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KBS 970 - Forum
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Frage: Ortsbestimmung, Streckenbau München 1940 (1 Bild)

Startbeitrag von razor300 am 07.10.2015 20:17

Hallo,

weiß jemand wo wir hier sind?


"Bau einer neuen Bahnlinie bei München 1940"

Vermutlich zwei Bestandsgleise, links und rechts davon wurden Masten für weitere zwei Gleise errichtet. Links und rechts breites Baufeld, mittig geht nach rechts ein Gleis zwischen den Bäumen durch. Im Vordergrund wohl ein Oberleitungsmasten-Zwischenlager, hinten links zwei (Kirch-)Türme.

Bedankt :)

Antworten:

Hallo Andreas,

ich vermute rein vom Alter den Bereich Nordring, also Ludwigsfeld oder Milbertshofen - mit Tendenz zu ersterem.

von ChristianMUC - am 07.10.2015 21:16
Ohne den Ort genau zu lokalisieren,tippe ich auf den Bau der Umgehung München(Nordring).
Im Bild ist rechts auch eine schmalspurige Feldbahn zu sehen.

von Laim-Ost - am 07.10.2015 21:18
Eventuell Olching? Die Dammschüttung hinten dann die in Bau befindliche Trasse zum Abzweig Steinwerk?

Lutz

von km63.8 - am 08.10.2015 07:24
An Olching hatte ich auch schon gedacht. Weil für den Nordring ist mir die Strecke irgendwie zu geradlinig.

Jetzt noch eine gewagte These: vielleicht Karlsfeld? Da wurde ja auch einiges rumgebaut für die Anbindung an den Nordring.

[www.gleisplaene.de]

Demnach könnte das Bild von der Nordringbrücke über die Ingolstädter Strecke mit Blick auf den Bahnhof Karlsfeld aufgenommen sein. Das einzelne Gleis rechts wäre die Verbindung nach Ludwigsfeld, die früher ebenfalls den Nordring unterquerte und von südlicher Richtung in den Bahnhof Ludwigsfeld mündete.

In der Bildmitte nach rechts zweigt der Industrieanschluss ab (heute MAN/MTU).

Recht plausibel erscheint mir hier auch die Waldfläche rechts, sowie links freie Flächen mit Kiesaufschüttungen für die ganzen Bauvorhaben dort.

Das Vorsignal würde dann zum Einfahrtsignal Allach gehören.

Bleibt die Frage, was ist das für eine Trassierung links von den Gleisen? Vielleicht gar kein Bahnbau, sondern Straßenbau. Es gibt in Karlsfeld eine Bayernwerkstraße, die genau parallel zu den Gleisen verläuft.

Leider erkennt man den Hintergrund sehr schwer. Inwiefern der Plan der Realität von 1940 entspricht, kann man schwer sagen. Auf dem Gleisplan hat Karlsfeld einen Inselbahnsteig, auf dem Foto sieht man allerdings nicht, dass die Streckengleise auseinander gehen....

von doku-des-alltags - am 08.10.2015 07:49

Olching? Falscher Kirchturm

Olching ist eine gute Idee, aber der Kirchturm von Olching sieht anders aus.
Ausm Bauch raus dachte ich an Trudering.....

Gruß.

von Stefan von Lossow - am 08.10.2015 07:54

Zwischen Allach und Karlsfeld vielleicht

Hallo ins Forum,

witzig zunächst, an Karlsfeld hatte ich auch gleich zuerst gedacht, Handshake zu Georg!

Aber jetzt glaube ich vielleicht eher etwas südlich, mehr Richtung Allach.

Hier schleifte offenbar der "alte Nordring" von rechts ein, während zugleich die Verlängerung Richtung Olching/Steinwerk
eine rechtwinklig kreuzende Brücke bekam. Die breite freie Fläche links würde ich als Baustellenzufahrt zur Reichsautobahn-
Baustelle in Allach vermuten, denn auch dieser Nordring für die Kfz war ja teilweise schon im Bau und ist dann erst später
um 1970 zur Überbauung freigegeben worden, als sich Allach immer weiter ausdehnte.

