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bremer-nahverkehrs.net(z) Forum
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10
Erster Beitrag:
vor 1 Jahr, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 1 Jahr, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
HB-Nord, Rauqs, Hinnak Hemmschuh, Irgendware, T.Hancke, Bremer89, IngoF, Bruder_M, Marvo

Diskussion: kostenfreier Nahverkehr in Bremen möglich?

Startbeitrag von Marvo am 14.07.2016 13:42

Moin!

Buten un binnen hat eine Diskussion gestartet: demnach geht es um den kostenfreien Nahverkehr in Bremen. Neu sei dieser Vorschlag nicht, wie in dem Beitrag des Magazins erwähnt wird.
Interessant ist auch der Vergleich zu anderen Städten, die ein ähnliches Konzept anbieten.
So werden in Manchester drei City-Linien angeboten, die jeder kostenfrei nutzen kann, mit der Begründung, die City attraktiver zu gestalten.

In meinen Augen wäre ein solcher Vorstoß sinnvoller als ein komplett kostenfreier Nahverkehr in Bremen.

Was meint Ihr dazu?

Freundliche Grüße,
Marvo

Antworten:

Zitat
Marvo
Was meint Ihr dazu?


Bremen hat kein Geld für den ÖPNV übrig. Erhöhen wir die Fahrpreise pauschal um 200 %!

von HB-Nord - am 14.07.2016 14:29
Möglich wäre kostenfreier Nahverkehr sicher: Einfach keine Tickets verkaufen. Aber wäre es sinnvoll? Dazu sollte man m. E. eine Studie, die sich nur auf Bremen und die hiesigen Bedingungen orientiert, sorgfältig erarbeiten.

Es würden sicher viele Leute, die zur Zeit zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren, mit Regionalbahn, Straßenbahn und Bus fahren. Das muss das heutige System auch verkraften können. Ob auch Autofahrer damit auf den ÖPNV umgelenkt werden, dürfte aufgrund der Erfahrungen der anderen Städte eher fraglich sein. Da ist das Angebot an Parkmöglichkeiten an Quelle und Ziel einer Fahrt entscheidender.

Ein Problem ist die Finanzierung des ÖPNVs. Ohne Fahrgeldeinnahmen oder Ersatz dafür wird es nicht gehen können. Die öffentlichen Kassen sind ( für Beträge in der erforderlichen Höhe ) ziemlich leer. Zu berücksichtigen sind nicht nur die laufenden Kosten für den heutigen Betrieb, sondern auch Ersatzinvestitionen für Abnutzung und Ausweitungen des Angebots, die für die stärkere Nachfrage geschaffen werden müssen.

von IngoF - am 19.07.2016 12:30
Moin,

wie soll denn das gehen?
Der Busfahrer vorne links will ja am Monatsende auch sein Geld auf dem Konto haben.
Wenn man jetzt kostenloses Bus- und Straßenbahnfahren für alle einführt, woher soll denn das Geld kommen, zzgl. Kraftstoff. & Energiepreise, zzgl. Fixkosten für Wartung & Reparaturen, Fahrzeugabschreibung, Rücklagen und Neuanschaffung?
Klar könnte man Steuern erhöhen (pöhse!), um das querzusubventionieren, aber warum muss ich als Autofahrer für das Bereithalten eines Dienstes bezahlen, den ich eh nicht nutze? Und meine Kfz-Steuer bleibt ja auch konstant, egal, ob ich nur 1 km fahre oder 80 Tkm pro Jahr, ob ich jeden Tag in den Bus steige, oder nicht mal weiß, wo die nächste Haltestelle ist.
Ich bekomme ja auch kein Kindergeld, bloß weil ich ein "Gerät" vorhalte. Reicht ja schon, dass ich mit meiner Haushaltsabgabe (GEZ) gefühlte zwei Dutzend Dudler und Funzeln subventioniere, die eine Rotation von 20 Liedern haben und zu 99% das gleiche Programm abdecken. Wozu braucht der NDR ein eigenes Studio im tiefsten Aurich?
Es reicht schon, dass ich als Autofahrer über die Öko-Steuer die maroden Rentenkassen subventionieren darf, weil die Rentner einfach nicht wegsterben wollen und sich mit 80 noch bester Gesundheid erfreuen auf Kreuzfahrten um die Welt tingeln. Das hat ja vor 60 Jahren im Generationenvertrag auch keiner berücksichtigt. Dafür soll ich mich hier noch in einen stickigen, versifften, unpünktlichen Bus queteschen? Kost dann ja nix, Amen!

Betriebswirtschaftlich gesehen: Ganz klar nein!

