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Samothraki
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vor 8 Monaten
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kokkinos vrachos, Rainer P.

Neues von der Insel 2017

Startbeitrag von Rainer P. am 25.08.2017 18:17

Liebe Samothraki-Freunde,

jetzt komme ich endlich dazu, meine Sammlung an Neuigkeiten nach meinen zweiwöchigen Aufenthalt auf der Insel – wiederum ganz subjektiv, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Gewähr – mitzuteilen.
Vielleicht möchte jemand ergänzen oder von seinen Eindrücken berichten.

Da die Wirtschaftskrise weiter anhält, und die kleinen Leute kein Geld in der Tasche haben, stehen in Alexandroupolis weiterhin und noch zunehmend viele Läden leer. Manche Ladenzeile ist komplett leer, insgesamt schätze ich den Leerstand auf 50%.
Die Leute rechnen mit einem Andauern der Krise um weitere 10 Jahre. Wer jung ist, strebt ins Ausland. Entweder gleich zum Studium, oder er studiert in Griechenland um danach im Ausland zu leben und zu arbeiten.

Im Hafen von Alex/poli lag diesmal nicht die „Saonissos“. Diese etwas kleinere, alte Fähre liegt seit Monaten in Piräus, sollte dort modernisiert werden und dann, wie auf der SAOS-website angekündigt, in diesem Sommer zum Einsatz kommen. Bis jetzt wurde nichts daraus. Stattdessen lag die „Samothraki I“, eine kleine Schnellfähre von CS-Ferries, einem Konkurrenzunternehmen von SAOS, am Pier. Darauf gelangweilt: zwei Männer. Sie warteten, zur Tatenlosigkeit verdammt, auf die Betriebsgenehmigung für ihr Boot, dessen Betrieb ebenfalls schon angekündigt worden war.
Doch die Genehmigung ließ auf sich warten. Der SAOS-Chef hatte nämlich erwirkt, dass die „Samothraki I“ erst dann die Genehmigung bekommt, wenn die „Zephiros“, ein weiteres Schnellboot und das von der SAOS-Company, übrigens ebenfalls schon mit Fahrplan auf der SAOS-website angekündigt, ihrerseits die Genehmigung bekommt. Bis Ende Juli war aber Ruhe im Thrakischen Meer. Nur die gute SAOS II zog verlässlich ihre Bahn.
In den letzten Julitagen war es dann soweit: die Genehmigungen kamen und die Schnellboote durchpflügen seitdem die Wogen: „Samothraki I“ schafft die Strecke Alex/poli – Samothraki in ca. 50 Minuten, „Zephiros“ in ca. 1 Stunde, 20 Minuten. Das ganze Gesause kostet dann ca. 20 € pro Person.

Mitte bis Ende Juli schien die Insel noch verhältnismäßig wenig von Touristen überlaufen zu sein. Kein Vergleich zum August. Zum August hin nahmen aber der Verkehr, die Gästezahlen in den Tavernen und die Besucherzahlen an den beliebten Wasserfällen im Inselnorden deutlich zu. Neben Besuchern aus den den Balkanländern wurden vermehrt Touristen aus der Türkei gesichtet, besonders auch auf dem Festland und auf Thassos.
An einem schönen, ruhigen und idyllischen Pool des Gria Vathra machte ich die selten gewordene Entdeckung einer griechischen Großfamilie, die allerdings überfallsartig, mit viel Gekreische, Gejohle, Kinder-Anfeuern, Knipsen und Filmen über das paradiesische Kleinod herfiel. Man konnte sich entweder ärgern oder sich mit freuen. Ich entschied mich für letzteres.

In den Pools war in diesem Jahr wieder weniger Algenbesatz. Es war bis Ende Juli, von einer kurzen Hitze-Welle Ende Juni abgesehen – eher mild. Gelegentlich gab es einen Regentag und auch im Winter gab es einigermaßen Regen und wenigstens etwas Schnee am Berg. Deshalb war die Insel weniger ausgetrocknet als im letzten Jahr und die Flüsse führten mehr Wasser.
Dennoch gab es vor allem in Alonia und auch in Chora immer wieder Ausfälle der Wasserversorgung. Vermutlich sind die Rohre marode. Man weiß es nicht genau.

