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bremer-nahverkehrs.net(z) Forum
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Ist-Abfahrzeiten der BSAG nun auf der bahn.de-Homepage?

Startbeitrag von Jens Stein am 18.03.2015 03:44

Wie mir eben aufgefallen ist, werden anscheinend die Ist-Abfahrzeiten der BSAG nun in der Reiseauskunft der Deutschen Bahn auf www.bahn.de angezeigt.
Das funktioniert sowohl bei der Reiseauskunft, wie auch bei der Anzeige von einzelnen Fahrten.
Weiß jemand ob das ein Test ist, oder ist das jetzt tatsächlich neu?

Hier mal ein Screenshootausschnitt der ersten Linie 3 von eben. Interessant auch die Gleiswechselangaben :D :

Antworten:

Abfahrzeiten der BSAG nun im Vergleich

Zitat
Jens Stein
Wie mir eben aufgefallen ist, werden anscheinend die Ist-Abfahrzeiten der BSAG nun in der Reiseauskunft der Deutschen Bahn auf www.bahn.de angezeigt.
Das funktioniert sowohl bei der Reiseauskunft, wie auch bei der Anzeige von einzelnen Fahrten.
Weiß jemand ob das ein Test ist, oder ist das jetzt tatsächlich neu?

Hier mal ein Screenshootausschnitt der ersten Linie 3 von eben. Interessant auch die Gleiswechselangaben


Wobei +1 nicht etwa Verfrühung bedeutet, sondern eine Minute zusätzlich, also verspätet! Anscheinend soll an der Domsheide die Liegezeit (von einer halben Minute tagsüber?) ausreichen, um die Verspätung einzuholen? Kann man nur hoffen, dass keine älteren Menschen mit Rollatoren zusteigen. Dann dauert der Fahrgastwechsel nämlich länger.
Der Hinweis "Gleiswechsel" soll wohl nur auf die Bahnsteigkennungen aufmerksam machen. Dabei steht das E nicht etwa für E-Wagenhaltestelle, sondern für Bahnsteig E. Denn die Domsheide und der Brill haben ebenfalls wie der Hauptbahnhof Buchstabenkennungen an den Haltepositionen.

Die Fahrzeit wird jedenfalls immer kürzer. Der Verkehr nimmt zu. Die Streckenlängen werden größer. Die Ampelphasen werden aber nicht optimiert, sondern die Anzahl der Ampeln nimmt zu, damit auch die Anzahl gestörter Ampeln, die den ÖPNV durch lange Rotphasen aufhalten. Bei Abwarten auf Anschlüsse und langen Wartezeiten an nicht optimal funktionierenden Ampeln soll der Eindruck entstehen, der Fahrzeugführer würde Zeit abwarten, um "planmäßig zu werden". Dabei werden teilweise selbst Insider getäuscht. Die Verspätung sammelt sich nur. Wenn weniger Fahrgäste unterwegs sind, ist die Fahrzeit in der Realität auch kürzer angesetzt, als der Haltestellenfahrplan mit der aufgedruckten Perlschnüre und Minutenangaben für die HVZ zu verstehen geben möchte.
Von den Fahrgästen kommt Unverständnis auf, warum das Fahrzeug zu spät ist: Wahrscheinlich würde der Fahrzeugführer nur trödeln. Doch in Wahrheit ist die Fahrzeit ein wahres Marketinggelüge und knapper angesetzt, als tatsächlich durchführbar: So sind das Senken und Heben der Hebebühne auch Zeiten, die nicht einkalkuliert werden. Wobei es da die Wendezeit an den Endstellen gibt, die aber nur noch dazu da ist, die anscheinend geplant eingefahrene Verspätung einzuholen. Das spiegelt sich leider manchmal auch im Fahrverhalten.
Die Fahrzeugführer die sich am Fahrplan festbeißen und pünktlich sein wollen, um damit auch Kundenservice umzusetzen, werden künstlich in Stress versetzt, werden daher gegenüber Kunden im Service kurz angebunden, nicht wirklich hilfsbereit und teils unfreundlich. Dabei leiden die Fahrer auch gesundheitlich, nicht nur unter dem Stress des Fahrplans, sondern auch unter den Rückmeldungen, die sie dann teils von den Kunden bekommen. Diese bekämen sie auch, wenn sie sich dem Druck des Fahrplans entziehen. Die Kunden sind enttäuscht über die Verspätung. Zeit ist Geld.
Aber vielleicht muss man genau auch mal an dieser Stelle investieren (in Fahrzeit) um Zufriedenheit zu erreichen und serviceorientiert zu argieren. Die Fahrer würden glücklicher, die Kunden zufriedener, könnten auch wieder anständig im Fahrzeug beraten werden, kaputte Ampelansteuerungen würden den Kohl nicht mehr fett machen - und Anschlüsse würden mehrheitlich besser funktionieren, auch ohne lange Verzögerungszeiten wie am Bahnhof.

