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KBS 970 - Forum
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[OT] mit Kind & Zug nach Rumänien - ein Reisebericht nicht nur mit und über die Eisenbahn

Startbeitrag von KBS974 am 14.02.2013 09:12

leider hat es etwas länger gedauert den Bericht von unserer Fahrt im August 2012 nach Rumänien hochzuladen, ich hoffe mal er gefällt euch trotzdem - auch wenn das schon weit ab unseres Forengebietes liegt.



Freitag

Nachdem unsere beiden letzten größeren Urlaube vor zwei Jahren nach Holland [www.drehscheibe-foren.de] und letztes Jahr im März nach Südfrankreich [www.drehscheibe-foren.de] mit unserem Sohn dank entspannter Planung so problemlos waren sollte es mit ihm im August nach Rumänien gehen.

Rumänien gilt eigentlich nicht als das Urlaubsland für Familien –außer vielleicht Badeurlaub am Schwarzen Meer-, und eigentlich schon gar nicht mit einem 22-monatigen Kind. Aber ein Besuch bei Verwandten von unseren Freunden war doch Anlass dieses Land in Angriff zu nehmen.

Nachdem unsere Reiseutensilien in zwei großen Rucksäcken und im Kinderwagen verstaut waren, ging es mittags über München mit dem Railjet nach Wien. Dort blieb Zeit für einen entspannten Bummel entlang der Geschäfte in der Mariahilferstrasse, auch unser Sohn nutzte die Gelegenheit und spazierte selber zum Bahnhof zurück. Recht erstaunte Blicke erntete dabei unser „selbstfahrender“ Kinderwagen, wenn diesen -für entgegenkommende Fußgänger nicht erkennbar- unser Sohn schob.
Am Bahnhof wurden noch schnelle die Reisevorräte ergänzt, Milch für unseren Sohn und Wein für uns ;-).
Nachdem im Nachtzug nach Bukarest inzwischen keine Wagengruppe nach Budapest mehr führt, hat der Zug eine sehr übersichtliche Länge bekommen und so war unser Schlafwagen schnell gefunden.
Die Frage nach der Unterbringungsmöglichkeit für unseren Kinderwagen wurde vom Schaffner mit einer Mischung aus Erstaunen und Desinteresse ignoriert. Die normale Gepäckablage war zu klein und die Stellfläche im Abteil eh schon sehr knapp. Im DB-Nachtzug wurde für den Kinderwagen schon mal ein leeres Abteil aufgesperrt und so eine recht elegante Lösung gefunden. So blieb uns aber nichts anderes übrig, als den Kinderwagen doch in den Dachraum des Schlafwagens zu verfrachten und mittels zweier -schon gefühlsmäßig eingepackter- Gummispanner zu sichern, um bei einer Bremsung nicht den Kinderwagen ins Bett geliefert zu bekommen.

Da wir uns auf den versprochenen Speisewagen nicht verlassen wollten, hatten wir vorgesorgt und entsprechendes eingepackt – zu recht, denn der Speisewagen fehlte mal wieder. So gab es zwar nur Brot mit reichlich Wurst und Käse, aber uns allen hat es geschmeckt. Zwischenzeitlich reichte uns der Schlafwagenschaffner wegen des fehlenden Speisewagens noch eine Frühstückstüte, dessen Inhalt mit einer Packung Schokokeksen, einer Flasche Limo und einer Plastiktasse mit löslichem Kaffee ein richtig schmackhaftes Frühstück versprach . Nachdem dann unser Sohn recht bald eingeschlafen war, machten wir es uns auf dem Seitengang mit den eigentlich fürs Frühstück gedachten Keksen und der Flasche Wein gemütlich. Bei den letzten Schlucken genossen wir noch die Einfahrt ins nächtliche Budapest.



Samstag

Immer wieder überraschend ist die Feinfühligkeit mancher Grenzorgane bei den nächtlichen Kontrollen, während unser Sohn die ungarische Kontrolle verschlief, haben die rumänischen Kollegen eine solche Unruhe in den ganzen Wagen gebracht, daß davon sogar unser Sohn kurz wach wurde.
Nachdem unser Ausstiegshalt noch langsam näher kam, wollten wir noch unsere Fahrkarten wieder zurück, allerdings war das Betreuerabteil verweist. Nachdem der hilfsbereite Schaffner des Nachliegewagens seinen Kollegen anrief, kam dieser ziemlich verschlafen aus einem unserer Nebenabteile und händigte uns sichtlich ungehalten unsere Fahrkarten aus. Wie sich unser Kaffepulver in einen wohlriechenden Kaffee verwandeln könnte interessiert ihn auch nicht weiter – während es im Nachbarwagen schon deutlich nach frischem Kaffee roch.

Nachdem rumänische Binnenzüge von Deutschland aus nicht reservierbar sind, war der erste Gang in Blaj zum Schalter. Wir hatten für unseren Anschlusszug nach Sibiu zwar schnell eine Reservierung bekommen, aber leider habe ich dabei den im Nebengleis stehenden Dostogliederzug zu spät gesehen und dieser entschwand unfotografiert.



Im Desiro gab es erst mal richtig Frühstück mit Marmeladenbrot und reichlich Obst. Unser Sohn wollte dann erst mal den Triebwagen erkunden und machte dabei seine erste Laufversuche auf rumänischem Oberbau – erstaunlicherweise klappte das besser als bei manchem erwachsenem Fahrgast in deutschen Zügen… .

