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KBS 970 - Forum
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vor 14 Jahren, 8 Monaten
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vor 14 Jahren, 8 Monaten
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Westallgaeuer, 981024, MichiW

Aus der Elektrifizierung wird wohl nichts

Startbeitrag von MichiW am 04.08.2003 13:41

Aus der Elektrifizierung wird wohl nichts

Augsburg/Memmingen (ps).

Nun ist es sozusagen amtlich: Für die Elektrifizierung und den Ausbau der Bahnstrecke München - Memmingen - Lindau wird der Bund auf Jahre hinaus kein Geld bereitstellen.

Dies geht aus einer schriftlichen Antwort der Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Angela Mertens, auf Fragen des Oberallgäuer CSU-Bundestagsabgeordneten Gerd Müller hervor. Müller wollte wissen, welche Mittel der Bund „in den kommenden fünf Jahren“ einplane und erhielt die Auskunft: „Die Bundesregierung plant für die nächsten Jahre noch keine Haushaltsmittel ein.“ Zuvor müsse ein „wirtschaftlicher Mitteleinsatz nachgewiesen sein“. Eine Untersuchung jedoch, von der seit Jahren die Rede ist, ist aber noch nicht einmal in Auftrag gegeben. Mit der bisher prognostizierten „nur einstelligen“ Anzahl von Güterzügen pro Tag auf der Relation München - Lindau - Zürich ließen sich „die für eine Elektrifizierung erforderlichen Investitionen nicht rechtfertigen“. Ähnlich hatte sich jüngst der neue bayerische Bahn-Chef Klaus-Dieter Josel im Gespräch mit unserer Zeitung geäußert.

Damit relativiert nach der Deutschen Bahn nun auch das SPD-geführte Bundesverkehrsministerium die Darstellungen des Memminger SPD-Politikers Herbert Müller, der erklärt hatte, die Aufnahme der Strecke in den neuen Bundesverkehrswegeplan als „internationale Verbindung“ in Richtung Schweiz sei „ein großer Sprung für Schwaben“ und vornehmlich auf das Engagement seiner Partei zurückzuführen. Einen Bericht unserer Zeitung, wonach der Bund die Gespräche mit der Schweiz über deren Beteiligung am Ausbau abgebrochen habe, hatte Müller noch vor drei Wochen zurückgewiesen. Tatsächlich ruhen die Gespräche nach Angaben des Schweizer Verkehrsministeriums seit 28. Oktober 2002.

Keine Prioritätenliste

Zwar ist die Strecke im Verkehrswegeplan mit 180 Millionen Euro enthalten. Der Ausbau würde nach Schätzungen aus Bahnkreisen aber wohl eher 300 Millionen kosten. Außerdem stehen für „internationale Projekte“ bis 2015 für das gesamte Bundesgebiet nur 400 Millionen Euro im Plan - bei einem Bedarf von insgesamt 4167 Millionen Euro - und ohne dass eine Prioritätenliste existiert.

Augsburger Allgemeine

Antworten:

Dieses politische Ränkespiel gefällt mir zwar gar nicht, aber traurig bin ich auch nicht, wenn die Elektrifizierung nicht kommt.

1.
Die sündteure Elektrifizierung, die ja nur im Zusammenhang mit einem zweigleisigen Ausbau Sinn macht, würde diese Strecke zum Lieblingskind der Fahrplangestalter machen. Auf der KBS970 würde nach den Baumaßnahmen, die jetzt angefangen haben, nichts, aber auch gar nichts mehr getan werden. Längerfristig könnte das Gespenst des eingleisigen Rückbaus Immenstadt- Hergatz wieder auferstehen.

2.
Die Führung einer zweigleisigen Strecke durch Wangen wird extrem schwierig, da der hohe Damm dort nur ein Gleis aufnehmen kann. Er führt durch dicht bebautes Gebiet. Eine Verbreiterung würde wegen Einhaltung des aus Stabilitätsgründen notwendigen Böschungswinkels den Abriß ganzer Häuserzeilen bedeuten. Solche Maßnahmen sind heutzutage Gott sei Dank (und hoffentlich!) nicht mehr durchsetzbar.

