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Plauderforum
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Erster Beitrag:
vor 12 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 12 Jahren, 4 Monaten
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marion3de, Peter Steiner, Antisupernanni, momfor4, Chris G, BibiBlocksberg

Wie soll ich das alles noch bewältigen

Startbeitrag von marion3de am 10.09.2005 19:06

Brauch mal einen Rat von Euch!

Habe eine 7 jährige süße Tochter die an ADHS Mischtyphus leidet. Der Vater von Ihr hat die Vollversion, so sagt es meine kleine immer, wenn ihr Papa mal wieder am ausrasten ist. Aber sie hat recht mit der Vollversion.

Meine kleine ist ein sehr liebes Kind, das wir erst seit Jan. 05 erleben dürfen, die Zeit davor war ein totales Chaos. Immer gegen alles und jeden sein, immer das letzte Wort und streiten von früh bis spät mit allen und jedem. Keine Einsicht, wenn mal was nicht erledigt wurde. Wie gesagt, das sind nur Kleinigkeiten die ich hier erwähnen möchte, denn ihr kennt alle die weiteren Begleiterscheinungen. Seit Jan. 05 wird sie mit Concerta behandelt zwar nur 5 mg aber es wirkt bis jetzt noch ganz gut und auch in der Schuhle reicht es noch aus.

Doch leider ist mein Mann alles andere als ein vorbildlicher Vater, denn er hat eine sehr niedrige Toleranz im Bereich Gefühle, alle müssen hart wie Stein sein oder die sind laut seiner Meinung nur einfach Weicheier. Mein Mann hat leider keinerlei Verständnis für die Kleine, wie sie fühlt, was sie durchmacht. Wir hatten bereits mehrere Elterngespräche mit der TP doch leider sieht er sich jedesmal sofort angesprochen und im Mittelpunkt ohne abwarten zu können bis er gefragt wird. Sofort sieht er hinterallem nur Kritik. Wenn er nur zuhören könnte bis andere ausgesprochen haben und er verstehen würde, was will das Gegenüber eigentlich von mir, das wäre schon ein tolles Ding. Doch leider kann er das nicht.

Es ist für mich sehr schwer mit solch einem Menschen auszukommen. Immer soll ich für beide soviel Kraft haben und sie in ihrer ADS-Welt bei Laune halten, mein Mann braucht mehr Aufmerksamkeit als meine Kleine. Und wenn beide mal alleine zurecht kommen sollen, gibt es zwischen den zweien nur Krieg.

Man muss sich das so vorstellen, daß er immer Recht haben will, egal ob er Recht hat oder nicht, es gilt nur seine Meinung, andere dürfen keine haben usw.

Und was für mich das schlimmste ist, dass er die ganze Zeit, wenn wir mal Zeit hätten, dann streitet er was das Zeug hält und das noch wenn die Kleine anwesend ist. Weis wirklich nicht mehr weiter, weil ich alles schon versucht habe. Doch leider ohne Erfolg.

Bitte, wer kann mir da einen Rat geben, wie man sich da noch verhalten kann. An Trennung habe ich auch schon gedacht und es sogar mit ihm auch schon mal besprochen. Doch da ist total ausgetickt. Trennung möchte ich jetzt nicht wirklich, weil meine Kleine ihren Papa liebt und sie große Trennungsängste überhaupt schon immer hatte.

Bin ziemlich am Ende und brauch doch noch so viel Kraft für meine Kleine. Möchte gerne alt werden mit meiner Familie.

Antworten:

Hallo Marion,
einen wirklichen Rat habe ich nicht für Dich, ausser, dass Du Deiner Tochter zuliebe nicht aufhören darfst zu kämpfen und Dich zu wehren!

Bei Kindern können noch wir Eltern bestimmen, ob und in welche Therapie sie gehen sollen, beim Erwachsenen muss das von innen heraus kommen!
Und leider habe ich das Gefühl, Du lässt Dich hier missbrauchen in so einer Lebensgemeinschaft, denn von Partnerschaft kann man hier wohl nicht sprechen, sondern Du lebst im Grunde genommen in einer häuslichen Diktatur, in der nur Dein Mann zählt und sonst niemand, geschweige denn, gleichberechtigt ist.

