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Alle Jahre wieder: VBN erhöht Fahrpreise

Startbeitrag von Marvo am 24.09.2015 16:06

Moin,

da ist sie wieder: die alljährliche Fahrpreiserhöhung vom VBN.
Begründet werden diese in diesem Jahr mit "Personalkosten, Verbesserungen des Angebotes und der Fahrgastinformation" und "vertragliche Regelungen der Verkehrsunternehmen".

Ein kleiner Auszug der Erhöhungen (für PS I Stadtgebiet Bremen):

EinzelTicket: 2,70 € statt bisher 2,60 €
4erTicket-Abschnitt: 2,45 € statt bisher 2,35 €
MonatsTicket: 62 € statt bisher 60 €
Abo als MIA-Ticket (monatlich): 51,10 € statt bisher 49,50 €
Schüler-10er Ticket: 13,90 € statt bisher 13,20€
KurzstreckenTicket: bleibt unverändert bei 1,40 €. Der Preis für das Kurzstrecken-4erTicket steigt um 5 Cent je Fahrt auf 1,30 € je Fahrt.
Auch der Nachtlinienzuschlag bleibt unverändert bei 1€ pro Person und Nacht.

Eine detaillierte Übersicht ist hier zu finden.

Freundliche Grüße,
Marvo

Antworten:

Zitat
Marvo
Begründet werden diese in diesem Jahr mit "Personalkosten, Verbesserungen des Angebotes und der Fahrgastinformation" und "vertragliche Regelungen der Verkehrsunternehmen".


Die sonst immer gerne vorgebrachten gestiegenen Energiekosten, gibt es dieses Jahr nun nicht wirklich. Die müssten eigentlich sogar die anderen Kostensteigerungen ausgleichen können.

MonatsTicket für 62€ finde ich so langsam wirklich heftig. Ich erinnere mich noch an die Einführung der Bremer Karte für 40DM (20,45€). Zum Glück ist mein Auto noch mal durch den TÜV gekommen...

Auch 2,70€ für die Einzelkarte sind schon eine Ansage. Wenn man zu zweit unterwegs ist, ist nachts ja bald ein Taxi wirklich billiger und darauf muss man in der Regel dann nicht bis zu einer Stunde warten.

von D.Kleine - am 24.09.2015 17:53
Nächstes Jahr wird dann aufgrund der sinkenden Population von Thunfisch an der Preisschraube gedreht, wirklich unfassbar...

Die Tageskarte kostet fast nen Euro mehr, als in Berlin :rolleyes:

Und wie will man das Angebot verbessern, wenn im Endeffekt hier und da Fahrzeuge fehlen?

von Christian A. - am 24.09.2015 18:55
Zitat
D.Kleine
MonatsTicket für 62€ finde ich so langsam wirklich heftig. Ich erinnere mich noch an die Einführung der Bremer Karte für 40DM (20,45€). Zum Glück ist mein Auto noch mal durch den TÜV gekommen...


Ja, ich habe hier noch alte Schüler MonatsTickets liegen, da sieht man die Steigerung..damals war das MonatsTicket glaub ich bei 31,30€. Jetzt sind dafür schlappe 45,40€ fällig..

Zitat
D.Kleine
Auch 2,70€ für die Einzelkarte sind schon eine Ansage. Wenn man zu zweit unterwegs ist, ist nachts ja bald ein Taxi wirklich billiger und darauf muss man in der Regel dann nicht bis zu einer Stunde warten.


Schade ist auch, dass man innerhalb der ersten Stunde nicht mehr zurück fahren darf - aber die Regelung ist ja schon länger weggefallen..

von Marvo - am 24.09.2015 19:47
Zitat
Christian A.

Die Tageskarte kostet fast nen Euro mehr, als in Berlin :rolleyes:


Ist schon ziemlich selbstbewusst für einen vergleichsweise kleinen Verkehrsverbund wie den VBN. Irgendwann gibt's dafür die Quittung , wenn die Fahrgastzahlen wieder sinken...

von Arne Schmidt - am 24.09.2015 20:19
Nachdem die DB in diesem Jahr auf eine Fahrpreiserhöhung verzichtet, dachte ich schon, daß der Kelch an uns vorüber geht.
Falsch gedacht...

von Jens Stein - am 24.09.2015 20:37
Zitat
Marvo
Zitat
D.Kleine
MonatsTicket für 62€ finde ich so langsam wirklich heftig. Ich erinnere mich noch an die Einführung der Bremer Karte für 40DM (20,45€). Zum Glück ist mein Auto noch mal durch den TÜV gekommen...


