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L-NV - Straßenbahn, Bus und Eisenbahn in Leipzig
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 13 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 13 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
Nik2004, Oliver W., Lutz G., carsten L.E., Andreas M

neue S-Bahn-Strecke L-HAL

Startbeitrag von Nik2004 am 06.01.2005 19:45

Ich habe einen Frage zur neuen Strecke der Leipzig-Hallenser S-Bahn.
Wie wurde die Strecke eigentlich zu DDR-Zeiten genutzt?
Ich persönlich erinnere mich speziell an den eingleisigen (?) Bahnübergang an der Slevogtstraße, weiß aber nicht mehr, ob ich jemals dort einen Zug habe fahren sehen. War das eine Strecke für den Güterverkehr oder eine Anschlußbahn? Oder gab es dort auch schon zu DDR-Zeiten die Verbindung Richtung Halle?
Vielleicht kann jemand etwas Licht in's Dunkel bringen.

Nik

Antworten:

Hallo,

also diese Strecke war eine reine Güterstrecke.

Gut Ausnahmen gab es auch, u.a. als in den 90ern eine Fliegerbombe im Bereich der neuen B2 in Höhe der Eisenbahnbrücken gefunden wurde und der Personenverkehr über die Strecke umgeleitet wurde.

Hinter dem Bü in der Slevogtstraße zweigte ein Anschlußgleis zur dortigen Kaserne ab.

Die Reste des Gleises und des Anschlußes kann man heute noch am neuen Hp Olbrichtstraße erkennen.

Ursprünglich war die Strecke ja 2 gleisig, doch nach dem 2. Weltkrieg ging so einiges nach Rußland...
Das die Strecke 2 gleisig war, erkennt man noch heute an diversen Brückenköpfen.

Zu DDR Zeiten war die Güterstrecke sehr gut ausgelastet, ich schreibe aus Erfahrung da meine Eltern ganz in der nähe der Strecke wohnten.

Anbei noch ein Bild, von dem vielleicht letzten planmäßigen Zug auf der Strecke vor dem Umbau.
232 443 zieht im März 02 einen Meßwagen über die Strecke und passiert den BÜ Slevogtstraße:


© Uwe Berger

MfG
Oliver

von Oliver W. - am 06.01.2005 20:19
Danke für die Infos. Wo ging die Strecke hin? Und gab es auch in den 90ern dort regen Güterverkehr?

Nik

von Nik2004 - am 06.01.2005 20:39

Re: Streckenverlauf

Hallo,

also die Strecke verläuft eigentlich heute noch genauso wie früher.

Die Strecke verlief im Rangierbahnhof Wahren auf dem Rand und führte eigentlich bis zum Hbf.

Auf dieser Strecke wurde u.a. Kohle für das kohlekraftwerk in der Eutritzscher Straße heran gefahren.
Zum anderen waren ja auf der Ost- und Westseite des Hbf diverse Güterabfertigungshallen gebaut.

Also ich kann mich an diverse Bauriehe erinnern die täglich über die Strecke fuhren, u.a. Holzroller, 243er, Taigatrommel und Ludmillas.
Zufällig liegt auch gerade vor mir nen Bild von nen Kumpel, welches die 120 063 (Taigatrommel) mit nen vollen Kohlezug in bahnhofsnähe zeigt, das Aufnahmedatum war der 20.12.91.

Sehr zum empfehlen ist auch das Buch "Hauptbahnhof Leipzig" vom Transpress verlag, auf den Seiten 220/221 ist eine schöne Farbaufnahme abgebildet, wo man auch den regen Güterverkehr sieht.

Wenn du heute mit der S10 den Hbf in richtung Halle verläßt, erkennst du noch Güterabfertigungshallen auf der linken Seite und auch eine Vielzahl von verrosteten Gleisen auf der linke Seite. (Bereich Roscher/ Eutritzscher Straße)

Für weitere Details zum Gütertransport auf der Schiene kann bestimmt auch Lutz G. eniges schreiben....

MfG
Oliver

von Oliver W. - am 06.01.2005 21:43

Re: Streckenverlauf

Danke für die Infos, Oliver! Jetzt bin ich im Bilde.

Nik

von Nik2004 - am 07.01.2005 18:21

Re: Streckenverlauf

Die heutige Strecke der S10 ist ja einer der "historischsten" (welch Worthülse!) Strecken in Deutschland. Schon 1840 rollten hier Züge von Leipzig nach Magdeburg, wenn ich mich recht entsinne war dies auch die erste zweigleisige Strecke (L-DD wurde erst danach das vorbereitete zweite Gleis gelegt). Außer den wenigen Metern am Hauptbahnhof ist es noch die komplett alte Trasse, was ja bei L-DD nicht geagt werden kann, denn die verlief entlang der heutigen Meckelnburger Straße und Eisenbahnstraße.

Übrigens empfinde ich es interessant, Gohlis im Vorüberfahren von "hinten" anzusehen!

