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KBS 970 - Forum
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Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 3 Monaten
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s-lin

Zur Diskussion: Wie muss Bahnübergang?

Startbeitrag von s-lin am 29.09.2013 13:33

Hallo Hobbykollegen,

häufig muss man in Deutschland von Unfällen an Bahnübergängen lesen. Diese gehen oft glimpflich aus, aber in eingen Fällen bleiben Tote und Schwerverletzte zurück. Für die beteiligten Lok- und Triebfahrzeugführer entsteht zudem eine oft unterschätzte posttraumatische Belastung.

Soweit ersichtlich gibt es im Forengebiet zur Zeit glücklicherweise keinen entsprechenden Unfall, so dass eine gute Gelegenheit für eine allgemeine Diskussion zum Thema gegeben ist.

Ich halte die Sicherheitsanforderungen für Bahnübergänge in Deutschland für deutlich verbesserungsbedürftig! Das beginnt schon bei der Rechtslage. § 19 StVO ist schwammig formuliert. So gibt es beispielsweise keine konkret vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit, mit der sich das Kraftfahrzeug einem BÜ nähern darf. Auch an einen technisch gesicherten Bahnübergang darf der Straßen-Benutzer nur mit mäßiger Geschwindigkeit heranfahren, damit er bei Erscheinen eines Warnsignals oder Niedergehen der Schranken rechtzeitig anhalten kann (zitiert nach: Burmann/Heß/Jahnke/Janker, StVR, München, Beck-Verlag, 22. Auflage 2012, § 19 StVO Rn 13). Umstritten ist, was unter mäßiger Geschwindigkeit zu verstehen ist. In der verfügbaren, allerdings veralteten Rechtsprechung ist von 50 km/h bis 60 km/h die Rede. In der Praxis scheint die Regelung auch weitgehend unbekannt. Wer das nicht glaubt, stelle sich einmal an den BÜ B472/Tegernseebahn und beobachte den Verkehr.

Eine klitzekleine Verbesserung ist die Ramsauer-Novelle zum 01.04.2013. Danach ist jetzt wenigstens das Überholen an Bahnübergängen generell untersagt. Im Bußegldkatalog hat sich aber wieder die Autolobby durchgesetzt. Während Verstöße gegen das Überholverbot in Form des Überfahrens der durchgezogenen Linie oder bei Überholverbotschild in Nr. 19 mit Geldbuße zwischen 100,- EUR und 250,- EUR +1 Monat FV belegt sind, ist der Verstoß gegen das Überholverbot an Bahnübergängen für günstige 70,- EUR zu haben (Nr. 89a BKatV) :rolleyes:

Klarere Anweisungen gibt das Straßenverkehrsgesetz unseres Nachbarn Tschechien (Gesetz Nr. 361/2000 der Sammlung). § 28 schreibt eine Geschwindigkeit von maximal 30 Km/h vor im Umkreis von 50 Metern zum BÜ. Maximal 50 km/h sind gestattet, wenn das weiße Blinklicht leuchtet. Ach ja, das gibt es ja bei uns auch nicht! Eine verlässliche Anzeige für den Autofahrer, ob der BÜ scharf ist, ist bei uns Fehlanzeige (die tschechischen BÜ’s sind natürlich zusätzlich fahrdienstleiter- oder lokführerüberwacht). In den meisten östlichen Nachbarländern ist das weiße Blinklicht jedoch Standard. Den Gesetzeswortlaut findet man hier [www.szdc.cz] . Schön finde ich in Tschechien auch, dass es dort ein doppeltes, abwechselndes Blinklicht gibt. Das macht die Gefahr eines BÜ im Vergleich zu einer normalen Straßenkreuzung deutlicher :spos:

Unverständlich ist, warum nur wenige BÜ’s in Deutschland mit akkustischen Warnsignalen ausgestattet sind. Vorgeshrieben ist es nicht, § 19 Absatz 2 Satz 3 StVO: „Das Senken der Schranken kann durch Glockenzeichen angekündigt werden.“ Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sich darüber amüsieren, dass wenigstens die StVO die gute alte Dampflokzeit hochleben lässt, in der das Senken der Schranken mittels Glocken angezeigt wurde. Hier wäre eine Änderung auf „muss“ statt kann, wengigstens aber auf „soll“ erforderlich. Andernfalls geht die Planungsabwägung im Gutmenschenland doch immer zugunsten des letzen Anwohners im 1000m-Umkreis aus, der sich durch den „Lärm“ eines akkustischen Warnsignals belästigt fühlt.

In Russland, wo die Eisenbahn noch eine staatstragende Rolle hat, wird der Eisenbahn absoluter Vorrang eingeräumt. Bei meiner Fahrt auf der TRANSSIB konnte ich beobachten, dass fast alle BÜ’s, egal ob automatisch auslösend oder personenbedient, mit einer Barriere ausgestattet sind. Ein Umfahren der Schranke ist dort absolut ausgeschlossen. Besoffene oder übermüdete Lastwagenfahrer stellen – wenigstens für die Eisenbahn – keine Gefahr dar. Auf den beiden Bildern unten ist das Prinzip ganz gut erkennbar.





Zwar werden sich zumindest die Barrieren im Autoland Nr 1 nicht durchsetzen lassen. Aber so wie es ist kann es auch nicht weitergehen, meint
ste

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