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KBS 970 - Forum
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Erster Beitrag:
vor 3 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 3 Jahren, 6 Monaten
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KBS974, JimKnopff, razor300, JonasH, KBS-973

[OT] Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 1

Startbeitrag von KBS974 am 19.01.2015 10:04



Hallo zusammen,

auch wenn Teile des Berichtes schon bei DSO online sind, hier nochmal "regional" unser Bericht:



Für unseren letztjährigen Frühjahrsurlaub standen sowohl Mazedonien als auch Korsika zur Wahl. Nachdem uns letztes Jahr Sizilien als Mittelmeerinsel so gut gefallen hat, war die Entscheidung schnell getroffen. Auch unser kleinstes Familienmitglied mit dreieinhalb Jahren stimmte diesem Reiseziel zu, nachdem die Fahrt auf die Mittelmeerinsel auch eine Fährüberfahrt einschloss. Das hatte ihn bei unseren letzten Urlauben immer richtig begeistert.

Donnerstag 24.April


Um die Hinfahrt etwas entspannter zu gestalten führte unsere Route zunächst mit dem IC bis Karlsruhe und dann erst mal mit dem ICE in die Breisgaumetropole Freiburg. Hier hatten wir rund zwei Stunden Zeit die nette Altstadt zu erkunden. Unser Sohn fand natürlich sofort gefallen an den zahlreichen kleinen Wasserkanälen in den Straßen. Nach einem kurzen Rundgang über den Wochenmarkt fanden wir hinter dem Münster einen netten Platz zum Brotzeit machen. Auch hier floss ein kleiner Kanal entlang, in dem er seine nackten Füße bei sommerlichen Temperaturen abkühlen konnte. Nebenzu ließen wir uns frisches Brot, Schinken, knackiges Gemüse und leckeren Rotwein schmecken.





Auf dem Rückweg gab es als Nachtisch für jeden noch ein großes Eis und so gestärkt bestiegen wir den Zug Richtung Mühlheim (Baden). Nachdem Unser Sohn in der Innenstadt fast alles barfuß gelaufen war, schlief er schnell im Kinderwagen ein. So verpasste er auch das Umsteigen in den kleinen französischen Triebwagen der uns weiter nach Mulhouse brachte.





Erst im TGV kurz vor Dijon konnten wir ihn wieder aufwecken. Nach einem kurzen Umsteigeaufenthalt ging es gemütlich durch die abwechslungsreiche französische Landschaft weiter gen Süden. Ab Lyon füllte sich der Zug bis auf den letzten Platz und die Zugbegleiter verteilten mühsam alle Reisende ohne Platzreservierung auf die verbliebenen freien Plätze im Zug. Wieso diese Fahrgäste überhaupt einsteigen durften ist uns bis heute ein Rätsel, da der TGV reservierungspflichtig ist…… . Bis Avignon hatten wir uns rund 20 Minuten Verspätung angesammelt. Somit blieb nur ein kurzer Ausflug in den neu gestalteten Vorplatz des Bahnhofs. Dieser zeigte sich von einer sehr spannenden Seite. Wir entdeckten ein großes Biotop mit Fröschen, Kaulquappen und vielen Fischen. Obwohl unser Sohn eigentlich gar nicht aus dem Kinderwagen aussteigen wollte, gab es mit diesem Anblick kein Halten mehr. So kamen wir erst kurz vor der Abfahrt unseres Triebwagens wieder am Bahnsteig an.





Nach 30 Minuten und einem weiteren Umstieg in Avignon Centre hatten wir unseren Zwischenstopp Arles erreicht. Wir waren eigentlich der Meinung wir hatten uns mit dem Weg zur Ferienwohnung gut vertraut gemacht, fehlende Angaben im Stadtplan und die einbrechende Dunkelheit erschwerten uns dann doch den Weg durch die engen Gassen der Altstadt. Eine Gruppe netter Menschen bemerkte unsere Unsicherheit und half sofort weiter, nicht ohne besorgt nachzufragen, ob wir wirklich in diese Straße wollten, da dort keinerlei Hotels oder ähnliches sein würden. Die Auskunft über die gebuchte Ferienwohnung beruhigte sie jedoch. Wir bekamen sogar die Möglichkeit uns auf Deutsch zu unterhalten. Auf dem letzten Stück unseres Weges lag neben uns ein großer Spielplatz. Um Diskussionen zu vermeiden gingen wir ohne zu zögern an diesem zügig vorbei. Plötzlich hielt quer auf der Straße ein Kleinwagen und der Fahrer versuchte mit einer Mischung aus Englisch und Französisch uns begreiflich zu machen das er uns schon am Bahnhof gesucht hätte und der Vermieter unserer Ferienwohnung wäre. Er parkte sein Auto und zeigte uns den Weg in die Wohnung. Diese lag am Rande der historischen Altstadt im Erdgeschoß eines kleinen Reihenhauses. Wie beschreiben wir nun diese Wohnung: nett und freundlich französisch eingerichtet, klein aber für uns Drei völlig ausreichend, dazu ein Garten mit Schaukel und Terrasse. Leider wie im Süden oft üblich, mit ein wenig Unrat im Garten und leichten Staubablagerungen in der Wohnung. Nach ein paar Handgriffen und ausgeräumten Rucksäcken fielen wir erschöpft in unsere Betten.


Freitag 25.April

Am nächsten Morgen wurden wir von ungewohnten Geräuschen geweckt – es donnerte kräftig und der Regen prasselte auf die Terrasse. So frühstückten wir erst mal in Ruhe unsere letzten Reisevorräte. Bald ließ auch der Regen nach, so konnten wir in aller Ruhe die Altstadt erkunden. Unser Weg führte dabei entlang zahlreicher historischer Stätten wie das große Amphitheater. Ein großer Brunnen gefiel dann Unser Sohn auch gut als Spielplatz. Unterwegs gab es als zweites Frühstück noch frische, belegte Baguettes und Croissants. In einer kleinen Bäckerei gab es zudem noch Flan – den leckeren französischen Puddingkuchen – den gab es dann bei der mittäglichen Rast an der Rhone als Nachtisch. Das Stück war allerdings schon sehr groß und war eigentlich von uns dreien kaum zu schaffen. Nachdem Unser Sohn anschließend im Kinderwagen schlummerte konnten wir noch entspannt durch die Stadt schlendern und freuten uns über die zahlreichen kleinen Geschäfte abseits der historischen Stätten. In einer kleinen Seitengasse fanden wir noch ein kleines, nettes und vor allem preiswertes Cafe – kleine bunte Metalltische passten auch gerade noch auf den schmalen Bürgersteig und so konnten wir unsere müden Beine etwas entspannen. Nur die Kundentoilette war kaum größer als ein Dixi-Klo und trotzdem fand auch noch ein Waschbecken seinen Platz.
Nachdem nun alle Vorräte aufgebraucht waren ging es weiter in Richtung Bahnhof zum großen Supermarkt zum Einkaufen. Unser Sohn hatte sich –was auch sonst- Nudeln zum Abendessen gewünscht, zusammen mit einigen regionalen Zutaten gab das ein leckeres Mahl.
















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In den nächsten beiden Teilen bleiben wir noch in Südfrankreich, bevor es dann übers Mittelmeer geht.




Grüsse von der KBS974


Michael

Antworten:

Re: [OT] Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 1

Servus Michael!

Danke für die Mitnahme in euren Urlaub! Der Bahnhofsvorplatz von Avignon schaut sehr gut aus ... man denkt gar nicht, dass da ein Bahnhof in der Nähe ist!

Schönen Gruß und bis zum nächsten Teil
Gabriel

von JimKnopff - am 20.01.2015 08:11

[OT] Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 2

Samstag 26.April


Nachdem unsere Zeit vor dem Urlaub sehr stressig war merkten wir, dass wir viel Ruhe benötigten. So entschieden wir uns noch einmal für einen entspannten Tag in Arles. Bis zum Mittag blieben wir in der Ferienwohnung und machten uns dann auf den Weg zum Wochenmarkt. Wir waren überrascht was es hier alles zum Kaufen gab: Federvieh, Hasen, Kleidung, Utensilien für den Haushalt und natürlich einheimische Lebensmittel. Dazu Gewürze in riesigen Mengen – offen auf dem Markt angeboten, ein ungewohnter Anblick für uns. Wir waren vom Angebot und dem Flair begeistert. Im unteren Teil vom Markt befanden sich die Fisch- und Meeresfrüchtestände mit fangfrischen Produkten aus dem Mittelmeer. Hier fanden wir schnell unser Abendessen: „Miesmuscheln“ mit viel Gemüse und Baguette. Als Zwischenmahlzeit gab es für uns aus einer riesigen Pfanne gebratene Kartoffeln mit Soße.





Vollbeladen mit Obst, Gemüse, Mittag- und Abendessen machten wir uns auf den Rückweg zur Ferienwohnung. Nachdem wir unsere Mägen gut gefüllt hatten, machten wir erst nochmal entspannt Siesta. Da wir noch einige Dinge aus dem Supermarkt brauchten, verbanden wir dies noch mit einem kleinen Stadtbummel.

Im linken Haus war unsere Ferienwohnung:















Am Abend hieß es Muscheln schrubben. Eine kurze Info über den Umgang mit geöffneten Muscheln sowie das passende Rezept suchten wir uns im Internet. Unser Sohn war etwas skeptisch, da sich die offenen Muscheln nach kurzem Anklopfen wieder von selbst schlossen. So frische und dann noch lebendige Zutaten kannte er noch nicht. Dazu gab es frisches Baguette und Salat.



Bei sommerlichen Temperaturen genossen wir unser tolles Abendessen auf der Terrasse.

Sonntag 27.April


Nachdem wir die vergangenen Tage recht faul in Arles verbracht hatten, wollten wir heute einen Ausflug nach Salon de Provence machen. Inzwischen wird auch in Frankreich auf vielen Bahnstrecken ein Taktfahrplan angeboten. Wenn das Grundangebot jedoch nur 2-stündlich verkehrt passt oft die Verknüpfung der einzelnen Linien jedoch (noch) nicht zusammen. Auf unserer heutigen Fahrt durften wir daher einen gut einstündigen Aufenthaltes in Miramas genießen bevor unser Anschlusszug Richtung Avignon weiterfuhr. Die Stadtväter hatten dies aber wohl geahnt – der Bahnhofsvorplatz war sehr nett gestaltet. Neben einem bunt bemalten Güterwagen befand sich dort auch ein kleiner, aber netter Spielplatz. So verging die Aufenthaltszeit wie im Flug.



Auf der anderen Seite des Bahnhofes hatten wir bei der Einfahrt eine Drehscheibe entdeckt, um die einige ältere Lokomotiven standen. Während der Spielplatz intensiv getestet wurde, wollte ich versuchen zumindest einige Fotos zu machen. Der Weg dorthin führte mich an einem Platz vorbei auf dem gerade die letzten Vorbereitungen für eine öffentliche Feier getroffen wurden. Zahlreiche Fahnen waren gehisst und ein reich dekoriertes Rednerpult stand mitten auf dem Platz. Zudem liefen auch einige Militärveteranen herum.
Nach einigem Suchen fand sich ein recht „öffentlicher“ Zugang zum Bw-Gelände und so konnte das recht unmotiviert abgestellte Sammelsurium begutachtet und fotografiert werden.













