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bremer-nahverkehrs.net(z) Forum
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vor 13 Jahren, 11 Monaten
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vor 13 Jahren, 11 Monaten
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D.Kleine, straphan, Manfred Morzik, Kai B, Martin B., Martin von Minden

Zukunft der BSAG gefährdet?

Startbeitrag von Martin von Minden am 21.09.2004 18:42

PM des Senators für Bau, Umwelt und Verkehr vom 20.09.04:

Abbruch der Tarifgespräche gefährdet 2.200 Arbeitsplätze

Als „katastrophale Entwicklung, durch die die Zukunft der Bremer Straßenbahn AG und damit 2.200 Arbeitsplätze gefährdet werden“, hat der Senator für Bau, Umwelt und Verkehr, Jens Eckhoff, das Scheitern der Tarifgespräche bei der Bremer Straßenbahn AG bezeichnet.

Eckhoff erinnerte daran, dass derzeit parallel zu den Tarifverhandlungen Verhandlungen über den Kontrakt zwischen der Stadt Bremen und der BSAG geführt werden, die das Unternehmen dauerhaft auf eine wettbewerbesfähige Basis stellen sollen. Formuliertes Ziel des Vorstandes sei es, den öffentlichen Zuschuss von derzeit 70 Millionen Euro auf 43 Mio. Euro zu begrenzen. Dies sei ohne eine deutliche Kürzung bei den Personalkosten nicht erreichbar.

Eckhoff verwies darauf, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zwingende Voraussetzung sei, um nach 2007 von einer Ausschreibung der Dienstleistungen im Öffentlichen Personannahverkehr absehen zu können. „Eine Direktvergabe der Buslinien, die 2007 frei werden, ist nur möglich, wenn die BSAG ebenso wirtschaftlich ist, wie andere Nahverkehrsunternehmen. Sonst ist bereits 2005 eine Ausschreibung zwingend erforderlich, die die BSAG mit den derzeitigen wirtschaftlichen Daten nicht erfolgreich bestreiten kann.“

Ausgangsdaten der Verhandlungen über den Rahmentarifvertrag waren Gutachten, die die fehlende Wettbewerbsfähigkeit der BSAG belegt hatten. Danach liegt der Kostendeckungsgrad der BSAG bei lediglich 50 - 55 %. Dem gegenüber liegt der Vergleichswert in Hannover oder Karlsruhe bei fast 80 %. Bremen wendet zur Abdeckung des Defizits pro Einwohner 140 Euro pro Jahr auf, Karlsruhe beispielsweise nur die Hälfte. Umgerechnet auf den Fahrgast wird in Bremen jede Fahrt mit 83 Cents pro Fahrgast subventioniert. In Karlsruhe liegt dieser Wert bei 22 Cents.

Eckhoff: „Vor dem Hintergrund dieser Zahlen und im Wissen um den bevorstehenden Wettbewerb im Öffentlichen Personennahverkehr wird deutlich, wie dramatisch die Situation für die BSAG tatsächlich ist.“

Die fehlende Bereitschaft, sich auf ein den Notwendigkeiten geschuldetes Sparpaket einzulassen, sei daher kurzsichtig. „Wer die notwendigen Einsparungen heute nicht mitmacht, wird morgen von den absehbaren Entwicklungen überrollt.“

Eckhoff betonte, dass die Stadt in den weiteren Kontraktverhandlungen an den Sparvorgaben festhalten werde. „Ich möchte ein starkes Unternehmen, das sich als öffentlicher Mobilitätsdienstleister profiliert und damit dauerhaft Arbeitsplätze erhält. Deshalb kann es eine Abkehr von den Sparanstrengungen nicht geben.“

Vor diesem Hintergrund appellierte Eckhoff an ver.di die abgebrochenen Gespräche kurzfristig wieder aufzunehmen.

