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bremer-nahverkehrs.net(z) Forum
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Erster Beitrag:
vor 1 Jahr, 4 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 1 Jahr, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
Fahrdrahtschnüffler, Hinnak Hemmschuh, Bruder_M, Holger H, Arne Schmidt, Kombifahrer, krni, Jens Stein, IngoF

Strassenbahn am Hbf entgleist

Startbeitrag von Jens Stein am 18.01.2017 10:59

Ziemlich schwere Entgleisung am Hbf. Alle Bahnlinien werden momentan umgeleitet, sofern sie über die Haltestelle Hbf fahren.
Mehr gibts hier:
[www.weser-kurier.de]

Da eventuell Diskussionsbedarf besteht, habe ich den Beitrag hier und in den Presselinks gepostet.

Antworten:

Mehr Bilder bei DSO (Link)

[www.drehscheibe-online.de]

von Bruder_M - am 18.01.2017 12:39

Frage zum Stromabnehmer

Moin,

auf dem Bild im WK und noch deutlicher bei DSO sieht man, dass der Stromabnehmer immer noch auf der Oberleitung ist.
Warum wurde dieser nicht abgesenkt?
Hintergrund: Wenn die Bahn aus den Gleisen gesprungen ist, dann kann eine ordnungsgemäße Erdung nicht mehr sichergestellt werden, folglich floatet das gesamte Chassis auf Oberleitungspotenzaial (750 V DC). Wenn dann mal einer das Gehäuse anfasst und auf der Schiene steht oder wie im Bild gezeigt, das Fahrzeug mit dem Wagenheber anhebt, wird der Strompfad über den Körper geschlossen.

Meiner Meinung nach eine grobe Mißachtung der fünf Sicherheitsregeln :sneg:

von Bruder_M - am 18.01.2017 12:51

Video (Update!), Uhrzeit, Diskussionsanreiz, schlechte Gleise, gestauchte Bahn, Tempo?

Hallo,

der Weser-Kurier hat heute (18.01.) Mittag bereits ein Video ohne Tonkommentar zum entgleisten Wagen 3103 und dessen Eingleisung online gestellt: https://www.youtube.com/watch?v=kjb9W-sxYy4.
Im Nachinein (am Abend des 18.01.) wurde auch von "Dr. Drehstrom" ein längeres Video online gestellt: https://www.youtube.com/watch?v=YR44Zo1hrjg. Auf diesem ist zu sehen, daß die 3103 + AT5 anschließend Ri. Bürgerpark-Schleife gefahren seien dürften.

Aus einer sicheren Quelle habe ich erfahren, daß der Wagen planmäßig um 10:38h am Hbf als Linie 6 Ri. Uni abfahren sollte - als vom Herdentor kommend, die letzte Weiche vor dem Bahnhofsplatz bzw. Abzweig Ri. Überseemuseum/Bahnsteig E*, (mit)verursachend für eine Entgleisung war.

Ich finde eine Diskussion angebracht, über die letztes Jahr am Bahnhof aufgeschobene Baustelle mit geplanter Auswechselung des Gleismaterials, was bis zum jetzigen Zeitpunkt nur in Form einer fragwürdigen Aufschweißung erfolgte.
Es bleibt nicht nur die Frage, wie sehr die intensive Gleisabnutzung (heruntergefahrenes Profil) zu diesem Vorfall beigetragen hat, sondern auch, wie weit die vordersten Fzg.-Radsätze nach den letzten witterungsbedingten Tagen mit Sandschmiss abgenutzt waren.
Der Zustand der Mechanik der Weiche mit überwiegend einseitiger Belastung (mind. 95% aller Fahrten erfolgen an dieser Weiche nach rechts) gilt ebenso zu hinterfragen, wie die Qualität der Schweißnähte und der Weichenzunge, die in den letzten Tagen unter Salzeinfluss (von Streuwagen etc.) lagen.