Die anschließende Fahrt führte ohne weitere Höhepunkte nach Salon. Der dortige Bahnhof hatte standesgemäß eine Überführung mit einer kleinen Stahlbrücke – die nachträglich gebauten Aufzüge waren zu unserem Leidwesen aber außer Betrieb. Also hieß es mal wieder den Kinderwagen über viele Stufen schleppen – inzwischen geht das aber etwas leichter, da Unser Sohn auch diese steilen Treppen gerne alleine erklimmt. Das Zentrum konnten wir eigentlich nur erahnen – Hinweisschilder waren leider Fehlanzeige. Ein Geschäft mit dem Namen „Salon Bayern“ weckte unser Interesse, es handelte sich aber schlichtweg um ein kleines Autohaus eines bekannten Münchner Autobauers.



Unser erstes Ziel war der vormittägliche Markt, der auch am Sonntag geöffnet hatte. Leider war es ohne Stadtplan nicht leicht den Weg zu finden, eine freundliche Dame half uns aber gerne und begleitete uns bis zum Place de Général de Gaulle. Die Marktstände befanden sich am Rande des Platzes, den neben einem großen Springbrunnen auch zur Freude unseres Sohnes ein großer Spielplatz zierte.





An einem der Stände wurde neben frisch gegrilltem auch Kartoffelaufläufen und Lasagne verkauft. Dieses Angebot nutzten auch zahlreiche Einheimische. So war es schnell klar, dass wir auch hier unser heutiges Mittageses bekommen würden um es uns dann hier in einer gemütlichen Ecke schmecken lassen konnten.
Während Unser Sohn anschließend seinen wohlverdienten Mittagsschlaf machte, nutzten wir die Ruhe um auch ein wenig zu entspannen und genossen auf einem ruhigen Stadtplatz einen Kaffee. Neben uns plätscherte Wasser – dieser Brunnen war ein echtes Wahrzeichen der Stadt und bestand schon im 16. Jahrhundert. Kalkablagerungen ließen die Brunnenschalen, das Moos und den Pflanzenbewuchs zusammenwachsen. So bekam der Brunnen seine heute so charakteristische Form. Und die Wassertropfen perlen über die Blätter nach unten. Danach führte unser Rundweg ein Stück durch die nette und gepflegte Altstadt mit Türmen und Torbögen. Teile der Altstadt waren sogar autofrei, für Frankreich ein ungewohnter Anblick.







Anschließend ging es steil bergan und wir erklommen die Stufen zum Schloß – hier sehnen wir uns schon auf die Urlaube ohne Kinderwagen, damit diese Schlepperei endlich ein Ende hat. Der Ausblick lohnte aber auch die Strapaze. Sehr nett war ein im Innenhof angelegter Kräutergarten, wo unser Sohn mit Begeisterung die unterschiedlichen Düfte entdecken konnte.












Auf einem anderen Weg geht es dann gemütlich zurück zum Bahnhof. Hier wartet schon wieder die schmale Brücke auf uns, denn wir fuhren weiter über Avignon zurück nach Arles. Die Fahrt führt uns zunächst durchs weite Durance-Tal, in weiter Ferne waren erst die nächsten Berge zu erkennen. Meist waren rechts und links der Gleise nur Wiesen und Äcker, in Richtung Avignon finden sich dann dazwischen immer wieder größere Orte mit teilweise recht umfangreichen Industrieansiedlungen. Während wir fast den ganzen Tag Sonne hatten, prasselt kurz vor Arles ein kräftiger Regenschauer nieder. Unsere Befürchtung auch im Regen heimlaufen zu müssen bewahrheitete sich glücklicherweise nicht – im Gegenteil beim Verlassen des Bahnhofes schien schon wieder die Sonne. So konnte der Tag dann auch wieder gemütlich im Garten enden.



Weiter geht es dann im Teil 3 an die Côte bleu


Grüße von der KBS974


Michael


von KBS974 - am 20.01.2015 08:13

[OT] Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 3

Montag 28.April

Nachdem die Fahrt an die Côte Bleu zwar viel Wasser, aber kaum Strandspielmöglichkeiten bieten würde, hatten wir uns heute für getrennte Wege entschieden.

Für die Fahrt an die Côte Bleu gab es morgens nur zwei Varianten – die für die erste hätte ich bereits um kurz vor sieben unsere Ferienwohnung verlassen müssen um dann genau einen Zug mehr fotografieren zu können. Nachdem damit gemeinsame Familienzeit überhaupt nicht möglich war, war die zweite Variante mit der Abfahrt um halb elf deutlich angenehmer. So hatte ich nach dem Frühstück noch Zeit mit Unser Sohn auf den Spielplatz zu gehen und konnte danach auf dem Weg zum Bahnhof noch gemütlich Reiseproviant einkaufen.
Meine Frau hatte sich mit meinem Sohn für einen ruhigen Tag in Arles entschieden. Sie blieben erst noch auf dem Spielplatz und gingen dann Richtung Stadt. Der Weg führte durch einen Park, hier waren gerade Mitarbeiter der Stadt damit beschäftigt diesen mit einem Laubbläser zu säubern. Hier musste natürlich solange bleiben bis unser Sohn seine Endkontrolle durchgeführt hatte… .







Als Zwischensnack gab es beim Bäcker ein Croissant. Nach einer Runde durch die Stadt waren die beiden pünktlich zum Mittagschlaf wieder in der Ferienwohnung. Nach dem Mittagessen ging es noch zum dem nahegelegenen Kanal der fast an unserer Ferienwohnung vorbeifloss. Dort gab es nicht nur Enten zu beobachten sondern auch eine große Pflanzenvielfalt. Der Tag klang mit Spielen gemütlich aus.


Die Fahrt bis Miramas kannte ich nun schon zu genüge und der Aufenthalt dort genügte um entspannt in einer winzigen Bäckerei ein frisches Croissant und einen Kaffee zu bekommen. Zusätzlich gelangen fast beiläufig kurz nach der Ankunft und kurz vor der Weiterfahrt noch zwei nette Fotos:





In Miramas zweigt die Ligne bleu von der direkten Strecke nach Marseilles ab und führt südlichwestlich vorbei am Étang de Berre – einem riesigen Binnensee. Die komplett zweigleisige Strecke ist wohl wegen des regen Güterverkehrs bis zum Abzweig nach Fos-sur-Mer in Istres elektrifiziert. Anschließend scheint es nur noch zu einem großen Tanklager in Martigues Güterverkehr zu geben, zahlreiche Kesselwagen zusammen mit einer kleinen Rangierlok standen im Bahnhof.
Nach Carry-le-Rouet beginnt der schönste Abschnitt - hoch über der Mittelmeerküste geht es weiter Richtung Marseilles. Ich stieg in Niolon aus – ein kleiner Ort eingepfercht zwischen Steilküste und Meer.





So gab es vom Haltepunkt auch nur drei Möglichkeiten – bergab zum Strand, steil bergauf oder entlang der Bahnlinie zurück. Um nicht unnötig Höhenmeter überwinden zu müssen, führte mein Weg erst mal entlang der Gleise bis zu einem kleinen Viadukt. Die einzige Möglichkeit davon Fotos zu machen war von der gegenüberliegenden Seite. Dorthin gab es aber keinen Weg mehr und auf eine Kletterpartie in den steilen Felsen hatte ich keine Lust. Aber auch ohne Viadukt war der Blick auf Bahn und die Bucht von Marseilles ein Foto wert, allerdings musste dazu erst noch die Sonne etwas weiter wandern. Nach einem kleinen Abstecher in den Ort ging es zurück Richtung Bahnhof. In Anbetracht der vor mir liegenden Steigungen verzichtete ich lieber auf einen Spaziergang hinunter zum Meer. Mein Ziel war der hinter einem kurzen Tunnel gelegene Viadukt. Google hatte einen kleinen Weg gezeigt, der oberhalb des Tunnels entlangführt und einen schönen Blick auf Meer und Viadukt ermöglichen sollte. Die erste Abzweigung von der Straße war schnell gefunden. Dieser schmale Fußweg sollte sich eigentlich nochmal verzweigen, aber der schlängelte sich nur runter in Richtung Meer. Weiter die Straße rauf gab es aber keine weitere Abzweigung. Also doch den Weg genommen und dann einfach an einer nicht ganz so steilen Stelle bergauf abgebogen. Der teilweise lockere Kies machte das Gehen nicht ganz einfach, der teilweise recht hefte Wind tat sein übriges dazu. Trotzdem konnte ich schon bald auf der anderen Seite das Meer wieder sehen und fand dann auch zügig die gewünschte Fotostelle. Nachdem noch einige Zeit war bis die nächsten Züge kamen, wollte ich mir für später direkt den Standort auf der Landseite des Viadukts ansehen – das Kletter über die Felsen war mir mit meinem Rucksack aber zu kritisch und so ging ich lieber wieder zur Fahrstraße zurück und von da aus nach oben. Dies war auch die einzige Zufahrtsstraße nach Niolon und bereits oberhalb des Ortes war ein Parkplatz angelegt worden. Damit wollte man wohl vermeiden, dass sich Besucher in den wenigen und zudem schmalen und steilen Straßen festfahren. Hier gab es dann auch einige Trampelpfade die entlang des Höhenzuges führen und das Fortbewegen etwas einfacher machten. So war ich für die abends teilweise in kurzem Abstand verkehrenden Züge schon mal vorbereitet und konnte wieder auf meinen Felsen über dem Tunnel zurückgehen. Am Rande der hier steil zum Meer hin abfallenden Felsen konnte ich entspannt inmitten zahlreicher Rosmarinbüsche auf die Durchfahrt des ersten Zuges warten. Rund 100 Meter über dem Meer gab es gratis noch die grandiose Aussicht auf das Mittelmeer und die Bucht von Marseilles.












Nachdem schon bei den ersten beiden Zügen die Sonne immer weiter Richtung Gleisachse wanderte wurde es nun endgültig Zeit auf die andere Seite des Viaduktes zu wechseln und so ging es zum zweiten Mal die steile Straße bergauf.
Das Zugangebot wurde nun dichter und so waren die Wartezeiten kürzer.





Nachdem am zweiten Zug schon eine noch altblau lackierte BB 67400 hing wollte ich in der etwas längeren Pause wieder auf die andere Seite des Bahnhofes bevor die zuvor ausgekundschaftete Stelle im Schatten der Berge verschwinden sollte. Der nächste Zug kam hier optimal im Licht daher, für den nächsten drohte die Sonne aber dann schon hinter den Felsen zu verschwinden. Zudem zogen immer mehr Wolken auf, so dass hier ein regelrechter Lichtkrimi begann. Das Glück war heute aber anscheinend auf meiner Seite und bei schönstem Licht gelang auch noch dieses Foto.