Die Fahrt führte recht unspektakulär, aber doch nicht langweilig durch hügeliges Gelände. Unterwegs kreuzten wir an einem der wenigen Bahnhöfe mit einer Carvelle von RegioTrans.

Sibiu liegt am Zibin (Cibin), einem Nebenfluss des Alt (Olt), nahe den Südkarpaten. Südlich der Stadt erstreckt sich die Mărginimea Sibiului, eine traditionell rumänisch bewohnte Region der Vorkarpaten. Auf den anderen Seiten der Stadt befindet sich das historisch von Siebenbürger Sachsen besiedelte Gebiet.

In Sibiu angekommen, führte unser Weg nach einem kurzen Pflichtfoto im Bahnhof direkt zur evangelischen Kirche in der Oberstadt. Der erste Eindruck von Sibiu war trotz einer großen Bauruine am Bahnhof gut – zwar teilweise etwas heruntergekommen, aber doch eigentlich sauber und gepflegt.

Hier sei ausdrücklich mal der Hinweis auf die hervorragenden Reiseführer aus dem Müller-Verlag erlaubt, mit denen wir in den letzten Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Während viele Reiseführer sehr PKW-lastig sind findet man in den Müller-Reiseführern oftmals auch Hinweise auf öffentliche Verkehrsmittel. Auch unsere Unterkunft im Pfarrhaus hatten wir aus diesem Reiseführer. Dort hatten wir uns in einem der Gästezimmer eingemietet. Für uns war der große Vorteil, daß wir dort auch eine große Wohnküche mitnutzen konnten. Unser Sohn freundete sich auch schnell mit einer fast gleichaltrigen Rumänin an und die beiden tobten durch die ganze Etage, während wir unsere Rucksäcke auspackten.



unsere Unterkunft von Außen:



Rechts im Torbogen geht es runter zum Weinkeller:



Nach einem reichhaltigen Mittagessen im nahegelegenen kirchlichen Weinkeller –einem urgemütlichen kleinen Lokal mit schattiger Terrasse- wollte ich noch einen fotografischen Versuch starten und einen Abstecher zu einer Bahnbrücke über den Zibin. Machen. Die Strecke nach Vintu de Jos führt unweit der Altstadt in einem Bogen um die Stadt und war somit eigentlich in fußläufiger Entfernung (wenn das auch bei diesen Temperaturen nicht do ganz lustig war). Das ganze entsprach leider nicht so ganz meinen Vorstellungen, das am Nachbarufer von einem Anwohner entzündetet Feuer passte da noch richtig dazu. Der Fahrplan versprach eigentlich zwei Züge – so dass ich zumindest auf einen lokbespannten Zug hoffte - gekommen ist dann aber (wieder mal) nur ein Desiro … .




Den Rest des Nachmittags verbrachten wir mit einer Rast in einem kühlen Park und einem kleinen Stadtbummel durch die sehr sehenswerte Oberstadt von Sibiu. Fast könnte man meinen, durch eine deutsche oder österreichische Kleinstadt zu laufen – der deutschstämmige Ursprung dieser Stadt ist deutlich erkennbar. Hier im Zentrum gibt es zudem viele frisch renovierte Häuser und ein sehr gepflegtes Straßenbild. Praktischerweise gab es eine Filiale eines bekannten österreichischen Lebensmittelunternehmens direkt am Obermarkt und so konnten wir dort direkt noch für unser Abendessen einkaufen. Dabei stellten wir fest, dass der Laden auch Sonntag früh geöffnet hat und somit für die nächsten beiden Tage auch frische Semmel zum Frühstück gesichert waren.
Am Abend ging es dann nochmal kurz zum Bahnhof um dort ein wenig das Geschehen zu beobachten.



Man mag kaum glauben, daß sich unter dem Grasteppich Gleise befinden:



Obwohl die dicken Mauern unseres Hauses eigentlich ganz gut die Wärme abhalten könnten, waren Dank der anhaltenden Hitze selbst am Abend noch knapp 30°C in unserem Zimmer. So dauerte es wegen der ungewohnten Wärme dann doch etwas länger bis unser Sohn schlief, trotzdem konnten wir in der vergleichsweise kühlen Wohnküche den Tag gemütlich ausklingen lassen.

Sonntag

Nachdem der Weg zum Bahnhof nicht allzu weit war, wollten wir nach dem Frühstück erst mal unseren Nachtzug am nächsten Abend reservieren.
Um mit unserem Sohn nicht zu fast mitternächtlicher Stunde in Alba Iulia umsteigen zu müssen, hatten wir geplant von Sibiu aus schon mal bis Simeria dem Nachtzug entgegenzufahren und dann dort schon um halb zehn in den Nachtzug einzusteigen. Dieser Reisewunsch brachten wir die Fahrkartenverkäuferin fast zur Verzweiflung – sie versuchte mehrmals uns klarzumachen, daß wir doch einen riesigen Umweg fahren würden und zwei Stunden länger unterwegs wären. Das wir genau das wollten, konnte sie überhaupt nicht verstehen – erst als sie uns unseren Reiseweg nochmal auf der Karte zeigte und wir ihr auch da nur zustimmend nickten, verkaufte sie uns kopfschüttelnd die Reservierung.