Auf Bildern von DrehscheibeOnline ist ein 5-6 Meter langer Drift des Fahrzeugs von der Gleislage in Fahrtrichtung nach links weg erkennbar, wobei die dort konkret genannten 6 Meter durchaus sehr großzügig bemessen seien dürften. Schwieriger als die Reperatur der Drehgestelle dürfte die am Gelenk erfolgte Stauchung des Mittelteils in Stand zu setzen sein.
Anmerkung: Weser-Kurier schreibt in heutiger Ausgabe (19.01.) auf Titelseite und Seite 9 von einem "gut zehn bis zwölf Meter langen rutsch".

Wir können alle froh sein, daß kein weiteres Fahrzeug in den Unfall durch den "unkontrollierten" Drift involviert wurde und es zu keinem bekannten Personenschaden im Fahrzeug oder außerhalb des Fahrzeugs (Fußgänger) gekommen ist.

Im Laufe des Nachmittags waren immer noch Techniker und Schweißer an der Weiche in Arbeit.

Eine Rechnung auf Pie-mal-Daumen-Basis:
angenommener Drift 6 Meter = 0,006km
spekulierte Reaktionszeit + Zeit bis Stillstand des Wagens = 3 Sekunden = 0,05 Minuten (3/60 = 0,05min)
0,006km - 0,05min
(jeweils 0,006 sowie 0,05 multipliziert mit 1200 um auf 60min/1Stunde zu kommen)
7,2km - 1h
7,2km/h im Durchschnitt

Mit einer unterstellten Dauer von 3 Sekunden des Unfallereignisses und einem Drift von genau 6 Metern, wären also die Radkanten der Straßenbahn mit durchschnittlich 7,2km/h über den Asphalt gedrückt worden. Jedoch muss die Ausgangsgeschwindigkeit im eingegleisten Zustand deutlich höher gelegen haben, da der Asphalt in den die ca. 35 Tonnen schwere (und besetzte) Bahn gedrückt wurde, eine bremsende Wirkung hat. Außerdem wird der Durchschnittswert angegeben, bei dem zu berücksichtigen bleibt, daß am Drift-Endpunkt das Fahrzeug zum Stehen gekommen ist, der mehrheitliche Anteil der Geschwindigkeit also beim Austritt aus der Schiene gelegen haben muss.

Bei Fahrbetrieb im Blockabstand (bei der Eisenbahn) wird im (Block-)Signal die Geschwindigkeit angeschlagen. Jedoch haben wir bei der Eisenbahn (abgesehen von Gleisanschlüssen) nur Gleise in sog. Vignolgleis-Form und damit nur Weichen inkl. eines beweglichen Herzstücks, die damit schneller als mit 20km/h befahren werden können.
Die Steckschilder an der Oberleitung am Bremer Bahnhofsplatz (konkret beschriftet mit Zahl 2) zeigen eine Höchstgeschwindigkeit von 20km/h für Schienenfahrzeuge an. Die gängigen Rillenschienen-Weichen bei der BSAG sind übrigens auch nur bei funktionierendem Weichenlage-Signal mit Verriegelung ( |> ) max. mit 20km/h befahrbar.


Aufrichtig geschnüffelte Grüße,

Fahrdrahtschnüffler


* = Bahnsteig-Bezeichnung von F auf E korrigiert

von Fahrdrahtschnüffler - am 18.01.2017 15:52

Fehler im WK-Artikel

Zitat
Weser-Kurier
Mit einem sogenannten Entgleisungsfahrzeug hoben die BSAG-Mitarbeiter die Bahn wieder ins Gleis.

Erstens wäre es ein Eingleisungsfahrzeug, oder noch genauer der Eingleisgerätewagen, zweitens war laut den Bilder bei DSO der EGW gar nicht im Einsatz gewesen, sondern nur AT5, der Turwagen und Emils.

Zitat

die Linie 8 umfuhr den Bahnhof ebenfalls über den Brill, wo sie regulär auch lang muss.

