Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
bremer-nahverkehrs.net(z) Forum
Beiträge im Thema:
16
Erster Beitrag:
vor 11 Monaten, 2 Wochen
Letzter Beitrag:
vor 11 Monaten, 2 Wochen
Beteiligte Autoren:
Hinnak Hemmschuh, Rauqs, Arne Schmidt, Jens Stein, Passive Weiche, T.Hancke, Gnubbl, Linie 4 Lilienthal

Hoher Krankenstand - Zugausfälle der NWB (mL)

Startbeitrag von Gnubbl am 05.09.2016 14:51

Moin,
da ich das Thema als so informativ und wichtig ansehe, möchte ich diesen Link nicht einfach im Pressethread einstellen...

[www.nwzonline.de]

Habe gerade mal geschaut... aktuell geht es nach Vegesack ab Hbf nur noch im 30 Min-Takt, die Fahrten :19 und :49 ab HBF fallen jeweils aus...
Bin irgendwie sprachlos...

...und tschüß...
Martin

Antworten:

Das geht doch schon seit Wochen so.

von T.Hancke - am 05.09.2016 16:47
In "buten un binnen" wurde heute berichtet, dass der Krankenstand wohl zu einem erheblichen Teil mit Langzeitausfällen nach Unfällen bzw. Vorfällen mit Personenschaden zusammenhängt. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) wird ab sofort die Zuwendungen um die nicht gefahrene Leistungen kürzen und hat kurzfristig von der NWB einen Aktionsplan eingefordert, wie der Fahrplan zeitnah wieder vollumfänglich erfüllt werden kann. Wäre doch lustig, wenn die DB einspringt! Bis zum Vertragsende mit der NWB 2021 ist noch lange hin ... wann ist da die neue Vergabe? Vor allem frage ich mich, wie die im VEP geplanten Mehrverkehre gefahren werden sollen, wenn es in ganz Deutschland angeblich kaum noch Lokführer mehr gibt.

von Hinnak Hemmschuh - am 06.09.2016 22:54

Vergabe Regio S-Bahn

Zitat
Hinnak Hemmschuh
wann ist da die neue Vergabe?


Das neue Vergabeverfahren soll im kommenden Jahr starten. Wann dann die Bekanntmachung erfolgen soll ist mir nicht bekannt. Und wie du bereits geschrieben hast, ist dann die Betriebsaufnahme für (Dez.) 2021 vorgesehen.

von Passive Weiche - am 07.09.2016 07:34

Re: Vergabe Regio S-Bahn

Danke für den Hinweis, passive Weiche. Ich habe inzwischen eine Vorabinformation zur Ausschreibung der LNVG gefunden. Abgabetermin für Angebote bzw. Teilnahmeanträge ist der 31.08.2017. Zu den Leistungen gehören nur die bestehenden Linie RS 1- 4 mit 5 Mio km/Jahr (aktuell sind es 4,7 Mio km/Jahr). Die geplante RS 5 Richtung Rotenburg wird dann wohl zum Metronom-Paket "Hanse-Netz" gehören, wo das Vergabeverfahren schon in diesem Herbst beginnen soll - da werden wir also bald mehr wissen.

Ich bin auf die konkreteren Rahmenbedingungen der endgültigen Ausschreibung der Regio-S-Bahn gespannt. War es nicht so, dass Bremen und LNVG jetzt ein Rückkaufrecht für die Fahrzeuge haben, um sie ggfs. einem nachfolgenden Anbieter zu vermieten? Das könnte sich unter den aktuellen Vorzeichen natürlich negativ für die NWB auswirken.

von Hinnak Hemmschuh - am 07.09.2016 15:08

Re: Vergabe Regio S-Bahn Fahrzeuge

Moin,

erstmal danke für deine Information (Hinnak Hemmschuh).

Habe ich das richtig verstanden, dass eine neue S-Bahn Linie geplant ist? Wenn ja wo wird diese starten? Am HBF? Und wer kann sich da bewerben?