Ja, ich habe hier noch alte Schüler MonatsTickets liegen, da sieht man die Steigerung..damals war das MonatsTicket glaub ich bei 31,30€. Jetzt sind dafür schlappe 45,40€ fällig..


D.Kleine: Ich verstehe nicht, was die Umrechnung von DM in € bringen soll. Einen repräsentativen Vergleich zwischen damals und heute? Ich glaube kaum, dass das so einfach geht...

Marvo: Der Vergleich € zu € über einen längeren Zeitraum ist so gesehen ebenfalls nicht besonders sinnvoll. Qualität/Quantität des ÖPNV haben sich verbessert oder zumindest verändert, Netzerweiterungen haben stattgefunden etc... Auch ich bin kein Profi in diesem Gebiet, aber zurzeit verliert der Euro nunmal stark an Wert bzw. befindet sich in einem Tief, was in die Preisbildung bestimmt auch mit einberechnet werden muss.

Nimmt man hingegen die aktuellen Benzinpreise und vergleicht sie mit Ticketpreisen über die letzten Jahre oder was auch immer, kann man bestimmt sagen: Der ÖPNV war schonmal günstiger! Das stimmt wohl.



Ich vertrete übrigens die Ansicht, der ÖPNV sollte generell komplett durch die Städte etc. finanziert werden und lediglich ein Ticketsystem "aufgesetzt" bekommen, damit zur Fahrt weiterhin Tickets notwendig sind. Einen Ausgleich der Finanzierung (bspw. aufgrund gestiegener Kosten) durch Erhöhung der Fahrpreise finde ich nicht zielführend, eher eine Anpassung an den derzeitigen Euro-Dollar-Kurs oder sowas. Das wäre dann nachvollziehbar. Vorausgesetzt man will, dass Leute auf den ÖPNV umsteigen... Der ÖPNV in Bremen ist meiner Meinung nach zurzeit höchst unattraktiv, bestimmt durch festgefahrene Strukturen und ein überholtes System, an dem immer weiter gebastelt wird - nicht zuletzt 2011 mit der Einführung der Regio-S-Bahn, die ein neues Busnetz in Bremen-Nord mit sich brachte. Aber das führt am Thema vorbei... :D

von HB-Nord - am 24.09.2015 21:03
Zitat
HB-Nord
D.Kleine: Ich verstehe nicht, was die Umrechnung von DM in € bringen soll. Einen repräsentativen Vergleich zwischen damals und heute? Ich glaube kaum, dass das so einfach geht...


Repräsentativ? Nö, es soll einfach nur zeigen, dass sich der Preis für eine Monatskarte in einem Zeitraum, den ich noch überblicken kann, mal fast genau verdreifacht hat. Nicht mehr, nicht weniger.

Zitat

Marvo: Der Vergleich € zu € über einen längeren Zeitraum ist so gesehen ebenfalls nicht besonders sinnvoll. Qualität/Quantität des ÖPNV haben sich verbessert oder zumindest verändert, Netzerweiterungen haben stattgefunden etc...


Naja wir sollten lieber sagen, verändert. Damals zu Zeiten der 40DM-Bremer Karte gab es Abends und Sonntag noch einen 15-Minuten-Takt, statt des 20er-Taktes. Die Netzerweiterungen sind eher gering, dort wo heute die Straßenbahn fährt, fuhren früher ja stattdessen Busse. Und die BSAG und wir hier im Forum beten ja auch immer gebetsmühlenartig herunter, dass der Betrieb wirtschaftlicher (also kostendeckender bzw. -günstiger) ist, wenn man von Bus auf Bahn umstellt. Das wurde auch immer beim Zielnetz 2010 als Argument für den Netzausbau genannt: Man wird dadurch effizienter und senkt Kosten.

Zitat

Auch ich bin kein Profi in diesem Gebiet, aber zurzeit verliert der Euro nunmal stark an Wert bzw. befindet sich in einem Tief, was in die Preisbildung bestimmt auch mit einberechnet werden muss.