Erstens umfuhr die Linie 8 nicht den Bahnhof, sondern nur die Unfallstelle im Vorfeld des selbigen, zweitens fährt sie tagsüber nicht regulär über Am Brill.

von krni - am 18.01.2017 16:10

Erdung

Die Erdung müsste noch ausreichend gewesen sein, da nur 2 von 4 Drehgestellen entgleisten.

von Kombifahrer - am 18.01.2017 16:34

Re: Mehr Bilder bei DSO (Link)

Wie auch immer, ich finde, die Entgleisungen nehmen zur Zeit überhand.

von IngoF - am 18.01.2017 21:55

gestrige Fehler im WK-Online-Artikel heute in der WK-Druckversion veröffentlicht

Hallo,

im heutigen Weser-Kurier (19.01.) ist auf Seite 9 ein ausführlicher Artikel (in WK-Qualität). Dieser basiert u.a. auf nicht überprüften Zitaten und bereits gestern in der WK-Online-Redaktion veröffentlichten banalen Fehlern.

Eine kleine Aufarbeitung des Artikels:

- "wegen des mechanischen Defekts einer Weiche kam die Bahn am Mittwoch um 10.38 Uhr allerdings nach links ab und entgleiste" > die Untersuchungskommission des WK hat bereits den mechanischen Defekt der Weiche genau identifiziert und wartet keine weiteren Experten-Untersuchungsergebnisse ab. Außerdem gibt es vom WK Mitleser hier im Forum, die jedoch aus der von mir angegebenen Fahrplanzeit die angebliche tatsächliche Zeit (10:38h) gemacht haben. Das Fahrzeug hatte jedoch ca. 2 Minuten Verspätung.

- "Etwa zehn bis zwölf Meter rutschte die Bahn über die Bahnhofstraße" > bis zur Bahnhofstraße sind es aber vom Ort der Entgleisung mehr als 12 Meter. Das Ereignis passierte auf dem mit Straßennamensschildern gekennzeichneten Bahnhofsplatz. Außerdem scheint die Redaktion sehr spektakelsuchend und beim Bemessen kleinfüßig zu sein, da der Drift nur so lang war, wie der vorderste Wagenteil.

- "bis sie in Richtung Überseemuseum zum stehen kam" > und im Museum zum neuesten Exponat wurde. BILD-Zeitung lässt grüßen.

- ">>Die Bahn geriet mit zwei Achsen aus dem Gleisbett>Dort wird die Bahn genau überprüft und nach weiteren Schäden abgesucht>Es dauert immer gut eine Stunde, bis wir den Normalzustand erreichen

von Fahrdrahtschnüffler - am 19.01.2017 11:08

Re: gestrige Fehler im WK-Online-Artikel heute in der WK-Druckversion veröffentlicht

Zitat
Fahrdrahtschnüffler

Buten&Binnen hat sich dieses Mal auch mit einem kleinen Beitrag nicht an das Thema heran gewagt.


Aufrichtige Grüße,

Fahrdrahtschnüffler


Na, klar, die sind ja nicht verrückt. So entlarvend, wie Du den WK-Bericht hier auseinandergepflückt hast! ;)

Ein paar von den Ungereimtheiten sind mir beim Lesen des Zeitungsberichtes ja auch aufgefallen (Linie 8 und Brill - hmmm :rolleyes: ), aber dass es so viel Unsinn war...

Vielleicht sollte ich die Bild-Zeitung Weser-Kurier langsam mal abbestellen...

von Arne Schmidt - am 19.01.2017 20:18

Aktuelle Fotos vom Gleiszustand am Gleisdreieick HBF (Bilder)

Hallo,

wer auf dem ersten Foto nur erkennt, wie die Spurkränze der Bahnen wegen zu starker Gleis-Laufflächenabnutzung zwei weitere Rillen in das Rillengleis fräsen, sieht Bilder von abgefahrenen Schienenprofilen weiter unten.
Alle Aufnahmen sind aktuell. Der Zustand muss jedoch schon vor der Entgleisung so gefährlich gewesen sein:




Mit 20km/h zuzüglich Toleranz dürfen die über 30 Tonnen schweren Bahnen vom Herdentor kommend im Fußgängerbereich des Bahnhofsplatzes über diese hinteren schlimmen Gleise Richtung HBF-Bahnsteig E fahren:



Die Differenz der Außen- und Innenschienenseite beträgt mind. 1,5cm ! Die Spurkränze werden von stellenweise nur noch unter 1cm hohen Außenlaufflächen geführt!

