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bremer-nahverkehrs.net(z) Forum
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17
Erster Beitrag:
vor 3 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 3 Jahren
Beteiligte Autoren:
Bruder_M, Linie 4 Lilienthal, GT8N 3067, Jens Stein, D.Kleine, Peter Burtchen, Ersatzverkehr, Der Wolf und die sieben Geißlein

Haltestellenanzeigen per DAB mit Daten versorgen

Startbeitrag von Bruder_M am 17.06.2015 06:38

Moin,

wie ich im Nachbarforum gelesen habe, laufen in Frankfurt und anderen Städten Versuche, die Daten an die digitalen Haltestellenanzeigen im DAB-Datenstrom zu übertragen: [radioforum.foren.mysnip.de]

Weiß jemand, ob soetwas auch in Bremen geplant oder evtl. schon praktiziert wird?
Vielleicht hat es ja sogar was mit den miseriösen neuen Anzeigen aus dem Nachbarthread zu tun?
[26194.foren.mysnip.de]

Beste Grüße, Marek

Antworten:

Moin,

derzeit läuft ein komplettes Erneuerungsprogramm. Dies Umfast wie folgt:
Ibisplus Bordrechner und das Ibisplus Fahrerinformationsdisplay. Das Programm läuft noch bis Herbst 2015. Aktuell sind ungefähr 50% aller Straßenbahnen und 45% aller Busse umgerüstet. Wenn ab Herbst 2015 alle Fahrzeuge Ibisplus besitzen, werden die Funkgeräte ausgetauscht. Die neuen Geräte Funken dann über GPS, was zur Folge hat, dass der Leitstellen-Funk deutlicher ist und der Info-Funk bei Umleitungen ebenfalls bei den Fahrgästen besser ankommt.

Zur Frage ob Bremen in Zukunft Ihre Haltestellenanzeigen im DAB-Format laufen lässt. Wie ich oben bereits erwähnte, wird ab Herbst das komplette Funknetz der BSAG von analog auf digital (GPS) umgestellt, damit werden auch die Haltestellenanzeiger (Hersteller Trapeze) über GPS angefunkt. Mit GPS können die Verspätungen oder Verkehrsmeldungen genauer bestimmt werden.
Derzeit läuft Ibisplus noch analog...

Noch Fragen...?

Mit freundlichen Grüßen
Linie 4

von Linie 4 Lilienthal - am 17.06.2015 12:45

? GPS in diesem Zusammenhang

Was bedeutet GPS in diesem Zusammenhang? Das satellitengestütztes System zur weltweiten Positionsbestimmung kann ja nicht gemeint sein. Es unterstützt keine Übertragung von Sprache...

von Der Wolf und die sieben Geißlein - am 17.06.2015 14:56

Re: ? GPS in diesem Zusammenhang

Ja tut mir leid, dass ich das falsch formuliert habe.
Das GPS System wird ab Herbst alle Fahrzeuge Orten und die Verspätungen oder Umleitungen an die DFIs und an die Zentrale Weiterleiten.

Die Fahrzeuge werden ebenfalls wie schon erläutert ein neues Funksystem bekommen. Dies läuft dann digital und nicht wie jetzt analog.
Bei den Fahrzeugen die Ibisplus schon besitzten, sieht man auch eine blaue GPS-Antenne auf dem Dach.

von Linie 4 Lilienthal - am 17.06.2015 16:41

Re: ? GPS in diesem Zusammenhang

Zitat
Linie 4 Falkenberg
Ja tut mir leid, dass ich das falsch formuliert habe.
Das GPS System wird ab Herbst alle Fahrzeuge Orten und die Verspätungen oder Umleitungen an die DFIs und an die Zentrale Weiterleiten.

Die Fahrzeuge werden ebenfalls wie schon erläutert ein neues Funksystem bekommen. Dies läuft dann digital und nicht wie jetzt analog.
Bei den Fahrzeugen die Ibisplus schon besitzten, sieht man auch eine blaue GPS-Antenne auf dem Dach.