Das Bild von der BR232 ist ja echt der Hammer, ich wähnte schon das letzte rollende Exemplar in meiner Bilderkiste. Irgendwann 1998 oder 1999 war ich auf der Brücke über die Erschließungsstraße der Kleingärten am Viadukt in Wahren stolziert um den Viadukt selbst zu fotografieren, da musste ich doch tatsächlich einem Holzroller mit Güterzug gen Wahren ausweichen! Wenige Minuten später fuhr er "unten" auf dem Güterring gen Wiederitzsch nochmals vorbei.

Und zu Kinderzeiten....ach was, ich schreib bestimmt mal wieder eine Geschichte ;-)

mfg

von carsten L.E. - am 07.01.2005 23:18

Re: Streckenverlauf

Zitat

Die heutige Strecke der S10 ist ja einer der "historischsten" (welch Worthülse!) Strecken in Deutschland. Schon 1840 rollten hier Züge von Leipzig nach Magdeburg, wenn ich mich recht entsinne war dies auch die erste zweigleisige Strecke (L-DD wurde erst danach das vorbereitete zweite Gleis gelegt). Außer den wenigen Metern am Hauptbahnhof ist es noch die komplett alte Trasse, was ja bei L-DD nicht geagt werden kann, denn die verlief entlang der heutigen Meckelnburger Straße und Eisenbahnstraße.


Und zum vievielten Male wurde die Strecke neugabaut?
Ich dachte die alte wäre offiziell stillgelegt und später vielleicht wegen der Fördermittel neugebaut worden.

Andreas

von Andreas M - am 08.01.2005 13:26

Re: Streckenverlauf

Hallo,

wenn mich Oli schon so auffordert, muß ich natürlich doch meinen Senf dazugeben.

Zitat

Die heutige Strecke der S10 ist ja einer der "historischsten" (welch Worthülse!) Strecken in Deutschland. Schon 1840 rollten hier Züge von Leipzig nach Magdeburg, wenn ich mich recht entsinne war dies auch die erste zweigleisige Strecke (L-DD wurde erst danach das vorbereitete zweite Gleis gelegt). Außer den wenigen Metern am Hauptbahnhof ist es noch die komplett alte Trasse, was ja bei L-DD nicht geagt werden kann, denn die verlief entlang der heutigen Meckelnburger Straße und Eisenbahnstraße.


Jein. Die alte Leipzig-Magdeburger Eisenbahn war nur bedingt die erste zweigleisige Strecke, die LDE (Leipzig-Dresdner Eisenbahn) war auch hier schneller. Allenfalls die Bezeichnung "durchgehend zweigleisige Eisenbahn" kann man gelten lassen: Leipzig - Magdeburg durchgehend zweigleisig eröffnet am 18. August 1840; Leipzig - Dresden ab 1. Oktober 1840 durchgehend zweigleisig, nachdem bei der durchgehenden Eröffnung am 7./8. April 1839 vorerst noch große Teile der Strecke (etwa 60%) eingleisig waren, das Planum für das zweite Gleis jedoch fix und fertig vorbereitet war. Ich glaube, die etwa 40 Tage Unterschied sollte man den alten Herren nachsehen. Während bei anderen Bahnen von Anbeginn im Rechtsverkehr gefahren wurde, hatte die LDE übrigens das englische Prinzip des Linksfahrens übernommen und wurde mindestens bis nach 1861 so betrieben.

Die "komplett alte Trasse" stimmt bei der Magdeburger Bahn leider auch nicht ganz, diese lag bis etwa zum heutigen Haltepunkt Olbrichtstraße teilweise (ganz schön) mehrere Meter weiter südwestlich. Die heutige Blochmannstraße stellt in ihrer geschwungenen Führung einen Teil der alten Bahntrasse dar. Vor der heutigen Einmündung der Theresienstraße in die Delitzscher Straße wurde letztere niveaugleich gekreuzt - nach Eröffnung der LPE (später GLSt) warteten die Straßenbahnwagen sicherlich oft vor den geschlossenen Schranken. Weitere Schranken gab es u.a. an der Lützowstraße, Saßstraße, Lindenthaler Straße, Breitenfelder Straße und Wiederitzscher Straße. Das alte Schrankenwärterhäuschen an der Breitenfelder Straße hatte, im Winkel zwischen dem Einschnitt der Verbindungsbahn (heutige S-Bahn-Trasse) und dem gelben Klinkersteinviadukt eingeklemmt, bis in die jüngste Zeit überlebt und ist leider dem S-Bahn-Bau zum Opfer gefallen.