Antworten:

Von 2.200 "gefährdeten Arbeitsplätzen" kann man wohl kaum sprechen, es sei denn, die Busse fahren dann fahrerlos durch die Gegend. Im Falle der Vergabe der Buskurse an andere Unternehmen müssten wir uns halt mit anderen Fahren abfinden...z.B. solchen, die nur noch gebrochen Deutsch sprechen. Sparanstrengungen und Reduzierung des Defizits heißt auf der anderen Seite wohl auch weitere Einschnitte in den Fahrplan, und dafür kann die BSAG ja nichts.
Ob und wieviel die BSAGler "zu viel" Geld kriegen, kann ich nicht sagen, weil mir dazu der Überblick fehlt. Das ist alleinige Sache zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber. Wenn die Gewerkschaft halt "pokert", kann es sein, dass die Busleistungen irgendwann in der Tat an andere Unternehmen vergeben werden und ihre Klientel (die BSAGler) auf der Straße stehen. Auf der anderen Seite hat Qualität ihren Preis. Meinen Erfahrungen nach sind die Leistungen vieler privaten Anbieter in der Tat schlecher - Haltestellenansagen funktionieren nicht, es wird zu früh abgefahren oder grundlos zu spät, und die Freundlichkeit des Personals lässt zu wünschen übrig (O-Ton eines Wolters-Fahrers auf meine Frage, warum er in Huckelriede nicht auf die 4 gewartet hat: "Ist doch nicht mein Unternehmen").
Wie sagt der Engländer so schön: "You get what you pay for".

Kai

von Kai B - am 22.09.2004 08:10
Hallo!

Die Privatisierung der ÖPNV finde ich notwendig - zumindest wenn es sich um die Busse handelt. Ich glaube es sollte nicht die Aufgabe der Stadt sein, sich um Arbeitsplätze der Strab- und Busfahrer zu kümmern. Die Aufgabe der Stadt ist ein gutes ÖPNV ihren Bewohner zu geben. Und das kann man auch ohne eines städtisches Unternehmens machen.

Die Firmen Weser-Ems-Bus oder Wolters, die schon jetzt auf den städtischen Linien 62, 64 und 53 fahren sind überhaupt nicht schlechter als der BSAG - die haben sogar bessere Wagen (Setras und MAN 3er Generation statt O405N) als die BSAG. Wenn ich die mit den alten NL202-Kisten, die von Rönnebeck aus im norden Bremens fahren, vergleiche...

Private Unternehmen sind flexibler mit ihrer Tarif und mit der Beschaffung von Fahrzeugen, da sie nicht gezwungen sind, Ausschreibungen zu machen. Beispiel aus Warschau: Die private Firma ITS Michalczewski gewann vor 1 Jahr eine Ausschreibung für 5 oder 6 Linien (etwa 30 oder 40 Kurse). Herr Michalczewski kaufte sich einfach ein Stück Gelände für ein Betriebshof und leaste sich 40 nagelneuen MAN NL 223-Büsse für den Dauer des Vertrages (etwa 5 Jahre). Und er fährt sogar biliger als die städtischen Busverkehrsbetriebe MZA!

Wieso könnte man so was hier in Bremen nicht machen?

Viele Grüße aus den norden (Bremens :D)
Karol Tyszka

von straphan - am 25.09.2004 11:29

Re: Setras auf Stadtbus-Linien

Hat jetzt zwar nix mehr mit dem ursprünglichen Thmena zu tun, aber ich persönlich finde den Einsatz von Setras auf Stadtbus-Linien unpassend. Diese Busse sind doch in erster Linie für Überland- und Regionalbuslinien bestimmt?! Also ich kann mich leider nicht damit anfreunden, auf den Linien 51/53 in einen Setra zu steigen; ich finde sie dort einfach fehl am Platz... (Alles meine persönliche Meinung. Es gibt bestimmt welche, die da anders denken)

Martin B.

von Martin B. - am 25.09.2004 13:27

Re: Setras auf Stadtbus-Linien

Aber leider Gottes sind die Busse noch immer besser, als alles was die BSAG an Zweiachsern aufbieten kann, die jüngsten davon sind (von den Fahrschulwagen mal abgesehen) auch schon fast 10 Jahre im Dienst! Und von Setra selbst werden (oder wurden zumindest) die S315NF auch für den Stadtverkehr beworben, wobei ich einen NL313 schon vorziehen würde...

von D.Kleine - am 25.09.2004 14:06

BSAG und neue Bussen

Hallo!