Nun hieß es aber zügig wieder hinauf auf den Berg, denn in knapp einer viertel Stunde sollte der nächste Zug kommen. Ziemlich außer Atem kam ich oben an, ich hatte es aber auch geschafft fünf Minuten vor dem Zug wieder auf Position zu sein. Zum Abschluss gab es hier noch mal zwei lokbespannte Züge. Nach einer BB in Voyage-Lackierung bauten sich neben mir zwei weitere Fotografen auf. Ich fand es nur gewagt bei dem kräftigen Wind die Kamerastative so knapp an Felskante aufzubauen …. . Wie erwartet kam zum Abschluss nochmal die dunkelblaue Diesellok gefahren.





Flotten Schrittes ging es dann hinunter zum Bahnhof, denn wenn ich den nächsten Zug verpassen sollte wäre ich erst spät am Abend wieder in Arles angekommen und das wollte ich vermeiden, zumal alle meine Fotowünsche erfüllt waren. Hatte ich den ganzen Tag kaum außer vereinzelten Wanderern kaum Leute gesehen, war ich überrascht, das am Bahnhof nun doch so viele Wanderer auf den Zug warteten. Im Zug konnte ich trotzdem einen Fensterplatz ergattern und bei offenem Fenster genoss ich die Fahrt entlang des abendlichen Mittelmeers.





In Marseilles empfing mich der Trubel der Großstadt und ich war froh im übervollen Nahverkehrszug nach Avignon noch einen Sitzplatz zu bekommen. Zügig ging es auf der direkten Linie wieder zurück nach Arles. Bei der Fahrt auf der anderen Seite des Étang de Berre konnte ich in weiter Ferne Martigues mit den beiden markanten Brücken erkennen.

In Arles zurück schlief unser Sohn schon und so konnten wir uns bei einem Glas Wein noch gemütlich die Fotos des Ausfluges an die Côte Bleu anschauen.
(diese hat unser Sohn dann am nächsten Tag natürlich auch noch zu sehen bekommen).


Weiter geht es dann im Teil 4 mit einem kleinen Zwischenstopp nach Korsika


Grüße von der KBS974


Michael

von KBS974 - am 21.01.2015 09:04

Schöner Urlaubsbogen!

Schöner Bericht aus Südfrankreich! Einige Ecken kennt man da auch selber :).

von JonasH - am 21.01.2015 15:35

[OT] Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 4

Dienstag 29.April

Auch wenn in dieser Ferienwohnung nicht alles perfekt war, wir haben uns alle sehr wohl gefühlt. Das lag wohl auch an deren Lage mit dem alten Garten und der doch sehr gemütlichen Einrichtung.



Heute sollte es weitergehen Richtung Korsika. Nachdem wir alle Sachen gepackt hatten, gingen wir über den Spielplatz weiter zum Bahnhof. Unser Sohn hatte am Tag zuvor noch etwas Neues gelernt und musste uns dieses noch zeigen. Die Fahrt bis Miramas verging sehr schnell und nachdem wir einige Tage vorher den netten kleinen Spielplatz entdeckt hatten, war sofort klar wo wir unseren Aufenthalt verbringen würden. Unser Sohn machte nebenbei an einem als Denkmal aufgestellten Güterwagen seine erste Rangierausbildung. In der nahe gelegenen Bäckerei gab es dann noch für jeden ein Croissant und so fuhren wir gestärkt weiter in Richtung Côte bleu – die blaue Küste. Beim ersten Blick aufs Mittelmeer war klar woher der Name kam. Zuvor führte uns die Fahrt vorbei am Étang de Lavalduc – einer Lagune mit seltsamem violettem Wasser, das von der darin lebenden kleinen speziellen Krebsart kommt. Unterwegs durften wir noch ein Stück beim Lokführer über die Schulter schauen – beeindruckend war dabei die Fahrt über die große Eisenbahnbrücke bei Martigues. Diese überquert den Wasserarm zwischen dem Mittelmeer und dem großen Binnensee, dem Étang de Berre.











Der Haltepunkt in La Redonne liegt eingeklemmt am steilen Felshang, ein Teil des Bahnsteiges liegt sogar auf einem kleinen Viadukt. Wir ahnten böses als wir das Meer viele Meter unter uns liegen sahen. Zuvor bot sich noch die Gelegenheit den lokbespannten Gegenzug auf dem Viadukt zu fotografieren – der Fotostandpunkt an einem windigen Metallzaun über dem Abhang hängend war allerdings nicht gerade angenehm. Auch der anschließende Weg mit schwerem Gepäck und Kinderwagen den Berg runter war nicht gerade einfach. Unten angekommen, genossen wir bei tollen Temperaturen das Mittagessen. Es gab Tintenfisch und einen ganzen Teller voller kleiner frittierter Fische, richtig lecker – vorallem wenn man das Gefühl hat, das Essen würde einen anschauen.











Während meine Frau und Unser Sohn am Wasser spielten und dabei einen der zahlreich an den Felsen im Wasser lebenden Seeigel angelten, ging es für mich wieder bergauf. Für die nächsten beiden Züge hatte ich am Vortag eine nette Stelle zwischen zwei Tunnels entdeckt. Der Weg führte dann freundlicherweise auch noch zuerst über den einen Tunnel drüber … .Wieder unten am Hafen wurde die Kletterpartie auf der Hafenmole noch für ein letztes Foto genutzt.







Anschließend begann der sehr schweißtreibende Aufstieg zurück zum Bahnhof. Es waren zwar „nur“ 37 Höhenmeter, aber der Weg war auch nur rund zweihundert Meter lang. Unsere Fahrt weiter Richtung ging noch einmal entlang der felsigen und steilen Küste nach Marseille, dort schafften wir im Dauerlauf einen fünf Minuten Umstieg auf den nächsten Zug nach Toulon.







So kamen wir über zwei Stunden vor Abfahrt unserer Fähre in Toulon an und konnten ganz entspannt zum Hafen laufen. Der Weg war auch für Fußgänger meistens gut ausgeschildert und führte durch die Straßen der sehenswerten Altstadt, dabei blieb zwischendurch auch noch Zeit um einige Blicke rechts und links unseres Weges zu werfen. Am Hafen wurde uns bereitwillig der Weg zu unserer Fähre erklärt und so waren wir in einer guten halben Stunde am Fähranleger angekommen. Nach der obligatorischen Personenkontrolle am Eingang führte unser Weg entlang zahlreicher wartender Fahrzeuge und durch weitgehend verlassene Abfertigungsgebäude zur Fähre. Der Zugang für die Fußpassagiere erfolgte dabei durch einen kleinen Seiteneingang am Heck des Schiffes – so sah dieser zumindest im Vergleich zu den beiden riesigen Toren für die Verladung der Fahrzeuge aus. Wir durften zunächst Rolltreppe fahren – Unser Sohn wurde dabei von einem netten Steward einfach draufgestellt und eh er sich es versah fuhr er mit nach oben. Wir blieben nur kurz in unserer Kabine, da vom Deck aus noch viel zu sehen war und wir auch die angenehme Abendluft genießen wollten.













Unter freiem Himmel gab es dann noch leckere Brotzeit und dabei konnten wir das Ablegen unserer Fähre gut beobachten. Unser Sohn musste anschließend noch ausgiebig den Spielebereich teste, sein Fazit: das Bällebad und der zugehörige Kletterturm sind für viele Altersklassen sehr empfehlenswert. Dann genossen wir noch kurz die letzten Lichter des französischen Festlandes bevor uns Unser Sohn quer durch das Schiff wieder zu unserer Kabine führte. Dies war für uns schon sehr beeindruckend, da er den Weg nur einmal vorher in die andere Richtung gegangen war und wir auch zwei Stockwerke nach unten mussten. Schnell verschwanden wir in unseren Kojen und schlummerten tief und fest.


Weiter geht es dann im Teil 5 auf Korsika


Grüße aus dem Allgäu


Michael

von KBS974 - am 22.01.2015 07:46

Re: [OT] Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 4

Servus Michael,

vielen dank für 's zeigen. Bei deinen Bildern wird sofort mein Fernweh geweckt. :xcool:

Gruß Florian

von KBS-973 - am 22.01.2015 11:09

Re: [OT] Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 4

Zitat
KBS974
... und einen ganzen Teller voller kleiner frittierter Fische, richtig lecker – vorallem wenn man das Gefühl hat, das Essen würde einen anschauen.


Ich bin ein Eisenbahnfreund, hol mich hier raus :D
Wunderschöner Urlaubsbilderbogen :)

von razor300 - am 22.01.2015 18:47

[OT] Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 5

Mittwoch 30.April

Um 05:45h kam der erste Weckruf durch die Lautsprecher. Um 06:30h standen wir mit all unseren Sachen an Deck und konnten noch zu sehen wie unsere Fähre in Bastia anlegte. Bei dieser Gelegenheit entdeckten wir auch direkt die Autovermietung. Nachdem Unser Sohn noch die Entladung der LKWs und PKWs kontrollieren musste, verließen wir erst um halb acht das Hafengelände. Das öffentliche Verkehrsangebot auf Korsika ist teilweise mehr als dürftig, daher hatten wir entgegen unserer üblichen Gepflogenheiten einen Mietwagen reserviert.







Für 4,- € gab es in einem Cafe direkt neben der Autovermietung ein petit dejeuner - Saft, Croissant und Kaffee. In dieser Lage ein sehr ansprechendes Angebot, das wir gerne nutzten. Dann holten wir unseren Mietwagen ab. Die Dame erledigte den Papierkram und übergab uns dann unserem Schicksal. Wichtig war ihr nur noch der Hinweis, dass unser Dacia erst fünf Kilometer auf dem Tacho hätte. Keine Einweisung am Fahrzeug, keinerlei Hilfe beim Einbau des Kindersitzes, die Frage nach der etwas versteckt liegenden Taste für die Fensterheber wurde schon sehr missmutig beantwortet. Als alles verstaut war, fuhren wir ein Stück durch die Altstadt und dann auf direktem Wege zur Ferienwohnung nach Ponte Leccia. Die Fahrt durch die industriell geprägten Vororte von Bastia war wenig reizvoll, erst als wir nach Camozza ins Bergland abbogen, empfing uns Korsika wie wir es erwartet hatten. Wir hatten mit unserem Vermieter einen Treffpunkt auf einem Supermarktparkplatz vereinbart und so wir fuhren fast hintereinander auf den Parkplatz. Die Begrüßung war sehr freundlich und herzlich. Schnell lotste er uns durch ein paar schmale Straßen zu unserer Unterkunft. Uns erwartete ein nettes kleines Häuschen auf seinem Grundstück. Sehr geräumig und geschmackvoll modern eingerichtet, der krasse Gegensatz zu unserer Wohnung in Arles. Nachdem wir unsere Sachen ausgepackt hatten, machten wir auf der zu unserem Haus gehörenden Terrasse ein zweites Frühstück. Für eine Insel ungewohnt war dabei der Blick auf felsige Berge. Währenddessen hatte Unser Sohn eine interessante Entdeckung gemacht – in und auf den Steinmauern tummelten sich zahlreiche Eidechsen. Damit war für die nächsten Tage das Unterhaltungsprogramm gesichert. Da passenderweise der mittägliche Zug nach Ajacco kommen sollte, gab es noch einen kurzen Besuch am nahegelegenen Bahnhof.







