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KBS 970 - Forum
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vor 2 Jahren, 12 Monaten
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doku-des-alltags, makna, KBS962, LuiggiGnz

Mit zwei Dieseln von München nach Kempten (39 B)

Startbeitrag von doku-des-alltags am 21.06.2015 18:59

Hallo zusammen,

als das (fast vollständige) Ende der n-Wagen im Allgäu immer näher rückte, fuhr ich am 2. Juli 2015 nochmal mit dem abendlichen RE 57488 von München nach Kempten, der mit seiner Zugbildung in den letzten Jahren noch ein hübsches Highlight darstellte.

Der mit Doppeltraktion fahrende RE 57588 München – Kempten (MH ab 18:52) wird aus den zuvor ankommenden RE 57413 aus Memmingen (MH an 17:41) und RE 57513 aus Füssen (MH an 18:05) gebildet. Wie üblich erreichen beide Züge geschoben den Münchner Hbf. Der zuerst eingefahrene RE 57413 wird zunächst leer vom Bahnsteig ins Vorfeld abgezogen, da in München Hbf keine Zugfahrten mit Doppelbelegungen der Gleise zulässig sind. Auf dem selben Gleis fährt schließlich der RE 57513 ein. Dessen Lok wird abgekuppelt und auch ins Vorfeld gefahren. Auf die zurückgebliebene Wagengarnitur wird nun die im Vorfeld stehende zweite Garnitur rangiert, so dass der Zug nun 8 Wagen stark ist, mit einem Steuerwagen in der Mitte. Nur rollt die zweite Lok vom Vorfeld heran, wird mit der ersten Lok gekuppelt und fertig ist der RE 57588.
Am 12. Juni 2015 fuhr dieser Zug zum letzten Mal in dieser Form, seitdem wird er von Dostos + 245 vorne und hinten gebildet.

Das folgende ist nun also nicht direkt ein Sichtungsbeitrag, sondern eher ein Erlebnisbericht in "Echtzeit". Durch den niedrigen Sonnenstand kann man auch die Topographie der Allgäubahn ganz gut nachvollziehen. Zur Auflockerung der "Nur-Zugfenster-Blick-Monotonie" verfolgen wir zeitweise auch noch den Lauf des EC 196 und anderen Zügen von außen.




1.) Der RE 57588 wird mit einem Rangiermanöver aus den beiden hintereinander ankommenden RE 57513 und RE 57413 gebildet. 218 446 steht hier bereits mit der 8 Wagen starken Zuggarnitur auf Gleis 28. Sie hatte den RE 57513 aus Füssen gebracht. Nun gesellt sich 218 497 dazu, die mit den näher am Prellbock stehenden 4 Wagen als RE 57413 aus Memmingen ankam.

Ursprünglich war die eine Maschine ganz im Norden, die andere ganz im Süden beheimatet. Seit Juni 2000 gehen (oder fahren) sie stationierungsmäßig die selben Wege, was durchaus bemerkenswert ist:







2. Bis zur Abfahrt ist es noch fast eine halbe Stunde.






3. + 4.) Um 20 Uhr hat der Zug Buchloe schon verlassen und wendet auf der Höhe von Rieden (im Rücken des Betrachters) sich südwärts, lange Schatten werfend, Kaufbeuren zu. Wegen einer Baustelle im Bahnhof Fürstenfeldbruck war der Abschnitt Puchheim – Fürstenfeldbruck nur eingleisig befahrbar. Planmäßig wäre die Abfahrt in Buchloe um 19:41 gewesen.




5.) Bis Biessenhofen geht es nach Süden, dann schwenkt die Strecke nach Westen. Hier am km 27,4 trennt sich die seit Biessenhofen parallel laufende Trasse der Strecke nach Füssen von der Allgäubahn. Nach einem kurzen Waldstück am km 27,8 geht es gerade weiter, Ruderatshofen entgegen.





6.) 218 419 am km 27,8 am 1. Juli 2013. Im Hintergrund der Kirchturm von Ebenhofen, wo die Strecke nach Füssen dran vorbei läuft.





7.) In Ruderatshofen hält schon lange kein Zug mehr. Gleich im Anschluss nähert sich die Bahn der Kirnach, die bei Biessenhofen in die Wertach mündet. Bis kurz vor Aitrang geht es nun durch dieses idyllische Tal.





8.) Ein Blick zurück auf den km 32,2.





9.) Eine Außenansicht von genau dieser Kurve 4 Tage später mit dem EC 196, der als einziger der Relation München – Zürich über Kempten fährt und nicht über Memmingen. Die Stelle ist schon nah an Aitrang, gehört aber noch zur Gemarkung Ruderatshofen.