Plant die BSAG überhaupt im nähesten Zukunft welche Busse (12 und 18m) zu kaufen? Es gab den Solaris Test-bus irgendwann im Jahr 2003, VGH Hoya kaufte sich 2 Stück und dann nix. Ist etwas geplant?

Gruß aus dem norden (Bremens :D)
Karol Tyszka

von straphan - am 25.09.2004 14:34
straphan schrieb:
>
> Hallo!
>
> Die Privatisierung der ÖPNV finde ich notwendig - zumindest
> wenn es sich um die Busse handelt. Ich glaube es sollte nicht
> die Aufgabe der Stadt sein, sich um Arbeitsplätze der Strab-
> und Busfahrer zu kümmern.

Aufgabe der Stadt sollte es aber auch nicht sein, etliche Busfahrer indirekt auf die Strasse zu setzen, denn dann zahlt Bremen letztlich drauf, durch fehlende Steuereinnahmen und höhere Aufwendungen für Sozialhilfe/ALG II, denn ich bezweifele, dass z.B. Üstra Intelliance (also bei uns Wolters) diese Fahrer einstellen wird, da diese zu Hohe Gehaltsforderungen haben dürften, die Wolters nicht bereit sein wird zu zahlen und Wolters hat zumindest eine Zeit lang Üstra-Fahrer aus Hannover eingesetzt!

> Die Aufgabe der Stadt ist ein gutes
> ÖPNV ihren Bewohner zu geben. Und das kann man auch ohne
> eines städtisches Unternehmens machen.
>
> Die Firmen Weser-Ems-Bus oder Wolters, die schon jetzt auf
> den städtischen Linien 62, 64 und 53 fahren sind überhaupt
> nicht schlechter als der BSAG - die haben sogar bessere Wagen
> (Setras und MAN 3er Generation statt O405N) als die BSAG.

Die O405N2 sind auch nicht so schlecht, sicher sind nie NL313 oder S315NF auch in meinen Augen besser, aber mit den O405N2 könnte ich leben, wenn das nicht die jüngsten Zweiachser im Wagenpark wären!

> Wenn ich die mit den alten NL202-Kisten, die von Rönnebeck
> aus im norden Bremens fahren, vergleiche...

Die WEB oder Wolters Busse werden auch mal in dieses Alter kommen, dass dort recht neue Fahrzeuge fahren liegt daran, dass hier noch nicht all zu lang ausgeschrieben wird und anfangs hat die WEB auch nur übernommene BSAG-Fahrzeuge und alte eigene Fahrzeuge auf den 60ern eingesetzt.

> Private Unternehmen sind flexibler mit ihrer Tarif und mit
> der Beschaffung von Fahrzeugen, da sie nicht gezwungen sind,
> Ausschreibungen zu machen.

Meines Wissens ist es so, dass ab einem gewissen Auftragsvolumen immer ausgeschrieben werden muss, egal ob privat/öffentlich...

> Beispiel aus Warschau: Die private
> Firma ITS Michalczewski gewann vor 1 Jahr eine Ausschreibung
> für 5 oder 6 Linien (etwa 30 oder 40 Kurse). Herr
> Michalczewski kaufte sich einfach ein Stück Gelände für ein
> Betriebshof und leaste sich 40 nagelneuen MAN NL 223-Büsse
> für den Dauer des Vertrages (etwa 5 Jahre). Und er fährt
> sogar biliger als die städtischen Busverkehrsbetriebe MZA!