Es gibt Pläne von zwei Investoren, oberhalb von Ano Meria in den Bergen – quasi fast unsichtbar – 36 120 Meter hohe Windräder, also einen sogenannten „Windpark“, aufzubauen und damit so richtig Profit zu machen – was sonst. Auf jeden Fall ist das echt „grüne“ Energie, die da erzeugt werden soll „um die windigen Gipfel des thrakischen Samos“. Die Bevölkerung ist darüber jedenfalls gespalten. Das Konsortium lockt die Einwohner und die Gemeinde mit einem unmoralischen Angebot: für alle 20 Jahre lang Strom zum halben Preis und 1 Million für die Gemeinde. Nicht schlecht. Aber was soll so ein Großprojekt auf dieser Insel. Jeder weiß doch, dass bei so was die Natur immer den Kürzeren zieht. Auf jeden Fall sind die Dinger nach 20 Jahren hin und liegen dann noch so rum. Wer auch findet, dass das keine gute Sache für die Insel ist, der kann die internationale Bürgerinitiative S.O.S. Samothraki unterstützen: zu finden unter dem Suchbegriff “sossamothraki“.
Die meisten Einwohner sagen übrigens, dass, bis es soweit kommt, noch viel Wasser den Phonias hinunter läuft und dass das – wie auch der Flughafen – eh nichts wird.
Mein Vorschlag: ein kleiner kommunaler Windpark zur Eigenversorgung mit ein paar
Windrädern. Die vier Räder früher auf der Akrotiri waren doch ganz hübsch.

An den Straßen stehen neuerdings immer wieder Schilder mit Samothraki-Karten, auf denen eine bestimmte Rad-Wanderung, die von dort ausgeht eingezeichnet und beschrieben ist. Auch der Steigungsverlauf ist beschrieben. Das ist wohl ein Versuch, die Insel für Rad-Wanderungen zu erschließen. In Folge der beschriebenen Wanderungen stößt man dann auf die im letzten Jahr schon beschriebenen hölzernen Wegweiser – noch immer ohne Aufschrift. In einem Fall traf ich auf ein nagelneues sechseckiges Picknick-Häuschen mit Beton-Bodenplatte, Bänkchen und Holzdach.

Die Busverbindungen waren in diesem Jahr verbessert. Sie waren sehr an den Ankunftszeiten der SAOS II orientiert und weniger an dem Bedürfnis, z.B. möglichst durchgehend von Therma über Kamariotissa nach Chora zu kommen. Dafür gab es extra neue Busse, zwei große und zwei kleine von KTEL aus Alex/poli, extra für die Sommermonate zur Verfügung gestellt. Die alten Gemeindebusse sind wohl ausrangiert. Einer ist in Chora am Fuß des Kastro-Felsens abgestellt.

Ein Problem ist die Szene in Therma um das Kafeneion und auf dem Platz vor dem Thermalbad. Drogen, Gewalt, Müll und laute Musik vom Kafeneion, Café Kafter und von der SAOKI-Bar bis in die frühen Morgenstunden hinein, gehen vielen Zimmervermietern und Anwohnern in Therma auf die Nerven. Wiederholte Anrufe beim Bürgermeister, sich des Problems anzunehmen, waren erfolglos. Zu einer eigens einberufenen Bürgerversammlung in Therma ist er nicht erschienen. Nun wollen die Leute ihr Anliegen bei der Staatsanwaltschaft des Bezirks Evros vorbringen.

Am 8. August ist die „Theodora“, das nette Ausflugsschiff, das die Inselrundfahrten angeboten hat und gelegentlich als Versorgungsschiff für die Camper am Vatos fungierte, Opfer der Flammen geworden. Um 4:15 Uhr stand es – im Hafen von Therma liegend - komplett in Flammen und ist vollkommen ausgebrannt. Ob ein technischer Defekt oder Brandstiftung die Ursache war, ist mir nicht bekannt. Ich hoffe, das Boot war versichert und der Käpt`n kann sich ein neues Schiff leisten. Es wäre schade, wenn es die Möglichkeit der Inselrundfahrt nicht mehr gäbe.