Verspätete Grüße

Edit: Zeitlich entflohene Buchstaben nachträglich investiert

von Fahrdrahtschnüffler - am 18.03.2015 09:14

Anregungen zu Fahrplan-, Fahrzeit- und Haltezeiten mit Antworten auf PN's

Hallo,

an dieser Stelle möchte ich gerne öffentlich auf mir noch hier im Forum zugekommene persönliche Nachrichten (PN's) eingehen und ggf. eine Diskussion anstoßen.

Zitat
Erste persönliche Nachricht
Hallo Fahrdrahtschnüffler,

kannst du für deine Thesen im Beitrag >Abfahrzeiten der BSAG nun im Vergleich< Anhaltspunkte liefern?

Beste Grüße

Die Fahrgäste, die ein Fahrzeug sehen und zur Haltestelle gerannt kommen, wundern sich nur, daß das Fahrzeug i.d.R. keine Zeit mehr hat auf sie zu warten, weil es der Fahrplan und damit verbunden die Haltezeiten an Haltestellen, einfach nicht hergeben. In diesem Fall muss der Fahrer oder die Fahrerin sich entscheiden, ob er/sie fahrplantreu oder kundenorientiert sein möchte. In jedem Fall ist er/sie als Fahrer/in der "Buhmann".

Zitat
Zweite persönliche Nachricht
Zum Thema Pünktlichkeit:
Meistens sind es aber die Fahrgäste, die für Verspätungen sorgen.
MfG

Daß die meisten Fahrgäste aber gar kein Interesse mehr am Fahrplan haben und sich einfach an die Haltestelle stellen, erwarten, daß in spätestens 3 Minuten ein Fahrzeug kommt, oder sie uneingeschränktes Zustiegsrecht bei einem Fahrzeug haben, was sie einfach gerade zufällig in weiter Entfernung an der Haltestelle stehen sehen, ist ein anderes Thema. Letztgenanntes Thema geht auch über das Marketing und die politische Vermarktung bis zur sozialkulturellen Veränderung der Gesellschaft hinaus, wo sofort über den ÖPNV gemeckert wird, wenn dieser zu spät ist, ein zu später Fahrgast (weil er zu spät an der Haltestelle erscheint) sich aber unschuldig und gar im Recht sieht und fühlt - und gar nicht merkt, daß wenn er die Bahn, durch z.B. sein Bein in der Tür, aufhält, andere Fahrgäste und die Bahn in Verzug, bzw. in Verspätung bringt. So wird ein Privatproblem zum Kollektivproblem. Aber es traut sich auch keiner dieses so auszusprechen!
Nur muss das ÖPNV-Unternehmen sehen, wie es mit dieser Tatsache umgeht. Und so wie es das tut, passt es sich an. Nur muss es dann auch den Fahrplan der Situation anpassen!

