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Plauderforum
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Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
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AnnaS, taks

Zukunftsängste

Startbeitrag von taks am 12.01.2006 20:00

Hallo,

bei uns herrscht wieder Alarmstufe Rot.
Mein Sohn (11 J.) versteht es immer wieder vorzüglich mich in Grund und Boden zu diskutieren.

Wir haben eigendlich immer das selbe Thema: Mein Sohn hat ein Problem und erwartet meine Hilfe. Wenn ich ihm diese anbiete, versteht er nicht was ich will und eigendlich will er sie ja auch gar nicht verstehen.

Denken soll möglichtst ich für ihn.

Beispiel: Mein Sohn soll in 2 Tagen einen kurzen Text in Englich auswendig lernen. Damit fängt er erst an, wenn ich ihn daran erinnere. Dann legt er sich diese Arbeit auf Abends (selbstverständlich muß er Nachmittags ausgiebig spielen) und stöhnt dann herum, wenn die Konzentration am Abend nicht mehr da ist.

Schuld sind die Lehrerin (die Zeit war zu knapp) und ich, denn ich habe keine passende Lösung für seine Lernschwierigkeit parat gehabt und deshalb konnte er ja nichts lernen.

Überhaupt sind immer die anderen schuld. Daß er die Konsequenz selber erleben wird, gibt ihm auch nicht zu denken und er ändert sein Lernverhalten nicht.
An seiner patzigen Antwort "Da hast Du Pech gehabt, Mama." erkenne ich, dass ihm überhaupt noch nicht klar ist, dass es um seine Noten geht und sein Leben.

Seit 6 Schuljahren trage ich ihn mehr oder wehniger durch die Schule und ich bin mit den Nerven und Argumenten am Ende.

Welche Schullaufbahn erleben diese Kinder und wie sieht das Leben nach der Schule aus?????

In 3 Jahren wird er vielleicht die Schule verlassen und was kommt dann?

Auch diese Überlegungen prallen an ihm ab und er will sie nicht verstehen.

Wer hat schon Erfahrungen und Erlebnisse von seinen großen Kindern gesammelt und wie kann man ihnen helfen, sich im Leben allein zurecht zu finden?

Ratlose Grüße
taks

Antworten:

Hallo taks,

wir haben genau dieselben Erfahrungen gemacht. Ich sollte meiner Tochter auch immer fertige Lösungen in den Kopf "beamen".Auch die Antwort war dieselbe...Dein Pech, Mama....

Zusammenfassend kann man sagen, sie macht im schulischen Bereich freiwillig nur das, was ihr Spaß macht oder leicht fällt (mathematisch-naturwissenschaftlicher Bereich). In anderen Bereichen (sprachlich) tut sie nur was, wenn man ihr "eine entsicherte Waffe an den Kopf hält", auf die allerletzte Minute und unter allergrößtem Druck.

Da die Situation zu Hause in der 7. Klasse fast untragbar wurde (erst dann diagnostiziert), haben wir sie auf eine private Ganztagsschule mit HA-Betreuuung gegeben. Dort wird sie mit beiden Händen am Halsband gehalten sozusagen und kann sich den Anforderungen kaum entziehen.

Sie ist eine gute Schülerin (10. Klasse) und möchte Abitur machen. Intellektuell kein Problem bei ihr, aber die richtige Arbeitseinstellung ist nach wie vor nicht da. In der Oberstufe muss man eigentlich freiwillig, selbständig und selbstverständlich lernen. Davon kann keine Rede sein.

Aber wir haben da gar keine Möglichkeit einzugreifen oder sie zu irgendetwas zu bewegen. Das führt sofort zu einer Auseinandersetzung. Wir können nur daneben stehen und hoffen, dass am Ende etwas Brauchbares rauskommt.

Ich mache mir auch sehr oft die Gedanken, die Du Dir machst. Was soll werden ? Ich ertappe mich aber dann dabei, dass ich meinen Blick nur auf die Macken richte und ihre guten Seiten aus dem Blickfeld verliere. Wenn sie die richtige Nische findet, um ihre beachtlichen Fähigkeiten auf bestimmten Gebieten einzusetzen, kann alles gut werden. Wenn nicht....,na ja, sind wir mal optimistisch !

Also für meine Tochter gilt in besonderem Maße der alte Spruch:

"Man kann das Pferd zur Tränke führen, saufen muss es allein !"

Leider habe ich keine Patentlösung für Dich parat. Hilfreich kann es immer sein, die schulische Situation zu optimieren und unter bestimmten Umständen einen Schulwechsel in Kauf zu nehmen, wenn es denn im Einzelfall sinnvoll ist. Ob dieser Fall bei euch vorliegt, kann ich nicht beurteilen.

VG
Anna



von AnnaS - am 13.01.2006 06:30
Hallo Anna,

vielen Dank für Deine tröstenden und verständnisvollen Worte.
Es tut schon gut, wenn man verstanden wird.

Eine private Ganztagsschule gibt es in unserem Umkreis leider nicht, deshalb haben wir auch bewust eine IGS für unseren Sohn gewählt.
Der Druck, der momentan von reinen Gymnasien durch G8 entsteht, wäre für unseren "Michel" nur Streß und Enttäuschung.