Ich hatte im Vorfeld über einen rumänischen Eisenbahnfreund eine recht nette Fotostelle in den Karpaten entdeckt, allerdings schien das Vorhaben wegen ungünstiger Zugfahrpläne nicht umsetzbar zu sein. Meine Frau hatte jedoch die Idee mal am benachbarten Busbahnhof nachzuschauen – und tatsächlich fuhr passend um 14:00 Uhr ein Bus gen Süden ins Olttal. Damit konnten wir zuvor entspannt noch Mittagessen – allerdings hatte unser schon erprobter Weinkeller aus personellen Gründen noch nicht auf – in der Altstadt von Sibiu gibt es jedoch genügend Alternativen und so gab es für uns in einem kleinen Restaurant in Anbetracht der hochsommerlichen Temperaturen leichte Kost mit Suppe und Salat. Der Salat war gut und reichlich, die Suppe aber zumindest für unseren Geschmack zu wässrig. Dass dies nicht rumänischer Standard war, durften wir einige Tage später erfreut zur Kenntnis nehmen.

Wieder am Busbahnhof angekommen, stand ein schon gut besetzter Kleinbus bereit – der Fahrer war zwar über das Fahrtziels Lotru Gara etwas verwundert, verkaufte uns aber kommentarlos die Fahrkarten. Der Kinderwagen fand gerade noch Platz im heckseitigen Gepäckabteil, wir fanden für uns drei noch zwei nebeneinanderliegende Plätze im hinteren Teil des Busses. Schon kurz nach der Abfahrt kuschelte sich unser Sohn an mich und schlief selig ein – bei den Temperaturen ist das nicht so ganz lustig für den der unten sitzt ….. .
Wir genossen trotzdem die Fahrt ins Gebirge entlang des teilweise aufgestauten Flusses Olt. Nach gut einer Stunde Fahrt sah ich linkerhand der Bahnhof von Lotru – allerdings machte der Fahrer keine Anstalten den dorthin führenden Weg einzuschlagen oder zumindest anzuhalten. Unsere Rufe verhalten anscheinend ungehört – bis wir unseren Sohn umgebettet hatten waren wir schon im nächsten Ort angekommen und der Fahrer bedeutet uns hier auszusteigen.
Eine nette Mitfahrerin übersetzte netterweise und so erfuhren wir, daß der Fahrer der Meinung war – man könne nicht nach Lotru wollen, denn dort gäbe es schlichtweg nichts. Meine Fotowünsche versuchte ich erst gar nicht zu erklären und gab schlichtweg unseren Wunsch der Weiterfahrt mit dem Zug an (der im Nachbarort nun mal nicht hielt – der dortige Bahnhof war im Zuge eines neuen Stausees schon lange aufgelassen worden). Zu Fuß zurückzulaufen war mit Kinderwagen an der schmalen und stark befahrenen Straße viel zu gefährlich, so dass der Fahrer sich doch genötigt sah die zwei Kilometer wieder zurückzufahren.

In Lotru fuhren am Nachmittag die Züge dann immerhin im Stundentakt, allerdings ließen die Eilzüge kaum interessantes Material erwarten, und so kam zunächst wieder mal ein Desiro angefahren – trotzdem gefällt mir das Ergebnis:



Der Nachfolgende Nahverkehr war dann wie erhofft lokbespannt – lange wird es solch unwirtschaftliche Züge wohl auch in Rumänien nicht mehr geben.



Eigentlich wäre der in zwei Stunden folgende Nahverkehr mit zwei Malaxa-Triebwagen durchaus fotogen wesen – ich wollte aber die Geduld der restlichen Familie nicht überstrapazieren. Unser Sohn fühlte sich zwar Dank der gewährten Freiheiten und des leicht kühlenden Windes entlang des Flusses am Bahnhof nicht unwohl, aber zu spät wollten wir auch nicht wieder heimkommen.



Für die Rückfahrt kam dann wie erwartet ein Desiro – mit Familie und Kinderwagen lernt man auch dieses Fahrzeug als Reisender irgendwann doch schätzen. Nachdem der Schalter in Lotru am Nachmittag nicht mehr geöffnet hat, hatten wir somit weder Fahrkarte noch Reservierung für den Zug. Wir waren auch die einzigen Einsteiger, obwohl am Bahnsteig noch zahlreiche Reisende warteten. Wieso uns der Zugführer zunächst nicht einsteigen lassen wollte, haben weder wir noch der örtliche Fahrdienstleiter verstanden. Als wir dann im Zug auch noch eine Fahrkarte verlangten, war er schon leicht genervt. Erst nach langem Rechnen gab es dann eine Fahrkarte, wie sich später herausstellte, aber zum falschen Preis (was wir bei den Fahrpreisen aber verschmerzen konnten).

Wieder in Sibiu angekommen, bot sich uns die Möglichkeit auf dem mittelalterlichen Stadtfest zu Abend zu essen. Gulasch und eine Art Kesselfleisch köchelten in zwei großen Kesseln. Serviert mit sauren Gurken und frischem Brot schmeckte das richtig lecker – und auch die Portionen waren so reichlich daß wir alle drei gut satt davon wurden.

Der Abend klang dann mit einem Glas Wein vor dem Pfarrhaus aus – begleitet vom Pianisten mit netter Klaviermusik aus dem benachbarten Lokal, während unser Sohn oben selig schlummerte.


Montag

In der Nacht kam dann mit Gewittern die lange ersehnte Abkühlung. Das der zum Teil sehr heftige Regen sich bis zum Mittag hielt, hielt uns nicht davon ab einen ausgiebigen Stadtbummel zu machen. Unser Gepäck durften wir freundlicherweise im Pfarrhaus lassen. Zunächst führte uns der Gang auf den großen Markt wo neben Fleisch und Wurst auch riesige Säcke mit Kraut, Auberginen und Paprika auf Käufer warteten. Im Gegensatz zu unseren heimischen Märkten werden hier die Waren auch oft säckeweise verkauft – sowohl an Privatleute, die sich damit ihre Wintervorräte anlegen, als auch an Händler.