Eine zeitgenössische Karte habe ich leider nicht gefunden, aber einen Plan vom Münchner Baureferat von 1963,
der damals noch mit den alten Trassen "arbeitet", d.h. die Bahn- und Autobahn-Strecken entsprechen noch dem
Vorkriegsstand.

[www.axl.org]

Bin ja gepannt, ob sich irgendetwas bestätigen lässt.

Grüßle
vom Nostalgiker

von Reichsbahnmasten-Nostalgiker - am 08.10.2015 08:17
Leider ist das Bild zu unscharf, um die Kirchen oder Türme (?) im Hintergrund zu identifieren. Die einzige größere Baumaßnahme rund um München 1940 war der Nordring. Der Form nach käme die Moosacher Dorfkirche in Betracht. Im Bereich Allach - Moosach - Milbertshofen läuft der Nordring aber nicht schnurgerade, sodass dieser Abschnitt eigentlich nicht in Betracht kommt,.

Im Hintergrund glaubt man Hügelland zu erahnen, also wäre Karlsfeld in Richtung Dachau denkbar. Aber westlich der Bahn in Karlsfeld war nichts, vor allem keine Kirchen, passt also auch nicht. Irgendwie bin ich ratlos. Könnte man einen schärferen Scan des Bildes auftreiben?

Viele Grüße
Claus

von claus-juergen schulze - am 08.10.2015 11:18

Ergänzung Pro- und Contra-Indizien - mit Link zu Luftbild vom 11.8.44

Ergänzung zu vorhin:

Ich habe doch noch ein zeitgenössisches Luftbild entdeckt, allerdings ist nur der (vermutete) Aufnahmestandort drauf
und das Motiv selber ist größtenteils abgeschnitten.

Aufnahmestandort wäre vermutlich die Ludwigsfelder Straße, die damals noch als Überführung über die Dachauer Gleise
ging. Achtung, der Norden liegt im Luftbild unten links im Bild-Eck.

Contra-Indiz: Im Luftbild ist der Wald östlich der Bahnlinie bereits durch eine Siedlung ersetzt. Das würde gegen
die These sprechen. Es sei denn, das Foto ist auf einem Baukran entstanden, etwas nördlich der Ludwigsfelder Straße,
dann könnte es wieder passen.

Pro-Indiz: Irgendeine Art von hellem Sandstreifen neben den Gleisen sieht man wirklich! Allerdings noch keinen
Autobahnring, das nehme ich also hiermit zurück.

Und noch wegen der "Kirchtürme": Dies könnten Kiesabbau-Kräne sein, die dort stehen, wo heute in Karlsfeld der
Prinzenpark ist.

Ich hoffe, der Link geht. Das Bild zeigt Allach mit dem Krauss-Maffei-Werk am 11.8.1944
[www.flickr.com]
Der hypothetische Aufnahmestandort wäre unten links zu denken.

Grüßle
vom
Nostalgiker

von Reichsbahnmasten-Nostalgiker - am 08.10.2015 13:18

Re: Ergänzung Pro- und Contra-Indizien - mit Link zu Luftbild vom 11.8.44

Servus Nostalgiker,

interessante Aufnahme. Jetzt bräuchten wir noch ein Anschlussbild Richtung Karlsfeld.

Ich bin ansich immer noch der Auffassung, dass das Foto von der Nordringbrücke in Richtung Karlsfeld aufgenommen wurde, wenn es denn in der Gegend ist. Die Zweifelsfälle – auch die von Claus genannten – haben aber auch ihre Berechtigung. Könnten aber die Türme nicht zu dem "Bayernwerk" gehört haben (was immer das damals war), dessen Gelände aber heute eine Brache neben den Gleisen beim Bahnhof Karlsfeld ist?

Den aufgeschütteten "Wall" würde ich an den Verlauf der heutigen Eversbuschstraße legen, die kurz vorm Bahnhof einen Schlenker macht. Sollte das vielleicht eine Brückenrampe werden? Auf gleicher Höhe gegenüber der Gleise zweit heute noch das gekappte Anschlussgleis ab. Auf Google Maps kann man das alles ganz gut herleiten.