Dann sind auch endlich die Knächzdurchsagen der Leitstelle im Fahrgastinnenraum endlich Geschichte, oder?

von Jens Stein - am 17.06.2015 17:08

Re: ? GPS in diesem Zusammenhang

Das ergibt keinen Sinn... Wie soll bitteschön "über GPS gefunkt" werden?

1. GPS ist ein System, welches eine Selbstortung ermöglicht.
2. GPS ist ein System, was lediglich in eine Richtung Informationen überträgt (Satellit -> Boden).
3. Die Datenrate von GPS ist um mehrere Größenordnungen zu klein, um Sprache übertragen zu können.

Auch würde es mich wundern, wenn die USA einem, vergleichsweise unbedeutenden, deutschen Verkehrsunternehmen erlauben würden, auch nur irgendwie in den Betrieb des GPS einzugreifen.

von GT8N 3067 - am 17.06.2015 17:22

Re: ? GPS in diesem Zusammenhang

Genau diese von Jens sogenannten "Knächzdurchsagen der Leitstelle" haben dann endlich eine Ende.

Der Gesamte Funkverkehr wird dann über denn digitalen Funk laufen (TETRA, TETRAPOL, GSM/GPRS) oder zukünftige Verfahren.

LG
Linie 4

von Linie 4 Lilienthal - am 17.06.2015 17:32

Re: Einige wichtige Korrekturen

Ein paar Korrekturen:

1. Über GPS findet lediglich die Standortbestimmung und Ampelansteuerung beim IBISplus statt. Auch heute schon bei den umgerüsteten Fahrzeugen. Sind da irgendwelche Unterschiede auf den DFIs aufgefallen???

2. Es entstehen keine Änderungen durch die Fertigstellung der Umrüstung im Bezug auf die Fahrzeugortung. (Herbst halte ich für einen gewagten Termin)

3. Durch das GPS kann das IBISplus nicht genauer die Zeit bis zur Abfahrt auf dem DFI-Anzeiger berechnen.

4. In einem vollkommen anderen Projekt werden gewisse Teile des Funksystems auf Digitalfunk umgestellt. Zeitpunkt noch ungewiss. Dies hat nichts mit dem GPS zu tun.

5. Die DFI-Anzeiger werden weiterhin über Datenfunk, DSL oder Handynetze versorgt. Eine Versorgung über DAB-Datenströme ist nicht geplant.

von Ersatzverkehr - am 17.06.2015 21:29

Frage zu DAB

Ich bin auf dem Funksektor ein absoluter Laie, weiß aber wenigstens so viel, dass DAB für Digital Audio Broadcasting steht, also für digitalen (Hör-)Rundfunk und somit für die Programme von
Radio Bremen, NDR, WDR, Energy, ffn, Radio 21 und wie die Sender sonst noch alle heißen.

Oder sehe ich das falsch?


Freundliche Grüße

von Peter Burtchen - am 18.06.2015 08:20

Re: Frage zu DAB

Hi,

ja, das ist absolut richtig.
DAB ist allgemein für digitalen Rundfunkt bekannt.
Neben unverschlüsstelten Audio-Daten ("Radio") gibt es aber auch noch "stille" Datenkanäle, z.B. für Verkehrsmeldungen, Senderlogos etc. [1]
Wie im von mir zitierten Beitrag aus dem Radioforum [2] laufen in Frankfurt offensichtlich Versuche, über diesen Datenfunk die Haltestelleninformationen zu übertragen.

Vorteile sehe ich darin, dass man senderseitig auf spezielle Hardware und vor allem Frequenzzuteilungen verzichten kann und man sich einfach Übertragungskapazitäten beim Senbderbetreiber (Telekom, Media Broadcast, öff.-rechtl. Senderbetreiber) einkauft. So kann man wirklich die einzelnen Bits, die man senden möchte "stückweise ausgezählt und abgerechnet" werden und die Frequenzen liegen nicht den größten Teil der Zeit teuer brach.

