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Bimmelbahn-Forum
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vor 10 Jahren, 10 Monaten
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vor 10 Jahren, 10 Monaten
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Onang, Henning Löther, S.Rassow

Es steht ein Zug in Lindenberg!

Startbeitrag von S.Rassow am 13.01.2007 16:05

Heute im laufe des tages wurde die Seite des Pollo aktualisiert. Ein Bild mit Zug in Lindenberg (oberer Bahnhof). Seht selbst!
www.pollo.de

Antworten:

Zeitschrift "Das Signal" Heft 26+27

:-) Zur Einstimmung oder auch Ergänzung brauchte ja jetzt nur noch jemand den Artikel "Urlaub auf der Schmalspurbahn" (Verfasser ein gewisser Hübner) erschienen im Heft 26/68 Seite 4 bis 7 bzw. Heft 27/68 Seite 11 bis 14 kopieren und samt Bilder hier einstellen, falls das rechtlich gestattet ist. Also ?
*
Ist das genannte Material des Herrn Hübner eigentlich nur als Bericht in der o.g. Zeitschrift erschienen oder wurde das später auch mal für Bücher verwertet ?

von Onang - am 13.01.2007 20:32

gelöscht



von Onang - am 14.01.2007 12:12

Hübner's Pollo-Erinnerungen: Urlaub auf der Schmalspurbahn

Quelle : DDR-Zeitschrift "das Signal"
Informationsdienst für Modellbahnartikel und Modellbau
Heft 26 Jahrgang 1968 Seite 4 bis 7
Heft 27 Jahrgang 1968 Seite 11 bis 14
Herausgeber: ZWK Möbel und Kulturwaren Berlin - Eigenverlag
DDR-Presseamt-Lizenznummer 606 ;-)
Zitat

Urlaub auf der Schmalspurbahn

Sicher können Sie sich, verehrte Leser, unter diesem Titel keine rechten Vorstellungen machen, wie solcher Urlaub aussehen soll, denn sehr häufig verknüpfen sich gerade mit der Urlaubszeit Erinnerungen an lange Bahnfahrten, überfüllte Züge und andere Dinge, die der allgemeinen Stimmung gewaltig Abbruch tun. Und da soll ein Urlaub auf der Schmalspurbahn möglich und vielleicht noch eine Erholung sein ? Gewiss, liebe Leser, es kommt darauf an, wie Sie es selber verstehen zu reisen und und was Sie sich von einem Urlaub versprechen. Doch urteilen Sie bitte einmal selbst.

