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bremer-nahverkehrs.net(z) Forum
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Erster Beitrag:
vor 2 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
Hinnak Hemmschuh, Arne Schmidt, Peter Burtchen, D.Kleine, r c s, T.Hancke

Der Knoten ist durch , neue Bahnen werden ausgeschrieben

Startbeitrag von T.Hancke am 10.11.2015 17:33

In einer Senatspressekonferenz teilte Bürgermeister Sieling heute mit, dass der Senat die Finanzierung von 67 neuen und die Generalüberholung von 10 Bahnen beschlossen hat.
Die prognostizierten Gesamtkosten belaufen sich auf insgesamt 602,3 Millionen Euro. Darin enthalten sind neben den Beschaffungs- und Sanierungskosten sowie Zinsen zusätzlich auch Mittel für notwendige Infrastrukturmaßnahmen in den Betriebshöfen Neustadt, Sebaldsbrück, Gröpelingen und Neue Vahr sowie bereits die Instandhaltungskosten der insgesamt 77 Fahrzeuge über einen Zeitraum bis maximal zum Jahr 2053.

Die Ausschreibung für die neuen Straßenbahnen soll Anfang kommenden Jahres erfolgen. Mit der Lieferung erster Prototypen rechnet die BSAG im Jahr 2018. Mit der Lieferung der weiteren Bahnen soll dann ab 2019 begonnen werden. Bei der Generalüberholung der zehn Straßenbahnen kann jeweils ein Fahrzeug zurzeit vorgesehen werden, ohne die BSAG Kapazitäten zu überlasten. Bei einer Jahreskapazität von zwei Fahrzeugen am vorgesehenen Standort in Sebaldsbrück kann die Generalüberholung von zehn Fahrzeugen in einem Zeitraum von insgesamt fünf Jahren abgeschlossen werden. Die wesentlichen Reparaturleistungen werden – im Sinne einer regionalwirtschaftlichen Stärkung – durch die BSAG erbracht und die Kooperation mit regionalen Partnern vertieft.

Antworten:

Re: Der Knoten ist durch , neue Bahnen werden ausgeschrieben (Link)

Link zur "buten un binnen" Sendung von heute Abend

von Arne Schmidt - am 10.11.2015 20:04

Erfreulich!

Hier gibt es die Senatsmitteilung in gesamter Länge: klick.

Die eigentlichen Anschaffungskosten für die Neufahrzeuge werden mit 210 Mio. € veranschlagt, also ein Stückpreis von 3,13 Mio € - deutlich realistischer als in der ersten Kalkulation für ursprünglich 77 bzw. 85 Bahnen.

Interessanterweise ist von "ersten Prototypen" ab 2018 die Rede - ich vermute, es ist eine kleine Nullserie zu Erprobungszwecken gemeint, denen ab 2019 die eigentlichen Serienfahrzeuge folgen sollen. Ausgehend von der Abschreibungsdauer soll die Nutzungsdauer der neuen Bahnen 30 Jahre betragen.

Von den 602,3 Mio € Gesamtkosten (die detaillierte Entstehung dieser Summe würde mich mal interessieren) soll die BSAG bis 2053 ein Drittel selbst erwirtschaften, den größten Teil davon 2023-48 mit 17,6 Mio € pro Jahr.

von Hinnak Hemmschuh - am 10.11.2015 20:07

2053-2019 = ... ?

Ich muss da doch breit grinsen: Wer von uns glaubt denn, dass 2053 noch Bahnen dieser Art noch auf anderen Linien als auf der 15 und 16 unterwegs sein könnten. Das ist ja ein grandioses Beispiel für realistisches Rechnen. Ich werde dann mal genau hinschauen - wenn ich da noch lebe. :D

von r c s - am 11.11.2015 15:05
Naja durch ist der Knoten erst, wenn der Vertrag endlich unterschrieben ist. Aber es bleibt ein Trauerspiel, das hätte alles vor drei Jahren schon passiert sein können und auch müssen!

von D.Kleine - am 11.11.2015 19:41

Wer die Senatsmitteilung genau gelesen hat, ...

braucht nicht breit zu grinsen! Die Bahnen werden bis 2048 finanziert, also über ihre gesamte geplante Einsatzdauer von 30 Jahren. Das Jahr 2053 bezieht sich auf die Finanzierung der erforderlichen Infrastrukturumbauten. Grundlage dieser Rechnung sind die unterschiedlichen Abschreibefristen für Fahrzeuge und Bauten. Aktuell geben einige Hersteller sogar entsprechende Garantien für 30 Jahre Einsatzdauer, z.B. Solaris für den Tramino und Siemens für den Avenio; inwieweit die Laufleistung dabei berücksichtigt wird, kann ich natürlich nicht sagen.