Situationsbedingte Grüße

von Fahrdrahtschnüffler - am 19.03.2015 10:57

Re: Abfahrzeiten der BSAG nun im Vergleich

Zitat
Fahrdrahtschnüffler
Die Fahrzeit wird jedenfalls immer kürzer. Der Verkehr nimmt zu. Die Streckenlängen werden größer. Die Ampelphasen werden aber nicht optimiert, sondern die Anzahl der Ampeln nimmt zu, damit auch die Anzahl gestörter Ampeln, die den ÖPNV durch lange Rotphasen aufhalten. Bei Abwarten auf Anschlüsse und langen Wartezeiten an nicht optimal funktionierenden Ampeln soll der Eindruck entstehen, der Fahrzeugführer würde Zeit abwarten, um "planmäßig zu werden". Dabei werden teilweise selbst Insider getäuscht. Die Verspätung sammelt sich nur. Wenn weniger Fahrgäste unterwegs sind, ist die Fahrzeit in der Realität auch kürzer angesetzt, als der Haltestellenfahrplan mit der aufgedruckten Perlschnüre und Minutenangaben für die HVZ zu verstehen geben möchte.


Ich verstehe auch nicht, warum die BSAG zum Fahrplanwechsel bei allen Straßenbahnlinien erneut Fahrzeitverkürzungen vornimmt, obwohl bereits heute die Fahrzeiten eher zu knapp als zu üppig bemessen sind, durch (erfreulicherweise!) steigende ÖPNV-Nutzerzahlen die Fahrgastwechselzeiten an den Haltestellen länger werden und die Ampelvorrangschaltungen an vielen Stellen wesentlich besser funktionieren könnten (was übrigens in den 90ern ja schon mal durchaus der Fall war!). Durch auf dem Papier frühere Ankunft und spätere Abfahrt an einer Endhaltestelle wird die Wendezeit (und damit die Pause des Fahrers) vermeintlich verlängert, tatsächlich ändert sich aber nichts, weil ein pünktliches Erreichen der Endhaltestelle immer schwieriger wird.

von ChristophN. - am 19.03.2015 16:53
Ich finde es aus Fahrgastsicht aber auch nicht angenehm, wenn die Bahn bummelt, um den Fahrplan abzuwarten. Daher finde ich es grundsätzlich durchaus sinnvoll, die Fahrzeit "in der Mitte" festzulegen, was eben heißt, dass es auch Verspätungen gibt. An wirklich wichtigen Anschlussknoten braucht man dann natürlich eine Reservezeit.
So hat die Linie 6 z.B. in beiden Richtungen jeweils stadtauswärts nirgendwo mehr wichtige Anschlußbeziehungen. Hier ist ein knapper Fahrplan, bei dem die Bahnen zügig fahren und es auch oft zu Verspätungen kommt, wesentlich sinnvoller als ein Fahrplan, der sich an die allerlangsamsten Fahrten anpasst.
Aus Sicht des Fahrpersonals ist es bei gegebener Anzahl an Umläufen auch besser, zügig fahren zu können. Kritisch wird es nur dann, wenn durch die Verkürzung der Fahrzeiten ein Umlauf gespart wird und dadurch bei einer relevanten Anzahl von Fahrten die Pause zu kurz wird. Das müsste man überprüfen und ggf. einen Wagen mehr einsetzen.
Vereinfachtes Beispiel: Bei der Fahrt durch Schwachhausen zur Uni brauchen 50% aller Fahrten 2 Minuten mehr. Schlechte Lösung: Langsame Fahrten zum Maßstab machen, der Rest muss bummeln. Gute Lösung: Schnelle Fahrten zum Maßstab machen, dann gibt es halt Verspätungen. Wenn dadurch ein Wagen eingespart würde: 50% aller Fahrer zu wenig Pause zu geben, ist nicht akzeptabel. Also trotzdem schnelle Fahrzeiten einführen, die langsame Fahrzeit nur zur Berechnung der Umlaufzahl nutzen.

von UwCa - am 19.03.2015 18:51

Zügigere Fahrten

Ich selbst wäre auch froh über zügieres Fahren, insbesondere bei den Straßenbahnen. Das Gezuckel, das man teilweise geboten bekommt, nervt schon. Gerade wenn man weiß, dass es auch etwas schneller gehen könnte. Aber hoffentlich gefällt das auch unseren Wutbürgern, die sich doch immer wieder über "rasende Straßenbahnen" beklagen. Frage mich dabei immer nur, wo sie die gesehen haben wollen...

von Arne Schmidt - am 19.03.2015 19:38

Re: Zügigere Fahrten - fragt sich bloß wann und wo

Hallo,

als ich das mit den verkürzten Fahrzeiten gelesen hatte, dachte ich erst an einen verfrühten Aprilscherz.