Im Herbst 1967 standen mir noch einige Tages Resturlaub zur Verfügung, den ich irgendwie sinnvoll anlegen wollte. Auf einer Radtour an die Ostsee hatte ich früher einmal in der Gegend um Perleberg eine kleine Schmalspurbahn gesehen, die mir schon damals außerordentlich gefiel und die ich immer wieder einmal besuchen wollte. Aber von Jahr zu Jahr wurde nichts daraus, bis ich schließlich im letzten Sommer erfuhr, dass nunmehr die Tage dieser Bahn gezählt sind und dass bereits im Winterfahrplan 1967/1968 mit der Stilllegung einzelner Streckenteile zu rechnen sei. Es wurde, wie man so schön sagt, höchste Eisenbahn, wenn man noch etwas sehen wollte.
Ein Blick in das Kursbuch sagte mir, dass es nicht ganz einfach sein würde, in einer angemessenen Zeit das gesamte Streckennetz der Prignitz (Strecken 120c, 120d, 120e und evt. 110c des Kursbuches 1967/1968) abzufahren, da der Personenverkehr auf diesen Strecken nicht sehr stark war. Andererseits versprach aber gerade dieser Umstand manche Überraschung, so dass nach vielem Hin und Her die Reise in die Prignitz doch noch kurz vor Beginn des Winterfahrplanes 1967/1968 zustande kam.
Die Prignitz ist ein vorwiegend landwirtschaftlich genutztes, aber dennoch landschaftlich schönes und abwechslungsreiches Gebiet ca. 100 km nordwestlich von Berlin. Hier treffen die Ausläufer der Bezirke Potsdam, Schwerin und Magdeburg zusammen. Das hat zur Folge, das die historisch entstandenen Verkehrsverbindungen häufig nicht mehr den territorialen Anforderungen genügen und deshalb an Bedeutung verloren haben.
Im Bild 1 sind die Eisenbahnstrecken der Prignitz zusammengefasst, wie sie um 1926 verliefen. Im Einzelnen handelt es sich dabei um folgende Strecken:
1. (Berlin) - Neustadt/Dosse - Breddin - Glöwen - Wittenberg
Spur: 1435 mm
2. Neustadt/Dosse - Kyritz - Pritzwalk - Güstrow
Spur: 1435 mm
3. Wittenberg - Perleberg
Spur: 1435 mm
4. Perleberg - Pritzwalk - Wittstock
Spur: 1435 mm
5. Kyritz - Rehfeld Abzweig - Vettin - Lindenberg - Viesecke - Perleberg
Spur: 750 mm
6. Pritzwalk - Vettin - Lindenberg - Kreuzweg - Glöwen
Spur: 750 mm
7. Kyritz - Rehfeld Abzweig - Breddin
Spur: 750 mm
8. Perleberg - Viesecke - Kreuzweg - Glöwen
Spur: 750 mm
9. Glöwen - Havelberg
Spur: 1435 mm
Im wesentlichen bestehen diese Strecken auch heute noch, lediglich das Teilstück Viesecke - Kreuzweg ist nicht mehr vorhanden, während die Strecke Glöwen - Havelberg nach einer Demontage als 750 mm Schmalspurbahn wieder aufgebaut wurde. Heute unterstehen sämtliche Strecken der Deutschen Reichsbahn.
Zum Besuch des Prignitzer Schmalspurnetzes kamen Pritzwalk, Perleberg, Glöwen, Breddin und Kyritz als Ausgangspunkt in Frage. Von Dessau aus war am besten Kyritz zu erreichen, wobei der D143 (München Rostock) von Dessau Hbf bis Potsdam Hbf, anschließend der D264 (Dresden-Hamburg) von Potsdam Hbf bis Neustadt/Dosse und dann der P 3513 (Neustadt/Dosse - Pritzwalk) bis Kyritz benutzt wurden.
*
In Kyritz verblieben wenige Minuten bis zur Abfahrt der Schmalspurbahn. Um so größer war mein Erstaunen, dass bereits zahlreich vorhandene Reisende ohne Nervosität auf dem kleinen, nur wenig erhöhten Bahnsteig geduldig auf den Zug warteten, obwohl weder in dem zweiständigen Lokschuppen, in welchem direkt die Schmalspurstrecke endete, noch an der davor befindlichen Bekohlung eine Lok zu sehen war. Lediglich einige Personenwagen, von denen man aber nicht genau sagen könnte, ob sie noch betriebsbereit waren, standen versteckt zwischen blühenden Sonnenrosen und rankenden Kürbissen. Das war schon echte Kleinbahnromantik! Zudem meinte es die Sonne an diesem Herbsttag besonders gut, so dass ich auf einer Bank Platz nahm und gespannt war, wie sich das Unternehmen wohl entwickeln würde.