Unser Rundgang führte weiter durch die Unterstadt die allerdings deutlich weniger restauriert ist wie die touristische Oberstadt. Hier waren einige Gebäude doch in recht desolatem Zustand und die Straßen waren teilweise mit tiefen Schlaglöchern versehen. Aber auch einige sehr stilvoll renovierte Häuser fanden wir dort. So war auch dieser Teil der Stadt nicht weniger interessant.
Das Mittagessen in einer kleinen Bar am Rathaus war zwar reichlich und gut – der Service zwar vielleicht gut gemeint aber letztendlich katastrophal. Nachdem der Kellner zwar vorgab selbstverständlich Englisch zu sprechen – bekamen wir komischerweise nur ein Essen serviert und die Antwort auf unsere Nachfrage fiel dann doch sehr pampig aus … .
Zum Nachtisch gab es dann dafür frisch gebackene süße Teigtaschen aus einer kleinen Bäckerei in der Fußgängerzone – einfach lecker.
Sibiu hat uns sehr gefallen und wir werden sicherlich wieder mal hier Rast machen – auch das übrige Siebenbürgen oder die Karpaten wollen noch erkundet werden.

Hier noch einige Impressionen aus Sibiu:













Am späten Nachmittag bestiegen wir dann den Zug in Richtung Arad – bestehend wieder mal aus einem Desiro. Die Strecke führte anfangs kurvenreich durch das hügelige Karpatenvorland. An weiten Strecken begleitete uns eine gigantische Autobahnbaustelle mit teilweise riesigen Talbrücken in der dünn besiedelten Gegend. Das etwas trostlose Regenwetter passte irgendwie zum drohenden Niedergang der Bahn. Obwohl die Strecke oftmals großzügig trassiert ist und somit Potential für einen Ausbau birgt, wird aber auch hier der Straße der Vorzug gegeben.

In Alba Iulia fuhr der Zug nach kurzem Halt am Bahnsteig in entgegengesetzter Richtung wieder einige hundert Meter aus dem Bahnhof und dort blieben wir rund eine halbe Stunde stehen. Da keinerlei Informationen kamen wurden auch die anderen Fahrgäste langsam unruhig. Schließlich kamen aus Cluj zwei weitere Desiros angefahren und unser VT wurde am Schluß des Zuges beigestellt – auch in Rumänien werden anscheinend inzwischen Züge geflügelt. Mit rund 45 Minuten Verspätung ging es dann weiter – die einzige nennenswerte Verspätung auf unserer ganzen Reise übrigens. Dank des großzügigen Übergangs in Simeria reichte die Zeit dort immer noch für einen Kaffee vom Bahnhofskiosk – frischgemahlen aus einer italienischen Espressomaschine und das für umgerechnet rund 30 Cent. Unser Sohn war derweilen von der am Hausbahnsteig wartenden Rangierlok sehr angetan und so verging die verbleibende Wartezeit sehr schnell.



Bald kam auch schon unser Zug aus Timisoara nach Iasi eingefahren, der hier einen Korrespondenzanschluss zum Nachtzug von Arad nach Constanta hatte. Die Pause nutzen zahlreiche Fahrgäste für eine kurze Raucherpause am Bahnsteig. Nachdem meine Frau den Rucksack in unserem Abteil verstaut hatte, luden wir Kind und Kinderwagen in den Zug ein. Unser Sohn marschierte zielstrebig durch den Wagen, schaute in die offenen Abteile. Als er in einem dann unseren Rucksack stehen sah, verschwand er mit einem freudigen Aufschrei darin um es sich dort erst mal auf dem Bett gemütlich zu machen. Zu unserer Freude war der Schlafwagen ein von der DB übernommenes Exemplar. Hier gibt es zwar noch keine separaten Duschen in den Abteilen, dafür gibt es noch richtig Platz im Abteil. In so einem Wagen sind wir bei unserem ersten Besuch in Rumänien bis nach Griechenland gefahren – ein unvergessener Urlaub. Der Wagen strahlte noch das Flair vergangener (Bundesbahn-)Tage aus. Erstaunt waren wir über die innen immer noch vorhandene original Beschriftungen aus lang vergangenen DB-Zeiten und auch die kleine Kurbel im Abteil zum Öffnen und Schließen des Fensters funktionierte tadellos. Dank eines sehr hilfsbereiten Schaffners waren. auch schnell Kinderwagen und Gepäck verstaut. Unser Sohn schlief schon bald im unteren Bett und für uns gab es den obligatorischen Absacker auf dem Seitengang.







Weiter geht’s im Teil 2 mit dem Nordosten von Rumänien


Grüsse aus dem Allgäu von der KBS974

Antworten:

Re: [OT] mit Kind & Zug nach Rumänien - ein Reisebericht nicht nur mit und über die Eisenbahn

Servus!

Danke, dass du uns auf die Reise mitgenommen hast! Schöne Bilder runden deinen Bericht ab. Ich freue mich schon auf den zweiten Teil!

Gruß
Gabriel

von JimKnopff - am 14.02.2013 15:15

Na das gefällt mir doch richtig gut:-)

In Lotru war ich auch schon, wunderbare Erinnerungen.

Danke schön für die Bilder!

Gruß, Lutz

von km63.8 - am 14.02.2013 21:01

Re: Na das gefällt mir doch richtig gut:-)

Ich schließ mich dem Lob an. Solche Beiträge unter dem Motto "einer von uns auf verrückter großer Reise" tun dem Forum richtig gut. Amüsant zu lesen, schöne Fuzzydetails, aber auch Info über Land und Leute. Recht so, ich freu mich auf den zweiten Teil.

