder einen astra kauft?

Auch das. Genauer: Jmd. als Subjekt betrachten heißt für mich, seine/ihre Handlungen nicht auf Struktur, Bedingung oder Manipulation zu reduzieren, sondern als Handlungen ernst zu nehmen.

von Frank S - am 07.02.2005 12:41


Zitat

ich verbinde damit ja keine abwertung und erkenne im real
life jeden so an, wie er ist
Schön. Aber kaum realisierbar.


man kann es täglich üben. zumal, wenn man weiß, das leute, auf die man reagiert, einem eh nur eigene persönlichkeitsanteile spiegeln.

Zitat

das kollektive unbewußte oder auch morphogenetische felder
sind für mich kein vages zeug, sondern durchaus real.
mittlerweile beschäftigen sich auch wissenschaftler damit und
kommen zu erstaunlichen erkenntnissen.
Ich finde es immer wieder amüsant, dass gerade die Kritiker
der "offiziellen" Wissenschaft so wissenschaftsgläubig sind.
Wenn sich "auch Wissenschaftler" damit befassen, muss es ja
was Seriöses sein.


wir nähern uns an. ich bin kein kritiker der "offiziellen" wissenschaft, aber einer der wissenschaftsgläubigkeit. was die morphogenetischen felder angeht - östliche mystiker wußten dies schon immer. ich finde es aber erfreulich, dass wissenschaftler sich nun damit beschäftigen und das man die skeptiker und nur-rationalisten mit deren erkenntissen konfrontieren kann.

Zitat

Ich will nebenher gar nicht behaupten, dass bspw. an den
"morphogenetischen Feldern" oder dem "kollektiven
Unbewussten" nichts dran wäre. Nur bleiben die Aussagen
tatsächlich verdammt nebelhaft. Und dass es da neblig wird,
wo man nichts Klares aufzuweisen hat, ist doch nahe liegend.


sicher ist es "nebelig". um so mehr grund, sich damit zu beschäftigen und klarheit zu erreichen.

Zitat

gut, was kennzeichnet denn für dich ein subjekt? jemand, der
frei entscheidet, ob er lieber einen golf oder einen astra
kauft?
Auch das. Genauer: Jmd. als Subjekt betrachten heißt für
mich, seine/ihre Handlungen nicht auf Struktur, Bedingung
oder Manipulation zu reduzieren, sondern als Handlungen ernst
zu nehmen.

in volkswirtschaftlichem sinne richtig. unter dem aspekt "menschliche potentiale und entfaltungsmöglichkeiten" aber etwas dürftig.

von HeinoRipinski - am 07.02.2005 12:59

.

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von Funambule - am 08.02.2005 08:53

.

.

von Funambule - am 08.02.2005 09:01

Re: Die Furcht vor dem freien Fall/Sorge Dich nicht, lebe!

Funambule schrieb:

Zitat

ja glaubst du etwa, die grosse masse lebt aus einer eigenen,
bewußten entscheidung unter abwägung der alternativen so, wie
sie lebt? wenn ja, warum sind die leute dann so miesepetrig,
so übelgelaunt, so frustriert und so wenig glücklich? sie
leben doch nicht wirklich, sie vegetieren an der oberfläche
dahin.

manipulation ist tief in unserer kultur verwurzelt. sie
funktioniert, indem man die leute klein macht (ihr seid
sünder), ihnen angst macht (ihr kommt in die hölle) und ihnen
gleichzeitig versprechungen macht (ihr könnt in den himmel
kommen). so gewinnt man macht über menschen. das war
jahrhundertelang das geschäft der pfaffen. heute hört ihnen
bei uns kaum noch jemand zu, aber diese manipulation
funktioniert trotzdem noch, denn sie ist tief in unserer
kultur, oder meinetwegen im kollektiven unbewußten verankert.
die kommunisten gingen nach dem gleichen muster vor, nur dass
sie das paradies bereits auf erden versprachen. bloß wenn es
dann soweit war, steckten sie die leute in arbeitlager (nun
gut, das ist jetzt stark vereinfacht).
politiker, wirtschaftfunktionäre und auch journalisten nutzen
ebenfalls den angst-effekt. sie machen den leuten angst vor
arbeitsplatzverlust, sozialabbau und was auch immer. immer in
der hoffnung, das die menschen ihnen dann zuhören und ihren
ideen folgen, sie wählen, ihre produkte kaufen etc.

angst ist ein interessantes phänomen. frage dich einfach:
gibt es JETZT, in diesem augenblick, irgendein problem? gibt
es JETZT und in diesem moment irgendetwas, womit du nicht
klar kommst? ängste beziehen sich immer auf etwas, das in
zukunft passieren könnte. aber du kannst nie wissen, was
wirklich passiert, ängste sind eine projektion des verstandes
auf die zukunft. was kann dir alles passieren: du kannst
krank werden, arbeitlos werden, einen unfall haben, deine
partnerin läuft weg, du kannst im dunklen überfallen
werden...bloß wießt du nicht, was wirklich passieren wird.
aber vielleicht bietet die jemand lösungen an: ein pfaffe,
ein politiker, ein versicherungsvertreter, die welt ist voll
von solchen seelen-mafiosis.
die medien sind voll von negativmeldungen und all das schürt
deine angst, was dir alles passieren könnte und raubt dir die
kraft, dein leben jetzt und im moment total zu leben und zu
genießen.
leute, die dies tun sind nicht mehr manipulierbar, nicht mehr
berechenbar und nicht mehr beherrschbar. und sie machen den
scheiß um sie herum nicht mehr mit, sagen "fuck it all!" und
verpissen sich.
und nun kannst sagen "ja, wenn das alle so machen würden..."
ja, was wäre denn dann?

Sag mal, Du Großmeister der Plattitüdenverwurstung, blickst
Du eigentlich noch durch, ob Du grade Osho-Sermon wiederkäust
oder das Geschwafel des "unsterblichen" wie unsäglichen Dale
Carnegie bzw. einer seiner Reinkarnationen?


da kein sachlicher bezug zu meinem text besteht, erübrigt sich eine antwort.

von HeinoRipinski - am 08.02.2005 11:24

Re: Die Furcht vor dem freien Fall/Sorge Dich nicht, lebe!

> erübrigt sich eine antwort.

meine güte, dann laß es doch einfach.



von ex nihilo - am 08.02.2005 12:04

Re: Die Furcht vor dem freien Fall/Sorge Dich nicht, lebe!

ex nihilo schrieb:

Zitat

> erübrigt sich eine antwort.

meine güte, dann laß es doch einfach.


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maybe I want is what I need


der beitrag von funambule stellt eine verächtlichmachung meines beitrages da und ist daher im sinne des forumsfriedens UNKENNTLICH zu machen!

von HeinoRipinski - am 08.02.2005 12:16
Zur Information:
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