Einen deutlich erkennbaren Schienenbruch gibt es ebenfalls:




Erkennbar ist auch schon ein kleiner seitlicher Versatz zwischen den vom Gleisbruch betroffenen Gleis-Abschnitten:




Zu hoffen bleibt nur, daß das Fahrpersonal (auf Eigeninitiative?) überaus angepasst in die Kurve fährt!


Aufrichtige Grüße,

Fahrdrahtschnüffler

von Fahrdrahtschnüffler - am 22.01.2017 16:09

Re: Aktuelle Fotos vom Gleiszustand - die aber nichts mit der Entgleisung zu tun haben

Hallo,
du willst aber nicht behaupten, dass deine Aufnahmen einen Zusammenhang mit der Entgleisungsursache belegen sollen, oder? Sie sind doch alle nicht an der Trennungsweiche zwischen Umleitungsgleis Bahnhofstraße Ri. Überseemuseum bzw. Bahnhofstraße Ri. Bahnsteig der Li. 6 und 8 aufgenommen worden, sondern am in die entgegengesetzte Richtung führenden Gleis der Li. 6 und 8 in Richtung Bahnhofstraße, 2 Bilder speziell an der Kreuzung mit den Li. 1 und 10. Außerdem: Wie tief meinst du denn, dass Flachrillengleise sein sollten?
Nicht zu streiten brauchen wir uns allerdings über den Aspekt, dass die Kurvengleise der Li. 6 und 8 an dieser Stelle sehr abgenutzt sind, was aber, wie gesagt, nichts über die Befahrbarkeit der Weichen aussagt.
Viele Grüße
Holger

von Holger H - am 22.01.2017 18:20

Re: Aktuelle Fotos vom Gleiszustand am Gleisdreieick HBF (Bilder)

Ja, die Gleise sind ziemlich abgefahren, aber diese Art der Panikmache halte ich für übertrieben. Dass die Lauffläche der Rillenschiene höher ist als dessen Innenseite, dürfte nicht überraschen, wenn Aufschweißungen vorgenommen wurden. Umgekehrt wäre es viel besorgniserregender, weil das Rad bzw. der Spurkranz dann erheblich leichter aufklettern und damit entgleisen könnte. Die Betrachtung nur einer Gleisseite hat sowieso nur eine eingeschränkte Aussagekraft, denn für die Spurführung sind nun mal beide Seiten eines Gleises in Abhängigkeit mit den beiden Rädern/Spurkränzen einer Achse zuständig. Bei einer Rechtskurve liegt die kinetische und mechanische Hauptbeanspruchung sowieso auf dem linken Gleisstrang.

Wenn ich das richtig sehe, ist der Schienenbruch doch im Gleis Richtung Innenstadt und wäre damit unerheblich für die Entgleisung vom Mittwoch.

Da Gleislage und Schienenzustand regelmäßig von elektronischen Messeinheiten überwacht werden, gehe ich davon aus, dass man sich noch innerhalb der Toleranzen bewegt und außerdem steht der Gleisaustausch in den Sommerferien bevor.

von Hinnak Hemmschuh - am 22.01.2017 19:12

Bilder nochmal zur Standortkennzeichnung beschriftet (22:00h) und ergänzende Kommentare

Zitat
Holger H
du willst aber nicht behaupten, dass deine Aufnahmen einen Zusammenhang mit der Entgleisungsursache belegen sollen, oder?

Ich berichte über mögliche Ursachen und setze das Geschehen in einen Gesamtrahmen. Unglücke sind meistens eine Verkettung mehrerer Umstände.

Zitat
Holger H
Sie sind doch alle nicht an der Trennungsweiche zwischen Umleitungsgleis Bahnhofstraße Ri. Überseemuseum bzw. Bahnhofstraße Ri. Bahnsteig der Li. 6 und 8 aufgenommen worden, sondern am in die entgegengesetzte Richtung führenden Gleis der Li. 6 und 8 in Richtung Bahnhofstraße

Falsch! Sie sind alle ausschließlich am Gleis "zur Haltestellenanlage rein" aufgenommen.