PS: Werde das mal ausdrucken und meiner Frau als Vorschlag fürn Sommer zeigen. Ein bisschen schocken wird man ja dürfen ;-)

Gruß aus

von Der Blaichacher - am 15.02.2013 07:13

[OT] mit Kind & Zug nach Rumänien - ein Reisebericht nicht nur mit und über die Eisenbahn - Teil II

Vielen Dank für die netten Kommentare und viel Spaß beim Teil II.

Grüsse von der KBS974

Michael



Dienstag


Die Fahrt führte uns von Alba Iulia zunächst in nördlicher Richtung nach Cluj, dann ging es nach einem Fahrtrichtungswechsel gen Osten durch bzw. eher über die Karpaten. Von all dem bekamen wir nichts mit, wir haben alles schlichtweg verschlafen und so erreichten wir gut ausgeschlafen am frühen Morgen Frasin. Unseren Sohn mussten wir zum Aussteigen wecken, er hätte am liebsten noch weitergekuschelt.

Die Stadt Frasin mit rund 6000 Einwohnern liegt am Ufer der Moldova. Die Ausdehnung des Bahnhofs lässt noch ein wenig die ursprüngliche wirtschaftliche Bedeutung der Stadt erahnen, im südlichen Teil der Stadt finden sich auch noch zahlreiche Überreste des Erzbergbaus.

Nach einem reichhaltigen Frühstück war relaxen angesagt - den Tag verbrachten wir gemütlich im Garten unserer Gastgeber. Ein Hund und zwei Katzen sowie einige Hühner sorgten dafür, dass es unserem Sohn nicht langweilig wurde. Auch die vor dem Haus gelegene Bahnstrecke war nicht minder interessant. Auch unser Sohn fand Gefallen daran und immer wieder klang der Ruf „Citiii“ durch den Garten, wenn ein Zug in Sicht- bzw. Hörweite war.
Zwischendurch wurde noch der mittägliche Interregio nach Cluj bei der Durchfahrt durch die Gärten von Frasin „erlegt“.



Am Abend ging es noch schnell rüber nach Gura Humorului, Die Flussbrücke dort ist zwar vormittags von der anderen Seite etwas fotogener, trotzdem gefiel auch diese Seite. Der Regio war zwar noch nicht ganz im Licht, beim nächsten Zug wären dann aber schon zu viele Schatten auf der Brücke gewesen.




Mittwoch

Nachdem wir direkt am Bahnhof Frasin wohnten, war die morgendliche Kreuzung ein nettes Beiwerk. Für deutsche Verhältnisse undenkbar: der Bahnhof besitzt nur eine Bahnsteigkante, bei einer Kreuzung fährt der erste Zug zunächst in das hintere –bahnsteiglose Gleis- und die Fahrgäste dürfen direkt ins Schotterbett aussteigen und sich durch das hohe Gras kämpfen bevor dann der zweite Zug am Hausbahnsteig hält.
Nebenbei führt dann noch ein Bauer seine Kuh neben dem Hausbahnsteig zum Grasen aus……. .



Nachdem unsere Gastgeber uns freundlicherweise ihr Auto zur Verfügung stellten, waren wir hier nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen – was sich in Bezug auf unseren Sohn aber nicht unbedingt als Vorteil herausstellte. Mit dem Auto ging es zunächst zu einem der zahlreichen Klöster in dieser Gegend, Arbore. Während bei fast allen anderen Klöstern noch viele Bauten erhalten sind, steht hier nur noch das Kirchengebäude selbst und die Begrenzungsmauer nebst Eingangsturm. Nachdem hier die Renovierung erst begonnen hat, sind teilweise noch die umfangreichen Schäden zu erkennen, die der lange Leerstand verursacht hat.



Nachdem der Grenzbahnhof Dornesti fast auf unserem weiteren Weg lag, wollten wir hier nach einem geeigneten Motiv für den mittäglichen Nahverkehrszug Ausschau halten. Gerüchteweise sollten einige Leistungen aus Suceava mit Malaxa-Triebwagen gefahren werden, leider traf dies zumindest auf diesen Zug nicht zu. Der war dafür mit 60 1378 - einer eher seltenen Lok der letzten Bauserie (erkennbar an den zusätzlichen Sicken)- bespannt. Zudem interessierte sich der örtliche Transportpolizist für unser Tun, der unserem fotografischen Ansinnen jedoch zunächst nicht so wohlgesonnen war. Er ließ sich jedoch bald von der Harmlosigkeit unseres Vorhabens überzeugen und so konnten wir die dann auch Ausfahrt des Zuges ungestört fotografieren.







Anschließend ging es zum Einkaufen in die Nähe von Radauti, in der dortigen Schuhfabrik wurden fast alle Beteiligten fündig – nur Kinderschuhe gab es erst ab Größe 27 . Die Fahrt führte weitgehend entlang der Strecke nach Putna, die Anlagen machten einen sehr verwahrlosten Eindruck, obwohl erst zwei Wochen zuvor nochmal Züge nach Putna gefahren sind.
Bevor wir wieder den Heimweg antraten, stärkten wir uns noch in einem italienischen Lokal. Eigentlich wollten wir nur Kaffee und Kuchen - das Kuchenstück wurde richtiggehend als Dessert serviert, das war zwar sehr lecker, aber auch sehr mächtig.
Die Rückfahrt erfolgte dann sehr reizvoll durch die östlichen Ausläufer der Karpaten. Allerdings war unserem Sohn langsam das viele Autofahren leid, und so kamen doch wiederholt sehr heftige Beschwerden aus dem hinteren Teil des Autos. Ihm fehlte schlichtweg der sonst gewohnt Auslauf im Zug … .
Abends gab es wieder leckeres und sehr reichhaltiges rumänisches Essen bei unseren Gastgebern. Nachdem wir im Garten grillten konnten, konnte unser Sohn sich noch richtig auf dem angrenzenden Spielplatz austoben.


