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Plauderforum
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Erster Beitrag:
vor 12 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 12 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Gaby, Pedy, Beate Mahr, Veronika Ehrenberg, Apfelsine, Michaela#, Mond, ulmi205, xavalon1, Angelika (TanteGela), Inge1

Eine schöne Geschichte

Startbeitrag von Gaby am 29.10.2005 03:00

Eine schöne Geschichte über Herrn Müller

Das hier, das ist der Herr Müller. Der Herr Müller kommt aus Aretsried, das
liegt in Bayern, also ganz im Süden.

Der Herr Müller ist ein Unternehmer und das, was in den Fabriken von Herrn
Müller hergestellt wird, habt ihr sicher alle schon mal gesehen, wenn ihr
im
Supermarkt wart. Der Herr Müller stellt nämlich lauter Sachen her, die aus
Milch gemacht werden. Naja, eigentlich stellen die Kühe die Milch her, aber
der Herr Müller verpackt sie schön und sorgt dafür, daß sie in den
Supermarkt kommen, wo ihr sie dann kaufen könnt.

Die Sachen, die der Herr Müller herstellt sind so gut, dass sogar der Herr
Bohlen dafür Werbung gemacht hat. Weil der Herr Müller ein Unternehmer ist,
hat er sich gedacht, er unternimmt mal was und baut eine neue Fabrik. Und
zwar baut er sie in Sachsen, das ist ganz im Osten.

Eigentlich braucht niemand eine neue Milchfabrik, weil es schon viel zu
viele davon gibt, und diese viel zu viele Milchprodukte produzieren, aber
der Herr Müller hat sie trotzdem gebaut.

Und weil die Leute in Sachsen ganz arm sind und keine Arbeitsplätze haben,
unterstützt der Staat den Bau neuer Fabriken mit Geld.
Arbeitsplätze hat man nämlich im Gegensatz zu Milchprodukten nie genug.
Also hat der Herr Müller einen Antrag ausgefüllt, ihn zur Post gebracht und
abgeschickt.

Ein paar Tage später haben ihm dann das Land Sachsen und die Herren
von der Europäischen Union in Brüssel einen Scheck über 70 Millionen Euro
geschickt.

70 Millionen, das ist eine Zahl mit sieben Nullen, also ganz viel Geld.
Viel mehr, als in euer Sparschwein passt.

Der Herr Müller hat also seine neue Fabrik gebaut und 158 Leute
eingestellt.

Hurra, Herr Müller.
Nachdem die neue Fabrik von Herrn Müller nun ganz viele Milchprodukte
hergestellt hat, hat er gemerkt, daß er sie gar nicht verkaufen kann, denn
es gibt ja viel zu viele Fabriken und Milchprodukte.

Naja, eigentlich hat er das schon vorher gewußt, auch die Herren vom Land
Sachsen und der Europäischen Union haben das gewußt, es ist nämlich kein
Geheimnis.
Das Geld haben sie ihm trotzdem gegeben.
st ja nicht ihr Geld, sondern eures. Klingt komisch, ist aber so.


Also was hat er gemacht, der Herr Müller? In Niedersachsen, das ist
ziemlich
weit im Norden, hat der Herr Müller auch eine Fabrik. Die steht da schon
seit 85 Jahren und irgendwann hatte der Herr Müller sie gekauft.
Weil er jetzt die schöne neue Fabrik in Sachsen hatte, hat der Herr Müller
die alte Fabrik in Niedersachsen nicht mehr gebraucht, er hat sie
geschlossen und 175 Menschen haben ihre Arbeit verloren.

Wenn ihr in der Schule gut aufgepasst habt, dann habt ihr sicher schon
gemerkt, daß der Herr Müller 17 Arbeitsplätze weniger geschaffen habt, als
er abgebaut hat. Dafür hat er 70 Millionen Euro bekommen.

Wenn ihr jetzt die 70 Millionen durch 17 teilt, dafür könnt ihr ruhig einen
Taschenrechner nehmen, dann wißt ihr, daß der Herr Müller für
jeden vernichteten Arbeitsplatz über 4 Millionen Euro bekommen hat.