Der einzige Punkt bei dem der Euro/Dollar-Kurs wirklich eine tragende Rolle spielt, wären die Energiekosten. Die Kraftstoff-Preise sind aber auf einem deutlich niedrigerem Niveau als in den letzten Jahren. Diesel kostet aktuell zwischen 1,00€ und 1,10€ je Liter, der Preis lag in der Vergangenheit zeitweise schon bei 1,40€ je Liter. Trotz des Wertverfalls des Euro. Ohne diesen, wären Kraftstoffe derzeit noch günstiger, als sie sowieso schon sind. Der andere Preistreiber im ÖPNV sind die Personalkosten, aber die Gehälter werden eben in Euro bezahlt.

von D.Kleine - am 24.09.2015 21:36
Zitat
D.Kleine

Naja wir sollten lieber sagen, verändert. Damals zu Zeiten der 40DM-Bremer Karte gab es Abends und Sonntag noch einen 15-Minuten-Takt, statt des 20er-Taktes. Die Netzerweiterungen sind eher gering, dort wo heute die Straßenbahn fährt, fuhren früher ja stattdessen Busse. Und die BSAG und wir hier im Forum beten ja auch immer gebetsmühlenartig herunter, dass der Betrieb wirtschaftlicher (also kostendeckender bzw. -günstiger) ist, wenn man von Bus auf Bahn umstellt. Das wurde auch immer beim Zielnetz 2010 als Argument für den Netzausbau genannt: Man wird dadurch effizienter und senkt Kosten.


Dass der Betrieb wirtschaftlicher ist, ist "nur" einer von vielen guten Gründen für den Ausbau der Strab. Darüber hinaus müssten auch mal die weiteren angedachten Verlängerungen des Zielnetzes 2010 stattfinden. Mit Mahndorf und Lilienthal ist es m.M.n. noch lange nicht getan. Ich darf anmerken dass wir das Jahr 2015 haben...? Aber stattdessen werden diese unnötigerweise totgeredet oder gestrichen (2/10). Und langsam glaube ich, dass wir froh sein können wenn die Querspange und die 1 und 8 bis 2019 noch kommen. Aus Huchting habe ich irgendwie schon lange nichts gehört. Vielleicht ist es auch an mir vorbeigegangen... Wie sieht aktuell die Entwicklung der Förderungen nach 2019 eigentlich aus?

Zitat
D.Kleine
Der einzige Punkt bei dem der Euro/Dollar-Kurs wirklich eine tragende Rolle spielt, wären die Energiekosten. Die Kraftstoff-Preise sind aber auf einem deutlich niedrigerem Niveau als in den letzten Jahren. Diesel kostet aktuell zwischen 1,00€ und 1,10€ je Liter, der Preis lag in der Vergangenheit zeitweise schon bei 1,40€ je Liter. Trotz des Wertverfalls des Euro. Ohne diesen, wären Kraftstoffe derzeit noch günstiger, als sie sowieso schon sind. Der andere Preistreiber im ÖPNV sind die Personalkosten, aber die Gehälter werden eben in Euro bezahlt.


Die Personalkosten sind mit Abstand der größte Kostenpunkt im ÖPNV mit ca. 50%. Quelle habe ich jetzt leider nicht parat.

Versteht mich nicht falsch: Mir gefallen die ständigen Preiserhöhungen genau so wenig wie euch.

von Bremer89 - am 24.09.2015 22:02
absurd. Preise höher als in vergleichbar großen deutschen Städten mit teuren U-Bahnen oder schnellen S-Bahnen. Bremen mit seiner Bimmeltram und Dorfbussen denkt, es spielt in einer anderen Liga.
Hauptgrund sind übrigens die gesunkenen Fahrgastzahlen. Um einen Anstieg der Fahrgasteinnahmen zu sichern, muss der Preis stärker steigen, um die sinkenden Fahrgastzahlen (bei wie zu erwartenden erneutem Mildwinter) auszugleichen. In Bremen ist man halt immer schneller mit dem Fahrrad (Regio S-Bahn mal abgesehen, aber die bedient ja quasi nur eine Achse).

von outsider99 - am 25.09.2015 07:07
Zitat
D.Kleine
Die Netzerweiterungen sind eher gering, dort wo heute die Straßenbahn fährt, fuhren früher ja stattdessen Busse. Und die BSAG und wir hier im Forum beten ja auch immer gebetsmühlenartig herunter, dass der Betrieb wirtschaftlicher (also kostendeckender bzw. -günstiger) ist, wenn man von Bus auf Bahn umstellt. Das wurde auch immer beim Zielnetz 2010 als Argument für den Netzausbau genannt: Man wird dadurch effizienter und senkt Kosten.