Zitat
Hinnak Hemmschuh
Ja, die Gleise sind ziemlich abgefahren, aber diese Art der Panikmache halte ich für übertrieben.

Die Brücke am Bahnhof war wenige Milimeter wegen "dem Loch" gesackt. Die Gleise sind wegen "dem Loch" noch nicht ausgewechselt und mehrere Zentimeter runtergefahren.

Zitat
Hinnak Hemmschuh
Dass die Lauffläche der Rillenschiene höher ist als dessen Innenseite, dürfte nicht überraschen, wenn Aufschweißungen vorgenommen wurden. Umgekehrt wäre es viel besorgniserregender, weil das Rad bzw. der Spurkranz dann erheblich leichter aufklettern und damit entgleisen könnte.

Das sehe ich auch so. Auf dem Video von Dr. Drehstrom ist aber genau die Folge eines solchen Aufkletterns zu sehen, was damit also schon passiert ist.

Zitat
Hinnak Hemmschuh
Die Betrachtung nur einer Gleisseite hat sowieso nur eine eingeschränkte Aussagekraft, denn für die Spurführung sind nun mal beide Seiten eines Gleises in Abhängigkeit mit den beiden Rädern/Spurkränzen einer Achse zuständig. Bei einer Rechtskurve liegt die kinetische und mechanische Hauptbeanspruchung sowieso auf dem linken Gleisstrang.

Betrachtet wurden beide Gleisseiten der Schiene zum Bahnsteig E. Auf den Bildern ist die besonders ausschlaggebende linke Seite zu sehen! Jedoch konnte man von dem rechten Gleis der Schiene (in Fahrtrichtung gesehen) kein Foto im günstigen Verhältnis der verständlichen Betrachtung (wg. Lichtverhältnisse etc.) machen. Das Gleis ist aber für jeden zum "Meinungsbilden" frei zugänglich.

Zitat
Hinnak Hemmschuh
Wenn ich das richtig sehe, ist der Schienenbruch doch im Gleis Richtung Innenstadt und wäre damit unerheblich für die Entgleisung vom Mittwoch.

Falsch! Der Schienenbruch ist ebenfalls in der Kurve Ri. Bahnsteig E.

Zitat
Hinnak Hemmschuh
Da Gleislage und Schienenzustand regelmäßig von elektronischen Messeinheiten überwacht werden, gehe ich davon aus, dass man sich noch innerhalb der Toleranzen bewegt und außerdem steht der Gleisaustausch in den Sommerferien bevor.

Korrekt. Ist der aktuelle Gleiszustand denn auch den Fahrern bekannt, um angepasst fahren zu können?


Aufrichtige Grüße,

Fahrdrahtschnüffler

von Fahrdrahtschnüffler - am 22.01.2017 21:21

Re: Bilder nochmal zur Standortkennzeichnung beschriftet (22:00h) und ergänzende Kommentare

Dein Bildbericht ist nach meinem Verständnis keine objektive Schilderung, sondern der Versuch mittels Skandalisierung (d)eine Theorie zu untermauern. Das ist das gleiche Denkschema wie bei Verschwörungstheorien, wo nur noch das wahrgenommen wird, was ins eigene Denkmuster passt.