Einen südlicheren Standort Richtung Allach würde ich allerdings ganz ausschließen. Denn das abzweigende Gleis läuft ja unter der (Nordring-)Brücke hindurch. Auf Höhe der Ludwigsfelder Straße wäre es schon aus dem Blickfeld. Und in dem Zwickel gab es auch kein abzweigendes Anschlussgleis. Ausserdem müsste man dann im Hintergrund die Brücke des Nordrings über die Ingolstädter Gleise sehen.

Viele Grüße,
Georg

von doku-des-alltags - am 08.10.2015 14:28

Vielleicht doch Karlsfeld

Im September 1967 habe ich von der Brücke des Nordrimgs über die Strecke München-Dachau eine Aufnahme in Richtung Bf. Karlsfeld angefertigt. Könnte passen!

Gruß Claus




von claus-juergen schulze - am 08.10.2015 18:35

mei, Luftbilder! Karlsfeld passt

Zitat
Reichsbahnmasten-Nostalgiker
Ich habe doch noch ein zeitgenössisches Luftbild entdeckt


ich bin ein Depp, da hätte ich selber drauf kommen können.

Karlsfeld sollte passen?


Bekam denn das elektrifizierte Schotterbett bis Kriegsende noch ein Gleis?

Danke für eure Mithilfe :):spos:

von razor300 - am 08.10.2015 18:48

Re: Vielleicht doch Karlsfeld

Zitat
claus-juergen schulze
Im September 1967 habe ich von der Brücke des Nordrimgs über die Strecke München-Dachau eine Aufnahme in Richtung Bf. Karlsfeld angefertigt. Könnte passen!


Alleine fürs präsentieren dieses Bildes hat sich meine Anfrage gelohnt :)

von razor300 - am 08.10.2015 18:49
Der Gedanke, die Aufnahme könnte in Allach von der Nordringbrücke über die Dachauer Strecke entstanden sein (rechts Abzweig in den Rbf) ist verlockend, scheitert aber an dem Umstand, dass im Bereich um den Prinzenpark weit und breit keine Kirche (und schon gar nicht zwei) zu finden ist.

Der Vergleich mit Claus´ Aufnahme von 1967 zeigt, dass die Gleisgeometrie (Aufnahme 1940 Hauptstrecke kerzengerade, Ausfädelung deutlich ansteigend) nicht passt. Die Streckengleise sind im Bereich Bahnsteig links deutlich verschwenkt. Bei der Aufnahme von 1940 ist weder ein Bahnsteig zu sehen noch die bei Claus ins Auge fallende Verbindung vom Streckengleis Dachau zum Gütergleis.

Ich werfe daher Milbertshofen in den Raum: Die beiden Kirchen wären dann alte und neue St. Georgs-Kirche (angesichts der Unschärfe ist nicht klar zu bestimmen, ob der Turm links von der Form zur neuen St. Georgs-Kirche passt. Der rechte Turm passt von Form und Entfernung zur Bahn gut zur alten St. Georgs-Kirche). Rechts wäre dann die Zufahrt zum RAW sowie diverse Werksanschlüsse. Auch die Geradlinigkeit der Strecke stimmt.

Was mir nicht bekannt ist: Woher der erhöhte Standpunkt und war der Bereich hier früher bewaldet?

Zwozehn

von ZwoZehn - am 09.10.2015 09:56

Danke und Fragen?

Erst mal vielen Dank für dieses Bild. Gerade die alten Aufnahmen sind immer wieder interessant, aber natürlich auch erschreckend wenn man nachdenkt was wenige Kilometer weiter zur gleichen Zeit für Verbrechen geschehen sind.

Was mich auch beschäftigt: Wer hat denn 1940 an diesen Anlagen gebaut? Da werden ja kaum Leute vom Militärdienst befreit worden sein für diese Bauarbeiten. Waren das alles Zwangsarbeiter oder gab es wirklich Leute die dann das Glück hatten befreit zu sein vom Militärdienst für diese Zeit? Gerade was Ingenieure usw. angeht, denn die Bauarbeiten werden sicher nur Zwangsbeschäftigte geleistet haben, nehme ich an.