Zu dem Rückkaufrecht:
Lohnt es sich den überhaupt für Bremen und dem LNVG zu dem Zeitpunkt, 11 Jahre alte Fahrzeuge zu erwerben? Neue Fahrzeuge würden zwar viel Geld kosten, aber steigern dadurch auch deutlich die Qualität im S-Bahnnetz Bremen

Über antworten würde ich mich freuen;)

von Linie 4 Lilienthal - am 07.09.2016 17:51

Springt die DB ein?/ Neuausschreibung

Guten Abend!

Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass die DB einspringt.
1. Je schlechter es für die NordWestBahn läuft, desto höher sind ja die Chancen, dass sie die erneute Vergabe nicht bekommt.
2. Die Bahn hat selbst nicht genug Lokführer und hunderte Stellen ausgeschrieben. Warum die eigenen Mitarbeiter mit Zusatzschichten und Überstunden quälen, um der Konkurrenz zu helfen?

Interessant wird die Neuausschreibung! Ich tippe darauf, dass sich noch mehr EVU bewerben werden. Letztes Mal war ja die Frage: NWB oder DB. Vielleicht wollen Metronom, National Express (hat das S-Bahn Netz Nürnberg gewonnen), Abellio, Eurobahn etc auch mitbieten...

Viele Grüße, Tim

***

von Rauqs - am 07.09.2016 20:17

RS 5 und Gebrauchtfahrzeuge

Eine S-Bahn nach Rotenburg geistert schon seit den ersten Ideen aus den 60er Jahren durch die Planungen. Auch bei der DB gab es einen zunehmend vertakteten Verkehr nach Rotenburg; wenn ich mich richtig erinnere, annähernd stündlich mit Verdichtern zu den HVZ. Dazu fuhr noch alle Stunde ein Eilzug, phasenweise auch noch einige D-Züge/Interregios, die anfangs im Regionalverkehr noch zuschlagpflichtig waren. Mit dem VEP 2025 nimmt das Projekt nun endlich konkrete Formen an: Zusätzlich zu dem stündlichen MetronomRegional soll um 30 Minuten versetzt eine RS 5 nach Rotenburg fahren, so dass sich ein glatter Halbstundentakt ergibt, und es sollen die zusätzlichen Haltepunkte Horn/Achterdiek sowie Universität/Technologiepark entstehen (vrsl. keine Infrastrukturausbauten nötig). Anfangs- und Endpunkt ist der Hauptbahnhof, wobei es wenigstens in der Theorie denkbar wäre, einzelne Züge zur Taktverdichtung Richtung Verden oder Twistringen zu verlängern; ob und wie das praktisch umsetzbar ist, wenn zwei unterschiedliche Eisenbahnverkehrsunternehmen beteiligt sind, kann ich nicht einschätzen. Hinsichtlich Umläufen und Personal ist das für ein größeres Unternehmen natürlich leichter zu disponieren, deswegen hätte meiner Meinung nach auch einiges dafür gesprochen, die RS 5 dem S-Bahn-Paket zuzuschlagen. Andererseits ist auch bekannt, dass die Zuverlässigkeit des Metronom nachgelassen hat, was mit der Knotenüberlastung (besonders rund um Hamburg), Personalmangel sowie den sportlichen Kurzwenden in Bremen zu tun hat. Vielleicht besteht mit zwei zusätzlichen Zuggarnituren für die RS 5 die Möglichkeit, da durch vermehrten Linientausch wieder eine höhere Stabilität reinzubringen.

