Interview zur sportlichen Zukunft des TSV Helmstedt

Startbeitrag von Sascha23 am 24.03.2004 11:53

"Aus der Breite kommt auch die Spitze"

Interview mit den neuen Vorsitzenden, Wolfgang Kalisch und Ralf Burgdorf, zur sportlichen Zukunft des TSV Helmstedt



Der neue Vorsitzende des TSV Helmstedt ist ein alter Bekannter: Wolfgang Kalisch wurde nach einigen Jahren Pause erneut gewählt. Im Gespräch mit BZ-Redakteur Arne Grohmann äußerte er sich zum Aus für den Leistungshandball, zum Schwerpunkt Gesundheitssport und zum Thema Fusion, dass im Landkreis Helmstedt ein Unwort zu sein scheint. Kalisch wurde vom neuen zweiten Vorsitzenden, Ralf Burgdorf, begleitet und brachte ihn gleich als seinen Nachfolger ins Gespräch.

Die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es ihrem Vorgänger Joachim Arnhold?


Kalisch: Er ist nach seinem Schlaganfall aus dem Krankenhaus entlassen worden und muss jetzt viele Medikamente nehmen, das nimmt ihn schon mit. Aber er bleibt bei uns. Und er ist dorthin zurückgekehrt, wo sein Herz schlägt – zum Fußball. Er soll dort Bindeglied zwischen dem Vorstand und der Fußballabteilung sein.


Sie haben Ralf Burgdorf mitgebracht.


Nachdem sich herausstellte, das Joachim Arnhold nicht mehr für den Vorsitz kandidieren würde, war für mich eigentlich klar, dass einer der Stellvertreter, das wäre für mich Ernst Thiel gewesen, dieses Amt übernehmen sollte. Dann wurde ich angesprochen, habe aber gesagt, dass ich nur antrete, wenn Herr Thiel das nicht machen würde und nur wenn es Zukunftsperspektiven gibt. Und ich mache keinen Hehl daraus, dass ich in Herrn Burgdorf meinen Nachfolger sehe.

Ist es nicht ungewöhnlich, dass Sie gerade frisch gewählt, schon ihren Nachfolger ins Gespräch bringen?


Man muss ja immer sehen, dass das ein Amt auf Zeit ist. Ich war vier Jahre zweiter, 13 Jahre erster Vorsitzender und noch vier Jahre im Wirtschaftsrat. Nun ist eine besondere Situation eingetreten. Machen wir uns doch nichts vor. Jeder hat Angst, dass er das Amt nicht mehr los wird.


Sind Sie ein Interimsvorsitzender?


Nein. Die nächsten vier Jahre, vorausgesetzt ich werde in zwei Jahren erneut gewählt, werden sehr turbulente Jahre, da werden wir viele Weichenstellungen machen. Ich sehe mich überhaupt nicht als Übergangsvorsitzenden. Aber nach vier Jahren sollte es gut sein.


Sie hatten einen harten Einstieg. Parallel zur Wahl kam das offizielle Aus des Oberliga-Handballs beim TSV Helmstedt.


Natürlich tut es weh, wenn klar ist, dass ein erfolgreicher Weg nicht weitergegangen werden kann. Aber mich hat das nicht überrascht. Olaf Haase und Uwe Wacker waren sehr leistungsorientiert. Haase hat es immer wieder geschafft, junge Spieler aus Magdeburg zu holen, die sich hier wohl gefühlt haben. Wir sind keine zusammengekaufte Mannschaft, aber mir war klar, wenn Olaf Haase mal zurück geht, dann erlebt der Handball einen Einbruch. Als ich dann hörte, dass Herr Haase aufhören wollte, da war mir klar, da gehen ein paar Leute mit.


War das Aus des Leistungshandballs wirklich nicht zu verhindern?

Man hat Herrn Wacker gefragt, ob er es macht, hat aber kein eindeutiges Ja bekommen. Herr Haase hat sich selbst auch um Nachfolger bemüht. Es waren auch zwei Leute im Gespräch. Da kamen aber Absagen. Dann stellte sich die Frage, was machen wir? Der Abteilung war klar, dass ein adäquater Nachfolger viel Geld kosten würde. Dieses Ansinnen sollte gar nicht erst an den Vorstand gerichtet werden. Ich hätte es sowieso mit Nein beantwortet.