Weiß jemand mehr?

von IR 2162 Alpsee - am 09.10.2015 11:57

Re: Danke und Fragen?

1940 dürfte die Lage noch nicht ganz so angespannt gewesen sein,daß nur auf Zwangsarbeiter zurückgegriffen werden musste.
Die Situation verschärfte sich erst signifikant nach dem Überfall auf die Sowjetunion(Unternehmen Barbarossa) im Jahr 1941.

von Laim-Ost - am 09.10.2015 13:35
Hallo zusammen,

hochinteressant!
Wenn die Aufnahme wirklich aus dem Raum München stammt (oft wird in alten Bahnbildern ja M und N durcheinander geworfen), dann ist das wirklich eine recht interessante Sache!
Wenn ich mir den "Mastenhaufen" neben den Bahngleisen ansehe, dann liegen da ausschließlich größere Turmmasten.
Das Gelände wurde links der Gleise wohl erst nachträglich aufgeschüttet, da von den Masten keine Fundamente mehr zu erkennen sind.
Links im Hintergrund scheint eine Straßentrasse (Baumreihe!) das Bahngelände zu queren.

Könnte es nicht doch Karlsfeld sein - und zwar kurz bevor der lange Zeit bekannte Bahnhof gebaut worden ist - nämlich in dem Moment, als die "Übergabegruppe" zur MAN (damals BMW) errichtet worden ist?
noch heute (bzw. zumindest bis zum ICE-Ausbau) liegen/lagen südlich der Fernbahn noch Gleisreste im Gestrüpp, die sich parallel zur Strecke fast vom Bhf Karlsfeld bis Allach erstreckten (u.a. am BÜ Pasteurstraße).

Die sich so ergebende Gesamtbreite des Areals würde passen, auch der große Bedarf an Turmmasten - der Sinn machen würde für die MAN-Gruppe + die nachträgliche Ausfädelung des Nordrings.
Wo sonst am Nordring oder generell im Raum München gab es einen so großen nachträglichen(!) Bedarf an Turmmasten = wurde nachträglich ein größerer Bhf in eine schnurgerade Bestandsstrecke (mit Fahrdraht!) integriert?

Milbertshofen und Umgebung waren damals schon industriell geprägt bzw. von Heidelandschaft umgeben - aber nicht von Wald! Ähnlich im Raum Olching - zwar flach und eine gradlinige Strecke, aber kein Wald, sondern Felder!

Wenn München als Ortsangabe nicht stimmt - was spräche denn gegen Gersthofen und Umgebung? Dort gibt es abzweigende Industriegleise (heutiger Chemiepark) und Wald, der bis ans Gleis reicht?

Bin gespannt, was noch herauskommt!

Viele Grüße
Robert

von Robert Fritsche - am 09.10.2015 15:26

Re: mei, Luftbilder! Karlsfeld passt

Hallo beisammen,

auf dem Bild liegt ja wohl noch der Schnee. Somit könnte es schon um den Jahreswechsel 1939/1940 herum entstanden sein. Das Bild müsste vom Schattenwurf des Vorsignals gegen Mittag bei Karlsfeld entstanden sein. Die Vorsignaltafel hat ein aufgesetztes Dreieck, so wie es bei dreibegriffigen Vorsignalen der DRG üblich war. Mithin also ein Vorsignal zu einem Einfahrsignal (= Allach). Am rechts verlaufenden Gleis sehe ich die Rückseite einer Vorsignalbake und Drahtzüge rechts vom rechts liegenden Gleis. Diese Vorsignalbake dürfte zu einem Vorsignal gehören, welches ein Hauptsignal zur Einfädelung in den Nordring ankündigte. Die Drahtzüge dürften zu einem Vorsignal gehören, welches ein Hauptsignal zur Einfädelung Richtung Dachau ankündigte.