Wenn die BSAG nicht kostendeckend haushalten kann, dann soll sie es eben sein lassen und anderen den Markt überlassen. Dann wird sich zeigen, ob andere das besser können oder ihnen schon nach ein paar Jahren der Atem ausgeht, wie es sich gerade bei den Sub-Sub-Unternehmern von Flix-Bus zeigt. Staatliche Subventionen verzerren den Wettbewerb und behindern den Fortschritt: Siehe Bankenrettung 2008/2009, Griechenland-Krise, Energiewende und Elektromobilität. Seit den 70-ern steht die wirtschaftliche Nutzbarmachung der Kernfusion "kurz bevor". Klasse! Und was passiert? In Greifswald schauen sich staatlich subventionierte "Forscher" Plasmaleuchten im Vakuum an. So weit war ich als Schüler vor 25 Jahren schon bei meinen Experimenten mit Blitzlampen und Magneten.
Schaut euch doch mal allein in der Stadt um: OHB und EADS schnappen sich gegenseitig die Aufträge weg und unterbieten sich gegenseitig. Schaut euch mal an, was ein Ariane-Start kostet und wie es Elon Musk mit SpaceX im wöchentlichen Rythmus zu nem Bruchteil des Geldes hinkriegt. Nebenbei entwickelt er sich auch noch sein Elektroauto mit Standard-Komponenten (Laptop-Akkus!), das weltweit durch die Bank weg alle Autohersteller abhängt (ich soll 35+ k€ für nen BMW i3 bezahlen mit einer Reichweite von nicht mal 300 km und der bei 150 km/h gedrosselt ist? *vogelzeig*) und selbst mit den meisten Verbrenner-Sportwagen mithalten kann.

Fazit: Man muss nicht jeden Tag bei McDonald's abhängen und CocaCola trinken, um zu sehen, dass der Kommunismus nicht funktioniert. Das sollte uns die Geschichte der letzten 70 Jahre gelehrt haben: Der Ostblock ist zusammengebrochen, Kuba und China haben sich dem Westen/Kapitalismus geöffnet. Nur in Nordkora gibt es noch einen Spinner, der seine Bevölkerung dumm hält. Nix zu fressen haben, aber Militärparaden feiern. Aber dafür ist dort bestimmt auch das Busfahren kostenlos -- falls es mal ausreichend Sprit gibt :sneg:

von Bruder_M - am 19.07.2016 14:48
Zitat
Bruder_M
Moin,

wie soll denn das gehen?
...
Es reicht schon, dass ich als Autofahrer über die Öko-Steuer die maroden Rentenkassen subventionieren darf, weil die Rentner einfach nicht wegsterben wollen und sich mit 80 noch bester Gesundheid erfreuen auf Kreuzfahrten um die Welt tingeln. Das hat ja vor 60 Jahren im Generationenvertrag auch keiner berücksichtigt. Dafür soll ich mich hier noch in einen stickigen, versifften, unpünktlichen Bus queteschen? Kost dann ja nix, Amen!

Betriebswirtschaftlich gesehen: Ganz klar nein!


Autofahrer zahlen noch lange nicht genug. Ich kann mich immer nur wiederholen: Kostenwahrheit des MIV! Ich habe es schon paar Mal angesprochen. Oder glaubst auch du immer noch dass man als Kfz-Steuer zahlende Person der Idiot ist der alle Löcher, auch in anderen Kasse, stopft. Dann träum weiter.
Was das angeht bedarf es ein großes Umdenken, aber die meisten denken zu kleinteilig und immer nur höchstens von jetzt bis übermorgen...
Mit einem umlagefinanzierten Modell lässt sich durchaus fahrscheinloser(!) Nahverkehr organisieren!

von Bremer89 - am 19.07.2016 17:20
Zitat
Bruder_M
wie soll denn das gehen?
Der Busfahrer vorne links will ja am Monatsende auch sein Geld auf dem Konto haben.
Wenn man jetzt kostenloses Bus- und Straßenbahnfahren für alle einführt, woher soll denn das Geld kommen


Ach, warten wir nochmal 10 Jahre oder so ab, dann gibts Busfahrer mit Funktion des Lenkers nicht mehr. Höchstens noch als Servicekräfte oder Ansprechpartner, die man mit Mindestlohn bezahlen könnte - oder outgesourced per Video-Stream, falls Fahrgäste was wissen wollen. Wird alles besser ;)

von HB-Nord - am 19.07.2016 19:17

Re: Diskussion: Fahrscheinfreier Nahverkehr in Bremen möglich?

Man sollte bei der Diskussion berücksichtigen, dass es eben nicht darum geht , das der Nahverkehr nichts kostet, sondern der Teil des ÖPNV ,der derzeit durch Fahrgeldeinnahmen finanziert wird ,anders aufgebracht wird.
Da würden mir auch einige Sachen einfallen.
Wenn man das oben angeführte "Warum soll ich zahlen , wenn ich es nicht nutzte " mal umgekehrt aufzäumt frag ich mich z. B. warum ich parken privater PKW auf öffentlichen Straßen mitfinanziere, obwohl ich kein Fahrzeug besitze. Eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung wäre z.B. eine Einnahmemöglichkeit, ebenso könnte man die KFZ Steuern für übergroße oder viel Schadstoffe ausstoßende stark erhöhen.

von T.Hancke - am 19.07.2016 20:26

Re: Diskussion: Fahrscheinfreier Nahverkehr in Bremen möglich?