In der Hauptverkehrszeit sind die Straßenbahnen oft so überfüllt/voll, dass der Fahrplan sowieso nicht mehr eingehalten werden kann. Echte "Highlights" sind dann Pendler/Schüler, die wegen überfüllter Bahnen nicht mehr mitgenommen werden können. Solche Szenen kommen fast täglich auf den Linien 1, 4 und 10 vor. Besonders "toll" ist das auch auf der Linie 4 in der "Schulschlußzeit" von 13:00 bis 14:30 Uhr zu beobachten, wenn "nur" alle 10+5+5 Minuten gefahren wird.

Selbst auf den Linien 2 und 3 von der Domsheide Richtung Steintor/Ostertor kommen zwar in der Zeit von 17:00 Uhr bis 18:00 Uhr alle Fahrgäste mit, aber die Bahnen kommen meistens schon verspätet an der Domsheide an.

Auf der Linie 6 dürfte es wohl auch nicht besser aussehen.

Ist eine Bahn dann auch ein GT8N dauert die Fahrt natürlich ewig, weil sich die Leute erst einmal in die viel zu kleine Bahn zwängen müsssen. Somit wird oft an jeder Haltestelle kostbare Zeit vergeudet, auf der Linie 4 wird dann aus dem 10 + 5 + 5 Minuten - Takt oft ein 18 + 1 + 1 Minuten-Takt. Das Problem ist mir hier seit 9 Jahren (!) bekannt, geändert worden ist natürlich nichts.

Wer da noch die Fahrzeiten kürzt, lebt wohl auf einem anderen Planeten oder in einer anderen Stadt...

So etwas geht schlicht an der Realität vorbei...

Damit ist der nächste Fahrplan dann wohl nicht einmal das Papier wert, auf dem er gedruckt werden wird.

Viele Grüße

Manfred

von Manfred Morzik - am 19.03.2015 21:04

Wendezeiten keine Pausen + zügiges Fahren nicht durch Fahrplan erzwingen, sondern durch weniger Ampeln und weniger volle, öfter fahrende Fahrzeuge

Hallo,

die Wendezeit ist bei größeren Nahverkehrsunternehmen für die Fahrzeugführer eigentlich keine Pausenzeit, solange der Fahrzeugführer nicht nach sog. Sechstel-Regelung fährt.
Wendezeit ist die einzige Zeit, in der sich der Fahrzeugführer im Dienst (also während der Dienstzeit)
- darum kümmern kann, das Fahrzeug zu wenden und für die Rückfahrt bereit zu machen,
- vom städtischen Straßenverkehr "erholen" kann, bzw. sich die Beine vertreten kann,
- trinken kann
- auf’s Klo gehen kann,
- essen kann,
- telefonieren kann, um Dinge zu klären, die man über Funk (falls vorhanden) nicht regeln kann und
- ggf. nebenbei wie viele Leute im Büro während der Arbeitszeit auch, eine Rauchen können.
- Auch sollte in dieser Zeit die Fahrzeugdurchsicht nach Fundsachen, äußeren und inneren Verunreinigungen oder Beschädigungen, insbesondere nach Fahrzeugübernahme erfolgen.
- An Endstellen (wie in Bremen am Roland-Center und am Bahnhof Mahndorf), wo die Fahrzeuge direkt an der Haltestellenpositionen die Wendezeit „abwarten“, sollte eine Kontaktmöglichkeit mit Fahrgästen ermöglicht werden, die sich während der Fahrt offiziell nicht mit dem Fahrzeugführer bietet. Wegen Zeitmangel unterhalten sich die Fahrzeugführer oft genug während der Fahrt mit den Fahrgästen.
Zur offiziellen Arbeitsunterbrechung, bzw. unbezahlten Pause, die teils minutengenau geplant werden muss, wird mitunter auf Strecke abgelöst, ähnlich wie zu Dienstantritt und -schluss, wenn nicht aus- und eingerückt wird.