Da lacht er, der Herr Müller. Natürlich nur, wenn niemand hinsieht.
Ansonsten guckt er ganz traurig und erzählt jedem, wie schlecht es ihm
geht.

Aber der Herr Müller sitzt nicht nur rum, sondern er sorgt auch dafür, daß
es ihm besser geht. Er ist nämlich sparsam, der Herr Müller.

Sicher kennt ihr die Becher, in denen früher die Milch von Herrn Müller
verkauft wurden. Die schmeckt gut und es passten 500 ml rein, das ist ein
halber Liter.
Seit einiger Zeit verkauft der Herr Müller seine Milch aber in lustigen
Flaschen, nicht mehr in Bechern. Die sind praktisch, weil man sie wieder
verschließen kann und sehen hübsch aus. Allerdings sind nur noch 400 ml
drin, sie kosten aber dasselbe. Da spart er was, der Herr Müller. Und
sparen
ist eine Tugend, das wissen wir alle.

Wenn ihr jetzt fragt, warum solche ekelhaften Schmarotzer wie der Herr
Müller nicht einfach an den nächsten Baum gehängt werden, dann muß ich euch
sagen, daß man so etwas einfach nicht tut.

Wenn ihr aber das nächste mal im Supermarkt seid, dann lasst doch einfach
die Sachen vom Herrn Müller im Regal stehen und kauft die Sachen,
die daneben stehen.
Die schmecken genauso gut, sind meistens billiger und werden vielleicht von
einem Unternehmer hergestellt, für den der Begriff "soziale Verantwortung"
noch eine Bedeutung hat.
_________________
Gaby

Antworten:

Danke Gaby,
das ist eine sehr schöne Geschichte.
Werde sie deshalb gleich kopieren
in in meiner kl. Homepage verewigen!



von Pedy - am 29.10.2005 06:54
hallo,
schön die geschichte... und tja... pech für den herrn müller... weil ich nun wirklich zu den anderen produkten greifen werde....

gut wenn man immer mal bissel wachgerüttelt wird...

so long xavalon



von xavalon1 - am 29.10.2005 07:17
Hallo zusammen!

Alles klar, Herr Müller wird an uns keines seiner Produkte mehr verkaufen.

Die Sache mit Schoko-Milch etc. habe ich sowieso nie verstanden.

Hat in unserem Lande keiner mehr die Kenntnisse, seinen Lieben einen ECHTEN Kakao zu kochen?

Also ich meine nicht so dieses Zuckerzeugs von Kaba usw., sondern Kakao aus richtigem Kakaopulver.

Macht zwar ein bisschen Mühe, aber schmeckt einfach köstlich!
Und für die Pointszähler: den Zucker weglassen oder durch Süßstoff ersetzen!

[www.maexchen1.de]

Angelika (TanteGela)



von Angelika (TanteGela) - am 29.10.2005 08:01
Hallo

ich fass es nicht ... Herr Müller hier im Forum ...

Freut mich, wenn ihr euch diese wahre Geschichte zu Herzen nehmt
und das Zeug von ihm im regal stehen lasst


Herzliche Grüße
Beate



von Beate Mahr - am 29.10.2005 08:09
Müller lass ich schon lang stehen.
Der ist wirklich so ziemlich das Paradebeispiel für fiesen, ekligen, egoistischen Kapitalismus.
Wenn die Bauern in der Umgebung seiner Fabriken nicht zu seinen Dumpingpreisen verkaufen, dann können sie gleich dicht machen, er ist der absolute Monopolist in Sachen Milch. Zum kotzen!



von ulmi205 - am 29.10.2005 08:59
Kleiner Zusatz noch:

Ich kaufe schon seit vielen Jahren nichts mehr von den guten Herrn
und daran wird sich auch für die Zukunft nichts ändern!



von Pedy - am 29.10.2005 09:05
Ich habe ja noch nie etwas von Herrn Müller gekauft aber eines meiner Töchterchen ist sehr empfänglich dafür - hoffentlich gewesen, denn sie bekommt heute auch diese Geschichte.

