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KBS 970 - Forum
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doku-des-alltags, 218473, Köf-Dompteur, Jan Methner, JonasH

Pasinger Impressionen, Teil 1 (23 Bilder)

Startbeitrag von doku-des-alltags am 24.12.2009 09:26

Hallo zusammen,

heute starte ich eine mehrteilige Serie über den Bahnhof München-Pasing. Der Bahnhof in seinem heutigen Zustand wurde bekanntlich zwischen 1950 und 1959 großflächig umgebaut und in Hochlage neu errichtet, so daß die neuen Bahnanlagen gut 50 m nördlich des Empfangsgebäudes lagen. Dadurch konnten die von Westen kommenden Hauptstrecken kreuzungsfrei in den Bahnhof eingefädelt werden, was bei den vormaligen Gleisanlagen aus der Zeit der Bayerischen Staatsbahn nicht der Fall war. Im alten Bahnhof standen 3 Inselbahnsteige sowie der Hausbahnsteig für die Personenzüge zur Verfügung, im neuen Bahnhof kam ein zusätzlicher Inselbahnsteig dazu.

Obwohl durch Pasing bereits seit 1839 die Bahnstrecke München - Lochhausen verlief, war in Pasing zunächst noch kein Halt vorgesehen. Erst als man 1840 mit der Bahn von München bis nach Augsburg reisen konnte, bekam das Dorf Pasing einen einfachen Haltepunkt. Jahre nach der Verstaatlichung der Strecke am 25. August 1844 wurde erst 1854 in Pasing das erste Bahnhofsgebäude durch Friedrich Bürklein erbaut. Zeitgleich erfolgte die Eröffnung der Starnberger Linie bis nach Planegg. Seitdem hat die Station den Status als Bahnhof. Der Verkehr nahm zu und bald waren die Kapazitäten des kleinen Empfangsgebäudes erschöpft. 1873 schließlich, wurde das neue Empfangsgebäude im bayerischen Quadereinheitsstil fertiggestellt. Wiederum im gleichen Jahr wurde die Buchloer Linie eröffnet.

In Anbetracht dessen, daß erhaltene historische Bahnhofsgebäude im Münchner Stadtgebiet eher äußerst rar sind, grenzt es fast an ein Wunder, daß in Pasing beide Bauwerke bis heute erhalten sind.
Wie der Bahnhof Pasing derzeit umgestaltet wird kann man hier nachlesen: [www.pasinger.de]

Seit dem Umbau der 1950er Jahre hatte sich über all die Jahre zwischen Bahnhofsgebäude und Gleisanlagen ein kleines Zeitloch versteckt gehalten. Ein Stück des ehemaligen Gleis 1 war samt Bahnsteigkante und Bahnsteigpflaster nämlich noch relativ lange vorhanden (Reste des Gleisbetts lassen sich momentan noch auf Google Earth ausmachen):





1.) Dieser Blick bot sich dem Reisenden bis in die 50er Jahre, wenn er am Bahnsteig von Gleis 2/3 stand. 1989 war das ehemalige Gleis 1 samt Bahnsteigkante des Hausbahnsteigs noch vorhanden. Vorne das Bürklein'sche EG mitten im Grünen. Im Hintergrund spitzt das aktuelle Bahnhofsgebäude von 1873 raus.





2.) Blick vom heutigen Gleis 1 auf das Empfangsgebäude. 1989 war das stattliche Gebäude noch nicht renoviert. Rechts im Bild der überdachte 50er-Jahre-Durchgang zu den Bahnsteigen. Dazwischen im ehemaligen Gleisbereich ein eher provisorisches Niemandsland, das u. a. als Parkplatz benutzt wird. Schräg rechts im Hintergrund, das im letzten Jahr abgerissene Postamt.





3.) Das alte Gleis 1 wurde zum Abstellen von Bahnhofswagen genutzt. Zu dem Güterwagen selbst kann ich leider nichts sagen.





4.) Im weiteren Verlauf des Geländes nach Osten schloß sich die Bahnmeisterei Pasing an. Im Hintergrund die große Halle der Güterabfertigung.





5.) Was jahrzehntelang hinter dichtem Geäst kaum sichtbar war, kam 2008 aus dem Dornröschenschlaf wieder zum Vorschein. Hier die Straßenseite. Möge dem schmucken fast 155 Jahre alten Bürkleinbahnhof noch eine würdige Zukunft beschert werden.