Der Zug sorgte aber nur kurzzeitig für etwas Leben im Bahnhof und wir machten uns auf den Weg in Richtung Calvi. Die Straße war schön zu fahren und so kamen wir trotz der sehr bergigen Landschaft zügig voran. Beeindruckend war der erste Blick aufs Mittelmeer mit der felsigen Steilküste. Die Bahnstrecke zwischen L‘Ill Rousse und Calvi führt meist zwischen Felsen und Strand entlang und bietet einige nette Fotomotive, zudem verkehren hier noch die etwas älteren Triebwagen. Bei unserem ersten Stopp in Algajola war dann die Enttäuschung umso größer als rostige Gleise und ein vergilbter Aushang auf den derzeit herrschenden Schienenersatzverkehr hinwiesen – und das sollte auch noch die nächsten 14 Tage so bleiben. Das waren zumindest fototechnisch übelste Aussichten. Wesentlich besser war das anschließende Mittagessen in einem netten Gartenlokal mit Pizza Frutti di Mare und korsischer Fischsuppe – zumindest beim Essen ist der italienische Einfluss nicht zu verkennen. Der anschließende Strandaufenthalt war wegen des kräftigen Windes und der teilweise hohen Wellen nicht entspannend.





So traten wir bald die Rückfahrt an, um in L’IlleRousse am Bahnhof noch festzustellen, dass der SEV bis Ponte Leccia oder sogar bis Camozza ging und somit auch auf der anschließenden Bergstrecke keine Züge zu erwarten waren.
Glücklicherweise boten sich zumindest aber im Bahnhof Ponte Leccia einige Fotomotive.






Im Supermarkt in Ponte Leccia kauften wir noch fürs Abendbrot ein, das Baguette dazu fand sich in einer kleinen Bäckerei in einer kleinen Seitenstraße direkt an der Bahnlinie. So genossen wir leckere Pasteten, frischen Salat und korsischen Wein zum Abendessen,



Weiter geht es dann im Teil 6 nach Corte & Ajacco


Grüße von der KBS974


Michael

von KBS974 - am 23.01.2015 09:20

[OT] Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 6

Donnerstag 01.Mai

Heute ging es in die heimliche Hauptstadt Korsikas, nach Corte. Unterwegs versuchten wir für den aus Corte kommenden Zug noch eine passende Fotostelle zu finden, die sich aber erst nach Durchfahrt des Zuges in Francardo fand und somit für die nächsten Tage vorgemerkt wurde.



Wir parkten in Corte unser Auto am Rande der Altstadt und machten uns zu Fuß auf den Weg die am Berg gelegene Stadt zu erkunden. Uns fiel dabei auf, dass viele Häuser zwar unten renoviert waren, die oberen Stockwerke aber oft in sehr schlechtem Zustand waren und teilweise unbewohnt schienen. Trotzdem faszinierte uns diese Stadt ein wenig durch diese Mischung aus quirligem Treiben und Leerstand, kombiniert mit kleinen urigen Gassen und Treppen in der Oberstadt unterhalb der Zitatelle. Zum Mittagessen folgten wir einer Empfehlung in unserem Reiseführer und wurden mit dem „A Casuccia“ mit einer schönen Sonnenterasse nicht enttäuscht. Zwar war uns die italienisch geprägte Speisekarte mit Pizza und Pasta zunächst etwas zuwieder, nach einer kurzen Beratung durch den Kellner fiel dann die Wahl auf ein Schweinegulasch mit Oliven und dazu hausgemachten Pommes Frites und –Unser Sohn zuliebe- einer sizilianischen Pizza mit Sardellen und frischen Tomaten, dazu gab es einen Salat mit Tomaten, korsischem Frischkäse und gehackten, gesalzenen Nüssen. Das alles war einfach richtig lecker und so genossen wir bei sommerlichen Temperaturen unser reichliches Mahl über den Dächern von Corte. Beim anschließenden Aufstieg auf die Zitadelle konnten wir einen schönen Blick in die Corte umgebenden Berge genießen.

















Zum Abschluss standen sowohl der obligatorische Besuch auf einem Spielplatz als auch des Bahnhofes auf dem Programm. Der Bahnhof entsprach fast üblichem korsischem Standard – zwei Bahnsteiggleise mit Rückfallweichen und ein kaum noch genutztes Nebengleis. Auch wenn der Bahnhof noch über einen geöffneten Fahrkartenschalter verfügte, so wirkte alles doch ein wenig verlassen. Passenderweise war im Nebengebäude des Bahnhofes direkt eine bekannte Autovermietung eingezogen.
Für die Rückfahrt hatten wir uns einen auf den ersten Blick nur kleinen Umweg über Favalello ausgesucht. Zunächst ging die Straße noch schön durch ein weites Tal, doch bald wurde die Straße schmäler und führte steil bergan. Mit zahlreichen Serpentinen erklommen wir die Höhen der korsischen Berge und erlebten dabei fantastische Ausblicke. Allerdings wurden auch die Spuren von Zivilisation immer weniger, so dass wir gelegentlich am Zweifeln waren, ob wir immer noch auf dem richtigen Weg waren. Zwischendurch kamen aber immer wieder kleine Ansiedlungen die sich auch auf unserer Karte wiederfinden ließen. Etwas verwunderlich war die auf weiten Strecken auf der Straßenmitte aufgebrachte Mittelmarkierung – wobei die ganze Straße meist nur gerade mal so breit wie ein Auto war. So zog sich die Fahrt doch gewaltig in die Länge und bei jedem Gefälle hofften wir endlich den höchsten Punkt erreicht zu haben. War Anfangs der Zustand der Straße noch ganz passabel, waren später immer heftigere Unwetterschäden erkennbar und so manches Loch war auch mal in der Fahrbahn. Nachdem diese wenn überhaupt nur mit einem kleinen Schild gesichert waren, wollten wir uns eine Fahrt bei Dunkelheit lieber nicht vorstellen – zumal auch keinerlei Leitpfosten oder ähnliches vorhanden war. Unterwegs begegnete uns auch mal eine Herde freilaufender Schweine, für uns ein recht ungewohnter Anblick Aber alles hat ein Ende und ab San Lorenzo ging es auch nur noch bergab – und das auch wieder auf besseren Wegen bis wir kurz vor Ponte Leccia wieder auf die Hauptstraße trafen.










Freitag 02.Mai

Beim Aufstehen zeigten sich die Berge tief wolkenverhangen und ließen ein wenig Wehmut auf die vergangenen sommerlichen Tage aufkommen – das Thermometer zeigte nur noch zehn Grad an.
Der nächste Bäcker lag eigentlich fast auf der anderen Straßenseite – nur leider lag die abgezäunte Bahnstrecke dazwischen und so war der Weg zu frischem Baguette und Croissants doch etwas weiter. So gestärkt gingen wir die Fahrt nach Ajacco an – nur rund 100 Kilometer die uns aber wieder quer durchs Gebirge führen sollte. Diesmal aber auf der gut ausgebauten Nationalstraße die quer durch Korsika von Bastia nach Ajacco führt. Nach Corte fuhren wir relativ zügig in die Berge. Wir dachten eigentlich dass die Route nach Ajacco überwiegend durch eines der zahlreichen Täler führen würde. Aber nach Vivaro ging es stetig bergan und wir waren dann am Col de Vizzavona über 1100 Meter über dem Meer. Dort oben angekommen, begrüßten uns 6°C und dichter Nebel.



Je weiter wir dann wieder ins Tal zurückkamen lichtete sich das Wetter und uns strahlte die Sonne entgegen. Am Hafen fanden wir relativ schnell einen Parkplatz. Mit Sack und Pack machten wir uns auf den Weg zur Altstadt, nachdem zuvor noch dem Bahnhof ein kurzer Besuch abgestattet wurde. Die Anlagen des Bahnhofes sind etwas weitläufiger, zumindest für korsische Verhältnisse. Außer den drei Bahnsteiggleisen waren die übrigen Gleise aber weitgehend unbenutzt, in der Straße zum Fähranleger fanden sich auch noch kurze Reste der Hafengleise. Auffällig ist die große Zelthalle für die Wartung der neuen Triebwagen. Wie schon zu erwarten war, waren auch hier keine älteren Fahrzeuge mehr im Einsatz. Interessant war, das der ankommende Triebwagen aus Bastia abgestellt wurde (auf dem sonst nicht mehr genutzten Bahnsteiggleis 1 und für den Zug nach Bastia ein anderer Triebwagen wieder aufgestellt wurde.





Die Altstadt liegt oberhalb des Hafens und in den Straßen herrschte reges Treiben. Auf dem Place Foche waren noch die letzten Händler des vormittäglichen Marktes da. So konnten wir noch verschiedene Wurst- und Käsesorten probieren, auch Unser Sohn wollte von allem probieren und selbst der würzige korsische Käse schmeckte ihm. Für die nächsten Brotzeiten wurde dann natürlich auch ein entsprechender Vorrat eingekauft.





Zum Mittagessen hatten wir uns im Reiseführer zwei Lokale ausgesucht. Das erste war bis auf den letzten Platz besetzt, dafür waren alle umliegenden Lokale weitgehend leer– der Tipp schien nicht so schlecht zu sein. Im „Da Mamma“ einige Gassen weiter bekamen wir dann gerade noch einen Tisch – zwar auf der Gasse und richtig schief stehend, das war uns aber egal. Wir hofften eigentlich nur wie im GlacierExpress auch passende Gläser zu bekommen. Für 12,- € wurde ein Mittagsmenü angeboten, Salat und Fischsuppe, danach marinierter Tintenfisch (der wie vieles auf Korsika für unseren Geschmack etwas zu salzig war) und Kotelett mit Kartoffeln und zum Nachtisch klassischen Flan mit Ahornsirup und Eis. Gut gestärkt orientierten wir uns Richtung Hafen, dort konnte Unser Sohn unterhalb der Zitadelle gut mit seinem neu gefundenen Tau „Fische“ angeln. Wir genossen noch die überragende Aussicht von der Molenmauer und gingen dann langsam zurück zum Auto.











Am Bahnhof war dann noch Zeit für gemeinsames Vater-Sohn-Fotografieren – der bereitgestellte Abendzug nach Bastia und eine Fähre im Hintergrund waren dazu gut geeignet. Das Ergebnis unseres Dreieinhalbjährigen lässt sich meines Erachtens durchaus zeigen:



In den Bergen war das Wetter zwar im Vergleich zur Hinfahrt etwas besser geworden, doch zeigten sich immer noch hohe Wolkenfelder. Unterwegs gab es noch einige Fotostopps – zum einen der beeindruckenden Landschaft wegen – zum anderen weil auch passenderweise zwei Züge fotografisch umsetzbar waren.













Zum Abendessen waren wir wieder in Ponte Leccia, das es auch heute wegen der kühlen Temperaturen nur in unserem Ferienhaus gab.


Ich hoffe der Bericht gefällt auch ohne viele Eisenbahnbilder. Weiter geht es dann im Teil 7 an die Nordküste.


