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vor 4 Jahren, 4 Monaten
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s-lin

Sichtungsbericht Heimatmuseum Werdenfels GAP

Startbeitrag von s-lin am 11.08.2013 10:05

Servus Hobbykollegen,

vergangenen Freitag habe ich mir die Sonderausstellung "Bitte einsteigen!", 100 Jahre Außerfernbahn Garmisch-Partenkirchen - Reutte im Heimatmuseum Werdenfels angeschaut (Ludwigstr. 47, 82467 Garmisch-Partenkirchen, www.werdenfels-museum.de). Einen Besuch kann ich rundweg empfehlen.

Die Ausstellung befindet sich in zwei großzügigen Räumen. Der erste Raum ist der Außerfernbahn gewidmet, der zweite der Bayerischen Zugspitzbahn. Museumsleiter Josef Kümmerle war früher DB-Lokführer und man merkt der Zusammenstellung und Präsentation der Ausstellungstücke an, dass hier Sachverstand und persönliche Affinität zum Thema Eisenbahn bestehen. Zu viel möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Höhepunkt der Ausstellung ist ein Führerstand einer 44er, über der ein Bildschirm angebracht ist, auf dem eine ungekürzte Mitfahrt MGP - Reutte zu sehen ist, an einem kalten wolkigen Wintertag mit durchgehender Schneedecke. Die Aufnahme stammt noch aus der Zeit vor den Rückbauten und Modernisierungen, und wurde ziemlich professionell angefertigt (ohne Wackeln und Belichtungsschwankungen).

Weitere Hauptattraktion ist das fahrfähige Modell einer 1060 im Maßstab 1:11. Die anderen Modellbahnen im Maßstab 1:87 sind für Experten weniger spannend. Umso sehenswerter sind die historischen Postkarten von der Strecke. Auch einige Kuriositäten sind versammelt, so ein Zuglaufschild des IC 612, dessen Startbahnhof ernsthaft „G=Partenkirchen“ lautet. Welcher Eisenbahner für diese Beschriftung seinerzeit verantwortlich war, ließ sich dem Museumsleiter leider nicht entlocken.

Völlig neu war für mich eine Innenaufnahme des Bahnhofs Garmisch-Partenkirchen aus den 30er Jahren. Nicht wiederzuerkennen, dabei hat sich baulich so viel gar nicht geändert. Auch ein Bildnis des früheren Localbahnhofs in Partenkirchen (in der Nähe der ev. Johanneskirche) fehlt nicht.
Eindrucksvoll ist auch die Aufnahme vom Zugunglück vom 07.04.1926 bei Griesen, bei dem glücklicherweise niemand ums Leben gekommen ist. Der Zug soll bei einem Tempo von 120 km/h entgleist sein. Der Grund dafür, warum der Lokführer von der Lok gefallen ist, wird freilich im Unfallbericht der RBD München und in der Legendenbildung der heimischen Eisenbahner unterschiedlich angegeben.

Der zweite Raum für die Zugspitzbahn ist etwas kleiner, aber nicht minder interessant. Zusammengetragen wurden auch hier Materialien, die den einschlägigen Fachpublikationen (z.B. dem Buch von Preuss) nicht zu entnehmen sind.

Wer sich für die Geschichte der Mittenwaldbahn interessiert, kommt an der Ausstellung sicher nicht vorbei. Aber auch wer der Gegenwart verhaftet ist, hat hier eine attraktive Freizeitbeschäftigung bei Schlechtwetter.

Eine kleine Broschüre zur Ausstellung ist ebenfalls erhältlich, es handelt sich um eine Gemeinschaftsbroschüre mit der Parallelausstellung im Museum Grünes Haus in Reutte. Die Texte im bayerischen Teil stammen von angesehenen Heimatforschern wie Peter Schwarz und Franz Wörndle. Die Texte im Tiroler Teil stammen von Mag. Birgit Ihrenberger und Mag. Sabine Schretter, sind ebenfalls sehr sachkundig, kurzweilig und informativ. Die Bedeutung der Außerfernbahn für diesen abgelegenen Teil Tirols wird insbesondere bei der lebhaften Schilderung der mühseligen Grenzkontrollen in Scharnitz und Griesen in den 20er Jahren deutlich (z.B. wurde Brot konfisziert). Auch die Geschichte der nie realisierten Fernbahn über den Fernpass ist mitreißend geschildert. Der Text von Denoth zum Fahrzeugeinsatz ist, abgesehen von der inflationären Verwendung von Ausrufungszeichen, nicht zu kritisieren und kurzweilig informativ.

Sicherlich werde ich mir auch noch die Ausstellung in Reutte anschauen.

SG
ste

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