Doch nun hinauf zu den Gleisanlagen. Der große Bahnhof im Münchner Westen war für mich schnell zu erreichen, es war immer viel los, also ideal für die frühen fotografischen Versuche.




6.) 111 082 erreicht an einem Sommertag 1989 um 15.47 den Bahnhof Pasing auf Gleis 2 mit dem E 3614 aus Mittenwald . Die Gleise 2 und 3 sind dem Regionalverkehr über die KBS 960 und 970 Richtung Karwendel und Allgäu vorbehalten. Bis zum Hauptbahnhof verlaufen die Gleise auf ihrer eigenen Trasse und münden in den Starnberger Flügelbahnhof. Vor Laim erfolgt die Überquerung der übrigen Hauptbahngleise.
Auf Gleis 1 ist die S-Bahn Großhesselohe Isartalbf – Buchenau angeschlagen, die um 16.24 über die Verbindungskurve vom Heimeranplatz einfahren wird. Diese mit einem 420 geführte Verbindung ist zum Zeitpunkt sozusagen nachmittägliche Rückleistung des Siemenszuges N7729 Fürstenfeldbruck 6.47 – 7.22 Mü-Solln, der zum Zeitpunkt aus einem 141-geführten Wendezug bestand.





7.) Ende der 80er sind purpurrote Dieselloks auf der Allgäubahn Mangelware. Während das Bw Mühldorf noch über eine große Anzahl altroter 218 mit 300er Nummern verfügt, sind die Maschinen des Bw Kempten mit 400er Nummern ausschließlich ozeanblau-beige. Am 10. Juni 1988 hat es jedoch die Regensburger 218 220 hierher verschlagen. Sie bespannt den E 3880 München – Lindau, der um 13.12 Gleis 3 in Pasing belegt.





8.) Während die Eilzüge Richtung Allgäu allesamt Gleis 2 oder 3 benutzen, fahren die D-Züge vom Fernbahnsteig ab. 218 441 setzt sich am 12. Juli 1988 mit dem D 2166 München – Basel Bad Bf auf Gleis 9 in Bewegung. Uhrzeit 14.08, eine Stunde nach dem E 3880 nach Lindau.




9.) Die Gleise 4 - 7 dienen ausschließlich dem S-Bahnbetrieb. In Pasing befindet sich jeweils ein Vorstellgleis am östlichen und westlichen Vorfeld, wo Verstärkungsgarnituren abgestellt werden können. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war es noch üblich, daß bei stadtauswärtsfahrenden S-Bahnzügen der hintere Zugteil nur bis Pasing fuhr und stadteinwärtsfahrende Züge in Pasing um 3 Wagen verstärkt wurden. Heute kommt das kaum noch vor, sonst müsste man die Fahrgäste stapeln.
1966, also 7 Jahre nach der endgültigen Fertigstellung* des neuen Bahnhofs, begannen erneut umfangreiche Bauarbeiten in Pasing. Für den bevorstehenden S-Bahnbetrieb mußten die Vorortstrecken aus Tutzing/Herrsching, Geltendorf und Maisach kreuzungsfrei in den Bahnhof eingefädelt werden, um einen Richtungsverkehr (stadtein-, stadtauswärts) an zwei Bahnsteigen zu ermöglichen. Die Lokalbahn nach Herrsching trennt sich erst ein Stück weiter südwestlich an der Bodenseestraße von der Garmischer Strecke. Kurz vor dem Abzweig wurde die neue Haltestelle Westkreuz errichtet, zumal dadurch die zur gleichen Zeit dort entstehende Trabantenstadt (welche die Bebauungslücke zwischen Aubing und München schloss), auch gleich einen S-Bahnanschluß erhielt.

*) 1959 war der Umbau mit der Streckenführung der Augsburger Strecke über ein schon in den Jahren zuvor gebautes Brückenbauwerk über die Zufahrt zum Abstellbahnhof abgeschlossen.




10.) Am 29. März 2002 schien noch alles weitgehend unverändert zu sein. Doch die Ära der Baureihe 420 in München neigt sich dem Ende zu. Drei Monate später war 420 080 bereits ausgemustert. 2004 hat die Baureihe 423 komplett das Regiment übernommen. Inzwischen sind auch die charakteristischen Bahnsteigdächer durch neue ersetzt worden. Seit 2008 erfährt der Bahnhof eine grundlegende Renovierung (was zugegebenermaßen auch dringend nötig ist).