Grüße von der KBS974


Michael

von KBS974 - am 24.01.2015 13:10

[OT] Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 7

Samstag 03.Mai

Auch der heutige Morgen war nicht viel besser, aber es waren zumindest einige blaue Stellen am Himmel zu erkennen und auch waren die Temperaturen etwas wärmer. Die morgendliche Ruhe wurde nur durch das Brummen des Frühtriebwagens von Bastia gestört – inzwischen hatten wir uns an das markige Brummen dieser neuen Triebwagen gewöhnt. Für heute hatten wir uns die Ecke um L’IleRousse und Calvi nochmal vorgenommen. Kurz vor der Küste lichtete sich das Wetter und die Sonne kam heraus. Beeindruckend war auch heute wieder die Fahrt entlang des Mittelmeeres. Am Bahnhof von L’IleRousse bekamen wir direkt einen Parkplatz und wir liefen das kurze Stück am Wasser entlang in die Stadt.



Der Reiseführer hatte den täglichen Wochenmarkt so nett beschrieben. Wir hofften hier noch ein paar korsische Spezialitäten zu bekommen. Unsere Enttäuschung war groß, da sich dieser Markt mit gerade mal acht Ständen präsentierte. Interessant war nur die offene Bauweise dieser Markthalle – wie bei einem griechischen Tempel wurde das Dach von schweren Steinsäulen getragen und einige Stufen führten zur Marktfläche hinauf. Ansonsten gefiel uns L‘IleRousse mit den kleinen Gassen und der Strandpromenade echt gut. Allerdings waren die Restaurants sehr hochpreisig und so entschieden wir uns nach einem kurzen Spielplatzaufenthalt weiter bis Calvi zu fahren. Nach kurzer Suche hatten wir einen Parkplatz direkt am Bahnhof in Stadtnähe gefunden und liefen zielstrebig auf die im Reiseführer genannten Restaurants zu. Leider war hier das Mittagsgeschäft schon vorbei und beide waren kurz vorm schließen. Wir gingen die Fußgängerzone ein Stückchen weiter und blieben vor einem Schild stehen: Heute frische Muscheln. Nachdem diese Lokalität auch gut besucht war, viel uns die Entscheidung nicht schwer - wir sollten auch nicht enttäuscht werden. In einem Kellergewölbe wurden uns Carpaccio, Muscheln, Gulasch, Kastanienmousse und Rotwein serviert. Unser Sohn war zunächst enttäuscht über das fehlende Eis zum Nachtisch, war dann aber mit dem Kastanienmousse auch sehr zufrieden. Gut gestärkt machten wir uns auf den Weg zum Hafen. Im Gegensatz zum riesigen Fährhafen in Bastia mit mehreren Fähranlegern war dervon Calvi sehr übersichtlich: direkt hinter der Altstadt gelegen bildeten eine Bretterbude am Rand des Hafenbeckens mit einem Anleger und ein kleiner Parkplatz daneben das ganze Ensemble. Die Zufahrt zur Fähre konnte nur durch die enge Altstadt erfolgen. Unser Sohn interessierte sich daher viel mehr für die Angler.



















Entspannt bummelten wir wieder zum Bahnhof zurück. Nachdem schon kein Zugverkehr herrschte, sollte zumindest noch der dort fotogen auf dem ehemaligen Ladegleis abgestellte Renault-Triebwagen abgelichtet werden. Die Vandalismusschäden an dem Fahrzeug hielten sich (noch) in Grenzen, nur ein großflächiges Graffiti verunzierte den Zug auf der Seeseite. Einige Leute schienen diesen Zug in Beschlag genommen zu haben, an einer Tür des Triebwagens stand ein Einstiegstritt und im Inneren waren einige normalerweise nicht zum Triebwagen gehörende Dinge zu sehen. Nachdem dazu auch ein Putzeimer und Besen gehörten, schienen die Männer den Zug zumindest doch ein wenig zu pflegen….. . Hoffentlich bleibt dem Zug das gleiche Schicksal wie des VT 08 in Blaibach erspart als dort ein Lagerfeuer im Fahrzeuginneren den Zug zerstörte.
Interessant war, das der Triebwagen des Strandverkehrs über den ganzen Zeitraum der mehrwöchigen Streckensperrung anscheinend in Calvi abgestellt blieb.














Für den Rückweg hatten wir uns einen kleinen Umweg durch die Berge ausgesucht. Kurz hinter Calvi bogen wir bei Lumino rechts ab und schon bald führte unser Weg wieder steil bergan und damit boten sich wieder beeindruckende Ausblicke auf das Mittelmeer und die angrenzenden Berge. Bei Cateri hätten wir auch direkt weiter Richtung Ponte Leccia fahren können und wären dabei später entlang der Bahn gefahren. Die Erfahrungen der vergangenen Tage lehrten uns aber hier wieder Richtung Küste abzubiegen, da die kurvigen Bergstraßen einfach zuviel Zeit kosten. Zwar war auch der Weg hinunter zum Meer schmal und kurvig, aber wir kamen bereits wieder kurz vor L’Ille Rousse wieder auf die Küstenstraße. Die restlichen 30 Kilometer konnten wir entsprechend flott auf der breiten, gut ausgebauten Straße zurücklegen. So waren wir rechtzeitig für ein frühes Abendessen wieder in Ponte Leccia.










Weiter geht es dann im Teil 8 wieder mit etwas mehr Bahnbildern.


Grüße von der KBS974

von KBS974 - am 25.01.2015 10:07

[OT] Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 8

Sonntag 04.Mai


Nachdem uns sowohl der Reiseführer als auch unser Vermieter auf den heute stattfindenden Käsemarkt in Venaco hingewiesen hatten, war der erste Punkt für den heutigen Tag schnell klar. So machten wir uns bei fast sommerlichen Temperaturen auf den Weg in Richtung Süden – nicht ohne einen kurzen Fotostopp in Francardo für den Vormittagszug aus Ajaccio zu machen.







Corte:



Venaco, im Hintergrund das Zelt des Käsemarktes:



Wir erwarteten eigentlich einen klassischen Wochenmarkt mit großem Käseangebot – schon bald wurde in Venaco klar, dass es sich hier aber um eine sehr moderne Vermarktungsaktion heimischer Produkte handelte. Trotz vollgeparkter Straßenränder –auch an der Durchgangsstraße war damit kaum noch ein Durchfahren möglich- fanden wir mit viel Glück gleich einen Parkplatz. Etwas außerhalb des Ortes war ein großes Festzelt aufgebaut in dem sich wie auf einer Verkaufsschau die einzelnen Stände befanden. Neben einigen künstlerischen und gewerblichen Angeboten fand sich ein fast unerschöpfliches Angebot an heimischem Ziegenkäse, Gebäck und Wurst. Dazu wurde aber auch Wein und Olivenöl in verschiedensten Qualitäten angeboten. Mit einem Zahnstocher bewaffnet konnten wir nach Belieben an den Ständen naschen und die unterschiedlichen Varianten probieren. Als Reisesouvenir gönnten wir uns einen kleinen Kanister Olivenöl – zwar nicht günstig, aber für unseren Gaumen auch deutlich besser wie die übrigen Öle. Zum Mittagessen hatte es zuvor schon einen frischen Ziegenkäsefladen gegeben und als Nachtisch gab es frittierte Apfelbällchen Die waren so lecker, dass wir uns schon bald ärgerten nicht eine große Portion gekauft zu haben – aber da waren wir schon draußen. Nachdem zum Nachmittag immer mehr Besucher auf den Markt strömten waren wir jetzt froh dem Trubel entfliehen zu können. Die Straße war inzwischen wirklich kilometerweit zugeparkt und so wurden wir von einer Autofahrerin recht unwirsch aufgefordert doch endlich den Parkplatz freizumachen, als unser Verladen des Kinderwagens und das Einsteigen etwas länger dauerte.



Bei der eigentlich sonst gewohnten korsischen Gelassenheit schon etwas ungewöhnlich. Für den Nachmittag hatten wir noch einen Ausflug an einen Stausee westlich von Corte geplant. Auf schmaler Straße fuhren wir zunächst durch hügeliges Bergland um dann hinter Castirla in ein enges Felsental abzubiegen – wir fühlten uns wie im Hochgebirge obwohl wir gerade mal rund 500 Meter über dem Meeresspiegel waren. Hier oben gibt es im Winter sogar die Möglichkeit Ski zu fahren.



Jetzt waren die Orte am Nordufer des Sees weitgehend verlassen, in Albertacce spazierten dann zu unserem Erstaunen zwei Schweine über die Straße. Der Versuch diese zu fotografieren scheiterte allerdings, da die beiden zielstrebig die Flucht ergriffen. Die beiden Rüsseltiere trabten zunächst die Hauptstraße entlang um dann in einer steilen Seitenstraße zu entschwinden. Und auch ich verschwand, denn ich wollte ja die beiden Schweine fotografieren, während die beiden anderen brav im Auto warteten.. Der Kommentar meiner Frau hinterher dazu: „Schweine weg – Mann weg“. Wie sich bald herausstellte, tummelte sich auf einer buschigen Wiese eine ganze Schweineherde. Das war eine Freude für uns drei. Somit war auch die Erklärung im Reiseführer klar warum gerade das korsische Schwein im Gegensatz zum deutschen als Delikatesse gilt. Bei dieser Kräutervielfalt und dieser natürlichen Lebensweise können diese netten und witzigen Tiere nur gut schmecken .







Aber auch andere „Speisen“ tummelten sich freizügig entlang der Straße:



Unser Sohn hatten wir zum Ausgleich noch ein wenig Strand versprochen und wir fanden nach kurzem Suchen eine nette Badestelle in Calcuccia. Wir hatte auch noch genügend Essen eingepackt, und so konnten wir mit Blick auf See und Berge gemütlich Brotzeit machen. Unser Sohn genoss die Zeit mit Sandburgenbau und „Fische“ angeln.





Unser Rückweg führte uns bis Castirla auf der gleichen Straße zurück. Nachdem es auf dem Hinweg rechts nur steil bergauf ging, hatte wir jetzt bei der Rückfahrt den Abgrund zum Fluss direkt neben uns. Die einige Absicherung waren gelegentlich kleine Steinmäuerchen oder kurze Leitplanken. Nachdem reflektierende Leitpfosten auf Korsika anscheinend Mangelware sind, war die Vorstellung diese Straße bei Dunkelheit zu fahren nicht sehr verlockend. Am Ende des Tales konnten wir dann direkt nach Francardo abbiegen und waren somit schon bald wieder in Ponte Leccia.



Zum Abendessen hatten wir uns am Vorabend schon im Supermarkt Fleischtaschen gefüllt mit Dörrpflaumen und Aprikosen sowie grobe korsische Bratwürste eingekauft, dazu gab es dicke Pommes und eine große Schüssel Salat. Das Ganze verspeisten wir wieder mit Bergblick auf unserer Terrasse – so kann ein Urlaubstag ausklingen.

Montag 05.Mai

Auch heute wurden wir wieder von traumhaftem Wetter geweckt – keine Wolke trübte den Himmel. So konnten wir auch heute wieder entspannt auf unserer Terrasse frühstücken.
Der Bahnhof von Ponte Leccia am Morgen:





Unser heutiges Ziel war die Westküste um Bastia – verbunden mit dem Versuch im Vorortverkehr von Bastia nach Casamozza noch die etwas älteren Triebwagen fotografieren zu können. Unterwegs überholten wir den schon in Ponte Leccia fotografierten Vormittagszug nach Bastia. In Barchetta ergab sich dann auf die Schnelle auch noch ein Foto von diesem Zug.



