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Plauderforum
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Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Agnes69, C_C_W

Tochter mit schlechtem Selbstwertgefühl

Startbeitrag von Agnes69 am 14.12.2006 23:40

Hallo Ihr Lieben!

Jetzt möchte ich Euch einmal etwas von meiner Mittleren (S., 7) erzählen, von der ich bisher behauptet habe, sie sei so stabil dass sie wohl keine Hilfe brauchen wird.

Sie hatte heute ihren ersten Vorspielabend auf dem Cello vor etwas größerem Publikum (bisher nur Familie oder die Musikschul-Kolleginnen). Ich durfte sie bei dem kurzen Duett begleiten.

Ich hatte mich schon sehr auf den Abend gefreut. Es macht mir viel Spaß, mit ihr zu musizieren, und ich bin sehr stolz auf ihre Fortschritte und überhaupt.

S. jammerte schon seit Tagen über schlimmes Lampenfieber, und ich bemühte mich sehr, sie zu beruhigen: Stell dir die Leute alle in Unterhosen vor, oder: die suchen doch nicht nach Fehlern, die wünschen dir viel Glück, weil sie ja merken, dass du noch am Anfang bist, und ihre Kinder auch mal da waren, oder: das Wichtigste ist, Spaß an der Musik zu haben - dann kommt alles andere von selbst.

Ich nahm mir heute Zeit für eine extra lange Kuschelrunde, kraulte ihr ausgiebig den Rücken, sang ihr ein paar Lieblingslieder vor, und versuchte, ihr den Tag so entspannend wie möglich zu gestalten.

Ich weiß nicht, ob das alles etwas gebracht hat, jedenfalls war sie am Abend wieder ziemlich nervös. Als sie auftreten musste, kicherte sie ständig, was ich und auch ihre Lehrerin aber ganz bezaubernd fanden. Und dann spielte sie ziemlich gut. Ich war wirklich stolz auf sie.

Doch sie schlich nachher nur noch ganz geknickt herum, und weinte und jammerte, wie schlecht sie gewesen sei. Mit keinem Mittel ließ sie sich von der Wahrheit überzeugen. Ich neige zwar auch zum Perfektionismus, aber so schlimm war es bei mir nie.

Schön langsam mache ich mir Sorgen. Als sich herausstellte, welche Probleme ihre Geschwister mit ADS haben, habe ich ihr genau erklärt, worum es dabei geht, und warum sie sich so und nicht anders verhalten. Ich weiß nicht, ob das richtig war, aber wie ich sie kenne, hätte sie sowieso gefragt, bis sie alles aus mir herausgeholt hätte, und sie kommt mir sehr verständig vor.

Außerdem war es mein Hauptziel, dass sie das Verhalten der beiden anderen nicht mehr persönlich nimmt - eine Haltung, die mir selbst sehr geholfen hat, - und dass sie versucht, sie nicht noch extra zu provozieren. Ich beruhigte sie im Hinblick auf sie selbst, und meinte, bei ihr sei es viel schwächer ausgeprägt. Ich schärfte ihr auch ein, dass sie es mir, bei aller Rücksicht auf die Geschwister, sofort sagen müsse, wenn sie sich deshalb vernachlässigt oder überlastet fühle. Sie versprach es.

Trotzdem kippt sie inzwischen von einem Extrem ins andere. Mal ist sie geradezu rührend um ihre Geschwister (vor allem die kleine Schwester) bemüht, was mich einerseits freut, andererseits möchte ich nicht, dass sie in die Rolle einer Zusatz-Mutter gerät.

Dann wieder provoziert sie alle Familienmitglieder was das Zeug hält. Das geht soweit, dass ich es geradezu als bösartig empfinde. Sie lässt nicht locker, bis alle entweder stinkesauer sind, oder heulen. Sie lacht dabei zwar ständig, aber ich meine dahinter eine Verzweiflung zu spüren, als ob sie sich eine Bestätigung erzwingen möchte, dass sie ja doch keiner mag.

Uff! Heute kann's die Romanschriftstellerin in mir wieder!
Also, wenn Ihr es bisher durchgehalten habt - kommt Euch das irgendwie bekannt vor? Könnt Ihr mir Tipps geben, wie man mit solchen Situationen umgeht?

Ich werde auch unseren Coach fragen, aber vielleicht habt Ihr ja auch Ideen.
Vielen Dank für Eure Geduld, und jede Antwort!

Agnes

Antworten:

Liebe Agnes,

solche Extreme kenne ich zum Glück nicht von meinen Kindern, sie haben auch nicht solche Begabungen. Mein jüngster, Pascal, hat ziemliche Stimmungsschwankungen. Allerdings sind es eher unwichtigere Dinge (gut, für ihn sind sie vielleicht wichtig), aber ich reagiere auch ziemlich hilflos darauf. Wenn er ein , für ihn, schwieriges Bild nicht malen kann, oder das Puzzle nicht zusammen bekommt, bricht für ihn die Welt zusammen. Sekunden später kann er wieder ausgelassen und fröhlich sein, bis er mir irgendetwas mitteilen will, und ihm die passenden Worte nicht einfallen......

Ich kann ihn nicht beruhigen, kann ihn auch nicht davon überzeugen, dass es für sein Alter, oder seine Entwicklung ganz hervorragend ist was er macht, er möchte einfach jetzt verzweifelt sein, und nicht getröstet werden.

Vielleicht hat ja jemand anderes einen Tip für dich.

Viele Grüße, Conny

von C_C_W - am 15.12.2006 08:16
Danke für die Antwort, Conny!

Mir ist gerade wieder der Tipp mit dem "Aktiven Zuhören" eingefallen. Also: keine Fragen stellen, nicht widersprechen, sondern Aussagen: "Mir kommt vor, dass Du jetzt sehr frustriert bist, weil dir das nicht so gelungen ist, wie du es dir vorgestellt hast." So sollten sie sich besser verstanden fühlen.

Möglicherweise wäre das richtig gewesen. Aber das fällt mir so schrecklich schwer! Ich will mit ihr feiern, und sie macht sich so runter. Zuerst dachte ich ja, es wäre "Fishing for compliments". Als ich merkte, dass sie es ernst meinte, war ich so unglücklich darüber, dass ich sie in der Haltung nicht auch noch bestärken wollte. Naja, vielleicht schaffe ich es das nächste Mal, sie dort abzuholen, wo sie steht...

Schönen Abend noch!
Agnes

von Agnes69 - am 15.12.2006 22:13
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