Umso erstaunter war ich, als nach einer geraumen Weile ein einzelner sauber geputzter Triebwagen in der bekannten rot-gelben Ausführung aus einem kleinem Schuppen an den Bahnsteig rangierte und in aller Eile – die Abfahrtszeit war längst vorüber - das recht zahlreiche Gepäck einschließlich einige Fahrräder und Kinderwagen in und an dem Triebwagen verstaut wurde. Zuerst traute ich meinen Augen nicht, aber es war Wirklichkeit. Die Fahrräder wurden ganz offiziell außen an den Triebwagen angehängt. Wie ich mich später überzeugen konnte, war es auf diese Art ohne Schwierigkeiten möglich, acht Fahrräder gleichzeitig mitzunehmen. Kann man da, um einmal im Fahrplandeutsch zu reden, noch von bG oder von oG sprechen ?
Die Fahrt ging los und ich hatte Gelegenheit, neben dem Triebwagenführer auf einem Dienstplatz, der mir freundlicherweise vom Schaffner überlassen wurde, zu sitzen und genau die Strecke zu überschauen. Verblüffend war die Geschwindigkeit, mit der der Triebwagen durch die Landschaft stürmte. Für eine 750-mm-Spur sind 40km/h doch recht ansprechend.
Obwohl auf vielen Haltestellen und Haltepunkten weder jemand ein- noch aussteigen wollte, wurde angehalten, denn inzwischen hatte das Triebwagenpersonal gemerkt, daß sich ein nicht alltäglicher Fahrgast unter die Reisenden gemischt hatte. So war auch bestens dafür gesorgt, das auch jede Station im Bild festgehalten werden konnte. In Gumtow wurde trotzdem ein längerer Betriebsaufenthalt notwendig, um die im Fahrplan festgelegten Fahrzeiten einzuhalten. Dasselbe passierte in Dannewalde. Schließlich hatten wir die Fahrzeit so eingerichtet, daß wir nur wenige Minuten vor Plan in Lindenberg ankamen.
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Lindenberg kann bis zu einem gewissen Grade als Zentrum des Prignitzer Schmalspurnetzes angesehen werden, denn hier liegt der Schnittpunkt der Ost-West-Strecke Kyritz-Lindenberg-Perleberg und der Nord-Süd-Strecke Pritzwalk-Lindenberg-Glöwen. Interessanterweise besitzt Lindenberg keinen Lokschuppen, sondern lediglich eine Wasserentnahmestelle. Eine Anzahl Gleise deutet daraufhin, dass hier in früheren Zeiten mal ein relativ lebhafter Zugverkehr geherrscht haben muß.
Obwohl der Triebwagen, der mich von Kyritz nach Lindenberg gebracht hatte, bestimmt eine Sehenswürdigkeit für jeden Modelleinsenbahner ist, war ich in Lindenberg zunächst enttäuscht, keine Dampflok anzutreffen, zumal die Fahrpläne der sich kreuzenden Strecken einiges in dieser Richtung erwarten ließen. Es sollte auch nicht lange dauern, bis der erst Dampfzug erschien. Es handelte sich dabei um einen Personenzug mit Güterbeförderung (PmG), bestehend aus einem Güterwagen, einem Personenwagen und einem Dienstwagen. Dieser Dienstwagen hatte neben der Gepäckbeförderung gleichzeitig auch noch die Funktion des Bremswagens, denn von hier aus wurde die Heberlein-Bremse (Bindfadeneinsenbahn) betätigt.
Im Laufe des weiteren Nachmittags kam auf dem Bahnhof Lindenberg Hochbetrieb auf, denn inzwischen war der einzige am Tage von Glöwen her kommende ´Personenzug mit der Lok 99 593 eingefahren, während von Perleberg aus ein reiner Güterzug, bestehend aus dem obligatorischen Dienstwagen und einem Güterwagen angekommen war. Auf dem Bild 7 ist das Stelldichein der beiden Züge an der Wasserentnahmestelle zu sehen.
An diesem ersten Urlaubstag auf der Schmalspurbahn stand trotz der fortgeschrittenen Zeit noch eine Fahrt nach Pritzwalk aus. Diesmal handelte es sich um einen aus mehreren sächsischen Personenwagen bestehenden Personenzug, der, von Glöwen kommend, in Lindenberg Kopf machte und nach Pritzwalk weiterfuhr. Am Zugende lief ein Perronwagen, der aber leider nicht für den allgemeinen Reiseverkehr vorgesehen und deshalb abgeschlossen war. So drohte eine herrliche Fahrt mit Blick auf die Streck ins Wasser zu fallen. Als jedoch der Zugführer hörte, worauf es mir ankam, schloß er bereitwillig diesen Wagen auf. Ich möchte ihm an dieser Stelle noch einmal danken. Diese Fahrt nach Pritzwalk führte durch eine wunderschöne Heidelandschaft und wird mir immer in Erinnerung bleiben. Schon die einzelnen Stationsnamen sind reizvoll und lassen der Phantasie ein reiches Betätigungsfeld: Klenzenhof, Mesendorf, Bullendorf, Kuhsdorf und Holzländerhof.