Diese extrem langfristige Finanzierung produziert verhältnismäßig lange hohe Zinslasten, ist aber sicherlich der Bremer Haushaltslage geschuldet. Ob dieser Weg sinnvoll ist, kann ich nicht beurteilen, mich würde aber zum Vergleich die Finanzierungsmodelle der Wegmänner (die erstmals von der Stadt finanziert wurden), der GT8N und der GT8N-1 interessieren.

Bei den sanierten GT8N unterstelle ich zwei weitere HU-Perioden, also 16 Jahre. Das würde bedeuten, dass ab ca. 2035 eine Ersatzbeschaffung für 43 GT8N-1, 10 sanierte GT8N + x für Mehrbedarfe und Streckenausbauten erforderlich ist. Insgesamt ist die Strategie vielleicht nicht verkehrt, die Beschaffungspolitik für zukünftige Straßenbahngenerationen Richtung 50% zu 50% gegenüber aktuell 64% zu 36% zu verschieben, um die Bilanz gleichmäßiger zu belasten und um das Risiko möglicher Ausfälle durch Serienschäden nach Überbelastung zu nivellieren.

Was meiner Meinung nach in der Kalkulation nicht ausreichend berücksichtigt ist, sind Mehrbedarfe durch kurz- und mittelfristige Taktverdichtungen (die der VEP vorsieht) oder Netzausbauten (z.B. nach Leeste, Osterholz, zur Uni/Linie 8 oder evtl. nach Oslebshausen) bis zur nächsten Beschaffung. Sicher kann man davon ausgehen, dass unmittelbar nach der kompletten Auslieferung die Verfügbarkeit der Flotte spürbar steigt, aber nur wenige Jahre danach werden die ersten GT8N-1 bereits 20 Jahre alt und vermutlich entsprechend wartungsintensiver. Im Moment werden die Bertas doch wohl auch recht intensiv eingesetzt, um ausgefallene GT8N zu ersetzen. Wird sich dann nicht der aktuelle Teufelskreis wiederholen, weil deren Kilometerleistung wieder deutlich höher liegt, als bei der Beschaffung vorgesehen? Muss man nicht irgendwann mal eine wirklich ausreichende operative Reserve beschaffen, wenn man die Flotte gleichmäßiger belasten will? Oder wenigstens eine Option für (sagen wir mal) zehn Bahnen vorsehen, falls die GT8N doch nicht durchhalten? Sonst bleiben dann doch wieder nur Angebotskürzungen ... Vielleicht würde das Herrn Müller von der BSAG sogar in die Hände spielen, da er ja gestern bei "buten un binnen" ganz unverhohlen davon sprach, dass unter dem anstehenden finanziellen Kraftakt mit Personalabbau zu rechnen sei, indem Stellen von ausscheidenden Mitarbeitern nicht unbedingt wieder besetzt würden. Dann hätte man sich eigentlich den ganzen VEP-Zirkus auch sparen können ...

von Hinnak Hemmschuh - am 11.11.2015 20:39

Was sind schon 602,3 Millionen...

...wenn man dagegen liest, dass Hamburg einen S-Bahnhof für 43 Millionen Euro bauen will?
Dazu kommen dann noch einmal 9 Millionen für eine gläserne Fußgängerbrücke.
Zusammen also 52 Millionen nur für einen Bahnhof der S-Bahn!
[www.drehscheibe-online.de]

Dagegen sind "unsere" 602,3 Millionen für 67 Straßenbahnen, Aus-, Um- und Neubau von Werkstätten, verteilt auf 38 Jahre, doch ein Klacks! :D

Edit: Werkstätten ergänzt.

von Peter Burtchen - am 12.11.2015 17:03

Re: Was sind schon 602,3 Millionen...