Donnerstag

Unser nächster Urlaubstag sollte uns nochmal in die Karpaten führen. War die Fahrt nach Vatra Dornei eigentlich mit dem Zug geplant, mussten wir leider Dank des kurzfristig ausgedünnten Fahrplans doch wieder aufs Auto zurückgreifen. So ging es entlang der Bahnstrecke über zwei Pässe in den (dort) bekannten Wintersportort. Leider bot sich wegen des dürftigen Zugangebots keine Möglichkeit einen Fotostopp einzulegen obwohl sich durchaus einige Motive angeboten hätten.
In Vatra Dornei ging es zunächst quer durch die Stadt in einen Eichhörnchenpark. In dem an einem Hang gelegenen Park tummelten sich dann neben zahlreichen Spaziergängern auch viele dieser zierlichen Tierchen, die teilweise erstaunlich zutraulich waren. Von oben konnten wir einen schönen Ausblick über die Stadt und in die Bergwelt genießen. An einer Mineralquelle im Park wurden noch die Wasserflaschen gefüllt, bevor es zum Mittagessen in die Stadt zurück ging.
Dem Kellner missfiel anscheinend, dass unsere Freunde uns erst die Speisekarte übersetzen wollten und somit die Bestellung doch etwas länger dauerte. Jedenfalls ließ er sich auch mit dem Servieren entsprechend Zeit und so warteten wir fast eine Stunde auf unsere Pizzen. Bis wir mit dem Essen fertig waren, war dafür auch die Durchfahrt des IR nach Cluj in greifbare Nähe gerückt. Während die Damen das Angebot der örtlichen Geschäfte betrachteten, bezogen wir am schmucken Bahnhof Position. Das recht eigenwillige Gebäude ließ sich mit dem Zug leider wegen der ungünstig platzierten Oberleitungsmasten aber nur recht schwer fotografieren.









Die Autofahrten in Rumänien waren zugleich für uns die erste Gelegenheit mal einen Dacia zu fahren. Die so oft kritisierte spartanische Ausstattung fiel uns überhaupt nicht negativ auf – wir haben da vielleicht aber auch nicht so hohe Ansprüche. Auch ansonsten konnte das Fahrzeug –zumal in Anbetracht des Preises- überzeugen. Während oftmals vor den rumänischen Straßen und deren Fahrer gewarnt wurde, machten wir zumindest in dieser Region keine schlechten Erfahrungen. Es wird eben nur „anders“ gefahren… . Es wird zwar recht forsch gefahren und Verkehrsregeln sind oft nur eine unverbindliche Empfehlung. Da aber auf den Straßen immer wieder mit Überraschungen gerechnet werden muss, wird dort unseres Erachtens viel mehr vorausschauend und mit mehr Rücksicht gefahren. Man(n) muss sich halt nur dem Fahrstil anpassen, dann kann auch in Rumänien Autofahren Spaß machen.


Freitag

Nachdem mein Freund in der nahen Kreisstadt Suceava noch Besorgungen zu erledigen hatten wollten wir direkt diese Gelegenheit nutzen und dort versuchen noch einen der alten Malaxa-Triebwagen dort im Einsatz zu erleben. Leider fuhr das vormittägliche Zugpaar von Botosani nicht und so entstanden nur einige –trotzdem nicht weniger interessante- Bilder in Suceava und Suceava Nord. Dabei war auch wieder der Zug nach Dornesti, der heute jedoch aus deutlich besserem Wagenmaterial und mit 1.Klasse verkehrte. Im Bw in Suceava Nord standen zwei vierachsige Malaxas – allerdings sahen die nicht so aus, als ob diese noch im Einsatz stünden. Ein Bericht im Lokreport ließ dies ja leider schon vermuten. Ein Besuch im Bw wurde uns leider verwehrt und so gab es von den beiden Triebwagen nur ein schlechtes Bild über den Zaun.

Nahverkehrszug nach Dornesti:



IC nach Bukarest:



IC aus Bukarest:



Nahverkehr:




Suceava Nord:









Einige Impressionen aus Frasin und die Rückfahrt gibt es dann im dritten Teil unseres Berichtes



Grüsse aus dem Allgäu von der KBS974

von KBS974 - am 18.02.2013 09:22

Re: [OT] mit Kind & Zug nach Rumänien - ein Reisebericht nicht nur mit und über die Eisenbahn - Teil III

und hier kommt noch der letzte Teil, viel Spaß damit ;)

immer noch Freitag

Zurück in Frasin ging es zu Fuß ins „Oberdorf“. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Anschluß des ehemaligen Sägewerks vorbei, das Anschlußgleis ist zwar inzwischen in der Hauptstrasse überteert und die alten Holzschranken sind abgebaut - die ehemalige Werkslok steht aber immer noch da.