Empfängerseitig braucht man natürlich weiterhin an jedem Standort dedizierte Hardware, aber dank Masenproduktion sind einfache "Radio-Chips" deutlich günstiger, als spezielle Empfänger-Hardware für Betriebsfunk.

Beste Grüße, Marek

[1] [de.wikipedia.org]
[2] [radioforum.foren.mysnip.de]

von Bruder_M - am 18.06.2015 08:41
Moin,

ja, mit GPS / GLONASS / Galileo soll die genaue Position des Fahrzeugs erfasst werden.
Das ist heute schon auf weniger als 1 m Genauigkeit möglich, somit lässt sich sogar die Spur, in der das Fahrzeug sich bewegt erkennten. Das ganze System wird also mindestens 2-dimensional und dynamisch, da man praktisch in Echtzeit auch die Fahrtgeschwindigkeit ermitteln kann.

Stichwort: Telematik und Flottenmanagement [1], wie es mittlerweile schon lange Standard ist bei vielen Privatwirtschaftlichen Unternehmen, wie Speditionen etc. Mittlerweile kann man sich ja sogar den Laufweg seiner Pizza in Echtzeit per App anzeigen lassen.

Das bisherige System mit den Infrarot-Baken ist ja nur 1-dimensional und recht grob diskretisiert, da zwischen den einzelnen Baken keine Information vorliegt. Auch die Geschwindigkeit konnte nur numerisch zwischen zwei Messtellen grob interpoliert werden.
Stand ein Bus zwischen zwei Messtellen plötzlich im Stau kam es teilweise zu seltsamen Artefakten bei der Anzeige der Verspätung oder das Fahrzeug ist durch einen Timeout ganz aus dem System geflogen.

Der Rückkanal zur Zentrale und den Ampelschaltungen wird natürlich konventionell über Betriebsfunk wie bisher oder IP-basiert über Mobilfunk laufen.

Beste Grüße, Marek


[1] [de.wikipedia.org]

von Bruder_M - am 18.06.2015 08:57
Zitat
Linie 4 Falkenberg
Noch Fragen...?


Ja.
Heißt das, dass dann auch die Infrarot-Baken abgewrackt werden?
Ich würde gerne mal so ein Teil hacken und nen Teardown drehen!

Beste Grüße, Marek

von Bruder_M - am 18.06.2015 09:01
So wird ein Schuh draus.

von GT8N 3067 - am 18.06.2015 10:00
Zitat
Bruder_M

Heißt das, dass dann auch die Infrarot-Baken abgewrackt werden?
Ich würde gerne mal so ein Teil hacken und nen Teardown drehen!


Heißt auf Deutsch? :D

von Jens Stein - am 18.06.2015 10:01
Zitat
Jens Stein
Zitat
Bruder_M

Heißt das, dass dann auch die Infrarot-Baken abgewrackt werden?
Ich würde gerne mal so ein Teil hacken und nen Teardown drehen!


Heißt auf Deutsch? :D


* Abwracken -> Verschrotten eines technisch noch funktionirenden Gegenstandes zu Gunsten einer Neuanschaffung mit dem Hintergrund einer tatsächlichen oder vorgeschobenen Konjunkturförderung.[1] Nicht zu verwechseln mit [2].
* Hacken -> Die Beschäftigung eines oder mehrer Technikenthusiasten mit den Hintergründen und Details von technischen Systemen. [3]
* Teardown -> Engl. für Abbau. Das in Bildern [4] oder oft live in Videos [5], [6] dokumentierte Zerlegen und Hacken von technischen Geräten mit dem Ziel, den Aufbau und die Funktion zu verstehen und/oder zu erklären. [7]