Dass der Schienenbruch (bzw. aufgrund der Lage unmittelbar hinter dem Herzstück einer Gleiskreuzung vielleicht auch eine gebrochene Schweißnaht) mit Sackungen zusammenhängt, ist spekulativ; ich halte das für wenig wahrscheinlich, da die betreffende Stelle an der Kreuzung mit dem Gleis in Richtung Bahnsteig C doch ein ganzes Stück weit von der Baugrube entfernt ist und auch keine Risse in der Asphaltdecke zu sehen sind. Den Schienen-/Nahtbruch hat die entgleiste Bahn nach den DSO-Bildern im Zusammenhang mit dem Unfall gar nicht mehr befahren, da das erste Drehgestell schon deutlich früher, nämlich bei Weiche 113 (Verzweigung Richtung Überseemuseum/Gleis E), entgleiste - das legen zumindest die Riefen im Asphalt nahe. Schienen- oder Nahtbrüche können regelmäßig aus unterschiedlichsten Gründen (Verschleiß, Überbelastung, Material-/Verarbeitungsfehler, Temperaturschwankungen, ...) auftreten und müssen nicht zwangsläufig sicherheitsrelevant sein - schon gar nicht in niedrigen Geschwindigkeitsbereichen wie auf dem Bahnhofsvorplatz. Die verblasste Neonfarbe an der Stelle zeigt außerdem, dass dieser Bruch bereits bekannt war. Wenn er bislang nicht behoben wurde, haben die Fachleute ihn wohl nicht als gefährlich eingestuft.

Viel bemerkenswerter ist doch, dass alle anderen Drehgestelle die Entgleisungsstelle zunächst noch problemlos befahren haben. Das zweite Drehgestell steht in der Endposition der Bahn noch sehr nahe am Gleis Richtung Bahnsteig E und dürfte erst im letzten Moment kurz vor Stillstand aus dem Gleis gehebelt worden sein, weil das A-Teil in Fahrtrichtung schräg links Richtung Museumshaltestelle zusteuerte. Hätte das Gelenk zwischen A- und C-Teil weiter frei drehen können, ohne dass sich die Wagenkästen berühren, wäre das zweite Drehgestell vielleicht gar nicht entgleist.

Deine Behauptung, das Rillengleis sei um mehrere Zentimeter heruntergefahren, ist völlig übertrieben, da die Rillentiefe je nach Bauart bzw. Norm insgesamt nur etwa 4 bis 5 cm beträgt: Rillenschienenprofil Nürnberg 1965, Rillenschienenprofil 2016. Wäre die Lauffläche wirklich so stark abgefahren, wie du behauptest, müsste der äußere Schienenkopf unter dem inneren liegen. Dein zweites Bild zeigt aber genau das Gegenteil, nämlich den Sollzustand, was du ebenfalls kritisierst. Den Profilskizzen ist zu entnehmen, dass der gleisinnere Schienenkopf immer niedriger ist als der der Lauffläche. Du bezifferst den Höhenunterschied mit (geschätzt!) 1,5 cm; 9 mm wären beim Vergleich mit dem modernen Profil im Neuzustand normal. Um die Höhendifferenz qualifiziert zu interpretieren, müsste man jedoch wissen, welche Profilnorm die BSAG verwendet, wie diese ggfs. durch die Aufschweißungen im letzten Jahr verändert wurde und wie die Abnutzungstoleranzen definiert sind.

Die Riefe in der Rille auf dem ersten Foto gehört da nicht hin und ist vermutlich ein Anzeichen von Verschleiß. Wann und unter welchen Umständen sie entstanden ist, können weder du noch ich sagen. Unfallursächlich oder -fördernd dürfte sie nicht sein, da die Spurführung durch den äußeren Schienenkopf gewährleistet wird.

Was soll die Frage bzw. Forderung nach dem "angepassten Fahren" im Zusammenhang mit dem Zustand der Gleise? Unterstellst du damit nicht schon eine Pflichtverletzung seitens der BSAG? Kennst du alle Dienstanweisungen der BSAG im Detail? Den Zustand der Gleise kann man beim Fahrpersonal wohl als bekannt voraussetzen. Vor allem gibt es dort aber eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 km/h (ohne "Toleranzen"!) - das entsprechende Schild ist (war?) nach Google-Streetview über der Weichenlageanzeige an Weiche 111 (Richtung Gleis A) angebracht. Ob die zulässige Geschwindigkeit eingehalten wurde, dürfte sich mit dem Fahrtenschreiber leicht herausfinden lassen. Ansonsten wird bei der BO-Strab wird "auf Sicht gefahren", d.h. das Fahrpersonal ist gehalten, sich beispielsweise von der korrekten Weichenstellung zu überzeugen und nach etwaigen Fremdkörpern im Gleis Ausschau zu halten. Das ist an einer Stelle wie dem Bahnhofsvorplatz schwierig, wenn man auch noch auf querenden Verkehr und/oder Fußgänger achten muss. Im Zweifelsfall liegt es also nahe, dass man noch langsamer als möglich fährt bzw. rollt und immer bremsbereit ist.