10.) Das Tal öffnet sich wieder und es geht Aitrang entgegen, das aufgrund eines schweren Eisenbahnunglücks 1971 traurige Bekanntheit erlangte.





11.) Gleich hinter dem Bahnhof folgen zwei sehr enge Kurven. Erstere wurde dem TEE 56 am 9. Februar 1971 zum Verhängnis.





12.) Aus dem Schatten hinaus in die strahlende Abendsonne am km 35,0 durch die 90-Grad-Kurve. Nach der Kurve geht es durch eine Gerade, dann durch eine weitere Kurve...





13.) ... nach der die bekannte Fotostelle unterhalb Görwangs auftaucht.





14.) Nach Görwangs schwenkt der Zug in den beeindruckensten Abschnitt vor Kempten ein. Es geht zunächst nach Südwesten auf die ehemalige Blockstelle St. Alban zu. Hier am Kilometer 37,8. Hinten ist die Tafel vom km 38,0 zu sehen. Die Blockstelle war am km 38,5. Ursprünglich gab es dort auch einen Haltepunkt St. Alban. Die Blockstelle war bis 1973 besetzt. Danach wurde sie durchgeschaltet und 1975 aufgelassen. Heute gibt es zwischen Aitrang und Günzach keinen weiteren Streckenblock mehr.





15.) Winterliche Ansicht dieser Kurve mit 218 400 und 218 401.





16.) Während von der Blockstelle heute nichts mehr zu sehen ist (die Lage der früheren Bahnsteige von St. , gibt es ein Stück weiter, hinter dem km 38,8 noch ein gut erhaltenes Bahnwärterhaus. Ab hier beginnt nun die fast 180-Grad-Kurve die die Trasse von Süd-Süd-West auf Nord-Nord-West-Kurs bringt und auf die Günzacher Steige.









17. - 19.) Rasant gehts um die Kurve, der Sonne entgegen auf die Günzacher Steige zu.






20.) 218 456 rollt mit dem IC Nebelhorn die Günzacher Steige herunter.









21. - 23.) 218 497 und 218 446 erklimmen lautstark die Steigung und haben es am km 41,2 schon fast geschafft. Aus dem Wald heraus taucht schon die Bake vom Einfahrtvorsignal von Günzach auf.





24.) Beim Vorsignal ist dann der Scheitelpunkt (825 m ü. NN) der Strecke erreicht, wie man hier deutlich sehen kann.





25.) Bahnhof Günzach am km 43,8. Mit 801 m ü. NN höchstgelegener Bahnhof an einer zweigleisigen Hauptstrecke in Deutschland Bayern. Und 101 m höher als Biessenhofen (km 25,7).
(Danke an Luiggi für den Hinweis)





26.) Jetzt geht es bis Kempten nur noch bergab. Die Strecke schwenkt nach dem Bahnhof Günzach wieder nach Süden hinein in die Schattenlage des Tobelbachtals beim km 48,0. Ab der Kurve läuft der Tobelbach direkt parallel rechts von der Trasse.




27.) An einem früheren Bahnwärterhaus vorbei. Am km 48,2 geht es aus der Kurve heraus in eine Gerade hinein.





28.) Links nun der zugehörige Stein zum km 48,2. Über ein gerades Stück geht es in den Wald hinein.





29.) In weiteren Kurven mäandert die Strecke nach unten. Im Anschluss, etwa beim km 50,6 eröffnet sich der erste nähere Blick auf die Allgäuer Alpen. Hier schaut man genau nach Süden auf den Grünten, der sich bei Immenstadt erhebt.





30.) Veranschaulichung des Gefälles: am km 50,8 schwenkt die Strecke nach links. Unten links von der Bildmitte ist der Kirchturm von Wildpoldsried zu erkennen. Die Trasse läuft vor ihm vorbei, schon wesentlich weiter unten. Dort in etwa befand sich der Bahnhof Wildpoldsried am km 53,6.




31.) S-Kurve am km 51,0.





32.) Auch Betzigau, ebenfalls frühere Bahnstation (km 56,8) hat der Zug hinter sich gelassen. Nun ist es nicht mehr weit bis Kempten. Am km 58,8 wird die Landschaft und der Zug nochmal in goldenes Abendlicht getaucht.








33. + 34.) 1,2 km weiter gab es früher die Blockstelle Lenzfried. Der umgeleitete EC 195 kommt gerade von Kempten herauf, passiert die alte Blockstelle und unterquert die Autobahn A7.





35.) Am km 61,0 leuchtet schon das Einfahrtsignal von Kempten Hbf entgegegen. Die Allgäubahn schwenkt hier von Ost nach Süd. Vom Norden her kommt die eingleisige Strecke aus Neu-Ulm über Memmingen, die hier rechts der Trasse unterhalb verläuft.





