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bremer-nahverkehrs.net(z) Forum
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Erster Beitrag:
vor 11 Jahren
Beteiligte Autoren:
Peter Burtchen

DIE CHRONIK: Heute vor 35 Jahren

Startbeitrag von Peter Burtchen am 10.10.2006 10:36

10. Oktober 1971:
Heute vor 35 Jahren wurde die Streckenführung der Linien 2 und 10 von der Hanse- in die St.-Magnus-Straße verlegt.
Diese Strecke hat eine besondere Bewandtnis: sie war ursprünglich nämlich gar nicht vorgesehen! Vielmehr war geplant, die in der Landwehrstraße bereits vorhandene Strecke geradeaus weiter durch die Wartburg- und Vegesacker Straße zu führen. Hinter der Ritter-Raschen-Straße sollte die Strecke dann in einem sanften Bogen verlaufen und Höhe Waller Straße wieder an die alte Streckenführung Richtung Gröpelingen anschließen.
Grund für diese Verlegung war der geplante Ausbau der Utbremer Straße / Waller Heerstraße zur Kfz-Schnellstraße, die ab Waller Straße auf der ehemaligen Eisenbahntrasse weiter bis Oslebshausen verlaufen sollte (sog. „Gummitrasse“ ).
Die Planungen waren schon weit fortgeschritten und mehr oder weniger bereits „abgesegnet“. In der Wartburgstraße waren bis zur Grenzstraße bereits die Schienen verlegt worden und in der Vegesacker Straße hatte die Stadt bereits etliche Vorgärten für die notwendige Verbreiterung aufgekauft.
Inzwischen war jedoch die Kurfürstenallee als vierspurige Schnellstraße eröffnet worden (damals durfte da noch Tempo 80 gefahren werden!), und trennte nun Schwachhausen in zwei Teile. Der „Bürgerverein für die westliche Vorstadt“ befürchtete, dass die geplante Schnellstraße Walle ebenfalls durchtrennen würde und machte plötzlich gegen die Verlegung der Straßenbahn mobil. Auch die Geschäftsleute in der Waller Heerstraße waren gegen eine Verlegung der Straßenbahn; sie argumentierten, dass ihre Läden eine höheren Bekanntheitsgrad hätten, wenn der Blick der Leute aus der vorbei fahrenden Straßenbahn ständig darauf fiele (Komisch: 30 Jahre später waren die Geschäftsleute in der Pappelstraße der gegenteiligen Meinung; sie empfanden die Straßenbahn als störend). Auch die Gröpelinger waren über die geplante „Gummitrasse“ nicht sonderlich erfreut; sie befürchteten ebenfalls, dass die jenseits der Trasse liegenden Wohngebiete vom übrigen Kern abgetrennt würden.
Da fand ein pfiffiger Anwalt heraus, dass die Pläne einen halben(!) Tag zu wenig öffentlich ausgelegen hatten und damit ungültig waren. Alle Baumaßnahmen wurden sofort gestoppt. Inzwischen hatte im Bauressort ein Wechsel stattgefunden. Der neue Bausenator aber war dem „Bürgerverein“ wohlgesonnen und verfolgte die Pläne nicht weiter.
Doch die BSAG drängte auf eine Entscheidung, da der sichere Betrieb auf den noch aus der Vorkriegszeit liegenden Gleisen nicht mehr gewährleistet war und die ständigen Reparaturen nicht mehr vertretbar waren. Da ein Verbleib der Straßenbahn in der Hansestraße wegen des starken LKW-Verkehrs von und zum Hafen (da war damals noch ordentlich was los!!!) jedoch nicht möglich war, entschloss man sich zur Verlegung in die St.-Magnus-Straße. Die in der Wartburgstraße bereits liegenden Schienen wurden zwischen St.-Magnus- und Grenzstraße wieder herausgenommen und in die St.-Magnus-Straße verlegt. In Betrieb genommen wurde die Strecke am 10. Oktober 1971, heute vor 35 Jahren.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass die Pläne für die Schnellstraße ganz fallen gelassen wurden und stattdessen der Ausbau der Hafenrandstraße beschlossen wurde, deren vollständige Fertigstellung aber noch über 30 Jahre dauerte. Auf der ehemaligen Eisenbahntrasse wurde ein Grünzug mit Fuß- und Radwanderweg angelegt und auch auf der ursprünglich für die Straßenbahn vorgesehenen Trasse von der Vegesacker bis zur Waller Straße befindet sich ein Radweg.

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