Das wirtschaftliche Risiko bei einem möglichen Rückkauf der Gebrauchtfahrzeuge dürfte bei einem Lebenszyklus von mindestens 30 und einem Abschreibungszeitraum von 25 Jahren überschaubar sein - zumal (auch durch technologischen Fortschritt) die Teuerungsrate von neuen Eisenbahn- (und Straßenbahn-)fahrzeugen in den letzten Jahren überproportional zugenommen hat. Ich weiß nicht, ob es dazu schon konkrete Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen gibt, aber die Kosten für Anschaffung, Unterhaltung und Modernisierung müsste der Besteller sonst indirekt auch über die Regionalisierungsmittel zahlen und wahrscheinlich kalkuliert jedes Eisenbahnunternehmen dabei so, dass unterm Strich noch etwas übrig bleibt. Insofern erhält man mit einem eigenen Fahrzeugpool etwas Einfluss und Kontrolle zurück, die man als Steuerungselemente für mehr Wettbewerb nutzen kann. Die Überwachung eines definierten Standards bei unterschiedlichen EVU zu überwachen und evtl. Nachbesserungen anzumahnen, ist eine aufwendige Sache; da ist die einheitliche Betreuung eines eigenen Fahrzeugpools sicherlich einfacher und effizienter. Eine gleichbleibende Qualität beim Fahrzeugkomfort kannst du auch durch ein Modernisierungsprogramm nach 15 bis 20 Jahren erreichen; um es mal etwas verkürzt zu sagen: neue Sitze + ein bisschen Redesign + ein paar neue Monitore für die Fahrgäste + etwas Farbe = wie neu. Schwieriger wird es auf der technischen Seite, wenn durch Verschleiß die Zuverlässigkeit abnimmt, Ersatzteile ausgehen oder überholte Technologien wartungsintensiver werden - bestes Beispiel sind unsere GT8N.

von Hinnak Hemmschuh - am 07.09.2016 22:12

Re: Springt die DB ein?/ Neuausschreibung

Zitat
Rauqs
Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass die DB einspringt.


Das war natürlich nicht ernst gemeint, Tim - deswegen nannte ich diesen Gedanken "lustig".

Zitat
Rauqs
1. Je schlechter es für die NordWestBahn läuft, desto höher sind ja die Chancen, dass sie die erneute Vergabe nicht bekommt.


So sehe ich das auch!

Zitat
Rauqs
2. Die Bahn hat selbst nicht genug Lokführer und hunderte Stellen ausgeschrieben. Warum die eigenen Mitarbeiter mit Zusatzschichten und Überstunden quälen, um der Konkurrenz zu helfen?


Völlig richtig und daher abwegig. Meine Ironie hat sich da einfach nicht transportiert.

Zitat
Rauqs
Interessant wird die Neuausschreibung! Ich tippe darauf, dass sich noch mehr EVU bewerben werden. Letztes Mal war ja die Frage: NWB oder DB.


Aus der Erinnerung heraus stimmt das so nicht ganz: Ich meine, es waren fünf Unternehmen in der ersten Runde interessiert, von denen dann NWB und DB übrig blieben. Da gab es damals im VBN-Forum einen heiß diskutierten Thread.

Zitat
Rauqs
Vielleicht wollen Metronom, National Express (hat das S-Bahn Netz Nürnberg gewonnen), Abellio, Eurobahn etc auch mitbieten...


Das sind sicher einige der "Verdächtigen", aber man darf nicht vergessen, dass der Wettbewerb auch Grenzen hat/haben sollte: es wäre sicher von Vorteil, wenn der Interessent in der Nähe schon einen Werkstattstandort hat, weil er sonst hier einen bauen muss. Unterbietung wird ab einem bestimmten Punkt einfach unmoralisch und erfordert dann im schlimmsten Fall Investitionen auf einem anderen Politikfeld; als etwas überhöhtes Beispiel: Wenn ich Lokführern nur den Mindestlohn zahle, wird der Nahverkehr zwar billiger und ich spare Regionalisierungsmittel, aber ich kriege kein Personal mehr und muss mehr Sozialausgaben zahlen, wenn der Lokführer zum Jobcenter geht und Aufstockung beantragt. Oder: Wenn das "billige" EVU nicht ausbildet, steigt die Jugendarbeitslosigkeit, zu deren Bekämpfung ich Millionen aufwenden muss, und irgendwann fehlen mir die vielbeschworenen Facharbeiter, weshalb dann wieder teure Umschulungsprogramme aufgelegt werden müssen.