Ist es am Geld gescheitert?


Der Etat wäre abgedeckt gewesen, bei gleicher Summe. Drauflegen? Nein! Wir haben eine feste Summe gehabt. Es ist nicht am Geld gescheitert. Bei gleichen Spielern wäre das durchaus zu halten gewesen. Nur der Zukauf von drei bis fünf neuen Leuten war nicht drin.


Es wurde gemunkelt, der TSV Helmstedt will sich den teuren Leistungshandball nicht mehr leisten.


Vor der endgültigen Entscheidung wurde in Gesprächen zwischen Handball-Abteilung und Vorstand ein finanzieller Rahmen festgelegt, der die jetzige Mannschaft hätte halten können. Es gab in der Tat Leute, die nachfragten: Ist das überhaupt sinnvoll, in dieser Klasse zu spielen. Dass die natürlich Rückenwind bekommen haben, als es hieß, wir könnten das, wenn wir zukaufen, das ist doch ganz klar. Natürlich gibt es solche Tendenzen.


Nur den Standard zu halten, wäre einem Olaf Haase ohnehin zu wenig gewesen.


Sicher waren die (mit Uwe Wacker) ehrgeizig. Die wollten eine Klasse höher sein. Und zu dem Zeitpunkt, als Herr Haase sagte, ich höre auf, da sah es tatsächlich so aus, als ob unsere Mannschaft keine Perspektive hatte. Wenn wir den jetzigen Erfolg zu Beginn der Saison gehabt hätten, dann wäre vielleicht die Entscheidung nicht so schnell gefallen. Es ist aber toll, mit welcher Moral die Mannschaft noch spielt.


Die Lücke zwischen dem Leistungshandball in der Oberliga und der Jugendarbeit im TSV Helmstedt war zu groß. Das Thema Fusionen im Handball wird im Landkreis Helmstedt aber nicht sehr gerne angesprochen.


Kalisch: Der TSV Helmstedt war im Handballbereich sehr wohl bereit, Fusionen einzugehen. Am TSV ist das nicht gescheitert.


Der HSV gewinnt viele Mitglieder durch seinen Fitnessbereich. Ist das auch ein Weg für den TSV Helmstedt, Fitness- statt Leistungssport?


Kalisch: Wir gehen schon gerade im Gesundheitsbereich einen konzentrierten Weg. Den wollen wir ausbauen. Ich bin im Gespräch mit Krankenkassen. Einer meiner Hauptpunkte ist eine Stärkung der Turnabteilung. Wir sind ja ein klassischer Turnverein. Und da gehört genau dieses Thema hin. Wir müssen in diesem Bereich etwas tun. Nur so können wir jüngere Leute ranholen. Wir müssen überlegen, was junge Leute wollen. Das klassische Verhältnis, das wir kennen, einmal TSV immer TSV, das gibt es nicht mehr. Die wollen ein gezieltes Programm und etwas für ihre Fitness tun. Aber wir werden kein Fitnessstudio aufmachen, da haben wir schon genug Kooperationen. Aber im Gesundheitssport wird in der nächsten Zeit einiges vom TSV Helmstedt zu hören sein.


Ist das die Abkehr vom Leistungssport?


Burgdorf: Mitgliedergewinnung heißt, aus der Breite kommt auch die Spitze. Man braucht für eine Spitze aus der eigenen Jugend auch eine gewisse Breite, so wie wir das im Fußball zum Teil schon haben.

Kalisch: Das ist der beste Weg: Jugendspieler, die aus der A-Jugend in den Herrenbereich aufrücken. Natürlich werden die Spieler auch aus dem Landkreis geholt. Aber unter Heimat verstehe ich den Kreis. Das schaffen wir nicht mehr mit der Stadt Helmstedt. Aus diesem Kreis will ich die besten Jugendspieler haben. Dann sind wir wieder beim Leistungssport.


Wird das Geld, dass jetzt im Handball gespart wird, für die Fußballer, die vielleicht in die Niedersachsenliga aufsteigen, ausgegeben?


Kalisch: Mit Sicherheit nicht. Das kommt nicht in Frage. Wenn Geld eingespart wird, dann geht das nicht in ein anderes einzelnes Projekt.

Mittwoch, 24.03.2004

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