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Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 10 Monaten
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Peter Burtchen

DIE CHRONIK: Heute vor 145 Jahren

Startbeitrag von Peter Burtchen am 23.01.2007 09:09

23. Januar 1862:
Heute vor 145 Jahren wurde die Eisenbahn von Bremen nach Geestemünde, die Geestebahn, eröffnet.

Schon im Vertrag von 1845 über den Bau der Eisenbahn von Wunstorf nach Bremen war die Fortsetzung an die Geeste erwähnt worden und Baudirektor Alexander Schröder berechnete ihre Kosten auf 2,25 Millionen Thaler. Der hannoversche Baudirektor Stolpner hatte 1850 für eine Privatgesellschaft Pläne einer Bahn durch das Werderland nach Vegesack ausgearbeitet, doch die politische Unruhe jener Jahre ließ dieses Unternehmen nicht reifen; was später nur bedauert werden konnte, denn das Königreich Hannover hatte inzwischen seine eigenen Vorstellungen von der Linienführung der Geestebahn. Am 7. Februar 1856 endlich fand die erste Unterredung statt und dann sollte es wiederum fast drei Jahre dauern, bis das Vertragswerk am 28. Februar 1859 unterzeichnet wurde.
Bremen erhielt die Bahn unter den gleichen Bedingungen wie zuvor die Bahn nach Wunstorf – das heißt geteilte Kosten und Betrieb auf gemeinsame Rechnung. Allerdings musste die Hansestadt erhebliche Konzessionen an die Linienführung machen und auf die kürzeste Strecke über Vegesack verzichten. Das Königreich wollte die Geestebahn als Teil einer Bahn zwischen Geestemünde und Harburg (das damals zu Hannover gehörte) betrachtet wissen; denn der eisfreie Hafen an der Geeste sei vorzüglich geeignet, den Verkehr an die zugefrorene Elbe abzuwickeln. Die Hannoveraner träumten von großen Möglichkeiten, die sich zwar als utopisch erwiesen, andererseits aber die weit im Bogen nach Osten über Stubben geführte Bahn bewirkten. Vegesack konnte unter diesen Umständen nur über eine Nebenbahn erreicht werden. In Geestemünde endete die Bahn vor der Geeste in der Nähe des Hafens und Bremerhaven erhielt eine Zufahrt über Geesthelle, die von Bremen allein zu erbauen war und nur dem Güterverkehr diente; denn einen Personenbahnhof bekam Bremerhaven trotz Auswandererverkehr nicht.

Als die Geestebahn am 23. Januar 1862 eröffnet wurde (Burg – Vegesack erst am 8. Dezember) herrschte tiefster Winter und die Schifffahrt auf der Weser ruhte.

An Baukosten hatte Bremen wiederum fast 2,5 Millionen Thaler aufzubringen; dazu traten die Kosten für die Drehbrücke auf der Geeste und die bremischen Gleisanlagen in Bremerhaven, die in unmittelbarer Nähe des Alten und Neuen Hafens entstanden. Interessant ist die Tatsache, dass die nur acht Meilen lange Geestebahn etwa die gleichen Kosten verursachte wie einst die 13 Meilen lange Bahn bis Wunstorf – Lohn- und Preissteigerungen gab es also schon damals.
Die Strecke wurde wiederum für zwei Gleise angelegt, doch erfolgte der zweigleisige Ausbau erst ab 1873 bis 1876 unter der Regie der KED Hannover. Auf bremischem Gebiet entstand nur eine Haltestelle in Oslebshausen neu (die zunächst gar nicht vorgesehen war), alle übrigen Bahnhöfe – Burg, Scharmbeck, Lübberstedt, Stubben, Loxstedt sowie St. Magnus und Grohn-Vegesack – lagen auf hannoverschem (ab 1866 preußischem) Grund und Boden.

Eröffnet wurde die Strecke am 23. Januar 1862, heute vor 145 Jahren.


Quelle:
Rolf Martens, „125 Jahre Eisenbahn in Bremen“
Eisenbahnfreunde Bremen e.V., 1972

Anmerkung: „Thaler“ ist kein Schreibfehler. Das wurde damals tatsächlich mit „Th“ geschrieben. Rechtschreibreformen, die viele heutige Zeitgenossen als unsinnig empfinden, hat es also immer schon gegeben.
KED = Königliche Eisenbahn-Direction (nach damaliger Schreibweise)

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