von Hinnak Hemmschuh - am 23.01.2017 12:49

NEU MIT ERKLÄRENDEM BILD - Bilder nochmal zur Standortkennzeichnung beschriftet (22:00h) und ergänzende Kommentare

Meine Schilderungen zum Gleiszustand geben meine Meinung zu dem aus meiner Sicht schlechten Zustand des Gleises wieder. Diese Schilderung finde ich nun aus meiner Sicht nicht übertrieben.

Zitat
Hinnak Hemmschuh
Dass der Schienenbruch (bzw. aufgrund der Lage unmittelbar hinter dem Herzstück einer Gleiskreuzung vielleicht auch eine gebrochene Schweißnaht) mit Sackungen zusammenhängt, ist spekulativ; ich halte das für wenig wahrscheinlich, da die betreffende Stelle an der Kreuzung mit dem Gleis in Richtung Bahnsteig C doch ein ganzes Stück weit von der Baugrube entfernt ist und auch keine Risse in der Asphaltdecke zu sehen sind.

Nirgends hat jemand geschrieben, daß der potenzielle Gleisbruch wegen den Sackungen des umliegenden Investorengrundstücks entstanden ist. Lediglich, daß dieser entstanden sein könnte, weil die Gleise noch nicht ausgetauscht wurden, wegem "dem Loch".

Zitat
Hinnak Hemmschuh
Viel bemerkenswerter ist doch, dass alle anderen Drehgestelle die Entgleisungsstelle zunächst noch problemlos befahren haben. Das zweite Drehgestell steht in der Endposition der Bahn noch sehr nahe am Gleis Richtung Bahnsteig E und dürfte erst im letzten Moment kurz vor Stillstand aus dem Gleis gehebelt worden sein, weil das A-Teil in Fahrtrichtung schräg links Richtung Museumshaltestelle zusteuerte. Hätte das Gelenk zwischen A- und C-Teil weiter frei drehen können, ohne dass sich die Wagenkästen berühren, wäre das zweite Drehgestell vielleicht gar nicht entgleist.

Genau, deswegen wäre relevant zu wissen, in welchem Zustand die Achsen und Laufräder von 3103 gewesen sind. Vielleicht waren die der anderen Bahnen im besseren Zustand um mit den potentiell schlechten Gleisen besser "umgehen" zu können. Auch spielt natürlich die gewählte Geschwindigkeit in Abhängig zur Kenntnis über den Gleiszustand eine große Rolle.

Zitat
Hinnak Hemmschuh
Deine Behauptung, das Rillengleis sei um mehrere Zentimeter heruntergefahren, ist völlig übertrieben, da die Rillentiefe je nach Bauart bzw. Norm insgesamt nur etwa 4 bis 5 cm beträgt: Rillenschienenprofil Nürnberg 1965, Rillenschienenprofil 2016. Wäre die Lauffläche wirklich so stark abgefahren, wie du behauptest, müsste der äußere Schienenkopf unter dem inneren liegen.

Keine Behauptung, sondern Tatsache! Wie auf Bild 2 zu erkennen, liegt der äußere Schienenkopf der linken Gleishälfte Ri. Bahnsteig E unter dem Gleisniveau der Innenseite. Außerdem fahren die Bahnen hier bereits auf dem Spurkranz, wo in dem weiter vorausgehenden Beitrag das erste Bild und dies folgende Bild entstanden sind:



Parallel hierzu gibt es auf der rechten Gleis-Seite auf der Innenseite ebenfalls eine Senke.


