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Informationen zum Thema:
Forum:
Forum Kinder- und Jugendtheater
Beiträge im Thema:
12
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 6 Monaten
Beteiligte Autoren:
Mira Sack, katja

10 Thesen zu Jugendtheater und -kultur

Startbeitrag von Mira Sack am 08.05.2001 10:44

Auf dem Studentenforum des 6. Deutschen Kinder- und Jugendtheater-Treffens begegnen sich Studierende sieben verschiedener Hochschulen und Fachrichtungen zu einem gemeinsamen Austausch. In Seminaren rund um das Thema Jugendtheater und Jugendkultur wird das Festival vor- und nachbereitet. Zu den Studentenforen sind Theatermacher der Jugendstücke zu Gast, so dass an den einzelnen Beispielen anhand konkreter Modelle der Frage nachgegangen werden kann, was Jugendtheater im Kontext aktueller Jugendkultur leisten kann. Anhand der hier vorgestellten Thesen kann der in Berlin begonnene Dialog fortgesetzt werden.

Antworten:

Re: Jugendtheater und Jugendkultur

Jugendkultur in den unterschiedlichsten Spielarten ist subversiv. Die Abgrenzung vom Establishment ist seine Kraft.
Das Kinder- und Jugendtheater hat sich gesellschaftlich emanzipiert. Obwohl staatlich mangelhaft gefördert, gehört es zu den staatserhaltenden Einrichtungen wie andereKulturinstitute, Bildungsanstalten und Schulen auch. Es ist (auch in den alten Bundesländern) längst nicht mehr wie in den 70er Jahren in vielen westeuropäischen Ländern Teil einer subversiven Kultur.Der Anspruch und das Bemühen der Jugendtheater, Teil der Jugendkultur zu sein, steht damit in Widerspruch zu seiner gesellschaftlichen Position und zu seiner gegenwärtigen politischen Situation.

von Mira Sack - am 08.05.2001 11:06

Re: Jugendtheater und Jugendkultur

Das Theater generell kann sich subversive Jugendkultur nur aneignen, wenn es sein eignes subversives Potential ins Spiel bringt. Dies aber kommt kaum zur Geltung, wenn das Theater die jugendliche Attitüde nur nachahmt oder kulturelle Äußerungen der Jugendlichen eins zu eins abbildet, um bei diesem Zuschauer anzukommen.

von Mira Sack - am 08.05.2001 11:09

Re: Jugendtheater und Jugendkultur

Jugendkultur, so unterschiedlich sie in verschiedenen sozialen Gruppen und Richtungen in Erscheinung tritt, ist mal mehr oder mal weniger der gestaltete Ausdruck eines Generationsanspruches. Das war immer so. Neu ist, dass die Jugendlichen heute durch ihre Medienkompetenz über ein erweitertes Instrumentarium verfügen, und sie können diesen Anspruch deutlicher formulieren.

von Mira Sack - am 08.05.2001 11:10

Re: Jugendtheater und Jugendkultur

Eine aktive Medienkompetenz der jungen Leute umfaßt nicht nur die technische Beherrschung, sondern einen kreativen Umgang mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Medien, auch als eine Form des Spiels. Hier tut sich für das Theater die Möglichkeit auf, mit einer ähnlichen kreativen Haltung das Spielpotential der Medien auf eigene Art und Weise zu ergreifen. Das ist die Chance des Theaters in der Sprache der Medien mitzureden.
Wie vermitteln sich mit diesem Anspruch im Theater Geschichten?

von Mira Sack - am 08.05.2001 11:10

Re: Jugendtheater und Jugendkultur

Die Stücke des 2. Studentenforums kreisen, so unterschiedlich sie sind, alle um Familienproblematiken. Familie heute wird mehr und mehr als ein Patchwork verschiedener Verbindungslinien zwischen Kindern, Eltern und Großeltern der ersten, zweiten, dritten Lebensgemeinschaft gesehen. Das die neuen Formen des Zusammenlebens nicht nur ein Mehr an möglichen Kontaktpersonen, sondern auch ein größeres Risiko der Beziehungslosigkeit und Vereinsamung innerhalb und außerhalb der Familien in sich trägt, scheint offensichtlich. Führt der Wechsel der Familie vom Ort der Sicherheit zum Ort der Unsicherheit zu einem Wechsel in der Art der Darstellung bzw. wird in den Inszenierungen auf besondere Art und Weise "Familie heute" sichtbar?

