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KBS 970 - Forum
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Erster Beitrag:
vor 2 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 9 Monaten
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claus-juergen schulze, Stefan von Lossow, razor300, Reichsbahnmasten-Nostalgiker, elchris

War Gauting Starnberg einst mehrgleisig geplant?

Startbeitrag von Stefan von Lossow am 14.09.2015 13:40

Hallo Gemeinschaft,

und gleich noch eine Frage hinterher. Nach den großen Rodungs- und Ausholzmaßnahmen der letzten Zeit fällt mir auf, daß südlich der Ausfahrt Gauting die kleine Straßenüberführung sichtlich für ein drittes, wenn nicht sogar viertes Gleis dimensioniert wurde. Auch scheint der Bahndamm rund um den ehemaligen Hp Mühlthal für mindestens ein drittes Gleis trassiert gewesen zu sein.

Gruß, Stefan

Antworten:

Re: War Gauting Starnberg einst mehrgleisig geplant? - Eher Nein und trotzdem teilweise vielleicht Ja.....

Hallo Stefan und weitere Interessierte,

nachdem ich als Jugendlicher fast täglich mit dem Radl meine Trainingsstrecke Starnberg-Mühlthal-Gauting befuhr,
kenne ich den Abschnitt so nebenbei ein kleines bisschen.-.-.-.

Also, aus drei Gründen glaube ich nicht an eine durchgängige Mehrgleisigkeit zwischen Gauting und Starnberg, weder geplant noch realisiert.

Gründe:

1) Die sog. Strecke der "Vorortbahn" sollte genau die neuen Villenkolonien erschließen, die sich bis Gauting im Würmtal ausbreiteten.
Starnberg war hingegen mindestens bis 1930 rum noch ein als abgelegen empfundenes Mini-Städtchen. Die Entfernungswahrnehmung
war eine ganz andere als heute - es gab kaum Pendler über 20 Kilometer Distanz, in den 50er Jahren ging es dann auf 30 Kilometer
rund um München. Und erst mit Einführung der S-Bahn wurden 40 Kilometer Umkreis für dichten Pendlerverkehr normal (Ausnahmen
gab es immer, am spektakulärsten die Montagfrüh-4-Uhr-Züge aus dem Bayerischen Wald nach München, für Monteure etc., die dann
in einem Billig-Quartier unter der Woche in München hausten).

Dies führt zu Grund zwei....
2) Der Fahrplan! Bis Ende der 60er Jahre gibt es tagsüber oft Lücken von 60, teils gar fast 90 Minuten im Zugverkehr südlich von Gauting.
Hierfür mehr als nur zwei Gleise vorzusehen wäre finanzieller Wahnsinn und betriebstechnisch ganz und gar überflüssig gewesen.

3) Drittens die Landschaft. Der Moränenrücken beim Gut Rieden ist topographisch allein schon mit zwei Gleisen nur schwer zu durchschneiden
und bedingt erhebliche Kunstbauten. Kaum auszudenken, diese Einschnitte und Dämme, die auf 1000 Metern Länge fast an die Allgäubahn
erinnern, noch breiter zu trassieren.

Verwirrenderweise stimme ich Stefans Trassen-Beobachtungen aber trotzdem zu!
Die Beobachtungen können absolut so stimmen und durchaus auch Sinn ergeben, denn:

a) Vor dem Bau der Kreuzlinger Forst-Bahn zwischen Gauting und Harthaus/Freiham gab es nördlich vom Bf. Gauting vermutlich noch keine oder
zu wenige Abstellgleise. Vielleicht also befanden sich welche südlich - oder mindestens das Ausziehgleis, um die Lok der Vorortzüge dort per
Rangierfahrt umzusetzen, ohne den Fernverkehr von/nach Garmisch zu behindern. Es gab ja noch kaum Wendezüge vor dem Krieg, Berliner
und Hamburger S-Bahn einmal ausgenommen, und die Lübeck-Büchener-Eisenbahn....

