Nun ist das Chaos perfekt... (neues von der Stieftochter)

Startbeitrag von Zeusi am 01.09.2008 11:15

Hallo Ihr Lieben!

Habe ja lange nichts mehr von meiner Stieftochter berichtet.... Sie hat ja am 1. August 2008 ihre Ausbildung als Hotelfachfrau begonnen in einem der besten Hotels hier in der Gegend (deutschlandweit die 5.-beste Adresse!!!)

Gestern der Anruf...

Sie wäre völlig fertig. Hätte Herzrasen etc. etc. Sie wäre dem täglichen Stress etc. nicht gewachsen. Muss jeden Tag mit dem Bus/Zug zum Hotel fahren (ca. 20 km). Abends wieder zurück. Aufgrund des Teildienstes (8-13 Uhr und 18 bis 22 Uhr) muss sie die Strecken 4 x am Tag fahren. Keiner würde sie abholen etc. Ihre Mutter fühlt sich ja eh nicht zuständig. Fühlt sich nur für den Kindesunterhalt zuständig....

Kurz: sie will die Lehre abbrechen! Will jetzt Frisörin lernen...

Da fragt mich diese Göre doch tatsächlich, ob diese Beschwerden vielleicht eine dauernde Arbeitsunfähigkeit wären... habt Ihr noch Worte? Sie ist 17 Jahre. Muss 4 Tage die Woche arbeiten. 2 Tage Schule, 1 Tag frei...

Aber was will man verlangen. Die Mutter hat ihr ja fast 18 Jahre das perfekte Leben vorgelebt: Beine hochlegen, das Geld kommt von alleine...

Nach dem Telefonat hatte ich Herzschmerzen. Nun heißt es wieder Bewerbungen schreiben, telefonieren etc. Ihre Mutter kümmert sich ja um nichts.

Na denn....

LG
Zeusi

Antworten:

Hallo Zeusi,

das wollte ich Dich eigentlich schon länger gefragt haben, was Deine Stieftochter so macht.

Das ist ja wohl echt die Härte. Auf keinen Fall abbrechen, kann ich da nur sagen. Was verdient man denn heutzutage als Friseuse? Da kann sie sich ja gleich bei der Arge melden und Zuschuß beantragen.

Klar, ist die Fahrerei streßig. Aber an ihrer Stelle würde ich mich nach einem kleinen möbilierten Zimmer umsehen. Vielleicht kann da auch der Arbeitgeber weiterhelfen. Außerdem gleichzeitig mit dem Arbeitsamt/ Arge sprechen und fragen, ob es da eine finanz. Unterstützung geben könnte.

Außerdem kann sie ja noch mal mit dem Arbeitgeben wg. der Arbeitszeiten sprechen. Ich finde es schon eine kleine Zumutung, solche Arbeitszeiten zu haben, zumal sie ja noch nicht mal volljährig ist. Vielleicht kann man die Pause auch auf 1 bis 2 Stunden verkürzen.

Aber letzten Endes ist es doch überall so, daß immer Streß ist. Nicht umsonst sagt man doch auch: "Lehrjahre sind keine Herrenjahre".

An Deiner Stelle würde ich sie auch die Bewerbungen schreiben lassen. Ich finde, Du hast jetzt wirklich genug für sie getan.

So, jetzt muß ich wieder an die "Arbeit". Morgen haben wir ja Umschulung und übermorgen Einschulung. Habe noch einiges zu erledigen.

Bis dann.

von Rosenfan - am 01.09.2008 16:16
Hallo Zeusi,

ich denke nicht, dass deine Stieftochter wechseln sollte. Der Beginn einer Berufsausbildung ist verdammt hart, das habe ich auch bei meinen Kindern erlebt. Als Friseurin ist es auch nicht leichter, da muss sie den ganzen Tag stehen. Mache ihr Mut bis Weihnachten durchzuhalten, bis dahin hat sie sich eingewöhnt.

Mir kommen die Arbeitszeiten für eine 17-jährige komisch vor. Sie arbeitet 9 Stunden am Tag. Wieso 4 Tage und nicht drei?