Ganz genau! Und hier leistet sich der VBN auch wieder einen Bärendienst mit der Preiserhöhung und giesst Wasser auf die Mühlen aller Zweifler und Kritiker der geplanten Netzerweiterungen. So kann dann ganz leicht argumentiert werden : Zu welchem Zweck? Die Einsparungen werden doch an die Fahrgäste sowieso nicht weitergegeben , das Bus- und Bahnfahren wird ja eh teurer.

von Arne Schmidt - am 25.09.2015 09:49
Es wurde m.E. auch nie versprochen, dass die Einsparungen zu Gunsten der Fahrgäste weitergegeben werden. Der Netzausbau ist Teil des Defizitsenkungsauftrags, den die BSAG von der Politik erhalten hat.

Die BSAG hat nämlich einen verpflichtenden Vertrag mit der Stadt, der sie zu einem kontinuierlichen - sogar nominellen, nicht nur inflationsbereinigten - Rückgang des Defizitausgleichs zwingt. So hat die BSAG auch 2014 wieder 1,1 Mio € weniger aus der Verlustübernahme erhalten und diesen Vertrag somit abermals erfüllt. Die Stadt gibt also seit Jahren jährlich weniger für ÖPNV aus.

Somit ist die BSAG gezwungen folgende Strategie zu verfolgen: Optimierung der Kosten durch Anpassung der Prozesse in Verwaltung und Betrieb (hier spielt die Umstellung auf Bahnbetrieb eine große Rolle > weniger Personalkosten, geringere Energiekosten) auf der einen Seite und Erlössteigerungen auf der anderen Seite (> Ticketpreise hoch).

Um bei einem defizitären Unternehmen das Defizit mindestens zu halten oder sogar zu senken, müssen die Erlössteigerungen (Tickets) und Kostensenkungen deutlich über der Inflation liegen. Wenn jetzt noch Nachfragerückgänge hinzu kommen, wird es noch prekärer.

Insgesamt gesehen ist das natürlich ein Teufelskreis, der aber nur durch eine politisch anders gelagerte Richtungsentscheidung gebrochen werden kann. Es muss das Dogma aufgegeben werden, dass der ÖPNV jedes Jahr weniger kosten muss.

Ich meine auch, dass die Preisschraube jetzt überdreht ist und das Ende der Zahlungsbereitschaft langsam erreicht ist, zumal die Kraftstoffpreise zuletzt deutlich gesunken sind und dann auch noch das Wetter besser war.

So sieht man, was von den politischen Sonntagsreden von wegen "Förderung ÖPNV", "Förderung Elektromobilität" etc. praktisch und wenn es um's Geld geht zu halten ist: Nix. Vielleicht wäre die Zeit mal reif für eine "Bremer Karte 2.0", wie z.B. in Wien: 365 € für die Jahreskarte :-).

von HM2204 - am 25.09.2015 10:56
Zitat
Bremer89
Aus Huchting habe ich irgendwie schon lange nichts gehört. Vielleicht ist es auch an mir vorbeigegangen... Wie sieht aktuell die Entwicklung der Förderungen nach 2019 eigentlich aus?


Das erneute Planfeststellungsverfahren wurde abgeschlossen, es gab Anfang des Jahres eine Anhörung der Einsprüche. Bedingt durch die Bürgerschaftswahl hat die Deputation seitdem jedoch nicht mehr getagt und somit ist leider auch noch nichts zu lesen.

Zuletzt wurde immerhin die Vereinbarung zwischen Bremen, Stuhr und Weyhe über den Ausbau geschlossen: [www.bauumwelt.bremen.de]

Ebenso läuft derzeit die Ausschreibung für die Ausführung der Bauarbeiten:
[ausschreibungen-deutschland.de]


Gestern wurde endlich beschlossen, dass die GVFG Mittel über 2019 hinaus bereitgestellt werden, genauso erhöht der Bund die Regionalisierungsmittel - zwar nicht ganz im geforderten Rahmen, aber immerhin hat Schäuble akzeptiert, dass alles andere fatale Konsequenzen hätte.


Es sieht also alles ganz gut aus im Moment :)

von Irgendware - am 25.09.2015 13:11
Zitat
Irgendware
Zitat
Bremer89
Aus Huchting habe ich irgendwie schon lange nichts gehört. Vielleicht ist es auch an mir vorbeigegangen... Wie sieht aktuell die Entwicklung der Förderungen nach 2019 eigentlich aus?


Das erneute Planfeststellungsverfahren wurde abgeschlossen, es gab Anfang des Jahres eine Anhörung der Einsprüche. Bedingt durch die Bürgerschaftswahl hat die Deputation seitdem jedoch nicht mehr getagt und somit ist leider auch noch nichts zu lesen.