Ich kann nur plädieren, dass man bei aller gebotenen Sparsamkeit dringend wieder von dieser "Geiz ist geil"-Mentalität wegkommt. Guckt euch mal an, wozu das bei den Billigfliegern geführt hat: Ryanair bildet selbst keine Piloten aus und beschäftigt das Kabinen- und Bodenpersonal inzwischen überwiegend mit Werks- oder Leiharbeiterverträgen um Sozialausgaben zu sparen. Ich glaube nicht, dass dieses Modell auch auf die Eisenbahn übertragen werden sollte, aber da habe ich gerade bei National Express ganz erhebliche Bedenken ....

Gruß Hinnak

von Hinnak Hemmschuh - am 07.09.2016 23:01

Re: RS 5

Zitat
Hinnak Hemmschuh
Zusätzlich zu dem stündlichen MetronomRegional soll um 30 Minuten versetzt eine RS 5 nach Rotenburg fahren, so dass sich ein glatter Halbstundentakt ergibt, und es sollen die zusätzlichen Haltepunkte Horn/Achterdiek sowie Universität/Technologiepark entstehen (vrsl. keine Infrastrukturausbauten nötig). Anfangs- und Endpunkt ist der Hauptbahnhof, wobei es wenigstens in der Theorie denkbar wäre, einzelne Züge zur Taktverdichtung Richtung Verden oder Twistringen zu verlängern;... .


Hm, wir hätten dann quasie drei Verbindungen pro Stunde (RE4, RB41 und RS5) nach ROW. Oder würde die RB41 das Teilstück zwischen HB und ROW dann nicht mehr bedienen (was ja eigentlich auch keinen Sinn machen würde)?

von Arne Schmidt - am 08.09.2016 06:47

Re: RS 5

So, ist es: zwei Züge pro Stunde mit Halt an allen Bahnhöfen bis Rotenburg sowie der "schnelle" Metronom, wobei man überlegen sollte, ob der - wenigstens zu bestimmten Tageszeiten - auch an der Station Uni/Technologiepark halten könnte. Ich kann mir vorstellen, dass mit einem intelligenten Bedienkonzept vielleicht sogar die Verlängerung der Linie 8 zur Uni überflüssig wird.

von Hinnak Hemmschuh - am 08.09.2016 18:20

Ergänzung Rückkauf/Fahrzeugpool

Auf der Suche nach Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit der unterschiedlichen Modelle zur Fahrzeugfinanzierung/-bereitstellung habe ich einen interessanten Artikeln auf der LNVG-Homepage gefunden. Wenn dieser Weg wirklich wirtschaftlich so erfolgreich ist, wie dort beschrieben wird, halte ich einen Rückkauf der S-Bahn-Züge für recht wahrscheinlich. Ein Fingerzeig dafür mag sein, dass für das Elektro-Netz Niedersachsen-Ost (ENNO) ebenfalls 20 Fahrzeuge des Typs Coradia Continental im überarbeiteten Design angeschafft und der Betriebsgesellschaft Metronom zur Verfügung gestellt wurden (wenn ich mich recht erinnere, war einer dieser Typen auch schon in Bremen zu Gast) - sicher ein kluger Schachzug, weil damit unmittelbar niedersächsische Arbeitsplätze bei Alstom in Braunschweig und Salzgitter sowie Zulieferern gesichert werden.

