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vor 12 Jahren, 5 Monaten
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vor 12 Jahren, 5 Monaten
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Martin Retzmann, Joh. Klühspies, Medien..., Fr i tz, hal

Siemens will in den Niederlanden Transrapid-Magnetbahn bauen

Startbeitrag von hal am 04.11.2005 08:34

Siemens will in den Niederlanden Transrapid-Magnetbahn bauen

Zitat

Amsterdam (Reuters) - Ein Konsortium um den Siemens-Konzern will in den Niederlanden eine Transrapid-Magnetbahnstrecke mit einem geschätzten Investitionsvolumen von fünf Milliarden Euro bauen.

"Wir haben heute die Pläne für das Projekt RandstadRapid der niederländischen Regierung präsentiert", sagte der Chef von Siemens Nederland, Martin van Pernis, am Donnerstag in Amsterdam. Etwa 80 bis 90 Prozent der Kosten würden im Rahmen von öffentlich-privaten Partnerschaften (PPP) finanziert.

Die Regierungen neigen wegen ihrer finanziell angespannten Lage dazu, Unternehmen Zugeständnisse zu machen, die bereit sind, in Infrastrukturprojekte zu investieren. Solche Firmen könnten dann nach Verwirklichung eines Projekts an den Einnahmen beteiligt werden.

Zum Transrapid-Konsortium gehören neben Siemens die Bank ABN Amro, die niederländischen Gruppen BAM und Ballas Nedam sowie das US-Unternehmen Fluor.

[de.today.reuters.com]

Antworten:

Aha, interessant, so ist das also. Zwei drängende Fragen drängen sich mir aber gewissermaßen auf:

1. Wie kommt's, dass Siemens im Rahmen eines Konsortiums plötzlich bereit ist in ein PPP-Modell zum Bau einer TR-Strecke einzusteigen? Warum ging das nicht auch schon z.B. beim Projekt München? Natürlich, hierzulande lässt man das lieber den Steuerzahler machen. Aber wenn man etwas wirklich möchte, gibt es sicher "Gesprächsmöglichkeiten und Einflussnahmen" auf den Gesetzgeber, um maßgeschneiderte PPP-Modelle zu erzielen.

2. Leider ist der Artikel sehr knapp gehalten. Es ist von einem "Projekt RandstadRapid" die Rede. Dazu möchte ich allen Interessenten den Artikel 7 der Transrapidtagung in Dresden vom 29.09.2005 empfehlen: www.hochleistungsbahnen.tu-dresden.de

So sehr die Initiative von Siemens & Co. auch zu begrüßen ist, zeigen doch die Ausführungen von Herrn van der Meijs, der TR ist für das Ronde Randstad Projekt ungeeignet, währenddessen die Relation Amsterdam-Groningen gute Aussichten hat. Aber wie gesagt, der Reuters-Artikel ist bezüglich des Projektes etwas diffus gehalten.

MR

von Martin Retzmann - am 06.11.2005 22:03
Zitat

Etwa 80 bis 90 Prozent der Kosten würden im Rahmen von öffentlich-privaten Partnerschaften (PPP) finanziert.


Das treibt mir ein Lachen ins Gesicht :cheers:

von Fr i tz - am 07.11.2005 06:43
Adresse für den angegebenen Link:

Anwendungsplanungen zur Magnetschnellbahn in den Niederlanden (933 KB)

von Martin Retzmann - am 07.11.2005 22:08

Erläuterung zum Vortrag

Erläuterung zum Vortrag:

Für alle Interessenten des Vortrags von Herrn Roland van der Meijs zur 5.Transrapidtagung am 29. September 2005 noch eine Anmerkung.
Herr van der Meijs erwähnt auf der Folie "Volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse" u.a. das Nutzen-Kosten-Verhältnis verschiedener Projekte bzw. Ausbaustandards der Relation Amsterdam - Groningen. Etwas ungewöhnlich für uns Deutsche sind die N/K-Verhältnisse von etwa 0,50-0,60 bei allen Studien. Laut Aussage von Herrn van der Meijs bedeutet dies nicht etwa, dass alle Projekte ungünstig ausfallen, sondern es dies begründet durch eine andere Bewertungsmethodik. Zum N/K-Verhältnis müsse noch der direkte bzw. indirekte Nutzen (verkehrlich und/oder betriebs-/volkswirtschaftlich) betrachtet werden, um eine geeignete Aussage zu treffen.

