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bremer-nahverkehrs.net(z) Forum
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 5 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 5 Jahren
Beteiligte Autoren:
outsider99, THS 90, Arne Schmidt, T.Hancke, Torsten S.

Freie Fahrt im Nahverkehr, Diskussionsveranstaltung am 4.4. Weserterassen

Startbeitrag von outsider99 am 03.04.2013 11:54

zu folgender Veranstaltung erhielt ich eine Einladung. Für die BSAG will wohl Herr Eisenberg kommen.

Freie Fahrt im öffentlichen Personennahverkehr -
eine realistische Utopie?
Die Frage der Mobilität bestimmt das Leben aller Menschen vor allem im kommunalen Bereich mit und ist mehr denn je wirtschaftlich, sozial, ökologisch und psychologisch eine Schlüsselfrage der weiteren Entwicklung. Dies in einer Zeit, in der einerseits mehr Menschen bewusst wird, dass die krisenhafte Entwicklung grundsätzliche Systemfragen aufwirft, während sich andererseits viele in ihrer Verunsiche-rung über die individuelle soziale Perspektive gerade an das Hergebrachte klammern.
In den Sechzigern breitete sich, von Hannover ausgehend, als „Rote-Punkt-Bewegung“ eine Welle von Boykott-Aktionen gegen Fahrpreiserhöhungen aus; die Aktionen von Schülern und Arbeitern bei den sogenannten „Straßenbahn-Unruhen“ in Bremen brachten unsere Stadt an den Rand einer Staatskrise. In dieser Bewegung spielte überall die Forderung nach einem steuerfinanzierten Nulltarif für Busse und Straßenbahnen eine Rolle. Die ökologische Bewegung der Siebziger und Achtziger warf dann die grund-sätzliche Frage auf, ob angesichts der katastrophalen Umwelt-Bilanz des Individualverkehrs nicht ein radikales Umsteuern zugunsten der Bahn nötig ist; damals diskutierte sie die Wege dahin noch unter Beachtung des sozialen Aspekts, so dass die Perspektive eröffnet schien, Mobilität als ein „öffentliches Gut“ zu behandeln, das die Gesellschaft allen Menschen kostenfrei zur Verfügung stellen müsse.
Die Öffentlichkeit scheint heute klaglos hinzunehmen, dass der öffentliche Raum noch zunehmend reg-lementiert wird, anstatt konkret das Recht auf wirklich freie Bewegung in ihm einzufordern. Das Tot-schlag-Argument gegen jegliche Aufwertung von Mobilitätsformen jenseits des Autos ist die angeblich alternativlose Abhängigkeit vieler Arbeitsplätze in Deutschland vom Automobilbau. Schon gar nicht können die Marktradikalen, die die großen Parteien beherrschen, sich eine Ausweitung der Staatsausga-ben zugunsten des nicht-individuellen Verkehrs vorstellen. Kurz: Die Forderung nach freier Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel sei „bloße Utopie“.
Ein Mitglied der Bildungsgemeinschaft SALZ1, der Ökosozialist und Verkehrsexperte Bruno Kern, ist anderer Meinung: Der freie ÖPNV sei nicht nur aus ökologischen, sozialen und demokratischen Grün-den notwendig, sondern auch konkret möglich.
SALZ Bremen führt eine Veranstaltung durch, auf der Bruno Kern seine Thesen zusammengefasst vor-stellen und mit Vertretern der BSAG und der Parteien Piraten, Linke sowie SPD (angefragt) diskutieren wird. Selbstverständlich können auch alle Anwesenden sich zu Wort melden, wozu wir herzlich einladen.
Donnerstag, 4.4.2013, 20 Uhr
im Bürgerhaus Weser-Terrassen, Osterdeich 70b
Zu fragen wird u.a. sein:
Hält die Erde die zunehmende Orientierung am Individualverkehr aus? Welche Bedeutung hat freie Mobilität aller für Demokratie, Kultur und gesellschaftliche Teilhabe? Wie lässt sich ein Nulltarif finanzieren? Wie gelingt es europäischen Städten, die ihn einge-führt haben? Ist der Nulltarif nur in einem anderen Gesellschaftssystem möglich?
(1) Näheres über SALZ unter: www.bildungsgemeinschaft-salz.de

Antworten:

Re:Ein Griff in die Mottenkiste

Schnee von vor-vorgestern! (Gähn!)

Selbst die Grünen, die anfangs ebenfalls derartige Forderungen gestellt hatten, mussten einsehen, dass Nulltarif nicht finanzierbar ist. :p

Und wie siehts mit den Piraten aus?
Die haben doch im letzten Jahr auch den Nulltarif gefordert. Von denen hört man aber zu dem Thema gar nichts mehr. :D

von THS 90 - am 03.04.2013 16:43

Re: Re:Ein Griff in die Mottenkiste

Nicht finanzierbar eben nur, wenn man nicht vom derzeitigen System abweichen will, den MIV unbedingt zu subventionieren.
Man könnte das System auch vom Kopf auf die Füße stellen, und nicht dem MIV kostenlose Infrastuktur in Form von Straßen Parkplätzen usw. zur Verfügung stellen , sondern dafür freie Nutzung des ÖPNV anbieten, dafür Maut für Straßennutzeung jeder Art, incl. Benutzung öffentlicher Straßen als Parkraum usw. Damit wäre sicher schon einiges zu machen..

von T.Hancke - am 03.04.2013 21:09

Re: Re:Ein Griff in die Mottenkiste

Aber was würde der Nulltarif bringen?
Es gibt ja bereits Berufgruppen, die zum Nulltarif fahren, nämlich alle BSAG-Mitarbeiter.
Wie sieht es bei denen - genau genommen, die BSAG-Verwaltungsangestellten, da die Fahrer ja tlw. recht üngünstige Arbeitszeiten haben - eigentlich mit dem Modal Split aus?

Ich vermute, dass man mit dem Nulltarif nicht wirklich signifikant mehr Fahrgäste gewinnen könnte; lediglich die Kurzstreckenfahrten würden in die Höhe schnellen. Die relativ geringe Akzeptanz des ÖPNV ist sicherlich nicht eine Frage des Fahrpreises.

von Torsten S. - am 04.04.2013 11:41

Re: Gab es schon Berichte dazu?

Gab es denn schon Berichte irgendwelcher Art von der Veranstaltung?

Im heutigen Weser-Kurier ist darüber nichts zu finden! :p

von THS 90 - am 05.04.2013 15:47

war denn jemand aus dem Forum da und kann berichten? owT

war denn jemand aus dem Forum da und kann berichten? owT

von outsider99 - am 06.04.2013 07:12

Re: Freie Fahrt im Nahverkehr

Zu dem Thema passt ganz gut ein Bericht im heutigen "Kurier am Sonntag": Demzufolge können Einwohner der estnischen Hauptstadt Tallinn jetzt kostenlos Busse und Straßenbahnen benutzen, sodass die die öffentlichen Verkehrsmittel entsprechend mehr genutzt würden, während der Verkehr in der Innenstadt zurückgegangen sei. Touristen und Besucher müssten für die Tickets jetzt allerdings den doppelten Preis bezahlen. Die Maßnahme ist allerdings nicht unumstritten.Die anderen baltischen Hauptstädte Riga und Vilnius sowie die finnische Hauptstadt Helsinki wollen dem Beispiel folgen.

Einen Link zu dem Bericht konnte ich leider nicht finden.

von Arne Schmidt - am 07.04.2013 07:30
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