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Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 9 Monaten
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Peter Burtchen

DIE CHRONIK: Heute vor 50 Jahren

Startbeitrag von Peter Burtchen am 26.10.2007 08:03

Die heutige Chronik führt in unsere Nachbarstadt Oldenburg.

26. Oktober 1957:

Heute vor 50 Jahren wurde in Oldenburg der Obusbetrieb eingestellt, der 21 Jahre zuvor, am 26. September 1936, feierlich eröffnet worden war.
Es handelte sich dabei um das erste zusammenhängende Obusnetz in Deutschland, nachdem es sich bei den früheren Obusanlagen stets um einzelne Linien ohne irgendwelche Netzbildungen gehandelt hatte.

Oldenburg war 1936 (74 994 Einwohner) die größte deutsche Stadt ohne Straßenbahn und war durch schmale Innenstadtstraßen, eine relativ geringe Wohndichte (niedrige Bebauung), jedoch durch lange Verkehrswege gekennzeichnet. Schon damals betrug die Länge aller öffentlichen Straßen und Wege 450 km. Das bebaute Gebiet umfasste 1.995 ha (zum Vergleich: Hannover 2.047 ha). Daraus ergab sich eine ziemlich geringe Verkehrsdichte, aber ein starkes Verkehrsbedürfnis zum Zurücklegen verhältnismäßig großer Strecken.

Bereits 1926 war von den Bremer Vorortbahnen (BVG) in Oldenburg ein Linienbetrieb mit 6 Benzinbussen, die „Oldenburger Vorortbahnen“ eingerichtet worden, der jedoch schon wenige Jahre später wegen der o. g. Situation in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet.
1932 bat der Rat der Stadt Oldenburg den Unternehmer Pekol, der in Sillenstede einen eigenen Busbetrieb mit Linien nach Emden und Wilhelmshaven betrieb, darum, den von der BVG betriebenen Linienverkehr einschließlich der 6 Benzin-Omnibusse zu übernehmen, was am 18. Januar 1933 erfolgte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und einer Rationalisierung, die auch die Anschaffung von 8 neuen Dieselbussen einschloss, konnte der zeitweilig unterbrochene Betrieb ab September 1934 wieder aufgenommen werden. 1935 wurden bereits 10 Dieselbuslinien mit einer Gesamtlänge von 58 km bedient.

Eine notwendige, weitere Verdichtung und Vergrößerung des Liniennetzes hätte die Vergrößerung des Dieselbusparks zur Voraussetzung gehabt, doch legten die erwähnten innerstädtischen Straßenverhältnisse es nahe, nach einer besseren Lösung zu suchen. So wurde schließlich der Beschluss gefasst, in Oldenburg ein Obusnetz anzulegen.
Die Inbetriebnahme der ersten Obuslinie erfolgte am 26. 9. 1936; der zweiten Linie am 24. 10. 1936, während das Reststück wegen erschwerter Fertigstellung einer neuen Eisenbahnkreuzung erst am 3. 2. 1937 eröffnet werden konnte.
Es handelte sich um fünf Obuslinien. Daneben wurden neun Dieselbuslinien betrieben, von denen die 3,9 km lange Linie 6 noch 1941 auch auf Obusbetrieb umgestellt werden konnte, so dass damit die Oldenburger Obusanlage ihre größte Ausdehnung mit insgesamt 18,1 km Linienlänge erhielt.
An dieser Stelle sei eingefügt, dass die bestehende Omnibuslinie Wilhelmshaven – Jever (18,6 km), die unverändert von Pekol betrieben wurde, 1944 ebenfalls auf Obusbetrieb umgestellt wurde und in Wilhelmshaven teilweise die dortige Fahrleitung der Stadtwerke mitbenutzte.
(Fotos können unter [drehscheibe-online.ist-im-web.de] und
[drehscheibe-online.ist-im-web.de]
eingesehen werden.)

1954 plante die Stadt Oldenburg eine Herausnahme des gesamten Verkehrs aus der Innenstadt, womit gleichzeitig eine weitgehende Verlegung neuer Fahrleitungen erforderlich gewesen wäre. Außerdem war das fast 20 Jahre alte Oberleitungsnetz einschließlich der Fahrzeuge von 1936 so weitgehend veraltet, das eine grundlegende Entscheidung getroffen werden musste, die schließlich die Beseitigung des gesamten Obusbetriebes vorsah. Am 15. September 1955 wurde zunächst die Verbindung zum Flughafen auf Dieselbetrieb umgestellt. Bereits zuvor, am 30. September 1954, war auch die Pekol-Obusverbindung Wilhelmshaven – Jever durch Dieselbusse ersetzt worden.1956 folgte die Linie zum Bahnhof und am 26. Oktober 1957 wurden auch die letzten Obusse stillgelegt.
Das war heute, vor 50 Jahren.

Eine ausführliche Beschreibung des Oldenburger Obusbetriebes ist unter [www.trollibus-oldenburg.eu] nachzulesen.
Darüber hinaus erscheint demnächst ein Buch im Verlag Kenning.


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