Die grosse Frage ist, hast Du die Kraft, das auf Dauer zu ertragen oder willst Du wirklich was ändern?
Wenn Du was ändern willst, darfst Du Dich nicht vom "Austicken" beeindrucken lassen, sondern musst klare Bedingungen und Forderungen stellen, wie bei einem grossen Kind eben.

Versuche doch mal, in einer ruhigen Minute Deinem Mann ganz sachlich zu erklären, wie sein Benehmen auf Dich wirkt, und dass Du dies nicht ertragen kannst. Mache Vorschläge, wie es evtl. Deiner Meinung nach zu ändern wäre, Paartherapie, ADS-Diagnose für Deinen Mann abklären lassen oder sonstwas.

Mache aber klar, dass Du auf seine Mitarbeit hoffst, Euch noch nicht ganz aufgegeben hast, aber nur, wenn er auch bereit ist, am Familienglück mitzuarbeiten, doch noch was draus werden kann! Und wenn da nichts kommt, musst Du wohl oder übel auch Konsequenzen ziehen, denn auch Eure Tochter spürt das angespannte Klima und reagiert darauf!

Manchmal muss es eben erst wirklich knallen, bevor jemand den wirklichen Ernst der Situation sieht, aber es kann nicht angehen, dass Du systematisch am Rand Deiner Kräfte lebst! Auf Dauer geht es eh nicht gut und Du schadest Dir damit auch gesundheitlich!
Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende..., auch für Deine Tochter!

Wünsche Dir viel, viel Kraft dazu!
Viele Grüsse, Chris G

von Chris G - am 11.09.2005 23:14
Hallo

Seit wann gibt es denn Concerta in 5 mg?????

Habe ich da etwas verpasst? Oder meinst du ein anderes Medikament?

Concerta gibt es in 18, 36 und 54 mg... aber nicht in 5!

Rätselnde Grüße

Mom

von momfor4 - am 12.09.2005 06:25
Hallo Marion,

sei ganz fest gedrückt von mir. Auch ich kenne solch eine Situation.

Vieleicht habt ihr ja im Verwandten- bzw. Bekanntenkreis jemanden, den dein Mann gut kennt und mit dem er relativ gut auskommt, der ihm mal erklären könnte, wie er mit seiner Art auf andere wirkt. Manchmal bringt es etwas wenn diese Menschen von außen auf ihr Verhalten gestoßen werden. Denn oftmals sehen sie es als selbstverständlich an, dass alle um sie herum ihn als das absolute Nonplusultra sehen, dass alle sein Verhalten absolut gut finden.

Sie kommen oftmals überhaupt nicht auf die Idee, dass es die anderen nur noch nervt und sie am Ende ihrer Kräfte sind.

Ist es denn sicher, dass dein Mann ADS hat? Wenn ja, dann kannst du ihm ja mal sagen, dass man nicht jedes Verhalten mit ADS entschuldigen kann, denn selbst solche Menschen können lernen vernünftig mit ihren Kindern und Ehepartnern umzugehen auch wenn es ihnen schwerfällt. Denn meistens erwarten sie ja von ihrer Umgebung genau das und wie soll es deine Tochter lernen, wenn du es ihr zwar vorlebst aber dein Mann absolut nicht, mach ihn mal auf die Gefahren aufmerksam, die sein Verhalten ( aufbrausend, sich nicht an Regeln halten ect. ) auf eure Tochter haben kann, nämlich das das Kind später überhaupt nicht mehr weiß, welches Verhalten wann an den Tag zu legen ist und sie dadurch umsoverwirrter wird, je älter sie wird.