Natürlich möchte jeder schnell voran kommen. Am besten in der Bahn, dem Bus, dem ÖPNV-Verkehrsmittel unserer Wahl. Aber es ist nicht sinnvoll, zügiges Fahren durch einen enggestrickten Fahrplan "zu erzwingen" ( - nicht sinnvoll, aus den in den u.a. vorausgegangenen Beiträgen genannten Gründen und langfristig dem Sicherheitsaspekt, wobei Müdigkeit und Erschöpfung einfließen könnten).
Aber eine halbe Minute einzusparen um dem IV (Individualverkehr) gegenüber konkurrenzfähig zu bleiben, ohne eine tatsächlich nachweisliche verkehrliche Beschleunigung: Das ist reines äußeres Marketing, ohne Berücksichtung der internen Folgen für Fahrzeugführer und Pünktlichkeitsstatistik.
Wenn man den ÖPNV fahrzeittechnisch beschleunigen will, muss das mit unbhängigen Fahrspuren und weniger(!!!) Ampeln erfolgen. Letzteres ist aber politisch in Bremen derzeit nicht gewollt. Stattdessen werden in Bremen momentan vom Verkehrssenator Fahrradstraßen in Ortsteilen angeregt und gar verkündet - über deren Grundidee die Stadtteilbeiräte erst aus den Medien erfahren. -> So passiert (lt. Weser-Kurier 19.03.2015) in der Scharnhorststraße und dem dortigen Beirat, der gar nicht direkt ohne Rückfragen einwilligen möchte.
Außerdem sollten wir bedenken, wir wollen schnell voran kommen: Wollen wir dabei denn auch Rücksicht auf Schulklassen und die älteren oder eingeschränkt beweglichen Menschen haben, die an Haltestellen mit Rollator o.ä. eine längere Zeit beim Fahrgastwechsel benötigen? - Dann müssen wir dies im Fahrplan berücksichtigen und akzeptieren, oder eine Lösung finden, wie der Fahrgastwechsel beschleunigt werden könnte: Weniger Rollatoren, oder eben einen ebenerdigen Zustieg zu den Fahrzeugen. In anderen westlich geprägten (aber nicht Vorzeigeindustrie-)Staaten kommen die Menschen auch mit weniger Rollatoren aus, die hier zu Lande meistens als Begleitträger für Einkäufe nur zweckentfremdet werden.
Über technische Mängel an Fahrzeugen und deren Ursachen und Auswirkungen auf die Verspätung in Bremen möchte ich angesichts der politisch unterdrückten Debatte zum Neukauf des älteren Straßenbahntyps nicht eingehen. Fakt ist aber, daß die Fahrgastanzahl im Fahrzeug auch entscheidend ist. Wenn die Gänge blockiert sind ist ein zügiger Fahrgastwechsel schon nicht mehr möglich. Die einzige Lösung wäre eine Taktverdichtung, die nur mit mehr Fahrzeugen gedeckt werden könnte. Statt sinnvoll zu investieren wird z.B. in Bremen vom Finanzträger der Fahrzeugflotte des ÖPNV's (die Stadt Bremen) in wahnsinnige kleinere Projekte, wie neue Verkehrsschilder investiert: Ortseingangs- und Ausgangschilder (vgl. Sendung Extra3 auf NDR) oder Schilder, die auf das Verbot des Aufhängens von Vorhängeschlössern an der Teerhofbrücke aufmerksam machen. Wenn die dem ÖPNV fehlenden Finanzen wenigstens im Bildungssystem landen würden, um anstädniges Verhalten der Fahrgäste gemäß der Tarif- und Beförderungsbedingungen zu erreichen, wäre es halb so schlimm. Es tut nur weh, daß selbst einige unerzogene Mitbürger den Respekt vor der Dienstleistung des Beförderungsangebots und deren Fuhrpark verloren haben, gleichzeitig die Politiker in Hinsicht auf Durchsuchungsbeschlüsse und deren Verschleierung ein gleiches Verhalten vormachen!

Ich möchte jedenfalls einen auch im politischen Hintergrund qualitativ hochwertigen ÖPNV, der mich nicht mit schnellen Fahrzeiten lockt und schließlich enttäuscht. Stattdessen möchte ich kundenorientierte Qualität die mir das Verkehrsunternehmen und deren Mitarbeiter zügig, ABER ohne Druck, ohne Zeitdruck, vermitteln und durchführen. Es würde freundlicher werden.