Zuletzt wurde immerhin die Vereinbarung zwischen Bremen, Stuhr und Weyhe über den Ausbau geschlossen: [www.bauumwelt.bremen.de]

Ebenso läuft derzeit die Ausschreibung für die Ausführung der Bauarbeiten:
[ausschreibungen-deutschland.de]


Gestern wurde endlich beschlossen, dass die GVFG Mittel über 2019 hinaus bereitgestellt werden, genauso erhöht der Bund die Regionalisierungsmittel - zwar nicht ganz im geforderten Rahmen, aber immerhin hat Schäuble akzeptiert, dass alles andere fatale Konsequenzen hätte.


Es sieht also alles ganz gut aus im Moment :)


Danke für den Bericht.

Eine Ergänzung: Die Deputation muss m.E. auch gar nichts mehr beschließen. Der Beschluss steht. Es muss "nur" noch durch den Bauherren BSAG das Baurecht beantragt werden. Dieses Verwaltungsverfahren läuft derzeit und endet mit dem Planfeststellungsbeschluss, der im Herbst vorliegen sollte. So war es zumindest zuletzt angekündigt worden. Dann kann durch wirklich Betroffene der Bescheid in sehr engem Rahmen und bei verkürztem Instanzweg beklagt werden.

von HM2204 - am 25.09.2015 13:59
Das ganze läuft ja schon Jahrzehnten nach Schema F. Dahinter steckt sicherlich auch die Furcht, dass man nach mehreren Jahren konstanter Fahrpreise - was hier nicht gegeben ist - bei einer dann irgendwann anstehenden 10 bis 15 prozentigen Preissteigerung einen echten Schock auslösen würde. So was gab es zuletzt 1968 und damals gab es recht heftige Demos.

Achtung Ironie: Vielleicht ist es ja gewollt, die Fahrgastzahlen zu reduzieren, um mit den GT8N noch eine Weile über die Runden zu kommen.

Das oft aufgeführte Argument von Netzerweiterungen betrifft einen Großteil der zahlenden Fahrgäste jedenfalls garnicht. Der städtische Einheitstarif dürfte langsam, aber sicher an seine Grenzen stoßen!

von Torsten S. - am 25.09.2015 18:42

Übersicht über Fahrpreise der 20 größten Städte (Kurzstrecke, Einzelfahrt, Tageskarte) 2015

Um die Diskussion zu versachlichen, habe ich eine Übersicht der Fahrpreise in den 20 größten Städten (nach Einwohnerzahl 2013) erstellt:



Fazit für Bremen: Der Fahrpreis für Kurzstrecke ist super. Die Kurzsstrecke gibt es in keiner Stadt günstiger. Die Einzelfahrt liegt auf Deutschlandniveau. Dafür ist die Tageskarte relativ teuer. Nur Köln und Bonn können das noch toppen. Z. B. in Hannover lohnt sich die Tageskarte schon ab der zweiten Fahrt! In Nürnberg gilt die günstige Tagesfahrkarte am Wochenende sogar am Samstag und am Sonntag!

Nichtsdestotrotz ist der Vergleich nur bedingt aussagekräftig. Hinter den Produkten steht eine ungleiche Leistung (z. B. Kurzstrecke für 3 Stationen oder 2 km, Tageskarten-Gültigkeit ganztägig oder erst ab 9 Uhr). Auch gibt es ein unterschiedliches Angebot (z. B. S-Bahn-Verkehr, dichterer Takt etc.).

Die Unterschiede zwischen 2013 und 2015:



Die Übersicht 2013 und 2014 befindet sich unter [26194.foren.mysnip.de].

von Der Wolf und die sieben Geißlein - am 25.09.2015 21:59

Re: Übersicht über Fahrpreise ... Einzelfahrkarten

Bei den Einzeltickets sollten wir aber eher die Preise der rabattierten Mehrfachtickets bzw. Sammelkarten ansetzen. Dann wäre Bremen (2,35 €) teurer als Berlin (2,25 €), aber sehr viel günstiger als Hamburg oder Frankfurt, wo es so etwas gar nicht gibt.
Früher gab es in Bremen sogar 20 % Rabatt für Sammelkarten.

von Torsten S. - am 26.09.2015 09:53

Re: Übersicht über Fahrpreise der 20 größten Städte (Kurzstrecke, Einzelfahrt, Tageskarte) 2015

Vielen Dank an den Wolf und die sieben Geißlein! Du hast dir echt viel Mühe gemacht :spos:

von Luley - am 26.09.2015 18:53
Die Kurzstrecke ist in Bremen aber mehr oder weniger unbrauchbar. Das Thema hatten wir hier schon (Ausnahmen HBF-Westerstraße etc...).
3 Straba oder Bushaltestellen entsprechen maximal 15 Minuten Fußweg. In anderen Städten gibt es Kurzstrecke für 1 oder 2 S- oder U-Bahnstationen und 4 oder mehr Bus oder Straßenbahnstationen.