Während der Bereich entlang der Hauptstrasse (eine der beiden geteerten Strassen in ganz Frasin) teilweise eher städtisch wirkt, führte unser Rundgang vorbei an zahlreichen gepflegten kleinen Häusern. Unterwegs begegneten wir neben freilaufenden Kühen und Schafen auch einer ganzen Herde Ziegen inclusiv eines stattlichen Ziegenbockes. Die Mitfahrtgelegenheit auf dem Pferdeanhänger lehnten wir freundlich ab.... . Unser Sohn war in Anbetracht der gebotenen Tiervielfalt sichtlich erstaunt. Nach gut einer Stunde kamen wir wieder am Bahnhof an und schnell wurde die obligatorische Abkürzung quer über den Bahnhof genommen – der mitgeführte Kinderwagen wurde kurzerhand mit über die Gleise getragen. Auch des Nachbars Kühe nutzten den Weg entlang der (teilweise stillgelegten) Gleise.











Anschließend wurde in großer Familienrunde zu Abend gegessen, den Abend genossen wir bei sommerlichen Temperaturen in einer gemütlichen Runde im Hof des Hauses, wo sich unser Sohn auch noch etwas austoben konnte.
Für etwas Erstaunen sorgte das Reisebett unseres Sohnes – war das doch eher ein Zelt als ein herkömmliches Kinderbett. Nachdem wir aber auf unseren Zugfahrten kein schweres Reisebett mittragen wollen (und können) mussten wir uns dafür eine Alternative suchen und sind bei einem Outdoor-Ausrüster fündig geworden. Dieses Exemplar kann sowohl drinnen als auch draußen verwendet werden, ist verpackt kaum größer als eine gerollte Isomatte und wiegt vor allem nur rund 2kg. [www.nomad.nl]



Samstag



Während wir die Hinfahrt mit rund 1800 km in zwei Etappen zurücklegten, sollte die Rückfahrt in einer Tour erfolgen. Rund 30 Stunden Fahrt standen uns bevor als wir in Frasin morgens um kurz nach 9 Uhr in den Interregio nach Cluj einstiegen. Der Zug war gut gefüllt und wir durften uns erstmal unsere reservierten Plätze erkämpfen. Zahlreiche mitgeführte Plastiktüten ließen den Schluß zu, daß die meisten Fahrgäste schon auf dem Rückweg vom Einkaufen aus der Kreisstadt Sucaeva waren. Recht bald entwickelte sich eine nette Unterhaltung mit einer älteren Frau in unserem Abteil. Sie hatte viele Jahre in Ulm gearbeitet und freute sich sehr sich mal wieder deutsch unterhalten zu können.
Sie stieg – wie viele andere Fahrgäste- aber schon an einem der nächsten Halte aus. Während es bis Campulung im Tal entlang zahlreicher kleinerer und größerer Ansiedlungen ging, werden die Ansiedlungen anschließend eher selten und die Strecke steigt an. Im Gegensatz zur Straße wird die Paßhöhe in einem langem Tunnel vor Mestecanis unterquert. Wir hatten schon die Befürchtung, daß unser Sohn sich wegen der Lautstärke im Tunnel erschrecken würde (durch die ungeschweißten Schienen und die geöffneten Fenster wurde es ziemlich laut im Abteil). Doch der einzige Kommentar von ihm war nach der Durchfahrt ein trockenes „nochmaaal“ – diesen Wunsch erfüllte die Strecke glücklicherweise….. .



Erst in Vatra Dornei füllte sich der Zug wieder richtig und unser Abteil war voll belegt. Weiter führt die Strecke wiederum im Tal entlang der Straße bis Floreni. Dort zweigt die Strecke nach Dornisoara ab, die leider inzwischen nicht mehr befahren wird und ehemals sogar über Bistrita weiter bis nach Cluj führte.



Unsere Bahnstrecke schwenkt hier nach Norden und führt lange Zeit durch weitgehend unbewohntes Gebiet. Nur einige Betriebsstellen (teilweise bereits aufgelassen), Brücken und Tunnel unterbrechen die Fahrt durch die waldreiche Gegend. Wir fühlten uns irgendwie an eine Fahrt durch den Schwarzwald erinnert, nur das hier die Berge höher und die Schluchten tiefer sind. Während der Fahrt verzehrten wir die eingepackten Kohlrouladen – der Rest vom Vorabend, die auch kalt sehr lecker schmeckten.
Mit vollem Bauch schlief unser Sohn bald ein – mit dem Ergebnis, das einer von uns von nun immer stehen „durfte“, da ein Sitzplatz von unsrem Sohn in Beschlag genommen wurde. Bei den hochsommerlichen Temperaturen konnten wir aber dafür den Fahrtwind am offenen Fenster geniessen.

Die Zeit beim Halt in Dej reichte um sowohl unseren Zug, als auch die am Nachbargleis abgestellte Lok zu fotografieren. Bei dieser war das Lokpersonal gerade dabei die Lokschilder in den rumänischen Farben rot-gelb-blau neu zu streichen – für unsere Augen ein sehr ungewohntes Bild.





Ab hier wird die Landschaft zunehmend flacher und nicht mehr so interessant. Unser Sohn hatte sich inzwischen mit den drei mitreisenden Damen angefreundet und wurde von ihnen bereitwillig mit Keksen und Äpfeln versorgt. Vorallem wegen der hochsommerlichen Temperaturen im Zug, waren wir froh als wir endlich am frühen Nachmittag Cluj erreichten. Nachdem unser Anschlußzug erst gegen Abend fuhr wollten wir zunächst essen gehen und uns dann ein wenig die Stadt anschauen. Einen unserer Rucksäcke konnten wir bei der Gepäckaufbewahrung abgeben .Interessanterweise wurde die Gebühr gewichtsabhängig ermittelt, so wußten wir dann auch daß der eine Rucksack knapp 20 kg wog.
Ein einfahrender ehemaliger VT 624 ließ mich dann schnell auf die den Bahnhof überquerende Brücke sprinten um diesen Zug bei der Ausfahrt noch fotografieren zu können. Das Ergebnis war zwar nicht umwerfend, aber aus der Situation heraus besser als erwartet.