Liebe Grüße
BibiBlocksberg

von BibiBlocksberg - am 12.09.2005 06:45
Hallo Marion,

mir geht es ähnlich wie Dir. Erst zu meinem Kind: mein Junge ist 4 Jahre alt und sehr verhaltensauffällig (gehorcht nie, sitzt nicht still, plappert ununterbrochen, haut, schreit, ist ungeduldig, laut, sitzt nur vor der Glotze mal ruhig da, braucht aber auch die "Power" beim Draussenspielen). Ich habe erst vor kurzem von diesem Syndrom gehört, u. mich auch jetzt erst damit beschäftigt. Nicht nur, dass die Erziehung unseres Kindes kraftzährend ist, es ständig zu Streitigkeiten zw. meinem Partner u. mir kommt, nein schlimmer: sämtliche uns nah stehenden Leute (leider auch die doo... Nachbarn, die "Super-
mamis") sagen uns ständig, dass wir unser Kind falsch erziehen. UND JETZT KOMMT`S: DER BRAUCH MAL NEN ARSCHVOLL! Tolle Erziehungsmethoden, oder? Bekommt mein Kind aber nicht, da eben keine Erziehungsmethode. Zu diesem Problem habe ich ein ähnliches Problem mit meinem Partner (Kindsvater): bezieht ALLES auf sich, rastet schnell aus, ist streitsüchtig, ungeduldig und schnell eingeschnappt. Manchmal denke ich, ich schaffe das nicht mehr. Habe ja auch noch einen Job u. fast 99% der Haushaltsarbeit an der Backe. Außerdem kümmere ich mich um mein Kind, wenn es aus dem Kindergarten kommt. Du siehst, ich bin eine Leidensgenossin. An Trennung habe ich auch schon öfter gedacht. Aber ist das die Lösung? Ich glaube, das Beste wär, auch der Mann geht in Therapie... aber so wie ich meinen Mann kenne, sieht er seine Fehler (wie immer) sowieso nicht ein, weil er (nach seiner Sicht) kein ADS hat. Vielleicht meldest Du Dich ja mal.. oder auch Andere hier im Forum. Wäre dankbar. Gruß Elke

von Antisupernanni - am 12.09.2005 13:55
Hallo Elke,

das Problem mit der Erziehungsmethode von den außenstehenden kenne ich nur zu gut. Selbst aus der eigenen Familie kam schon dergleiche Spruch: "der würde ich aber mal gründlich den Arsch versohlen, der verzogenen Göre!"

Weist Du, wenn Dein Partner dann noch darauf eingeht und sagt, daß die anderen alle Recht haben und Du das Kind nur verzogen hast, dann ist die Rechnung schief gelaufen.

Da ich meine Kleine Fam. sehr liebe, werde ich daran arbeiten, daß auch mein Bester sich benehmen lernen muss, denn er hat den Vorteil, daß er schon mehr Verstand hat als unsere Tochter.

Halte durch.



von marion3de - am 12.09.2005 19:08
Hallo Marion,

möchte Dir mein Mitgefühl ausdrücken. So wie es mir vorkommt, hast Du ZWEI "Patienten" am Hals, und der Erwachsene ist der eigentliche Problemfall.

Ich weiß nicht, ob ich Dir irgendwelche hilfreichen Ratschläge geben kann - im Grunde kann ich weitgehend dem zustimmen, was andere hier schon gesagt haben. Nur ein paar Gedanken, die sich mir aufdrängen:

- Soweit ich das begriffen zu haben glaube, brauchen Hypies vor allem zwei Dinge (gleichzeitig!): EINE KLARE LINIE (= Autorität) und VIEL LIEBE UND VERSTÄNDNIS. Ich denke, das gilt auch für "große" Problemfälle. Vielleicht findest Du Deinem Mann gegenüber eine bessere Position, wenn Du Dir bewußt machst, daß er, genau wie die Kleine, HILFE braucht.

- Eine Trennung wäre als allerletzte Möglichkeit zu bedenken. Als "Notbremse" gewissermaßen. Aber ich denke, das dürfte nur dann anstehen, wenn sicher ist, "daß der Zug sonst in den Abgrund rast". Ich hab selber weder Kinder noch Familie, aber ich habe mit vielen Kindern zu tun. Und ich beobachte durch die Bank weg, daß die Kinder, die nur eine halbe Familie haben, darunter furchtbar leiden, und daß alle Liebe des verbleibenden Elternteils nicht ausreicht, um das auszugleichen! Im Hinblick auf Deine Tochter ist die Frage, die sich stellt, ob sie ohne Vater wirklich glücklicher wäre, als mit DIESEM Vater.