11.) Trotzdem gefiel mir der alte Zustand von der Optik her besser, deshalb schnell wieder zurück ins Jahr 1988. 360 858 rollt mit einem aus Teleskophaubenwagen und Hochbordwagen bestehenden Güterzug durch Pasing. Woher - Wohin? Keine Ahnung...





12.) 150 113 rollt im Juli 1989 mit einem schweren Schotterzug durch Pasing. Der zeitgleich Gleis 8 verlassende Zug scheint Richtung Südring zu wollen. Zumindest befindet sich die Spitze des Zuges gerade auf dem Gegengleis der Hauptstrecke, auf der soviel ich weiß keine Falschfahrten möglich sind. Also wird er noch ein Gleis nach links rüberwechseln auf die Güterbahn nach Laim Rbf. Autoreisezüge nach München Ost nehmen durchaus den Weg durch den Rangierbahnhof. Aber nach dem Sonnenstand zu urteilen ist es bereits Nachmittag und somit etwas spät für einen nächtlichen Autoreisezug. Nachtrag: Wahrscheinlich eine Überführungsfahrt aus dem Aw Neuaubing. (Danke an Köf-Dompteur)




13.) München-Pasing Gbf besitzt zwar nach Osten hin einen eigenen Ablaufberg, dieser wird jedoch in den 80er Jahren kaum noch benutzt. Aus eigener Beobachtung ist mir das nur ein einziges Mal aufgefallen. Üblicherweise werden die Züge Richtung Westen ausgezogen, wie hier mit 360 133, die mit eindrucksvoller Dieselsäule wieder anschiebt. Wenn das durch den Zug verdeckte Ausziehgleis wie hier zu kurz ist, wird dafür nicht selten das Streckengleis der Güterstrecke nach Laim benutzt. Pasing Gbf war bis 1995 Knotenpunktbahnhof für die hier ausgehenden Strecken.





14.) Nachdem sich die Dieselschwade mitsamt 360 133 weiter nach hinten verzogen hat, rauscht 120 124 mit einem Intercity vorbei. Das durchgehende Hauptgleis hat keinen Bahnsteig.





15.) An den Fernbahnsteig gehts nur über ein Nebengleis. An einem regnerischen Sommertag 1988 fährt um 10.44 die 120 003 mit dem IC 694 "Kieler Förde" nach Kiel auf Gleis 9 ein. Heutzutage hält fast jeder ICE in Pasing, damals fuhren die meisten Fernzüge noch ohne Halt durch.
Vor 1979 hielten so gut wie keine Fernzüge in Pasing, auch viele Eilzüge fuhren durch. Die Ausnahmen bildeten folgende Züge (Sommer-Fpl. 1977):

IC 189 Hermes Bremen - München, München-Pasing ab 23.37 [(1)-(5)]
IC 180 Albrecht Dürer München - Bremen, München-Pasing ab 6.25 [(1)-(5)]
IC 117 Gambrinus Köln – München, München-Pasing ab 21.00 [(1)-(5)]

Außerdem die beiden D-Züge:

D 787 Lichtenfels – München, München-Pasing ab 20.05
D 714 München - Norddeich Mole, München-Pasing ab 7.18





16.) Das DrS-Stellwerk Pf am Westkopf des Personenbahnhofs, das zusammen mit dem Stw Pgf im Güterbahnhof im Jahre 1957 fertiggestellt war. Der alte Bahnhof hatte 6 mechanische Stellwerke der Bauart Krauss, inklusive Befehlsstellwerk zwischen den Gleisen 4 und 5 östlich der Bahnsteige. Der alte Bahnhof hatte insgesamt nur 7 Bahnsteiggleise.




17.) Spatsommer 1991: Eine 103 mit dem mutmaßlichen EC 12 "Paganini", Bologna 8.00 – 23-48 Dortmund, der um 16.57 in Pasing einen Halt einlegt. Vom Fahrplan und von der Reihenfolge der Negative her müsste es dieser Zug sein, ich kenne allerdings die Wagenreihung nicht.






18.) Denn kurz darauf um 17.02 dieselt 218 410 von Gleis 3 los, mit dem E 3208 nach Lindau am Haken. Die daneben einfahrende S-Bahn ist eine S3, denn sie kommt kommt auch die Rampe herunter, die der Zug gleich hinauffahren wird, kann aber keine S4 sein, sonst gäbe es eine Flankenfahrt.