Der kleine beschauliche Bahnhof von Casamozza beherbergte augenscheinlich nicht nur das elektronische Zentralstellwerk für die Steuerung großer Teile des Streckennetzes sondern auch eine riesige Wartungshalle für die neuen Triebwagen der korsischen Bahn. Nachdem der Pendelzug nach Bastia eben abgefahren war, suchten wir auf Verdacht für die Gegenleistung geeignete Fotostelle. Diese fand sich Dank der parallel verlaufenden Straße recht bald an einem altertümlichen Bahnübergang mit Haltepunkt der auch zu einem modernen Zug einen netten Kontrast abgeben würde. Wie schon fast zu erwarten war, kam dann wiederum ein neuer Triebwagen daher.





Ganz entspannt konnten wir damit den Rest des Nachmittages am Strand verbringen, mit Picknick und vielen Auslauf für Unser Sohn. Die angrenzenden Siedlungen wirkten wie ausgestorben – hier sind wohl viele Häuser nur in den Sommermonaten bewohnt. In einem kleinen Supermarkt bekamen wir trotz der Mittagssiesta noch etwas zusätzliches Brot und eine Flasche Wein für unser Picknick. Am Strand war somit trotz sommerlicher Temperaturen auch kaum was los. Eine kleine Aufregung brachte zum Abschluss nur eine große Welle, die eine heißgeliebte Sandschaufel ins Meer beförderte. Dank einer beherzten Rettungsaktion meiner Frau, trockneten die Tränen unseres Sohnes schnell wieder - im Gegensatz zu den nassen Hosenbeinen der Retterin.

Die Ostküste bietet unseres Erachtens nicht ganz so viele nette Ecken, trotzdem fanden wir mit Vescovato etwas abseits der Haupstrasse südlich von Casamozza in den Bergen gelegen ein beschauliches und sehr gepflegtes kleines Dörfchen.











Die Hoffnung im abendlichen Berufsverkehr doch noch einen älteren Triebwagen zu fotografieren wurde leider nicht erfüllt. Hier passiert der Triebwagen das Fußballstadion von Bastia. Dafür fand sich vor Berchetta noch eine nette Stelle mit einem großen Viadukt.





Im Teil 9 werden wir Korsika wieder verlassen und mit einem kleinen Abstecher die Rückfahrt antreten.


Grüße von der KBS974


Michael

von KBS974 - am 26.01.2015 07:51

[OT] Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 9 (fast ohne Eisenbahn...)

Dienstag 06.Mai

Am Morgen begrüßte uns die Sonne und wir frühstückten noch einmal auf unserer Terrasse. Nachdem alles im Auto verstaut war, machten wir uns auf den Weg zum Cap Corse. Unser Vermieter hatte uns empfohlen über St. Florent zu fahren. Wir sollten relativ schnell erfahren wieso er uns diesen Tipp gegeben hatte. Kurz vor L‘Ille Roche bogen wir rechts in die Berge ab. Die Landschaft veränderte sich mit jedem Höhenmeter und wir durchfuhren die Stein-Macchia-Wüste, eine europäische Halbwüste. Auf den eigentlich kargen Fels- und Schotterflächen wuchsen zahlreiche immergrüne Macchiebüsche.



Unser treuer Begleiter der letzten Tage:





Auf der anderen Seite der Berge tauchte das Mittelmeer in voller Schönheit wieder auf. In Serpentinen ging es runter bis nach St. Florent von dort aus immer parallel am tiefblauen Wasser entlang. Durch die Steilküste blieb für die Straße nur sehr wenig Platz und in zahllosen Kurven schlängelte sich die Straße teilweise hoch über dem Mittelmeer entlang. Nur einzelne Ortschaften lagen auf unserem Weg – entweder direkt unten am Wasser an einer kleinen Bucht oder hoch oben über dem Meer, die Häuser klebten regelrecht an den Felsen. Hinter einer Kurve wurden wir von einer Besonderen Art von Fußgängern überrascht – eine Ziegenherde hatte sich diese Stelle als Kletterpunkt ausgesucht. Es war schon interessant wie waghalsig die Vierbeiner in den steilen Felsen umher kletterten und dabei auch für einige Steinschläge verursachten.





















Zur Mittagspause hatten wir uns eine kleine Bucht mit wenigen Häusern ausgesucht. Hier konnte Unser Sohn entspannt spielen und wir konnten somit entspannt Brotzeit machen.







Nachdem wir durch die engen Straßen an der Küste nur sehr langsam vorangekommen sind, bogen wir kurz nach Pino ins Landesinnere ab um die Fahrt ein wenig abzukürzen und direkt an die Ostküste zu gelangen. Unterwegs kamen wir an einem kleinen Krankenhaus vorbei, dabei kam bei uns doch ein etwas mulmiges Gefühl auf, wie lange in diesen dünn besiedelten Gebieten bei einem Notfall erste Hilfe dauern würde. Es dauerte auch nicht lange, da sahen wir auf der anderen Inselseite das Mittelmeer wieder. Im Vergleich zur Westküste war dieser Teil unspektakulär und so ging die Fahrt auch zugig voran. Mit Erbalunga fand sich kurz vor Bastia noch ein nettes kleines Städtchen am Meer für eine kleine Rast. Unser Sohn war von zwei einheimischen Jungs fasziniert die mit einem Kescher kleine Krebse und Fische aus dem Hafenbecken fischten. Ohne Scheu gesellte er sich zu den beiden dazu und obwohl sie sich nicht wirklich verstanden hatten alle ihren Spaß dabei. Nach einem Crepe und Kaffee entdeckten wir noch eine nette felsige Schieferstelle.









Die Zeit flog nur so dahin und wir mussten bis um halb acht in Bastia unseren Mietwagen wieder gereinigt abgeben. So bangten wir, auch auf der Nordseite von Bastia noch eine Tankstelle mit Staubsauger zu finden um nicht noch das Auto am abgelegenen Flughafen abgeben zu müssen. Wir hatten Glück und kurz vor halb sieben fand sich doch ein Staubsauger am Stadtrand von Bastia. In familiärer Zusammenarbeit wurde in Rekordzeit das Auto wieder auf Vordermann gebracht und so konnten wir unser Auto noch pünktlich abgeben. Vor der Abfahrt der Fähre wollten wir eigentlich in der Altstadt von Bastia noch gemütlich Abendessen, nachdem wir aber noch nicht richtig hungrig waren und uns die Zeit bis zum Einchecken auf die Fähre zu knapp war, besorgten wir uns in einer kleinen Bäckerei am Hafen nur noch eine Quiche und einen korsischen Käsefladen für die Brotzeit auf dem Schiff. Im Fährterminal konnte uns erst mal keiner sagen, wann wir unsere Bordkarten bekommen würden. So nutzen wir die Wartezeit für ein ausgiebiges Spielprogramm für unseren Sohn im kleinen Spielbereich des Fährterminals. Ich nutze die Zeit um noch kurz zum Bahnhof raufzulaufen und mir dort den abgestellten Fuhrpark der korsischen Bahn anzuschauen.







Der Rückweg war dann bei der einbrechenden Dunkelheit und einem brennenden Müllcontainer doch etwas abenteuerlich.
Irgendwann war dann auch mal der Schalter von Moby-Lines besetzt und wir bekamen zumindest unsere Bordkarten. Unsere Hoffnung auf einen baldigen Gang auf die Fähre wurde durch eine sehr resolute Mitarbeiterin beendet, wir mussten warten bis uns ein Kleinbus die paar hundert Meter zur Fähre brachte. Ganz ungewohnt war der Zugang auf die Fähre, wir gingen am Rand der großen Verladeklappe und mussten durch den Laderaum des Schiffes bis wir mit dem Aufzug zur Rezeption fahren konnten. Die Freude über die zugeteilte Kabine wärte nur kurz – unser Kinderwagen passte nicht durch die schmale Kabinentür. Das Problem wurde aber kurzerhand durch einen Kabinentausch gelöst – somit hatten wir unverhofft eine geräumige 5er Kabine. Der Abend klang auf dem Deck mit Blick auf die Lichter von Bastia aus.



Meine Frau wollte noch ein Wasser aus der Kabine holen und hatte leichte Probleme unsere Kabine wieder zu finden, nachdem sie einen anderen Abgang gewählt hatte. Wir waren wieder einmal sprachlos als unser Sohn uns später ohne Probleme zu unserer Kabine lotste. Die Nacht war nicht nur kurz, sondern wir schliefen auch recht schlecht. Die Betten waren nicht sonderlich gut und auch die Lautstärke direkt in der Nähe des Maschinenraums war fast unerträglich. Irgendwie klapperte immer irgendetwas. Auch das Bordpersonal war zwar freundlich, aber leider haperte es oft an grundlegenden Fremdsprachkenntnissen – nicht mal französisch wurde auf diesem Schiff überall verstanden. Wir sind inzwischen schon mit einigen Fährgesellschaften gefahren, diese werden wir in Zukunft auf jeden Fall versuchen zu meiden.



Im nächsten Teil geht es dann in einem anderen Land weiter


Grüße von der KBS974


Michael

von KBS974 - am 27.01.2015 13:28

[OT]: Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 10

Mittwoch 07.Mai

In Genua begrüßten uns dicke dunkle Wolken als wir mit der Fähre an den Hafen einfuhren. Die Größe der Hafenstadt und die Lage zwischen Meer und Gebirge war beeindruckend, irgendwie konnten wir es uns aber nicht vorstellen, längere Zeit hier zu verweilen.