36.) Überquerung der Iller auf der markanten Stampfbetonbrücke von 1906, die ursprünglich der Umfahrung des Kopfbahnhofes diente.





37.) Einfahrt in den Hauptbahnhof Kempten, 15 Minuten nach Plan.





38.) Gleich nach der Ankunft werden 218 497 und 218 446 abgekuppelt um zum Bw zu fahren. Das Zuglaufschild ist schon umgedreht. Am nächsten Tag frühmorgens geht es um 5:58 als RE 57581 nach München, Ankunft dort 7:18. Gefahren wird der Zug als Sandwich, vorne und hinten eine 218.





39.) Rückfahrt mit dem ALX. Nebenher rollt ein schöner großer Vollmond über die Allgäuhügel.





Um die Strecken-/Zeitachse ein wenig deutlich zu machen diese Tabelle mit den Fahrzeiten des RE 57588 in der rechten Spalte und links daneben vom N 4708, einem vergleichbaren Zug aus dem Jahr 1977.
Dieser verließ München Hbf 35 Minuten vor der Abfahrtszeit des RE 57588 und erreichte Kempten 21 Minuten nach der Ankunftszeit des RE 57588.

Grund dafür ist freilich die wesentlich höhere Anzahl an Zughalten unterwegs und längere Aufenthaltszeiten in größeren Bahnhöfen, so ein Aufenthalt in Buchloe von 9 Minuten.

Bei Interesse ist hier der ausführlichere Beitrag mit 102 Bildern zu diesem Thema zu finden:
[www.doku-des-alltags.de]


Viele Grüße,
Georg

Antworten:

Vielen Dank!

Vielen Dank für diese tolle Dokumentation der jüngsten Vergangenheit!

Viele Grüße, Andreas

von KBS962 - am 21.06.2015 21:43
Hallo mitnander !
Super Fotos, muß ich neidlos anerkennen. Aber eine kleine Korrektur zum Text muß ich doch loswerden. Der Bahnhof Günzach liegt zwar 801 m hoch, ist aber nicht der Höchstgelegenen Bf. an einer 2 gleisigen Hauptstrecke. Dies ist der Bf. St.Georgen an der ebenfalls 2 gleisigen Schwarzwaldbahn. Dieser liegt mit 805 m noch 4 m höher. Die Tafel wurde wurde angebracht, bevor ich dieses Versehen aus dem damals noch verfügbaren Kursbuch festgestellt habe. Es müßte folgedessen heißen, der höchstgelegene Bf. in Bayern.

von LuiggiGnz - am 22.06.2015 09:12

Danke für den Hinweis! (owt)

.

von doku-des-alltags - am 22.06.2015 11:38
Servus Georg,

da hast Du einmal mehr eine umwerfende Dokumentation zusammengestellt: Bravo - ganz hervorragend !

Das ist neben dem würdigen Abschied für RE 57588 zugleich eine 1A-Strecken-Beschreibung !!!

Mir war der Abschied leider nicht bewußt, als ich am 11.6. von der Zollstraße Richtung Hackerbrücke lief ...

... und plötzlich gar DREI 218er vor dem 57588 sah ... und leider nicht richtig ins Bild bekam:



Immerhin gelang es mir, die Kamera hochzureißen ... ;-)

Welche Loks da außer 218 467 davor waren, weiß ich nicht.

An der Strecke hat die am 11.6. wohl niemand aufs Korn genommen - sonst hätten wir hier doch schon längst ein Bild davon gesehen :rolleyes:

Nun - auch zwei Loks vor diesem RE waren schon etwas Außergewöhnliches !

Und das hast Du hier nun noch einmal mit sehr schönen Motiven herausgestellt !!!

BG Manfred

von makna - am 23.06.2015 15:19
Servus Manfred,

zufälligerweise stand ich da in Schöngeising am Bahnsteig. Hatte anschließend noch als Meldung hier reingeschrieben, war aber wohl schon zu spät.
Die Info zu den beiden anderen Loks kam dann noch von Stefan (218473): es waren hinter 218 467 noch 218 425 und 218 429.

Viele Grüße,
Georg



von doku-des-alltags - am 23.06.2015 15:54
Servus Georg,

hammerhartes Bild mit den drei 218 ! ! !

Na - wenigstens hast Du sie erwischt :)

Ich kann leider keine aktuellen Meldungen einstellen, da weder Smartphone- noch www-Tablet-Besitzer ...
... und war am 11. wie am 12. eh jeweils in ganz anderen Missionen als bahnbezogenen unterwegs.

BG Manfred

von makna - am 23.06.2015 19:37
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