Herzlich Wilkommen in der schönen neuen Welt: Personal ist nur noch ein Kostenfaktor, der stört und am Ende schreien alle wieder, weil niemand was kauft! So langsam muss es doch auch mal ein paar Leuten auffallen, dass man, wenn man weniger Geld hat nicht mehr ausgeben kann. Mit dieser Geiz ist Geil-Mentalität sind wir bald an einem Punkt, wo wir alles importieren, weil man es in Taiwan, China, Polen, Tschechien oder wo auch immer günstiger produzieren kann, aber da wir hier nur noch Arbeitslose haben (bis auf ein paar 1-Euro-Dienstleistungsjobs, sowas lässt sich schwer aus dem Ausland machen) wundert man sich, warum hier niemand was kauft...

Ich behaupte einfach mal dass mindestens 90% der BSAG-Mitarbeiter (lassen wir mal die Umleitungs und Ersatzverkehrsplanung aussen vor) gute Arbeit leistet und die muss auch angemessen bezahlt werden, man kann nicht alles zum halben Preis haben wollen, da wird zwangsläufig die Qualität leiden...

>
> Wieso könnte man so was hier in Bremen nicht machen?

Es wird leider so kommen, befürchte ich, wenn hier ausgeschrieben wird kommt irgendso ein Billigheimer, am Anfang ist das toll, weil er wahrscheinlich neue Busse kaufen muss, aber die werden dann statt bis zu 14 Jahre (was ich schon lang finde) eben mindestens 16 Jahre eingesetzt. Gereinigt werden die Fahrzeuge dann auch nur jede zweite oder dritte Nacht, weil es günstiger ist und in die Werkstatt kommen die Fahrzeuge auch nur wenn es wirklich nötig ist, ein aufgeschlitzter Sitz kann schon mal ein paar Wochen auf Linie gehen. Und Ersatzfahrzeuge vorhalten? Wofür, die kann man sich zur Not irgendwo billig leihen, dass die dann natürlich nicht ganz so komfortabel sind, spielt ja keine Rolle... Und zu guter Letzt das Personal, ich will jetzt nicht behaupten, dass es schlecht oder unfreundlich wäre, aber ich kann von mir aus nur sagen, wenn ich besser bezahlt werde, gehe ich sicher motivierter zur Arbeit, als wenn ich doch nur so viel bekomme, dass ich grade mal Wohnung und Essen bezahlen kann, von anderen Arbeitsbedingungen mal abgesehen, die meisten Menschen gehen nicht zu Arbeit, weil sie soviel Spass daran hätten, sondern weil man irgendwovon schliesslich Leben muss... Zu guter Letzt würde es mich nicht wundern, wenn ein spanischer oder polnischer Anbieter einheimisches (also spanisches oder polnisches Personal) nimmt, welches günstiger arbeitet, als deutsches (wegen den Tarifen), diese hier wochenweise in einer Baracke am Betriebshof unterbringt und damit fährt...

Irgendwoher müssen die privaten Anbieter schliesslich billiger sein und das sicher nicht, weil sie alles genau so machen, wie die BSAG oder andere städtische Verkehrsunternehmen, irgendwo müssen die das auch einsparen, denn die Privaten wollen schliesslich auch noch Gewinn machen!
>
> Viele Grüße aus den norden (Bremens :D)
> Karol Tyszka

Grüsse zurück aus den Süden Bremens

David

von D.Kleine - am 25.09.2004 14:35

Re: BSAG und neue Bussen

Es sind 10 Gelenkbusse ausgeschrieben für März 2005 (siehe bei stadtbus.de unter Ausschreibungen...