MR

von Martin Retzmann - am 07.11.2005 22:18

Frage N/K-Verhältnisse

Zitat
Martin Retzmann
Erläuterung zum Vortrag:
....
Etwas ungewöhnlich für uns Deutsche sind die N/K-Verhältnisse von etwa 0,50-0,60 bei allen Studien. Laut Aussage von Herrn van der Meijs bedeutet dies nicht etwa, dass alle Projekte ungünstig ausfallen, sondern es dies begründet durch eine andere Bewertungsmethodik. Zum N/K-Verhältnis müsse noch der direkte bzw. indirekte Nutzen (verkehrlich und/oder betriebs-/volkswirtschaftlich) betrachtet werden, um eine geeignete Aussage zu treffen.


Das war ein wichtiger Hinweis, danke.
Frage: Wie sind diese N/K-Verhältnisse zu bewerten? Bedeuten sie aus niederländischer Sicht, dass Realisierungswürdigkeit gegeben ist? Welche niederländischen N/K-Werte sind üblich (Spanne)?

jok

von Joh. Klühspies - am 07.11.2005 23:19

Re: Frage N/K-Verhältnisse

Um die Fragen zu beantworten, seien an dieser Stelle einmal die Zahlenwerte zu den N/K-Verhältnissen des Zuiderzee-Projektes für den Stand 2010 aufgeführt.

Die Zahlenwerte für den direkten und indirekten Nutzen liegen bei der Hanzelijn+ bei 0,7 Mrd EUR, während sie bei der Magnetbahn (ZZL-MZM Metrobedienungsvariante) bei maximal 3,9 Mrd EUR liegen.
Die Kosten steigen ebenfalls an von 1,3 Mrd EUR bei Hanzelijn+ bis auf maximal 6,9 Mrd EUR bei ZZL-MZM.
Der Saldo, also die Differenz zwischen Nutzen und Kosten ist bei allen fünf betrachteten Konzepten negativ, bei der Hanzelijn+ am geringsten mit -0,6 Mrd EUR und bei der Magnetbahn ZZL-MZM bei maximal -3,3 Mrd EUR. Dies führt im Endeffekt dazu, dass die N/K-Verhältnisse bei allen fünf Konzepten ungefähr zwischen minimal 0,44 und maximal 0,62 liegen. Auf gut deutsch heißt das, alle Konzepte bringen im Prinzip weniger, als sie kosten. Die Frage nach den üblichen niederländischen Werten der N/K-Verhältnisse, die für eine Realisierung erforderlich sind, kann ich leider zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht beantworten.
Bei der Betrachtung der N/K-Verhältnisse ist laut Herrn van der Meijs auch der Wert für den zu erwartenden direkten und indirekten Nutzen von Bedeutung, insbesondere hinsichtlich der Frage, ob die Projekte letztenendes realisierungswürdig sind. Durch geringere und günstigere Reisezeiten können die Bahnen mehr Verkehr induzieren bzw. von anderen Verkehrsträgern übernehmen, was sich anschließend auch auf der Einnahmeseite bemerkbar macht. Laut Studien weisen HSL (Hochgeschwindigkeitseisenbahnvariante) und beide Magnetbahnvarianten (Schnell- und Metrovariante) ein positives Betriebsergebnis auf. Zudem zeigen die untersuchten Konzepte für die MSB, dass ein richtiges Verhältnis zwischen Takt und Reisezeiten entscheidend ist.

Diese Punkte dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch viele Punkte unklar sind und auf Entscheidungen warten:

- zahlreiche Fragen offen im Hinblick auf raumordnerischen und wirtschaftlichen Mehrwert der Zuiderzeelijn
- neue innovative Finanzierungsmodelle und -methoden sind erforderlich nach fehlgeschlagenen PPP-Prozeduren bei bisherigen niederländischen HGV-Maßnahmen
- Reservierung und Begrenzung des staatlichen Finanzierungsbudget von 2,7 Mrd EUR für die Zuiderzee-Verbindung, zusätzlich von der Region 1 Mrd EUR für MSB bzw. 0,2 Mrd EUR für HSL
- Regierung setzt alles daran, bei Kostenüberschreitungen nicht mitzahlen zu müssen
- Aktualisierung der Nutzen-Analyse erforderlich, weitere zielführende Lösungsansätze sollen studiert und diskutiert werden
- Einbeziehung der Privatwirtschaft wird explizit gefordert
- Im kommenden Jahr wird auf eine sorgfältige, breit angelegte Beschlussfassung gezielt.