Tja, Hamburg ist wohl die einzige Stadt in Deutschland, die sich solche Bauvorhaben leisten kann. Während im armen Bremen jeder Euro dreimal umgedreht werden muss...

von Arne Schmidt - am 12.11.2015 17:24

Und noch einmal ...

Die neuen Straßenbahnen kosten nicht 602,3, sondern 210 Mio €!

In dem im Presseordner verlinkten Artikel des Delmenhorster Kreisblatts wird die Rechnung etwas genauer aufgeschlüsselt:

210 Mio € für die 67 neuen Straßenbahnen
_50 Mio € für die Modernisierung der vier Betriebshöfe
220 Mio € für Reparaturen und Abschreibungen bei der BSAG (vermutlich inklusive 15 Mio € für die Sanierung von zehn GT8N)
121 Mio € für Zinsen

Angesichts der geplanten Investition von 1,5 Mio € pro GT8N dürfte es sich um ein deutlich tiefgreifenderes Programm eher im Sinne einer Zweiterstellung als bei der Münchner Sanierung handeln, die gerade mal mit 500.000 € (auf Bremer Verhältnisse - ein Wagenteil und 1 Gelenk mehr - hochgerechnet knapp 700.000 €) pro Fahrzeug zu Buche schlägt.

Andere Baustelle: Hamburg. Vor dem Hintergrund eines Konzerthauses, dessen Baukosten von 80 auf 800 Mio. € gestiegen sind, wäre vielleicht etwas mehr Bescheidenheit angesagt gewesen, aber die Vorentscheidung ist ja wohl durch die Hochbahn gefallen, die sich bei ihrer Elbbrücken-Station im Rahmen eines Architektur-Wettbewerbs für den Entwurf von Gerkan, Mark und Partner entschieden hatten - einen Namen, der nicht gerade für Billig-Bauten steht. Hätte man da seitens der DB einen einfachen überdachten Bahnsteig nach Schema F mit Wartehäuschen aus dem Baukastensystem daneben setzen sollen? So eine peinliche Nummer wie den geplanten Fernbahnhof Diebsteich? Wenn Hamburg den Zuschlag für die Olympischen Spiele erhält, sollen dort innerhalb von vier Wochen (inklusive der Paralympics) ein paar Millionen Personen "umgeschlagen" werden - und das unter den Augen der ganzen Welt! Da müssen doch allein die räumlichen Dimensionen deutlich größer ausfallen, wenn man nicht wieder eine Katastrophe wie bei der Duisburger Love-Parade heraufbeschwören will.

Man darf auch nicht das ausgesprochen schwierige bauliche Umfeld vergessen: Hafengebiet, beengter Platz, Gefälle, Einpassung in vorhandene Infrastruktur zwischen zwei Brücken, eventuell schwierige Bodenverhältnisse ... Ich denke, dass da schon die ingenieurbaulichen Vorleistungen erheblich sein müssen, egal, ob man dann als Hochbau eine Holzbaracke oder eine Glasröhre als Station baut. Ob es den kostspieligen "Skywalk" wirklich braucht, lasse ich mal offen, aber er ist nun mal die (notwendige) architektonische Klammer der beiden Teilbereiche von U- und S-Bahn, die durch die Fernbahn- und die Gütergleise der nach Osten ausschwenkenden Güterumgehungsbahn über den Billhafen getrennt sind.

Die Hamburger Hafen-City ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas, das natürlich mit einem gewissen Prestige verbunden ist: Zeigen, was man hat und was man kann. Würden da nicht simple Seitenbahnsteige und zwei Regenunterstände seltsam deplaziert wirken? Für mich sprechen aus der undifferenzierten Kritik an der neuen S-Bahn-Station bei DSO visionslose Weltanschauungen wie "Geiz ist geil" oder "alles zu Tode sparen". Hätten politische Entscheider früher auf so dumpfes Gemaule gehört, würden wir imposante öffentliche Bauten wie das Bremer Rathaus, unseren Hauptbahnhof, das Landgericht, die Glocke oder das Theater am Goetheplatz heute vergeblich suchen. Ich finde, die Stadt wäre damit ein ganzes Stück ärmer ... Also gönnen wir doch den Hamburgern neidlos ihre neue S-Bahn-Station, auch wenn ein schlichtes Funktionsbauwerk für die Hälfte des Preises es vielleicht auch getan hätte.

von Hinnak Hemmschuh - am 13.11.2015 22:43
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