Das Alter der Zweiachser liegt halt daran, dass die BSAG viele Zweiachser-Linien bereits (zum Teil oder ganz) ausgeschrieben hat (z.B. 60er, 51/53, 27er-Pendel abends) und auch noch etliche alte Zweiachser-Linien auf Gelenkbusse umgestellt hat (z.B. 21, 22, 28) dadurch ist der Bedarf an Zweiachsern gesunken und die aktuellen haben leider noch nicht alle ihr Lebensalter erreicht und werden daher nicht ersetzt oder halt durch Gelenkwagen (AFAIK sind die 10 Gelenkwagen für HB-Nord vorgesehen und sollen dort Zweiachser ersetzen), so dass die Zweiachser-Flotte vor sich hin altert...

von D.Kleine - am 25.09.2004 14:41
Hallo!

Ich stimme Dir zu. Wenn die Fahrer arbeitslos werden, wird dafür die Stadt Bremen und ihre Steuerzahler zahlen. Aber wieso sollen diese Leute Nahverkehrsbusfahrer bis zum Ende ihres Lebens bleiben? Die können ja doch tausende andere Dinge machen, oder?

Zu den Neuheit der Bussen: Wenn Du jeden 10 Jahre eine Ausschreibung machst, wo Du jedes mal sagst, dass die Firma soll sich neue Busse beschaffen, dann werden jede 10 Jahre alle Busse ausgetauscht, und die alten gehen dann Richtung Polen, wo sich manche Unternehmen über solche Angeboten sehr freuen werden.

Zu den Gehaltsniveau: Richtig. Wenn man mehr jemandem zählt, ist die Person in der Regel besser motiviert, um gute Arbeit zu leisten. Ich bezweifele überhaupt nicht, das der Personal super ist, und das BSAG die beste Fahrdienstleistungsfirma ist, die ich bisher gesehen habe. Fakt ist aber, das Du nicht weisst, ob man eine ähnliche Qualität billiger bekommen könntest... Und leider ist die Stadt Bremen dazu gezwungen, ein bisschen sparsamer zu werden.

Ich verstehe Deine Angst, das dieses super-System durch den Ausschreibungen verloren gehen würde. Dies bezweifele ich aber. Es ist nicht unmöglich, dieselbe Arbeitsqualität billiger zu bekommen. Man darf auch weitgehend in den Vertrag bestimmen, was ein Unternehmen tun sollte, um so eine Qualität der ÖPNV in Bremen weiter zu erhalten. Wer weiss - vielleicht gewinnt die BSAG noch mal? Das Problem hier ist aber, das Du nicht weisst, ob es jemand gibt, der die selbe Qualität billiger liefern könnte. Und leider sind Monopolisten in der Regel teuerer...

Gruß,
Karol Tyszka

von straphan - am 26.09.2004 08:37
Naja hierzulande mal eben was neues zu finden ist nicht ganz so einfach... Wir haben nicht über 4 Millionen Arbeitslose, weil diese 4 Millionen nicht arbeiten wollen, die meisten davon finden einfach nichts! Und wenn man älter als 50 ist und auf der Straße landet hat man eigentlich schon verloren und das sind die die dann meistens als erstes entlassen werden... Dazu kommt noch, um was anderes machen zu können muss man auch eine entsprechende Ausbildung haben, ich glaube nicht das man einen Busfahrer ohne weiteres einfach in eine Tischlerwerkstatt oder einen Friseursalon stellen kann und in dem Alter noch mal einen neue Ausbildung? Schon mal die üblichen Ausbildungsvergütungen gesehen, davon ernährt man keine Familie... Und sich in die Berufsschule setzen in dem Alter, kann auch peinlich enden...

Und das System funktioniert meistens nur so gut, weil es eben alles aus einer Hand kommt. Eine Erfahrung, die ich z.B. in London gemacht habe (dort werden alle Buslinien von etlichen verschiedenen Firmen gefahren) frag den Fahrer nach irgendwas, die Antwort war sinngemäss: Wir fahren da nicht hin und die Linie xyz (nach der man auch fragte, weil man von der weiss, die fährt zum gewünschten Ziel)? Nie gehört, ist jedenfalls auch net unsere, keine Ahnung wo die fährt...