Anderes Thema:
Reduzierung der Kosten:
- Warum gibt es eigentlich in Bremen keine Ausschreibungen von (Bus)Verkehren? Das BSAG Personal scheint ja sehr überdurchschnittlich bezahlt zu werden (Sonntags/Nachtboni, etc...man erkennt es daran, dass sie NIE streiken).
- Wasserkopf. Tolles neues Verwaltungsgebäude... Beispiel: Warum gibt es Verkehrsplaner auf 4 Ebenen? BSAG, VBN; ZVBN, SfBUV? Eigentlich reichen doch 2: Eine Planungsabteilung des Verbunds der Unternehmen (VBN) und eine in der Politik für die Gebietskörperschaften). Beim Marketing ist es vermutlich ähnlich.

von outsider99 - am 27.09.2015 09:39
Wo wir wieder beim alten Thema sind:
Wieso gibt es keinen Verbundfahrplan, wieso hat die BSAG eigene Fahrplanperioden?

von haubra - am 27.09.2015 10:42

Re: BSAG-Zerschlagung nein Danke

So etwas brauchen wir in Bremen wirklich nicht.
Konzessionsgerangel um irgendwelche Buslinienbündel wie in Frankfurt a. M. mit dem Ergebnis, dass irgendwelche Billigunternehmen schlechten Service anbieten und die BSAG Personal abbauchen müsste.

Es fehlt eher am politischen Willen, einen qualitativ hochwertigen und effizienten ÖPNV zu ermöglichen (z.B. verschleppte Fahrzeugbeschaffung, suboptimale LSA-Ansteuerungen und straßenbündiger Strab-Verkehr mit Stauneigung). Natürlich verschlimmert auch der Einheitstarif (Bremen-Nord-Problematik) die Ertragslage.

von Torsten S. - am 27.09.2015 14:46

Ertragslage Einheitstarif

Zitat
Torsten S.
... Natürlich verschlimmert auch der Einheitstarif (Bremen-Nord-Problematik) die Ertragslage.


Der Ertragsverlust durch den Einheitstarif müsste ja eher die NWB treffen als die BSAG - es sei denn, es gibt schon Verkehrserhebungen, die zeigen, dass vermehrt ehemalige BSAG-Kunden zwischen Gröpelingen und Nord nun auf die RegioS-Bahn umgestiegen sind (mit entsprechend neuer Verteilung der Einnahmen). Aber zum Thema Bremen Nord: Gibt es eigentlich schon Zahlen die zeigen, ob die Abschaffung der Preisstufe II insgesamt zu Fahrgastgewinnen zwischen Bremen und Bremen-Nord geführt hat?
Weiß jemand, ob es eher die BSAG oder die NWB war, die die "Höherprozentige" Steigerung der Preisstufe I (Bremen) gefordert hat?

von outsider99 - am 28.09.2015 06:16

Re: Ertragslage Einheitstarif

Zitat
outsider99
Zitat
Torsten S.
... Natürlich verschlimmert auch der Einheitstarif (Bremen-Nord-Problematik) die Ertragslage.


Der Ertragsverlust durch den Einheitstarif müsste ja eher die NWB treffen als die BSAG - es sei denn, es gibt schon Verkehrserhebungen, die zeigen, dass vermehrt ehemalige BSAG-Kunden zwischen Gröpelingen und Nord nun auf die RegioS-Bahn umgestiegen sind (mit entsprechend neuer Verteilung der Einnahmen). Aber zum Thema Bremen Nord: Gibt es eigentlich schon Zahlen die zeigen, ob die Abschaffung der Preisstufe II insgesamt zu Fahrgastgewinnen zwischen Bremen und Bremen-Nord geführt hat?


Also vor der Einführung gab es noch Plätze vormittags, wenn man ab Burg gefahren ist.
Heute steht man und geniesst das Sardinendosenfeeling.
Den ganzen Tag mit Doppeleinheiten zu fahren, ist vom Besteller (dem Senat u.a.) wohl nicht gewünscht, so ein Dialog mit der NWB in den vergangenen Tagen.