Wir warten ja immernoch auf den "Klick im Kopf" und hatten die Hoffnung, daß er auf einer freien Schule ohne Druck etwas motivierter Selbstverantwortung üben kann. In den naturwissenschaftlichen Fächern gibt es auch keine Probleme und seltsamerweise läuft es da gut, sondern alles sprachliche bereitet ihm Ärger und Unlust. Da sind sich unsere Kinder ähnlich.

Unsere Familientherapeutin hat uns empfohlen, sowenig Druck wie nötig auszuüben. Unser Sohn kann nicht eigenverantwortlich handeln, wenn er immer an der langen Leine kontrolliert wird.

Bei etwas Spielraum passiert aber genau das Gegenteil. Wenn ich nicht pausenlos hinter ihm her renne und für ihn denke, tut sich nichts und wer ist dann schuld? Natürlich ich.

Er hat auch große Berufsträume (Pilot). Irgendwie versteht er aber nicht, dass er dafür schon etwas mehr Zeit für seine Schule investieren muss, um diese Ziele annähernd zu erreichen.

Mit 12 Jahren ist er noch sehr kindlich und naiv.
Trotzdem bleibt ihm nicht mehr viel Zeit bis zum Eintritt ins Berufsleben, aber das will er gar nicht hören.

An manchen Tagen möchte ich ihn einfach untergehen und ihn seine Erfahrungen machen lassen und dann wieder kann ich ihn nicht loslassen, denn es bringt leider keine Erfolge.

Gibt es eigendlich Kurse um das Lernen zu lernen?

LG
taks

von taks - am 13.01.2006 08:43
Hallo taks,

die gibt es. Wenn man sucht, wird man sicherlich in der Umgebung etwas passendes finden.

Das haben wir auch schon alles mehrfach durch. Selbst von der Schule aus wurden Kurse angeboten. Es hat ihr Spaß gemacht, aber langfristig gar nichts bewirkt. Das hätten wir uns schenken können. Sie setzt nichts davon im Alltag um und behält ihre alten Verhaltensmuster bei. Mit anderen Worten- Zeit- und Geldverschwendung, wenn Du mich fragst.

Sie weiß theoretisch genau, was wie und wann getan werden muss, kann sich aber nicht aufraffen. Als sie im Alter Deines Sohnes war, habe ich noch einiges zwangsweise durchsetzen können, das geht jetzt mit fast 16 nicht mehr. Das übernimmt nun die Schule, sonst wäre schon längst Ende im Gelände gewesen.

Ich glaube manchmal, das ist das, was unsere Art ADSler in ganz besonderem Maß auszeichnet, sie sind absolut berastungsresistent. Letztens habe ich irgendwo einen Satz gelesen, der mir sehr treffend erschien.....Es gibt Kinder, die Anweisungen von außen nur bei Einsicht absoluter eigener Unterlegenheit ausführen...Das trifft's in etwa.

Ich muss nochmal betonen, dass zur Zeit eigentlich alles im grünen Bereich ist, aber es bleibt auf Grund ihrer Eigenheiten eine Zitterpartie, besonders mit Blick auf die Oberstufe. Was einmal werden soll, wenn die Strukturhilfen der Schule und hier zu Hause nicht mehr da sind, daran wage ich gar nicht zu denken !

Auf den "Klick im Kopf" warten wir auch noch. Man soll die Hoffnung nicht aufgeben. Aber ich kenne leider zu viele Erwachsene, bei denen es offenbar noch nie geklickt hat....

Was Euch angeht, ist die IGS wahrscheinlich schon die optimale Schule. Und meiner Ansicht nach hat Dein Sohn-so wie meine Tochter - ohne massive Unterstützung keine Chance auf einen vernünftigen Start ins Berufsleben. Es ist ja nicht nur so, dass Kinder wie unsere nur einen Abschluss mit etwas schlechteren Noten machen. Weit gefehlt ! Wenn die einmal ins Trudeln kommen, meist so in der 7. Klasse, dann sind sie oft ratzfatz in einem Sturzflug, der nicht mehr augzuhalten ist und rutschen bis ganz unten durch. Ich weiß, wovon ich rede, ist noch mal eben gut gegangen!

Unsere Kinder lernen eigenverantwortlich zu arbeiten sehr, sehr viel später als andere- wenn überhaupt. Man spricht ja von einer Verzögerung der psycho-kognitiven Reife von ca. 30 %. Danach wäre Dein Sohn etwa 8, meine Tochter 12. Bei uns kommt es hin, obwohl sie rein äußerlich schon sehr erwachsen wirkt.

Ich hatte mir damals in der 5./6. Klasse auch x-mal geschworen, jetzt bin ich es Leid, jetzt lass ich sie aufkrachen. Aber wenn ich mich nur ein bisschen zurück gezogen habe, und sei es nur aus der Toni-Kontrolle, versank sie innerhalb kürzester Zeit im Chaos.

Ich fürchte wirklich, Deine Nachmittage in den nächsten Jahren sind schon verplant. :-) Einen bessere Nachricht habe ich leider nicht für Dich.

Mitfühlende Grüße
Anna



von AnnaS - am 13.01.2006 10:02
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