Moin,

Ich könnte mir gut vorstellen, einen kostenlosen Verkehr z.B. auf der Linie 6 anzubieten. Das hätte einen positiven Imagegewinn zur Folge und die Auswirkungen (z.B. erhöhter Fahrzeugbedarf durch stärkere Nutzung) sind beherrschbar. Umsetzen könnte man das wegen dem Fahrzeugmangel aber wohl erst wenn die neuen Bahnen in ausreichender Zahl da sind.

Was ich an einer generellen Einführung jedoch kritisch sehe: die Beziehung zwischen Kunde und Verkehrsunternehmen würde sich grundlegend ändern!
Solange man einen Kunden davon überzeugen muss, für das Produkt Geld zu berappen muss ein vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis geboten werden.

Wenn aber die Fahrgäste kein Geld mehr zahlen, und die komplette Finanzierung aus Steuern kommt, muss sich das Unternehmen dann nur noch dem Willen der Verwaltung beugen. Diese würde immer erst eine maximale Ausnutzung der Ressourcen verlangen, bevor neue bereitgestellt würden.

Oder anders gesagt: die Bahnen wären voller, unpünktlicher, in Tagesrandzeiten seltener, dreckiger, ohne Anschlüsse...

Natürlich nicht von heute auf morgen, aber in 10 Jahren wäre unser ÖPNV nicht wiederzuerkennen...

Noch ein letztes Wort zum Thema Steuern: Steuern sind nicht zweckgebunden! Das wandert immer alles in den großen Topf aus dem verteilt wird! Politische Statements im Sinne von "wir erhöhen die Tabaksteuer damit wir das Kindergeld erhöhen können" sind immer nur oberflächliche Vereinfachungen von "wir wollen mehr einnehmen damit wir mehr ausgeben können", wobei in der Regel dort erhöht wird wo man sich schlecht wehren kann um dann dort zu erhöhen womit man seine Klientel bei Laune hält.

Grüße, Tim

von Rauqs - am 20.07.2016 20:27

autonom fahrende Stadtbusse

Zitat
HB-Nord
Ach, warten wir nochmal 10 Jahre oder so ab, dann gibts Busfahrer mit Funktion des Lenkers nicht mehr. Höchstens noch als Servicekräfte oder Ansprechpartner, die man mit Mindestlohn bezahlen könnte - oder outgesourced per Video-Stream, falls Fahrgäste was wissen wollen. Wird alles besser ;)


Davon sind wir nicht mehr weit entfernt:
Mercedes-Benz Future Bus 1
Mercedes-Benz Future Bus 2

Ob das wirklich in jedem denkbaren Einsatzfall segensreich und erstrebenswert ist oder welche Konsequenzen das hat bzw. welche (gesetzlichen) Rahmenbedingungen es dafür braucht, wird man sicher überlegen und diskutieren müssen.

von Hinnak Hemmschuh - am 21.07.2016 10:39
Moin Marvo,

ich könnte mir rein ideologisch einen kostenlosen Nahverkehr auch recht gut vorstellen.

Praktisch scheitert dies jedoch meines Erachtens an mehreren Dingen:
- Ein kostenloses Angebot würde zu einer massiv steigenden Nachfrage führen, insbesondere sobald der Ölpreis weiter klettert. Eine Überlastung wäre vorprogrammiert

- Damit einhergehend stellt sich auch die Finanzierung. Es müsste sowohl ein Ausgleich der fehlenden Fahrgeldeinnahmen erfolgen, als auch zusätzlich eine Finanzierung für die notwendige Angebotsaufstockung. Das wäre sicher nicht leicht in einem Haushaltsnotlageland...
Ideen gibt es hier schon einige, eine könnte z.B. sein die Grundsteuer anzuheben, was allerdings gerade erst passiert ist - oder eine allgemeine ÖPNV Gebühr über die ehemalige GEZ einzuziehen. Dass diese nicht gerade populär ist, wissen wir alle, und mit Sicherheit würde das viele Bürger verärgern. Wie macht Berlin das eigentlich?

- Die Frage wäre auch, wo man die Grenze zieht - wäre das Ziel die Innenstadt zu beleben, müsste ja der gesamte Zubringerverkehr kostenfrei sein. Wäre das Ziel den ÖPNV allgemein attraktiver zu machen, könnte man z.B. nicht übertragbare Abo-Karten an alle in Bremen gemeldeten Bürger verteilen

von Irgendware - am 25.07.2016 08:51
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