Bedrückte Grüße

von Fahrdrahtschnüffler - am 19.03.2015 21:09

Re: Fahrzeiten

Ach wie gut, dass da nicht einfach jemand den Rotstift angesetzt hat (à la "Wo kann ich heute mal eine Minute rausnehmen?")..., sondern solchen Änderungen zum Glück Fahrzeitmessungen vorausgegangen sind...

von Ersatzverkehr - am 19.03.2015 21:12

Re: Wendezeiten keine Pausen + zügiges Fahren nicht durch Fahrplan erzwingen, sondern durch weniger Ampeln und weniger volle, öfter fahrende Fahrzeuge

Moin,

ich finde, hier wird gerade ein zu großes Faß aufgemacht, aber das ist natürlich Ansichtssache. Ich bin hauptsächlich auf den Strecken nach Huchting und zum Flughafen unterwegs, vielleicht ist es auf anderen Abschnitten problematischer. Aber ich möchte folgendes zu bedenken geben:

1. Natürlich ist es ärgerlich, wenn die Bahn vor der Nase wegfährt, aber im Innenstadtbereich und auf Strecken mit 5-Minuten-Takt kann nicht immer auf jeden Fahrgast gewartet werden, der noch angerannt kommt, sonst würde die Bahn völlig aus dem Takt kommen und folgende Fahrzeuge würden auflaufen.
2. Natürlich dauert der Fahrgastwechsel bei einem Rollstuhlfahrer und Leuten mit Rollator etwas länger. Dann hat die Bahn eben mal 2 Minuten Verspätung, ist das so schlimm ? Man kann aber doch solche Dinge nicht in den Fahrplan einkalkulieren. Von 10 Fahrten ist vielleicht 1x ein Rollstuhlfahrer dabei. Soll man deswegen immer 3 Minuten mehr einplanen ?
Anderes Beispiel: Freitagnachmittag gibt es vielleicht mehr Staus als an anderen Werktagen. Soll man deshalb am Freitag nach einem anderen Fahrplan fahren ? Der Fahrplan muß eben vom Normalzustand ausgehen.
3. Am Dienstag bin ich gegen 17:40 Uhr von der Domsheide zur St.-Jürgen Str. gefahren. An der DFI stand "Weserwehr 2 Min.", da rollte die 3 schon ein.
Auf dem Rückweg gegen 20:15 Uhr das gleiche Spiel: als die 3 am Brill ankam, stand auf der DFI "Gröpelingen 2 Min."
Es scheint also durchaus gewisse Spielräume im Fahrplan zu geben (oder die DFI-Anzeigen arbeiten nicht korrekt ;) ).

Gruß
Volker

von VolkerP - am 19.03.2015 21:50

Fahrzeitvermessung beim Kunden: Fehlanzeige

Hallo Ersatzverkehr,

Zitat
Ersatzverkehr
Ach wie gut, dass da nicht einfach jemand den Rotstift angesetzt hat (à la "Wo kann ich heute mal eine Minute rausnehmen?")..., sondern solchen Änderungen zum Glück Fahrzeitmessungen vorausgegangen sind...

Leider wurde ich als Fahrgast im Rahmen einer solchen Messung nie befragt, wie lange ich bei realen Verkehrsbedingungen auf der Straße und im Fahrzeug (auf meiner Stammstrecke ohne Umsteigen) an Fahrzeit tatsächlich brauche. Zukünftig kann ich mir aber gerne die Mühe machen, eine eigene Pünktlichkeitsstatistik anhand der auf dem Fahrplan gedruckten Perlschnür-Minuten und der Realzeit im Vergleich anzufertigen. Noch einfacher wäre es die im Ausgangsbeiträg unter bahn.de veröffentlichten Soll-/Ist-Fahrplanwerte zu vergleichen (werden ja angezeigt) und diese bei einer entsprechenden Befragung anzugeben oder gar zu übergeben.
Wann findet eine nächste Messung mit Fahrgastbeteiligung statt?