- Wenn ich Dich richtig verstehe, hat die Kleine sich ja, seit sie Medikamente nimmt, deutlich zum Positiven verändert. Nimmt Dein Mann das gar nicht wahr? Wenn doch, wäre das nicht ein Ansatzpunkt, "ihn zu packen"? Wenn Medikamente wirken, ist das ein Hinweis auf "Krankheit". Und "Krankheit" erfordert "Mitleid" und Verständnis! Und gegenüber einer "Kranken" darf man auch mal auf Rechthaberei verzichten, auch dann, wenn man überzeugt ist, daß man Recht hat! Man darf mal "weich" sein, auch wenn man sonst meint, immer "hart" sein zu müssen. Und wenn die "Krankheit" sich nicht darin äußert, daß man im Bett liegt und leidet, sondern darin, daß man ständig bei anderen aneckt, könnte man dann nicht mal ganz sachte auf die Idee kommen, ob man selber nicht vielleicht auch diese "Krankheit" haben könnte, wenn man dieselben "Symptome" aufweist. Zumal, wenn die "Krankheit" bekanntermaßen erblich ist. Usw. usw. usw.

- Wenn Du Deinen Mann "packen" willst, dann ist die denkbar ungünstigste Situation die, wo grade mal wieder ein Konflikt im Gange ist, und die denkbar günstigste die, wo mal ausnahmsweise so richtig alles in Ordnung zu sein scheint. Denn "Konflikt" bedeutet "Aggression", "Aggression" bedeutet "Angst", "Angst" bedeutet "Abwehrhaltung". (Nebenbei, Das solltest Du Dir auch klar machen: Wenn einer sich aggressiv verhält, ist das - mit naturwissenschaftlicher Sicherheit - ein Indiz dafür, daß er ANGST hat! Ihm zu helfen kann dann nie anders laufen, als auf dem Weg, daß man rauskriegt, WOVOR er Angst hat, und ihm dann diese Angst nimmt.)

- Und schließlich die Frage, die die wichtigste von allen ist: Schaffst Du das mit Deinen BEIDEN "Problemfällen? Bei aller Sorge: Die Person Nr. 1, für die Du verantwortlich bist und um die Du Dich zu kümmern hast, bist DU SELBST!

Keine "guten Ratschläge", nur ein paar Gedanken. Du kannst sie, wenn sie nicht passen, gleich wieder verwerfen.

Ich drück' Dir die Daumen!

Peter

von Peter Steiner - am 12.09.2005 21:10
Lieben Dank Peter,

bin wirklich beeindruckt von Deinen "Gedanken".

So genau habe ich noch nicht darüber nachgedacht, daß dies mit Angst von ihm zu tun haben könnte. Aber ihm geht es doch sichtlich gut. Er dürfte normalerweise keine Ängste haben, so wie er sich immer gibt. Und - vor was hat er Angst ??? Vielleicht davor, daß ich von ihm gehe? Er sagt doch immer, daß es ihm nix ausmachen würde, wenn ich gehe. Doch ich glaube das nicht.

Er ist wie das Wetter, einfach unbeständig und nicht einschätzbar. Z. B.: Ich koche ein Rührei zum gemütlichen Frühstück. Er schaut noch im gleichen Augenblick zu in der Küche, schmusend und umarmend, doch dann sieht er wie das Ei nicht mehr labbrig ist in der Pfanne - und er ist es gerne labbrig, doch ich nicht und die Kleine bekommt auch kein nicht ganz abgekochtes Ei wegen den Salmonellen, dann rastet er aus, rennt durch die ganze Wohnung und kann sich nur noch schwer beruhigen. Er schreit, schlägt wie wild um sich, beleidigt mich in schwerster Form und das alles vor der Kleinen.

Glaube mir, diese Anfälle von Wut und Agression wegen nichts, kann man nicht täglich 20 mal so einfach hinnehmen. Bin ein sehr gemütlicher, romantischer, schmusender Typ, und dann solche Ausraster wegen null und nix, mein Gott, gibt es da keine wirksame Hilfe mehr???

Dies ist nur eine kleine Situation die im täglichen Leben auftritt. Wenn er den ganzen Tag bei der Arbeit ist (also Tagschicht) kann ich mein Leben genießen mit nur einem Patienten aber gnade mir Gott am Wochenende, wenn beide auf mich losgehen, dann habe ich nichts mehr zu grinsen. Wenn dann noch seine Eltern ins Spiel kommen, die ja unzertrennlich sind, Vater- Mutter- Sohn-Verhältnis, dann wird es noch schlimmer. Denn Mutti weis alles besser und Pappi ist so oder so nur der beste. Mutti wird gedrückt und geliebt mit Küschen und ich stehe daneben, wie Nachbars Lumpi. Schönes Gefühl!!