19.) Kurz zuvor kam aus der Gegenrichtung der EC97 "Gottfried Keller" aus Bern, der auf dem äußersten Gleisstrang ohne Halt am Pbf Pasing vorbeifährt und über die "Abstellbahn" Richtung Hauptbahnhof fährt. Betriebstechnisch konnte der E 3208 von Bild 11 erst losfahren, nachdem der EC durch war. Denn die Zufahrtswege der einzelnen Strecken untereinander zum Bahnhof sind zwar seit Anfang der 70er Jahre kreuzungsfrei angelegt, für die Züge der KBS 970 stellt das Überwerfungsbauwerk jedoch ein Nadelöhr dar. Links wartet ein 420 auf seinen Einsatz als Verstärkungszug.




20.) Das Nadelöhr wird auf diesem aktuellen Bild deutlich: Von den Gleisen 2 und 3 müssen die Züge Richtung Allgäu zunächst einen eingleisigen Abschnitt passieren, den sie auch in der Gegenrichtung benutzen. Auch die S-Bahn aus Geltendorf benutzt dieses Gleis, allerdings nur stadteinwärts. Das nächste Gleis auf der Rampe gehört der S-Bahn aus Richtung Nannhofen und das daneben ist das Vorstellgleis (bei Bild 4 beschrieben). Die EC-Züge aus der Schweiz wiederum biegen noch weiter westlich auf einen eingleisigen Abschnitt ab, der die Augsburger Strecke unterquert um auf die äußersten Bahnhofsgleise zu gelangen. Dabei kreuzen sie natürlich das stadtauswärtige Streckengleis.

Nach links zweigt die Strecke nach Garmisch ab.






21. - 23.) Zum heutigen Abschluß was winterliches: 194 145 mit dem Dg 54615 Ulm – München am 24. Februar 1988. Drei Monate später wurde sie z-gestellt. Bei diesen Bildern war ich sichtlich nervös. Ich hatte Ende 1987, Anfang 1988 in Pasing oft vergeblich auf eine E94 gewartet und nun, da mir endlich mal eine vor die Linse fuhr, stand ich gerade so ungünstig, daß nichts als Oberleitungs- und Signalmasten im Weg standen. Naja, besser als gar nix ;-)


Frohe Weihnachten allerseits und viele Grüße,
Georg

Antworten:

Wunderbarer Bilderbogen zu Pasing...:-)
Schönes Weihanchtsgeschenk.

von JonasH - am 24.12.2009 09:54
Wirklich schöne Bilder. Wenn man doch die Zeit noch einmal zurückdrehen könnte. Das war noch eine schöne Eisenbahn - Zeit, als die Loks noch so bunt waren und nicht alles verkehrsrot. Schade, dass ich das nicht miterlebt habe, diese bunten 80er und 90er Jahre, jedenfalls nicht fotografisch. Wenn ich mir überlege, was hier auf meiner Hausstrecke München - Mühldorf noch alles rumfuhr...die Touristik 218, ein paar altrote 218er, bei den 217ern weiss ich nicht genau, ob die auch noch altrot waren (bis auf die 002 und die 014 natürlich). Und heute: verkehrsrote, meist auch noch verdreckte 218er und ein paar 628.
Ich würde wirklich gerne die Zeit zurückdrehen, wenigstens für einen Tag (allerdings meine Digicam muss mit in der Zeit reisen ;)).

Gruss,
Jan

von Jan Methner - am 24.12.2009 10:29
Servus Djosh,
wieder ein toller Beitrag über die Eisenbahn in München - gerne mehr davon!
Bei dem Zug auf Bild 12, der gerade in Ri Mü-Laim Rbf ausfährt, würde ich auf die nachmittägliche Überführungsfahrt vom Aw Neuaubing in die zum Hbf tippen. Der Laufweg vom Westkreuz über Pasing nach Laim ging in Pasing Pbf immer über Gleis 8 oder 9, die Strecke habe ich von 1997 bis 2000 öfter mit der 323 680 abgefahren und dabei für Verwirrung auf dem Pasinger Fernbahnsteig gesorgt.

Viele Grüße vom Köf-Dompteur

von Köf-Dompteur - am 25.12.2009 22:01

Ein klasse Rückblikck auf MP, danke dafür (owt.)

Gruss Stefan

von 218473 - am 25.12.2009 22:19
Hallo Köf-Dompteur,

danke für den Tipp. Das kann gut sein. So einen Überführungszug aus dem Aw hab ich auch noch in Vorderansicht mit einer 360. Das Bild kommt dann im nächsten Beitrag.

Viele Grüße,
Georg

von doku-des-alltags - am 26.12.2009 08:02
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