Wenn man noch weiter denkt, wäre mit einer Bereitsstellung des Fuhrparks für die Regio-S-Bahn durch den Fahrzeugpool sogar denkbar, dass sich die BSAG über ihre Tochter Weserbahn bewirbt. Im Erfolgsfall hätte das positive Effekte für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Steueraufkommen - regionaler und nachhaltiger geht es eigentlich nicht! :spos:

von Hinnak Hemmschuh - am 08.09.2016 18:22

Re: Lokführer/ Regio-S-Bahn Ausfälle in den nächsten 4 Wochen

Für die Einstellung von Lokführern gibt es, aus Sicht der EVU, drei preislich unterschiedliche Modelle:
1. Fertige Lokführer einstellen. Das ist für das EVU der preisgünstigste Weg, und Stellenanzeigen finden sich noch und nöcher.
2. Lokführer ausbilden lassen, und zwar von Arbeitsamt und Bundeswehr als Umschulungsmaßnahme.
3. Selber ausbilden und qualifizieren, natürlich die teuerste Variante.

Manche EVU sind offenbar davon ausgegangen, alleine mit 1.+2. können sie genug Lokführer rekrutieren, und haben in ihren Budgets die 3. gar nicht mit einkalkuliert (oder nicht ausreichend).

Das rächt sich bei dem akuten Mangel natürlich.

Der Metronom hat gerade eine Stellenanzeige online, in der steht dass die fertig qualifizierten Lokführer deutschlandweit (!) eingesetzt werden können. Klingt für mich so, als ob man über dem eigenen Bedarf ausbilden will um die Lokführer dann an andere EVU auszuleihen. Eventuell will man so kurzfristiger auf Lokführermangel im eigenen Netz reagieren können.

Auf der Homepage der NordWestBahn steht jetzt ein Ersatzfahrplan für die RS1 vom 12. Sep bis 07. Oktober. Zwischen 13 und 19 Uhr entfallen die Fahrten Bremen - Vegesack (Minute 19) und Vegesack - Bremen (Minute 50). Damit will man den Fahrgästen eine bessere Planbarkeit verschaffen als die täglichen Überraschungen.

Grüße, Tim

von Rauqs - am 09.09.2016 19:59

Re: Notfahrplan bis 12.10.16 - Zugausfälle der NWB (mL)

Bis 12.10. gibt es nun einen Notfallfahrplan für die RS1:
[www.radiobremen.de]

von Jens Stein - am 09.09.2016 20:01

Re: Lokführer/ Regio-S-Bahn Ausfälle in den nächsten 4 Wochen

Zitat
Rauqs
Für die Einstellung von Lokführern gibt es, aus Sicht der EVU, drei preislich unterschiedliche Modelle:
1. Fertige Lokführer einstellen. Das ist für das EVU der preisgünstigste Weg, und Stellenanzeigen finden sich noch und nöcher.
2. Lokführer ausbilden lassen, und zwar von Arbeitsamt und Bundeswehr als Umschulungsmaßnahme.
3. Selber ausbilden und qualifizieren, natürlich die teuerste Variante.


1. und 3. verstehe ich, aber 2. nicht: Die Agentur für Arbeit selbst bildet doch keine Lokführer aus oder schult sie um, das macht immer ein EVU; allenfalls fließen bei Umschulungsmaßnahmen Fördergelder oder Lohnzuschüsse für die Umschüler. Und was hat die Bundeswehr damit zu tun?

Bei einem Betreiberwechsel übernimmt das neue EVU große Teile des Personals vom vorherigen, solange es nicht wie bei der DB zu anderen Standorten umgesetzt wird. Man darf nicht vergessen, dass es da durchaus noch "fahrende Beamte" geben kann, die qua Status praktisch eine Beschäftigungsgarantie haben. Ich denke, der Engpass kommt dadurch zustande, dass die DB als ehemaliger Monopolist personell immer schlanker geworden ist und ältere Lokführer in den Vorruhestand geschickt hat. Parallel wurde die Ausbildung neuer Triebfahrzeugführer vernachlässigt. Je mehr Bahnreform-bedingter Wettbewerb gegriffen und ausgeschriebene Leistungen zugenommen haben, desto mehr hat sich das gerächt, weil der Bedarf wieder stieg. Zudem wird Personalbedarf heute generell viel knapper kalkuliert als früher (siehe Stadtamt, Schulen, Krankenhäuser und andere Einrichtungen), weil es einfach einen erheblichen Kostenfaktor darstellt. Nur die Vorstands-, Geschäftsführungs- und Leitungsebenen werden merkwürdigerweise eher größer als kleiner ...