Eigentlich sollte ich diese Ehe beenden. Doch ich kann nicht, weil ich meine Kleine Maus über alles liebe, auch wenn sie so schrecklich manchmal mir gegenüber verhält. Denn sie hat durch ihr Verhalten schon Probleme genug in der Schule und auch nur ganz wenig Freunde, dann muss ich ihr nicht auch noch solche zusätzlichen Sorgen bereiten, wenn ich den Vater von ihr verlassen. Daher ertrage ich dies einfach alles.

Habe mir vorgenommen, alles solange zu ertragen, bis ich nicht mehr kann und am Boden liege! Hoffe, daß dies nicht so schnell geschieht.



von marion3de - am 03.10.2005 12:50
Hallo Marion!

Wenn ich diese Schilderung lese, denke ich sofort an Maurice.

Maurice ist ein siebenjähriger Junge in unserem Kinderhort. Frustrationstoleranz = Null. ADS. Bei der kleinsten Kleinigkeit, die ihm nicht paßt, rastet er aus. Der einzige Unterschied: Er greift dann nicht an, sondern verzieht sich wütend schmollend ins Eckchen.

So wie Du die Ausraster Deines Mannes schilderst, können sie eigentlich nur pathologisch sein. Also: keine "Charakterschwäche", sondern eine psychische Störung, bei der es sich - wie bei Maurice - um ADS handeln kann. Da kann aber dann auch nicht anders dran gearbeitet werden als mit einer angemessenen medizinischen/therapeutischen Behandlung.

Solange er sich darauf nicht einläßt, hast Du keine Chance. Liebe und Geduld können dann (bis zu einem gewissen Maß) helfen, es zu ertragen, nicht aber, was dran zu machen.

Wenn sich da nichts tut, dann sieh zu, daß Du Dich selbst schützt. Du bist niemandem schuldig, daß Du Dich kaputtmachen läßt. Und Deiner Tochter ist nicht geholfen, wenn sie eine Mutter hat, die zwar glücklicherweise NICHT alleinerziehend ist, dafür aber mit Nervenzusammenbruch in der Psychiatrie liegt.

Ich hatte geschrieben, daß ich mit dem Gedanken an eine Trennung vorsichtig umgehen würde. Der Meinung bin ich auch weiterhin. Nur: Wenn es sich als der einzige Weg erweisen sollte, wie Du selber klarkommen kannst, dann muß auch diese Möglichkeit in Betracht kommen. Nur eben bitte nicht übereilt und überstürzt.

Aber: Daß Du selber "intakt" bleibst, ist die erste Priorität. Wenn Du das nicht schaffst, schadest Du gleich zwei Menschen auf einmal: Dir selber UND Deiner Tochter.

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"Vor was hat er Angst?" - Na ja, wenn jemand aggressiv eine Position behauptet, dann ist üblicherweise das, wovor er Angst hat, das, was schlimmstenfalls (evtl. mit viel Phantasie) passieren könnte, wenn er es nicht tut.

Du schreibst, bei Deinem Mann müssen alle "hart wie Stein sein", er besitzt keine Kritikfähigkeit, zeichnet sich aus durch Rechthaberei.

Der Eindruck, der sich mir aufdrängt ist daher: Er hat Angst davor, "weich" zu sein, er fühlt sich in Frage gestellt, wenn er Kritik spürt, er kann nicht damit leben, nicht Recht zu haben.

Das könnte wiederum bedeuten: Er hat ein schwaches Selbstbewußtsein, fühlt sich unsicher. Er meint, ständig darum kämpfen zu müssen, daß er nicht von anderen untergebuttert wird.

Deshalb legt er ein aggressives Verhalten an den Tag, mit dem er gewissermaßen "präventiv" jeden abzuschrecken versucht, der ihn in Frage stellen könnte. Weil jede Infragestellung von IRGENDWAS, was er tut, sagt, vertritt, für ihn eine Infragestellung seiner Person darstellt, weil er eine zu schwache Persönlichkeit hat, als daß etwas Nennenswertes übrigbleiben könnte, wenn auch nur irgendeine Äußerlichkeit angekratzt wird.