Gruß Alex

von Zs4 - am 09.10.2015 18:06

Milbertshofen gefällt mir nicht

Es tut mir leid, aber mit Marcus Lösung kann ich mich nicht anfreunden. Vorausgesetzt, die beiden Bauwerke sind Kirchen, was ja bei weitem mehr der Phantasie als der Erkenntnis geschuldet ist, dann passt die Entfernung nicht zum Nordring. Die beiden St. Georgs-Kirchen in Moosach sind ein gutes Stück vom Nordring entfernt (einen knappen bzw. einen guten Kilometer ). Ausserdem verlief (und verläuft der Nordring zwischen Milbertshofen und Luwigsfeld nicht schnurgerade, sondern hatte Krümmungen und Steigungen (für die Überführung über die Landshuter Bahn). Am westlichen Einfahrvorsignal von Milbertshofen kann das Bild nicht entstanden sein, denn da folgt sogleich eine leichte Linkskurve (in Blickrichtung). Wäre das Bild in Höhe der Siedlung Eggarten entstanden, käme sofort eine leichte Rechtskurve gefolgt von der Rampe der Überführung über die Landshuter Strecke. Östlich Milbertshofens wäre der Standpunkt zu weit von den Moosacher Kirchen entfernt. Milbertshofen hat keine vergleichbaren Kirchtürme.

Gegen jeden Lösungsvorschlag lassen sich gute Argumente vorbringen, es ist echt schwierig!

Viele Grüße
Claus

von claus-juergen schulze - am 09.10.2015 19:06

Re: mei, Luftbilder! Karlsfeld passt

Es tut mir leid, das ist kein Schnee, das sind blanke Kiesflächen, schließlich sind die Bäume rechts im Bild dick belaubt!

Gegen Karlsfeld sprechen auch die Luftbilder. Auf Razors Luftbild ist der Bahnsteig von Karlsfeld und die zugehörige Streckenverschwenkung klar zu erkennen, im Bild oben sieht davon nichts. Mir gehen die Ideen aus ...
Gruß Claus

von claus-juergen schulze - am 09.10.2015 19:11

Der Zaun im Bild über dem zweiten Kesselwagen...

...findet sich sehr wahrscheinlich auch auf dem fraglichen Bild. Der Zaun liegt etwa in einem 30°-Winkel zur Gleisachse. Meiner Meinung nach ist das an der Einmündung des Waldweges "Allacher Geräumt" in die Wilhelm-Zwölfer-Straße.

Viele Grüße,
Andreas

von KBS962 - am 09.10.2015 19:34

Re: mei, Luftbilder! Karlsfeld passt

Zitat
claus-juergen schulze
Gegen Karlsfeld sprechen auch die Luftbilder.


War denn der Bahnsteig in Karlsfeld schon immer in der Mitte, oder hat man diesen erst mit dem (im Frage-Bild festgehaltenen) Umbau dorthin gelegt? Zwischen Frage-Bild und Luftbild sind rund ~5 Jahre ins Land gegangen.

von razor300 - am 09.10.2015 19:45

Noch eine Theorie...

Ich nehme an, dass Razors Luftbild etwas früher als das fragliche Foto aufgenommen worden ist. Auf dem Luftbild scheinen zwar Bauarbeiten im Gange zu sein, aber die Trasse für den 4-gleisigen Ausbau in Richtung Allach ist wohl noch nicht planiert. Sehr gut passen aber der höhengleiche Bahnübergang, der die Bahnlinie etwas schrägwinkling kreuzt, das Gebäude im Foto rechts der Bahnlinie gleich hinter dem Bahnübergang und die große Halde (Kies, Sand?) links im Bild.
Die Sache mit der Gleisverschwenkung könnte ich mir so erklären: In Razors Luftbild gibt es einen Mittelbahnsteig an der bisher zweigleisigen Strecke, das Richtungsgleis nach Süden schwenkt etwas nach westen aus. Im Zug des Ausbaus auf 4 Gleise sollten die Bahnsteige am westlichen neuen Gleispaar angeordnet werden (heute S-Bahn). Am bisherigen Gleispaar (östlich) waren sie nicht mehr notwendig. Nach Rückbau des alten Bahnsteiges konnten die Gleise des östlichen Gleispaars begradigt werden, gleichzeitig wurde Platz für den neuen Bahnsteig etwas weiter westlich am neuen Gleispaar geschaffen. Das ist aber nur eine Theorie, die die Unstimmigkeiten erklären könnte.