Bei Alex/poli soll eine neue, hochmoderne Müllentsorgungseinrichtung mit Kompostieranlage gebaut werden, wo der Müll sortiert, recycelt und artgerecht entsorgt werden soll. Dann käme auch der Müll aus Samothraki nicht mehr auf die Müllkippe bei Komothini. Sicher ein Fortschritt.

Und wenn wir schon beim Müll sind: Durch eine Plastikmüll-Sammelaktion und folgende kleinere Sammlungen, wurden der Strand der großen Bucht von Therma bis zum Akrotiri in Ano Kariotes und bis zum ersten Camping, die Bucht von Paläapoli und die Phoniasmündung blitzeblank von bösem Plastikmüll befreit. Einen Bericht über die Aktion findet ihr unter dem Thema „Plastik Free Samothraki“ hier im Forum.
Die anderen Strandabschnitte auf Samothraki harren nun weiterer fleißiger Hände, die das Plastik wegräumen und verhindern, dass es als leckeres Mikroplastik im Meer landet.

Und nun noch ein paar kleine Hinweise:

Die beliebte Quelle in Alt-Samothraki (Paläapoli) am alten Anleger, bei der man quasi unter der Straße am Wasserhahn gutes Wasser bekam, wurde nun als Brunnen oben an der Straße eingefasst.

Der alte Zahnarzt ist schwer erkrankt. Es gibt nun eine Zahnärztin in Kamariotissa, die immer von Donnerstag bis Sonntag praktiziert. Die anderen Tage ist sie in Alex/poli tätig. Die Praxis ist in der Straße hinter der Apotheke im dritten Haus links.

Der Wanderweg zum oberen Phonias (Karya), der von der letzten Kurve der Schotterstraße, die zum Sender oberhalb von Ano Meria führt, abgeht, ist nun nicht nur mit Steinmännchen und roten Punkten, sondern auch mit dreieckigen gelben Schildern, die auf Eisenstangen montiert sind, idiotensicher beschildert. Diese einst in die Einsamkeit führende Strecke scheint inzwischen sehr beliebt und häufig begangen werden, obwohl die Schotterstraße nicht ihres Namens wert, eine Katastrophe und eine Tortur für Mensch und Maschine ist. Es waren einige Autos oben und in Karya waren auch einige Zelte aufgebaut.

Soweit die Neuigkeiten von diesem Jahr.


Herzliche Grüße aus Darmstadt, Gewitter, 29°
Rainer P.

Antworten:

Kalispera Rainer, vielen vielen Dank für die Mühe die du dir gemacht hast. Sind sehr interessante Informationen und Neuigkeiten dabei. Sehr beunruhigt mich natürlich die Information mit dem geplanten Windpark. Habe erst im August auf Telepolis einen kritischen Artikel über Windräder gelesen. Allein 12.000 Mäusebussarde und 300 Rotmilane sterben durch die Windkraftanlagen jedes Jahr in Deutschland.
Deinen Vorschlag von einem kleinen kommunalen Windpark zur Eigenversorgung unterstütze ich auch voll. Weist du ob es von der Bürgerinitiative S.O.S. Samothraki einen Alternativvorschlag zum geplanten Windpark gibt?
Leider befürchte ich, daß sich die Interessen des Kapital und das Geld gegen die Vernunft durchsetzten wird.

Habe heute gelesen das in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch durch starke Regenfälle zu erheblichen Schäden auf Samothraki gekommen ist. Erdrutsche hätten etliche Straßen beschädigt.

Die Situation in Alexandroupolis klingt auch sehr kritisch. Zu der Wirtschaftskrise und der Austeritätspolitik der Troika kommt bestimmt auch noch die Randlage von Alexandroupolis hinzu. Als ich im Mai 2012 in Alexandroupolis gewesen bin, war es noch ein lebendiges Kleinstädtchen. In der Haupteinkaufsstraße reges Treiben, kein Leerstand und im "Ausgehviertel" alle Tavernen und Bars gut besucht. Schon krass wie sich die Situation in Alexandroupolis in 5 Jahren verändert hat.

Ta Leme, kv

von kokkinos vrachos - am 26.09.2017 17:21
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