Eine Alternative wäre, den Damm bis auf halbe Höhe mit Spundwandprofilen zu stabilisieren mit der Folge, dass man selbst im zweiten Stock nur eine Spundwand vor der Nase hat.
Diese Lösung wäre allenfalls in einem reinen Industriegebiet zumutbar.

Oder man wählt die Lösung wie am Bahnhof Jena Paradies: Bau einer Brücke auf Bohrpfählen, die in den noch existierenden Damm eingebracht werde. Zur Zeit des Spatenstichs am vergangenen Montag wird die Bausumme auf 16 Mill. Euro geschätzt- bei einem weniger als halb so hohen Damm. Man kann nach Belieben hochrechnen, was das Projekt für Wangen in fünf oder mehr Jahren kosten würde .

3. Die Elektrifizierung würde die von Grundstücksschacherern und Spekulanten so eifrig betriebene Verlegung des Lindauer Bahnhofs nach Reutin endgültig festklopfen. Jetzt kann man ja noch argumentieren, dass bei lokbespannten Zügen ohnehin eine Pause für den Lokwechsel notwendig ist.

GEGEN die Lindauer Bahnhofsverlegung spricht meines Erachtens:

A. Für Gäste, die mit der Bahn anreisen, ist das Ankommen im Stadtzentrum mit Hafen eine einmalige Attraktion. Man kommt dort an, wo man hinwill. Allein das Ankommen über den Eisenbahndamm mit seiner traumhaften Aussicht ist regelmäßig mit viel „aaah“ und „ooooh“ Fremden begleitet. Und Fremdenverkehr zählt nun mal in Lindau.

B. Durch die Verlegung würde die Insel immer mehr vom Lebensraum zum Museum werden. Zahlreiche Schließungen von Geschäften des täglichen Bedarfs setzen da schon böse Zeichen. Der Vorsitzende des Gaststättenverbandes (Grättinger) begrüßt sogar ganz offiziell den Wegzug der berufstätigen Bevölkerung, weil man dann die Nacht durchmachen kann. Soll man diese Fehlentwicklung forcieren?

C. Mit dem Stadtbus Lindau wurde ein von den Fahrgästen und der Fachwelt anerkanntes, beispielhaftes Nahverkehrssystem geschaffen, das die Bahnfahrgäste auch aufs Festland bringt. Dieses System steht und fällt aber mit einem zentral gelegenen Umsteigepunkt, an dem sich alle Linien zur gleichen Zeit treffen. Der ZUP Anheggerstraße erfüllt diese Voraussetzung ganz hervorragend. Das System würde zwangsläufig zerschlagen werden, wenn der ZUP an die Peripherie am Bhf Reutin zu liegen käme.

D. Auf das „Trostpflaster“ einer eingleisigen Verbindung Reutin- Lindau Insel mag ich gar nicht eingehen (siehe Kempten-Hegge!)

Und darum bin ich gegen eine Bahnhofsverlegung in Lindau. Glaubt denn jemand im Ernst, dass man jemanden, der sich mit dem Auto freiwillig stundenlang in einen Stau stellt, mit 10 Minuten Fahrzeitverkürzung ködern kann?

von 981024 - am 06.08.2003 09:44
Wichtig wäre, dass die Politik sich entscheidet, was sie will. Sonst baut die Bahn immer mehr Gleisanlagen zurück. Im Landesentwicklungsplan muss stehen, was in Hinsicht auf zukünftige Entwicklungen erhalten bleiben muss. Dann kann der Rückbau verhindert werden. Die zwei Güterzüge am Tag die nach Schätzungen ausreichen würden um den LKW-Verkehr auf der Schiene zu befördern, könnten dann leicht über Lindau - Hergatz - Kempten gehen.

von Westallgaeuer - am 06.08.2003 11:37
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