Viele Grüße,
Andreas

EDIT: der viergleisige Ausbau kam ja viel später, insofern ist meine Theorie wohl hinfällig. Trotzdem kann es natürlich andere Gründe gegeben haben, die Gleise zu verschwenken.

von KBS962 - am 09.10.2015 19:52

Re: Noch eine Theorie...

Zitat
KBS962
Ich nehme an, dass Razors Luftbild etwas früher als das fragliche Foto aufgenommen worden ist.


Nein, definitiv nicht. Das Luftbild ist genau datiert auf März 1945, das fragliche Foto ist rückseitig mit 1940 beschriftet.

von razor300 - am 09.10.2015 19:55

Re: Noch eine Theorie...

Zitat
razor300
Zitat
KBS962
Ich nehme an, dass Razors Luftbild etwas früher als das fragliche Foto aufgenommen worden ist.


Nein, definitiv nicht. Das Luftbild ist genau datiert auf März 1945, das fragliche Foto ist rückseitig mit 1940 beschriftet.


OK, dass passt aber sogar viel besser! Neue Theorie: Der im Luftbild erkenntliche Mittelbahnsteig existierte 1940 noch nicht. Um den Mittelbahnsteig zu errichten, mussten die vormals geraden Gleise natürlich verschwenkt werden.

Viele Grüße, Andreas

von KBS962 - am 09.10.2015 20:11

Re: Nochmals pro Milbertshofen

Ich neige weiterhin dazu, die Aufnahme am Nordring zwischen Milbertshofen und Freimann zu lokalisieren. Die Aufnahme könnte im Bereich der Straße Am Nordring oder Heizwerk entstanden sein.

- Nach meinem Dafürhalten dürfte es sich bei dem Turm links um einen Kirchturm handeln. Die alte St. Georgskirche Milbertshofen liegt ca 200 m (!) südlich der Bahn - das passt gut zu der Aufnahme. Ich werde bei Gelegenheit die Dachausrichtung prüfen. Die Form passt, der Turm hat (neben dem Chor) den Krieg überlebt, der Rest ist einem Bombenvolltreffer zum Opfer gefallen.

- Ob auch das zweite Objekt ein Kirchturm ist bezweifle ich auch - es könnte sich um ein Objekt aus dem perspektivisch hinter der Kirche gelegenen Industriegebiet (BMW) handeln.

- Der Streckenabschnitt im fragliche Bereich ist kerzengerade. Das Gleis links könnte die Einfahrt Freimann Gbf sein (das erklärt auch die Zahl der Turmmasten), das Anschlussgleis dahinter das zum RAW. Ein BÜ würde ebenfalls gut passen, da es damals am Nordring keine Brücken gab.

- Das Vorsignal könnte das zum ESig Freimann gehören.

- Bei genauerer Betrachtung handelt es sich nicht um ein geschlossenes Waldstück, sondern offenbar um Kleingartenanlage - das würde ebenfalls passen, da hier erst nach dem Krieg Gewerbe angesiedelt wurde und die Bahn viele Flächen in diesem Bereich hatte.

- Gegen Karlsfeld spricht ganz klar, dass dort nicht nur keine Kirchen stehen, sondern auch nichts, dem man ein höheres Objekt zuordnen könnte. Und müsste beim Blick von der Nordringbrücke nicht auch rechts Bebauung zu sehen sein?

von ZwoZehn - am 10.10.2015 12:25

Re: Nochmals pro Milbertshofen

Zitat
ZwoZehn
Ich neige weiterhin dazu, die Aufnahme am Nordring zwischen Milbertshofen und Freimann zu lokalisieren. Die Aufnahme könnte im Bereich der Straße Am Nordring oder Heizwerk entstanden sein.
- Der Streckenabschnitt im fragliche Bereich ist kerzengerade. Das Gleis links könnte die Einfahrt Freimann Gbf sein (das erklärt auch die Zahl der Turmmasten), das Anschlussgleis dahinter das zum RAW. Ein BÜ würde ebenfalls gut passen, da es damals am Nordring keine Brücken gab.