b) Denkbar finde ich es auch, dass ggf. im Bereich des Bahnhofs Mühlthal mal ein Verladegleis lag, z.B. für den örtlichen Forstbetrieb. Alte Fotos
von ca. 1910-20 zeigen das Mühltal fast ohne Bäume, ziemlich abgeholzt. Ggf. war auch zeitweise sogar ein Überholgleis trassiert - über dessen
Realisierung dann vielleicht, wie bei so vielen Ideen, die Inflation von 1923 hinweg fegte. Wie übrigens auch über die Tutzinger Brauerei. Wenn
ich mir das richtig gemerkt habe, dann ging sie damals pleite. Das Walchenseekraftwerk wurde auch nur weiterhin "durchgezogen", weil es als
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und Konjunktur-Katalysator galt, sonst hätte man das auch bleiben lassen. Aber "überflüssiger Luxus", wie
eventuell ein drittes Gleis im Mühlthal, das war dann bestimmt hinfällig. Betriebstechnisch genügte die Situation auch so: Gauting hatte schließlich
damals noch ein schickes Gleis gleich am Haus, um Fernbahn-Züge bei Bedarf auf die Seite zu stellen. Starnberg hatte gleich drei
Extra-Gleise neben den Durchfahrtsgleisen. Außerdem hielten am Hp. Mühlthal (evtl. mal Hst./Awanst. Mühlthal ?) auch überhaupt generell
nur wenige Züge an, sodass auch nur an ganz wenigen Stellen im Fahrplan das Problem des "Auffahrens" von schnelleren Zügen bestand.

Leider kann ich nur schwache Indizien, einige Überlegungen und eigene Beobachtungen liefern. Vielleicht sind diese dennoch irgendwie hilfreich

hofft
der Nostalgiker.

von Reichsbahnmasten-Nostalgiker - am 14.09.2015 19:47
Zitat
Stefan von Lossow
Auch scheint der Bahndamm rund um den ehemaligen Hp Mühlthal für mindestens ein drittes Gleis trassiert gewesen zu sein.



so ungefähr sollte das ausgesehen haben. Von alten Luftbildern abgezeichnet, deren Auflösung allerdings nicht die Beste ist. Garantieren tu ich dafür nicht ;)
rot schiene
grün straße (man beachte den "Kreisverkehr", der ist gesichert)
blau hütten / evtl. kopfseitenrampe



Mit der Straßenbrücke in Gauting ist der Brunner Feldweg gemeint?
Auf Luftbildern nur ein Gleis erkennbar. Lt aktueller Flurkarte verbreitert sich der Bahngrund aber kurz vor der Straßenüberführung auf die volle Nutzbreite und engt sich dahinter sofort wieder ein. Von wann ist denn die Brücke?


Ungefähr DA war übrigens auch mal ein Bahnhof.

von razor300 - am 15.09.2015 00:19
Hallo Andreas,

einen Bahnhof bei Buchendorf halte ich von der Topogafie für völlig undenkbar, es sei denn, es hat eine Waldbahn im Forstenrieder Park ohne Anschluss an das Bahnnetz gegeben. Die Existenz einer solchen Waldbahn ist mir aber völlig unbekannt.

Gruß Claus

von claus-juergen schulze - am 15.09.2015 06:00
Danke für diese interessante Grafik.
Das Mühlthaler Ladegleis macht von der Bahndammlage auch heute noch so Sinn.

Genau, den Brunner Feldweg meine ich.

Und wie Claus schon schreibt. Was kann es da bei Neuried gegeben haben?

Gruß, Stefan

von Stefan von Lossow - am 15.09.2015 07:17
Eine Bahnanlage im Forstenrieder Park? Das wäre mir neu. Über Schotter, der Bahnschotter sehr ähnlich ist, im Park braucht man sich nicht zu wundern, der wurde verwendet um das Gelände zu befestigen (eine Antwort aus dem Heimat- und Sachkundeunterricht von vor 20 Jahren).

von elchris - am 15.09.2015 14:00

Scheinbahnhof Buchendorf

Zitat
claus-juergen schulze
Hallo Andreas,

einen Bahnhof bei Buchendorf halte ich von der Topogafie für völlig undenkbar, es sei denn, es hat eine Waldbahn im Forstenrieder Park ohne Anschluss an das Bahnnetz gegeben. Die Existenz einer solchen Waldbahn ist mir aber völlig unbekannt.