Ich hätte gedacht, dass Herr Müller wesentlich mehr Angestellte hätte.
Die Geschichte passt gerade wunderbar zu meiner Wut von dieser Woche, wie die Gelder verschwendet werden.

Bei Nordlicht Inge gibt es so lange sie lebt und schon länger im wunderschönen Stadtpark einen alten Wasserturm, in dem die Sternwarte untergebracht ist, "unser Planetarium".
Das war lange geschlossen und wurde renoviert.
Nun ist es seit einiger Zeit wieder geöffnet und hat riesigen Zulauf.
Nun fiel jemandem vom Senat ein, dass das Planetarium doch viel besser direkt an der Elbe stehen könnte - und so wurde auch beschlossen.
Da sprechen wir auch von vielen Millionen (meine 30-40)

Im gleichen Bericht wurde dann von einer hamburger Suppenküche berichtet, die kaum Geld hat um Kindern ein Mittagessen zu geben, die zu Hause nichts bekommen können.

So lange diese Verschwendereien nicht aufhören und wir nicht gefragt werden, so lange hören auch die Schulden nicht auf.

Dann kommt noch dazu, dass die "Amsel" von der Kindergeldkasse einen Aufstand probte, da unsere Tochter in einem Praktikum war und das um 3 Monate verlängert werden sollte - der Lehrstellenbeginn war da eh noch nicht uns sonst hätte sie nur im Bett rumgelegen.
"Frau S, ihre Tochter kann ja nun nicht immer willkürlich ein Praktikum machen!"
Machte sie auch nicht, es war ihr erstes und einziges und darauf wurde ihr eine Ausbildungsstelle in Aussicht gestellt.................................was ja zum Glück auch geklappt hat.

Na ja, solche Beispiele kennen wir mit Sicherheit jeder zu Haufen.

LG von Inge,
die - wenn es nicht zu weit weg wäre - bei der Forums-Landwirtin ihres Vertrauens kaufen würde!!!
und die Tante Gela dankt, die sogar an die "Points-Freunde" denkt!!!

von Inge1 - am 29.10.2005 13:05

Frage an Gaby

Hallo meine liebe Gaby

wo hast du denn die Müller Story her ???

fragt
Beate



von Beate Mahr - am 29.10.2005 14:58

Re: Frage an Gaby

Geheimnis,du kannst nicht schweigen






Gaby



von Gaby - am 29.10.2005 16:34

Re: Eine schöne Geschichte @Beate und Gaby

Hallo Beate und Gaby!

Also irgendwie hab ich die Geschichte diese Woche schon einmal gelesen.

Vielleicht an gleicher Stelle wie ihr??

Liebe Grüße Mond

von Mond - am 29.10.2005 21:15

Re: Frage an Gaby



Huhuuuuu Gaby,


ist ja egal wo du sie her hast....

jetzt habe ich sie ja auch.... und schon unter meinen Favoriten abgespeichert ;o) ;o)


Ich wünsch dir was und grüsse deine Lieben von uns

Vero und Peter



von Veronika Ehrenberg - am 30.10.2005 16:54
Hallo,

also ich finde, dass das Negativbeispiel von Herrn Müller nur eines von vielen ist. Wenn ich sehe, was in der momentanen wirtschaftlichen Situation mit den Arbeitnehmern gemacht wird, könnte ich k.... Allein, was bei uns in der Pampa passiert *Haarerauf*.

So hat ein renommiertes Unternehmen, das unter anderem Heizungen, Durchlauferhitzer und Ähnliches produziert, (wie in letzter Zeit anscheinend bei vielen ohne Not üblich) seinen Arbeitnehmern die Pistole auf die Brust gesetzt, länger zu arbeiten, um ihre Arbeitsplätze zu erhalten. Dafür versprach die Geschäftsleitung, „Arbeit hierher zu holen“. Die Mitarbeiter willigten bei einer Abstimmung aus Angst zu nahezu 90% ein, länger zu arbeiten. Und was passierte? Die Firma schließt ein anderes Werk in Deutschland – die Arbeitnehmer hier arbeiten dafür länger, es gibt wieder ein paar Arbeitslose mehr.