von Mira Sack - am 18.05.2001 10:48

Re: Jugendtheater und Jugendkultur

Auffallend ist, dass alle Inszenierungen Sprache (überwiegend) in der Form des Monologs verwenden. Dadurch wird die erzählte Handlung in die Erinnerung der Protagonisten verlegt. Eine These könnte sein, dass die Familie, verstehen wir sie einmal als Keimzelle des Staates und damit der Politik, sich im Dialog nicht mehr formulieren läßt und die Vereinzelung im Monolog ein Ausdruck der Ohnmacht gegenüber gesellschaftlicher Einflussnahme zeigt. Inwieweit spiegelt dann die monologische Reflexion über eigenes Handeln auch eine politische Haltung wieder, die insbesondere jugendliches Lebensgefühl aufgreift?

von Mira Sack - am 18.05.2001 10:49

Re: Jugendtheater und Jugendkultur

Ein Leben im Monolog ist ein Leben in Einsamkeit. Begegnung findet nicht statt., die Protagonisten dokumentieren ihre eigene Isolation, indem sie den inneren Monolog veröffentlichen, ihn an das Publikum richten. Dadurch verdoppelt sich ihre Perspektive auf gelebtes Leben: in der Erzählung wird das Erlebnis erneut präsent und gleichzeitig wird eine Distanz dazu aufgebaut, aus der heraus der Erzähler auf das eigene Erleben blickt.

von Mira Sack - am 18.05.2001 10:50

Re: Jugendtheater und Jugendkultur

Mit dem Monolog verschiebt sich das zentrale Anliegen des Theaters: Beziehung zwischen Menschen zu zeigen. Der Zuschauer wird auf eine eigentümliche Art und Weise zum eigentlichen Mitspieler gemacht. Er ist der anonyme Adressat, der einzige Zeuge der Erzählung. Er bleibt in der Distanz zum Geschehen, ist gleichzeitig aber auch der eigentliche Ansprechpartner des Darstellers in fast unvermittelter Form. Nur durch ihn findet der Erzähler einen Spiegel, in dem er sich erkennen kann. Ist dieser anonyme Spiegel heute ein typisches Erkenntnismittel unseres Selbst.

von Mira Sack - am 18.05.2001 10:50

Re: Jugendtheater und Jugendkultur

Die dramatische Grundstruktur, das "Zwischen" verlagert sich in den Inszenierungen von den Darstellern auf den Dialog zwischen Zuschauer und Sprecher. Theater rückt näher an Erzählung, an Film, weg von der Darstellung des Geschehens. Verweigert sich hier das Theater der Darstellung bestimmter Themen, ist hier eine Grenze erreicht, an der das Hören dem Sehen überlegen ist, die Zeigefunktion des Theater nur mehr über sprachliche Zeichen möglich ist?

von Mira Sack - am 18.05.2001 10:51

Re: Jugendtheater und Jugendkultur

Die Bilder, der Film, der im Kopf abläuft bekommt einen so hohen Stellenwert, dass sich die Frage stellt, wie der Rezeptionsprozess überhaupt noch zu fassen ist. Dabei fungiert in den unterschiedlichen Inszenierungen der Monolog mal mehr als Kommentar, mal mehr als Bericht über das Geschehen. Immer kommen aber zwischenmenschliche Ereignisse durch eine subjektive Linse zur Sprache. Welche neuen Anforderungen stellt das an den Zuschauer/Zuhörer?

von Mira Sack - am 18.05.2001 10:52

Re: Jugendtheater und Jugendkultur

Na zumindest eine immer "typischere" Darstellungsform des Selbst ... Man denke nur mal an die immer beliebter werdende Selbstdarstellung des Einzelnen in diversen Talkshows, Reality Soaps, "Containern" oder gar im virtuellen Raum ...

von katja - am 26.05.2001 18:59
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