Nach dem Anlegen waren wir zwar schnell aus dem Schiff draußen – wir fühlten uns schon etwas komisch mit unserem Kinderwagen mitten durch das große, aber weitgehend leere Fahrzeugdeck und wieder über die breite Verladerampe nach draußen zu laufen. Fußpassagiere waren bei Moby-Line anscheinend die Ausnahme, die Ausfahrt zur Autobahn war bestens beschrieben, unseren Weg durften wir uns erst mal selber suchen. Eine Sicherheitsmitarbeiterin wies uns schließlich auf einen ganz unscheinbaren, etwas abseits gelegenen Aufgang zur großen, den Terminalbereich querenden Fußgängerbrücke hin. Wir wussten, dass der Bahnhof Genua P. Principe in fußläufiger Entfernung lag. Was wir nicht wussten war, dass es im ganzen Fährterminal weder einen Stadtplan noch irgendwelches Servicepersonal gab. Zwei nette Verkäufer rieten uns doch einfach den Bus der Linie 3 zu nehmen, der Weg wäre doch eh zu weit zum laufen. Wir wollten nach der langen Fahrerei aber lieber zu Fuß gehen. Vor dem Terminal fand sich dann durch Zufall an einer Fahrradvermietstation ein kleiner Stadtplan, der unsere geplante Richtung entlang der Bahngleise bestätigte. Nachdem wir nach wenigen Metern vor einer kleinen, wenn auch äußerlich etwas heruntergekommenen Markthalle standen füllten wir erst noch unsere Obstvorräte auf. Frische Orangen und Nespole – auf diese Früchte steht Unser Sohn seit unserem Besuch auf Sizilien. Schon bald standen wir vor dem unscheinbaren Seiteneingang des Bahnhofes – wir waren vielleicht gerade mal 20 Minuten gemütlich gelaufen. Zunächst hatten wir den Eindruck quer über einen stillgelegten Bahnhofsteil zu gehen – Bahnsteige und Dächer waren noch zu erahnen, aber dazwischen viel Baumaterial für den Großumbau des Bahnhofes. Dann betraten wir aber die richtige Bahnhofshalle – sauber und hell, so stellten wir uns nicht unbedingt italienische Großstadtbahnhöfe vor. Nachdem bis zur Abfahrt unseres Zuges Richtung Ventimiglia noch etwas Zeit war, gab es von der Bahnhofsbar erst mal einen leckeren Latte Macciato – nachdem mein Wunsch diesen Mitzunehmen ignoriert wurde nahmen wir die Gläser mit auf den Bahnsteig (und brachten diese natürlich anschließend wieder zurück). Die Fahrt mit dem Zug führte uns erst mal lange Zeit durch Genua und seine Vororte – und so konnten wir doch noch einige nette Eindrücke von Genua mitbekommen. dann verschwand die Bahn erst mal in vielen Tunnels obwohl uns die weitere Fahrt meist nah an der Küste entlang führte. So bekamen wir anfangs das Mittelmeer oft nur kurz zu sehen. Hinter Savona ging es für kurze Zeit auf einer neueren (Tunnel-)Trasse durchs Hinterland. Anschließend führt die Strecke fast nur noch direkt am Meer entlang. Unser Sohn nutzte die Zeit zwischendurch für Turn- und Kletterübungen auf den Sitzen und bewies dabei eine erstaunliche Trittsicherheit. Auffällig waren die teilweise sehr langen Aufenthaltszeiten und auch wir erreichten unser heutiges Ziel Diano Marina viel zu zeitig.



Auch hier am Bahnhof suchten wir vergebens einen ordentlichen Stadtplan. Nachdem wir das Hotel erst von Korsika aus gebucht hatten, konnten wir uns keine Wegbeschreibung ausdrucken. Wir wussten nur dass wir Richtung Cervo zurück gehen mussten. Dieser Wege führte uns durch die überschaubare Innenstadt, vorbei an kleinen Boutiquen. Zwei nette Damen in einer Konditorei kannten zwar unser Hotel konnten uns den Weg aber nur grob beschreiben. Nach ca. 500m kamen wir an einen Fußweg, dort stand eine Gruppe ratschender Einheimischer. Diese kannten zwar das Hotel nicht, nahmen aber ohne zu zögern ihr Telefon und fragten direkt im Hotel nach der Wegebeschreibung. Nach 5 Minuten hatten wir unser Ziel erreicht. Wir trafen auf nettes und zuvorkommendes Hotelpersonal und bekamen ein Dreibettzimmer mit ein bisschen Meerblick. Wir packen unsere Rücksäcke aus und richteten uns ein. Die Damen an der Rezeption empfahl uns die Pizzeria direkt hier am Strand und wir wurden auch nicht enttäuscht. Zwei gut belegte Pizzen, ein riesiger Salat und Wein füllten unsere hungrigen Mägen.
Katja und Unser Sohn wollten den Nachmittag entspannt hier am Strand verbringen. Nachdem unser Hotel kostenlos Fahrräder vermietete nutzte ich diese Gelegenheit und radelte die drei Kilometer nach Cervo. Trotz des fehlenden Radweges war die Fahrt entlang der Hauptstraße recht entspannt Für diese Region schienen Fahrräder nichts ungewöhnliches zu sein und sehr überraschend wurden die Zweiradfahrer von den Autofahrern respektiert – trotz des dichten Verkehrs gab es kein knappes Überhohlen oder Anhupen. Die Altstadt von Cervo mit vielen kleinen, bunten Häusern lag oberhalb einer Meeresbucht auf einem Hügel. Darüber trohnte die große Kirche San Giovanni Battist. Zwischen Strand und Stadt quetschten sich noch Bahnlinie und Straße – währende sich erstere auf einem alten Steinviadukt weitgehend harmonisch ins Stadtbild einfügte, war die Betonstraßenbrücke schon etwas auffälliger. Bevor sich gegen Abend wieder dichte Wolken vor die Sonne schoben gelangen noch einige nette Aufnahmen.





Wir trafen uns am Abend wieder am Hotel und füllten unseren Rucksack mit Brotzeitutensilien. Nachdem sich die Wolken schnell wieder verzogen hatten, wollten wir am Strand Abendessen. So konnte Unser Sohn nochmal am Wasser spielen und wir genossen den Blick auf Mittelmeer und die untergehende Sonne.

Donnerstag 08.Mai

Das Frühstücksbuffet war zwar für südländische Verhältnisse recht üppig, konnte uns aber nicht wirklich überzeugen. Zum einen gab es (zu) viele abgepackte (österreichische und schweizerische) Produkte, zum anderen konnte die Qualität nicht wirklich überzeugen: Zuckersüße Säfte, geschmackloser Schinken und Käse, staubtrockene Semmel und wässriger Kaffee. Wieso manche italienischen Gäste frischen Cappuccino aus der Bar bekamen, konnten wir wegen der fehlenden Fremdsprachenkenntnisse des Kellners leider nicht in Erfahrung bringen. Frisches Obst gab es nur in Form von Äpfeln und überreifen Kiwis. Lediglich die frisch aufgebackenen Croissants mit Marmeladenfüllung und der (hausgemachte) Kuchen konnten überzeugen.
Während sich Unser Sohn und Katja zu Fuß entlang des Mittelmeeres auf den Weg nach Cervo machten, lieh ich mir wieder ein Fahrrad um erst mal zum Bahnhof zu fahren. Zum einen benötigte ich noch den aktuellen Fahrplan der Nahverkehrszüge, die im Thomas Cook nicht vollständig enthalten waren, und zum anderen sollte der morgendliche IC nach Genua dort fotografierbar sein.



Beides klappte und so konnte ich mich auch entspannt auf den Weg nach Cervo machen, da ich hier noch einige Motive fotografisch umsetzen wollte, die am Vortag lichttechnisch nicht mehr machbar waren. Zwischendurch gab es Familientreffen am Strand in Cervo – allerdings gefiel unserem Sohn der steinige Strand nicht so gut und so blieb es bei einigen Kletteraktionen auf den zahlreichen Steinen und Felsen. So machten sich die beiden bald wieder auf den Weg zurück. Nachdem der auf einem Damm gelegene Bahnhof fotografisch schwer umsetzbar war fuhr ich wieder ein Stück entlang der Küstenstraße zurück. Hier verlief die Bahn nur auf einem kleinen Felsvorsprung direkt über dem Meer. Beim Warten auf den IC aus Genua wurde ich von einem Techniker der italienischen Telefongesellschaft angesprochen. Nachdem er sowohl leidenschaftlicher Modellbahner als auch Eisenbahnfotograf war, entwickelte sich eine kurze, aber interessante Unterhaltung.





Nachdem die Wolken heute schon früher vom Meer hereinzogen, ging es aber dann bald mit dem Fahrad wieder nach Diano Marina zurück. Dort holten wir uns im Hotel ein zweites Fahrrad samt Kindersitz und fuhren weiter ins kleine Zentrum. Dies war zwar sauber und gepflegt, aber ohne besondere Reize.



So genossen wir nur noch ein leckeres Eis und wollten den Abend lieber entspannt nochmal am Strand verbringen. Zum Abschluss unseres Urlaubes wählten wir wieder die bekannte Pizzeria direkt am Strand. Als Vorspeise hatten wir heute einen Meeresfrüchteteller bestellt, von dem Unser Sohn zielsicher die ganzen kleinen Muscheln rausfischte und mit Genuss verspeiste. Nach der obligatorischen Pizza genossen wir noch lange den lauen Abend während Unser Sohn noch glücklich am Stand herumtollte. So war es fast schon dunkel als wir wieder im Hotel ankamen und nachdem Unser Sohn ganz schnell im Bett verschwunden war, konnten wir auf dem Balkon noch die letzten Planungen für die Heimfahrt am nächsten Tag verfeinern.


Im Teil 11 geht es mit einem kleinem Umweg wieder heim.


Grüße von der KBS974


Michael

von KBS974 - am 03.02.2015 08:57

[OT]: Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 11

Freitag 09.Mai

Schon seit einigen Jahren hatten wir vergeblich versucht die inzwischen akut stilllegungsgefährdete Tendabahn zu bereisen. Nachdem wir die direkte Rückfahrt von der ligurischen Küste ins Allgäu wegen der späten Ankunft daheim ohnehin nicht in Betracht gezogen haben, bot es sich an jetzt den Umweg durchs Gebirge zu machen und dann am Abend in Nizza in den Nachtzug einzusteigen.
Das Frühstück war auch heute nicht besser. Wir freuten uns wieder auf kräftiges heimisches Brot, waren die Baguettes in Frankreich noch leidlich essbar gab es hier nur staubtrockene Milchsemmel. Nachdem unser Zug erst am späten Vormittag fuhr, liefen wir dann ganz entspannt zum Bahnhof zurück, unterwegs wurde noch Brot und Wurst für die Brotzeit unterwegs eingekauft.
Von Diano Marina ging es auf der meist eingleisigen Strecke zunächst entlang der Küste wieder Richtung Savona.
Nachdem unser Zug aus einem älteren ALe 801 bestand, konnten wir uns die frische Meeresluft um die Nase wehen lassen und Unser Sohn genoss es sichtlich in den Bahnhöfen richtig aus dem Fenster schauen zu können. Dies wurde ihm in diesem Urlaub Dank vieler neuer Fahrzeuge meist verwehrt.










In Savona stand schon unser Zug Richtung Turin bereit – ein für das Reisendenaufkommen etwas überdimensioniert wirkender 10-Wagen-Wendezug. So hatten wir genügend Platz um ein frühes Mittagessen zu machen – das Ciabatta aus der Bäckerei schmeckte zwar etwas besser, aber eine dauerhafte Sättigung wollte sich auch damit einstellen. Das sollte uns heute noch zwischendurch einen knurrenden Magen und demensprechende Laune bescheren.
Mit zahlreichern Kurven gewonnen wir an Höhe und es ging in zügiger Fahrt in vielen kurzen Tunneln durchs Gebirge nach Carcare. Nur einige kleine, abgelegene Orte waren zu sehen.







Vor dem großen Knotenbahnhof Fossano wurde es wieder zunehmend flacher. Dort stiegen wir aus und nutzten die Zeit für eine kurze Kaffeepause. Das alte, aber reizvolle Bahnhofsgebäude wurde nicht mehr genutzt und stand leer. Die Aufgaben hatte nebenan ein moderner Zweckbau übernommen. Im Obergeschoß befand sich eine kleine Bar, in der wir für wenig Geld zwei große Cappuccino bekamen. Für die Weiterfahrt Richtung Cuneo stand schon ein moderner elektrischer Minuetto-Triebwagen bereit. Nachdem wir schon frühzeitig dran waren bekamen wir auch problemlos Sitzplätze – bis zur Abfahrtszeit war der Zug so gut gefüllt, das selbst die Gepäckregale als Sitzplatz genutzt wurden.