Keine erschöpfende Psychoanalyse - nur (mal wieder) ein paar mir plausibel erscheinende Gedanken.

Wie kann man einem solchen Menschen helfen, seine "harte Schale" abzulegen?

WENN man ihm helfen kann, dann müßte es - logischerweise - auf folgendem Weg laufen:

Man muß ihn spüren lassen, daß er uneingeschränkt geliebt, geschätzt, akzeptiert ist, auch wenn er "weich" ist, wenn er sich irrt, wenn er irgendwo daneben liegt. So daß er all dies ggf. zugestehen kann, ohne daß er befürchten muß, daß er dadurch in den Augen der anderen abgewertet wird.

Nur: All das trifft nicht auf pathologische Ausraster zu. Wenn die vorliegen, nützt gar nichts. Nur eine kompetente Betreuung seitens des Fachmanns.

Jeder Mensch ist am ehesten dann geneigt, seinen "Panzer" abzulegen, wenn er sich in einer Situation sieht, in der man sich auch ohne "Panzer" sicher fühlen kann.

Und jeder Mensch möchte gerne seinen Panzer ablegen. Denn Panzer sind schwer zu tragen und man kommt unter ihnen gewaltig ins Schwitzen.

Ob eine solche Idealsituation ohne Panzer bei Deinem Mann (noch) erreichbar ist und ob - wenn sie erreicht ist - Du die Möglichkeit hast, sie zu nutzen, ohne daß er gleich wieder panikartig den Panzer anlegt, weiß ich nicht. Das mußt Du wissen, bzw. abschätzen. Vielleicht geht auch gar nichts mehr.

Wenn Du ihm helfen kannst, dann wohl am ehesten über die garantiert auch in ihm vorhandene Sehnsucht danach, ohne Panzer durch Leben gehen zu dürfen.

Wenn nicht, mußt Du Dir zumindest Gedanken darum machen, wie Du auf bestmögliche Weise Dir und Deiner Tochter helfen kannst.

SG

Peter



von Peter Steiner - am 05.10.2005 00:08
Hallo Peter,

danke erstmal, dass Du versuchst mir zu helfen. Aber Du hast recht, es kann wahrscheinlich nur der Fachmann.

Habe aufgegeben zu lieben, weil er es nicht mehr wert ist. Er verletzt, beleidigt und dann will er noch ängstlich sein? Habe viele Jahre versucht, mich in irgendeiner Weise anzupassen, so dass ich ihm würdig bin. War bis lang meine Meinung, dass ich würdig sein muss. Aber bereits seit 8 Jahren weis ich, dass mit ihm etwas nicht ganz stimmt. Seit Sept. 2005 weis ich über ADHS Bescheid da es meine Tochter hat. Sie ist schon eine harte Nuss zum knacken aber er übertrifft alles.

Helfen lassen will er sich nicht. Erst letzte Woche hatten wir ein Elterngespräch an dem er daran teilgenommen hat, (er muss teilnehmen weil ich es will damit er künftig besseren Umgang mit seiner Tochter pflegt), und dort hat er die TP derartig rundlaufen lassen, so daß sie ihm auf den Kopf zugesagt hat, dass er sich doch mal testen lassen soll, weil er ständig gegen alles ist und jeden nur beschimpft. Die TP hat ihm dringend angeraten, wenn er seine Ehe noch retten will, dann müsse er was tun, weil eine Beziehung muss gepflegt sein, damit sie funktioniert.

Wie Du siehst, versuche ich wirklich alles um nicht unter zu gehen. Aber wie Du sagst, muss ich auch auf mich noch ein bisschen achten weil, wenn es mich nicht mehr gibt, dann hat es die Kleine ganz schön schwer auf dieser Welt mit dem Vater alleine klarzukommen.

Vielen lieben Dank von Dir, dass Du mir so ausgiebig geantwortet hast. Es gibt Kraft, weiter zu kämpfen.

Gruß
Marion



von marion3de - am 07.10.2005 09:09
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