Okay das Busnetz in London ist ein wenig umfangreicher als das hiesige, aber faktisch wird es wohl ähnlich laufen, wenn hier gross ausgeschrieben wird...

Auch hier wurde schon mal erwähnt, dass Wolters in Huckelriede u.U. Anschlüsse nicht abwartet, nach dem Motto ist nicht unsere Firma, das wird dann noch schlimmer, befürchte ich.

Was noch dazu kommt, ein privatwirtschaftliches Unternehmen ist zur dazu verpflichtet wirtschaftlich zu arbeiten und Gewinne zu erzählen, aber unter dieser Prämisse bleibt vieles auf der Strecke: Warum ein Gelenkbus auf der 21 für die paar Fahrten, wo der nicht reicht ist das zu teuer, dann müssen die Fahrgäste halt warten oder sich in den Bus quetschen. Die Fahrpläne/Umläufe werden enger, denn es steht nicht mehr Qualität, sondern Wirtschaftlichkeit im Vordergrund und wenn dadurch die Verspätungen vom Morgen den ganzen Tag lang weiter getragen werden, dann ist das halt so, aber wir haben einen Kurs gespart und können dadurch günstiger arbeiten. Und den Bus austauschen, der wäre nur noch einen Umlauf gefahren, das lohnt auch nicht, da ist ja selbst die Konventionalstrafe günstiger. Sicher kann man solche Kriterien in der Ausschreibung festlegen, aber damit kommen wir zum grössten aller Probleme, wer schreibt aus? Die Stadt Bremen, also letztlich Politiker und die haben vom Nahrverkehr (wie von allem was sie beschliessen) so gut wie keine Ahnung, da fallen solche Punkte schnell mal unter den Tisch und was nicht in der Ausschreibung steht, ist dahin... Und das mach mir am meisten Sorgen, wenn man sich die Politik hierzulande anschaut, aber lassen wir das das führt jetzt am Thema Nahverkehr meilenweit vorbei... Aber die Qualität wird leide, wenn ausgeschrieben wird, denn irgendwo muss das Unternehmen, das die Ausschreibung gewinnt das Geld ja gegenüber der BSAG einsparen und das kann man nicht, wenn man das unter den gleichen Rahmenbedingungen, so macht wie die BSAG, sonst wäre die BSAG ja günstiger. Das sieht man auch in anderen Bereichen, Unterhaltungselektronik, kann z.B. immer günstiger hergestellt werden, aber länger halten tut das Ganze dadurch nicht, es ist also schlechter geworden...

von D.Kleine - am 26.09.2004 14:57
Hallo,

zum Thema Ausschreibungen von ÖPNV in Bremen und Zukunft der BSAG habe ich folgende Anmerkungen:

Kürzungen zu Lasten der Fahrgäste hat es in Bremen in den letzten 30 Jahren sehr häufig gegeben, z. B. im Winter in den Spitzenzeiten von 5 oder 6 Minuten-Takt auf 10 Minuten-Takt. An Sonntagnachmittagen wird nur noch alle 20 Minuten gefahren, in den 70er Jahren gab es einmal einen 12-Minuten-Takt...

Das Verpassen von Anschlüssen ist auch bei der BSAG nicht so selten, siehe Sommerferien 2004 Anschluss von Linie 1 in Huchting an die Linien 57/58. Somit kommt es dann eben auch bei der BSAG zu zusammengepferchten Fahrgästen...

Ab und zu fallen bei der BSAG Busse auch einfach aus. Es kommt schlicht und einfach kein Bus, so dass man dann 20 Minuten auf die 57 oder 58 warten muss (trotz 10-Minuten-Takt), obwohl am Roland-Center oft ein Gelenkbus als Reserve (?) herum zu stehen scheint. Das ist zwar selten, passiert aber doch...