Es bleibt abzuwarten, welche Entscheidung unsere niederländischen Nachbarn fällen, bzw. ob überhaupt eine Entscheidung getroffen wird. Wenn die Zuiderzeelijn gebaut werden wird, unabhängig davon ob als HGV-Eisenbahn oder als Magnetschnellbahn darf man relativ sicher sein, dass wir es dann mit einem neuartigen Finanzierungs- und Betreibermodell zu tun haben. Ein Modell, das unter Umständen auch auf andere folgende Projekte angewendet werden kann. Angesichts leerer Staatskassen dürften in der Zukunft harte Budgetrahmen gesetzt werden. Für die Differenz muss die Privatwirtschaft gewonnen werden. Wie es die Niederländer so schön sagen: Mit viel Kreativität Lösungsansätze ausarbeiten.

Als persönliche Anmerkung sei noch erwähnt, dass eine unumstößliche Entscheidung FÜR das Projekt TR München in Deutschland auch eine gewisse Ausstrahlungskraft auf das Projekt der Zuiderzeelijn hätte.

MR

von Martin Retzmann - am 08.11.2005 20:20

Transrapid proposes Dutch maglev train project

Forbes:

Zitat

Transrapid International GmbH & Co. KG said it has presented the Dutch government with proposals for a rail project linking the cities of Amsterdam, The Hague, Utrecht and Rotterdam. (...)

The link proposed would run between Amsterdam, Schiphol airport, The Hague, Rotterdam, Utrecht, Amersfoot and Almere on tracks using magnetic levitation technology.


www.forbes.com

von Medien... - am 08.11.2005 20:27

Reaktivierung Ronde-Randstad-Projekt?

Hab's nun also doch gefunden, welches Projekt das Konsortium stemmen möchte.

Ob das mal gut geht?

Auf der 5.Transrapidtagung am 29.September 2005 in Dresden erläuterte Herr Ronald van der Meijs, ich zitierte ihn bereits, als Vertreter des Ministerie van Verkeer en Waterstraat neben dem Projekt Zuiderzeelijn auch über das Ronde-Randstad-Projekt.

Dieses Projekt war nach Herrn van der Meijs "Teil einer Studie zur raumordnerischen Neuplanung der Randstad, also dem Städtering von Amsterdam, Den Haag, Rotterdam und Utrecht. Sie sah schnelle, hochfrequente Bahnverbindungen auf einer Rundstrecke von etwa 140-180km Länge je Variante mit Taktzeiten von 8 bis 10 Zügen je Stunde vor. Als Bahnen wurden insbesondere seit dem Jahr 2000 konventionelle R/S-Systeme, als auch Mischformen ähnlich dem Karlsruher Modell und der Magnetschnellbahn studiert.

Ergebnisse dieser Studie waren:

- Nutzen/Erträge bei MSB (Kombi-Variante) am größten
- Kosten/Nutzen-Verhältnis MSB-Varianten gegenüber Rad/Schiene jedoch deutlich ungünstiger, durch
-> sehr hohen Investitionsbedarf (komplett neue Infrastruktur)
->beschränkte Reisezeitgewinne (u.a. da durchschnittliche Reiseentfernung nur etwa 40 km und zusätzliche Umsteigepunkte)
- Aufgrund der Ergebnisse / Beschlussfassung zur raumordnerischen Neuplanung der Randstad ist bislang keine der Varianten weiter ausgearbeitet worden."

Quelle: Roland van der Meijs, Anwendungsplanungen zur Magnetschnellbahn in den Niederlanden, 5. Transrapidtagung am 29.September 2005


Man sollte nicht vergessen, der Transrapid ist einmal als Fernverkehrsmittel entwickelt worden. Ob die RondeRandstad wirklich so ein umwerfender Einsatzort für dieses Verkehrsmittel ist, bleibt insbesondere nach den offiziellen Ausführungen des Ministerie van Verkeer en Waterstraat eher zweifelhaft. Andere Strecken könnten für die MSB und ihren betreiber sicher vorteilhafter sein. Aber das Konsortium uns insbesondere Siemens wird schon wissen, was es tut.

MR

von Martin Retzmann - am 08.11.2005 20:48

Re: Frage N/K-Verhältnisse

Danke für Ihre ausführliche Antwort.

jok

von Joh. Klühspies - am 08.11.2005 23:57
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