*
Von Pritzwalk selbst ist nicht viel zu berichten. Die Schmalspurbahn kreuzte kurz vor der Einfahrt schienengleich die vollspurigen Strecken Perleberg-Pritzwalk und Putlitz-Pritzwalk, wobei auch für die Schmalspurbahn Tageslichtsignale vorgesehen waren. Der nördlich vom Vollspurbahnhof gelegene Schmalspurbahnhof besteht heute im wesentlichen nur noch aus dem Bahnsteig und einem Umfahr-Gleis; früher müssen jedoch ausgedehntere Gleisanlagen vorhanden gewesen sein.
Am nächsten Morgen ging es zurück nach Lindenberg, um dort den einzigen nach Glöwen verkehrenden Personenzug zu erreichen. Auf diese Strecke war ich deshalb besonders gespannt, weil im Kursbuch schon jahraus, jahrein lediglich dieser eine Zug aufgeführt war. Ich konnte mir gar nicht so recht vorstellen, wie es auf der Strecke wohl aussehen mochte. Doch zunächst bot sich in Lindenberg ein herrliches Motiv in Gestalt eines Personenzuges. Dieser Zug bestand aus einem einzigen Personenwagen und dem Dienstwagen und sollte denjenigen Modelleisenbahnern zum Vorbild dienen, die stets unter Platzmangel zu leiden haben. Auch der vom Vortage gut bekannte Triebwagen war schon wieder fleißig und verlies gut besetzt den Bahnhof Lindenberg Richtung Pritzwalk. Dann nahte der große Augenblick, wo sich der Zug nach Glöwen in Bewegung setzen sollte. Vorher hatte ich - natürlich mit Genehmigung des Bahnhofvorstehers - versucht das total eingerostet Richtungsschild “Glöwen” zu ziehen, was mir nach großer Mühe dann auch gelang. Das war eigentlich befremdend, dass auf eine ordnungsgemäße Ankündigung der Züge gar keinen Wert gelegt wurde. Oder sollten die Reisenden von sich aus über den Betriebsablauf Bescheid wissen ?
Die Fahrt nach Glöwen verlief insofern recht eigenartig, da der Zug mehr Wagen als Fahrgäste hatte, jedoch bot die Streck einzigartige Eindrücke. Die Haltestellen und Bahnhöfe lagen verträumt in der Landschaft, und wenn man nicht genau hinsah, konnte man sie einfach übersehen. Auf dem Bahnsteig des Bahnhofes Krams - der Zug wird hier nur ein- oder zweimal in der Woche halten müssen - befanden sich in einem kleinem Stall sogar ein paar richtige Schweine. Das kommt nicht auf jedem Bahnhof der Reichsbahn vor.
Obwohl ich nicht die Aussichtsplattform des letzten Wagens verließ und mächtig aufpasste, hätte ich bald den Bahnhof Kreuzweg generell und damit den ehemaligen Abzweig nach Viesecke übersehen. Das machten das hohe Gras und die vielen Büsche, die das gesamte Bahnhofsgelände restlos vor den Augen der Reisenden verbargen. Allzuviel Züge fuhren hier nie; die zum Teil verfallenen Bahnhofsanlagen lassen aber vermuten, dass der Reiseverkehr doch ziemlich stark gewesen sein muß, zumal Kreuzweg als Umsteigebahnhof sicher eine gewisse Bedeutung besaß.
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In schneller Fahrt wurde ohne große Zwischenhalte Glöwen erreicht. Schon unterwegs erkundigte ich mich beim Zugpersonal, ob die südlich der Hauptbahn Berlin-Wittenberge gelegen Schmalspurstrecke Glöwen-Havelberg eine direkte Verbindung mit dem Prignitzer Schmalspurnetz hat. Das war jedoch nicht der Fall, wenn auch vereinzelt Schmalspurwagen von einer Bahn auf die andere übergingen. Man benutzte dazu einen vollspurigen Plattformwagen, der ein 750 mm Schmalspurgleis trägt. Nachdem der zu überführende Wagen über eine entsprechende Rampe auf den Plattformwagen gefahren wurde, wird dieser in einer Sägefahrt bis zur anderen Schmalspur rangiert und dort in ähnlicher Weise entladen.