Zitat
Hinnak Hemmschuh
Dein zweites Bild zeigt aber genau das Gegenteil, nämlich den Sollzustand, was du ebenfalls kritisierst. Den Profilskizzen ist zu entnehmen, dass der gleisinnere Schienenkopf immer niedriger ist als der der Lauffläche. Du bezifferst den Höhenunterschied mit (geschätzt!) 1,5 cm; 9 mm wären beim Vergleich mit dem modernen Profil im Neuzustand normal. Um die Höhendifferenz qualifiziert zu interpretieren, müsste man jedoch wissen, welche Profilnorm die BSAG verwendet, wie diese ggfs. durch die Aufschweißungen im letzten Jahr verändert wurde und wie die Abnutzungstoleranzen definiert sind.

Ich sehe in Bild 2 keinen Sollzustand. Der restliche Text-Teil erhöht mein Sicherheitsgefühl auch nicht wirklich.

Zitat
Hinnak Hemmschuh
Die Riefe in der Rille auf dem ersten Foto gehört da nicht hin und ist vermutlich ein Anzeichen von Verschleiß. Wann und unter welchen Umständen sie entstanden ist, können weder du noch ich sagen. Unfallursächlich oder -fördernd dürfte sie nicht sein, da die Spurführung durch den äußeren Schienenkopf gewährleistet wird.

Leider ist der äußere Schienenkopf, parallel an dieser Stelle der Entgleisungsspuren, ebenfalls verschlissen.
Differenziert werden muss auch zwischen den Entgleisungsspuren und den Eingleisungsspuren. Die Entgleisung mit dem eigentlichen Drift hat eindeutig hinter (!) der Weiche stattgefunden. Eingegleist wurde das Fahrzeug auf direkten Weg, so daß alle Räder an der Weiche wieder eingegleist wurden und hier kurz zuvor, nach dem eig Unfall, erst Spuren im Asphalt hinterließen.

Zitat
Hinnak Hemmschuh
Was soll die Frage bzw. Forderung nach dem "angepassten Fahren" im Zusammenhang mit dem Zustand der Gleise? Unterstellst du damit nicht schon eine Pflichtverletzung seitens der BSAG? Kennst du alle Dienstanweisungen der BSAG im Detail? Den Zustand der Gleise kann man beim Fahrpersonal wohl als bekannt voraussetzen. Vor allem gibt es dort aber eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 km/h (ohne "Toleranzen"!) - das entsprechende Schild ist (war?) nach Google-Streetview über der Weichenlageanzeige an Weiche 111 (Richtung Gleis A) angebracht.

Ich nehme nur als Fahrgast, Interessierter und Fachmann aus anderen Industriebereichen der Schienenführung war, daß viele Straßenbahner die Geschwindigkeit an dieser Stelle ausreizen. Über BSAG-interne Angelegenheiten ist mir nichts bekannt, möchte zugleich aber auch nichts unterstellen.

Zitat
Hinnak Hemmschuh
Ob die zulässige Geschwindigkeit eingehalten wurde, dürfte sich mit dem Fahrtenschreiber leicht herausfinden lassen. Ansonsten wird bei der BO-Strab wird "auf Sicht gefahren", d.h. das Fahrpersonal ist gehalten, sich beispielsweise von der korrekten Weichenstellung zu überzeugen und nach etwaigen Fremdkörpern im Gleis Ausschau zu halten. Das ist an einer Stelle wie dem Bahnhofsvorplatz schwierig, wenn man auch noch auf querenden Verkehr und/oder Fußgänger achten muss. Im Zweifelsfall liegt es also nahe, dass man noch langsamer als möglich fährt bzw. rollt und immer bremsbereit ist.

So die Theorie. Leider ist mir als Fahrgast öfters eine eindeutige Geschwindigkeitsüberschreitung wegen unterschätztem Gefahrenpotenzials an dieser Stelle aufgefallen. So wird man durchaus im Stehen aus dem Gleichgewicht gebracht, indem man durch Fliehkräfte gegen die Fahrzeugwand/Seitenscheibe gedrückt wird. Dazu muss man an dieser Stelle nur mehrmals täglich als Fahrgast (bestenfalls vormittags) mitfahren.


Aufrichtige Grüße,

Fahrdrahtschnüffler

von Fahrdrahtschnüffler - am 23.01.2017 13:40
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