150 Jahre Bahnhof Gunzenhausen - ein Bildbericht: Schienenbus, V100, Br 103, 44er (

Startbeitrag von razor300 am 29.09.2015 19:26

Hallo zusammen!

Die letzten Wochen standen in Gunzenhausen unter dem Thema "150 Jahre Bahnhof".

der Jubilar

150 Jahre? Ja wie haut denn das nun hin? Ich habe ein halbes Jahr gebraucht um zu kapieren was da eigentlich gefeiert wird, immerhin gibts ja den "Bahnhof" schon seit 1849 und damit ein paar Jahre länger. Des Rätsels Lösung: Das Empfangsgebäude des Bahnhofs ist 150 geworden! Angeblich. Denn beim interessanten Vortrag vom Gunzenhäuser Eisenbahn-Guru Jürgen Huber kam raus dass man das eigentlich gar nicht so genau weiß, denn in den Archivakten finden sich mehrere widersprechende Hinweise. Fakt ist dass man zur Streckeneröffnung der Ludwigs-Süd-Nord Bahn lediglich eine provisorische Bretterbude hatte und das heutige Gebäude erst einige Jahre später errichtete. Aber wann? Laut Gebäudeverzeichns standen Provisorium und das tatsächliche EG schon 1855 oder 1858 neben den Geleisen, die Vergabe der Ausschreibung für das EG erfolgte aber laut anderen Akten wohl erst 1863 mit Inbetriebnahme 1865. Da man aber nun feste Daten braucht um was zu feiern zu haben hat dann irgendein Politiker der Neuzeit irgendwann halt mal die Zahl 1865 festgesetzt. Ist halt wie mit Kirchen, da weiß man ja auch oft nicht wie alt die Gebäude tatsächlich sind, zumal ja regelmäßig dran gebastelt wurde. Leider war es stellenweise sehr schwer Herrn Huber zu folgen, denn der Vortrag fand mitten im Wartesaal des EG statt. Neben vorbeirauschenden Zügen (PbZ 2461 heuuuuuuuuuuul) gabs auch entsprechende Nebengeräusche der normalen Reisenden. Wenn man bedenkt dass im alten Güterschuppen nebenan die Volkshochschule einen zu dem Zeitpunkt leeren Lehrsaal hatte wäre das doch eine ideale Alternative gewesen... Halt nein ich muss mich korrigieren, die Volkshochschule beteiligte sich am Bahnhofsfest und somit war der Lehrsaal nicht leer. Den interessierten Eisenbahnfreunden erläuterte man hierin wie man "strickt". Ihr wisst schon, Socken und Mützen und so. Sicherlich nicht verkehrt wenn man dieses Handwerk beherrscht. Themenverfehlung? Nein! Die Gattin des Stationsvorstehers hatte schließlich im Bahnhof ab 1865 auch unzähliche Socken für ihren Gatten gestrickt.

Vortrag zur Geschichte des Bahnhofs im Wartesaal. Wohl so 20-30 Mann hörten zu.

Im Vorfeld des großen Bahnhofsfestes stand bereits der alljährliche Kirchweih-Umzug durch die Stadt unter dem Motto "Mobilität & 150 Jahre Bahnhof".
Kindergartenkinder haben sich entsprechend aus Bananenkartons ICE´s gebastelt, andere liefen mit Schaffnerspfeifen durch die Straßen, und ein Modell des Bahnhofs wurde auf einer Drehscheibe präsentiert. Hierfür ebenfalls ein Lob meinerseits an die Erbauer, die Mitglieder des Deutschen Familienverbandes (never heard). Zum Modell kommen wir später noch.

fesche Pferdchen gehören zu jedem Umzug

Passend zum Thema Mobilität kam im Umzug dann tatsächlich auch ein Bundeswehr-Krad mit bewaffnetem Wehrmachts-Soldaten incl. Stielhandgranate daher. Mutig Mutig!