Über die Strecke Glöwen - Havelberg soll an dieser Stelle nur soviel gesagt werden, dass sie nicht zum eigentlichen Schmalspurnetz der Prignitz gezählt werden kann. Der gesamten Bahn sieht man es an, das sie früher einmal eine vollspurige Strecke der KPEV war. Interessant ist jedoch, das sie im Gegensatz zu den übrigen Schmalspurbahnen einen regen Güterverkehr mit aufgebockten Vollspurwagen besitzt, der vornehmlich aus dem Güteraufkommen des Havelberger Hafens entsteht.
Von Havelberg über Glöwen nach Lindeberg zurückgekehrt, wurde der zweite Urlaubstag auf der Schmalspurbahn noch dazu benutzt, den Streckenabschnitt Lindenberg-Perleberg kennen zu lernen. Landschaftlich kam hier zeitweise eine gewisse Eintönigkeit auf, da die Strecke kilometerweit schnurgerade neben der Chaussee Berlin-Hamburg einher führte. Hier ist auch der ehemalige Bahnhof Viesecke zu finden. Nach Auskunft des Zugpersonals sollen früher ein kleiner Lokschuppen und ein Bahnhofsgebäude mit Übernachtungsmöglichkeiten für das Fahrpersonal sowie ein kleiner Wasserturm vorhanden gewesen sein. Heute ist Viesecke lediglich ein Haltepunkt.
Perleberg besitzt die größten Anlagen innerhalb des Prignitzer Schmalspurnetzes und so konnte ich auch etliche abgestellte uralte Personen- und Güterzugwagen ausmachen, die das Herz vieler Modelleinsenbahner höher schlagen lassen würden. Eines fehlte jedoch an dieser Stelle: die Kleinbahnatmosphäre. Denn trotz schöner Motive und Kuriosität darf nicht übersehen werden, dass auch die Schmalspurbahn Werkstätten und technische Einrichtungen haben muss, die manchmal gar nicht so recht in die idyllischen Vorstellungen über eine Schmalspurbahn passen.
Glücklicherweise stand aber innerhalb des Prignitzer Schmalspurnetzes noch eine andere Strecke offen, die es zu besichtigen galt, nämlich Kyritz - Rehfeld-Abzw. - Breddin. Nach dem Fahrplan und dem Umstand, dass mir ein Teil der Strecke (Kyritz - Rehfeld Abzw.) bereits bekannt war, hätte ich bald auf den restlichen Streckenabschnitt nach Breddin verzichtet. Als ich jedoch hörte, das der Zug in Barenthin mitten auf der Dorfstraße unmittelbar bis vor das Gasthaus zur Eisenbahn fahren würde, stand es für mich fest, trotz Schieneersatzverkehr zwischen Pritzwalk und Kyritz und langer Wartezeit in Kyritz nach Breddin zu fahren.
*
Schon in Kyritz begann die Fahrt außerordentlich schön zu werden. Zusammen mit der Lok 99 557 wurden 3 Personenwagen mit Längssitzen und ohne Toiletten sowie 2 Gepäckwagen, von denen der eine wieder als Bremswagen fungierte, als Personenzug nach Breddin bereitgestellt. Eine recht große Anzahl von Reisenden fand sich dann auch bis zur Abfahrt des Zuges ein und belegte den größten Teil der vorhandenen Sitzplätze. Bis Rehfeld Abzweig verlief die Fahrt ohne Halt, doch hier musste dann die Weiche für das Gleis nach Breddin gestellt werden. Dann ging es in gemächlicher Fahrt durch Wälder, Felder und Heide. Mit einem langen Pfiff und lebhaftem Gebimmel kündigte sich der Zug dem Dorf Barenthin an und fuhr sogleich in die Dorfstraße ein. In der Mitte des Dorfes befand sich der Haltepunkt Barenthin und daneben das Gasthaus zur Eisenbahn. Die meisten Leute stiegen hier aus und diejenigen, die weiterfahren wollten, nutzten genauso wie das Zugpersonal die günstige Gelegnheit, noch Mittag zu essen oder einige Einkäufe zu tätigen. Nach reichlichem Aufenthalt wurde die Fahrt Richtung Breddin fortgesetzt. Hier - und das trifft auch für Glöwen zu - liegt der Bahnsteig direkt am Streckengleis, während sich die Rangier und Abstellgleise erst in einiger Entfernung daran anschließen. Obwohl der Zug bis zur Rückkehr nach Kyritz noch über eine Stunde Zeit hatte, wurden die Rangiermanöver doch sehr schnell ausgeführt und der Zug zur Abfahrt im Schmalspurbahnhof Breddin bereit gestellt. Das Lokpersonal lagerte sich unter einem Baum auf der Wiese, der Zugführer machte ebenfalls ein klein wenig die Augen zu, und auch ich setze mich auf den Perron des letzten Wagens, um ein wenig auszuruhen.