Statistische Grüße

von Fahrdrahtschnüffler - am 19.03.2015 21:54

Einsehbare Statistiken vorhanden? - Fahrgast hat Reservezeit einzuplanen?

Hallo Volker,

Zitat
VolkerP
ich finde, hier wird gerade ein zu großes Faß aufgemacht, aber das ist natürlich Ansichtssache.

zunächst möchte ich mit einer Weisheit dienen: "Macht man nur die kleinen Fässer auf, würden die großen doch für immer geschlossen bleiben."

Zitat
VolkerP
(...) Von 10 Fahrten ist vielleicht 1x ein Rollstuhlfahrer dabei. (...)

Gibt es Statistiken, die nachweislich solche Werte einsehbar machen und auf die sich berufen werden kann? Wer prüft ob diese korrekt und nicht ein geschönigter Wert sind?
Zur Hauptverkehrszeit habe ich auf der 1 schonmal in 7 von 10 Bahnen, zumindest auf einem Teilstück zwischen Mahndorf und Roland-Center oder in umgekehrter Richtung, einen Rollstuhlfahrer, teils gar nacheinander zwei oder drei (einer steigt aus, der nächste ein usw.) gesichtet.

Wenn ich pünktlich in der Stadt zu einem Termin im Büro seien will, kann ich mich meistens leider nicht auf die Fahrzeiten der öffentlichen Verkehrsmittel verlassen, sondern plane extra bis zu 8 Minuten mehr, oder gar eine Bahn oder einen Bus früher ein. Doch wenn dies seitens Politik und/oder Verkehrsunternehmen so gewollt ist, sollte es auch so vermarktet werden. - Also sollte bei der Fahrzeitangabe zumindest der Hinweis erscheinen, daß man selbst bitte eine gewisse Reservezeit einplane. Das dürfte beim Großteil der Bevölkerung nämlich nicht bekannt sein.

Hinweisende Grüße


Edit: An Weisheit hinzugewonnen

von Fahrdrahtschnüffler - am 19.03.2015 22:08

Re: Einsehbare Statistiken vorhanden? - Fahrgast hat Reservezeit einzuplanen?

Wenn ich bei einem wichtigen Termin pünktlich sein MUSS, dann würde ich immer ein bißchen Zeitreserve zur Sicherheit einplanen - übrigens unabhängig vom Verkehrsmittel. Mit dem Auto kann man schließlich auch mal in einen unerwarteten Stau geraten...
Im übrigen glaube ich, daß es dem Großteil der Bevölkerung gar nicht auffällt, ob die Bahn nun 1-2 Minuten schneller oder langsamer ist. Das ist mMn auch nicht wichtig. Wichtig ist, daß die Verspätungen nicht zu groß / nicht zur Regel werden und daß die wichtigen Anschlüsse klappen.
Ob ein Anschluß klappt oder nicht, darf eben auch nicht von 1-2 Minuten abhängen, sonst ist es kein zuverlässiger, planbarer Anschluß.

von VolkerP - am 19.03.2015 22:30

Re: Fahrzeiten

Zitat
Ersatzverkehr
Ach wie gut, dass da nicht einfach jemand den Rotstift angesetzt hat (à la "Wo kann ich heute mal eine Minute rausnehmen?")..., sondern solchen Änderungen zum Glück Fahrzeitmessungen vorausgegangen sind...


Als täglicher Nutzer der 4 kann ich jedenfalls aus eigener Anschauung beurteilen, dass bereits jetzt die Fahrzeiten (insbesondere der 4S: 4 min von HOK bis KIR bzw. umgekehrt sind so gut wie nicht zu schaffen) zu knapp sind und die 4 in geschätzt 80 Prozent der Fahrten nicht pünktlich ist. Dafür brauche ich keine Fahrzeitmessungen.

von ChristophN. - am 19.03.2015 23:20

Re: Ist-Abfahrzeiten der BSAG nun auf der bahn.de-Homepage - schreckliches Beispiel

und das kann dabei herauskommen:



von Der Wolf und die sieben Geißlein - am 20.03.2015 22:47

Wenn der Sonderfall die Regel wird, fehlt trotzdem der Grund - über nicht einholbare Verspätungen