Das wäre dann diese Ecke.

erkenne keine Gemeinsamkeiten mit dem Ausgangsfoto.

von razor300 - am 10.10.2015 13:22

Re: Nochmals pro Milbertshofen - kontra

Dagegen spricht:

- kurz vor dem Bahnhof Milbertshofen macht die Strecke aus Freimann kommend eine leichte Linkskurve. Hier ist alles schnurgerade
- es gibt in dem Bereich keine Brücke sondern nur Unterführungen - ich wage zu bezweifeln, dass es da mal eine Brücke gab
(die genannte Theorie eines Baukranes kann ich nicht folgen - meiner Meinung sieht man unten einen typische Brückenbrüstung)
- selbst wenn der Abschnitt einmal breiter als dreigleisig war - so würde man doch auf der Höhe des Abzweiges auf dem Bild eine Zusammenführung
erwarten. Deiner Theorie nach müsste es dann ein Gleis Richtung des heutigen Euroindustrieparkes sein. Was war da vorher?
- kurz vor dem Bahnhof Milbertshofen hat die Strecke einen Steigungswechsel. Auch der ist auf dem Bild nicht zu erkennen.

Nein, ich persönlich schliesse Milbertshofen aus.

Luchs.

von luchs - am 10.10.2015 15:27
Zitat
ZwoZehn
Rechts wäre dann die Zufahrt zum RAW sowie diverse Werksanschlüsse.


Dann wäre links das Gleisdreieck zum Schwabinger Güterbahnhof zu sehen. Ausserdem gab es im Bereich des Abzweigs zum AW zu der Zeit auf jeden Fall schon eine Gleisharfe, sowie keinen Wald. Das war schon immer Freifläche. Der Schatten des Vorsignals passt wohl auch nicht zur Tageszeit, wenn das Bild in Ost-West Richtung aufgenommen wurde. Von der Ausleuchtung her ist es eher Mittags, also geht der Blick von Süd nach Nord.


Zu Karlsfeld muss man noch bedenken, dass das von Razor gezeigte Bild während der Umbauphase entstanden ist. Zwischen Brückenblick und Luftaufnahme liegen ein paar Jahre.
Der Bahnhof ist zunächst noch im alten Zustand ohne Inselbahnsteig. In der Folge wurde der Inselbahnsteig gebaut und die Gleisanlagen erweitert.

Rechts die beiden Waldschneisen: die vordere ist wohl die, die für die zukünftige Zufahrtstrasse zum projektierten Rbf aus Richtung Ingolstadt vorgesehen war. Diese ist im übrigen identisch mit der heutigen Zufahrt zum Rbf. Die verschlungenen Trassen in den Baubahnhof Ludwigsfeld waren ja mehr oder weniger ein Provisorium. Dort führte zum Zeitpunkt wohl eine Feldbahn hinter. In der hinteren Schneise zweigt der Industrieanschluss ab (heute MAN/MTU).

Die fraglichen Kirchtürme könnten auch Wassertürme o. ä. gewesen sein. Womöglich ist das linke gar kein Turm, sondern Staub u. ä. Man sieht nur einen dunklen Fleck, aber keine helle Verlängerung nach unten, die sich vom dunklen Hintergrund abhebt.

Die Kiesaufschüttung ist zweifelsfrei eine entstehende Brückenrampe (die heute nicht mehr existent ist. Dort ist heute die Unterführung der Otto-Warburg-Straße).

Ich bin nach wie vor überzeugt, dass das Karlsfeld ist :-)


Viele Grüße,
Georg

von doku-des-alltags - am 10.10.2015 16:53

Aufnahme könnte schon 1938 entstanden sein, weil (drei Gründe).......

