Hermann Radau in Düsseldorf / Westdeutsche Maschinenfabrik in Liblar

Startbeitrag von Martin Schiffmann am 09.12.2012 18:02

Hermann Radau in Düsseldorf / Westdeutsche Maschinenfabrik in Liblar

Anbei ein paar Ergänzungen/Anmerkungen zu zwei privaten Lokomotivreparaturwerken im Rheinland, die auch für Werkbahnfreunde von Interesse sein dürften. Schon seit ca. 11 Jahren versuche ich, mehr über diese nicht mehr existenten Firmen herauszufinden. Evtl. kann ein Leser mit weiteren Angaben dienen?


1) Firma Hermann Radau, Düsseldorf-Reisholz

Die Firma existiert leider nicht mehr, letzte Nachweise fand ich aus dem Zeitraum späte 1950er Jahre bis ca. 1965. Sie befand sich auf der Oerschbachstraße in Düsseldorf-Reisholz. (Das ist jene Straße, die parallel zu den DB-Gleisen und dem Rbf der Industriebahn-Düsseldorf-Reisholz (IDR) verläuft).
Ende der 1990er Jahre habe ich das Gelände bzw. die Gegend intensiv per Fahrrad abgesucht, heraus kam lediglich die Anmerkung eines älteren Herrn, dass evtl. das heutige Gelände des Schrottplatzes der Fa. Günter & Lochte das frühere Radau-Gelände gewesen sein könnte.
Bereits vor dem 2 WK hat die Fa. Radau mit Eisenbahnbedarf gehandelt (Schienen, Schwellen, Ersatz- und beschlagteile für Waggons, Feldbahnmaterial) sowie mit Schienenfahrzeugen gehandelt (Waggons, Loks). Zusätzlich unterhielt man ein Ausbesserungswerk für Dampfloks für Industrie- und Werkbahnloks, nach 1945 dann ein Reparaturwerk für Dieselloks. Die Fa. Radau war also eine direkte Konkurrenz für Firmen wie z.B. die Lokomotivfabrik Reuschling in Hattingen/Ruhr.

Aus Unterlagen, die ich einsehen konnte, ging auch hervor, dass nach 1945 die Fa. Radau manch rheinische Werkbahndampflok vor Ort in Reisholz verschrottet hat.
Die Firma Radau führte auch Buch über die dort untersuchten Werkloks - leider ist es mir bisher nicht gelungen, einen ehemaligen Mitarbeiter dieser Firma ausfindig zu machen. Ich würde viel um eine Akteneinsicht geben- so wie vmtl. 95% der hier mitlesenden.


2) Westdeutsche Maschinenfabrik in Liblar

Über die Westdeutsche Maschinenfabrik in Liblar ist auch noch nix "vernünftiges" ans Licht der Öffentlichkeit gelangt.
Daher jetzt zunächst die kurze Geschichte für "Nicht-Rheinländer" bzw. solche, die es interessiert:

1) Nach Schaffung des berühmten pr. Kleinbahngesetz von 1892 überzog das aus Stettin stammende Firmenimperium des Herrn Lenz den preus. Staat mit einer Fülle von Kleinbahnen (Regelspur, bekanntermaßen auch Schmalspur)

2) Ein Schwerpunkt seines Schaffens war das Rheinland im Großraum Köln – Düren - Aachen (Geilenkirchener Kreisbahn, Euskirchener Kreisbahn, Bergheimer Kreisbahn usw.). Da lohnte es sich für den guten Herrn Lentz, in der "Mitte" seines rheinischen Betätigungsfeld eine eigene Hauptwerkstatt (= privates Ausbesserungswerk) zu errichten.
Dieses Ausbesserungswerk wurde in Liblar (heute Teil von Erftstadt süd-westlich von Köln) errichtet. Spätestens nach dem Ende des 1. WK wurde es selbständig und firmierte als Westdeutsche Maschinenfabrik. Neben der Reparatur von Dampfloks aller Art war man spätestens seit Beginn der Großbauprojekte im 3. Reich ein Fachbetrieb für die Reparatur von Baumaschinen (Dampfkräne, Dampfraupenbagger usw.).

So lies die Krefelder Eisenbahn seit 1920 bis Anfang der 1950er Jahre ihre Dampfloks teilweise in Liblar untersuchen, hauptsächlich schickte die Krefelder Eisenbahn aber lediglich ihre Kessel dorthin zur Reparatur. Nach 1945 wurden in Liblar Dieselloks untersucht. U.a. wurden hier Dieselloks der Britischen Streitkräfte (Rheinarmee) repariert.

3) In den 1960er Jahren "verschwand" die Firma plötzlich, Kollegen aus dem Raum Bergheim meinten, dass eine Insolvenz das Ende herbeiführte.
Schon seit Jahren versucht Herr Wall vom bekannten Kleinbahnverlag Schweers & Wall (heute in Köln, früher in Aachen ansässig), eine Art "Lieferliste" bezüglich der in Liblar durchgeführten Lokuntersuchungen zu erstellen oder aufzutreiben, aber auch er ist bis jetzt nicht zum Ziel gelangt.
Vielleicht können einige Leser mehr zur Geschichte dieses privaten Ausbesserungswerk beitragen, gute Ansätze haben ja die Kollegen aus Köln schon gemacht. Möglicherweise haben viele Werkbahndampfloks aus dem rheinischen Braunkohlerevier hier ihr Ende gefunden. Ebenso würde mich interessieren, wo die Werkloks der Mechernicher Bleiwerke (gelegen in der Eifel) ihre regelmässigen Kuraufenthalte verbrachten.

Soweit für heute vom Niederrhein

Martin

Antworten:

Hallo!

Zumindest in den 1920´er Jahren hatten die Mechernicher Bleiwerke eine große Werkstatt die sogar Waggons, nicht nur für den eigen Bedarf sondern auch für den Verkauf an fremde Firmen, produzierten. Die werden wohl damals die Loks selber gewartet haben.

von Michael Kelter - am 21.04.2013 22:50
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