[1] [de.wikipedia.org]
[2] [de.wikipedia.org]
[3] [de.wikipedia.org]
[4] [www.ifixit.com]
[5] [www.youtube.com]
[6] [www.youtube.com]
[7] [en.wikipedia.org]

von Bruder_M - am 18.06.2015 12:01
Da hat Marek völlig recht...

von Linie 4 Lilienthal - am 18.06.2015 13:22
Zitat
Bruder_M
Das bisherige System mit den Infrarot-Baken ist ja nur 1-dimensional und recht grob diskretisiert, da zwischen den einzelnen Baken keine Information vorliegt. Auch die Geschwindigkeit konnte nur numerisch zwischen zwei Messtellen grob interpoliert werden.

Dazu sollte man aber erwähnen, dass die Daten aus den Infrarot-Baken nicht die einzigen Informationen waren, dafür stehen ja viel zu wenig von den IR-Baken in der Stadt rum. Zusätzlich wurde ja ebenfalls Odometrie eingesetzt. Das Fahrzeug kennt ja die zurückgelegten Entfernungen. Natürlich ist auch diese Methode nur begrenzt exakt, da der Radumfang ja variert (neuer Reifen vs. abgefahrenem Reifen). Die Baken dienten da ja mehr der Synchronisation, um diese Ungenauigkeiten ein Stück weit auszugleichen.


Ich hoffe, dass man sich auch künftig nicht rein auf GPS/GLONASS/Galileo verlässt, denn die Satelliten-Navigation ist anfällig. Schlechtes Wetter mit einer geschlossenen tiefen Wolkendecke und schon versagt das Navi und die BSAG wüsste nicht mehr, wo die Fahrzeuge sind. Auch "Häuserschluchten" können problematisch sein (zum Glück sind diese in Bremen nicht so verbreitet). Daher sollten ein paar Baken und der Rückgriff auf die Odometrie erhalten bleiben. Im Normalbetrieb sollte aber der GPS-Einsatz die Genauigkeit schon massiv erhöhen.

Zitat

Stand ein Bus zwischen zwei Messtellen plötzlich im Stau kam es teilweise zu seltsamen Artefakten bei der Anzeige der Verspätung oder das Fahrzeug ist durch einen Timeout ganz aus dem System geflogen.


Daran wird sich auch durch GPS nicht viel ändern können: Die angezeigte Zeit ist eben nur eine Prognose, wann das Fahrzeug vor Ort sein wird. Steht ein Fahrzeug länger, kann das System keine sinnvolle Prognose mehr abgeben. Es ist ggf. nur genauer als mit der Odometrie bekannt, wo das Fahrzeug steht. Es ist dem System zwar bekannt, wie lange das Fahrzeug ca. unter Normalbedingungen noch benötigt, aber bei Stau oder blockierter Strecke, kann ggf. nur grob geschätzt werden. Gerade bei Stau könnte das System die Durchschnittsgeschwindigkeit zu Grunde legen, diese kann im Stau aber massiv schwanken. Am Anfang des Staus geht es vielleicht noch ganz gut voran, kommt man dem Nadelöhr näher sinkt die Geschwindigkeit. Die geschätzte Ankunftszeit steigt, aber dann kommt die Busspur und der Bus kann nun am Stau vorbei fahren, die Zeit sinkt wieder. Dann kommt noch der Rolli-Fahrer hinzu, der durch den Hublift-Einsatz die Haltezeit an der Haltestelle über die erwartete Zeit steigen lässt, die Ampel-Schaltung, die irgendwann doch mal wieder den MIV fahren lässt, weil der Busfahrer eben doch noch Fahrkarten verkaufen muss. Die Anzeigen können daher gerade bei Störungen eben nicht immer exakt sein, vollkommen unabhänig davon, wie die Position technisch nun ermittelt wird.

von D.Kleine - am 18.06.2015 17:20
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