Zitat
Rauqs
Der Metronom hat gerade eine Stellenanzeige online, in der steht dass die fertig qualifizierten Lokführer deutschlandweit (!) eingesetzt werden können. Klingt für mich so, als ob man über dem eigenen Bedarf ausbilden will um die Lokführer dann an andere EVU auszuleihen. Eventuell will man so kurzfristiger auf Lokführermangel im eigenen Netz reagieren können.


Metronom hat offenkundig erheblichen Lokführermangel; man muss sich nur mal die öffentlich einsehbare aktuelle Verkehrslage angucken - da vergeht kaum ein Tag, wo nicht Züge ausfallen, vorzeitig wenden oder ewig verspätet ankommen, weil die Ablösung fehlt. Die Formulierung in der Stellenausschreibung ist tatsächlich eigenwillig; innerhalb des Metronom-Unternehmens kann man sicher von Einsatzstelle zu Einsatzstelle versetzt werden, aber können Triebfahrzeugführer wirklich so hoppla-hopp bundesweit hin- und hergeschoben werden? Brauchen die nicht auch regionale Streckenkenntnisse bzw. -einweisungen?

von Hinnak Hemmschuh - am 09.09.2016 22:17

Re: Lokführer

Punkt 2. war offenbar etwas missverständlich ausgedrückt.

Neben der klassischen, 3-jährigen Ausbildung, gibt es auch eine Umschulung zum Lokführer. Die dauert 7-10 Monate. Arbeitslose mit Bildungsgutschein bekommen diese Umschulung bezahlt, ebenso Zeitsoldaten, bei denen die Bundeswehr solche Maßnahmen bezahlt um sie fit für den Arbeitsmarkt außerhalb der Kaserne zu machen. Während der Umschulung bekommt man auch weiterhin seinen Sold (bzw Arbeitslosengeld oder Hartz IV).

Das EVU muss also für die Zeit der Umschulung weder die Kosten der Maßnahme an sich, noch einen Lohn zahlen. Man kommt also sehr preisgünstig an neue Lokführer!

Nachteil: Interessierte, die keine Zuschüsse bekommen (z.B. eine ungekündigte Verkäuferin die gerne Lokführerin werden würde) kommen nicht in die Möglichkeit der Umschulung.

Bei Keolis (Eurobahn) auf der Homepage gibt es unter Karriere einen Extrapunkt "Qualifizierung als Tf". Dort heißt es:

"Finanzierung der Qualifizierungsmaßnahmen

Die Qualifizierung wird von einem anerkannten Bildungsträger in enger Abstimmung mit Keolis durchgeführt und dauert etwa elf Monate. Unmittelbar nach erfolgreichem Abschluss werden Sie in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen.

Für die Finanzierung der Qualifizierung gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Wenn Sie ALG I oder II beziehen, dann bestehen sehr gute Möglichkeiten, die Qualifizierung über sog. Bildungsgutscheine zu finanzieren.
Wenn Sie bei einer Transfergesellschaft beschäftigt sind, sich auf den Übergang von der Tätigkeit als Zeitsoldat in den Beruf vorbereiten oder in anderer Weise beim Berufswechsel unterstützt werden, gibt es üblicherweise ähnliche Fördermöglichkeiten.
Eine Vollfinanzierung der Maßnahme durch Keolis ist dagegen nicht möglich."

In Bezug auf den Metronom: ich denke die "Überlassung an Dritte" gilt immer für einen bestimmten Zeitraum (z.B. 3, 6 oder 12 Monate), und natürlich muss nochmal die lokale Streckenkenntnis erworben werden bevor es losgeht.

Grüße, Tim

von Rauqs - am 10.09.2016 07:12
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.