"Krad gl Mittel"


Das Bahnhofsfest bestand schließlich aus einer Hüpfburg mit Kinderschminken, einer Frittenbude, Live-Musik in der Bahnhofskneipe, besagter Strickmodenschau, einem Infostand von Pro-Bahn und daneben einem Stand der Stadtwerke Gunzenhausen die ihre neue Omnibuslinie vorstellte, dem Vortrag des Herrn Huber sowie der nochmaligen Präsentation des Bahnhofsmodells. Die meisten der wenigen Besucher zeigten mehr Interesse an den vor dem Bahnhof parkenden Straßenkreuzern made in USA*, denn irgendwas was im / am / vorm Bahnhof sonst zu begeistern wusste gabs ja nicht. Bei der Zugtaufe des Mops im Frühjahr waren weit aus mehr Leute vor Ort. Mit das Interessanteste war wohl die Demonstration von Mobilität im Alter:

Langhaarackel in am Ladderwachala.

*) Zeitgleich fand am Kirchweihplatz das alljährliche US-Car Treffen statt. Einige der Straßenkreuzer pendelten zwischen Festplatz und Bahnhof, wer wollte konnte sich da fahren lassen.

Als die ersten Vorberichte in der lokalen Tageszeitung kamen fragte ich bei der Stadt nach ob das Bahnhofsfest wirklich ohne Bahn stattfindet, aber man hatte wohl besseres zu tun als mir zu antworten. Am Ende suchte man sowas wie ausgestellte Lokomotiven egal ob alt oder neu, Möglichkeiten des zeitgemäßen Güterumschlags Straße / Schiene, vielleicht einen modernen Dieseltriebwagen oder irgendwas in Bezug auf "Bahn" tatsächlich vergeblich. Nicht einmal einen Kugelschreiber konnte man irgendwo abstauben, und auch Infostände der DB standen leicht verstaubt in irgendwelchen Lagerhallen aber nicht am Bahnhof Gunzenhausen. Wie war das noch mit Fachkräftemangel bei der Bahn?

das besagte Modell des Bahnhofs, präsentiert vor dem Bahnhof auf einer Drehscheibe. Im offenen Güterwagen hinter dem Glaskasten befindet sich ein Biergarten.


So ein Bahnhofsfest wäre zudem auch die ideale Möglichkeit gewesen um über die Reaktivierung der neudeutsch als Hesselbergbahn bezeichneten Verbindung Gunzenhausen - Wassertrüdingen zu informieren und zu kämpfen, aber auch das hielt die Stadt Gunzenhausen offenbar nicht für notwendig. Lediglich bei der Eröffnung der Feier, medienwirksam mit MdL, Landrat und Bürgermeister, kam natürlich kurz zur Sprache dass man hier dran bleibt. Als Jürgen Huber in seinem Vortrag auf diese Pläne kam ertönte plötzlich ein "wird doch eh nix" aus dem Munde von Pro-Bahn Mitgliedern (?) im Publikum. Ich fürchte die werden recht behalten, denn aus der Ausschreibung des Diesel-Netz Nürnberg fiel die Hesselbergbahn bekanntlich ja auch wieder raus - was aber den örtlichen Medien noch gar nicht aufgefallen ist.

Massenandrang, oder "Brat mir einen Storch"

Und somit blieb das Bahnhofsfest eine Provinzposse mit politischem Hintergrund, denn im Kampf um den Kauf des Bahnhof durch die Stadt Gunzenhausen lässt sich so wohl bei künftigen Verhandlungen mit dem aktuellen Gebäudeinhaber Interesse der Bevölkerung am Gebäude heucheln.
Nebenbei, dass so ein Rückkauf nicht ganz ohne ist zeigt sich einige Kilometer weiter. In Weißenburg kämpft nun auf einmal die Stadt mit den Problemen, die einst die DB dazu bewogen hatte das und viele andere Gebäude abzusperren. Regelmäßig werden sämtliche Wasserhähne auf den Toiletten aufgedreht und der Abfluss verstopft wodurch die Toiletten geflutet werden. Ich glaube zwei Reinigungsfirmen haben deswegen bereits das Handtuch geworfen, und den Stadtwerken wird das Spiel langsam auch zu teuer.

Fazit: Erwartungen voll erfüllt. Bürgermeister aD Joachim F. hätte sicher mehr aufgefahren als das heutige Stadtoberhaupt (der im Wahlgrampf auch einmal eine Busfahrt organisiert hatte, um einen Bahnhof im Allgäu zu besichtigen).
War ich jetzt zu bös? ;)

Wem meine Fotos nicht reichen, hier noch die Bildreportage der örtlichen Tageszeitung:
[www.nordbayern.de]
die vollen Stühle täuschen übrigens, denn in den ersten 4 Reihen sitzen Großkopferte.

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