Einen Halt der RE-Züge, wie sie der SPD-Ortsverband Bremen-Nord noch forderte wie die RE-Züge Bremerhaven - Bremen eingeführt wurden, sieht man Heute wohl nicht mehr dringlich.
Jedenfalls kann sich heute keiner mehr dran erinnern sowas mal gefordert zu haben. Das geht aus einem Dialog hervor, den ich Anfang des Jahres mit denen hatte...

Die Politik klopft sich zwar gegenseitig auf die Schulter für die Schaffung des Einheitstarifes, aber die Folgen die daraus resultieren sind uninteresant.
Wir werden wohl die nächsten Jahre noch weiter mit Erhöhungen rechnen dürfen.

von Jens Stein - am 28.09.2015 07:13

Re: Ertragslage Einheitstarif

Der Einheitstarif war m.E. wirklich ein großer Fehler. Jetzt haben wir die Bandbreite zwischen einer wirklich kurzen Kurzstrecke und dem Tarif von Mahndorf bis Neuenkirchen.

Dies wird dem Markt in Bremen-Stadt, der kurzstreckengeprägt ist und in starker Konkurrenz zum Fahrrad steht, nicht gerecht.

Eigentlich müsste man das zurückdrehen und am besten so wie in Holland machen: Grundtarif 0,88€ und dann je km 0,15€.

Dies wäre für Bremer Relationen etwa:

Malerstraße - Domsheide = 1,55€
Roland-Center - Domsheide = 1,85€
Tenever-Zentrum - Hbf = 2,83€
Mahndorf - Farge = 7,18€

Dies wäre also die ultimative Gerechtigkeit, die allerdings für lange Strecken schon mit einem ziemlich hohen Preis zu Buche schlägt. Der durchschnittliche BSAG-Fahrgast fährt laut Geschäftsbericht 5 km je Fahrt, d.h. sein Preis wäre 1,63€ für eine Einzelfahrt. Dies wäre doch wiederum sehr attraktiv, oder?

Neben den Einzelfahrten gibt es in Holland, z.B. in AMS, zusätzlich Tageskarten (24h 7,50€, 48h 12 €, 72h 16,50€ usw. bis 7 Tage 32€) für das gesamte Stadtgebiet. Daneben sowieso die Zeitkarten, die weiterhin nach - deutlich differenzierteren - Zonen funktionieren.

Der Weg wäre also wie folgt zu beschreiben: Geringe Einstiegspreise ohne Tarifkenntnis spontan nutzbar mit elektronischem Ticket, Langstrecken für Einzelfahrten recht teuer, leicht verständliche Zeitkarten mit abgestufter Gültigkeitszeit von 1 Tag bis Abo.

von HM2204 - am 28.09.2015 09:23

eTicketing vs. Einheitstarif

Beim eTicketing wäre im Prinzip fast alles möglich, also auch ein streng ZLR-orientierter Tarif. ZLR heißt hier: Je nach Zeitpunkt (HVZ vs. SVZ) und relativer (zum MIV) Leistungsausprägung (schnelle und komfortable Direktverbindung am Stau vorbei vs. einer langsamen, über Umwege geführte Busfahrt im Stau) der gewählten Relation wird ein individueller Fahrpreis bestimmt.
Dazu müsste müsste man allerdings mit Check-in/Check-out-Systemen, d.h. Karte beim Ein- und Aussteigen an ein Lesegerät halten, arbeiten. Mit modernerer Technologie wäre
sicherlich auch ein automatisiertes Get-in-/Get-out-System mittels MobileTicketing möglich.

Ob das in Hinblick auf Datenschutz und Bequemlichkeit (mit einer MIA-Card steigt man NOCH einfach ein) wirklich gewollt ist, stelle ich hier mal zur Diskussion.

von Torsten S. - am 28.09.2015 12:51
Interessant, wie hier die routinemäßig anstehende Tariferhöhung des VBN diskutiert wird, ohne nach der eigentlichen Begründung zu fragen.

Auf der öffentlichen Verbandsversammlung des ZVBN zu fdem Thema wurde diese Tariferhöhung folgendermaßen erklärt: Wie jedes Jahr kommt hier folgender Sachverhalt aus den Durchführungsverträgen zum Tragen:

Würde auf diese Tariferhöhung verzichtet, werden alle Kommunen in der Umlage für Ausgleich von Fahrgeldeinnahmen statt mit 250.000 € pro Jahr mit 750.000 € pro Jahr belastet.