Ich habe mal was gegogelt:

Wie ist die Lage der Arbeitszeiten von nichtschulpflichtigen Kindern
und Jugendlichen?
Kinder, die nicht mehr schulpflichtig sind, dürfen
? in einem Berufsausbildungsverhältnis oder
? in einem Beschäftigungsverhältnis nur mit leichten und für sie geeigneten
Tätigkeiten bis zu sieben Stunden täglich und 35 Stunden wöchentlich
beschäftigt werden.
Die maximale Arbeitszeit von nichtschulpflichtigen Jugendlichen darf acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich nicht überschreiten. Wird an einzelnen Tagen verkürzt gearbeitet, sind an den übrigen Werktagen derselben Woche bis zu achteinhalb Stunden zulässig
Es sind ausreichende Pausen zu gewähren:
? 30 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als 4,5 bis 6 Stunden,
? 60 Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als 6 Stunden.
Als Ruhepause gilt nur eine Arbeitsunterbrechung von mindestens 15 Minuten.
5 / 6
Arbeiten sind verboten,
? die zu anstrengend (z.B. Akkordarbeit),
? zu gefährlich,
? ungeeignet oder
? gesundheitsgefährdend
sind.
Jugendliche dürfen während der Nachtzeit von 20 bis 6 Uhr nicht beschäftigt werden.
Ausnahmen hiervon:
? in Gaststätten, Beherbergungs- und Schaustellerbetrieben bis 22 Uhr,
? in Bäckereien und Konditoreien ab 5 (über 17-jährige ab 4 Uhr),
? in mehrschichtigen Betrieben bis 23 Uhr und
? in der Landwirtschaft ab 5 Uhr oder bis 21 Uhr
beschäftigt werden.
An Samstagen und Sonntagen sowie Feiertagen darf grundsätzlich nicht gearbeitet werden, wobei es aber auch hier berufstypische Ausnahmen gibt.

[www.ihk-limburg.de]

[www.internetratgeber-recht.de]

Zwischen Feierabend und morgendlichem Beginn müssen 12 Stunden Freizeit liegen. Das heißt, wenn sie bis 22 Uhr arbeitet, dann braucht sie am nächsten Tag auch erst um 10 Uhr anzufangen.

Wenn sie samstags arbeiten muss, dann steht ihr ein freier Tag in der Woche zu.

Üblicherweise arbeiten Auszubidende drei Tage im Betrieb und gehen zwei Tage zur Schule. Dauert die Schulzeit länger als bis 13 Uhr, ist der Nachmittag arbeitsfrei.

Der Umzug in ein eigenes kleines Zimmer ist eine gute Idee. Während der Berufsausbildung läuft das Kindergeld weiter, das ist schon mal eine gute Grundlage für die Miete. Verpflegungskosten verursacht sie auch zu Hause.



von Dagmar D. - am 02.09.2008 05:07

@Dagmar

Hallo Dagmar,

vielen Dank für Deine Antwort. Ich denke, auch wenn ich jetzt meiner Stieftochter das zeigen würde, sie hat damit abgeschlossen.

Ich habe am Montag gleich Bewerbungen geschrieben. Habe in der Jobbörse was passendes gefunden. Gestern hatte sie schon ein Vorstellungsgespräch und kann bis Ende der Woche dort im Frisörsalon Probearbeiten. Wenn es klappt, dann bekommt sie den Ausbildungsplatz.

Sie hat gestern gesagt, dass ihr dort in dem Salon die Arbeitszeiten und vor allem die Leute besser gefallen hätten und das wird nämlich der Punkt sein.

Sie hat die Hofa-Ausbildung in einem angesehenen Hotel angefangen. Die angesagteste Adresse hier in Niedersachsen. Ich glaube das 5.-beste Hotel in Deutschland (!!!). Es ist letztendlich eine Ehre, dort lernen zu dürfen. Aber sie weiß es nicht zu schätzen.

Ich denke, dass dort ein ganz anderes und vor allem gehobenes Klientel vorhanden ist und sie dort nicht mithalten kann. Weder von der Herkunft, noch vom Umgang etc. etc. etc. Traurig, aber wahr! Da passt sie doch eher in eine Frisörsalon. Ihre Mutter hat ja nichts anderes gelernt. Ist letztendlich durch das Geld meines Mannes zu dem gekommen, was sie hat. Was will man von der Tochter verlangen? Bricht sie die Lehre auch ab, brauch mein Mann gar keinen Unterhalt mehr bezahlen. Im November wird sie 18 Jahre alt und dann muss sie selber sehen, wie sie klar kommt. Aber wir hoffen ja mal, dass sie jetzt durchhalten wird.

Übrigens: eine Auszubildende im 3. Lehrjahr musste bis nachts 0.00 Uhr an der Rezeption arbeiten und morgens um 6.00 Uhr wieder antanzen... das zum Thema Einhaltung von Ruhezeiten... Offensichtlich nutzen sie ihren Namen und Stand voll aus!