Auch diese historische Trasse wurde in früher Zeit vor allem im Bereich des späteren Freiladebahnhofs Eutritzsch mehrfach umgelegt und nach Übernahme der Thüringer Eisenbahn durch den Preußischen Staat erfolgte eine Zusammenfassung von Thüringer und Magdeburger Eisenbahn auf einem kurzen Stück Gemeinschaftstrasse (mit getrennten Streckengleisen). Nun konnten die Züge wahlweise den Magdeburger oder den Thüringer Bahnhof anlaufen. Auch dieses Kapitel ist sehr umfangreich. In der Nacht vom 30.09. zum 01.10.1907 fuhr der letzte Zug auf der alten Strecke. Sogar die Nummer der Lokomotive und der Name des Lokführers sind überliefert, da dieser letzte Zug auf dem Thüringer Bahnhof von Vertretern der preußischen Eisenbahnverwaltung (u.a.dem späteren ersten Vorsteher des Bw Leipzig West, in Betrieb ab 1908) würdig empfangen wurde. Ab 01.10.1907 diente der bisherige Magdeburger Bahnhof als "provisorischer Thüringer Bahnhof", die Thüringer Züge fuhren über die nun ausgebaute bisherige Güterverbindungsbahn (heutige S-Bahn-Trasse über Gohlis). Die Magdeburger Züge benutzten ab diesem Tag die ab Wahren völlig neu gebaute Strecke über Wiederitzsch, welche bei Mockau die alte Berliner Bahn erreichte, und endeten vorläufig im Berliner Bahnhof.

Die alten Trassen der Thüringer und der Magdeburger Bahn wurden in der Folge völlig abgetragen und etwas weiter nordöstlich und nun hochgelegt die neue Trasse errichtet. Die bekannten gelben Klinkersteinviadukte bei Gohlis, deren Bau schon mit dem oben erwähnten Umbau der Verbindungsbahn begonnen worden war, nahmen nun die Strecke auf. Am 1. Oktober 1912 wurde der alte Magdeburger Bahnhof, seit 1907 "provisorischer Thüringer Bahnhof", endgültig geschlossen und sofort abgerissen, um Platz für das Empfangsgebäude des neuen Leipziger Hauptbahnhofs zu machen. BIs dahin war auch der Magdeburg-Thüringer Güterbahnhof völlig umgebaut und in die neuen Gleisanlagen des Hauptbahnhofs eingebunden. An die alten Anlagen erinnern noch heute die tiefer (auf dem alten Geländeniveau) liegenden Anlagen des Eutritzscher Freiladebahnhofs, selbst einige Gebäude aus der alten Länderbahnzeit haben dort bis heute überlebt. Der MTh-Bahnhof als großer preußischer Gbf für die Stadt Leipzig (das sächsische Pedant war der Dresdener Bahnhof) wurde über die völlig neu errichtete und hochgelegt Strecke auf alter Trasse mit dem dem ebenfalls im Vorfeld neu errichteten preußischen Rangierbahnhof Wahren verbunden. Nach 1945 ließ die hiesige Siegermacht des Weltkriegs Nr. 2 wie fast überall in ihrer Besatzungszone auch hier das zweite Streckengleis demontieren. Der beabsichtigte Wiederaufbau (die Fahrleitungsmasten für das zweite Gleis waren 1958 schon gestellt worden) scheiterte am chronischen Arbeitskräfte- und Materialmangel der DDR, deren politische Prioritäten eindeutig im Berliner Raum (Außenring zur Umfahrung Westberlins) lagen - die Anbindung einer Bezirksstadt im südlichen Raum war da eher zweite Geige. Erneuten Überlegungen in den 70er Jahren standen dann eine fehlende Brücke und die inzwischen gültigen Richtlinien zum erweiterten Gleismittenabstand entgegen, so daß die wichtige Strecke bis zuletzt eingleisig blieb. Mit der nach 1990 erfolgten fast vollständigen Verlagerung des Güterverkehrs auf die Straße hatte die Strecke schließlich keine Bedeutung mehr. Nach Aufgabe des Stückgutverkehrs (1997) erstarb das Leben auf dem MTh-Bahnhof fast völlig. In der Folge blieben die Stellwerke unbesetzt, womit der Verkehr de facto bereits ruhte. Kurzfristige stundenweise Reaktivierungen der noch bis 2001 betriebsbereit vorgehaltenen Anlagen (für Umleiter etc.) ändern nichts an dieser Tatsache, zumal die meisten kurzfristig notwendigen Fahrten (siehe Bombenfund) auf schriftlichen Befehl über eine ausgeschaltene Strecke mit verschlossenen Weichen führten. So auf die schnelle konnte kein Stellwerk mit Personal besetzt werden (und vorher kontrolliert werden, was inzwischen vielleicht doch schon vandalisiert war). Die Ein- und Ausfädelung der Strecke (Wahren Stellwerk Ot, Leipzig Hbf Stellwerk B26) war bis zuletzt mit Personal besetzt, solange die Weichen noch bedienbar waren, waren theoretisch auch unter freilich primitivsten Bedingungen Fahrten auf der Strecke möglich.

Bilder aus der "guten alten Zeit" dürfte es übrigens genügend geben ...

MfG Lutz G.

von Lutz G. - am 09.01.2005 22:31
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