Die weitere Fahrt verlief ohne nennenswerte landschaftliche Besonderheiten, bis wir kurz vor Cuneo ein großes Tal im Untergeschoß einer beeindruckenden kombinierten Straßen-Schienenbrücke überquerten. Jetzt wurden auch die angrenzenden Berge immer höher und unser Zug schraubte sich in vielen großen Kurven stetig bergan.



Unterwegs fand sich in Robilante noch eine große Verladeanlage für (Kalk-?)Steine, die zwar stark verwachsen, aber dennoch genutzt aussah. In Limone erreichten wir den höchsten Punkt der Tenda-Bahn. Hier endete unser Zug und nur noch wenige Fahrgäste stiegen mit uns aus. Der verschlafen wirkende Grenzbahnhof hatte seine Glanzzeiten sichtlich hinter sich. Zwar war alles noch recht gepflegt, allerdings standen der Bahnhof und die ganzen Nebengebäude weitgehend leer. Auch sonst schien in dem Ort nicht (mehr) viel los zu sein. Selbst ein imposantes Hotel direkt oberhalb des Bahnhofes schien zumindest jetzt nicht genutzt zu werden. Neben den 2-stündlich verkehrenden Zügen Richtung Cuneo waren nur noch zwei grenzüberschreitende Zugpaare auf dem Fahrplan vermerkt. Vor dem Bahnhof parkte noch ein Bus – allerdings sah es nicht so aus, als wenn hier passend zur Zugankunft ein Bus abfahren würde. Unser Zug nach Ventimiglia – diesmal ein Minuetto-Dieseltriebwagen - war hingegen überraschend gut gefüllt – sowohl mit Touristen als auch Einheimischen.











Die anschließende Fahrt bergab durchs Gebirge war mehr als beeindruckend. Schneebedeckte Berge und tiefe Täler sowie Orte wie Tende sorgten für ein grandioses Panorama. An einigen Stellen konnten wir unterhalb Bahngleise sehen – unsere Strecke führte in zahlreichen weiten Kehren bergab. In Breil-sur-Roya lud ein kleines Eisenbahnmuseum zur Besichtigung ein, neben regionalen Fahrzeugen und einem Ausflugszug für die Tendabahn waren auch noch einige andere französische Fahrzeuge, darunter auch Straßenbahnen im Freigelände ausgestellt. Hier hätten wir auch in den französischen Anschlusszug nach Nizza umsteigen können, der wurde aber leider auf dem letzten Teilstück durch einen Bus ersetzt. Nachdem wir unser ganzes Gepäck dabei hatten nahmen wir lieber den Umweg über Ventimiglia, der eigentlich so auch schneller sein sollte.











Kurz vor Ventimiglia wurde das Tal wieder breiter und wir fuhren an Industrieanlagen und einem großen, aber weitgehend ungenutzten Rangierbahnhof vorbei. Nachdem unser Triebwagen auf der Fahrt immer wieder mit Problemen zu kämpfen hatte war die anfängliche Verspätung von rund zehn Minuten schon immer weiter angestiegen, nach einem längeren Stopp kurz vor unserem Endbahnhof schließlich auf fast fünfzig Minuten.





Jetzt rächte es sich, dass wir am Morgen nicht großzügiger eingekauft hatten, denn mit dieser Verspätung war unser großzügiger Zeitpuffer für den abendlichen Einkauf sehr geschrumpft. Der Versuch in Ventimiglia auf die Schnelle einen Supermarkt zu finden, scheiterte leider kläglich. Lediglich in einer Markthalle konnten wir zumindest noch frisches Obst einkaufen, das übrige Angebot war aber recht überschaubar und auch entsprechend teuer. Lediglich eine Tüte getrockneter Tomaten gönnten wir uns noch. Auf dem Rückweg reichte die Zeit zumindest noch für ein großes Eis für jeden – ein kleiner Ausgleich für den abendlichen Stress. Am Bahnhof stand schon der französische Doppelstocktriebwagen für die Weiterfahrt nach Nizza bereit. Schon bei der Abfahrt war der Zug gut gefüllt. Nachdem die Abfahrt wegen eines verspäteten Gegenzuges schon etwas später erfolgte, nahmen sich auch die Grenzpolizisten in Menton genügend Zeit den Zug zu kontrollieren. Wir hatten in Nizza vierzig Minuten zum Umsteigen auf unseren Nachtzug – nur auch jetzt wurde dieser Puffer immer kürzer. Eine Nachfrage beim Zugchef auf den immer knapper werdenden Anschluss brachte nur die lapidare Antwort „pas de Problem – kein Problem“. Bei jedem Halt wurde der Zug immer voller und in Monaco blieben schließlich die ersten Fahrgäste zurück. Bei dem auf dieser Strecke angebotenen 15‘-Takt nicht wirklich ein Problem, aber unsere Verspätung erhöhte sich dadurch aber immer mehr. Nizza erreichten wir dann drei Minuten vor der Abfahrt unseres Nachtzuges. Wir konnten uns schon mal direkt bis an die Ausstiegstüre vorarbeiten und waren somit schnell aus dem Zug draußen. Allerdings herrschte auch auf dem Bahnsteig dichtes Gedränge und so kamen wir nur schwer zur Unterführung. Wir hoffen, dass wir unterwegs keinen anderen Reisenden blaue Flecken verpasst hatten. Im Laufschritt ging es mit Unser Sohn im Kinderwagen die Treppe hinunter – am anderen Bahnsteig gab es dann glücklicherweise eine Rolltreppe. Oben war das Zugpersonal des Nachtzuges schon dabei die Bahnsteigsperre für unseren Zug zu schließen, ließ uns aber nach einem flüchtigen Blick auf Fahrkarte und Reservierung doch noch passieren. Auch wenn uns die SNCF vor einigen Jahren wegen eines verpassten Anschlusses schon mal eine Übernachtung spendiert hatte, wollten wir eigentlich keine Nacht mehr am Mittelmeer bleiben. Wir hatten jetzt sogar noch Zeit am Bahnsteig zu unserem Liegewagen zu laufen – unser Umsteigevorgang hatte nicht mal zwei Minuten gedauert. Mangels eines anderen Abstellplatzes wurde der Kinderwagen dann einfach im Vorraum geparkt und wir machten es uns in unserem Abteil gemütlich. Unser Sohn war überglücklich – er hatte ein eigenes Bett im Zug bekommen und dazu gab es dann für ihn wie für die anderen Passagiere auch eine eigene Mineralwasserflasche. Wir hatten den Eindruck, er fühlte sich damit irgendwie erwachsen … .Unser Abteil war auf der Meerseite und wir genossen die frische Abendluft bei geöffnetem Fenster. Das brachte uns allerdings eine kleine Schelte des Liegewagenbetreuers ein, da somit die Klimaanlage nicht mehr funktionieren würde – was uns aber in Anbetracht der frischen Luft von draußen ziemlich egal war. Während draußen im Mittelmeer langsam die Sonne unterging, machten wir gemütlich Brotzeit – zwar nicht sonderlich üppig, aber die getrockneten und in Olivenöl eingelegten Tomaten als Beilage waren ein Traum.



Erst in Toulon stieg noch eine Mutter mit einem Kind zu. Nachdem aber deren Kinderwagen nicht bei uns ins Abteil passte wurde die beiden/drei in ein anderes Abteil umgebettet, so hatten wir dann unerwartet viel Platz im Abteil. Erst in Marseilles kam dann noch eine Mitreisende, da schliefen wir aber nach dem anstrengenden Tag schon fast.


Samstag 10.Mai

Die Nacht war nicht sehr lange, nachdem der Halt in Belfort zuvor lautstark angekündigt wurde waren wir dann alle bereits um kurz nach sechs Uhr wach. Wir hätten noch gerne ein wenig weitergedöst, aber Unser Sohn wollte nicht mehr ruhen. Nachdem das Einkaufen am Vorabend wegen unserer Verspätung nicht mehr so recht geklappt hatte, fiel das Frühstück mit Baguette und Butter schon dürftig aus. Wir hofften eigentlich noch in Straßburg Zeit zu finden um da zumindest noch gemütlich einen Kaffee zu trinken.







Dort angekommen konnten wir zwar schnell noch unsere Brotzeit fürs Mittagessen einkaufen, wir brauchten für die geplante Weiterfahrt im TGV noch eine Reservierung. Die Schlange am Schalter verhieß schon mal nichts Gutes – auch wenn hier sinnvollerweise die Verkäufe nach kurzfristiger und späterer Abfahrt getrennt waren. Diese grenzüberschreitende Reservierung schien nicht zum Tagesgeschäft des Verkäufers zu gehören, er brachte diese immer nur zusammen mit einer Fahrkarte heraus. Nachdem er dann für längere Zeit im hinteren, abgeschirmten Teil der Fahrkartenausgabe verschwunden war erklärte er uns der Zug wäre so nicht mehr buchbar und wir sollten unser Glück doch einfach beim Zugpersonal versuchen. Nachdem uns eh nur noch wenige Minuten bis zur Abfahrt blieben, hechteten wir auf den Bahnsteig. Das Personal war sehr freundlich und bat uns einzusteigen. Der Zug war kaum besetzt – in unserem Wagen saßen vielleicht rund ein Dutzend Reisende – und so konnten wir uns einen gemütlichen 4er-Sitz mit Tisch im Oberdeck aussuchen. So war die weitere Fahrt Richtung Heimat sehr entspannt, lediglich beim Umsteigen in Stuttgart war die Zeit etwas knapp und der ICE mit Fußballfans gut gefüllt. Wir fanden aber wieder ein nettes Plätzchen am Tisch bei zwei jüngeren Herren. Mit einem der beiden freundete sich Unser Sohn schnell an und so wurden erst Papierflieger gebastelt und anschließend auch im ICE ausprobiert, was bei den betroffenen Reisenden eher ein Schmunzeln entlockte.



Unser Resümee nach über 14 Tagen und knapp 4000 zurückgelegten Kilometern – es hat bis auf den SEV auf Korsika fast alles geklappt wie wir es geplant hatten. Die Kombination mit Mietwagen auf Korsika war eine sehr sinnvolle Alternative, da wir so um einiges flexibler waren und auch in manche abgelegene Ecke kamen. Wir konnten als Eltern eigentlich immer entspannt bleiben und so war auch unser Sohn entspannt und genoss den Urlaub wie wir.
So freuen wir uns auf die nächsten Urlaubsreisen quer durch Europa mit Kind und Zug.

Ich hoffe der Bericht hat euch gefallen, auch wenn er vielleicht etwas lang geworden ist.

Grüße von der KBS 974

von KBS974 - am 07.02.2015 09:59

Re: [OT]: Mit Kind & (nicht nur) Zug zum und übers Mittelmeer - Teil 11

Servus!

Toll - dein Reisebericht. Der macht echt Lust drauf, auch mal nach Korsika zu fahren! Danke fürs Einstellen!

Schönen Gruß
Gabriel

von JimKnopff - am 07.02.2015 12:49
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