Der Weg in die Stadt sollte uns zielstrebig zu einem netten rumänisches Lokal im Zentrum führen. Allerdings wollte unser Sohn nach der langen Zugfahrt unbedingt selber laufen und so zog sich der Weg vom Bahnhof ins Zentrum doch ziemlich in die Länge. Nachdem unser Weg entlang der Hauptstrasse mit zahlreichen Straßenbahnen und Bussen führte gab es da genügend Ablenkungsprogramm…. Es fuhr unter anderem auch eine noch in Potsdamer Farben lackierte Tatra. So gab es dann zwar recht spät, aber dafür ein sehr leckeres Mittagsmahl. Das Lokal befindet sich im Untergeschoß eines eher nicht sehr einladend wirkenden Einkaufszentrum, ist aber sehr gemütlich und stilvoll eingerichtet (und scheint auch von anderen Forumsmitgliedern besucht zu werden wie man hier sieht: [www.drehscheibe-foren.de]. Da finden sich auch noch einige andere nette Aufnahmen aus Cluj).
Anschließend fanden wir auch noch etwas Zeit um rund um den sehr sehenswerten Stadtplatz zu bummeln.







Bevor wir in den IC nach Deva einstiegen, wurden am Bahnhof noch kurz die Reisevorräte ergänzt. Unser Zug war mit zwei Wagen erschreckend kurz und auch nicht sonderlich gut besetzt. Während des Abendessens genossen wir in der Abendsonne die letzten Ausblicke in die Landschaft. Schon bald stieg unsere Strecke an und wir fuhren durch eine sehr seltsam anmutende Gebirgslandschaft.



In Alba Iulia angekommen war es inzwischen Dunkel geworden und der nur schwach beleuchtete Bahnhof machte keinen sehr gemütlichen Eindruck, auch wenn das Empfangsgebäude frisch renoviert war. Der Versuch noch einen frischen Kaffee zu bekommen scheiterte erst mal, da jegliche Läden oder Kioske geschlossen hatten. Vor dem Bahnhof herrschte dafür recht reges Treiben, zahlreiche Busse und Taxen warteten auf Fahrgäste, gegenüber strahlte ein hell erleuchteter Penny-Markt. Dort gab es zwar keinen frischen Kaffee, aber dafür einen leckeren Eiskaffee aus dem Kühlregal – bei den sommerlichen Temperaturen auch eine gute Alternative.

Da der Dacia leider über eine halbe Stunde verspätet war, durften wir dieses Ambiente etwas länger als geplant genießen. Pünktlich zur Einfahrt des Zuges war dann auch unser Sohn wieder munter nachdem er zuvor selbst durchfahrende Güterzüge verschlafen hatte. Nachdem der Schlafwagenbetreuer etwas hilfsbereiter war konnten wir in aller Ruhe unser Abteil beziehen. Dieses Mal hatten wir die modernste Variante der rumänischen Schlafwagen, trotzdem war das Abteil Dank der separaten Duschen wieder sehr eng, zumal der Kinderwagen diesmal keinen Platz im Deckenraum fand und auch noch in einer Abteilecke verstaut werden musste.
Bald schlief auch unser Sohn wieder und wir genossen den obligatorischen Absacker auf dem Seitengang. Die Nachtruhe wurde diesmal glücklicherweise nur kurz gestört, die Zöllner waren um einiges ruhiger als bei der Hinfahrt.

Sonntag



Pünktlich kamen wir in Wien an und so blieb bis zur Weiterfahrt mit dem nächsten ICE nach Linz noch Zeit frische Semmel im Bahnhof zu kaufen. Bereits auf der Hinfahrt hatten wir entdeckt, daß ein kleiner Lebensmittelmarkt im angegliederten Einkaufszentrum auch am Sonntag geöffnet hat. So konnten wir aus einem reichhaltigen Angebot an frischen Backwaren wählen und dazu gab es auch noch leckeren frischen Obstsalat – das Ganze zu sehr moderaten Preisen übrigens.
Unser Frühstücksbüffet im ICE entlockte auch dem Zugbegleiter ein leichtes Schmunzeln –das gastronomische Angebot im Zug konnte hier nicht so ganz mithalten.
So gestärkt konnten wir in Linz noch eine kleine Runde durch die Stadt drehen bevor es mit dem Railjet über München wieder nach Hause ging.

Unser Resümee nach 10 Tagen und über 4000 zurückgelegten Kilometern – es hat alles fast noch besser geklappt, als wir uns das vorgestellt hatten. Wirkliche Probleme hatten wir nur mit der Unterbringung unseres Kinderwagens im Schlafwagen. Unser Sohn hat alles fast entspannter genommen wie wir und so freuen wir uns auf´s kommende Jahr und weitere tolle Urlaubsreise quer durch Europa mit Kind und Zug.

Viele Grüsse aus dem Allgäu


Michael

von KBS974 - am 26.03.2013 08:26

Re: [OT] mit Kind & Zug nach Rumänien - ein Reisebericht nicht nur mit und über die Eisenbahn - Teil III

Schöner Reisebericht!
Danke fürs Zeigen. :-)

von Walter4041 - am 26.03.2013 22:39
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