Danke nochmals.

LG
Zeusi



von Zeusi - am 03.09.2008 06:37

@Conny

Hallo Conny,

ja, Du hast Recht. Lehrjahre in auch keine Herrenjahre! Aber die Jugend von heute ist einfach nicht mehr belastbar. Null Bock, große Klappe etc. etc.

Wenn ich an meine Ausbildung denke. Ich habe Industriekauffrau gelernt. Habe damals meine Mofa verkauft und gegen ein gutes Fahrrad ersetzt. Ein Bürojob hieß ja weniger Bewegung und zwangläufig legt man dann zu. Also jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit. 16 km hin, 16 km zurück. Bei Regen und Sturm oder im Winter mit dem Bus, oder mein Vater hat mich morgens mitgenommen. Abends dann mit dem Fahrrad wieder zurück. 1 x die Woche Berufsschule. Ich bin morgens um 7 Uhr angefangen zu arbeiten. Also um 5.20 Uhr aufgestanden.

Die erste Zeit war ich platt wie eine Flunder. Habe mich nach der Arbeit erst einmal 2 Stunden ins Bett gelegt und geschlafen. Ich habe sogar freiwillig 3 Jahre gelernt. Bin im letzten Lehrjahr ausgezogen, weil es bei meinen Eltern kriselte und habe mir eine kleine Wohnung genommen. Habe ein 3/4-Jahr vor meiner Prüfung nur gelernt, gelernt und gelernt. Habe letztendlich eine gute Ausbildung hingelegt und mit einer guten Note "2" das Ziel erreicht. Was will man mehr.

Bei meiner Stieftochter wäre es bestimmt anders gelaufen, wenn sie bei uns gelebt hätte. Wir hätten ihr ein ganz anderes Leben vorgelebt. Wenn ich schon höre, sie möchte keinen Beruf ausüben, der stressig ist und auf die Gesundheit geht. Da können mein Göga und ich nur lachen... Ich hatte mit 21 Jahren stressbedingte Herzkranzgefäßverengung... da habe ich nicht die Frage gestellt, ob das eine dauernde Arbeitsunfähigkeit ist.

Aber sie hat mal Kopfschmerzen und ein wenig Herzpieken und stellt mir so eine Frage... Uns wundert das nicht. So, wie ihre Mutter ihr das Leben vorgelebt hat, kann nichts anderes dabei rauskommen! Sie ist fast 50 Jahre alt und fängt jetzt im Herbst an, Vollzeit zu arbeiten. Ist doch klasse, oder?

Nachdem ich am Montag die Jobbörse durchforstet habe und auch mit einer Bekannten von der Bundesagentur gesprochen habe, habe ich ihr dann noch die entsprechenden Bewerbungen geschrieben, neuen Lebenslauf und Deckblatt mit Bild erstellt. Alles auf CD gebrannt, damit sie künftig diese Aufgabe übernehmen kann. Dann habe ich ihr die Unterlagen hingebracht. Sie hat die Bewerbungen bei den Betrieben abgegeben bzw. hat bei den Betrieben erst einmal angerufen. Gestern hatte sie schon das erste Vorstellungsgespräch und....

weil in der Bewerbung ein anderer Name steht, als die Dame hat, mit der sie gesprochen hat, rief sie mich an und fragte, ob ich die Bewerbung noch einmal neu schreiben könnte.... ich bin fast hinten rüber gefallen. Habe ihr gesagt, dass das letztendlich egal wäre. Sie soll sagen, dass sie die Bewerbung schon vorher fertig gemacht hätte. Sie hatte dort gestern ein Vorstellungsgespräch und wird bis Ende dieser Woche dort Probe arbeiten. Wenn es gut geht, hat sie den Ausbildungsplatz. Dort wären 2 Leute abgesprungen (warum nur???).

Mir und meinem Mann ist das jetzt egal. Jetzt muss sie sehen, wie sie klar kommt. Wir haben mit unserem Sohn mehr als genug zu tun. Die eigene Mutter liegt nur auf dem Sofa oder amüsiert sich mit ihrem neuen Freund. Kümmert sich um nichts. Letztendlich wollte sie nur dieses Kind, um sich ihren eigenen Lebensunterhalt von meinem Mann finanzieren zu lassen. Das ist zwar mega krass, aber pure Realität. Im Grunde genommen kann einem dieses Mädel nur leid tun...

LG
Zeusi

von Zeusi - am 03.09.2008 08:29
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