Gruß Claus


Hier die Auflösung:

Das Rätsel ist eigentlich ganz einfach: In Buchendorf errichtete man einen Scheinbahnhof, um den Alliierten Bombern und Aufklärern falsche Ziele anzubieten. Erinnert euch an die aufblasbaren Panzer der Briten in Südengland und Nordafrika mit welchen die Nazis verwirrt werden sollten. Mitten im Wald wurden Gleisanlagen und Signale errichtet, aus mit Stoff und Pappe bespannten Lattengestellen Häuser und Fabrikhallen imitiert. Die Gleisanlagen natürlich nicht funktionsfähig. Aus großer Höhe war der Fake nicht zu erkennen, Tiefflieger kamen erst viiiel später. Der Bahnhof war natürlich nicht an das eigentliche Netz angeschlossen. Das Gelände wurde mehrfach bombardiert, wohl aber nie als Primärziel.
Es gab im Münchner Dunstkreis noch mehr derartige "Bahnhöfe".


Dass das heutige Klinik-Areal einst die Flak-Kaserne Gauting war und es im Ortsbereich mehrere Stellungen gab weiß Stefan ja sicher ;) Im Wald zwischen Klinik und Königswiesen finden sich auch noch Überreste der Standortschießanlage.


10.132 Klicks in ner guten Stunde - ihr habt sie doch nicht mehr alle.

von razor300 - am 15.09.2015 16:22

MMTL - als Muntermacher für die Spurensuche Bild+Ton von ET 420 anno 1974 im Mühlthal (mit Video-Link)

Sorry, das ist jetzt zugegeben etwas off topic, aber es ist das Einzige, was ich auf die Schnelle zum Bahnhof Mühlthal recherchieren konnte.
(Ich suchte nach dem Stichwort "Waldbahn" und Tante Google schlug mir die Derrick-Folge "Waldweg" vor......)

1974 diente die Station Mühlthal (Oberbay) als Location für die Derrick-Folge "Waldweg", die sogar komplett auf youtube verlinkt ist.

Von Time Cue 50:47 - 51:25 sind allerfeinst die Fahrgeräusche (und Bilder) zweier ET 420 festgehalten.

Bei Time Cue 09:23 fährt ebenfalls ein ET 420 in Mühlthal um die Ecke, dort wird aber leider drüber gequatscht.

Vielleicht dient dieses Video als Muntermacher für die weitere Spurensuche - ich bin gespannt, was noch alles über diesen Streckenabschnitt herauskommt.

Die Skizze vom Verladegleis ist jedenfalls schon mal echt klasse, Danke! Ganz so ähnlich hatte ich es mir auch vorgestellt. Noch dazu ist die betagte
"Altbeton"-Unterführung regelrecht überdimensioniert, das ist klar ein Indiz für die hier ortsübliche und daher auch baulich vorgesehene Durchfahrt von
Holztransportern.

Hier jetzt zur Derrick-Folge mit ET-420 in MMTL. Walter Sedlmayr macht als Kioskpächter um Mitternacht die Klappe dicht - auch das ist ein Stück Kult.
[www.youtube.com]

Zwei schöne Fotos von MMTL um 1967 herum gibt es auch auf [www.eisenbahnstiftung.de] - leider ist der gesuchte Bereich mit dem
Verladegleis jedoch nicht in den Bildern erfasst.

Grüßle
vom
Nostlagiker

von Reichsbahnmasten-Nostalgiker - am 15.09.2015 21:36

Re: Scheinbahnhof Buchendorf

So ergibt das ganze Sinn! Danke für die Aufklärung und die interessanten Fakten.

Viele Grüße
Claus

von claus-juergen schulze - am 16.09.2015 05:59
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