Hallo Wolf,

Zitat
Wolf und die sieben
und das kann dabei herauskommen (...)

derartige Verspätungen sollten eigentlich einen Sonderfall im Nahverkehr darstellen. Fakt ist aber, sie häufen sich.
(Witz komm raus: Bestimmt war wieder eine nicht einkalkulierbare Demonstration [um 23:00 Uhr] die Ursache.)
Eigentlich kennt man solche Verspätungen nur aus dem Fernverkehr, egal ob Flugzeug oder Eisenbahn. Diese Langstrecken-Verkehrsmittel haben aber durch wesentliche (spontan arrangierte) Geschwindigkeitsanpassungen und Vorrangregelungen (z.B. ICE vor RB, darf also überholen) die Möglichkeit, Verspätung einzuholen. Dabei werden keine "spontanen Streckenänderungen", wegen der Verspätung als Ursache an sich, vorgenommen. Auch startet die nächste Fahrt ab Zielbahnhof im Regelfall wieder pünktlich.
Im Nahverkehr hat man hauptsächlich aber nicht die Möglichkeit, Verspätungen einzuholen. Im Gegenteil, durch (zu) eng gestrickte Fahrzeiten kann die große eingefahrene Verspätung auch am Zielpunkt nicht eingefangen werden, selsbt wenn die Wendezeit 10 Minuten beträgt. Bei 8min Verspätung braucht der Fahrzeugführer trotzdem noch 3min um das Fahrzeug zu wenden. Die nächste Verspätung ist vorkalkuliert. Kommt dann noch eine Schulklasse, ein auf der Strecke vom ÖPNV unbeteiligter Verkehrsunfall oder Stau, ist die Kettenreaktion vorprogrammiert, die sich über einen halben Tag hinzieht.
So liest man, wenn man an den DFI-Anzeigern aufpasst, am Nachmittag von Verspätungen, die ihre Ursache in einem Verkehrsunfall vom späten Vormittag haben. Diese Verspätungen können nur eingeholt werden, wenn eine spontane Streckenänderung/-kürzung betrieblich angeordnet wird, um eine "Kurzwende eines bestimmten Fahrzeugs einzuleiten". So fehlt an einem Streckenast wieder ein Fahrzeug und die Verspätung des nachfolgenden Fahrzeugs wird auch wieder größer.
Soetwas gibt es selbst im Fernverkehr nicht als Mittel der Wahl. In unserem Nahverkehr bleibt momentan aber nichts anderes übrig. Diese Anhaltspunkte äußern sich aber nicht nur in der Dimension der Verspätung, sondern wie einleitend angedeutet auch in der Häufigkeit, die in Bremen diesbezüglich teils exorbitant ist, - anders als in anderen Städten.

Zu einem anderen Thema und den Fahrtinformationen aus dem heiligen Internet:
Der Fahrgast wird leider nicht über die Gründe der hohen Verspätung informiert. - Erst wenn er sich an die Haltestelle, an die Informationsanzeiger stellt.
Gerne würde ich bei Verspätungen auch im Nahverkehr, im Fahrzeug und im Internet über die Gründe der Verspätungen und Ausfälle informiert werden.
Außerdem scheint sich der Witz-Komm-Raus-Fehlerteufel eingeschlichen zu haben: So fährt die 25 momentan mit all ihren Fahrtverläufen binnen einer Minute vom Klinikum Bremen-Ost über Utbremer Ring zur Grenzwehr, weil die Haltestellen Stuttgarter Straße und Weidedamm wegen Baumaßen zur Zeit nicht bedient werden können. Dies dürfte im Zusammenhang mit der Datenversorgung stehen? Ein technischer (und im Gegensatz zur großen Anzahl der Verspätungen) verzeihlicher Fehler!

Vielleicht lege ich auch einfach zu viel Wert auf Pünktlichkeit? Aber was bleibt mir auch anderes übrig, wenn ich dem Fahrplan vertrauen möchte.

Informationsbedürftige Grüße

von Fahrdrahtschnüffler - am 21.03.2015 09:16
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