Verdreckte Fahrzeuge auf den Linien 1, 57/58 sind auch nicht gerade selten.

Ich fahre recht häufig mit den Bussen der Weser-Ems-Bus, wo ich noch nie einen Fahrer erlebt hatte, der nur gebrochen Deutsch sprechen konnte. Die Fahrer bei Weser-Ems-Bus verdienen ja trotzdem weniger als bei der BSAG.

Wie oft eine Linie bedient wird und mit welchen Fahrzeugen (z. B. Niederflurbus/-bahn), das kann man alles in der Ausschreibung vorgeben. Einschränkungen sind dann in der Regel nur durch die Politik möglich (s. Bremen/BSAG: Die teilweise drastischen Kürzungen im Fahrplan der letzten Jahre sind durch die Große Koalition gewollt worden, um weniger an die BSAG zu zahlen müssen).

Zum Thema Anschlüsse abwarten bzw. auf verspätete Fahrgäste warten fällt mir noch die Nordwestbahn ein, die u. a. von Bremen über Delmenhorst/Wildeshausen/Vechta nach Osnabrück fährt. In Delmenhorst konnte ich schon mehrmals beobachten, wie der Triebwagenführer den Triebwagen noch einmal anhielt, um einen verspäteten Fahrgast mit zu nehmen. Die Angestellten der Nordwestbahn werden meines Erachtens auch unter DBAG-Tarif bezahlt, trotzdem gab es noch keine nennenswerten Klagen über mangelnden Service oder mangelnde Qualität.

Diese Beispiele zeigen, dass meiner Meinung nach private ÖPNV-Linien nicht unbedingt Einbußen für die Fahrgäste hinsichtlich Qualität, Takt usw. bringen müssen.

Vielleicht einigen sich die Gewerkschaft ver.di und die BSAG ja doch noch auf Sparvorschläge, so dass sich Bremen die Ausschreibungen sparen kann.

Viele Grüße

Manfred Morzik

von Manfred Morzik - am 26.09.2004 19:32
Ich gebe zu, dass ich da ein wenig Schwarzmalerei betreibe und keineswegs ist bei der BSAG alles gut nur sehe ich die Gefahr das z.B. durch Vergabe an verschiedene Unternehmen es Probleme gibt, die derzeit bei der BSAG durch einen kurzen Funkspruch erledigt werden können. Es macht einen gut funktionierenden ÖPNV jedenfalls nicht einfacher, wenn etliche Unternehmen im Spiel sind, ich erinnere mich jedenfalls noch an meine erste und einzige Fahrt mit einem Nachtschwärmerbus (war ein WEB-Bus ich meine N71), der planmässig um 5:27 oder 5:28 am Bahnhof ankommen sollte, so dass das mit den BSAG-Nachtbussen passt, aber leider kam der Bus 3 Minuten zu spät an, so dass zu den Nachtlinien nur noch Sichtanschluss bestand und ich durfte eine Stunde warten, die BSAG Nachtlinien warten in der Regel ja aufeinander, aber auf den WEB-Bus wurde nicht gewartet. Und das ist etwas, wo ich befürchte, dass es in Zukunft alltäglich werden könnte...

Und ich gebe zu wirklich unfreundliche Fahrer habe ich bei WEB, Wolters und Co. auch noch nicht erlebt, sicher hatte mal einer nen schlechten Tag, aber das ist mir bei der BSAG auch passiert und ist wohl nur menschlich, das Problem bei der Bezahlung der Fahrer dürfte eher volkswirtschaftlich betrachtet schädlich sein, was ärgerlich sein dürfte ist, dass die Fahrer, die bei der BSAG dann übrig sind nicht bei Busunternehmen XYZ (Ausschreibungsgewinner) unterkommt, sondern auf der Strasse stehen...

von D.Kleine - am 26.09.2004 19:59
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