Ein anderes Beispiel auch von uns aus der Pampa: Ein hier gegründetes Unternehmen der Baubranche schließt fünf Jahre nach der Übernahme durch eine große Firma seine Produktion hier, um diese in die Tschechische Republik zu verlagern. Dabei hatte sich die ehemalige Firmenleitung von der Übernahme versprochen, den Werksstandort auf Dauer halten zu können. Auch wieder rund 100 Arbeitslose mehr, was hier schon sehr, sehr viel ist.

Und siehe die Geschichte eines großen Reifenherstellers: Dort hat die Belegschaft im Werk Hannover vor einem halben Jahr der Unternehmensleitung in Bezug auf die Arbeitsbedingungen etliche Zugeständnisse gemacht, wofür diese versprach, die Arbeitsplätze auf mehrere Jahre zu sichern. Pustekuchen! Das Werk in Hannover wird vermutlich zugunsten anderer Standorte im Ausland doch geschlossen.

Und was ist mit der Bank, für die riesige Geldsummen „peanuts“ waren? Die hat einen gewaltigen Gewinn gemacht, dennoch werden noch zigtausend Arbeitsplätze abgebaut. Alles zugunsten der Shareholder Value *würg*. Den Gewinn aus Aktien kann man deshalb meiner Meinung nach ohne Bedenken meistens als Blutgeld bezeichnen.

Aber was soll man insgesamt tun? Die Müller-Produkte kann man ja problemlos im Kühlregal liegen lassen, bei anderen Waren ist das nicht so einfach möglich, z. B. weil es nur wenige Hersteller gibt. Und wenn dann die Ware von einem „Erzkapitalisten“ günstiger, aber dennoch qualitativ besser ist als von einem Mitbewerber, welche kauft man als Otto Normalverdiener dann? Natürlich die preiswertere und bessere, nicht zuletzt, weil man ja vielleicht trotz Mehrarbeit insgesamt doch weniger Geld in der Tasche hat.

Und noch etwas zum Nachdenken: Dass die Produkte der Mitbewerber von Herrn Müller oft billiger sind, hat ja vielleicht auch nicht nur damit zu tun, dass sie weniger beworben werden. Möglicherweise sind die Arbeitsbedingungen in den anderen Produktionsstätten auch nicht gerade gut? Wobei das jetzt kein Plädoyer für den Kauf der Produkte von Herrn M. sein soll – nur etwas zum Nachdenken.

Liebe Grüße

Simone

von Apfelsine - am 30.10.2005 18:08
Hallo Apfelsine,

und ein bekannter Gummiverarbeiter in Hamburg wurde von dem erwähnten Reifenhersteller aufgekauft, dort werden schon innerhalb eines Jahres 1500 Arbeitsplätze vernichtet, der Rest des Unternehmens wird zerschlagen, die Arbeitsplätze landen alle im Ausland. Weder das alte noch das neue Unternehmen hatten wirtschaftliche Schwierigkeiten, so dass man aus Not Leute hätte entlassen müssen.

Mein Mann hat seit der Übernahme (nein, der Betrieb war recht gesund, aber eine Konkurrenz für die Hannover, die Übernahme hat einem Großaktionär, der eh schon vielfacher Millionär ist, noch ein paar Millionen in die Portokasse gespült) nur noch Kopf- und Magenschmerzen.

Eh kein Großverdiener, zur Zeit die Entlassung der Kollegen vor Augen und die eigene nicht unwahrscheinlich, Haus am Hals, nicht mehr jung, etc.
Zum K***en.

Soziale Verantwortung? ein bisschen gesunder Patriotismus? Fehlanzeige, nur Gewinnmaximierung. Kapitalismus pur.

Wütende Grüße

Michaela

von Michaela# - am 31.10.2005 06:42
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