Da die Kommunen im VBN-Land sich nicht in der Lage sehen, diese zusätzlichen 500.000 € gemeinschaftlich zu tragen (nicht nur in Bremen gibt es Haushaltsnotlagen und Haushaltssperren) wird der Betrag als Tasriferhöhung auf die Fahrgäste umgelegt.

Man mag es als wenig weitblickend betrachten, aber so ist wohl das Vertragswerk innerhalb des VBN bzw. ZVBN gestaltet. Solange es von allen Vertragspartnern an dem Punkt nicht umgebaut wird (und sich kein anderer findet, dies Defizitrisiko zu übernehmen), wird es wohl weiterhin wie in den letzten Jahren mehr oder weniger fadenscheinige Begründungen für die jährliche überproportionale Tariferhöhung im VBN geben.

von IngoF - am 30.09.2015 10:32
Zitat
IngoF


Man mag es als wenig weitblickend betrachten, aber so ist wohl das Vertragswerk innerhalb des VBN bzw. ZVBN gestaltet. Solange es von allen Vertragspartnern an dem Punkt nicht umgebaut wird (und sich kein anderer findet, dies Defizitrisiko zu übernehmen), wird es wohl weiterhin wie in den letzten Jahren mehr oder weniger fadenscheinige Begründungen für die jährliche überproportionale Tariferhöhung im VBN geben.


Aber wo bleibt das Geld? Der Umsatz steigt ja jedes Jahr. Scheint ja wie bei den Banken in der Finanzkrise zu funktionieren. Verluste sozialisieren und Gewinne privatisieren...

von outsider99 - am 30.09.2015 12:06
Zitat
outsider99
Zitat
IngoF


Man mag es als wenig weitblickend betrachten, aber so ist wohl das Vertragswerk innerhalb des VBN bzw. ZVBN gestaltet. Solange es von allen Vertragspartnern an dem Punkt nicht umgebaut wird (und sich kein anderer findet, dies Defizitrisiko zu übernehmen), wird es wohl weiterhin wie in den letzten Jahren mehr oder weniger fadenscheinige Begründungen für die jährliche überproportionale Tariferhöhung im VBN geben.


Aber wo bleibt das Geld? Der Umsatz steigt ja jedes Jahr. Scheint ja wie bei den Banken in der Finanzkrise zu funktionieren. Verluste sozialisieren und Gewinne privatisieren...


Ob da im ÖPNV so große Gewinne gemacht werden (können) mag ich doch bezweifeln. Im Großen und Ganzen geht es doch eher um die schwarze Null.

In den VBN-Tariferhöhungen werden Verluste gerade nicht "sozialisiert", sondern ihnen wird aus dem Wege gegangen, indem die vorhandenen Kunden etwas mehr zahlen und der Fahrplan weiter auf gut gefüllte Fahrten hin optimiert wird.

von IngoF - am 30.09.2015 13:23
Zitat
outsider99
Aber wo bleibt das Geld? Der Umsatz steigt ja jedes Jahr. Scheint ja wie bei den Banken in der Finanzkrise zu funktionieren. Verluste sozialisieren und Gewinne privatisieren...


Das lässt sich relativ leicht beantworten.
Ein großes Ärgernis im ÖPSV sind die jährlich überproportional steigenden Trassengebühren der DB Netz AG (2-4%). Die Regionalisierungsmittel des Bundes, die genau dafür vorgesehen sind, steigen nach dem neuesten Deal leider nur um etwa 1,8% pro Jahr. Der Rest muss also von den Ländern, Kommunen und Fahrgästen aufgebracht werden. Das betrifft in Bremen zumindest die Nordwestbahn und RE-Leistungen.

Dann gibt es noch andere Dinge, die regelmäßig teurer werden (gesamter ÖPNV).
Die Energiepreise machen zum Glück zur Zeit eine Verschnaufpause, bei Personal, Wartungsaufwand und Beschaffungskosten für Neufahrzeuge dürfte aber die Tendenz ungebrochen sein.
Bei der BSAG dürften momentan vor allem die Wartungskosten der GT8N ein Kostentreiber sein.

Ich glaube kaum, dass bei all diesen Faktoren noch irgendwo groß Geld übrig bleibt, dass sich jemand in die Tasche stopft.

(Edit: Beim ÖPSV habe ich auch die grundsätzlich über der Inflation liegenden Erhöhungen von Stationsentgelten vergessen, die für jeden Halt an einer Station / Bahnhof gezahlt werden müssen)

von Irgendware - am 30.09.2015 13:54
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