Nur eine kurze Anmerkung zum Aufnahmezeitpunkt, es könnte auch schon 1938 fotografiert worden sein!

Gründe

- Im Krieg (dh. zum angegebenen Jahr 1940) wurden normalerweise nur noch Bauarbeiten abgeschlossen, jedoch nicht mehr neu angefangen,
aber das Foto sieht deutlich nach Anfang von Baumaßnahmen aus, was m.E. gegen 1940 spricht.

- Starkes Indiz: Gemeindebroschüre Karlsfeld! Zitat "Als 1938 der Bahnkörper verbreitert wurde...."

- Unser Forums-Mitglied Johannes Heigl hielt am 6. Dezember 2009 das Eröffnungsdatum für die Verbindungskurve Rangierbahnhof Nord - Karlsfeld
mit dem Jahr 1939 fest. Gesetzt, dass diese Verbindung hier rechts liegend gerade im Bau ist, würde dies für die Aufnahme das Jahr 1938 untermauern.
[www.mysnip.de]

Kann es also sein, dass das Foto erst später, d.h. aus irgendeiner Erinnerung heraus, beschriftet wurde, und dass mit 1940 eigentlich bloß "ungefähr 1940" gemeint ist?

Und nur weil ich eh grad im Schreiben bin:

- Der linke Kirchturm-Punkt könnte evtl. auch nur ein Fleck sein....?

- Für den rechten Turm gibt es damals ganz viele andere Erklärungs-Möglichkeiten, z.B. Kieswerk oder Ziegelei. Vielleicht sogar ein Trafo-Häuschen, aber
ein Ticken zu hoch scheint der Turm in der Aufnahme dafür dann doch zu sein.

Kurz gesagt, ich für meinen Teil bin bei den Erklärungen ziemlich stark ein Karlsfelder ;)

Grüßle
vom
Nostalgiker

P.S.: Wenn jemand Zeit hat für Korrespondenz mit dem Landesvermessungsamt, hier
[geoportal.bayern.de]
gibt es auch eine Weiterleitung zu Luftbildern der Alliierten Streitkräfte von 1941-1945.
1941 wurde auch das fragliche Gebiet fotografiert (mit Bildmitte über dem Westkopf des Rangierbahnhofs).
Ich bin aber zeitlich zu knapp disponiert, um da eine Anfrage auf Zuleitung des Fotos zu starten. Der Service soll
angeblich kostenlos sein. Aber das andere Luftbild hat mich eh schon fast restlos überzeugt, daher reicht mir das.
Wo gibt's so schicke Bilder denn überhaupt? Mag's jemand verrraten?

von Reichsbahnmasten-Nostalgiker - am 10.10.2015 16:57

Link zu topograph. Karte von 1960

Vielleicht trägt dies noch etwas bei:

[www.geodaten.bayern.de]

Hinten links in der Perspektive gibt es (zumindest 1960) ein Umspannwerk.

Grüßle
der
Nostalgiker

von Reichsbahnmasten-Nostalgiker - am 10.10.2015 20:13
Zitat
km63.8
Eventuell Olching? Die Dammschüttung hinten dann die in Bau befindliche Trasse zum Abzweig Steinwerk?

Lutz


Die Dammschüttung könnte aber durchaus zur in dem Luftbild gezeigten Straße passen. Die gibt es ja heute nicht mehr oben drüber sondern unten durch und das war wohl auch schon auf Claus seinem Bild so.

Vorm Bürgermeister Karlsfelds weiß ich auch dass der Bahnhof bis zum viergleisigen Ausbau tatsächlich aus der Hitlerzeit gekommen ist. Der heute noch vorhandenen Unterführung sah man das ja wirklich lange an.

Für mich ist das recht eindeutig Karlsfeld und zwar kurz bevor die Gleise dann für die neue Bahnanlage verschwenkt wurden. Hinter dem Bahnhofsgebäude würde ich auch noch einzelne Pixel der MAN-Werksbahn vermuten

von ropix - am 10.10.2015 21:02
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