Das war sie also, die ich schon lange suchte, über die schon soviel berichtet wurde, die ganz echte “Heidekrautbahn”. Es war kaum zu fassen, dass sie den gewaltigen technischen Fortschritt unserer Zeit bis jetzt entgehen konnte. Während auf der in unmittelbarer Nähe gelegenen Hauptstrecke die Schnellzüge nach Berlin, Schwerin oder Hamburg in wenigen Sekunden durch den Bahnhof Breddin donnerten, stand hier die kleine Bahn, unbeachtet und unentdeckt von den Reisenden, in der Mittagssonne unter Kiefern und am Rande des großen Geschehens. Ich war zufrieden hier draußen bei dem Bähnchen zu sein und in ihr ein echtes Stück alter Eisenbahnromantik gefunden zu haben.
Auf der Rückfahrt nach Kyritz überwog aber doch bald eine Abschiedsstimmung, denn wahrscheinlich war das meine letzte Fahrt auf dem Prignitzer Schmalspurnetz überhaupt. In kurzer Zeit wird auch diese Bahn dem Verkehrsträgerwechsel zum Opfer fallen und nur Bilder werden an diese schöne und interessante Schmalspurbahn erinnern.
Ja, liebe Leser, das war mein Urlaub auf der Schmalspurbahn. Es wäre wünschenswert, wenn ein kleines Stück dieser Bahn als eine Art Museumsbahn der Nachwelt erhalten bleiben würde, denn gerade die zuletzt genannte Strecke Kyritz-Breddin verkörpert in idealer Weise alle diejenigen Merkmale, die das Gesamtbild der so viel besungenen “Heidekrautbahn” ausmachen.
Vielleicht fahren Sie auch noch einmal zu ihr hin ?
Hübner

Das war es. Und vielen Dank an den mir leider völlig unbekannten Herrn Hübner (aus der Gegend von Dessau ?) .

von Onang - am 14.01.2007 15:59

Re: Hübner Pollo-Erinnerungen

Zitat

Onang schrieb:

....Fortsetzung erwünscht ?


JAAAAAA !!!!!

Gruß Henning

von Henning Löther - am 14.01.2007 19:46

Re: Hübner Pollo-Erinnerungen

Aber nur für Dich ;-) Vielleicht kann auch noch ein anderer Freund die Bilder hier Einstellen, die Bilddruckqualität in der Zeitschrift war aber leider zumeist sehr grauenhaft.

von Onang - am 14.01.2007 20:37

Re: Hübner's Pollo-Erinnerungen: Urlaub auf der Schmalspurbahn

Danke für die Mühe. Ein toller Bericht, den ich mit Freude gelesen habe.

Gruß Henning

von Henning Löther - am 20.01.2007 21:44
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